1841 / 247 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Grafen Grey und diejenige des Lord Melbourne, über welche ich dem Hause einige Bemerkungen vortragen mochte. Graf Gren er freute sich, gemeinschaftlich mit seinen Kollegen, großer und beispiel loser Popularität, und Lord Melbourne wurde, nächdem er Prrmier Minister der Krone unter Wilhelm 1. gewesen, bei dessen Ableben der verantwortliche Rathgeber einer Fürstin, welche die Herrschaft über diese Reiche in einem so fruͤhen Lebensalter erhielt, als die Landes-Gesetze es erlauben, und es ward seine Pflicht, der Krone seinen Rath zu ertheilen, welcher, es sey mir gestattet, es zu sagen, jederzeit mit dem Vertrauen und der Zuwversicht dufgensmmen wüde, die der freimüthigen und großherzigen Gemüthsart der den Thron einnehmenden Königlichen Person fo wohl anstand. (Beifall. Aber weder die große Popula⸗ ritat des Grafen Grey und seiner Minister, noch die Macht und die Gunst, in welcher Lord Melbourne stand, sind auch nur in einem einzigen Falle gemißbraucht worden. Wahrend man uns von einigen Seiten tadelté, daß wir nicht Maßregeln vorschlugen, durch welche jene Gunst und jene Popularität so benutzt und so sehr befestigt würden, daß unsere Macht dadurch gesichert worden ware, war es unser unveraͤnderliches Bestreben, die Verfassung des Landes und die Vorrechte der Krone unverletzt und unangetastet zu erhalten. (Bei⸗ fall Nachdem ich so viel ruͤcksichtlich der beiden Minister gesagt habe, unter welchen ich zu dienen die Ehre hatte, wie ich mit Stolj; und Genugthunng hinzufügen kann, ist es mir vielleicht erlaubt, ein Paar Worte rücksichtlich der Person hinzuzufügen, welche jetzt die Ehre hat, Sie anzureden. (Hört! und Beifall. Ich will nicht behaupten, daß es nicht andere Personen im Amte geben moöͤchte, welche großere Fahigkeit fuͤr die Verwaltung der offentlichen Ange legenheiten besitzen koönnten, und die für jene Verwaltung ange— messenere Kenntnisse in Bezug auf diese Gegenstaͤnde mitbringen därften. Alles, was ich zu sagen wage, ist, daß, waͤhrend ich in der Stellung war, die ich einzunehmen die Ehre hatte, keinerlei Rücksichten meine Aufmerksamkeit von den dffentlichen Pflichten des mir anvertrauten Amtes, noch von der Erfuͤllung der anderen Pflichten, die mir, durch meine Stellung in diesem Hause oblagen, ab⸗ gewandt haben; und ich habe gesucht, jeden Augenblick, den ich erübrigen konnte, der Erfuͤllung jener Pflichten zu widmen. (Lauter Beifall von beiden Seiten des Hauses.) Ruͤcksichtlich der Tauglichkeit der von mir vorgeschlagenen oder von mir ausgeführten Maßcegeln will ich mich jetzt in keine Erdrterung einlassen; Alles, was ich zu sagen wünsche, ist, daß ich, so viel in meiner Macht stand, bemuͤht gewesen bin, meine Faͤhigkeiten dem Dienste des Landes zu widmen, waͤhrend ich im Amte war. (Beifall. Das Unterhaus hat sogleich beim An fange seiner Session entschieden, daß es Schritte thun werde, um die Aufmerksamkeit der ausübenden Gewalt auf die in der Rede Ihrer Majestät angedeuteten Maßregeln zu lenken. Ich kann Mur sagen, daß, obschon jener Beschluß üns auffordern könnte, uns Maßregeln zu widersetzen, denen wir nicht unseren Beifall zu geben im Stande wären, ich mich dennoch versichert halte, daß ich bei allen ferneren Berathun gen des Hausez jederzeit bereit eon werde, demselben den Rath zu er hellen, den ich ihm zu geben für meine Pflicht hallen werde. Beifall), um demselben den Beifall des Vereinigten Koͤnigreichs zu sichern und un zu der Wohlfahrt und dem Gedeihen, des großen Reiches mitzu wirken, von welckem dieses Haus der Mittelpunkt ist. (Hört, hort) Ich werde immer, ich nig nun im Amte seyn oder nicht, dem Hause meine gewissenhaften Ueberzeugungen ausdruͤcken, sie mdgen nun mit denen der Tages-Minister uͤbereinstimmen oder ihnen widersprechen; ich werde immer diejenige Ausicht ausfprechen, die mit zur Vervollkommnung. unserer Institutionen geeignet erscheinen dürfte; nie einerseits Misbraͤuche vertheißigend, als waren es Institutionen, noch anpfreckets e Insti fultionen aufopfernd, um der Mißbeaäͤuche willen, die sich in diesel hen eingeschlichen haben konnten. (Cauter Beifall von beiden Sei ten des Hauses.) Ich hahe nur noch hinzuzufuͤgen, rücksichtlich Al ler, mit welchen ich wahrend so vieler Jahre in diesem Hause uͤber bffentliche Angelegenheiten zu verhgnbeln gehabt, sie mogen nun Uhterstützer oder Gegner gewesen seyn, daß ez mein Wunsch ist, „ersbnlich die Hoffnüng aüszusprechen daß sich in alle unsere küns⸗ tigen Beziehungen keine Gefühle perssnlicher Bitterkeit mischen wer heir. Wzeifall,. Und wenn unsege Nesignation zu? Wohlfahrt des Landes und zum Besten seines Volkes gereicht, werde ich mit Ge nugthunng auf die heutige Verhandlung 1

Rachdem der Lerd die Vertagung des Hauses bis kuͤnftigen Montag beantragt hatte, setzte er sich unter lautem und lange anhaltendem Beifallruf nieder. Lord Stanley beantwortete die Rede des Ministers, indem er dessen Eifer und Talente belobte, benutzte aber zugleich die Gelegenheit, um ssch daruͤber aus⸗ zusprechen, daß die Thronrede, die bereits im vorigen Parla⸗ mente verworfenen Maßregeln kommerzieller Reform zur Sprache gebracht und dadurch zu der Vermuthung die Veran⸗ lassung' gegeben habe, als gehe die Anempfehlung jener Maß— nahmen von der Krone selbst und nicht von den verantwortlichen Rathgebern der Krone aus. Lord J. Russell erwiederte, die Throönrede sey, wohlverstanden, im genauen verfassungsmäßigen Sinne, nicht die Rede der Königin, sondern die ihrer, Minister und von diesen angegeben, so wie auch diese nur dafur verant— wortlich wären. Hierauf vertagte sich das Haus bis zum naäch— sten Montage.

London, 31. Aug. Die Vertagung des Parlaments bis zum 6. September ist naturlich deshalb geschehen, um Sir R. Peel zur Bildung des neuen Ministeriums die noͤthige Zeit zu lassen. Tory-⸗-Blaͤtter meinen zwar, es wurde dieserhalb kaum eine so lange Vertagung ndthig gewesen seyn, indeß haͤtte es, fuͤ— gen sie hinzu, nichts nützen können, ware das Parlament eher wieder zusammengekommen, da neue Wahlausschreiben, deren in Folge des Minister⸗Wechsels eine Anzahl nöthig seyn wird, weil ein Mitglied bei Uebernahme eines Amtes sich einer neuen Wahl unterwerfen muß, erst volle vierzehn Tage nach der Erbffnung eines neüen Parlaments erlassen werden durfen, bis zu welchem Termin die Petitionen gegen anzufechtende Wahlen einzureichen sind. Mittwoch uͤber acht Tage ware daher der früͤheste Zeitpunkt fuͤr neue Wahlausschreiben. Nach Erlaß derselben durfte das Parlament dann auf zwel oder drei Wochen prorogirt werden, damit inzwischen diejenigen Mitglieder des neuen Kabinets, welche zugleich Mitglieder des Un⸗ terhauses sind, ihre Wiedererwaͤhlung betreiben können. Am 21. September soll Sir R. Peel das Parlament wieder zusam⸗ menberufen und nachdem er demselben die Verlaͤngerung des jetzigen Armen-Gesetzes auf ein Jahr vorgeschlagen und ein Kre— dit-Votum auf sechs Monat von ihin verlangt und beides erlangt haben wurde, dasselbe prorogiren, ohne die zahlreichen Wahl⸗Pe⸗ titionen zur Berathung zu bringen oder andere Geschaͤfte vorneh—⸗ men zu lassen. Das Parlament wuͤrde dann, wie man meint, nicht vor Februar wieder versammelt werden. Die Whig⸗Blaͤt⸗ ter lassen sich schon im Voraus mit Heftigkeit gegen diese angeb— fiche AMnorbnung vergehen. Ec sre niche lechtæt ale dies se⸗ Jen sie, aber das Land werde entruͤstet sehn über solche herzlose Apathie gegen die Noth in den Fahrik-Distrikten, die unterdeß wahrschelnsich immer mehr steigen würde. Sir R. Peel soll indeß schon Erkundigungen und Gutachten uber den Zustand des Han— bels und der Manufakturen bei den Kaufleuten von Liverpool und Manchester eingeholt haben. Andererseits wird auch be— hauptet, daß in einer Versammlung von Grundbesitzern, welche vorgestern gehalten worden, dern Herzog von Buckingham und seine Freunde sich mit Sir, R. Peel, in dal seiner letzten Aeu⸗ ßerungen uͤber die Korngesetze, zufrieden erklärt hätten, so daß nun vollkommene Einigkeit unter den Tories herrsche und diesel— ben im Stande waren, das Staatsruder

fuhren. Es hatte sich anfangs das Gerucht verbreitet, daß auch

mit starker Hand zu

1100 der Herzog von Wellington und der Graf von Aberdeen von Ihrer Majestat aufgefordert werden seyen, der Konferenz beizuwohnen, zu welcher die Königin Sir Robert Peel nach Wind⸗ sor beschieden hatte; dies hat sich aber als ganz ungegruͤndet er⸗ wiesen. Es wird erzählt, daß Sir Robert Peel und Lord Mel⸗ bourne gestern, auf dem Wege nach und von Windsor, einander auf Hounslow Heath begegneten und sich sehr freundlich begrüßten. Morgen wird wahrscheinlich eine Geheimeraths⸗Versammlung in Windsor stattfinden, und die Minister werden dann ihre Amts—

siegeln ihren bis dahin vermuthlich schon ernannten Nachfolgern

uͤbergeben. Ein Geruͤccht bezeichnet jetzt den Grafen De Grey

(nicht mit dem aͤltesten Grafen Grey zu verwechseln) als ersten

Lord der Admiralität in Sir Robert Peel's Meinisterium. Wahrend der Herzog von Cambridge im Oberhause fuͤr das

Toryistische Amendement zu der Adresse stimmte, hat sein Bruder,

der Herzog von Sussex, nicht nur dagegen gestimmt, sondern noch einen besonderen Protest gegen dasselbe in die Protokolle des Hau⸗ ses eintragen lassen. ; Das Amendement, welches Herr Sharman Crawford, der bekannte Irländische Radikale, am Sonnabend noch zur Adresse in Antrag brachte, das aber mit einer Majorität von 2441 Stim⸗— men verworfen wurde, lautete folgendermaßen: „Wir erlauben uns

ferner, Ew. Majestaͤt vorzustellen, daß, unserer Ansicht nach, das

Elend, welche Ihre Majeffaͤt beklagt, hauptsaͤchlich dem Umstande zuzuschreiben ist, daß das ganze Volk nicht vollstaäͤndig und ordent⸗ lich in diesem Hause repraͤsentirt ist, und daß wir fuͤhlen, daß es unsere Pflicht ist, die Mittel zu erwägen, das Wahlrecht auszu⸗ dehnen und zu reguliren und diejenigen Verbesserungen anzuneh— men, die den arbeitenden Klassen dasjenige Gewicht in dem Re⸗ praäͤsentativ-Körper verschaffen können, welches zur Sicherung ih— rer Interessen nöthig ist, und wozu sie durch die geduldige Er⸗ tragung ihrer Leiden berechtigt sind.“

Als letzte Handlung der Whigs bezeichnet die Times die Freilassung O'Connor's, zu dessen Empfang in York, wo eine Ehartisten-Demonstration stattfinden soll, ein praͤchtiger Wagen mit sechs Pferden in Bereitschaft stehe. ; ;

Gestern wurde eine General-Versammlung der hiesigen Ko— lonial⸗Gesellschaft gehalten und in derselben mehrere Resolutionen beschlossen, deren Zweck dahin geht, dem Kongresse der Vereinig⸗ ten Staaten direkte Vorstellungen gegen die widerrechtliche aft Mac Leod's zu machen. ö

Das Post-Dampfschiff „Acadia“ ist nach der ungemein schnel— len Uebersahrt von 9 Tagen und 15 Stunden von Halifax in Li— verpool angekommen und bringt New-Yorker Nachrichten vom 16. August. (S. den Art. Nord-Amerika.)

Gestern kam eine betraͤchtliche Partie neuen Weizens aus Essex an den Markt, dessen Qualitaͤt aber im Ganzen nicht be⸗ sonders war; der Bushel davon wog 56 bis 61 Pfund, und war zwar besser als in voriger Woche beschaffen, aber doch nicht voͤl⸗ lig trocken; es dauerte daher einige Zeit, ehe etwas Bedeutendes davon abgesetzt wurde, und die Verkaͤuser mußten mit bis 5 Sh. niedrigeren Preisen vorliebnehmen. Von altem Weizen wurde eine bedeutende Quantität fast zu denselben Preisen, wie vor acht Tagen, umgesetzt. In unverzolltem fremdem Weizen war der Um— satz gering, die Preise blieben auch dieselben wie in voriger Woche.

Londyn, 1. Sept. (Ham b. Börsen-Halle) Alle Welt spricht natuͤrlicherweise von den Absichten des neuen Premier⸗ Ministers, aber Gewisses weiß kein Mensch zu sagen. Die Ver— muthung des Globe indessen wird sich wahrscheinlich bewaͤhren, namlich, daß Sir R. Peel ein Kredit-Votum verlangen, das Ar— mengesetz auf ein Jahr verlaͤngern und das Parlament alsdann bis zu Anfang des naͤchsten Jahres prorogiren wird. Uebrigens darf dies nur als eine Vermuthung angesehen werden, denn Sir R. Peel hat sein Vorhaben bis jetzt geheim gehalten. Gestern fruͤh schickte Sir R. Peel Regierungsboten nach dem Herzog von

Buckingham und dem Grafen von Liperpool, die Beide gestern

Nachmittag zur Stadt kamen und sogleich eine ziemlich lange Unterredung mit Sir R. Peel hatten. Es wurde von einer Abend⸗ Zeitung gestern behauptet, daß eine Konferenz der Haͤupter der Tory— Parte gẽstern im Hause Sir R. Peel's stattgefunden habe. Dies ist ein Irrthum. Der angehende Premier-Minister ist den ganzen Tag über mit der Ordnung seines Kabinets beschaͤftigt gewesen, aber es hat keine eigentliche Konferenz bei ihm stattgefünden. Folgende haben aber im Laufe des Tages mit ihm Unterredungen gehabt: Graf von Haddington, Lord F. Egerton, Graf von Ripon, Lord Castle⸗ reagh, Graf von Hardwicke, Graf Wharncliffe, Sir Henry Har— dinge, Sir Thomas Fremantle, Sir Frederick Pollock, Sir Wm. Follett, Sir George Clerk, Sir George Cockburn, Herr Glabstone, Lord Lyndhurst, Herr Goulburn, Sir Edward Knachtbull und einige Andere. Kurz vor 5 Uhr gestern Nachmittag kam Herr C. A. Anson, Schatz mneister des Prinzen Albrecht, von Win sor

zur Stadt und verfügte sich J . ö 2 kö. 2

einen eigenhaͤndigen Brief von der Königin uͤberbracht haben soll.

Der Herzog von Wellington gab gestern ein Diner, wobei die Hauptpersonen des bevorstehenden Ministeriums zugegen wa—

ren. Folgendes waren, wie ich hbpe, die einzigen Gaͤste Sir R. Peel, Graf von Aberdeen, Graf von Ripon, Lord Lyndhurst,

Lord Stanley, Lord Ellenborough, Sir James Graham und Herr Charles Arbuthnot. Die Versammlung bei Sir R. Peel am Montag Abend, vorgestern, dauerte bis spaͤt in die Nacht hinein. die eines Praͤsidenten des Geheimen Raths; Herr Charles Ar—

buthnot soll Kommissar der Forsten und Waldungen werden. Der

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Herzog von Beaufort und der Graf von Jersey werden beide

als Nachfolger des Grafen von Albemarle, der setzt die Stelle eines Oberstallmeisters bekleidet, genannt. Am wahrscheinlichsten wird Graf von Jersey die Stelle bekommen.

Die Hof-Feitung meldet, daß der See⸗-Capitain Sarto— rius, Admiral in Portugiesischen Diensien, und Herr La Saussaye, der Obersten-⸗Rang in der Britischen Legion bekleidet hat, von der Koͤnigin zu Rittern geschlagen worden,

Die Verwaltung der Whigs ist

*

Z London, 31. Aug.

endlich zum Schlusse gekommen, und Peel ist förmlich von Ihrer

Majestaͤt beauftragt, ein neues Ministerium zu bilden. Das Un⸗ terhaus kam Sonnabend Morgen gegen 3 Uhr, also am Schlusse der vierten Nacht der Debatte, zur Entscheidung, daß die Mini—

ster nicht sein Zutrauen besaͤßen, und zwar durch 360 gegen 269 Am selben Tage um

Stimmen oder eine Masjoritaͤt von 91! 12 Uhr versammelte sich das Haus aufs neue, um über die end⸗

liche Annahme der Adresse in dem Sinne der genannten Entschei⸗

dung zu bestimmen. Die Minister und fast alle Whigs waren dabei abwesend. Herr Sharman Crawford, ein Unterstuͤtzer der—⸗

selben, aber ein Radikaler in seiner Politik, schlug als Zusatz eine

Klaufel vor, des Inhalts, daß das Wahlrecht weiter ausgedehnt

Klassen mehr Ein fluß Interessen zu verschaf⸗ Manne vielleicht um so

den arbeitenden ihrer dem

werden müsse, um und eine grbßere Beachtung fen. Dieses Verfahren schien

mehr an der Zeit, als Lord John Russell am Morgen erklaͤrt

sogleich zu Sir R. Peel, dem er

Die dem Herzoge von Wellington zugedachte Stelle ist

hatte, er und seine Partei würden sich zu keinen weiteren Refor— men in den Grundlagen der Verfassung verstehen, und wollten lie— ber auf immer der Ruͤckkehr an die Regierung entsagen, als sol⸗ che unter der Bedingung zu erlangen, welche ihnen manche von den Radikalen gestellt. Auch haͤtte man meinen sollen, alle Ra⸗ Nikale würden die Gelegenheit ergriffen haben, Führung der Whigs loszureißen. Aber mehrere derselben, wie Ward, Roebuck, Wakley, erklaͤrten den Vorschlag fur unzeitig und verließen das Haus, so daß bei der Abstimmung sich nur 3 dafuͤr erklaͤrten. Nach diesem Intermezzo wurde die Adresse ange— nommen und an Ihre Majestät abgesandt.

Die Rede, womit Lord J. Russell dem Unterhause die Ab— dankung des Ministeriums ankündigte, war pathetisch, aber hoͤflich ind wurde von Lord Stanley eben so höͤflich, ja freundlich erwie⸗ dert. Das Merkwuͤrdigste in dieser Erwiederung war, daß der edle Lord die Behauptung des Ex-Ministers nicht gelten lassen wollte, sie traͤten uber die großen finanziellen Fragen aus, welche sie dem Parlamente vorgelegt haͤtten. Er behauptete vielmehr über diese sey das Parlament noch zu gar keiner Entscheidung gekommen, sondern blos, daß die bisherigen Minister nicht dessen Vertrauen besaͤßen.

Die Whigs, um sich der Gewerbe ⸗-Klassen zu ver— sichern, bestehen natuͤrlich darauf, ihre Verwerfung einzig dem Umstande zuzuschreiben, daß sie die Gutsherren in ihrem Monopole angegriffen. Die echten Monopolisten und de⸗ ren Organe leugnen dieses auch gar nicht, sondern schei— nen stolz darauf, daß sie so große Macht besitzen; wie ja der Herzog von Richmond ohne Hehl erklaͤrte, die Guts— herren hätten Peel an die Herrschaft gebracht und wuͤr— den ihn wieder stuͤrzen, wenn er ihnen die Vortheile zu entreißen suche, welche ihnen das jetzige Getraide-Gesetz gewaͤhre. Peel aber sagte in der langen Rede, womit er Freitag Nacht das Verfahren sei— ner Partei gegen das Ministerium zu rechtfertigen suchte, welt entfernt, sich zu dieser Ansicht zu bekennen, den Gutsherren er sey zwar noch immer der Meinung, daß eine wandelbare Skald am vortheilhaftesten fuͤr das Land im Allgemeinen sey; dabel aber wolle er sich nicht anheischig machen, keine Veranderung in der 8 kala selbst und in der Art und Weise, wie dieselbe durch die Durchschnitts-Preise zu bestimmen sey, vorzuschlagen; und wenn er unter keiner anderen Bedingung die Unterstuͤtzung der Guts— herren (Of the landed interest) behalten konnte, můsse . selben entsagen.

Die ses sollte offenbar fuͤr eine Antwort auf jene so unkluge als anmaßliche Bemerkung gelten, und wird sich wahrscheinlich so erweisen, wenn wir eine authentische Liste vom neuen Ministerlum besitzen, und nicht nur kein Herzog von Buckingham, sondern auch kein Herzog von Richmond und kein Graf Ripon darin er— scheint, welche beide Letzteren doch im Greyschen Kabinet gesessen und als urspruͤngliche Tories eher Anspruch auf Stellen in ei nen konservativen Kabinette haben mußten, als der ehemalige Wrhig Stanley und der mehr als Whig Graham. Man hört jedoch, daß es nur diese Beiden waren, welche nebst Goulbourn und Freemantle, sich gestern Abend nach Peel's Ruͤckkehr von Windsor bei demselben zur weiteren Berathung uͤber das zu hil— dende Kabinet einfanden. .

Peel's Rede waruͤ berhaupt sehr liberal, selbst gegen die Whigs, denen er wirklich so schwach zu Leibe ging, daß es einem, der nicht fruͤhere Reden von ihm und Anderen seiner Partei gelesen haͤtte schwer werden durfte, aus derselben einen anderen Grund fuͤr die Verwerfung der Whigs zu entdecken, als daß die Tories eine par— lamentarische Mehrheit haben. Nichts von irgend einem Belang gegen ihre auswärtige Politik; nichts gegen ihre Verwaltung deß Kolonigen; nichts gegen ihre sonst so haufig angeklagte Ver wal⸗ tung Irlands; nichts von Feindseligkeit gegen die Kirche; nichts gegen ihr Streben ugch Centralisation; nichts gegen ihr Armen; Geset. Uher die Ruͤckkehr des Einverstaͤndnisses mit Frankreich sreute er sich, und er ergriff weislich die Gelegenheit, dieses at den Zeitpunkt zu bezeichnen, wo alle Nationen, im Vertrauen au rn sch ! , , und noch mehr auf die eigene vaterlaͤn⸗ dische Gesinnung, entwaffnen mochten. Es waren goldene Worte welche gewiß in 20 Sprachen und Millionen Herzen nachkiine en werden, besonders in Deutschland, von dessen Größe und . sender Einheit er mit einer an Verehrung graͤnzenden Achtung sprach; das Prinzip des freien Handels erkannte er in seinem ganzen Umfange an und erklärte sich bereit, solches, wo es nur immer thunlich, in Anwendung bringen zu wollen. Der Heftigkeit der Irlaͤndischen Protellanten, welche, wie neulich der Sheriff von Fermanaugh, die Religion ihrer katholischen Mitbuͤrger zu be— schimpfen suchten, erklärte er ohne Rückhalt den Krleg. Dies that er wahrscheinlich in desto kraͤftigerem Ausdrucke, weil man sich so viele Mühe gegeben hatte, den Irlaͤndischen Katholiken vor der Wiedereinsetzung einer Tory-Verwaltung bange zu ma⸗ chen; und er auch im Anfange seiner Rede sich hatte hinreißen lassen, O'Connell, welcher gerade vor ihm gesprochen, und die Tories ohne Maß geschmaͤht hatte, mit zerschmetternder Verach⸗ tung niederzudonnern. .

Lord John Russell konnte in seiner Rede, womit er, gleich hinter Peel auftretend, die Debatte beschloß, nicht umhin, die gu⸗ ten Absichten seines Gegners anzuerkennen, und druͤckte nur seine Besorgniß aus, daß ein Theil seiner Anhaͤnger ihn ver— hindern wurde, solche in Aushbung zu bringen. Er ver— sicherte ihn aber, daß er von ihm keinen factibsen Wi— derstand erfahren, sondern bei allen guten Maßregeln sei— nen Beistand haben sollte. „Ich bin gewiß“, so schloß er, „daß, wenn dieses Land mit gesundem Verstand und durch große und umfassende Maximen regiert wird, ihr von eurer setzlgen Staͤrke und Macht zu groͤßerer Stärke und Macht fortschreiten, und die liberalen Grundfaͤtze nach allen Erdtheilen hin verbreiten, Mellio— nen durch eure Handlungen und das ganze Menschengeschlecht durch euer Beispiel begluͤcken koͤnnet!““ ;

Es waltet also im Grunde zwischen diesen Haͤuptern der bei— den großen Parteien kein Unterschied mehr, als uber das wie und wann, das mehr oder weniger. Eine Verwaltung nach liberalen Grundsaͤtzen ist uns gewiß. Die Extremen werden auf beiden Seiten zurückgewiesen, und, wenn es seyn muß, vereini— gen sich die gemaͤßigten Maͤnner von beiden Seiten und setzen das durch, woran vereinzelt die Ultra's sie verhindern mochten. Die Radikalen sehen es schon ein, daß sie durch ihr thoͤrichtes Benehmen die Ausführung ihrer politischen Traͤume viel weiter zurückgeschoben haben; die echten Tories erkennen, daß ihre Träume von Monopolien und Reactionen vereitelt sind, und selbst O'Connell wird bald zur Erkenntniß kommen (wenn er es nicht immer war), daß die Auflbsung der Union nur ein Traum ist. Den Weltbürger muß es uͤbrigens freuen, daß selbst der heftigste politische Streit unseren Staatsmaͤnnern, namentlich Peel und Russell, Zeit und Lust gestatten konnte, leßten Sonnabend einer Versammlung beizuwohnen, um eine Subscription fuͤr die Er— richtung eines Denkmals, zur Ehre des neulich verstorbhenen Ma— lers Wilkie, zu befbrdern. Ein Versuch, der Politik dabei eine

sich von der

Stimme zu geben, den ein Unbekannter machte, wurde mit Un⸗ willen zuruckgewiesen Das Parlament ist fur eine Woche vertagt. , bend. Das Geruͤcht geht, Peel habe heute einen Eilboten an den Herzog von Buckingham abgeschickt.

Oesterreich.

Wien, 31. Aug. (Oest. VBeob) Die nun schon in. Be⸗ trieb gesetzte Ausdehnung der Kaiser Ferdinand s- Nordbahn äber⸗ trifft Jede andere Eisenbahn des Europaͤischen Kontinents. Große Schwierigkeiten, die sich der Ausfüuͤhrung eines so ausgedehnten Werkes, zumal wenn es das erste im Lande ist, entgegenstellen, wurden mit Energie und Ruhe überwunden; namentlich entwik⸗ kelte die Direction seit dem vorigen Jahre eine ungewöhnliche Thätigkeit. Seit dem Herbste 1810, als dem General. Bau⸗In⸗ spektor Herrn Negrelli die Leitung der Baulichkeiten üuͤbertragen wurde, gediehen nicht weniger als 21 Deutsche Meilen ven der Strecke der Hauptbahn und des Stockerauer Fluͤgels zur vblligen Vollendung, was mehr als die Halfte der bis jetzt n. Betrieb stehenden Ausdehnung betragt, und zu deren Bau um ene 3a noch keine Hand angelegt war. Naͤchstdem ist der Olmuͤtzer Flů⸗ gel bis auf Weniges fertig, so wie der Unterbau von, Fre rau bis Leipnik. Vorgestern wurde nach Prergu, dem Mae, punkt der fruchtgesegneten Hanna, eine Probefahrt von 6 elade⸗ nen, unternommen, welcher morgen, den 1. September, die v. liche Erbffnung der Bahn fuͤr das Publikum. folgen wird. 86 war ein denkwürdiges Ereigniß und alle Mitfahrenden fuͤhlten sich von dem Gedanken bemeistert, in Einem Tage den ungeheuren Weg von 50 Deutschen Meilen zuruͤckgelegt zu haben (nämlich die Entfernung von 25 Meilen hin und zuruck) und zwar, neben einem zweistüͤndigen Aufenthalte daselbst, auf so bequeme Weise, daß die Abfahrt von hier um 6 Uhr Morgens, die Ankunft um 9g Uhr Abends erfolgte. Die Fahrt hin dauerte 6 Stun⸗ den 40 Minuten, zuruͤck etwas weniger als 7 Stunden. Das merkwuͤrdigste Bauobjekt der neu befahrnen Strecke (von Hradisch bis Prerau) ist der zwischen Napagedl und Hollein bewerkstelligte großartige Einschnitt, dessen Schwierigkei⸗ ten darin lagen, daß man in einer Laͤnge von 600) Fuß auf sestes Gestein traf und es mittelst Sprengung uͤberwaͤltigen mußte. 2 er Einschnitt, so wie die merkwuͤrdige Bruͤcke in der Mitte desselben ist tunnelartig und die saͤmmtlichen Kosten betrugen 16,00 Fl. C. M., eine weit geringere Summe, als hatte man sich zum Bau eines wirklichen Tunnels verleiten lassen. An Gestein wurden 009 Kubikklafter herausgearbeitet. Die Fahrt fand ohne die min⸗ deste Stoͤrung statt. Am 27. d. M. fuhren Se. Koͤnigl. Ho⸗ heit der Erzherzog Ferdinand, General-Gouverneur von Galizien, auf Höchstihrer Reise nach Liegnitz auf der Eisenbahn bis Brunn und vorgestern Se. Kaiserl. Hoheit der Erzherzog Carl Ferdinand in einem Separat-Train, welcher nach 4 Stunden 20 Minuten in Bruͤnn anlangte.

Am 27. August verschied hier der ruͤhmlichst bekannte Kom⸗ ponist und musikalische S chriftsteller, Kapellmeister Ignatz Ritter von Seyfried, der zu Wien am 15. Mai 1775 geboren ward.

Aus Böhmen, Ende August. Von den erfreulichen, raschen Fertschritten, die das Eisenbahnwesen bei Ihnen macht, nimmt besonbers das juͤngst bewilligte Schlesisch⸗Saͤchsische Bahn⸗ Projekt, von Breslau uͤber Goͤrlitz, Löbau nach Dresden, unsere Hölle Theilnahme in Anspruch, da hierdurch unserem Lande die doppelt willkommene Gelegenhei geboten wird, die so wunschens⸗ werthe beschleunigte Verbindung mit Knem gewerbreichen Theile Ihrer Monarchie und dem Königreiche Sachsen zu erhalten. Man eig nämlich bei uns mit Gewißheit, daß der intelligente und an Mitteln reiche Lausitzer Handelsstand die Zustandebrin— gung einer suͤdlichen Abzweigung der Breslau Dresdener Bahn ven Görlitz oder Lobau niach Zittau zu bewirken eif— rigst beflissen ist, und je mehr bei uns die Hoffnungen ner entsprechenden Eisenbahn⸗Verbindung mit & achsen durch das Elbthal letzterer Zeit in den Hintergrund getreten sind, desto we⸗ niger ist jetzt bei dem genehmigten Bau der Schlesisch-Saͤchsischen Bahn, das Zustandekommen einer Verbindung mit uns zu be⸗ zweifeln, in der vielversprechenden Richtung von Prag nach Rei⸗ chenberg, von wo die Bahn. im Neissethal hinlaufend, die Boͤh⸗ misch⸗Saͤchsische Graͤnze uͤberschreiten und durch die nahe Zittauer Zweigbahn an die Breslau⸗Dresdener sich anschließen wurde, Dieses Projekt erfreut sich in Pfæag und besonders in den hierbei so sehr betheiligten noͤrdlichen fabrikreichen Gegenden unseres Landes, der lebhaftesten Theilnahme; die noͤthigen Messungen von Prag uͤber Reichenberg bis Zittau werden demnaͤchst durch den Herrn Wiedemann, welcher auch das Nivellement der Leipzig— Nürnberger Bahn besorgte, beginnen, und wenn, wie zu erwarten, keine allzu großen Terrains-Schwierigkeiten sich zeigen, so kann bei dem bedeutenden Verkehr zwischen Prag, Reichenberg und der Lausitz, die Rentabilität dieser Bahn schon im Vor— aus als gesichert betrachtet werden. Einen untruͤglichen An⸗ haltspunkt hierfuͤr bieten die kuͤrzlich bekannt gewordenen ofsi— ziellen Nachweisungen über den Ertrag der Chausseegelder⸗Ein⸗ nahme, welche die Prag Reichenberger Straße, gegenuͤber den sechs anderen Haupt-Straßen des Landes, wenn auch als die kuͤrzeste, doch als die frequenteste und ergiebigste erscheinen lassen, gegen welche in Beziehung auf den nach der Weggelder-Einnahme zu bemessenden Verkehr, sie um 61 pCt. besser sich dar— stellt, als selbst die Prag-Dresdener Straße. Es ist demnach kein Zweifel, daß selbst die Wenigen, welche früher fuͤr eine Eisenhahn von Prag nach Dresden durch das Elbthal waren, gegenwaͤrtig dem ungleich sicherern und mehr Aussicht bietenden Projekte einer Verbindung mit der Schlesisch-Sächsischen Bahn sich anschließen werden, ein Unternehmen, das auch die hierbei betheiligten Preu⸗ ßischen und Säͤchsischen Gegenden gewiß eisrigst unterstuͤtzen werden.

Schweiz.

Zürich, 26. Aug. mehr so ganz in den Handen der Tagsatzung, wie vor einigen Wochen; denn von der einen Seite sind die fruͤheren Schritte einiger fremden Botschafter wiederholt worden, von der anderen haben die Volks⸗Bewegungen sich aufgemacht. Seit zehn Jah⸗ ren sind diese beiden Faktoren jedesmal gleichzeitig hervorgetreten, oder wenigstens ist dem ersteren immer unverzuͤglich der zweite begegnet. Der Ausgang eines auf diese Weise verwickelten Ge⸗ schaͤfts war gewöhnlich nicht mehr rein, nur wie es die Sache

mit sich brachte, oder wurde, wenn er es noch war, nicht mehr

dafür angesehen. Als der große Rath von Aargau, der sich nie— mals auf Die Höhe zu stellen wußte, die Lage der Eidgenossen⸗ schaft, zu uͤbersehen, Äne knickerisch, Konzesfion anbot, zeigte sich die Mehrheit der Tagsatzung daruber unwillig und zu höoͤhe— rer Forderung aufgelegt. Allein wäie instimmig auch die Mehr— heit in diesem Vorsaz war, wie sehr sie es in den bisherigen all— meinen Schritten gegen Aargau gewesen, mußte sse jetzt sich thei— len, da die Politik jeder Gesandtschaft in bestimmten Forderun—

(A. 3.) Aargau's Schicksal liegt nicht

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sich zeichnen sollte. Dieß war in Der That der Augenblick auf die Tagsatzun einzuwirken. Im d, Aargau wurden Unterschriften zu More en an die rech e, Desandtschaft und an die Eidgenossen gesammelt, wodurch die Er larung des großen Raths, daß die angebotene Toncession ein ultimatum sey zur Volksertla⸗ rung gemacht werden sollte. Die Zeitungen redeten von aͤhnlicher Stim⸗ mung in vielen Kantonen, von dem bestimmten Widerwillen, gegen Aargau sich zu waffnen. Am meisien schien auf die Stimmung des Kantons Zürich anzukommen, mie auch in der Tagsatzung von dem Verhalten der Züricher Gesandtschaft, die bisher von den Vertheidigern der Kloͤster als ein und e ogenos / angesehen wurde, das meiste abzuhaͤngen schien. Eine starke Abneigung gegen die Klbster und alle katholischen Instltute hat sich im Zuͤricher Volke von der Reformation her bis auf den heutigen a9 erhalten und mag auf die Stellung der Regierung schon in letzten Januar einigen Einfluß geuͤbt haben. Unterdessen petitionixte man im ntgegenge⸗ setzten Sinne in den Kantonen Luzern und Solothurn. Nun wurde bekannt, daß die katholische Politik an der Tagsatzung sich haupt— sächlich fuͤr die Erhaltung des Klosters Muri anstrengen würde, und daß auch Gesandtschaften von bisher unbestimmter Stellung sich hierfuͤ r erklärt haben: ein Umstand, in welchem man den Finger des Aus⸗ landes zu erblicken nicht zweifelte. Denn alle anderen Grunde sprachen gegen Muri mehr, als gegen die uͤbrigen Kloͤster: schuldlos an den Ereignissen im Januar scheint Muri am wenig— sten zu seyn, und es ist's, das mit mächtigem Einflusse im Hin⸗ tergrunde des gefaͤhrlichen Freiamtes steht. In ein paar Ta— gen hatten die Unterschriften der Aargauischen Petitionen die Zahl von 15900 überstiegen. Im Kanton Zuͤrich ward eine Volksversammlung veranstaltet. Zürichs erster Gesandter, Herr Jon Muralt, hat sich indessen als Mitglied der Tagsatzungs⸗Kom— missien, statt der bezeichneten Politik zu folgen, gegen Muri und Wettingen ausgesprochen, und will von Aargau nur eine vor der Eidgenossenschaft anständige Vermehrung seiner Konzessionen ver— langen. Obgleich man nun annehmen darf, daß auch die Regie⸗ rung Zuͤrichs nicht anders instruiren wird, soll die beschlossene Volks-Versammlung, wie es heißt, schon naͤchsten Sonntag ge⸗— halten werden. Eine unmittelbare Wirkung derselben auf die Tagsatzung ist nicht moglich, wenn diese sich, Instruktionen einzu— holen, vertagen wird. Die Volks-Bewegungen werden freilich, ohne Zweifel, sich verlaͤngern; sind sie nicht sfark genug, dig Lage ganz zu aͤndern, so wird vermuthlich die Ansicht des Zuͤricher Gefandten eine Mehrheit vereinigen, und dann auch verwirk— licht werden.

gen

Bon der Schweizer-Gränze, 28. Aug. (Fr eib. Z.) Dem Mitte dieser Woche man weiß noch nicht aus welchen Parteizwecken mit dem größten Schein von Wahrheit im gan— zen Frikthal verbreiteten Gerücht, als habe sich die Schweizerische Bundes-Versammlung bereits bis Oktober d. J. vertagt, können wir nunmehr aus bester Ueberzeugung widersprechen.

Portugal.

Lissabon, 23. Aug. Die Opposition in der Deputirten⸗ Kammer geht, wie es heißt, mit der Absicht um, eine Botschast an die Königin zu richten, um sie zu bitten, ein Ministerium zu ernennen, das grbßeres Vertrauen beim Volke besaͤße, als das jetzige; die ministerielle Partei ist indeß, wie es scheint, zu stark, als daß das Projekt gelingen konnte, doch soll im Falle der Ver—

werfung des Antrages die Opposition gesonnen seyn, unter Pro— test in Masse die Kammer zu verlassen.

Der neue Tarif, der die Britischen Fabrikate höher besteuert

als bisher, soll am 2ssten d. in Krast treten.

Türkei.

Konstantinopel, 13. Aug. Die Turkische Zeitung

meldet die Verleihung des Nischani-Iftihar an den Fuͤrsten der Drusen, Emir Beschlr, so wie an den Patriarchen der Maroni⸗

ten und an den Patriarchen von Jerusalem. Da sich Letzterer gerade in Konstantinopel befand, so wurde er selbst nach der ho⸗ hen Pforte berufen, um daselbst diese Auszeichnung in Empfang zu nehmen. Die fuͤr die beiden Anderen bestimmten Nischane sind

en Selim Pascha, Muschir von Saida, mit dem Auftrage ge—

schickt worden, sie ihnen zuzustellen.

Die Smyrnger Journale vom 14. August enthalten Schaͤz⸗ zungen der Zahl der durch den letzten Brand verzehrten Haͤuser und Boutiken dieser Stadt und des durch jene furchtbare Feuers⸗ brunst angerichteten Schadens. Das Journgl de Smyrne schatzt die Zahl der abgebrannten Haͤuser und Buden auf 7281 und den durch den Brand verursachten Schaden auf 125.850,00)

Piaster; im Echo de l' Orient wied jene Zahl auf 6284 und der angerichtete Schaden auf 110,650), 01) Piaster angegeben.

Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

New⸗Mork, 11. Aug. Die Bill wegen Errichtung einer Nationalbank ist zwar in beiden Haͤusern des Kongresses durch— gegangen, man scheint aber uͤberzeugt zu seyn, daß der Praͤsident ihr selne Zustimmung verweigern wird. Man glaubt, daß eine Folge davon die Entlassung des jetzigen, aus Maͤnnern der aristo⸗ kratischen oder Whig-Partei bestehenden Kabinetz seyn werde,

Vel Gelegenhest der Berathung einer Bill uͤber den Verkauf

der öffentlichen Ländereien wurde im Senate von einem Herrn Lynn die Differenz zwischen England und den Vereinigten Staa⸗ ten von neuem zur Sprache gebracht und der Antrag gemacht,

den Ertrag jener Berkaͤuse zu Zwecken der Nationgl Vertheidi⸗

gung zu verwenden. Der Antrag wurde mit einer Majoritaͤt von

nur zehn Stimmen verworfen. Die Bill wegen der Anlegung neuer Festungswerke ist im Repraͤsentantenhause vorgenommen worden, und es sollen noch neue Antraͤge wegen Vefestigungen zum Werthe von 50,000 Dollars bei Buffalo, von 75,00) Dol— lars am Champlain-See und von 56 Mu) Dollars in Maine ge— macht werden.

Abermals sind durch den Leichtsinn eines Amerikanischen Dampfschiff-Capitains eine Menge Menschen aufgeopfert worden. Das Dampfschiff „Erie“ ist nämlich auf der Fahrt zwischen Buf⸗— falo und Chikago dadurch, daß man eine Quantitaͤt Firnsß, die sich unter der Ladung befand, gerade über dem die Maschine heizen⸗ den Ofen lagerte, in Brand gerathen, und von allen Passagieren und Matrosen, die sich am Bord befanden, sind nur 25 gerettet worden; etwa 175 sind verbrannt oder ertrunken, darunter unge faͤhr 150 Deutsche und Schweizer Auswanderer, deren am Berd befindliche Baarschaft auf 180,600 Dollars angegeben wird, waͤh—⸗ rend der Verlust an Schiff und Ladung nngefaͤhr 120,900 Dollars betraͤgt.

In ignd.

Breslau, 2. Sept. (Schles. 3.) Gestern fand bei Landau dse große Parade des ten Armee-Corps statt. Die

Truppen desilirten zweimal, erst in ,, dann in Vataͤlllons- Fronten, welches einen impofanten nblick gewährte, dor Sr. Excellen; dem Herrn kommandirenden General Grafen von Brandenburg vorbel. Eine große Menge Zu schauer hatte sich aus der Umgegend und hier aus Breslau eingefunden. Man konnte an 200 Wagen zählen. Die Parade begann gegen 10 Uhr und war bald nach 12 Uhr beendigt.

Köln, 1. Sept. (K. 3.) Gestern Abend ist Se. Majestat der König von Hannover, welcher unter dem Namen eines Gra⸗ fen von Diepholz reist, aus den Bdern von Ems zurůckkehrend, auf dem Dampfboote „Kronprinzessin von Preußen“ hier ange⸗ kommen. Se. Masestat geruhten, einer Deputation der Direkto⸗ ren der „Rheinischen Eisenbahn“ Audienz zu gewähren, und be⸗ dauerten nur, die Einladung, der feierlichen Erbffnung der Bahn beizuwohnen, nicht annehmen zu können. Be dieser Gelegenheit äußerten Sich Se. Majestaäͤt hoͤchst gnaͤdig äber den Plan der Weiterführung der Bahn bis Hannever, fo wie auch üuͤber den Fortbau derselben durch Höchstihre Staaten. Heute seßten Se. Majestät nach 11 Uhr Mittags die Reise uber Soest nach Han⸗ nover fort. Der unangenehme Zufall, daß der Koͤnigl. Reisemar⸗ schall Baron von Malortie Excellenz bei Ankunft des Dampf⸗ schiffes durch einen Pfropfen des salutirenden Geschütes an der linken Hand eine kleine Berwundung erhalten, ist Ursache,. daß dieser hoͤhe Hof-Beamte, von Sr. Majestät der Pflege des Herrn Hr. Coblenz in Deuz angelegentlich empfohlen, zuruͤckblelben mußte, um die bald zu hossende Heilung abzuwarten.

Die Salben des Gschuͤtzes, der jubelnde Andrang der Rheinischen Burger hegruͤßten heute ein neues geschichtliches Mo⸗ ment; Industrie, Handel, Verkehr und gesellige Beziehungen er⸗ freuen sich im Deutschen Westen einer neuen kraͤftigen Pulsader des Lebens: die Rheinische Eisenbahn, laͤngst ein Augen⸗ merk vaterlaͤndischer und Europaͤischer Interessen, ist heute partiel, in ihrer Bahnstrecke von Köln nach Aachen, auf feierliche Weise eroͤffnet worden. Der Feier des bedeutungsvollen Moments an⸗ gemessen, war der an sich schöne und freündliche Bahnhof mit Flaggen, Blumengewinden und gruͤnen Guirlanden festlich geschmuͤckt; über den Zugaäͤngen wehten die Preußische? zational-Flagge so wie die Farben Kblus und Aachens. Im inneren Raume draͤngte fich die Menge der froͤhlich Erwartenden, die Elite der Einwohner Kblns, theils selbst Ackionaire, theils von diesen zu der ersten Festfahrt gleich sam als Repraͤsentanten unserer Rheinstadt geladen, Herren ind Damen sin bunter Relhe, darunter Notahilitaͤten wie Se. Excellenz der kommandirende General des achten Armee⸗Corps Herr von Thiele II., Ihre Ercellenzen die Wirklichen Geheimen Raͤthe, Ober-⸗Praͤsidenten der Rhein⸗Prsvinz und Westphalens, Herren Frei⸗ herren von Bodelschwingh und von Vincke, die Vorstände der Militair- und Civil-Behbrden u. s. w. Von allen Seiten war der Bahnhof so wie weit hinaus die Bahnstrecke mit zahllosen froͤhlichen und neugierigen Zuschauern aller Stande in dichten Relhen umgeben, und so sah man gespannt der Ankunft des Aachener Trains entgegen, welcher um halb sieben Uhr des Morgens Aachen verlassen, und nach einem kurzen Auf⸗ enthalte zu Duͤren, wo sich die daselbst eingeladenen Personen angeschlofsen, um neun Uhr hier eintraf, gleicher Weise aus schoͤ— ner und gewaͤhlter Gesellschaft der Nachbarstaͤdte in dreizehn Wa— gen bestehend und hier beim Empfange feierlich bewillkommt. Nun waren im Kölner Stationshofe alle zur Fesifahrt Gelabenen ver— sammelt, und wahrend die Vorbereitungen zur Auseinanderrei— hung der Lokomotiven und Wagen und die Anordnung des gan— zen Festzuges getroffen wurde, begruͤßte der Appellations⸗CGerichts⸗ Rath Herr von Ammon, Namens der Direction der Rheini— schen Eisenbahn, die Anwesenden mit einer Rede. Der Donner des Geschuͤtzes und die einfallende Musik gaben hierauf das Zei— chen zum Aufbruche, und nach 10 Uhr sah man den schoͤnen Festzug, 28 Wagen, worunter Diligencen, Waggons und Char a banes in regelmäßiger Abwechselung, gefuͤhrt von den drei Loko⸗ motiven „Vorwärts“, „Rhein“ und „Herkules“, sich in Bewegung setzen, gefuͤllt mit heiteren Passagieren, geschmuͤckt mit Blumen und Blättern des Sommers, uͤberweht von farbigen Festfahnen und von den erschallenden Feierklaͤngen der in ihrer Mitte fah⸗ renden Militairmusik des 25sten Infanterie-Regimentes begleitet, und in raschem Fluge durch die Bahnstrecke hinbrausen.

Ueber die Moralität des Französischen Handels und der Französischen JIndustrie.

Paris, im August. Seit zwei Jahren hat die Regierung zahl⸗

reiche Versüche gemacht, die Handels-Veziehungen Frankreichs zu den fremden Laͤndern zu erweitern. Da ihre innere Politik sich so zu sagen auf die Entwickelung der materiellen Interessen grundet, so sucht sie dieselben so viel wie moglich zufrieden zu stellen. Aber das Pro⸗ blem ist verwickelt, und die verschiedenen Kategorieen der Produ⸗ zenten erheben Anspruͤche, welche die Ergreisung allgemeiner Maß⸗ regeln ziemlich schwierig machen. So wollte der Handelsstand die Freiheit und die fast gaͤnzliche Abschaffung der Eingangs-Zoͤlle und dadurch die fremden Kauf⸗ seute von dem Franzöͤsischen Markte ausschließen; die Industriel⸗ len verlangen dle freie Einfuhr der rohen Stoffe und das Verbot der verarbeiteten Stosse; die Agrikulturisten endlich fordern einen bedeutenden Schutz fuͤr die Erzeugnisse des Bodens, indem sie einrdumen, daß man die Erzeugnisse der Fabriken zu einem niedri⸗ gen Preise haben muͤsse. Man begreift, daß es schwierig ist, die⸗ sen drei verschiedenen Tendenzen zu genügen. Unter der Restau⸗ ration kamen die Tarife einem System zu Huͤlfe, das den Zweck hatte, eine Territorial-Aristokratie wieder herzustellen; der Boden und seine Erzeugnisse wurden beguͤnstigt; die Industrie wurde als eine Dependenz des Ackerbaues betrachtet und man gewaͤhrte ihr daher denselben Schutz Man fuͤhrte somit einen Zustand der Dinge herbei, welcher dem Verkehr mit den fremden Nationen sehr nachtheilig war und der Abschließung von Handels⸗Verträgen mit unseren Nachbarn sehr im Wege Fand.

Die Gründe, welche die Restauration bewogen, eine Territo⸗ rial-Aristokratie zu gruͤnden, erxistiren heut zu Tage nicht mehr in demselben Grade; aber der Tarif, welcher diese Gründung begůn⸗ stigen und die Reichthüͤmer des Vodens gegen alle auswaͤrtige Könkurrenz schuͤtzen sollte, ist noch immer vorhanden, und er ist es, der unferen auswärtigen Handel hemmt, der es bewirkt, daß man Repressalien gegen uns anwendet und daß unsere Anerbie⸗ lungen zur Abschließung von Handels-Vertraͤgen eine schlechte Aufnahme finden und zůurückgewiesen werden. Gegenwärtig han= delt es sich weniger darum, sich die großen Grundbesitzer, als viel= mehr die Mittelklassen zu verpflichten; denn diese letzteren haben die gegenwartige Regierung gegründet. Um nun dies zi elt. chen. muß man ihnen jene Leichtigkeit der Arbeit und den Absakes sene Ausficht auf eine zunehniende Wohlfahrt zu verscha fen si⸗ then, bi! man ven dein Handel und der Mmdußtrir war. Dies ist das zu lösende Problem, dies sst o, was man, siß me Tren Jahren 'zu erreschen sucht, ohne dahin gelangen zu können.,