inde in die Haͤnde zu arbeiten. Man sagt uns, wenn die Hern en , über 30 betrage, so könnten die Paͤchter nur immer ihren Pfiug in Brand stecken; denn die Whigistisch radikalen Mintister wächen in diesem Fall. bald wieder ihren Beg an; Ruder zuruͤcksinden. Das ist reiner Ünsinn. Eine Maioritt pon 9 Slim Inen kann ein Ninisterium nicht besser schüͤtzen gegen die willkuͤrliche Ausuͤbung der Praͤrogative der Krone als eine von 39; und ohne eine solche Intervention der Praͤrogative annte e den Whigs nicht gelin⸗ gen, wieder ans Ruder zu kommen, bis die Majoritaͤt, sie moͤge nun h oder 2 Stimmen betragen, sich in eine absolute Mingritat ver⸗ wandelt hatte. Wir fuͤrchten keinen von beiden Faͤllen. Die Köͤni⸗ gin wird, davon sind wir uͤberzeugt niemals einen ungeziemenden Gebrauch von ihrer Praͤroggtive machen, und Sir Robert Peel wird nicht zu der gewaltsamen Maßregel einer zweiten Parlaments Aufld sung in diesem Jahre oder zu irgend einer anderen ahnlichen Thor⸗ heit, wurde sie auch vom „Standard“ empfohlen, seine Zuflucht neh⸗ men und der Krone dadurch Gelegenheit zu einer solchen Verande rung des Ministeriums geben, die sich das Land am Ende gefallen lassen möchte. Noch weniger, wenn hier von einem Weni⸗ ger die Rede seyn kann, ist es waͤhrscheinlich, daß Sir R. Peel's Majoritaͤt unter die Zahl derjenigen Mitglieder herabsinken sollte, die jetzt als seine verbuͤrgten Anhaͤnger gewahlt werden, er mußte denn felbst bon den konservativen Grundsaͤtzen abweichen. Glaubt zum Beispiel irgend Jemand, daß die Agrikultur⸗Whigs, so ungern sie auch ihre Partei verlassen haben moͤgen, als dieselbe ans Ruder war, besonders bemuͤht seyn werden, sie geradezu deshalb wieder ans Ruder zuruͤckzubringen, damit sie die Korngesetze aufhebe? Nichts ist einleuchtender, als daß es eine betraͤchtliche gemäßigte Partei geben muß, die aus Maͤnnern besteht, welche jetzt von den ministeriellen Blattern unter den allgemeinen Titel als Reformer mit rubrizirt werden, auf die aber ein konserva⸗ tives Ministerium als auf eine eventuelle Verstaͤrkung seiner Reihen rechnen kann. — Doch wenn wir schon erstaunten, unseren Kollegen, den „Standard“, hieruͤber im Ton eines Allarm schlaͤgers sprechen zu hoͤren, so war unsere Verwunderung, wir haͤt— ten fast gesagt Entrüstung, noch großer, als wir in seiner gestri gen Nummer Ansichten ausgesprochen fanden, gegen die wir aufs emphatischste protestiren müssen, — Ansichten, die auf ein gaͤnzliches Vergessen der Ereignisse von 1829 und 1830 hinzudeuten scheinen, — ein Vergessen, das an sich schon auffallend ware, bei dem Organe, von wo es kommt, im höchsten Grade auffallend ist. Was führte den Sturz der alten Tory-Partei im Jahre 1839 herbei. Was anders, als der im Jahre vorher von bem Herzog von Wellington und Sir R. Peel gemachte Versuch, nicht mit, sondern trotz ihren Grund⸗ saͤtzen zu regieren, — die ungluͤckliche Einbildung, daß es besser sei, sich zum Werkzeug der Durchfuͤhrung einer von ihnen getadlten unvermeidlichen Maßregel zu machen, als dieselbe der Verantwortlichkeit und dem Ruhm ihrer Gegner zu uͤberlassen? Sir R. Peel wird natuͤrlich das Amt annehmen und natuͤrlich auch, wie es jeder andere rechtliche Staats⸗ mann thun wurde, im Amte bleiben, so lange eine, wenn auch noch so geringe Majoritaͤt zu Gunsten seiner Maßregeln und seiner Gründfaͤtze vorhanden ist, aber nicht einen Augenblick langer. Ohne die Macht, ein guter Minister zu seyn, wird er, muß er und kann es nicht Mi nister werden oder bleiben. Er wird kein unrechtliches politisches Verfahren einschlagen, unter dem jaͤmmerlichen sophistischen Vorwande, daß es un⸗ vermeidlich sey. Er wird seinen Whig⸗Vorgaängern nicht darin nachahmen, daß er das Ackerbau⸗-Interesse oder irgend andere Institutionen oder Interessen, ganz oder sheilweise, gegen seine innere Ueberzeugung, zum Spfer brachte, um sein Gehalt fortzubeziehen und seine Patrongts Gewalt zu behalten. Waͤre er einer solchen Verblendung und Ge meinheit der Gesinnung faͤhig, so würde er ganz und gar unfähig seyn, unter irgend welchen Umstaͤnden weise nud patriotisch zu han beln, und seine Majoritaͤt, sie möchte sich auf 30 oder 390 Stimmen belalfen, wuͤrde bald wie Sand zerrinnen. Wir wenigstenz mochten unter folchen Bedingungen uns nie zu seinen oder irgend Jemandes Anhaͤngern zaͤhlen lassen.“
Mit der Wiedererwählung des Lord Morpeth, Secretairs fuͤr Irland, und des Lord Hovick, Sohnes des Grafen Grey, der sich auch vor seinen Konstituenten ganz zu Gunsten der ministe— riellen Handels-Reformen, besonders des festen Getraidezolles, ausgesprochen hat, steht es noch sehrr mißlich. Dagegen ist Lord Stanley fuͤr Nord⸗Lancasterschire ohne Opposition wiedergewählt worden. Bekanntlich gehörte dieser Staatsmann zum Greyschen Ministerium, und er suchte nun in seiner Wahlrede zu zeigen, daß er, trotz seines jetzigen Verfahrens, sich immer kon sequent bewiesen habe, und seit neunzehn Jahren seiner oͤffentlichen Laufba hn, seinem Gewissen und seiner Pflicht gefolgt sest. Mit großer Schaͤrfe sprach er uͤber die Unfähigkeit und Uebereilung des Ministeriums, welches er als in den letzten Zuͤgen liegend ansah, weshalb er nach dem Grundsatz ge mértuis nil nisi bene lieber gar nichts weiter von ihm sagen wolle, da er doch nichts Gutes von ihm lagen koͤnne. Der Redner ging hierauf auf die dre großen Maßregeln ein, welche zunaͤchst die Aufloͤsung des Parlaments herbeigefuͤhrt hoben, wobei er sich gegen den Verdacht egoistischer Tendenzen als Grund— befitzer verwahrte: denn erstlich sey sein Grundbesitz ganz, in der Naͤhe der Manufaktur-Distrikte belegen, und zweitens wären die Interessen des Grundbesitzers und des Fabrikanten einander gar nicht entgegengesetzt, sondern nur durch eige unverstaͤndige Re⸗ gierung gegen einander gehckt, worden. Das Geschrei nach freiem Handel erschien ihm ganz illusorisch, da es sich ja nur um gerin— gen Vortheil fuͤr die Konsumenten, aber um großen Rachtheil far die Produzenten handle. ö
„Angenommen,“ sagte der Redner unter Anderem, „es wuͤrde der Preis des Eentners zucker um 18 Pence herabgesetzt, so wuͤrden hoͤchstens die Kraͤmer, aber nicht die Konsumenten dabei gewinnen. Als Beispiel führe ich nur die Abgabe von Leder an, bei deren Auf⸗ hebung der Stagt viel verloren hat, wahrend doch kein Mensch wohlfeilere Schuhe tragt. Ueberdies würde die Herabsetznng der Abgabe von auswaͤrtigen Zuckern für Westindien verderblich seyn, und So0,000 Neger, die man fuͤr 20 Millionen Pfd. St. freigekauft, zu einer Rgee von Fgullenzern heranbilden, waͤhrend sie eben an⸗ fangen, sich an Fleiß zu gewoͤhuen. Haͤtten die Minister noch vorgeschlagen, die Abgabe von Kolonial- und auswaͤrtigem Zucker n herabzusetzen! Nein, im Gegentheil! Die Abgabe von ersterem soll beibehalten, die von letzterein herabgesetzt, alss das Ausland auf, Kosten unserer Landsleute begünstigt werden. Noch schlimmer verhält es sich mit dem Bauholz. Kommt es aus der Ostsee/ so will man die Abgabe auf 40 bis 45 Sh. reduziren; kommt es aus Kangda sie dagegen um 18 bis 20 Sh. erhöhen; und das nennt man ein freies Handels⸗System! Das Ganze ist nichts als eine singnzielle Spekulatien, um durch die erhöhten Ein⸗ fuhrzoöͤlle 1700,00 Pfd, jahrlich zu erhalten, obgleich auch dann noch „oh, 00 Pfd. ungedeckt bleiben, wie der Kanzler der Schatzkammer ehrlich eingestanden hat. Die Minister sollten sich schamen, die schwache Seite des Landes so vor dem Auslande herauszukehren.“
„Was die Korn⸗-Feage betrifft, so behaupte ich, daß durch den stehenden Zoll von 8 Sh. der Geundbesitzer die Hälfte, ja vielleicht drei Viertheile seines Pachtzinses der Paͤchter dagegen einen großen Theil seines Kapitals verlieren wurde. Abgesehen von den Nachthe! en, die aus den Einschraͤnkungen der höheren Stände entstehen müßt
ten, so wänden die niederen Stande nichts dahei gewinnen, denn mit
—
. Preisen der Lebensmittel wurde auch der Tageslohn sinken. Be de
sonders aber ist die totgle umwaͤlzung zu bedeuken, welche die Ver—⸗ änderung der Korngesetze in den Sitten und Gewohnheiten der r erzeugen muͤßte; ein großer Theil des Landhaues j 3j. ö ö. ut an als wenn sie Maschinen waͤren, gebicken, sich ihrer gesunden ebensweise zu , . und in dem Ruß und dem Dunst der
k Die Neuerer
mögen immerhin kalt über solche Ruck sichten ,, als
Bevblkerung
wurde eingehen. Kann man aber den Lanzleuten,
abrikstädte weinen kaͤrglichen Unterhalt zu suchen?.
Mensch und Gefetzgeber erachte ich es füͤr meine Pflicht, den
nd⸗
Sõß mann zu beschuͤtzen. Zum Ueberfluß aber laßt sich noch dazu nach⸗ weisen, daß der ganze Gewinn für die Konsumenten im Durch⸗ schnitt nur 3 Sh. auf den Quarter betragen würde. Allerdings ist es wuͤnschenswerth, unseren Fabrikanten neue Absatzmaͤrkte zu eroͤff⸗ nen, nur darf dies nicht aufsosten unseres ersten und besten Mark⸗ tes, naͤmlich Englands selbst, geschehen.“
Schließlich tadelte Lord Stanley die Minister, weil sie so rein praktische Fragen durch einen Aufruf an die Leidenschaften der Menge entstellt und den Zeitpunkt finanzieller Verlegenheit gewahlt hatten, um Schritte zu thun, die sich nicht zuruͤckthun ließen. . ;
In Warwick haben die Wahlen ernste Erzesse herbeigeführt, wozu insbesondere der Umstand den Anlaß gab, daß der gewaͤhlte Whig-Kandidat, Herr Dovor, gleich nach beendigter Abstimmung, angeblich fuͤr eine ansehnliche Geldsumme, auf seinen Posten Ver— zicht leistete. Die hieruͤber hoͤchst aufgebrachten Chartisten ver— sammelten sich Abends auf dem Marktplätze, wo mehrere Redner den Haufen noch mehr aufreizten, der nun vor das Wirthshaus zog, in welchem sich Dovor befand. Mit einer Pistole und einem Säbel bewaffnet, wehrte er sich verzweifelt und verwundete mehrere seiner Gegner; zuletzt jedoch unterlag er, wurde furchtbar mißhandelt und an der Erde hin bis zur Bruͤcke ge⸗ schleppt, wo ihn aber mehrere Bekannte befreiten. Die Polßzei eilte ebenfalls herbei, nahm ihn, trotz des auf sie fallenden Stein⸗ regens, in Schutz und brachte ihn nach einem Hotel, wo man seine Wunden verband. Als die unteren Klassen erfuhren, daß Dovor mehrere Menschen verwundet habe, stroͤmten sie in Massen heran, und die Ruhe konnte nur durch BVerlesung der Aufruhr— Akte und Herbeirufung der bewaffneten Macht hergestellt werden. Einige Personen wurden verhaftet, und die Justiz hat ihre Un— tersuchungen begonnen. Dobor wird im Stadtgefaͤngnisse be— wacht, da fortwährend große Gaͤhrung herrscht.
Man trifft schon jetzt Anstalten zu der Reise des Prinzen Albrecht nach Deutschland, auf welcher Se. Koͤnigliche Hoheit von einem großen Gefolge begleitet seyn wird.
Dem Dublin-Journal zufolge, liegen in Irland noch
5.710000 Acre Land wuͤst, worunter 2835000 Acre Moorland sind. Mit dem nbthigen Kapital waͤre ein großer Theil dieses Feldes urbar zu machen und Tausenden von nothleidenden Fami— lien zu helsen. . Auf den Inseln Sheppey und Grain sollen jetzt die Befesti— gungen zur Deckung der Schiffswerfte von Sheerneß ausgebaut werden. Das Werft Miltown soll ebenfalls durch starke Batte— rieen gedeckt werden.
Das ganze Quantum des vom 1. Januar 1840 bis zum 30. April 1841 eingeführten Waizenmehls belaͤuft sich auf 2,5 13,256 Quarter, wovon die Abgabe 1,009,023 Pfd. St. hetrug.
Von den Englischen Gröͤnlandsfahrern sind sehr guͤnstige Nachrichten eingegangen. Neun Schiffe haben bis zum 14. Mai aber 16,000 Robben gefangen.
Briefe aus Florenz vom 25. Juni widerlegen das Geruͤcht von dem Tode der Catalani.
Der Schornsteinfeger-Bursche Jones, bekannt wegen seiner haufigen ungebührlichen Besuche im Buckingham-Palast, war, nach Ablauf seiner Strafzeit, der Haft entlassen worden, ließ sich jedoch bald darauf abermals in der Nähe des Palastes sehen. Die Po— lizei hat ihn daher wieder festnehmen und an Bord des „Dia— mant“, eines nach Australien segelnden Schiffes, bringen lassen.
Sehweden und Norwegen.
Stockholm, 6. Juli. Die sogenannten Wasserschuhe oder Schwimmschuhe, die indessen ziemlich uneigentlich Schuhe ge— nannt werden, haben Aehnlichkeit mit zwei sehr schmalen, vorn und hinten spitzigen Booten, jedes mit einem Verdeck, und sind durch ein paar Queerhoͤlzer mit einander verbunden. Die „Statstid— ning“ vom Zten liefert daruber folgenden Artikel: „Eine von Lieütenant Hoͤbckenberg erfundene Weise, vermittelst zweier in der Breite, mit einem Zwischenraum von einer Elle, zusammengefuͤg— ten langen und schmalen sogenannten Wasser-Skidor, am aͤhn⸗ lichsten kleinen bedeckten Kaͤhnen, in stehender Stellung auf dem Wasser zu fahren hat hier, wie aus anderen Zeitungen schon bekannt ist, allgemeinere Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und mehrere mit diesem Apparat ausgeführte, wohlgelungene Sxperi— mente sind der Gegenstand eines starken Andrangs von Zuschauern geworden. Die Bucht des Thiergartens ist ein paarmal der Schauplatz dieser Uebungen in Gegenwart einer umzaͤhligen, auf den Üͤfern und Anhöhen gruppirten Volksmenge gewesen. Auch die Königl. Familie hat den gedachten Experimenten zugeschen. Die Benutzung der erwahnten Werkzeuge ist so leicht, daß dazu bloß ein einigermaßen rascher und gewandter Mann erfordert wird; sogar ein behendes junges Weib bewies gestern Abend, wie sie solche mit vblliger Gewandtheit behandeln konnte. Herr Hoͤb— kenberg soll ein Patent auf seine Erfindung nachgesucht und er— halten haben, bei dessen Mittheilung in dieser Zeitung eine voll— staͤndigere Beschreibung aufgenommen werden wird.“
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Dänemark.
Kopenhagen, 10. Juli. Heute haben der Erbgroßherzog von Mecklenburg- Strelitz, Herzog Gustav von Mecklenburg-Schwe— rin, Prinz Friedrich von Hessen und Prinz Christian von Schles— wig⸗Holstein, Sonderburg-Gluͤcksburg eine Lustreise nach Frederiks— borg, Fredensborg und Helsingbr, so wie von da nach Helsing— borg, Ramloͤsa und Kullen in Schweden angetreten, von wo sie hierher am Dienstage zuruͤckkehren werden.
Deutsche Bundesstaaten.
München, 10. Juli. Die Münchner pol. Zeitung sagt: „Se. Majestaͤt der Koͤnig haben geruht, dem gegenwaͤrtig sich hier aufhaltenden Pfarrer der katholischen Gemeinde in Lon⸗
don, Priester Doyle, die Allergnaͤdigste Bewilligung zu ertheilen, daß derselbe zum Behufe des Baues einer katholischen Kirche in London bis zum Ende des Monats September 1. J. bei dem Adel und den wohlhabenden Einwohner-Klassen Beitrage sammle, zugleich aber diese Sammlung mit einem Geschenk von 100 Fl. aus Ailerhbchstihrer Kabinets-Kasse zu erbffnen. — Auch haben Se. Majesiaͤt der Koͤnig Allergnaͤdigst zu bewilligen geruht, daß zur Unterstuͤtzung jener unglücklichen Priester Spaniens, welche um ihrer Anhaͤnglichkeit an ihre Kirche und an ihren König willen juͤngst genböthigt waren, ihr Vaterland zu verlassen, und nunmehr von großer Noth bedraͤngt in fremden Ländern, nament— lich in Frankreich herumirren, beiden kathelischen Unterthanen des Königreichs eine Sammlang von milden Beitraͤgen veranstal⸗ tet werde. Se. Majestät der Konig haben die fragliche Samm— lung mit einem Veitrag von 1006 Fl. aus Allerhoͤchstihrer Ka— binets⸗-Kasse zu eröffnen geruht.“
. Hanngover, 12. Juli. (Hannv. Zt.) Se. Majestaͤt der Kbnig von Preußen haben dem Ober-Hofbaurath Laves hierselbst, in Anerkennung seiner Verdienste um die Baukunst, als Erfinder des neuen Constructions-Systems fur Bruͤcken 1c, durch aAlller=
höͤchstihren Gesandten am hiesigen Hofe, General-Major Frei— herrn von Lanitz, eine kostbare goldene Tabatière mit Brillanten und der Königlichen Chiffre zustellen lassen.
Darmstadt, 12. Juli. (Hess. Ztg.) Ludwig Tieck, der hochgefeierte Dichter und Kritiker, dem deutsche Kunst und Poe— sie so viel verdanken, ist am 10ten d. uͤber Karlsruhe und Hei— delberg hier angekommen und im Hause des ihm laͤngst befreun— deten Geheimenraths Hallwachs abgestiegen. Der romantische Denius Tieck's, das edle, lebensfrische Gemůth dieses herrlichen Dichters zählt der Freunde Viele in unserer Stadt, denen seine Werke manch edlen Genuß schusen. Darum erregte seine Anwe— senheit auch die herzlichste Theilnahme. Gessern Abend nament— lich sammelte sich ein größerer Kreis seiner Verehrer um ihn, de— nen er die Freude der Vorlesung eines Shakspeare'schen Stuͤckes machte. Der treffliche Vortrag des greisen Dichters, der Aus— druck, die Kraft und das Leben, mit denen er den Geist des un— sterblichen Dichters erfaßte und seinen Zuhörern wieder gab, die Einfachheit, das schoͤne Ebenmaß, die vollendete Harmonie, die in dem Ganzen herrschten, erregten allgemeine Bewunderung und machten den größten Eindruck auf Alle, die so gluͤcklich waren, ihn zu hoͤren. Verstaͤrkt wurde dieser Eindruck, als jetzt das Werk eines andern großen, Tieck verwandten Geistes erschallte — die treff— lich vorgetragsne Ouverture von Weber's Oberon! Tieck's Ver— ehrer hatten eine Nachtmusik vor dem Hause veranstaltet. Der Gefeierte erschien auf dem Balkon und ein Lebehoch erschallte: „dem edlen Tieck, dem echt Deutschen Dichter!“ — das immer von neuem sich wiederholend, wie man wohl hoͤrte, aus innerster Seele die Liebe und Berehrung des in edleren Sphaͤren wirkenden, wahrhaft nationalen Dichters aussprach, und seinen Ruhm weitschallend durch dien stillen Räume der Nacht aus be— geisterter Bruͤst verkuͤndete! Geruͤhrt erwiederte Tieck Worte des Dankes fuͤr so viele Liebe und Theilnahme, und fuͤgte bei, daß er diesen schoͤnen Abend in Darmstadt nie vergessen werde! — Tieck wird uns heute noch verlassen und sich zunaͤchst nach Potsdam und Berlin begeben, wo, ein erhebendes Schauspiel fuͤr die Na— tion, ein großer König Deutschlands große Maͤnner um sich sam— melt. Skolz duͤrfen wir aber darauf seyn, daß nicht blos das Vaterland seine ausgezeichnetsten Maͤnner also ehrt, sondern daß auch das Ausland ihre Verdienste anerkenut. Tieck erhielt, waͤh— rend seines Aufenthaltes in Baden, von Sr. Majestaͤt Ludwig Phülipp, dem Koͤnige der Franzosen, das Kreuz der Ehren-Legion, mit einem hoͤchst verbindlichen Schreiben Guizot's — eine erfreu— liche Erscheinung in so manchen betruͤbenden Wirren dieser Zeit!
Oesterreich.
Wien, 11. Juli. (Wiener 3tg.) Se. Kaiserl. Königl. Apostol. Majestaͤt haben die Stiftsdame des Königlich Bayerischen Damenstiftes zu St. Anna in Muͤnchen, Fany Gabriele Freyin v. Talbot, in den Grafenstand des Oesterreichischen Kaiserstagtes erhoben.
. . „19. Juli. . Die vielfach besprochene Abreise des Fuͤrsten Metternich nach Boͤhmen und an den Rhein ist nun de— finitiv auf uͤbermorgen festgesetzt. Die Familie und ein Theil der Dienerschaft Sr. Durchlaucht reisen bereits morgen ab. Der
Monaten, steht leer und veroͤdet;
Fuͤrst wird sich acht Tage in Plaß aufhalten, wo er große Eisen— werke besitzt, sodann sich nach Köoͤnigswart, und in der zweiten Haͤlfte Augusts nach dem Johannisberg begeben. Mehrere Persenen von Distinction, darunter Herr von Tatitscheff, Lord und Lady Beauvale, Graf Senfft u. A., werden in Koͤnigswart als Gaͤste erwartet. Auch der Johannisberg duͤrfte, wie dles bei allen An— wesenheiten seines Besitzers der Fall ist, der Sammelplatz einer ausgezeichneten und glänzenden Gesellschaft werden. Den Füͤrsten begleitet wie gewoͤhnlich eine Abtheilung der auswärtigen Section der Staatskanzlei. — Die Fuͤrslin Taͤlleyrand hat sich zu ihren Verwandten nach Sachsen begeben. — Der Koͤnigl. Sardinische Gesandte, Graf von Sambuy, ist nach den Baͤdern von Recoaro im Venetianischen abgereist. — Heute hatte die Gemahlin des Neapolitanischen Gesandten, Frau von Ramirez, die Ehre, durch die Graͤfin Sambuy bei Hofe vorgestellt zu werden. — Ihre Kaiserl. Hoheiten der Erzherzog Franz Karl und die Erzherzogin Sophie werden mit dem heutigen Linzer Dampfboote erwartet.
A Wien, 11. Juli. Zwei große Bankerotte beschäftigen
seit einigen Tagen die hiesige Welt und besonders unsere Boͤrse, die dadurch in mannigfache Verlegenheiten gebracht wird. Vor— ö J h
Hestern war es das Haus Steiner u. Com p. — zuletzt haupt—
cchlich bei den Actien der Warschau-Krakauer Eisenbahn interes— irt — und gestern das Haus Geymuͤller u. Comp., dessen Fallissement Alles in Bestuͤrzung setzte. Besonders das letztge⸗ nannte Haus hat die Theilnahme der Boͤrse in Anspruch genomn⸗ Nen. Der Chef desselben, Freiherr von Geymuͤller, ist zugleich rektor der Bank und genießt persoͤnlich ein großes Ansehen. Bedeutende Summen waren ven anderen Handlungshaͤusern an⸗ eboten worden, um das gedachte Haus zu unterstuͤtzen; da diese doch noch lange nicht zureichend erschienen, so mußte der Ban— kerott deklarirt werden.
* Wien, 8. Juli. Mit den verhallenden Klaͤngen der Italiäaͤnischen Oper verstummte das Geraäͤusch der Saison, wo sich dieses noch, in den letzten Wochen spaͤrlich genug, in den Stra— ßen, Theatern und Salons kund gegeben hatte. Die vornehme Welt ist nach allen Richtungen entflohen, kaum daß man noch hie und da einer jener stehenden Salon-Gestalten begegnet; eben so selten sind die ihrer Eleganz wegen weltberuͤhmten Wiener Equipagen geworden, wo man noch eine oder die andere gewahrt, rollt sie sicher dem nahen Hietzing zu, welches jetzt der Sammelpunkt der zuruͤckgebliebenen hohen Gesellschaft ist, oder entführt die Eigenthuͤmer nach nahen und fernen Land— sitzen. Der Prater, so fröhlich belebt in den Fruͤhlings⸗ kaum daß ein einzelner Fußgeher, trumend oder lesend, etwa ein Studiosus oder pen— ̃sionirter Beamter, in den endlosen Baumgaͤngen erblickt wird. Noch zu Anfang des Jahrhunderts war der Prater das ganze 0 6 j 60 or * 10 j m Gp . 3 Jahr hindurch der ausschließliche Vergnuͤgungsort der Bewohner Wiens. Im Winter durch die damals beliebten Schlittenfahr— ken belebt, in den ubrigen Jahreszeiten fuͤr Fußgeher, Reiter und
Fahrende ein immer gesuchter Tummelplatz. Die Wiener „Back— uͤhner“ erlangten in den zahlreichen Garkuͤchen des „Wurstelpra— gers“ ihre flassische Beruͤhmtheit, waͤhrend der „Nobelprater“ sich der ungetruͤbten Gunst der vornehmen Welt zu erfreuen hatte. In den drei letzten Jahrzehnten haben sich die Sitten bedeutend . zaͤndert. Es genuͤgt nicht mehr, ein paar Stunden der Abend— ühle in den nahen Auen zu genießen. In den oberen und mitt— leren Staͤnden wurde ein der Stadt möglichst nahe gerůücktes Landleben zum Bedurfnij. Die im Suͤden und Westen Wiens an den malerischen Bergabhaäͤngen gelegenen benachbarten Ortschaf⸗ ten wuchsen in fabelhafter Schnelligkeit und nehmen gegenwartig zwischen Mai und Oktober fast alle nur einigermaßen wohlhaben⸗
den Familien auf. Bis zum Kleinhändler und niederen Beamten sucht Jeder ein Häuschen und ein Gäͤrtchen, oder doch einen An⸗ theil an beidem fuͤr die Seinigen zu erschwingen, wo denn auch der Familienvater, aus der Stadt zurückkehrend, den mühevollen Tag, der Gruͤne genießend, in abendlicher Kuhle zu Grabe trägt. In hygienischer Beziehung kann diese Sitte nur verthzilhaft einwir⸗ ken. In der That, besteigt man Abends eine der nahen Verghöhen, so gewahrt man uͤber der ungeheuren Hauptstadt eine dichte Nebel— schicht, aus welcher nur die Thuͤrme und Kuppeln emporragen, oder die von den Abendstrahlen glitzernden Fensterreihen der Basteien durchblitzen. In den nahen und hochgelegenen Dörfern Hietzing, St. Veit, Döbling, Grietzing u. s. w. herrscht aber eine herrliche erquickende Luft, wahrend das Auge sich einer uͤppigen Vegetation und malerischen Landschaft zu erfreuen hat. . Wer mittlerweile in der Stadt durch Beruf oder sonstige Verhaͤltnisse zurückgehalten wird, klagt uͤber Hitze und Lange— weile und sucht Abends im Volksgarten, wo Strauß zweimal die Woche spielt, und in Dehne's Eisbude Kühlung. Zudem hat er den Vor⸗ theil, bei der Seltenheit der eleganten Fiaker, des beliebten Suhrmer ks unserer jungen Herren, auf dem spiegelglatten Pflaster seines Lebens ficher einher zu gehen. Denn gußer den schwerfaͤlligen Omnibussen, elche den Ve r a . Leiterwagen. Die Mehrzahl der Diplomaten ist in⸗ deß noch anwesend, erwartet aber nur die bevorstehende Abreise des Staats-Kanzlers als Loosung zum Aufbruche. Fur sie, so wie fuͤr die noch in Wien besindlichen Personen der Gesellschaft, ist der Salon des Fuͤrsten am Rennweg eine unschaͤtzbare Nessource. Jeden Abend versammelt sich dort ein durch Stellung, Geist und sonstige Bedeutsamkeit ausgezeichneter, Kreis, uͤberragt und do⸗ minirt durch die Personlichkeit des Fuͤrsten, der meist in spater Nachtstunde, die Geschaͤfte verlassend, immer doch ungetrübte Heiterkeit und eine alle Interessen des Lebens umfassende Geistes⸗ frische aus dem Kabinet in den Salon hinuͤberbringt. ; Gestern und vorgestern ward der Brigitten-Kirchtag in her⸗ Eoömmlicher Weise bei guͤnstigem Wetter gehalten. Die Veranlas— sung ist bekannt. Im dreißigjaͤhrigen Kriege hatte sich ein Schwe⸗ discher Heereshaufe bis in jene nahe Aue Die Brigitten⸗Aue) ge— wagt, wurde aber dort von den Wiener Bürgern kraͤftig empfan— gen und zuruͤckgeworfen. Die Feier dieses Tages, ist unseren nie— deren Klassen, was der Corso den Roͤmern ist. Als es vor eini— gen Jahren hieß, die Ane werde einem Handelshause zur Anle— gung industrieller Werkstätten verkauft, war. die Trauer, ja Be⸗ stuͤrzung allgemein. Der Plan, wenn er wirklich gehegt worden,
kam nicht zur Ausführung und der Heldenmuth unserer Burger
Gestern waren viele Tausende ver— sammelt: auf der weiten Wiese ein chaotisches Gewirr von La— gernden, Tanzenden, Trinkenden (mitunter auch Betrunkenen), Essenden, Rauchenden, Singenden, Jauchzenden, alles Menschen aus dem Volke, und dabei nirgend eine Spur von Excessen, nirgend ward das Auge durch eine derbe Anstbͤßigkeit, nirgend das Ohr durch ein ungezuͤgeltes Wort beleidigt, nur die Riech-Organe wurden von dem dichtem Tabacksqualm in einer schweren Bier— Atmosphaͤre arg mitgenommen. Inmitten dieser lustigen Grup⸗ pen von mehreren Tausenden reichte eine Hand voll Pelizeidiener hin, die selbst mehr zur eigenen Belustigung aufgestellt schienen die Ordnung aufrecht zu erhalten. Und doch gilt dieses Brigit⸗ ten-Kirchweihfest fuͤr eine Orgie, fur ein wahres Bacchanalium;
wird nach wie vor gefeiert.
aber mit den' Bals Musards, mit der chaumisère verglichen, ist es eine Schule des Anstandes und der Sittsamkeit.
Italien.
Nom, 2. Juli. (A. 3.) Gestern Nachmittag verließ der heil. Bater den Vatican und bezog die Paͤpstliche Sommer⸗Resi⸗ denz, den Quirinal auf Monte Cavalo, wo er noch gestern Abend und heute fruͤh mehreren ausgezeichneten Personen Audienz er— theilte. Sollte der Papst wieder nach Castel Gandolfo ziehen, so wird dies jedenfalls nicht vor dem Monat Oktober geschehen. Der Papst soll nach seinen eigenen Aeußerungen. sich hler in Rom so wohl befinden, wie er es in jenem Landschloß kaum besser. er⸗ warten könnte; schon sein ruͤstiges und gesundes Aussehen buͤrgt dafuͤr. — Der gelehrte Bischof von Montreal. Mons . J. Bour⸗ get, ist aus Kanada hier in einer eigenen Mission eingetroffen. — Die gefaͤngliche Einziehung eines bekannten und talentvollen Rbͤmischen Arztes Macchielli durch die Inquisition hat Aufsehen in der ganzen Stadt erregt, zumal man sich hier nicht erinnert, daß ein Burger vor dieses Tribunal gezogen worden waͤre. Man fuͤhrt an, jener Arzt soll durch rohe und freche Aeußerungen laͤngst viel Aergerniß gegeben haben. — Seit heute genießen wir wie mit Deuͤtschland und Neapel, nun auch mit Toscana, dem nord— westlichen Italien, so wie mit Frankreich und England den ver⸗ mehrten taglichen Postenlauf. Auch ist eine Diligence-Verbindung von hier nach Florenz und von dort mit Bologna n ins Leben ge⸗ treten, durch welche einem laͤngst gefühlten Beduͤrfniß zwischen beiden Hauptstaͤdten abgeholfen ist. Die Diligence uͤber Terra— cina nach Neapel ist von hiesiger Seite bereits im Gange, neben der schon laͤnger bestehenden uͤber Ceprano.
Spanien.
O Madrid, 3. Juli. Seit drei Tagen gewaͤhren uns die Sitzungen des Senates ein unerwartetes erhebendes Sch au⸗ spiel. Die Heiligkeit des Rechtes, die den Gefuͤhlen eines muͤt⸗ terlichen Herzens, die dem Ungluͤcke, ja selbst die einer Königin schuldige Achtung, finden in ihnen ihre beredten, muthigen Schutz⸗ redner, und was noch unerwarterter ist, diese hier laͤngst nicht mehr gehörten, fruͤherhin nur mit Hohn und, Mißfallen aufge⸗ nommenen Ergießungen loyalgesinnter Gemuͤther sanden lauten Anklang bei der ihnen lauschenden Menge. Moͤge die Majoritat ber Cortes, indem sie der Koͤnigin Mutter die Vormund⸗ schaft uͤber ihre Tochter entreißen, eine Dornenkrone auf Chri⸗ stinens Haupt seßen; die Dornen werden sich abstumpfen an dem Kranze, welchen die ehrwürdigsten Manner des Senates, die Schußredner der heiligsten Rechte, hineinflechten. Wer den Sitz⸗ ungen des Sengtes in den letzten Tagen beigewohnt hat, wird
sich nur mit Muͤhe Rechenschaft daruͤber abzulegen wissen, wel⸗
hem der Senatoren, die zu Gunsten der Königin Chrisline das Wort nahmen, der Preis zu ertheilen sey. Sie alle erfuͤllten die
erhabene Pflicht, die heiligsten Guͤter der Menschheit zu verthei⸗
digen, auf eine Weise, die nichts zu wuͤnschen übrig laßt; den größten und auf die Feinde des Rechts den empfindlichsten Ein⸗ druck machte jedoch der vorgestern von dem Senateur Carvgsco gehaltene Vortrag, indem er den Heuchlern die Larve mit kuͤhner Hand entriß. Man hat. behauptet,, sagte er, die Guter der Kbni— in Isabella seyen verschleudert worden. Ich nehme diesen andschuh auf, so schmutzig er auch ist. Ihr könnt einer ver⸗— laͤssenen Mutter die Vormundschaft uͤber ihre Töchter entreißen, denn ihr seyd mehr als wir; aber ihr vermbgt es nicht, obgleich ihr uns an Zahl überlegen leyd, der Königin ungestraft ihre Ehre zu rauben, Sollten sene Beschuldigungen hier erneugrt werden, fo werde ich foͤrmlich darauf antragen, daß der durch die Regent—
rkehr mit dem Lande unterhalten, stoͤßt er nur auf
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schaft ernannten Inventarien⸗Kommission, einige von der Koͤni— gin Marie Christine zu bezeichnende, ihr. Vertrauen genießende Personen beigefügt werden. Denn hier klagt man an, und ge— ffattet die Vertheidigung nicht. Bis dahin erklaͤre ich alle jene Beschuldigungen fuͤr ungegrüͤndet und verlaäͤumderisch. Als dann wird man sehen, ob das Königliche Gut verschleudert worden ist, oder ob man es verschleudern will. Allein die Abwesenheit der Königin Christine und die Beeinträchtigung ihrer Mandel, wer— den nur als Vorwand aufgestellt, um der schaͤndlichen Berau⸗ bung einen Anschein des Rechts zu geben. Der wahre Grund ist ein anderer. Die sogenannte Septemher⸗Revelution will ihren Triumph auf dieselbe Weise wie sie ihn begonnen hat, vervollstaͤn⸗ digen, durch Verleumdung und Gewaltthat · .
Diese treffende Wahrheit verfehlte ihre Wirkung so wenig, daß der lauteste Beifall von allen Galerieen erscholl. Hierüber erbittert verlangte der General Lorenzo, einer der ersten Helden der September-Revolution, der Redner solle zur Ordnung geru— fen werden. Dieser aber wiederholte seine letzten Worte, und fuͤgte hinzu, bei weitem die Mehrzahl der Nation sei derselben Meinung. „Die ganze Diskussion ist uͤberflussig, sagte Herr ECarvasco, das Uͤrtheil ist im Voraus gefaͤllt. Die Königin Mutter soll nicht blos abwesend, sie soll geaͤchtet seyn; sogar die Person ist schon bestimmt, die Vormund uͤber ihre Kinder seyn soll. Allein ich verkuͤndige Euch, daß Ihr binnen Kurzem es bereuen werdet, falls Ihr wirklich ein solches Unrecht begehen solltet; wir Alle werden es zu beweinen haben, und dann wird es zu spaͤt seyn.“ ; .
Herr Capaz erklaͤrte darauf, er habe nicht die Koͤnigin Christine beschuldigen wollen, die Guter ihrer Kinder ver— schleudert zu haben; anderen Personen falle dieses Verbrechen zur Last und darüber koͤnne er die Beweise vorlegen. Darauf hielt der Patriarch von Indien eine gegen den Antrag der Majoritaͤt der Kommission (welcher auf Erklärung der Erledigung der. Vor⸗ mundschaft gestellt ist) gerichtete Rede, deren ergreifender Inhalt keines Auszuges faͤhig ist. „Ehrbare, gerechte und von Spani⸗ schem Ehrgefüͤhl erfuͤllte Gefetzgeber, so schloß er, laßt uns nicht das Schwerdt ziehen, um mit einem Stoße drei Herzen, das der erhabenen Mutter und die ihrer erlauchten Toͤchter zu durch⸗ bohren. Moͤge uns das Andenken an die von der Mutter em⸗ pfangenen Wohlthaten davon zuruͤckhalten! und, was haben die unschuldigen Töchter verbrochen? wer steht dafur ein, daß ihre Gesundheit nicht erschuͤttert werde, wenn sie eine solche Schrek⸗ kenspost erhalten? wer vermag es, die muͤtterliche Liebe zu er— setzen? eine Zeile von der Hand der Mutter erfreut die Kinder mehr, als alle Complimente von Seiten fremder Personen.“
In der gestrigen Sitzung vertheidigte zuerst Herr Ruiz de la Vega die Vormundschaft der Königin. Obgleich die fruheren Redner bereits alle Gruͤnde des Rechts und der Schicklichkeit er— schoͤpft zu haben schlenen, so wußte dieser Senator dennoch seine Sache in neuem und noch gläͤnzenderem Lichte darzustellen. Am Ende drückte er sein Erstaunen daruͤber aus, daß das Ministe⸗ rium seit drei Tagen diesen Debatten zuhdre, ohne sein Still⸗ . j ; n se ö pr 2 schweigen zu brechen, und wuͤnschte zu erfahren, ob an Ihre Ma⸗ sestat die Königin Ehristine Mittheilungen gerichtet worden waäͤ— ren, um sie zu veranlassen, die Vormundschaft niederzulegen, Der Minister-Präsident erhob sich etwas verlegen und gab fol⸗ gende merkwürdige Erklärungen ab:
„Die Regierung halt dafuͤr, daß die Angelegenheit aus schließ⸗ lich zu den Befugnissen der Cortes gehört und die Regierung nichts angeht. Die Regierung hat in Betreff der Vormundschaft kei⸗ nerlei Mittheilungen an Ihrer Majestaͤt die Königin Mutter gerichtet, und welcherlei Privat-Korrespondenz daruͤber stattgefunden haben mag — diese geht die Regierung nichts an. Die Regierung glaubt, ohne jedoch züm Beweis dienende Aktenstuͤcke daruͤber zu haben, daß, wenn es der Wille Marie Christinens ware, nach Spanien zurückzukommen, sie ihn auf irgend eine Weise an den Tag gelegt haben wuͤrde; sie hat dies aber auf keinerlei Weise gethan. Die Regierung glaubt, daß Ihre Majestät nicht nach Spanien zuruͤck⸗ kehren will, denn sie hat diesen Willen durchaus nicht erklaͤrt; noch mehr, sie hat es nicht nur der Regierung nicht erklart, son⸗ dern diefe hat, in Betracht aller Umstaͤnde, Grund, bei ihrem Glauben zu beharren. Die Regierung glaubt endlich, und zwar aus Gruͤnden, daß die Koͤnigin nicht zuruͤckkommen werde.“
Der Senator Gomez Becerra (Justiz-Minister der Re⸗ gentschaft) erklärte darauf, daß nach dem Ableben Ferdinand's VII. ein Inventarium über die von ihm hinterlassenen Guͤter aufge— nommen worden, dieses aber spurlos verschwunden siy. Man wisse daher durchaus nicht, was eigentlich den erlauchten Waisen gehöre, und deshalb nehme man ein Inventarium uͤber das auf, was noch vorhanden wäre.
Die Verhandlungen nehmen heute ihren, Fortgang; das Er—⸗ gebniß derselben ist vorauszusehen. Mit Gruͤnden des Rechts ist der Koͤnigin Mutter nicht beizukommen; dies haben ihre Feinde in den Cortes selbst anerkannt. Sie berufen sich einzig und allein auf die Konvenienz. Auch dieses Wort ist eine Luͤge; die, welche sich dessen bedienen, fuͤhlen recht wohl das Unschickliche der Entsetzung der Königin Mutter von der Vormundschast. Gerade dieses Unschickliche hat einen Reiz fuͤr sie. Die Revolu—⸗ tion hat noch nicht ihr glänzendes Ziel erreicht. Die Bruͤcke, welche, wie die provisorische Regentschaft in der amtlichen Gaceta versicherte, vermittelst der konstitutionellen Monarchie, von der un⸗ beschraͤnkten zur Republik fuͤhrt, ist erst betreten, aher noch nicht üͤberschritten worden. Es liegt daran, ehe sie einstuͤrzt, das an— dere Ufer zu gewinnen. Die Verfuͤgung uͤber die Guͤter des Kö— niglichen Hauses wird der Lohn fuͤr diejenigen seyn, welche den Patrioten die Königlichen Waisen als Muͤndel in die Hände lie— fern. Glauben Sie nicht etwa, daß ich uͤbertreibe. Das Eco del Comercio von heüte sagt mit duͤrren Worten: „Wir glau— ben, daß nach genauer Ermittelung des Bestandes des Königlichen Gutes (del parimonio real) dieses der Nation zugetheilt werden muß, wie die ubrigen Natlonal-Guͤter. Dies wird zugleich auf eine vortheilhafte Weise die Verwaltung dieser aufgehaͤuften Guͤ⸗ ter vereinfachen, welche sich der Despotismus zugeeignet hat, und die heute fuͤr die mit Schmach im September unterlegene anti⸗— nationale Partei der Stein des Anstoßes sind.“
Um dles herbeizufuͤhren, muͤssen die Vertreter des Spanischen Volkes sich in einen Gerichtshof umwandeln und durch den Aus— spruch der Willkuͤr einer unverletzbaren Königin die empfindlichste aller Verletzungen zufuͤgen, indem sie nicht nur von der Seite und dem Herzen ihrer Kinder gerissen, sondern auch, was in den Augen der Welt noch bitterer seyn muß, als eines solchen Schick— sals würdig dargestellt wird. Und dabei erkläͤrt das Ministerium, unter dessen Obhut die Vorrechte des Throns gestellt sind, daß die Vormundschaft uͤber die unmuͤndige Königin ein Gegenstand sey, der die Regierung nichts angehe.· Und der Regent? — Das Ministerium verlangt so eben für ihn eine jährliche Dotation von 100, 000 Piastern. Ein Deputirter hat an 12,99 angetragen. N. S. In der heutigen Sitzung des Senats waren die Debatten abermals sehr lebhaft, und die Feinde der Königin Mutter nahmen zu den gewöhnlichen Waffen, einer erheuchelten
Schonung und Zurückhaltung, ihre Zuflucht. Diese stumpfen sich jedoch um so mehr ab, je öfter sie gebraucht werden.
Griechenland.
Athen, 27. Juni, (2. 3) Schon am 12ten d. kam A. Maurokordatos hier an. Seit dieser Zeit leben wir in einer ministeriellen Krise. Maurokordatos will nur mit Bedingungen ein Portefeuille und das Minister-Praͤsidium annehmen; er oll unter Anderem die Aufhebung des Kabinets und — 6 , hiesige Blaͤtter — das Versprechen verlangen, daß dem riechi⸗ schen Volke innerhalb einer bestimmten Zeit eine Constitution ge⸗ geben werde. Die Blaͤtter von der Farbe der Maurokerdates⸗ schen Partei benutzen die Gelegenheit, beide Punkte zu besprechen und ergreifen mit doppeltem Elfer ihr Lieblings-Thema, nämlich, uber die fremden Militair- und Civil-Beamten in insolenten Phrasen berg fallen. Maurokordatos scheiterte aber mit sei⸗ nem in Englischem Sinne gehaltenen Plan. Er erhielt seine Entlassung Und bleibt nur Staatsrath. Es geht nun die Sage, der Kbnig habe sein neues Ministerium, wie folgt, gebildet⸗ der bisherige Praäͤsident des Staats⸗Raths Konduriottis sey zum Finanz-Minister und Minister-Praͤsident, der Finanz-Direktor Ti⸗ samenos soll seine Stelle mit dem Praäͤsidenten des Oberst⸗Rech⸗ nungshofes, Silivergos, tauschen. Zum Minister des Innern sey Christides, der jetzige Gesandte an der hohen Pforte bestimmt; zum Kultus-Minister der Staatsrath Metaxas; , , . des Ministeriums des Aeußeren soll der Staatsrath Rizos Neru⸗ los, das der Justiz, Provilegios erhalten. — Der n h Ge⸗ sandte, Katakasi, fo wie der Belgische Geschaͤftsträger, Mary, werden demnächst auf ihre Posten hier zuruͤck erwartet.
Der Franzbsische Deputirte Piscatory hat eine Reise ins Griechische Festland angetreten und beabsichtigt, einen Monat ab⸗ wesend zu bleiben. Es halten sich hier gegenwartig mehrere aus⸗ gezeichnete Franzosen auf: außer dem bekannten Historiker Buchon, der schon seit dem Herbst bei uns verweilt, auch der Historiograp der Franzoͤsischen Marine, A. Jal, der alte Philhellene Sber Voutler, und seit drei Tagen, von Muͤnchen kommend, der Ge⸗ neral und Deputirte Graf de la Borde, Adjutant des Koͤnigs Ludwig Philipp, welcher ebenfalls die Provinzen zu bereisen beab⸗ sichtigt. Auch heißt es, daß die hier erwartete Franzoͤsische Es⸗ cadre unter dem Admiral Lasusse bereits auf der Hoͤhe von Hy⸗ dra gesehen worden sey. Die Fregatte „Dido,“ welche Herrn Piscätory gebracht hat, liegt noch in der Bucht von Salamis, so wie das Englische Linienschiff „Benbow“ auf der Rhede von Phaleron vor Anker.
Blicke auf den gegenwärtigen Zustand der Französischen Armee.
Paris, 9. Juli. Unter dem Ministerium Thiers sind be⸗ kanntlich vier neue Kavallerie-Regimenter, namlich 3 Husaren⸗ und ein Ehasseur-Regiment, gebildet worden. Diese wurden in Luneville organisirt und sind gestern am Ften von ihrem bis— herigen Garnison-Orte abmarschirt, um in Paris ihre Standar— ten zu erhalten. Die 12 neuen Infanterie⸗-Regimenter, deren Bil⸗ dung unter demselben Ministerium beschlossen wurde, sind, aus 8 Linien-Infanterie Regimentern und 4 leichten Infanterie⸗Regimen⸗ tern bestehend, jetzt gaͤnzlich mit ihrer Organisation und ihrem Exer— citium fertig. Die zehn Tirailleur⸗ oder Schuͤtzen-Bataillone neuer Gründung hinzugerechnet, finden wir seit dem Ministe⸗ rium des J. Maͤrz die Französische Armee also um 12 Infante⸗ rie-, 4 Kavallerie: Regimenter und 10 Schuͤtzen-Bataillone ver⸗ mehrt, die ganze Armee aber, außer den speziellen Truppen, aus 10 Infanterie⸗ und 63 Kavallerie⸗Regimentern bestehend; die Infanterie zahlt 300 Bataillone, die Kavallerie 316 Schwadronen.
Um in einem kurzen Ueberblick dem Deutschen Leser einen Begriff von der Zusammensetzung der Französischen Armee zu geben, moͤgen einige Angaben und Zahlen folgen, deren iel Richtigkeit verbuͤrgt werden kann.
Die Franzoͤsische Infanterie besteht aus Linien- und soge— nannter leichter Infanterie, obgleich beide sich fast nur in der Uniform unterscheiden, im Dienste aber dieselben sind. Die leichte Infanterie tragt gelbe Abzeichen, die Linien-Infanterie Krapp⸗ oder Garance-Farbe an den blauen Röcken. Die leichte Infan⸗ terie zahlt 25 Regimenter, vor der Juli-Revolution bestanden nur 20 Regimenter, nach dieser Epoche aber wurde die sogenannte Legion Hohenlohe in das 2lste leichte Infanterie-Regiment verwandelt, unter Thlers und dem jetzigen Ministerium das 22., 23, 24. und 25ste Regi⸗ ment leichter Infanterie neu geschaffen. Ein grotzer Theil dieser Regi⸗ menter besteht aus Rekruten, der Stamm der Unteroffiziere und Korporale allein enthaͤlt einige aͤltere Soldaten. Jedes leichte Infanteri -Regiment zählt, wie die Linien-Infanterie, 3 Ba⸗ kaillone, jedes Bataillen zu 8 Compagnieen, wovon 6 den Ramen Centrums-Compagnieen tragen, dagegen eine Grenadier- und die andere Voltigeur-Compagnie genannt werden. Diese beiden letzten heißen auch Eliten-Compagnieen und tragen Epauletts als Aus⸗ zeichnung, weil sie meistens gediente Soldaten enthalten.
Die Linien-Infanterie zählt 75 Regimenter, nach der Juli⸗ Revolution wurde aus den Ueberresten der Garde das 65. und 66ste Regiment, noch jetzt vortreffliche Corps, gebildet, spaäͤter aus den Pariser Freiwilligen, die nach Algier geschickt wurden um das Pariser Straßenpflaster zu reinigen, das 67ste Infanterie? Regiment, unter dem Ministerium Thiers und dem jetzigen, die Nummern 68 bis 75, alle zu 3 Bataillonen und 8 Compagnieen
Von den 10 Schuͤtzen-Bataillonen sind bereits 5 auf dem Algierischen Gebiete angelangt, die uͤbrigen Bataillone in Straß⸗ burg, Metz, Vincennes und Toulon vertheilt.
Außer dieser Infanterie zahlt die Franzoͤsische Armee in Algier 2 Bataillone e zu ai r f Kleidung ne. gend, ferner 3 Bataillone leichter Infanterie, welche meist aus etwas lockeren Subjekten bestehen und au sden Franzoͤsischen Re⸗ gimentern nach Algier gesandt wurden, aber meist vor dem Feinde zute Soldaten sind. In Algier fuͤhren bei den Soldaten diese 3 Bataillone den Beinamen: Zephire, d. h. lustige Burschen. Die Franzoͤsische Fremden-Legion, ebenfalls nur Infanterie zaͤh⸗ lend, besteht aus 2 Regimentern zu 3 Bataillonen, zu 8 Compag⸗ nieen jedes. Diese Fremden⸗-Legion ist ganz wie die Franzoͤsi⸗ schen Truppen besoldet, organisirt und auch mit geringer Abweichung ebenso uniformirt. Das 1ste Regiment ist in Algier und Bugig, das 2te in Bong. Zwei Drittel fast dieser Legion bestehen noch im- mer aus Deutschen, das übrige Drittel aus Spaniern, Polen und Italiänern, auch einige Schweizer nicht zu verge ssen
Dreißig Compagnieen Marine Artillerie, äter will m diese zu 5 bringen, fo wie 3 Regimenter Marine Nnfan⸗ terle, Konnten auch noch zu der eigentlichen Infanterie gerechnet a, . ubliche ovaler ⸗ ᷣ
e Franzoͤsische Kavallerie zählt: 2 lo e erer, wa, 109 Kuůͤrassier⸗Reglm . i? Bragoner⸗ Regimenter,