1841 / 204 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Sun, 25 Jul 1841 18:00:01 GMT) scan diff

Zweifel selbst den Versuch eines materiellen Aufstandes verhindern werden, so steht doch zu befuͤrchten, daß der Aufruhr in den Ge⸗ muͤthern von neuem ausbrechen und der Regierung noch manche ernstliche Schwierigkeit bereiten durfte. Zu den peinlichsten Um⸗ staͤnden des Geschehenen gehört es, daß sich die drei hoͤchsten Re⸗ gierungs-Beamten in Toulguse so schlimme Bloͤßen gegeben ha⸗ ben, wie dies durch den Ruͤckzug des Praͤfekten und durch die Art und Weise, wie diese Flucht durch den General⸗Prokurator und den kommandirenden General angekuͤndigt wurde, geschehen ist. Herr Mahul ist abgesetzt, der General Saint⸗Michel ist ab⸗ berufen, aber Herr Plougoulm, obgleich er sich mindestens eben so sehr kompromittirt hat, als der Letztere, verdankt bis setzt seinen maͤch⸗ tigen Freunden, und ohne Zweifel auch der Erinnerung an seine vor dem Pairshofe geleisteten Dienste, die Beibehaltung seines Postens. .

Die Toulouser Ereignisse sind die Veranlassung geworden, daß die Regierung die längst beabsichtigten Veraͤnderungen im Personal der Präfekturen jekt mit größter Thaͤtigkeit und nach einem umfassenden Maßstabe vorbereitet.

Man versichert, daß seit dem formlichen Wiedereintritt Frank— reichs in den Rath der großen Maͤchte der Plan der Eroͤffnung von Ministerial-Konferenzen über die Spanischen Angelegenheiten die hohe Diplomatie ganz besonders beschaͤftigze.

Der bekannte Herr Granier aus Cassagnac ist von seiner im Interesse der Sklaverei und ihrer wuͤrdigen Vertretung unter— nommenen Reise zuruͤckgekehrt und hat vor vierzehn Tagen in aller Stille seinen Einzug in Paris gehalten. Seit dieser Zeit nun hoͤrt und sieht man nichts von dem sonst so geraͤuschigen Herrn Granier, der noch unlaͤngst seine Anspruche auf das Ver— trauen der Westindischen Sklavenzuͤchter vorzuͤglich durch die Ver— sicherung geltend machte, daß er „uͤberall und immer“ das Wort fuͤhre.

Grosibritanien und Irland.

London, 20. Juli. Die Parlaments-Wahlen sind nun, bis auf eine einzige, die fuͤr die Irlaͤndische Grafschaft Wexford, beendigt; das Resultat stellt sich folgendermaßen:

Reformer Englische Staͤdte .. ...... . . . . 17 Englische Grafschaften : Schottland . . . . . Zusammen 288

Addirt man diese beiden Zahlen, so erhalt man 656; es wuͤr— den also, da das Unterhaus 658 Mitglieder zaͤhlt, scheinbar noch zwei Wahlen ruͤckständig seyn; dies ist jedoch nicht der Fall, son— dern O'Connell ist fur zwei verschiedene Grafschaften, fuͤr Cork und Meath, gewahlt worden, er konnte aber unter der obigen Zahl der Mitglieder doch nur als eines gerechnet werden; spaͤter— hin, sobald er sich entschieden hat, welche der beiden Grafschaften er repraäͤsentiren will, wird dann naturlich in einer derselben noch eine neue Wahl vorgenommen werden muͤssen, die aber ohne Zweifel wiederum auf einen Liberalen, nicht auf einen Tory, fallen wird, und da nun auch in Wexford den Liberalen der Sieg ziemlich gesichert erscheint, so kann die Staͤrke der Re— form-Partei im naͤchsten Parlament schon jetzt auf 2990 und die der Tories auf 368 Mitglieder angenommen werden, also eine konservative Majorität von 78 Stimmen bei vollem Hau se. Die Tories haben im Ganzen den Whigs bei diesen Wahlen 78 Sitze abgewonnen, worunter 23 fuͤr Englische, 5 fuͤr Schottische und 5 fuͤr Irlaͤndische Grafschaften, die uͤbrigen 45 in Städten und Flecken; die Whigs den Tories nur 38, worunter einer fuͤr eine Waͤlische Grafschaft, 3 fuüͤr Schottische und einer fuͤr eine Irlaͤndische, die uͤbrigen 33 fuͤr Staͤdte und Flecken. Nach den letzten Parlamentswahlen war das Ergebniß Folgendes:

. Reformer Tories

Englische Staͤdte Englische Grafschaften Schottland ,,, . Zusammen 333 37. Wortlaute des Koͤniglichen Aufloͤsungs-De— neue Parlament schon in der Mitte bekanntlich der erste Einbe—

Nach dem krets mußte sich das neue August's versammeln; indeß ist . z rufungs⸗Termin gewoͤhnlich bloß formell, und es pflegt demselben immer noch eine Vertagung zu folgen. Toryblaͤtter suchen es nun

laublich zu machen, daß die jetzigen Minister erst noch ein paar

n enen ergehen lassen wurden, um so lange als moglich am Staatsruder festzuhalten und unterdessen noch allerlei Mand— ver vorzunehmen und den Konservativen die Regierung des Lan— des und ihre Stellung im Parlamente zu erschweren, so daß am Ende die Eroͤffnung des letzteren nicht vor November oder De— zember erfolgen durfte. Sir R. Peel soll uͤbrigens erklaͤrt ha— ben, daß er die Sprecherwahl nicht zum ersten Probierstein der gegenseitigen Starke beider Parteien machen, sondern diesen Po— sten dem auch von den Konservativen sehr geachteten bisherigen Sprecher, Herrn Shaw Lefebvre, ohne Opposition lassen wolle. Auf die Frage, was die Minister thun wuͤrden, antwortet der Standard: „Lord Morpeth's Andeutung, als sey sein Plan, sich aus dem oͤffentlichen Leben zuruͤckzuziehen, sieht aus, als habe das Ministerium nicht die Absicht, dem neuen Par— lament entgegenzutreten. Im Allgemeinen glaubt man aber, die Minister wurden vor dem neuen Parlament erscheinen, und Lord Morpeth soll, wie wir hören, fuͤr einen der O'Connell zur Ver— fuͤgung stehenden Parlamentssitze, fuͤr die Grafschaft Limerick, er— nannt werden. Man, glaubt allgemein, die Minister wurden sich vor dem 19ten des nächsten Monats nicht zurückziehen und, wenn sie keinen Vorwand sinden können, Lord John Russell's Ver— sprechen zu umgehen und den Zusammentritt der beiden Haͤuser bis zum Movember zu verschieben, im Parlamente mit einer Pec⸗ cavi⸗Rede erscheinen und versuchen, die schmachvolle Zeit ihrer Ver— waltung dadurch zu verlaͤngern, daß sie der von Lord Morpeth zugestandenen Tory-Reaction nachgeben, die gleichwohl von allen ministeriellen Journalen so standhaft geleugnet wird.“

Es kann wohl nur als ein ziemlich ungeschickt erfundenes Geruͤcht angesehen werden, wenn man auch die Behauptung hort, die Koͤnigin wolle absichtlich einen Tory von der alten Schule mit der Bildung eines neuen Kabinets beauftragen, um die Un— fähigkeit dieser Partei zur Verwaltung des Landes an den Tag zu bringen, und Sir Robert Peel habe fur diesen Fall schon im voraus erklart, er wurde einem solchen Ministerium sich wider— setzen. Die Sache widerlegt sich am einfachsten dadurch, daß die Bildung eines Tory⸗-Ministeriums ohne Theilnahme der gemaͤßig— ten konservativen Staatsmaͤnner gar nicht zu Stande kommen würde, daß es ein Tory gar nicht unternehmen könnte, ein Ka— binet zu organisiren, ohne Sir Robert Peel, Lord Stanley, Sir James Graham und aͤhnliche Maͤnner in dasselbe aufzunehmen oder sich wenigstens ihrer Mitwirkung und Unter—

stůßung im Parlamente vorher zu versichern. Es ist auch schwer⸗

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lich zu glauben, daß die Ultra-Tories so unbesonnen seyn wer— den, sich nicht der Leitung Sir. R. Peel's und seiner näheren Freunde zu unterwerfen, da sie wohl einsehen muͤssen, daß sie durch Spaltung ihrer Partei den Whigs und Radikalen nur neuen Vorschub leisten wurden. Wenn daher auch Differenzen genug sich im Schoße der Tory⸗Partei gezeigt haben und gewiß auch ferner fort bestehen werden, so darf man doch erwar— ten, daß die Ultra's enigstens so klug seyn werden, diese Meinungs⸗Verschiedenheit nicht gerade jetzt in offene Spaltungen ausbrechen zu lassen. Die Zerwurnisse, welche bisher bei verschiedenen Fragen und Veranlassungen unter den Tories obgewaltet, werden jetzt natuͤrlich von den Überalen Blaͤt— tern mit besonderem Nachdruck hervorgehoben, indeß ist daraus noch nicht zu schließen, daß die Uneinigkeit so weit gehen wuͤrde, daß ein Peelsches Ministerium uber keine feste Majorität werde gebieten koͤnnen. Eine Zusammenstellung der bedeutendsten Tory— Differenzen der letzten Zeit giebt unter anderen der Examiner, indem er sagt:

Merrschte nicht bei der Parlaments⸗-Privilegien-Frage in der Tory⸗Partei eine Meinungsverschiedenheit in Bezug auf das zu be folgende Verfahren? Herrschte nicht bei der Kanada-Bill in der Tory⸗Partei eine Meinungsverschiedenheit in Bezug auf das zu be folgende Verfahren, da die Tories im Unterhause mit Sir R. Peel an der Spihze fast einmuͤthig die Bill unterstuͤtzten, waͤhrend die Tory— Lords unter dem Herzoge von Wellington dieselbe fast einmuͤthig tadel ten? Herrschte nicht in der Chinesischen Frage in der Tory-Partei eine Meinungsverschiedenheit uber das zu befolgende Verfahren, da die To ries im Unterhause einen Tadel uͤber die Politik der Regierung auszusprechen vorschlugen, die Tory⸗-Chefs im Oberhause dagegen

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sich einem gleichen Antrage Lord Stanhope's widersetzten? Herrscht nicht uͤber das neue Armengesetz in der Tory Partei Meinungsverschiedenheit wegen des zu befolgenden Verfahrens, da die eine Hälfte der Partei diese Maßregel als die groͤßte Grausamkeit und Ungerechtigkeit verurtheilt, waͤhrend die andere Haͤlfte es sich fuͤr ein Verdienst anrechnet, zum zehen derselben beigetragen zu haben? Um zu der wichtigen

„zu kommen, welche das Land jetzt theilt, zu den Getraide⸗Ge Fherrescht keine Meinungs-Verschiedenheit in der Tory-Partei

zu befolgende Verfahren, da Sir R. Peel sich verpflichtet bei der fluktulxenden Zoll-Skala zu bleiben, seine Anhaͤnger dagegen, Sir George Murray, George Dawson und einige Andere, sich fuͤr einen festen Zoll erklaͤren? Nun, die Verschiedenheit zwischen Sir t. Peel und Sir G. Murray ist in der Korn -Frage gerade so groß wie die zwischen ihm und Lord J. Russell. Sollen wir glauben, daß ir R. Peel und Lord Roden uͤber die eingestandene Schwierigkeit der Regierung Irlands einerlei Ansichten haben, und daß keine Prin zip⸗Verschiedenheit zwischen ihnen stattfindet? Ist Sir R. Peel wie der in das gelbe Fieber verfallen, oder haben die Orangisten die alte Haut abgeworfen? Eine der ersten Motionen im neuen Parla mente wird ein Antrag des Sir R. Inglis auf einen gro ßen Zuschuß fuͤr Ausdehnung der Hochkirche seyn. Stimmt Sir R. Peel mit diesem wuͤrdigen Mann in der 2

Insicht uͤber die Zweckmaͤßigkeit einer neuen Belastung der Dissenters uͤberein? Fin⸗ det sich keine Prinzip Verschiedenheit zwischen Sir R. Peel und Einigen, wir glauben sagen zu konnen: der Mehrheit seiner Partei, uͤber die Unterrichts-Frage? Gab nicht die „Times“ ihre Spalten fuͤr einen Schriftsteller her, der Sir R. Peel irreligioͤser Lehren be schuldigte, der behauptete, derselbe ziehe heidnische Philosophie den geoffenbarten Wahrheiten vor, und ihn endlich zu den Anhaͤngern einer Schule rechnete, die keine christlichen Grundsaͤtze bekenne, weil er den liberalen Satz auszusprechen gewagt hatte, jede Kenntniß mache das Volk besser? Es war sicherlich eine solche Prinzip⸗Ver⸗ schiedenheit vorhanden, als das große Tory⸗Organ sich zu der Ver— oͤffentlichung von Beweisgruͤnden hergab, welche darthun sollten, daß Sir R. Peel's Lehren aus Unglauben stammten und zu Un glauben fuͤhrten. Wuch der Herzog von Wellington ist von der „Times“ oft geßen, mit Vorwuͤrfen uͤberhaͤuft worden, und doch will uns dieses Blatt jetzt glauben machen, es herrsche die beste Harmonie in seiner Partei.“

Außer jenen Artikeln, welche die „Times“ selbst gegen Sir R. Peel aufgenommen, wird von den liberalen Blattern noch auf eine Charakteristik dieses Staatsmannes aufmerksam gemacht, die in einem Organ hochkirchlicher Oxforder Theologen, dem Bri— tish Critic, enthalten ist, und die insofern, als sie einen Reflex auf die Ansichten und Prinzipien dieser Ultra-Tories zuruͤckwirft, allerdings ihre Bedeutung hat. Es heißt darin:

„Sir R. Peel ist ein Mann, dessen Leben, dessen Athem und Gesundheit, dessen Reichthum und ganzes Wesen nur auf dem Siege seiner Partei beruht; er ist der am wenigsten abstrakte, am wenig sten theoretische, am wenigsten doetringire von allen Staatsmaͤnnern seiner Zeit; ein Mann, dessen Puls mit den Abstimmungen des Un— terhauses schlaͤgt und der die relativen Zahlen bei jedem Partei— kampf in dem letzten Viertel- oder vielleicht halben Jahrhundert auswendig weiß; ein Mann, der, so liebenswuͤrdig und achtbar er auch ist, seine Rolle auf dem großen Schauplatze mit nicht umfas⸗ senderen Ansichten, mit keinem groͤßeren und heiligeren Grundsatze spielt, als der gewohnlichste Parteigaͤnger in dem lokalsten Zanke über die ephemersten Interessen. Nein, Seelengroße hat mit geographi— scherusdehnung und historischer Dauer nichts zu schaffen. Ein Mann kann groß seyn bei einem Streite uͤber Pflasterung und Beleuchtung, oder in einem Ausschußuͤber die Stadtwachen; er kann groß seyn in den Augen seiner Diener und in seinen eigenen; aber Sir R. Peel ist klein in den Angelegenheiten von Nationen, er handelt nach Tages Interessen, einer Jahrhunderte alten Constitution gegenuͤber, und, wir sagen es mit Schmerz, aber aus Ueberzeugung, er glaubt nicht an die ewigdaue ende katholische Kirche. Natuͤrlich ist hier unter der katho lischen Kirche die Anglikanische verstanden. ) Er will von nichts wis sen, was jenseits des Unterhauses liegt. Die Beschluͤsse desselben, die in der Hitze und Eile, unter der Hecrschaft des Souverains oder des Volkes, in Tagen der Bestechung oder Gewaltthaͤtigkeit gefaßt wer den, die zufaͤlligen Majoritaͤten von zehn, zwei oder einer Stimme sind seine unverletzlichen Kanone fuͤr die Gesetzgebung, uͤber welche hinaus er sich kein Prinzip traͤumen laͤßt. Das Unterhaus, das, wie jetzt die Kirche von England mit einer in der Geschichte der oͤffentli chen Meinung beispiellosen Einmuͤthigkeit erklaͤrt, Sir R. Peel selbst entweiht hat und das, was er naturlich fuͤr schlimmer haͤlt, seiner Meinung nach durch Andere seitdem unermeßlich herabgewuͤrdigt worden, jenes entweihte und erniedrigte Unter hans ist sein einziges wirkliches Wesen. Jedes andere Ding, jeder andere Gedanke ist bei ihm nur Form und Schatten. Mit dem Un terhause stimmt er vollkommen uͤbecein, mit ihm ist er Ein Leib und Eine Seele, Ein Sinn und Eine Art. Vergebens konnten wir seine Reden durchsuchen nach herrlichen Theorieen, umfgssenden Deductionen, all gemeinen Ansichten, großen Maximen, feierlichen Sanctionen, tiefen Beweisen und unerschuͤtterlichen Grundsaͤtzen; findet man sie hier oder da, so werden sie so beigebracht, daß sie die Ausnahmen sind, welche auf die Regel hindeuten. Seine Laufbahn ist vom Anfang an bis zu Ende ein forlwaͤhrendes Wechseln und Haschen nach Aus kunftsmitteln. Weder er selbst noch irgend ein Anderer vermag es zu sagen, was er zunaͤchst hun wird; auch koͤnnen wir nicht sagen, was er schon Ueberlegtes und Bestaͤndiges gethan haͤtte. Wir sind des festen Glaubens, daß kein halbkluges Werkzeug einer lokalen Partei, kein wuchern der Advokat, kein Corporations- Faktotüm die Stagts-Dekonomie durch seine Verwaltung, oder in der Stunde, wo das Gluͤck sich wendet und die Gegenpartei Rechenschaft fordert, seine Sache, durch die Art, wie er davon spricht, mehr entwürdigen könnte, als der Füh rer der Konservativen die edle Wissenschaft ber Politik entwuͤrdigt. Stets heißt es „ich und meine Partei“, „die Mitglieder, welche mit die Ehr erzeigten, mich zu unterstuͤtzen“; „als Ihre Majestäͤt mich her ef, den Vorsitz in ihrem Rathe zu fuͤhren“; „ich hielt es fuͤr das Beste, gufzulbsen“; „die erste Session meines Parlamentes“; „das waren die Meinungen, zu denen ich mich bekannte“; „der langdauernde

und heftige Kampf, den ich bestanden habe „ich fuͤhlte damals / „ich be⸗ schloß also, das Amt niederzulegen“ „die Ansichten, welche bei die ser Ge⸗ legenheit mich bestimmten“; „die Schwierigkeiten meiner Lage“; „der Ursprung meiner Familie“; „die Scenen meiner Jugend“, und so durch jede mogliche Variation des Egoismus hindurch. Man streiche die erste Pecson aus Sir R. Peel's Reden, ja aus seiner ganzen Lauf bahn, und sie gleichen einem aufgedrehten Tau, einem aufgemasch ten Netz, einem Schiff, aus dem die Nagel und Bolzen gezogen sind. Wir halten inne, nicht weil wir nichts weiter zu sagen haͤt—⸗ ten, denn wir halten Sir R. Peel's Egoismus fuͤr einen ergiebige ren Gegenstand, als sich Jemand zum Schreiben nur wuͤnschen kann, da er jedes Wort und jede Handlung desselben durchdringt, sondern weil es gehaͤssig ist, so von einem Mann zu sprechen, dem wir dennoch das Beste wuͤnschen muͤssen. Wir halten ihn fuͤr einen freundlichen, liebenswürdigen und in gewis sem Grade auch uneigennuͤtzigen, edelsinnigen Mann. Seine Freunde, die natuͤrlich vielfache Gelegenheit haben, dies zu er fahren, behaupten es, und, was mehr ist, sein oͤffentliches Verhalten in manchem Jahre der Muͤhe und des Verdrusses verraͤth kaum ein Theilchen von Boͤswilligkeit, Eifersucht oder Rache. Aber wo fin det sich ein wenig Großherzigkeit und Maͤrtyrerthum, wo die Aner⸗ kenntniß, daß das Ganze groͤßer ist als ein Theil. Man nehme Sir R. Peel sein eingewurzeltes Ich und zerstreue die dreihundert und etliche Herren, „die ihm die Ehre erzeigen, ihn zu unterstuͤtzen“, in die vier Winde: dann kann er vielleicht nicht blos ein guter, sondern auch ein großer Mann werden. Wie die Sachen aber stehen, ist er gerade die letzte Person in der ganzen Welt, die einer Gesellschaft von Arbeitern rathen kann, selbstsuͤchtige, soziale und Partei- Fragen aufzugeben und sich ganz den Freuden der Wissenschaft zu widmen. Aus Lissabon hat man Nachrichten vom 12ten d. M. und den Bericht der Finanz-Kommission erhalten; aus diesem Doku— ment schöpft man hier die Hoffnung, daß in Portugal heilsame Reformen wurden angenommen werden, durch welche dieses Land sich in den Stand gesetzt sehen durfte, seinen fremden Glaͤubigern gerecht zu werden. Aus Porto wird gemeldet, daß die in der Provinz Castellon stationirten Chasseure, welche zu den Corps ge hoͤrten, deren Aufloͤsung beschlossen war, ihre Waffen nicht güt willig ausliefern wollten und von den Militair-Behoͤrden mit Ge— walt dazu gezwungen werden mußten; als Grund ihrer Wider— setzlichkeit fährten sie an, daß ihnen ihr ruͤckstaͤndiger Sold noch nicht ausgezahlt sey; das Corps war 3000 Mann stark

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Der Herzog von Roxburgh, von dem es fruͤher hieß, er sey zu den Tories uͤbergegangen, soll nach der Versicherung des heu tigen „Globe“ nicht den Tory-Kandidaten bei der Wahl in Rox burgshire unterstuͤtzt, sondern der groͤßte Theil seiner Paͤchter soll fuͤr den Whig, Herrn Elliot, gestimmt haben.

Ein Courier, den der Koͤnig der Belgier neulich mit Depe schen nach Bruͤssel abschickte, verließ Schloß Windsor Sonntag Morgens um 7 Uhr, fuhr auf dem Dampfboote von Ramsgate nach Ostende, und von dort anf der Eisenbahn nach Bruͤssel, ver weilte daselbst vier Stunden, um auf Antwort zu warten, kehrte auf demselben Wege zuruͤck und traf am Dienstag Mittag zwi— schen 1 und 2 Uhr wieder in Windsor ein. Er hatte daher den Weg nach Bruͤssel und zuruͤck, den Aufenthalt in Bruͤssel mit eingerechnet, in 80 Stunden zuruͤckgelegt.

Herr Joseph Hume ist noch nicht nach dem Kontinent ge— reist, sendern hat sich über Liverpool nach Irland begeben und ist in Dublin bereits eingetroffen. (

Dem Sun zufolge, strebe der Herzog von Buckingham da— nach, in einem Tory⸗Ministerium erster Lord der Admiralität, und Herr d' Isrgeli, Vice⸗Präsident der Handels-Kammer zu werden.

Die National-Gemaͤlde-Gallerie ist in den letzten Tagen um mehrere Kunstwerke ersten Ranges bereichert worden. Unter die⸗ sen befinden sich zwei Francia's, welche die Regierung um 3590 Pfd. St, angekauft hat; ferner eine heilige Katharina von Ra phael, welche 5500, und eine Madonna mit dem Christuskinde und Johannes von Perugino, welche 800 Pfd. St. gekostet h

Nach einer neuerlichen Entscheidung des .

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8 Queens-Bench ist es Geistlichen aller Art gestatt ; gesetzt, daß sie

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Gerichtshofes

Himmel, wo sie wollen, zu predigen, voraus offentlichen Weg dadurch nicht versperren. Niederlande.

Aus dem Haag, 19. Juli. Der Finanz-Minister Herr Rochussen hat das Ungluͤck gehabt, seine Gemahlin ploͤtzlich durch den Tod zu verlieren. Von Seiten der Niederlaͤndischen Preffe wird dem Minister ihre herzliche Theilnahme an den Tag gelegt, bei welchem Anlaß auch wieder seine Finanz⸗Verwaltung als eine überaus zweckmäßige anerkannt wird.

Der Koͤniglich Preußische General-Lieutenant Kommandant der Bundes-Festung Luxemburg, befind zum Gebrauche der Seebaͤder in Scheveningen.

Einem Privat-Berichte des Bruͤsseler Blattes Emancipa— tion zufolge, ist der Betrag der zweiten Serie der bei dem Hause Hope und Comp. in Amsterdam gemachten Russischen Anleihe, zum Theil in Dukaten und zum Theil in Silberbarren, auf Russische Geschwader gebracht worden, das jetzt im Helder

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und auf welchem sich der Großfuͤrst Konstantin befindet. Belgien.

Brüssel, 19. Juli. Einige Blaͤtter wollen jetzt wissen, die letzte Reise des Koͤnigs nach London habe hauptsaͤchlich den Zweck gehabt, auf die dortige Diplomatie dahin zu wirken, daß die Schleifung der Belgischen Festungen nicht verlangt werde. Die— ser angebliche Reisezweck soll eben so angeblich selbst dem gegen— waͤrtigen Belgischen Ministerium geheim gehalten worden seyn. Die ganze Nachricht klingt jedoch wie eine Mystisication.

Der Provinzialrath von Namur hat sich einstimmig fuͤr den Abschluß eines Handels-Vertrags mit Frankreich ausgesprochen. Dagegen hat der Ostflandrische Provinzialrath (Gent) die Propo sition fuͤr einen Zell-Verein mit Frankreich mit 26 Stimmen ge— gen 24 auf das naͤchste Jahr vertagt.

Der Stadtrath von Antwerpen hat beschlossen, einen neu zu erbauenden Quai im Norden des Bassins „Quai Napoleon“ zu nennen.

Deutsche Bundesstaaten.

Karlsruhe, 19. Juli. (K. 3.) Zweite Kammer. Der Praͤsi⸗ dent erbͤffnet die Sitzung mit Verlesung eines Schreibens des Herrn Emil Groos, worin der selbe die Kammer davon in Kenntniß setz, daß es ihm gelungen sey, die elektro-⸗magnetische Kraft als neues von allen bisherigen wesentlich verschiedenes Prinzip der Bewegung bei Maschinen zn benuͤtzen. Durch die Mitwirkung der Herren Maschinen-Fabrikanten Keßler und Martinsen sey er in Stand geletzt worden, eine nach diesem Prinzip konstruirte Maschine in Modell anfertigen zu lassen, und er habe die Befriedigung, durch die Leistung dieses, obwohl noch sehr unvollkommenen Apparates die Anwendbarkeit des Prinzips im Großen in Aussicht gestellt zu Ehen, Er lade daher die Mitglieder der Kammer ein, das Modell in der Maschinenfabrik der Herren Keßler und Martinsen einzusehen, um sich

durch Augenschein von der Erheblichkeit der bisher gewonnenen Resul⸗ tate zu uͤberzeugen. Der Abgeordnete Sander wuͤnscht, daß die Re⸗ gierung von dieser Erfindung Notiz nehme und dem Erfinder zu weiteren Versuchen einen Beitrag aus Staatsmitteln verwillige.

Der Abgeordnete von Itz stein ergreift hierauf das Wert, um eine Frage an den Herrn Praͤsidenten des Ministeriums des Innern zu richten, einen Vorgang betreffend, der juͤngst sich in Bezug auf die Oberdeutsche Zeitung ereignet habe. Es sey namlich die Polizei in die Druckerei, wo diefes Blatt gedruckt werde, gekommen und habe den Druck des Blattes von jenem Tage beaufsichtigt, waͤhrscheinlich um zu verhuͤten, daß nicht ein der Censur ansibßiger Artikel gedruckt werde. Aber damit habe man sich noch nicht begnuͤgt, sondern dem Auslaufer, der dieses Blatt herumtrage, habe ein Polizeidiener auf der Straße ein Blatt weggenommen, trotzdem, daß das der Polizei gehoͤrige Blatt be⸗ reits abgegeben gewesen sey. Diese Maßregel habe Aufsehen ge— macht und sey selbst in öffentlichen Blaͤttern besprochen worden. Es sey kaum denkbar, daß sie von dem Ministerium des Innern ausgegangen sey, eher von der Polizei. Obgleich er die Richtung er Oberdeutschen Zeitung nicht uberall theile, so muͤsse er doch gestehen, daß sie auf geistreiche Weise dieselbe vertheidige, jeden⸗ falls aber sey bei dieser Sache die ganze Presse betheiligt. S taatsrath Freiherr von dt erklart, daß er von einer unmittelbaren l nerd— nung in dieser Sache durch das Ministerium des Innern nichts wisse, es werde wohl eine Verletzung bestehender Verordnungen jene Maß— regel hervorgerufen haben; er werde naͤhere Erkundigung einziehen. Auf einige weitere Bemerkungen des Abgeordneten v. Ikstein, unbefugte Eingriffe der Censur betreffend, die auf diese Weise die schon hinlaͤnglich geschmaͤlerte Preßfreiheit noch mehr beein trachtige, erwidert Staatsrath Freiherr von Ruͤdt, daß die der— malige Veranlassung nicht geeignet sey zu weiterer Verhandlung; er habe erklart, daß er nähere Erkundigungen einziehen werde. Fuͤhle sich ubrigens der Verleger der gedachten Zeitung beschwert, fo möͤge er sich an die geeignete Behörde wenden. Der Abgeord— nete Sander hatte sich noch erhoben, da erklaͤrte der P:räͤsi— dent, diese Diskussion sey geschlossen; indeß da mehrere Abge— ordnete verlangten, daß dem Abgeordneten Sander das Wort geben werde, und die Kammer, als sie befragt wurde, damit aͤbereinstimmte, so nahm der Abgeordnete Sander das Wort, um kurz sich dahin zu erklären, daß selbst der Abdruck eines von der Censur gestrichenen Artikels nicht solche Folgen haben solle, da Geldstrafen fur solchen Fall bestimmt seyen. Finanz-Minister von Böͤckh: „Ich gehoͤre auch zur Regierung, weiß aber weder twas von dieser Sache, noch daß sie Aufsehen gemacht.“ Schaaff emerkt, daß bei noch unvollstandig gekannter Thatsache di

nicht schlechthin verdammt werden koͤnne, sie habe das R

auch zu verhuͤten, aber freilich nur auf ges

Damit wurde dieser Gegenstand verlassen und zur

gesordnung uͤbergegangen.

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Darmstadt, 21. Juli. Das heute erschienene Regierungs— Blatt enthält folgende Kabinets-Ordre, die 25jährige Vereinigung r Provinz Rheinhessen mit dem Großherzogthum betreffend: „Ich habe mit wahrem Vergnuͤgen die vielfachen Beweise treuer Anhaͤnglichkeit aufgenommen, die Mir bei der stattgefundenen Jubel feier von allen Seiten aus Rheinhessen zugekommen sind. Die An erkennung dessen, was Mein verewigter Herr Vater fuͤr das Wohler gehen diefer Provinz gethan hat und was seitdem hat geschehen kon nen, ist Mir ein hoͤchst wohlthuendes Gefuͤhl. Es gereicht mir deshalb zur besonderen Freude, dieses hier oͤffentlich ausdruͤcken zu

koͤnnen. . Darmstadt, am 20. Juli 1841.

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Ludwig.“ ar, 21. Juli. Die Großherzogliche Staats-Regierung Kbͤniglich Belgischen Staats-Regierung wegen wech⸗ freizuͤgigkeit der Staats⸗-Unterthanen eine Uebereinkunft „deren nähere Bestimmungen durch das Regierungs 7ten d. M. Nr. 11 bekannt gemacht worden sind. Bernburg, 18. Juli., Mit Bezug auf die von den Zei gen gegebene Nachricht uber die Erbauung einer Zweig-Eisen— von Bernburg nach Kbthen heißt es in einem Korrespon— Artikel aus B ernburg: daß es allerdings in den Absichter erer um das Landeswohl stets treu besorgten Regierung liegt, Zweig-Eisenbahn von Köthen nach Bernburg zu Stande zu bringen, und deshalb auch bereits das Nivellement gemacht wor— , daß aber die wirkliche Erbauung derselben noch keinesweges ils eine Gewißheit zu betrachten ist, noch viel weniger daruͤber schon ein fester Entschluß gefaßt seyn durfte, ob die Kosten von der Regierung bestritten, oder aber durch eine Actien⸗-Gesellschaft, bei der sich die Regierung jedenfalls betheiligen wuͤrde, aufgebracht werden mochten.

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E Sondershausen, 20. Juli. Die Schulen unseres Landes haben sich seit dem Regierungs-Antritte unseres Fuͤrsten bedeutend gehoben. Den Ertrag der Stempel-Gebuͤhren hat er ihren Klassen gänzlich uͤberwiesen. Auch mit unseren kirchlichen Angelegenheiten ist es vielfach besser geworden. ie Wirkungen seines edlen Beispiels bleiben nicht aus. Er besucht fast sonn— täglich das Gotteshaus und wohnt den jährlichen Schul-Pruͤfun gen bei. Diesen beiden Heils-Anstalten hat er auch in der letzte— ren Zeit in der Person des Ober-Konsistorial-Rathes Hr. « ne

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2 mann ein wuͤrdiges Oberhaupt gegeben. Derselbe ist Chef des seit einigen Monaten von der Regierungs-Behoͤrde getrennten Konsi— storlums fuͤr Kirchen- und Schul-Angelegenheiten und Mitglied des Geheimen Raths-Kollegiums in der betreffenden Abtheilung. Am 21. April hielt dieser in Gegenwart des Durchlauchtigsten Fuͤrsten mit saͤmmtlichen Geistlichen der Unterherrschaft eine Sy— node, was im hiesigen Lande seit fast zwei Jahrhunderten nicht geschah. Es wurden darin die wichtigsten Interessen der Kirche und Schule besprochen, und durch den gegenseitigen Austausch der Ansichten wurde manches Treffliche angeregt. Namentlich kam aber in Vorschlag und zur Berathung: Die Einfuͤhrung einer neuen Agende oder die zweckmäßige Verbesserung der fruͤheren, eine wur— digere Feier des Charfreitags und die Heilighaltung der Sonn— und Festtage durch ein geschaͤrftes Sabbaths-Mandat, die theil— weise Abschaffung der Accidental-Besoldungen der Geistlichen und Lehrer, eine jaͤhrliche Eides-Predigt, um auch von Seiten der Kirche gegen den Mißbrauch des Eides zu wirken, die Errichtung von Presbyterien und einer Bibel-Gesellschaft, wozu augenblick— lich ein kleiner Fond gegruͤndet wurde, der seitdem im steten Zu— nehmen begriffen ist, die Abgraͤnzung der zu errichtenden Super— intendenturen, die Beantragung um Aufnahme der Geistlichen in die Staats⸗Wittwen-Kasse u. s. w. Zuletzt wurde vorzuͤglich noch darauf hingewiesen, die höhern theologischen Studien nicht zu vernach— laͤssigen, von dem mystischen Unwesen unserer Zeit sich fern zu halten und den Geist freier religibser Forschung und Ueberzeugung walten zu lassen. ö

Frankfurt a. M., 16. Juli, (Oberd. 3.) Die Re— daction des „Journal de Francfort“ ist nun definitiv einem Deut—

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schen Schriftsteller äbergeben worden; eine Maßregel, die nur um so mehr Anerkennung finden kann, als das „Journal de Francfort“ das einzige Organ der periodischen Presse in Deutsch— ö. ö Tranibfischer Sprache erscheint, und demnach un— land ist, das in Franzoͤfischer Sprache erscheing und demnach un⸗ mittelbar die nationalen Interessen und das Germanische Prin— zip dem Auslande gegenuber zu vertreten und ihm naher zu brin— gen hat, so lange die Franzoͤsische Sprache, hier mehr dort we—

niger, die konversationelle Weltsprache bleiben wird.

Italien. Heute Vormittag wurde Sr. Heilig⸗

Nom, 12. Juli. ö r . Mons. Belli aus Anagni zum

keit im geheimen Konsistorium li , Kardinal proklamirt. Zwei andere Kardinaͤle wurden in Petlo ernannt. Hierauf erfolgte die Ernennung von 12 Bischoöfen.

Türkei.

Folgendes ist (der Augsb. Allg. Ztg. in London abgeschlossenen Convention vom

„Ihre Mäjestaͤten der Kaiser von Oesterreich, Konig von Ungarn und Böhmen, der Konig der Franzosen, die Koͤnigin der vereinigten Reiche Großbritanien und Irland, der Koͤnig von Preußen und der Kaiser aller Reußen, uͤberzeugt, daß Ihre Einigung und Eintracht Europ das sicherste Unterpfand fuͤr Wahrung des allgemeinen Friedens, d ses immerwaͤhrenden Gegenstandes ihrer Sorge, darbieten, und indem die besagten Majestaͤten diese Eintracht dadurch bezeugen wollen sie Sr. Hoheit dem Sultan einen offenkundigen Beweis der Hochae tung geben, welche sie fuͤr die Unverletzlichkeit seiner Sonverainetaͤts Rechte fuͤhlen, so wie von Ihrem aufrichtigen Wunsche, seines Reiches befestigt zu sehen: Ihre besagten Majestaͤter sich entschieden, der Einladung Sr. Hoheit des Sultans F sten, auf daß sie gemeinsam durch einen foͤrmlichen Akt muͤthigen Beschluß konstatiren, sich der alten Regel des O Reichs konform zu halten, wornach

die Durchfahrt der e des Bosporus und der Dardanellen den fremden Kriegsschiffen, so Pforte sich in Frieden befindet, immer muß. Nachdem Ihre besagten Majestaͤten einer der Sul indrerseits einen Vertrag uber diesen C ter sich abzuschließen beschlossen, haben sie zu diesem E Bevollmaͤchtigten ernannt: Se. Majestaͤt der Kaiser von den Fuͤrsten Esterhazy ꝛc. und den Baron von Neumann ze. Majestaͤt der Koͤnig der Franzosen den Baron Bourqueney ꝛe Ihre Majestaͤt die Koͤnigin von Großbr J Viscount Palmerston 3c. Se. Majestaͤt der Kor Baron von Buͤlow ꝛc.; Se. Majestaͤt der Baron von Brunnow ꝛc.; Se. Majestaͤt der maͤchtigste und Herrlichste (t t gnifsue) Sultan Abd-ul-Medschid, Kaiser der OSmanen, den Sche kib⸗Effendi ꝛ. Nach gegenseitigem Austausch und Richtigbefindung ihrer Vollmachten haben dieselben folgende 2 festgesetzt und unterzeichnet: . . . Art. J. Se. Hoheit der Sultan Seinerseits erklart, daß er fest entschlossen ist, fuͤr die Zukunft den als alte Regel seines Reichs un wandelbar feststehenden Grundsatz aufrecht zu halten, kraft dessen den Kriegsfahrzeugen der fremden Maͤchte alle Zeit verboten war in die Meerengen der Dardanellen und des Bosporus einzulaufen, und daß, so lange die Pforte sich im Frieden befindet, Se. Hoheit kein fremdes Kriegsschiff in besagte Meerengen zulassen wird. Und Ihre Majestäaten dersKaiser von Oesterreich, der Koͤnig der Franzosen, die Königin von Großbritanien, der Koͤnig von Preußen und der K

Reusse 9 pe nm k gHBHefste Allererhabenste, l ; trèᷣ

Es inajestuegux, Pulssant C

lrtikel

ser von Rußland Ihrerseits verbinden sich, diese Entschließung des S tans zu achten und sich dem oben ausgesprochenen Grundsatze konform zu halten. Art. II. Es versteht sich dabei, daß, waͤhrend die Unverletzlichkeit der alten Regel des Osmanische * *eichs durch den vorhergehenden Artikel konstatirt wird, der Sur Rr sich wie fruͤher vorbehält, Durchfahrts-Fermans an leichte Fahrzeuge unter Kriegs

flagge zu ertheilen, welche, wie es uͤblich ist, im Dienste der Ge⸗ sandschaften befreundeter Machte verwendet werden. Art. 111. Se. Hoheit der Sultan reservirt sich, gegenwartigen Vertrag zur Kennt niß aller Machte zu bringen, zu denen die hohe Pforte in freund

schaftlichen Verhaͤltnissen steht, und sie zum Beitritt einzuladen. Art. IV. Gegenwaͤrtiger Vertrag wird in London ratifizirt und die Ratisficgtionen ausgetauscht werden nach Ablauf von zwei Monaten oder wenn es geschehen kann, noch fruͤher. Zur Beglaubigung dessen haben die resp. Bevollmaͤchtigten unterzeichnet und ihre Wappen

Siegel beigesetzt. Geschehen in London am 13

Heils 1848. (Folgen die Unterschriften.)

26 29 5pten.

erxand , ,, . Muhil Ef mehrerwähnte

uf dem Aegyptischen Dampfboote „Nil' Noch verlautet nichts uͤber die Fixirung wahrscheinlich, daß Mehmed deshalb verstaͤndigt haben, letzter Pforte erhalten muß. Saib ? sechs Millionen Piaster in Wechsel auf Rechnung Vice-Koͤnig zu bezahlenden Tributs; dieser scheint sich lich zu dieser Bezahlung entschlossen zu haben, in gung, daß diese gkeit die Pforte si minderung des Tributs besser stimmen wuͤrde, um so me man nichts Gutes J den Stand ihrer Schatz-Kammer tet, fuͤr welche somit solcher Zuschuß ziemlich erwuͤnsch

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dürfte. Said Bey, Sohr dehmed Ali's den dieser Tage auf dem Dampfboot stantionpel gehen, und dem Sultan med Ali's funf Pferde edelster 2 letzterer scheint mit der gänzlichen Bee genheit beauftragt zu seyn.

ö Ibrahim Pascha's Reise hierher scheint andern Zwe zu haben als den Gebrauch der stellung se sehr geschwaͤchten Gesundheit; doch duͤrfte sie auch Veranlasst werden zu manchen Aenderungen in den Administrationen, Mancher wird sich bereits auf seinem Posten wankend fuͤhlen.

Die Zahl der von Konstantinopei zuruͤckgekehrten Aegypti schen Gefangenen belaͤuft sich auf etwa 1000 Mann; beinahe durchgehends erscheinen sie in der so unpassenden Konstantinopler Uniform hoͤchst abgemagert, und man sieht ihnen an, was sie durchzumachen gehabt. Es ist nur zu befuͤrchten, daß auch sie wieder eingereiht werden. .

Die Englaͤnder sollen dem Imam von Sana ein Buͤndniß vorgeschlagen haben, um Yemen zu bekriegen, da sich der Sche— rif von Mocca fortwaͤhrend feindlich zeigt. Sie wuͤrden dem Iman, der uͤber 50,000 Streiter verfuͤgen kann, Waffen und Mu— nition liefern.

Die Korvette „Carnaline“ bringt Nachrichten von Kreta bis zum 18ten, wonach die Kandioten sich tapfer hielten. Mehrere Gefechte hatten stattgehabt: uͤber das Resultat lauteten die An— gaben verschieden, aber jedenfalls war es von wenig Bedeutung. Mit der obenerwaͤhnten Franzoͤsischen Korvette „Corna— line“ hat man hier in dem Briefe eines Offiziers derselben, Mit— theilungen aus Kandien erhalten, die Her Leipz. Allg. Ztg. zufolge) Nachstehendes melden: „Tahir Pascha ist mit ungefaͤhr 500 Mann zu Suda angekommen; 2000 andere waren einige Tage darauf angelangt. Diese Truppen marschirten gegen die Infurgenten, welche sich in das Gebirge zuruͤckgezogen und in einer fast uneinnehmbaren Stellung verschanzt haben. Daraus

auf dem offentlichen Richtpl ; 0 hausen von hier, welcher zu Fastnacht ,,, ere! Messerstiche ein Madchen ermordete, well sie

folgten einige Scharmützel, die ohne Resultat geblieben sind. Die Griechen bleiben in ihren improvisirten Forts, und die Tuͤrken wagen es nicht, sie dort anzugreifen. Es ist dies ein Krieg, der ewig dauern wird, wenn sich die Eurepaäͤischen Machte nicht ein⸗ mischen. Die Blokade der Kuͤsten wird durch eine Tuͤrkische Fregatte, einige kleine Schiffe und ein Dampfboot unterhalten, aber diese Blokade ist nur ein Schein, denn sie verhindert die Griechischen Beote nicht, jeden Tag Waffen und Pulver zu landen, die unent⸗ behrlichen Elemente, welche den Insurgenten fehlen. Die Tuͤrken besitzen nicht Thätigkeit genug, um diese Angelegenheit zu Ende zu bringen, obgleich nicht alle Griechen Achilles sind. Die Griechen sind bei einem Ausfalle zuruͤckgetrieben worden, den sie gemacht haben, um das Fort Sekimos an der Spitze der Insel zu uͤber⸗ rumpeln; die Frau eines Insurgenten, die von ihrem Manne Schlaͤge erhalten hatte, zeigte es aus Rache den Tuͤrken an, die auf ihrer Hut waren und die Insurgenten schlugen. Kanea und Kandia sind ruhig; alle Tage wandern Einwohner aus, und wen⸗ en sich entweder nach dem Innern oder nach dem Archipel. Kandia' hat 690690 Tärkische National-Garden bewaffnet, welche einen Ausfall gegen das zweite Corps der Insurgenten versuch⸗ ten das einige Stunden von der Stadt lagert. Dieses Gefecht ohne Folgen; jeder Theil zog sich ruhig nach seiner Seite zu⸗

rue Mustapha Pascha, der Kommandant der Tuͤrkischen Trup⸗ pen, welche den Insurgenten bei Suda entgegenstehen, hat sich ziemlich menschlich gegen einige Griechische Doͤrfer benommen, die dieses Benehmen scheint aber keine Nach⸗

ten des Obersten eines Arabischen Regiments ge—

aben, das einige Angriffe von Insurgenten-Haufen

te zuruͤckzuweisen hatte. Er zerstoͤrte die Dorfer

Zuge, was sehr ungeschickt ist, denn dann wird man

rufen: neue In Syra haben

daß die Hydrioten Brander

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ur unfo haben in Konstantinopel eine Ver⸗ Bei unserer Abfahrt von Suda

* k Rhede vor Anker.“

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Frankfurt a. d. O., 22. Juli. Die fuͤr den Groß⸗ handel wiederum sehr zeitig begonnene hiesige Margarethen-Messe ist diesmal im Allgemeinen recht gut ausgefallen. Bei einem Vorrathe von mehr als 90,909 Centner Waaren aller Art, und der Anzahl von Meßfremden von mehr als 11,000 Personen, war ein recht lebhafter Verkehr bemerklich. Insonderheit war der Absatz fuͤr Tuch und tuchartige Waaren sehr stark, und die Ver⸗ kaͤufer erreichten meist bessere Preise wie seither. Leinwand und und andere Leinen-Waagren fanden ebenfalls viel Abgang. Mit in- und vereinsländischen Baumwollen- und Wollenzeug-Waaren war der Ab— satz nicht minder betrachtlich. Auch wurden dergleichen Englische Waaren diesmal viel an Ausländer verkauft. Fuͤr Seiden? und Halbseiden-Waaren war das Geschaͤft ebenfalls gut; aber nicht ganz so zufriedenstellend wie bei den vorbemerkten Waaren-⸗Ar⸗

Kurze Waaren haben recht guten Absatz gefunden. Auch nd Messing-Waaren, so wie fuͤr Glas⸗ Holz-Waaren war der Absatz betraͤcht⸗ Waagren fanden sehr reichlichen Absatz. Von den rohen Produkten waren Rind- und Roßhaͤute, auch

b-, Hammel- und Ziegenfelle viel auf dem Platze und wur—

u mehr und minder guten Preisen saͤmmtlich verkauft. Ha⸗—

selle waren wenig, von den verschiedenen Rauchwaaren ziemlich

4ͤchtliche Quantitäten hier, erstere wurden zu guten Preisen

geweihe viel vorhanden, und wurden zu guten Preisen verkauft. Pferdehaare und Schweinborsten waren viel hier, sie wurden zu mittelmaͤßigen Preisen fast alle abgesetzt. Bettfedern und Federposen waren in ziemlich beträchtlichen Vorraͤthen vorhanden, der Absatz von ersteren ging rasch vorwaͤrts, von letzteren war derselbe weniger zu⸗ friedenstellend. Wachs und Honig war nicht viel hier, wurde aber zu guten Preisen rasch verkauft. Wolle war nach den r-Expeditions-Registern 8512 Ctr. eingegangen; uͤber 1487 Ctr. wmder vorjährigen Margarethen-Messe. Die Preise

zu 70 Rthlr. der Centner stellten sich, im Vergleich

zu dem letzten Berliner Wollmarkt, etwas niedriger, doch wurden ; ze ganzen Vorrath Pferdemarkt war mit 1300 dressirte Reitpfer de, 300 Wa⸗ Wagenpferde und 300 ordi— e guten Zug- und Wagen— en hoch im Preisse; Luxus— fanden nur mittelmäßigen eingekauften Pferden sind die meisten nach

R kRIos7on 511 Fäaeß sor Schlesien und Sachsen

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worunter circa 100 gu 606MM gute

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önigsberg, 16. Juli. Waͤhrend des diesjaͤhrigen Woll⸗ w hier auf den oͤffentlichen Waagen 7162 Ctr. Volle gewogen. Dieselbe wurde durchschnittlich zu fol— Preisen verkauft: feine Wolle zu 60 bis 68 Rthlr., mitt— 51 bis 58 Rthlr. und ordinaire zu 45 bis 50 Rthlr.

Centner.

Marienwerder, 20. Juli. Am 19ten des vori— Monats feierte der Verein der Westpreußischen Land⸗ wirthe hierselbst sein neunzehnjaͤhriges Stiftungsfest durch eine Hauptversammlung der Mitglieder. Zugleich war damit eine Ausstellung landwirthschaftlicher Erzeugnisse sauf einem freien Platze nahe bei der Stadt, so wie eine Thierschau, verbunden. Bei letzterer fand eine Preisbewerbung fuͤr die beste Milchkuh statt, und wurde der ausgesetzte hoͤchste Preis von zehn Thalern fuͤr eine Kuh bewilligt, welche in 24 Stunden 1573 Quart Milch gab. Der zweite Preis von 8 Thalern wurde durch eine Kuh. die in derselben Zeit 159 Quart, der dritte Preis von fünf Tha⸗ lern aber durch eine 177 Quart Milch in gleicher Frist liefernde Kuh gewonnen.

Auf den Remontemaͤrkten des Regierungs-Bezirks zu Schwetz, Gruppe, Marienwerder und Mewe wurden der K⸗ö⸗ niglichen Remonte-Ankaufs-Kommission 165 Pferde vorgestellt. und davon 35 Stück durchschnittlich mit 82. Thaler, erkauft. Der hoͤchste Preis betrug 12 und der niedrigste 60 Thaler.

Heute Morgen gegen 6 llhi. wurde hier tplatze der vormalige Uhrmacher Broch⸗

vorn 1e

Köln, 20. Juli.

bn