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religidse und politische Fragen von einander geschieden worden sind, herbeiführen.“
Ein hiesiges Blatt sagt: „Man versichert, daß Herr Gui⸗ zot schon seit einiger Zeit eine sehr fleißige Korrespondenz mit
Sir Robert Peel unterhalt; er hätte demselben sogar ein Exem⸗ plar feiner Rede in Lisieur zugeschickt, noch ehe dieselbe gehalten
worden wäre. Es scheint, daß Herr Guizot versprochen hat, gleich nach der Bildung des Tory⸗-Kabinets die Entwassnung in Frank⸗ reich zu beschleunigen und Herrn von St. Aulaire auf seinen Posten nach London zu schicken. ⸗. .
Seit einigen Tagen tragt man sich mit dem Ser cht. Haß das Ministeriuin nach dem Schluß der General-Conseils den Mu⸗ nizipal-⸗Rath von Paris, wegen seiner Beschluͤsse gegen die Regi— strirungs⸗Maßregel, aufloͤsen werde. . .
Der Erzbischof von Paris ist auf seiner Reise nach den Bädern einer drohenden Lebensgefahr entgangen. Dicht bei Lokalm schlug der Blißz in seinen Wagen ein, riß ihm seine Muͤtze vom Kopf und derwundele einen seiner Kaplane, der ne⸗ ben ihm saß, leicht am Kopfe. Der Erzbischef befindet sich voll⸗ kommen wohl, und hat seine Reise fortseßen koͤnnen.
Börse vom 2. Sept. Die Course der Franzoͤsischen Ren⸗ ten hlelten sich an der heutigen Boörse ziemlich fest, obgleich die Gerüchte von dem nahe bevorstehenden Abschluß der Anleihe im Umlauf blieben.
F Paris, 2. Sept. Da sich die Regierung gendthigt sieht, faͤr das naͤchste Jahr auf die praktische Anwendung wenig— stens eines Theiles der Resultate des Census zu verzichten, so tritt, in Ermangelung einer nahen Aussicht auf eine genuͤgende Ver— mehrung des offentlichen Einkommens, die Nothwendigkeit einer Verminderung der Staatsausgaben immer deutlicher und unmit— telbarer hervor. Natuͤrlich kann eine wesentliche Ersparniß nur durch die Beschraͤnkung des Kriegsbudgets erzielt werden, und es findet sich also, daß die Opposition gegen die Steuer-Rexision, ohne es zu wissen, und noch mehr, ohne es zu wollen, foͤr die Idee der Entwaffnung gearbeitet hat. Bei dieser Wendung der Finanz-Frage wird es minder zweifelhaft, ob Herr Humann die ihm bewilligte Anleihe umgehen koͤnne, ja, ob die ihm zu Gebote stehenden Huͤlfsmittel ihm auch nur erlauben, dieselben, wie dies seine bestimmte Absicht war, bis zur Eroͤffnung der bevorstehenden Kammer-Session zu verschieben. Man glaubt, daß der Finanz— Minister sich genbthigt sehen werde, spaͤtestens im November we— nigstens einen Theil der Anleihe zu negozitren.
Die an der Stelle der Zaͤhlungen uͤberall, wo die Steuer— Beamten auf Widerstand stoßen, vor sich gehenden amtlichen An—⸗ schlaͤge werden aus Grundsatz weit uͤber den vermuthlichen Werth der zu taxirenden Gebäude u. s. w. gestellt, indem die Steuer⸗ Verwaltung hofft, die Widerspenstigen, durch die Aussicht auf eine schwere Ueberlastung zur Nachgiebigkeit, zur nachtraͤglichen Unter⸗ werfung unter den Census zu bringen. Die einstimmigen Erklaͤ— rungen der Departemental⸗Räthe zu Gunsten der Regierungs— Maßregeln werden ohne Zweifel wirksam dazu beitragen, die mo— ralifche Kraft jenes Widerstandes zu brechen, und man darf da— her wohl hoffen, daß die Regierung durch das fragliche Mittel hren Zweck erreichen wird, statt dadurch die ihr entgegensiehen— den Schwierigkeiten zu vermehren, wie dies bei standhafter Durch—⸗ füͤhrung der passiven Opposition der Steuerpflichtigen allerdings der Fall seyn würde.
Von dem Franzoͤsisch-⸗Belgischen Zoll-Vereine ist keine Rede mehr. Eine Deputation der Elboeufer Tuchfabrikanten, die sich nach Eu begaben, um die Interessen ihrer Industrie gegen jenes Projekt geltend zu machen, hat von Louis Philipp die beruhigend— sten Versicherungen erhalten. Inzwischen sind die zun Unterhand⸗ lung eines Handelsvertrages mit Frankreich bevollmaͤchtigten Bel⸗ gischen Commissaire hier angekommen, und es hat auch bereits eine erstẽ Konferenz derselben mit mehreren Mitgliedern des hie— sigen Kabinets stattgefunden; allein es wird vielfach bezweifelt, daß diese Negociationen zu einem bedeutenden Ergebnisse fuͤhren werden. Darf man gewissen Andeutungen trauen, so sind auch gegen den Plan einer engeren Handels-Verbindung zwischen Frank— reich und Belgien diplomatische Schwierigkeiten erhoben worden, welche im Verein mit der gewerblichen Eifersucht der Franzoͤsischen Fabrikanten, Grubenbesitzer, Rheder u. s. w. mächtig genug seyn Färften, um eine merkliche Ermaͤßigung der gegenseitigen Zoll⸗Ta⸗ reife zu verhindern.
Die beiden Eisenbahn-Gesellschaften des rechten und des linken
Sein MMfers haben sich bekanntlich über eine Vereinigung verstaͤndigt, deren Kösten der Staat zahlen soll indem man ihm zumuthet, zunaͤchst auf die Zinsen des der Compagnie des linken Ufers vorgestreckten Kapi⸗ tals von 5 Milllsnen zu verzichten, ein Nachlaß, der leicht voraus— sichtlicher Weise die Schenkung des ganzen Kapitals fruher oder spaͤter zur unfehlbaren Folge haben wurde. Aber es scheint, daß dieser leckere Bissen noch nicht groß genug ist, um den Finanz⸗ Appetit der Herren von den Elsenbahnen zu befriedigen. Ihrem ersten Projekte ist bereits ein zweites gefolgt, dahin lautend, die beiden Bahnen von Versailles aus, zu einer einzigen verschmolzen, bis nach Chartres fortzuführen, vorausgesetzt, daß ihnen erstens der Staat zu diesem Unternehmen 8 Millionen auf funfzehn Jahre unverzinslich vorstrecke, daß ihnen zweitens das Departement der Seine und Dise, und das Departement der Eure und Loire jedes 800009 Franken zu demselben Zwecke schenke, daß ihnen endlich drittens die Gemeinden, durch deren Gebiet die Bahn ge— hen soll, den dazu erforderlichen Boden unentgeldlich abtreten. Hält man mit diesen Forderungen die Zahl von 20 Millionen zusammen, welche der Bau der ganzen Bahn kosten soll, so zeigt sich die ser neue An⸗ schlag auf das bffentliche Vermögen in einer Naivetaͤt, die beinahe großartig zu nennen ist. Wenn das die „Ermuthigung“ ist, welche die Eisenbahn- Unternehmer in einer neulich an mehrere Blaͤtter gerichteten Reclamation so bitter vermissen, und die sie zum Ge— deihen ihrer Werke verlangen, alsdann kann man ihnen wahrhaf— tig keine libertriebene Kuͤhnheit zum Vorwurf machen. In der That, eine bffentliche Unternehmung dieser Art, zu der man sich mehr als die Hälfte der Kosten schenken läßt, verdient wohl kaum den Namen einer Speculation, oder kann doch nur allenfallt eine Speculation auf die bffentliche Gutmüthigkeit genannt werden. Das unbescheidene Ansinnen der beiden Gesellschasten könnte blos unter der Voraussetzung entschuldigt werden, daß die beabsichtigte Bahn hbchstens halb so viel werth seyn, als sie kosten werde. Allein in diesem Falle ware, n das Rathsamste, sie uͤberhaupt nicht zu bauen.
Man hoͤrt seit ein paar Tagen wieder von einer bevorstehen—
den Modification des Kabinets reden, ohne daß indessen That⸗
sachen diesem Geruͤchte irgend Gewicht geben. Der äußere Anschein Dauer
de France vertretenen Fraction der
zette de
kungen uͤber das Verbot, welches sie in den Paͤpfllichen
spricht vielmehr fortwährend fur eine ungewöhnlich lange des Ministeriums Soült-Guizot. — Die Spannung, welche zwischen der Römischen Kurie und der durch die Gazette legitimistischen n,, waltet, droht zu einem förmlichen Bruchs zu werden. Die Ga⸗ t France beobachtet so wenig Fein enn, in g .
agten
nach gewöhnlichem Menschenverstande, wohl!
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getroffen hat, daß heute selbst die Pressse einen warnenden Zu⸗ ruf, eine freilich etwas zweideutige Mahnung, an den dem heiligen
Stuhle gebuͤhrenden Respekt an sie richten zu durfen glaubt. Man versichert, daß der Abbe Genoude bei der Nachricht von jenem Verbote alle Fassung verloren habe, und daß die gereizte Stim⸗ mung, in welcher er sich seitdem befinde, sich in den heftigen Dia⸗
triben der Gazette de France nur sehr gemildert kund gebe.
Großbritanien und Irland. London, 3. Sept.
haben. Das Kabinet besteht nun aus folgenden Mitgliedern: Premier⸗Minister oder erster Lord
des Schatzes. . ...... .. ...... Sir Robert Peel. Larde Kanzler. .... ...... Lord Lyndhüurst. 2 d ans⸗ Fuͤhrer des Oberhauses ohne be—
sguderes Amen *... a a.... Herzog von Wellington.
Praͤsident des Geheimen Raths .. Graf Wharneliffe.
Großsiegelbewahrer !...... Herzog von Buckingham. Erster Lord der Admiralität ...... Graf von Haddington. Staats-Secretair des Innern ..... Sir James Graham. Staats⸗-⸗Secretair der auswaͤrtigen Angelegenheiten... .. .... Graf von Aberdeen.
Staats⸗-Secretair der Kolonieen .. Lord Stanley. Pra sident der Handelskammer. .... Graf von Ripon. Praͤsident der Ostindischen Kontrolle Lord Ellenborough. Kanzler der Schatzkammer Herr Goulburn. Kriegs⸗Seeretair Sir Henry Hardinge. Außerdem sind bis jetzt folgende Ernennungen von Mitglie— dern der Verwaltung bekannt, die nicht zum Kabinet gehoöͤren: General-Zahlmeister der Armee und Marne . Generalfeldzeugmeister ...... .. . . . . Ad miralitaͤts⸗Secretair . .... . . . . . . . Oberster Schatzamts-Secretair .. Vice-Praͤsident der Handelskammer Herr W. E. Glad stone. Lord-Lieutengnt von Irland . . . . . . . Graf de Grey. Secyretair fuͤr Irland.... Lord Eliot.
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Sir Edward Knatchbull. Sir George Murray. Sir George Clerk.
Heute gegen Mittag begaben sich die neuen Minister nach Clavemont, wo die Königin eine Geheimeraths-Versammlung hal— ten wollte, in welcher ihnen die Siegel werden überliefert werden. Was die uͤbrigen noch nicht definitiv besetzten Aemter betrifft, so berichtet die Morning Post heute Folgendes uber einige der— selben: „Lord Lowther ist nun General-Postmeister und wird vermuthlich, als solcher, unverzüglich ins Oberhaus berufen wer⸗ den. Das Amt eines Kanzlers des Herzogthums Lancaster ist einem hochverdienten Staatsdiener, dem Lord Granville Somer— set, verliehen; Se. Herrlichkeit wird aber nicht Mitglied des Kabinets seyn. Lord Lincoln ist zum ersten Kommissar der Land-Revenüen ernannt. Das Amt des Muͤnzmeisters wird Herr W. E. Gladstone neben dem des Vice-Praͤsidenten der Han— dels-Kammer bekleiden. Man glaubt allgemein, daß Lord Claude Hamilton Unter-Staats-Seeretair der auswärtigen Angelegenhei⸗
ten und Herr Henry Hope Unter-Staats-Secretair der Kolonieen
werden sollen. Das Amt des Lord-Kanzlers far Irland ist, dem Vernehmen nach, dem Sir Edward Sugden angeboten worden. Herr Blackburne wird, wie man glaubt, General-Prokuxator und
Herr Jackson, wie man vermuthet, General⸗-Fiskal fuͤr Irland werden. Auch sagt man, daß dann Herr Litton als Koͤniglicher Sergeant an des Letzteren Stelle treten werde.“ Der Times zufolge wuͤrde auch der General-Zahlmeister der Armee, Sir E.
Knatchbhull, wirklicher Kabinects-Minister werden. Von anderer Blaͤttern werden noch Sir George Cockburn und Lord Ashley als Lords der Admiralitàͤt und Sir F. Pollock als General-Prokura⸗ tor, Sir W. Follett als General-Fiskal fuͤr England bezeichnet. Diese beiden letzten Ernennungen scheinen jedoch noch ür saspenso zu seyn, weil es heißt, daß Lord Abinger, der Praͤsident des Schaͤtzkammer-Gerichts, sein Amt bald niederlegen und man denselben daher bewegen wolle, dies lieber gleich zu thun, um nicht Sir F. Pollock, der darauf Anspruch haben wuͤrde, sein Nachfolger zu werden, und Sir W. Follett, der dann in den Posten des General-Prokurators einruͤcken wuͤrde, in die Nothwendigkeit zu versetzen, sich kurz hin— ter einander wiederholentlich einer neuen Wahl zu unter— werfen. Ueber die Zusammensetzung des Hofstaats der Königin ist noch nichts definitiv bestimmt. „In diesem Departement“, sagt die Morning Post, „wird man die personlichen Wuͤnsche Ihrer Majestaͤt, wie es seyn muß, jeder anderen Ruͤcksicht vor⸗ angehen lassen.“ Indeß erwaͤhnt dieses Blatt folgendes Geruͤcht: „Das Amt des Ober-Kammerherrn sey dem Herzoge von Rut— land angeboten, von diesem aber abgelehnt worden und werde wahrscheinlich vom Marquis von Exeter, bekleidet wer—
den; Graf Liverpool werde vermuthlich Ober-Haushofmei⸗ ster, Graf von Jersey Ober -Jaͤgermeister werden, und fuͤr die übrigen Hofaäͤmter wuͤrden Graf Chesterfield. Vis- count Sydney, Viscount Poverscourt, Lord Ashley und Lord Ernest Bruce genannt. Ferner gehe das Geruͤcht, daß die Herzogin von Buckleugh die Stelle als Ober-Gar—
Die Kabinets-Mitglieder und mehrere andere Beamte der neuen Verwaltung sind nun ernannt. In ei— ner zweiten Audienz, welche Sir R. Peel vergestern bei der Kö— nigin hatte, ertheilte Ihre Majestaͤt der ihr von dem Premier⸗ Minister vorgelegten Liste ihre Genehmigung; die darauf stehen— den Namen sollen die unbedingte Billigung der Koöͤnigin erhalten
Sir Thomas Fremantle.
X
derobenmeisterin oder oberste Hofdame der Königin erhalten werde.
Lord Hill behaͤlt seinen Posten als Ober-Befehlshaber der Armee, den er bekleidet, seitdem der Herzog von Wellington denselben niederlegte. .
In Kanada hat Lord Sydenham sortwaͤhrend mit großen Schwierigkeiten zu kaͤmpfen; alle seine Maßregeln fallen durch. Das dortige Parlament scheint das Tory-Ministerium abwarten zu wollen. Unter den Kanadischen Patrioten bereitet sich eine Demonstratign zu Gunsten Mac Leod's vor. Das neulich ver⸗ breitete Geruͤcht von einem bereits gemachten gewaltsamen Ver— such zur Befreiung Mac Leod's hat sich nicht bestaͤtigt. In Ka⸗
nada sind in den ersten 7 Monaten d. J. gegen 21,769 Personen Aus Depeschen zwischen Lord J. Russell und Lord welche jetzt von den hiesigen Blaͤttern mitgetheilt
eingewandert. Sydenham, werden, erfahrt man uͤbrigens, daß Leßterer bereits unterm 21. Juli d. J., wegen fortwährender Kraͤnklichkeit,
heriger Lord-Ober-Commissair der Jonischen Inseln, genannt. TLöͤnigin wenig befriedigend, so daß sie sehr haͤtigkeit auf ihr Befinden nachtheilig einwirken werde.
erstes Kabinets-Diner gegeben.
nachdem er vorher schon einen halbjährigen Urlaub erhalten hatte, seine Ent⸗ lassung eingereicht, und daß dieselbe, wie ihm Lord J. Russell un⸗— term 18. August angezeigt hat, von der Königin angenommen worden ist. Als sein muthmaßlicher Nachfolger unter der nun⸗ moehrigen Tory⸗Verwaltung wird jet Sir Howard Douglas, bis⸗ Nach dem Court-Journal ist der Gesundheitszustand der der Ruhe bedarf. ies Blatt befürchtet, daß die ihr jetzt aufgedrungene politische
Gestern Abend hat. Sir R. Peel in Whitehall⸗Gardens schon
X London, 3. Sept. Das neue Ministerium wird heute installirt; das Parlament aber wird sich ohne Zweifel naͤchsten Montag wieder auf so lange vertagen, bis die jetzigen Mitglieder des Unterhauses, welche Stellen erhalten haben, aufs neüe ge⸗ wählt werden knnen. Denn das Gesetz verlangt, daß wer eine Stelle von der Krone annimmt, genoͤthigt ist, sein Vertreteramt niederzulegen; kann aber von demselben Bezirk, den er vorher vertreten, oder irgend einem andern aufs neue gewaͤhlt werden. Man glaubt, daß die Vertagung bis zum 2ssten stattfinden werde; welches dann auch fuͤr die neuen Minister die Bequem— lichkeit hat, sich in ihren Departements zu orientiren, und sich unter einander uͤber gemeinschaftliche Maßregeln berathen zu kö5nnen; was ihnen zum Theil darum um so leichter werden wird, da die Mehrzahl aus Mitgliedern des Oberhauses besteht mehrere zu den Aemtern zuruͤckkehren, die sie in fruheren Zeiten verwaltet, und wahrscheinlich keiner von ihnen, bei seiner Wieder⸗ erwaͤhlung etwas zu befuͤrchten hat.
Die, welche zu ihren alten Aemtern zurückkehren, sind Lord Lyndhurst ans Amt des Großkanzlers; Lord Stanley ans Mini— sterium der Kolonien; Herr Goulburn ans Ministerium der Fi⸗ nanzen; Lord Aberdeen an das der auswaͤrtigen Angelegenheiten; Graf Ripon zur“ Praͤsidentschaft uͤber das Handelswesen; Lord Ellenborough zu der uͤber die Oslindischen Angelegenheiten; Sir Henry Hardinge zum militairischen Sekretariat; Sir Eduard Knatsch⸗ bull zum Amte des Kriegs⸗Zahlmeisters. Nur Sir James Graham ist neu in der Stelle des Ministers des Innern; Lord Haddington in dem ehemals von Graham bekleideten Amte als erster Lord der Admiralitaͤt (Minister der Marine); Sir George Murray (ehemaliger Colonial-Minister) in dem des General⸗Feldzeugmei⸗ sters; der Herzog von Buckingham in dem des Lord Siegelbe— wahrers. Der Herzog von Wellington hielt es nicht fuͤr rath⸗ sam in seinen alten Tagen ein Amt auf sich zu nehmen, welches anhaltende Aufmerksamkeit erforderte; er begnuͤgt sich also, um nur seiner Partei den Einfluß seines Ansehens zu gewaͤhren, mit der Stelle eines Kabinets-Ministers ohne Amt und ohne Besoldung. Aber auch Peel, wohl theils um das Ganze besser uͤbersehen zu koͤnnen, theils um noch fuͤr einen anderen im Mi— nisterium Raum zu haben, bekleidet kein eigentliches Verwaltungs— Amt, sondern ist mit dem Titel des ersten Lords der Schatzkam— mer, erster Minister.
Was nun das Verhaͤltniß zwischen dem Ober- und Unter⸗ hause betrifft, so finden wir in dem Kabinette 8 Mitglieder vom ersteren, und nur 5 vom letzteren. Von diesen ist noch dazu Lord Stanley eines Pairs Sohn und sein Vater so alt und kraͤnklich,
daß er erwarten darf, ins Oberhaus uͤbertreten zu muͤssen. Der Herzog von Buckingham, welcher sich wahrend seiner ganzen politischen Laufbahn durch nichts bemerklich gemacht
hat, als durch seine fast schwaͤrmerische Anhaͤnglichkeit an das Ackerbau-Interesse, dem man den bekannten Zusatz zur Parla— mentsakte verdankt, welche auch den Bauern, die keinen Pacht— brief haben, das Wahlrecht giebt, und wodurch den Gutsherrn ein so großes Uebergewicht in den Grafschafts-Wahlen zugefallen ist, welcher die jetzigen Getraidegesetze immer als das Werk der hoͤchsten Weisheit gepriesen, und den fuͤr einen Feind der Guts— herren und Paͤchter erklaͤrt hat, welcher das geringste daran zu aͤndern vorschlage, dieser ist wirklich im Ministerium. Der Her— zog von Richmond zwar nicht Cein Mann, den man sonst gern darin gesehen hatte) dagegen aber der Graf Ripon, ein Mann zwar aus der Schule Huskisson's hervorgegan— gen, und hierdurch vorbereitet von den Tories mit Palmerston, Richmond und Grant an dem Greyschen Ministerium Theil zu nehmen, aber der in den letzten Zeiten sich fast eben so stark fuͤr die Fortdauer der jetzigen Getragidegesetze ausgesprochen, als Rich— mond. Ferner ist unter den fuͤnf Nicht-Adeligen im Kabinette Knatchbull ebenfalls ein ausschließlicher Freund des Ackerbaues. Dieses Interesse ist also auf jeden Fall jetzt in sichern Haͤnden, und wenn auch Peel ohne Zweisel von allen seinen Kollegen das Versprechen erlangt hat, daß sie sich einer Milderung des Tarifs nicht widersetzen wollen, so ist doch kaum zu erwarten, daß er sich in den wenigen Stunden welche hinreichend waren sich unter einander zu verständigen, mit (Ihnen über die Einzelpunkte einig werden konnte, worauf doch am Ende alles ankommt; denn wenn die konsumirenden Klassen ja befriedigt werden sollen, so muß eine regelmaͤßigere Einfuhr möglich gemacht, und die Brodt-Preise muͤssen merklich herabgebracht wer— den. Solches aber muß den Grundzins vermindern, und dieses ist es ja doch, wogegen die Gutsherren eigentlich ankämpfen. Wahrscheinlich wird Peel vor dem Fruͤhjahr keinen Vorschlag deshalb, vors Parlament bringen wollen, und seine Absicht ist ohne Zweifel, gleichviel was die momentanen politischen Umstaͤnde seyn moͤgen, etwas Erkleckliches zu gewaͤhren, und hierbei kann er gewiß auf den Beistand der Mehrheit des Kabinettes rechnen. Ob Peel aber eben so viel bei den Buckinghamiten vermögen wird, wird wohl vorzuͤglich auf dͤußere Umstaͤnde ankommen, d. h. die Brodtpreise und das Benehmen der Nation. Erstere ge— ben Hoffnung zu fallen, indem das Wetter fortwaͤhrend schön, und eine große Quantitaͤt auswärtigen Getraides dieser Tage den Zoll gezahlt hat, welches selbst schon die Wahrscheinlichkeit giebt, daß die Spekulanten auf kein weiteres Aufschlagen rechnen. Die Nation verhaͤlt sich ruhig, ja gleichgültig. Selbst viele von denen, welche am elfrigsten fuͤr die Whigs gekaͤmpft, sind es nun zufrieden, daß diese haben austreten muͤssen, da sie doch keine bedeutende Maß⸗ regel durchzusetzen vermocht hätten und man uͤberzeugt ist, daß die Konservativen doch Mehreres zum Vortheile der materiellen Interessen des Burgers thun muͤsfsen, um die Verdraͤngung der Whigs selbst gegen die Neigung der Monarchin zu rechtfertigen. Da also durch Handeln jetzt nichts zu fordern ist, so hat man be—
schlossen, in aller Stille zu warten. Es kommt also darauf an, ob die äußerste Rechte der Gutsbesitzer diese scheinbare Gleichguͤl⸗ tigkeit wird eben so richtig zu erklären wissen, als gewiß Sir Ro— Pert Peel sie sich und ihnen erklärt. Inzwischen will doch die Anti⸗corn-law⸗league auch dafur sorgen, daß dieser Punkt nicht einmal scheinbar ganz vergessen werde. Der Beschluß, welcher von den zu Manchester versammelten Predigern gefaßt worden, den 6ten d. als einen allgemeinen Buß— und Bettag zu begehen, wo der Himmel angefleht werden solle, das Parlament zu erleuchten, damit es durch die Hinwegraäͤumung der Getraidesperre die Noth des Volkes entfernen helfe, ist nicht zu Boden gefallen. Man erfaͤhrt vielmehr von Manchester, daß 1500 Prediger ihre Bereitwilligkeit angekuͤndigt haben, in ihren P Kapellen diese politisch⸗religibse Feier zu begehen ein Treiben, welches, so sehr jeder Billige es tadeln muß, doch gewiß der Feindseligkeit gegen die Aristokratie einen neuen Anstoß geben wird. Auch wird Noel's Flugschrift: „a Plea for Ihe Poor,“ und eine zweite, welche aus der Konferenz zu Manchester hervor— gegangen ist, zu vielen Tausenden unter dem Volke verkauft. Die League tritt aber noch entschiedener auf. 3 Bei einer so eben zu Manchester stattgefundenen vorlaͤufigen Versammlung von Fabrlkanten wurde beschlossen, denjenigen Kauf⸗ leuten zu Liverpool, welche bei der letzten Parlaments-Wahl die Vertheidiger der Getraidegesetze unterstuͤtzt hatten, keine Waaren⸗
Speditionen mehr zu übergeben, indem sie nicht gesonnen seyen, diejenigen ferner zu bereichern, welche beschlossen haͤtten, sie selbst arm zu machen. Und heute soll eine Ver sammlung statt⸗ finden, um diesem Beschlusse Wirksamkeit zu geben. Dieses ist ein anderer verzweifelter Schritt, welcher als von so reichen und einflußreichen Maͤnnern gethan, die Beachtung des Staats mannes verdient. Auch werden die Radikalen nicht lange g , Da Lord John Russet sich in Bezug auf ihr eigenthümliches Streben nach Grund-Reformen von ihnen losgesagt hat, und nicht die geringste Hoffnung vorhanden ist, daß in kurzem sich wieder ein Whig⸗Kabinet bilde, so werden dieselben wohl alles Maß, das sie bis jetzt gehalten haben, uͤberschreiten. Sie werden sich den Chartisten naͤhern, und wahrscheinlich das Vindungs⸗ Mittel zwischen diesen in der League abgeben. O'Connell s und seines Anhanges sind fie gewiß, wenn sie ihn bei seinem besonderen Streben nach der Aufloͤsung der Union nicht unterstützen mogen. Somit durfte, wenn auch nicht der Zahl nach, eine weit furchtbarere Opposition entstehen, als wenn die Whigs die Leitung derselben haͤtten, Wenn nun duch solches den Kon servatismus betrachtlich verstaͤrken ,, Viele sich an Peel anschließen würden, die jetzt nech gere oder selbst feindselig gegen ihn gesinnt seyn mögen; es * hier⸗ mit immer noch nicht die Noch men dig le beseitigt, ben, (rer gen Klassen in wenigsten materiellen 1 eziehungen große . sionen zu machen. Und zwar haͤngt Alles davon ab, daß solch⸗ zeitig und ungezwungen gemacht werden; sonst erleben wir gewiß eine zweite viel umfaässendere, wirklich revolutionaire Parlaments⸗ Reform. 4 Was Irland betrifft, so ist
auch
es weise von Peel, daß er in den Lords Grey und Elliot zwei Maͤnner fuͤr die hoͤchsten Aemter erwählt hat, welche sich durch ihr fruͤheres Benehmen der Masse der Ration nicht verdaͤchtig oder gar verhaßt gemacht hatten. O'Con⸗ nell und Konsorten finden bei ihrer Heftigkeit nür deswegen so vielen An⸗ klang, weil bei den meisten seiner Landsleute Peel s Name nur als der des Beschuͤtzers und Lieblings ihrer ohemaligen Bedruͤcker der . gisten im Andenken stehet. Sie fuͤrchten daher 6 . Ri = kehr zum Amte, einen Versuch wenigstens . i . an alten Druck; und viele Orangisten und deren Organe ha n , Muͤhe gegeben, sie in dieser falschen Meinung zu bestaͤr ken. . ( z ing es der neuen Verwaltung also, diese Taͤuschung durch ein z uges und billiges Verfahren zu zerslreuen, so ste zu hosfen, e, sich auch hier allmaͤlig beruhigen werde. Die 12 — . regeln gegen O'Connell, welche die Tiniss e, , n,, so dringend empfehlen, wurden aber gewiß. Allis verde 9 Die Irländer sind zwar auf brausend, aber . sind empfaͤnglich fuͤr Vernunft und überaus dankbar suͤr gute V ehandlung.
Deutsche Bundesstaaten. 1
Dresden, 1. Sept. Eine neue Raffination ruͤcksichtlich des Selbstmordes lernten wir gestern im hiesigen Theater kennen. Im zweiten Akte des Houwaldschen Stuͤckes: Fluch und Se⸗ Jenn, als eben der Amtmann zur. Auspfandung schreiten will, erschoß sich ein junger Mann auf der Nebelgalerie. Der Schuß war vorsichtig und gut; so nämlich, daß die Kugel im Koͤrper sitzen blieb und kein anderer Zuschauer verwundet wurde, auch sofort und ohne allen Blutverlust (die Kugel durchbohrte das Herz) tbdtete.
Leipzig, 3. Sept. Eeipz. 3). Der am 9. August statt⸗ gefundene Hagelschlag hat in einem ziemlich breiten Striche von Freiburg an der Unstrut an, uͤber die Gegend von Leipzig bis nahe an Torgau eine Verwuͤstung an den Feldfruͤchten angerichtet, die ohne Uebertreibung an 4 bis 500,000 Thaler geschaͤtzt werden darf. Da ein so harter Unfall die Umgegend von Leipzig seit Menschen⸗ gedenken nicht betroffen hat, so war es nicht zu , e dn, daß gerade hier und im Verhältniß zu anderen Gegenden sehr wenig Land—⸗ wirthe ihre Fruͤchte versichert hatten; bei alledem aber hatten sich in den naͤchsten Tagen nach erlittenem Unfalle bei hiesiger Hagelschã⸗ den-Versicherungs⸗Anstalt 58 Ritterguͤter und die einzelnen Versi— cherten aus 134 Doͤrfern als beschaͤdigt angemeldet und wegen der Reife der Fruͤchte um schleunige Taxe gebeten. Die nun been— digten Abschaͤtzungen der Schaͤden von diesem Tage allein betra⸗ gen, dem Vernehmen nach, circa 3.00 Nthlr. — saͤmmtliche in diesem Jahre und bis jetzt. zu leistenden Verguͤtungen aber circa
1160 60 MRthlr. Versichert sind, wie wir hoͤren, circa 103 Millio—⸗ nen Rthlr.
Leipzig, 6. Sept. Herr Thiers ist am 3ten d. M. von Ems kommend durch Wuͤrzburg nach Wien gereist. ; Der geographische Schriftsteller Hr. Vollrath Hoffmann in
Stuttgart ist vor einigen Tagen mit Tode abgegangen.
Braunschweig, 4. Sept. (Magd. 3.) gestern von einer großen Gefahr. bedroht gewesen, welche jedoch, nur einen geringfuͤgigen Schaden verursachend, noch ziemlich glüͤcklich fuͤr die Stadt voruͤberging. In einem, dicht neben dem Wachthause des Fallerslebener Thores gelegenen Gebäude, in wel⸗— chem ein Artillerie-Laboratorium befindlich ist, war ein Feuerwer⸗ ker mit Anfertigung von Zuͤndroöͤhren fuͤr Perkussions-Kanonen beschaͤftigt und bog eben eine solche Zuͤndroͤhre, als die Mischung explodirte uad der Funke sich sogleich dem, im ganzen Gebaͤude Herbreiteten Pulverstaube mittheilte. Einen Augenblick ver— suchte der Feuerwerker, mit seinen Haͤnden den fortlau— fenden Feuerfaden zu ersticken; als dieser sich jedoch der Thuͤre eines anderen Gemaches, in welchem ein Vorrath von etwa 60 Pfd. Pulver in 2 offenen Gefaͤßen befindlich war, mit großer Schnelle naͤherte, warf sich der Beaäͤngstigte instinktge⸗ maͤß zu Boden und entging so der Gefahr. Durch die sofort in kurzem Zwischenraume erfolgenden beiden starken Explosionen wurde das ganze Dach in die Höͤhe gesprengt und eine Seiten wand niedergestuͤrzt. Das Schreckenvollste dieses Moments lag aber darin, daß in einem anderen, nur sehr wenige Schritte da— von entfernten Gebäude sich noch ein anderer Vorrath Pulver von etwa 6 — 8 Centnern befand und eine Explosion auch dieser großen Pulvermasse zu befuͤrchten stand.
Wir sind vor—
Stuttgart, 3. Seßt, (Schwab. M. Dem Vernehmen nach, versprechen die seit längerer Zeit zwischen den Regierungen von Wuͤrttemberg und Baden uͤber eine Eisenbahn-Verbindung gepflogenen Verhandlungen einen fuͤr die Interessen Suͤddeutsch— fands erwuͤnschten Erfolg. Durch eine, von Technikern beider Staaten gemeinschaftlich vorgenommene, vorläufige Untersuchung soll eine den strengeren Anforderungen genügende Eisenbahn⸗ Linie zwischen Pferzheim uud Keanu ermittelt worden seyn, welche es moglich macht, die bedeutende Stadt Pforz— heim in die Eisenbahn-Verbindung zwischen Stuttgart und Karls— ruhe einzuschließen. Man zweifelt nicht, in kurzer Zeit den An sang mit einem Werk gemacht zu feng das Wuͤrttemberg in Verbindung mit der großen isenbahn des Rhein⸗Thales setzen soll, und das in seiner weiteren Entwickelung fuͤr den westoͤstlichen
Aufwartung.
fio9 Verkehr die gleiche Bedeutung zu gewinnen verspricht, welche der , Thal. Bahn fuüͤr den Verkehr zwischen Sud und Nord zu kommt.
— — Fräukfurt a, Me., J. Sept. Se. Hoheit der gekommen, wo auch noch Se. Koͤnigl. Hoheit der Kurfuͤrst von Hessen verweilt. ⸗ dess w 3 Salomon und 3, , sind von Wien und Paris hier angekommen und machen heute mit dem , eg . Bargn A. M. von NVothschild, Sr. Durch⸗ laucht dem Fürsten von Metternich uf den. Johannisberg ihre Baron A. M. von Rothschild beabsichtigt, Sr. Durchlaucht bei seinem demnaͤchstigen BVesuche in unserer Stadt eine Festlichkeit zu veranstalten. Der Herr Fuͤrst wird aber, siche⸗ ren Nachrichten zufolge, schon gleich anfangs der zweiten Hälfte d. M. den Johannisberg verlassen, vor der. Ruͤckkehr nach Wien indessen einige Höfe besuchen. Es treffen taͤglich viele ausgezeich⸗ nete Gaͤste auf dem Johannisberg ein, die auf dem Schlosse nicht alle Raum finden kösinen, sondern im nahen Orte untergebracht werden mässen. In den ersten Tagen erwartet man dort auch den Kaiserl. Oesterreichischen Botschafter zu Paris, Grafen Apony.
Der Bundes-Präsidial-Gesandte, Herr Graf von Münch⸗
Bellinghausen, ist hierher zuruͤckgekehrt; gestern reiste der Königl.
Preußische Bundestags⸗Gesandte, Herr Baron von Buͤlow, von hier nach Berlin ab und kehrt erst in einiger Zeit hierher zurück.
Was man auch in den oͤffentlichen Blaͤttern sagen mag, unsere Herbstmesse ist bis jetzt noch sehr still, und man gibt auf ein guͤnstiges Resultat derselben alle Hoffnung auf. Die Boͤrsen-Geschaͤfte sind ziemlich lebhaft und die Fonds fest. Der Koͤnigl. Preußische Hofschauspieler Herr Rott hat sich von hier nach Mannheim zum Gastspiel begehen. Er aͤrntete hier in seinen letzteren Gastrollen, als Richard III. namentlich, viel Beisall und man gewann durch diese Rolle die Ueberzeugung, daß er aller— dings den ersten dramatischen Kuͤnsilern beizuzaͤhlen ist.
— „* — * Schweiz.
Zürich, 30. Aug. In unserem Kanton hat am gestrigen Sonntage bei dem Dorfe Schwamendingen eine Volksversamm⸗ lung staktgefunden, bei welcher sich an 20,900 Menschen (nach anderen Berichten jedoch nur an 10601) befunden haben sollen. Die Redner, der im Jahre 1839 gestuͤrzten Partei angehdrend,
sprachen in der Freude, sich wieder vor einer solchen Volksmenge
zu sehen, unter jubelndem Zuruf auch von Vergessen der kanto⸗— nalen Zwietracht. Jedoch wurden nur folgende, sich auf die Klo⸗ sterfrage beziehende Anträge vorgelegt und angenommen. Versammlung heschließt: I) Eine Adresse an den großen Rath des Kantons Zuͤrich zu richten und in derselben das ausdruͤckliche Gesuch auszusprechen, daß der groß Rath des Standes Zurich seine Gesandtschaft dahin instruiren moge, sich mit dem von dem großen Rath
—
des Kantons Aargau unterm 19. Juli gefaßten Beschluß, betreffend die
Aargauschen Kloͤster, zu begnuͤgen und jede Intervention in die innern Angelegenheiten des Kantons Aargau abzuweisen, vielmehr Aargau in seinsm Recht zu unterstuͤtzen. 2) Eine Adresse an den großen Rath des Kantons Aargau zu erlassen, in welcher die lebendige Theilnahme des Zuͤricher Volkes ausgedruͤckt wird. 3) Eine Adresse in dem in Art. bezeichneten Sinn an die Tagsatzung zu xichten. 4) Die Unterzeichner des Zuͤricher Zurufes seyen mit der Vollzie⸗ hung dieser Beschluͤsse beauftragt, und werden eingeladen, die Aar⸗ gausche Angelegenheit auch als Angelegenheit des Züricher Volkes
iets im Auge zu behalten und die erforderlichen Schritte zu be—
friedigender Löfung derselben vorzunehmen.“ In der naͤchsten Zeit haben wir nun die Versuche der Gegenpartei zu erwarten, den Eindruck dieser Bersammlung auszulbschen. Ungewiß ist noch, ob der große Rath diefer gewaltigen Demonstration weichen, und ob dieselbe namentlich zu einem Wendepunkt in unseren kantonalen Kämpfen sich gestalten werde. Gewisser wird das Ereigniß auf
die Entschluͤsse mehrerer anderen Kantone seinen Einfluß ausuͤben.
30. Aug.
Bern, 31. Aug. (Schweizer Bl.) Tagsatzung vom
Hauptbericht der Kommissin in der Aargauischen Kloster-Ange—
legenheit verlesen. Dieser Verlesung folgt die des Minderheits⸗
Gutachtens des Herrn Schultheiß Neuhaus, der darauf antraͤgt:
sich befrie digt zu erklaren und die Sache aus dem Abschied fallen zu lassen; die des Minderheits-Gutachtens der Hrn. Schmid und Ruͤttimann auf Wiederherstellung aller Kloͤster; die des Minderheits-Gutachtens der Hrn. Baumgartner und v. Maillar— doz, unter sich wegen des Klosters Hermetschwyl uneinig, bean— tragend die Herstellung von Muri, Fahr, Mariatronung und des Kapuzinerklosters von Baden; endlich die der Hrn. v. Mu— ralt und Druey, welche Muri und Wettingen opfern, hingegen Hermetschwyl und das Kapuzinerkloster von Baden hergestellt wissen wollen. Die Discussion wird Donnerstag oder Freitag stattsinden. Italien.
Nom, 23. Aug. Der Papst wird am Z30sten d. M. Rom verlassen und eine Reise nach Ancona antreten. Auf dem Wege nach dieser Stadt wird Se. Heiligkeit bis zum 13. September in dem Wallfahrts-Orte Loretto verweilen. Die Stadt Ancona bereitet große Feste vor, und hat sich zu diesem Behufe unter An⸗ deren von der Stadt Venedig den vergoldeten „Bucentaur“ aus— gebeten.
Spanien.
Madrid, 26. Aug. Die Herren Altecoa und. Santa-⸗Anna, Commissaire der Baskischen Provinzen fuͤr die Regulirung der Fueros-Frage, sind in Madrid eingetroffen. Niemand jedoch glaubt an eine baldige Loͤsung dieser Frage.
Die Unterhandlungen wegen des Anlehens von 690 Millionen Realen sind noch nicht zum Schlusse gekommen.
Herr Olozaga trifft Anstalten, um auf seinen Posten als Ge— sandter am Franzoͤsischen Hofe zuruͤckzukehren.
Briefe aus Valladolid melden die Empbrung einer Bri— gade Galeeren-Straͤflinge, die bei den Straßenbauten von Ol— medo verwendet wurden. Vierzig Galeeren-Straͤflinge bemaͤch— tigten sich der Waffen und Pferde der sie eskortirenden Truppen, und nachdem sie ihre Kameraden ihrer Fesseln entledigt hatten, flüchteten sie saͤmmtlich, etwa 200 an der Zahl, nach den Gebir— gen, ohne daß man ihnen irgend Widerstand leisten konnte.
Türkei.
Smhrna, 14. Aug. Das Journal de Smyrne giebt nachstehende Uebersicht von den abgebrannten Gebaͤuden, deren Zahl sich auf 7284 belaͤuft; namlich:
Turk ische Haͤuser .. ..... ...... 3050
Moscheen. . . .... ...... 42 SGlleeee , Karavanserais. ..... ...... ...... 15
2
Von Herrn Landammann Baumgartner wird der
17
, . 6 Klöͤster (Ceke 9a Iuädische Häuser................ 150) Synagogen. — Iudisches Hospital. ...... ..... 41
Backhäͤuser und Muͤhlen ......
· . .
Briechische Haäͤuser. ...... 157
Griechische Schulen ...... ..... ö
= Armenjsche Haͤuser ...... r, Buden (Kauflaͤden).. ..... 247
— — —
Zusammen .... ; Das genannte Blatt bemerkt ferner: „Der gesammte Verlust wird zu 1253850 009 Piastern (ungefähr 19 Millionen Thaler) angegeben. Wir glauben jedoch, daß diese Summe viel zu hoch ist, da es auch bei dem groͤßten Eifer und der größten Umsicht, doch bisher durchaus an Zeit gefehlt hat, um die so schwierigen Berechnungen mit der erforderlichen Genguigkeit an⸗ zustellen. Wie dem aber auch sey, der Verlust, den Smyrna er⸗ tten, ist darum nicht weniger unermeßlich und unersetzlich und wir werden nicht ermüden, die Aufmerksamkeit der Regierung und der theilnehmenden Menschen aller Laͤnder, aller Religionen darauf zu lenken. — Die Kommission laßt in ihrem menschenfreundlichen Eifer nicht nach und beschaͤftigt sich fortwaͤhrend auf die lobenswerthęste Weise mit den zweckmaͤßigsten Mitteln zur Unterstůtzung der großen Anzahl Unglücklicher, deren Elend sie zu erleichtern uͤbernemmen hat. Ihre Vorsorge erstreckt sich ͤber den gegenwaͤrtigen Augen⸗ blick hinaus, und sie hat weislich daran gedacht, den Unglůͤcklichen auch Schutz gegen die strenge Jahreszeit zu verschaffen. Zu dle⸗ sem Zwecke sollen die Summen, die von den in Smyrng und Konstantinopel gesammelten Beitraͤgen uͤbrig bleiben, so wie das, was spaͤter von außerhalb noch eingeht, verwendet werden. Die bisher taglich ausgetheilten 6780 Brot-Rationen sind daher auf diesenige Zahl redüzirt worden, die fur den Unterhalt der Kran— ken, Wittwen und Waisen unumgaͤnglich nothwendig ist.“ WBVereinigte Staaten von Nord-Amerika. New⸗Mork, 15. August. Der Mac Leodsche Prozeß soll bekanntlich am 19. September vor sich gehen und der Staatsse⸗ cretair Webster scheint die weiteren Verhandlungen mit England wegen des Dampfboots „Caroline“ bis zur Ersetzung des Herrn For durch einen anderen Gesandten verschieben zu wollen. Herr
Everett ist statt des Herrn Stevenson nach London, Herr Jeni⸗ ser nach Wien bestimmt. Der Russische Gesandte, Herr Bo⸗ disco, ist aus Washington abberufen, der Oesterreichische, Freiherr von Marschall, kehrt nach seiner Heimath zuruck.
Der Prinz von Joinville wird mit der „Belle-Poule“ zu New⸗York erwartet.
Die Handels-Nachrichten lauten ziemlich guͤnstig; gutes Pa⸗ pier wird ohne Schwierigkeit diskontirt. Herr Jaudon soll wie⸗ der zum Agenten der Vereinigten Staaten-Bank in London er⸗ nannt seyn.
Verdient die Zehntheilung des Groschens wirklich den Vorzug vor der Zwölftheilung.
Das suͤdliche Deutschland theilt in großer Allgemeinheit, und seit einer langen Reihefolge von Generationen die Einheit, wonach es rechnet, den Gulden, in sechzig Kreuzer. Der Kreuzer bezeichnet einen zu kleinen Werth, als daß ein Bedüͤrfniß vorhanden seyn könnte, ihn weiter noch anders als in halbe zu theilen. Im nörd⸗ lichen Deutschlande herrscht keine gleich allgemeine Uebereinkunft in der Eintheilung der Maͤnzeinheit: die gebraͤuchlichste ist zwar der Thaler, aber er wurde schön seit Jahrhunderten theils in vier und zwanzig, theils in dreißig Groschen getheilt. An den Kuͤsten der Nord- und theils auch der Ost-See rechnete man ge⸗ wöhnlicher nach Marken zu sechzehn Schillingen; an der Nieder⸗ laͤndischen Grenze nach Gulden zu zwanzig Stuͤvern: insofern dort drei Marken, hier drei Gulden einem Thaler gleich kamen, waren die Schillinge eine Verdoppelung der Vierundzwanzig⸗ theilung, nnd die Stuͤver eine Verdoppelung der Dreißigthęilung, indem von jenen 48, von diesen 60 auf den Thaler gingen. Neben diesen bestanden noch Eintheilungen des Thalers in 36 Marien⸗ groschen und in 72 Groot; erstere in Niedersachsen, letztere an der unteren Weser: jene war das anderthalbfache, diese das drei⸗ fache der Vierundzwanzigtheilung. Kurhessen theilte den Thaler in 32 Albus: die Vierundzwanzigtheilung ging hier in eine Zwei⸗ unddreißigtheilung uͤber, wie dies gewissermaaßen auch bei der Rechnung nach Groschen geschehen war, insofern naͤmlich in Län⸗ dern, worin der Konventlonsfuß neben der Rechnung in Thalern zu 21 Groschen bestand, dieser Thaler nur eine , , war, das wirklich ausgepragte Spezies⸗-Thalerstuͤck aber NQ solche Groschen galt. Der Groschen bedurfte noch einer Unterabthei⸗ lung, und diese war sehr allgemein zwöͤlftheilig. Der Thaler wurde hierdurch bei der Vierundzwanzigtheilung in 288, bei der Dreißigtheilung in 360 Pfennige getheilt. Außerdem bestanden, besonders westwärts der Weser, noch mannigfaltige Muͤnzeinthei⸗ lungen, welche Landstrichen zum Theil sogar nur von geringem Umfange eigenthuͤmlich, und meist nur im Marktverkehr des Volkes üblich waren. Je mehr Gewerbsamkeit und mit ihr Verkehr und Wohlstand sich verbrelteten, desto fühlbarer ward die Unbe⸗ quemlichkeit dieser mannigfaltigen Münzeintheilungen. Indessen ward doch erst in dem langen Frieden, welcher dem Revolutions⸗ Kriege folgte, das Gefuͤhl dieser Unbequemlichkeit mächtig genug, um die vieljaͤhrigen Gewohnheiten zu besiegen, und Einheit der Muͤnzeintheilungen in dem bei weitem groͤßten Theile des noͤrdli⸗ chen Deutschlands hervorzubringen. Durch das Muͤnzgesetz vom 30. September 1821 fuhrte die Preußische Regierung (im ganzen Umfange des Staats die Theilung des Thalers in dreißig Gro⸗ schen zu zwoͤlf Pfennigen ein. Fast zwei Jahrzehende später ha⸗ ben Hanover, Braunschweig, ö. und Sachsen, der Groß⸗ herzog von Sachsen-Weimar, die Saͤchsischen Herzoge Ernestini⸗ scher Linie, und die Regierungen der zwischen den genannten Staa⸗ ten eingeschlossenen Gebiete deutscher Bundesmitglieder mit dem Preußlschen Thaler auch dessen Eintheilung in n Groschen angenommen.. Insoweit besteht keine Verschiedenheit der Ansich⸗ ten mehr daruͤber, daß die Dreißigtheilung der Vierundzwanzig⸗ theiluag vorzuziehen sey; dagegen scheint die Meinung nech immer zwischen der Thellung des Groschens in zehn oder 3 nige zu schwanken; namentlich haben die Stände des Königteichs Sachsen sich fuͤr die e rg. entschleden, und auf dem neue= ssen Landtage der Preüßeischen Rheinprovinz ist deren Annahme statt der Zwölftheilüng empfohlen worden. 22 Auch die Preußische . im Joh theilung des Groschens in jehn Pfenn etch Bis daͤhin war in den Pröbihzen, worin der Thal, ,, en , nn, theilt worden. ; a lle n 16 ,,, rt; lern zu 3 Tinchen en von 13 Denar geführt;