1841 / 251 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

sprochen hatten. Das Steigen und Fallen der Skala habe nur Schwindelei und Scheinkaäͤufe erzeugt, und wahrend der letzten zwei Jahre habe man die Durchschnitts-Preise nur nach den be— sten Qualitaͤten berechnet, da die schlechteren zuruͤckgehalten wor— den, bis jene Preise ihr Minimum erreicht. Der Protest hebt ferner die nachtheiligen Felgen dieses Fluctuations⸗Systems auf das Geld- und Bankwesen hervor und weist besonders Einfuhr nicht durch unnbthige Schwierigkeiten zu hemmen, um nicht durch Nepressalien des Auslandes einige der besten Maͤrkte fuͤr die Schließlich erklart er es fuͤr die erste Pflicht der Regierung, die arbeitenden Klassen nicht unndthig zu belasten, welche Pflicht durch die Erhe⸗ bung hoher Steuern zu Gunsten spezieller Interessen aus druͤcklich verletzt werde. Auch Lord Cloncurry hat einen besonderen Pro⸗ test erlassen, der direkt gegen die Tories als Partei gerichtet ist⸗ und zwar aus dem Grunde, weil die Irlaͤndischen Katholiken in

auf die Nothwendigkeit hin, die auswaͤrtige

Engtischen Fabrikate zu verlieren.

jenen nur ihre Todfeinde erblicken könnten.

anlassen die Times, von neuem darauf aufmerksam zu machen, in welcher verwickelten Lage die vorigen Minister alle Angelegen⸗ heiten ihren Nachfolgern übergaben, und wie viel die Chefs des auswärtigen Departements und der Ostindischen Kontrole in den Admiral Parker soll in Bombay geäußert haben: „Der Streit mit China

X 2. nächsten Monaten zu, thun haben wuͤrden. .

wenigen Monaten

kann vielleicht in Jah re

kann aber auch

werden muͤssen, um ihn zur Unterwerfung unter seinen Lehns— Man

herrn, den Monarchen von Afghanistan, zuruͤckzubringen. glaubt, nach der Times, daß eine Besetzung der gro— en Paͤsse durch die Engländer diese Angelegenheit erledigen und die Stabilitaͤt der Dynastie Schach Sudscha's sichern wurde. Ein Theil des Afghanischen Stammes der Gilzies, der sich gegen den jetzigen Koͤnig von Afghanistan empörte, war erst

kuͤrzlich wieder in einem glaͤnzenden Treffen von einer Abtheilung

der' Bengalischen Armee unter Oberst Wymer geschlagen worden. Im Pendschab soll es jetzt so ziemlich ruhig seyn, da es dem Fuͤr— sten Schiri Sing gelungen war seine Trüppen zur Ordnung zu bringen. Ein Geruͤcht, daß Lord Auckland, der General⸗Gouver⸗ neur von Ostindien, von jenem Häuptling der Sik's eine Versfaͤr⸗ kung von 10909 Mann verlangt habe, bedarf der Bestaͤtigung, Nach amtlichen Angaben war in dem Vierteljahre von An⸗ fang Januar bis Ende Maͤrz 181! der Absatz der Londoner Abendblaͤtter: I) des Globe, eines Blattes der Whigs, 2956 Exemplare; 2) der beiden Blätter des Sun, des Morgens- und Jbend-Vlattes, eines Blattes der Whigs, das sich zu den Nadi— kalen hinneigt, zusammengerechnet 30h; 3) des Standard, ei— nes Blattes der Konsersativen, 2775; und M. des Eourler, ebenfalls eines Blattes der Konservativen, 725 Exemplare.

Dem katholischen Journal the Tablet zufolge, stroͤmen jetzt

ganze Massen kostbarer Geraͤthe, die aus den aufgehobenen Klb—

stern und Abteien der Pyrenaͤischen Halbinsel, besonders Spaniens,

stammen, nach London, und mitunter ganz auserlesene Kunsiwerke des Spanischen Mittelalters und der Spanischen Renaissance / werden zu Spottpreisen verschleu dert. Auch von Spanischen Kirchenglocken, welche bei ihrem bedeutenden Silber-Amalgam das melodischste Gelaͤute bildeten, hat man ganze Schiffsladungen nach

England gebracht und dort grbßtentheils zertruͤmmert.

Die Direktoren der Bank von England zeigen an, daß die gute Wechsel und Deposi— ten in Betraͤgen von mindestens 2000 Pfd. St. zu 5 pt. jahr⸗

Bank die gewöhnlichen Darlehen auf

lich zu bewilligen geneigt ist. 1

Die Gesandtschaft in Paris wird, wie es heißt, Lord Cowley uͤbertragen werden, der sie auch waͤhrend der letzten kurzen Ver⸗ waltung Sir R. Peel's bekleidet hatte.

Dle Actionaire der großen wesslichen Eisenbahn-Gesellschaft . Der Ueberschuß ist

hielten gestern ihre General Versammlung, . le. zwar bedeutend und eine Dividende von 3 pCt. erklart worden, indessen wollen die Direktoren noch eine Anleihe von 550000) Pfd. kontrahiren, was nach einigen Debatten bewilligt wurde, jedoch mit dem Versprechen, daß höchstens nur 50,000 Pfd. mehr erfor— * dert würden. . . 9 ö Das Dampfschiff „Great-Western“ ist am Isten d. mit 13 Passagieren, worunter der bisherige Amerikanische Geandte in St. Petersburg, Herr Cambreleng, von Bristol nach New York abgegangen.

Belgien. Brüssel, 5. Sept. Der Belgische Moniteur meldet: „Der Fuͤrst von Ligne und seine Famille sind vorgestern von einer

Reise nach Polen hier wieder eingetroffen.“

Mit großer Theilnahme hat man hier die bevorstehende Er—

bsfnung der Bahn von Koln nach Aachen am 1. September ver— nommen. E 386mitt Linie von Lüttich bis zur Gränze baldmoͤglichst zu beendigen, auch wird mit beschleunigter Thätigkeit auf allen Punkten zwischen Luͤt⸗ tich und Verviers gearbeitet, und wahrscheinlich ein Theil dieser Strecken, so wie die stark abschüͤfsige Bahn von Ans bis Luͤttich, wo eine stehende Maschine angebracht werden muß, noch in die—

sem Jahre beendigt werden.

Deutsche Bundesstaaten. Hannover, 6. Sept. (Hann. 3.) Der Königl. Preußi—

sche Gesandte, General-Majer Freiherr ven Canitz, hatte gestern

die Ehre, Sr. Majestaͤt dem Könige seine Abberusungs-Schrei— ben vom hiesigen Hose in einer Privat-Audienz zu uͤberreichen.

. Stuttgart, 4. Sept. Se. Königliche Hoheit der Kron⸗ prinz ist gestern Abend von Berlin hier angelangt, um waͤhrend

2 —— 4 ' !. 1 6 6. ö der Herbsftferien bei der Königlichen Familie zu verweilen.

Kassel, 31. Aug. (Schw. M.) Der Minister der aus⸗ wärtigen Angelegenheiten und des Kurfuͤrstlichen Hauses, Herr von Steuber, ist nach dem Johannisberg abgereist, um im Auf— trag Sr. Hoheit des Kurprinzen-Mitregenten den Fürsten Met—

ternich dort zu bewillkommnen.

Unser Armee⸗K am 8. September das Lager beziehen.

Die neuesten Nachrichten aus Ching und Mittel-Asien ver—

abgemacht seyn, er lang dauern.“ Das ge⸗ nannte Blatt hofft indeß, man werde nun keinen Augenblick mehr mit Unterhandlungen verlieren, weil sonst eine höͤchst gefaͤhr⸗ liche Stockung im Englischen Handel entstehen konnte. Auch gegen den Schah von Herat wird vermuthlich, wenn die letzten Nachrichten sich bestaͤtigen, eine Britische Expedition abgeschickt

s ist ein mächtiges Anregungsmittel fuͤr Belgien, seine

orps wird, den fruͤheren Anordnungen gemaͤß, Da aber die Truppen bis zu Ende des Septembers versammelt bleiben, so wird der Kurßrinz nach seiner Rückkehr aus Preußen noch bei einem gro— Gen Theile der vorzunehmenden Waffen⸗Uebungen anwesend seyn. Jur Inspeckien unserss, Armee Korp frelffn n Fog. Ker nn.

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In dem huldreichen Anwortschreiben, womit der Kurfͤrst den Magistrat und die Munizipalitaͤt der Stadt Kassel auf deren Be—= gluͤckwuͤnschung zum Geburtstag beehrt hat, erklaͤrt Se. Koͤnigl. Hoheit, daß bei ihm Alles, was in einer fruheren Zeit der Auf— regung vorgegangen, in Vergessenheit begraben sey und fortan nicht mehr von ihm beachtet werde, daß er sich indessen, nach so vielen Tagen eines bewegten Lebens, fuͤr seine Person nach Ruhe sehne.

Darmstadt, 1. Sept. (S chwäb. Mark.) Die im Na— men des Deutschen Bundes veranstaltete Besichtigung auch des Großherzoglichen Armee-Corps hat vorgestern ihren Anfang ge— nommen. Beauftragt dazu sind von Seiten Oesterreichs der Ge— neral-Major von Wisiak, dermalen Kommandirender in Frank— furt, von Seiten Hannovers der General-Major Baring, Kom— mandant der Hauptstadt Hannover, und von Seiten Kurhessens der General-Major Schmidt, Chef des Generalstabs. Zum Be— hufe der Inspizirung waren vorgestern von den in der Residenz setzt garnisonirenden Truppen das erste Bataillon des Leib— Garde⸗ Regiments, eine Schwadron der Garde -Chevaux— legers und an Artillerie 4 Sechspfuͤnder, 2 Haubitzen und 2 reitende Geschuͤtzstüͤcke auf dem Exerzierplatze versammelt. Bestern fuhrten diese Truppen Mandvers in der Umgegend von Darmstadt aus. Heute soll die Artillerie ihre Fertigkeit im Ba— taille⸗Feuer und das vorbefragte Infanterie-Bataillon die seinige im Scheibenschießen erproben. Von den Pionieren und den uͤbri— gen Truppen war bis jetzt noch keine Rede; doch vermuthet man, es wurde sich die Inspection auch auf die ubrigen Garnisonen des Großherzogthums erstrecken. Fuͤr die Inspizirung des Kö— niglichen Bayrischen Bundes-Kontingents ist diesfeits der Chef des Großherzoglichen Generalstabs, General-Major von Lynker, er— nannt worden, der in der zweiten Haͤlfte d. M. nach Muͤnchen abgeht, wo er mit dem Oesterreichischen Feldmarschall-Lieutenant von Czanitz und einem Königl. Saͤchsischen General zusammen— treffen wird.

Detmold, 4. Sept. (Hannov. 3.) Schon sind auf dem höͤchsten Gipfel der ehrwuͤrdigen Grotenburg am Eingange des Baues des Hermans-Denkmals die Flaggen saͤmmtlicher Deut— scher Bundesstaaten aufgestellt, welches einen wahrhaft imponi— renden Eindruck hervorbringt. Rund um das Denkmal herum erhebt sich aus Zelten und Bretterbuden eine kleine Stadt. Fuͤr die Damen ist ein eigenes sehr geraͤumiges Geruͤst erbaut, und mehrere Ehren-Kavallere vom Cibil und Militair sind dazu aus— ersehen, ihnen jede mögliche Bequemlichkeit zu verschaffen. Am Tage des Festes wird der ganze Bau, auf dessen Höhen schon die Kanonen hinaufgewunden sind, mit Kraͤnzen geschmuͤckt seyn. Der Baumeister, Ernst von Bandel, hat in dieser Beziehung einen sehr sinnigen Aufruf vom alten Teut herab in die umliegenden Thaler erlassen. Die am heutigen Tage seit 2 Uhr eroͤffnete

Ausstellung der Einlagen fuͤr den Grundstein ist von Fremden und

Einheimischen uber alle Erwartung zahlreich besucht. Es wogt auf der Rathhaus-Treppe immer auf und nieder, und der große Saal kann alle Schaulustigen nicht fassen.

Oesterreich.

Wien, 2. Sept. (C. A. 3.) Die Militairfahrt von Hra⸗ disch nach Brünn zum dortigen Lager ist sehr zufriedenstellend und imposant ausgefallen. Das Jaͤger-Bataillon, 800 Mann stark, nahm stehend 22 Galleriewagen ein, einige andere Wagen waren fuͤr die Bagage und Offiziers-Pferde bestimmt; der ganze Train von 33 Wagen, der auch den Brigade-General, die Offi— ziere nebst Reisenden mit sich fuͤuͤhrte, wurde von einer einzigen Lokomotive gezogen und traf in Lundenburg, dem Mittelpunkte des Weges, um 9 Uhr mit klingendem Spiel ein, wo der General die in Parade aufgessellte Mannschaft die Musterung passiren ließ. In Brünn, wo der Train um die Mittagszeit angelangt war, zeigte sich eine große Menge Neugieriger versammelt, und das Musik— Corps der dortigen Garnison bewillkommnete mit fröhlichen Klaͤn— gen die Ankoͤmmlinge. Die Mannschaft sprang wohlgemuth von ihren Waggons und wurde alsobald in Parade aufgestellt. Die Länge des Weges, der in einem Vormittage zuruͤckgelegt wurde, beträgt i7 Meilen und wuͤrde auf die gewohnliche Art, mit Inbegriff zweier Rasttage, acht Tagemaͤrsche erfordert haben. Ein Uebereinkom— men der Staats-Verwaltung mit der Nordbahn wegen der Verguͤ— tung fuͤr kuͤnftige ahnliche Militair-Fahrten ist noch nicht getrof— sen, und dieser Fall vorerst mehr als eine Probe angesehen wor— den. Der Rekurs der Direction der Nordbahn wegen Ent— schaͤdigung des Brandes von Gaͤnserndorf ist noch nicht definitiv erledigt, ünd der Rekurs wegen eines gleichen Unfalles in Bara— nowitz vor kurzem der Landes⸗Regierung vorgelegt worden. In⸗ dessen wird jetzt bei dem Eisenbahn-Baue wegen Feuersicherheit der Umgebungen mehr Ruüͤcksicht von Seiten der Behörden auf— erlegt, so daß z. B. auf der neuen Strecke zwischen Hradisch und Prerau mehre nahe Gebaͤude aus diesem Grunde auf Ko— sten der Unternehmung theils niedergerissen, theils mit Ziegeln ge— deckt werden mußten.

Schweiz.

Vom Bernischen Sberlande, 24. Aug. (A. 3.) Die Expedition, welche Agassiz, Professor in Neuenburg, zur Untersu— chung der Gletscher in unser Hochgebirge gefuͤhrt hat, beschäftigt auf das lebhafte ste Eingeborene wle Fremde und bildet setzt das Tagesgespräch in unseren Gasthoͤfen und Pensionen. Man er— wartet die bedeutendsten Resultate von dieser Unternehmung, da außer den Reise-Gefährten Desor und Vogt, welche den beruͤhm⸗ ten Gelehrten schon auf seinen fruͤheren Ausfluͤgen begleiteten, noch mehrere der ausgezeichnetsten Naturforscher sich Agassiz angeschlos— sen haben, um vereint mit ihm die Lösung der mannigfaltigen Fragen zu versuchen, welche das Studium der Gletscher in sich schlleßt. Wir brauchen nur den berühmten Physiker, Professor Forbes von Edinburg, Martins von Paris, bekannt durch seine Reisen nach Spißberg, und unsere beiden Schweizer Geologen Huder von Bern und Escher von der Linth von Zurich zu nen— nen, um zu beweisen, welchen Anklang diese Untersuchungen, bei den Naturforschern finden. In der That scheinen auch alle Hülfsmit⸗ tel aufgeboten, um die schon im vorigen Jahre begonnenen Arbeiten zu einem fruchtbringenden Ziele zu fuhren, und mit Erstaunen sahen die Bewohner des Hasle lange Zuͤge von Traͤgern und Saumrossen, mit allem Apparat einer Artesischen Bohrmaschine beladen, ihr Thal durchziehen, um bei der auf dem Eismeer des Unter-Aar⸗-Gletschers aufgeschlagenen Hütte die Durchsenkung des Gletschers zu versuchen. Fast scheinen die bedeutenden Kosten einer solchen Unternehmung die Kräfte eines Einzelnen zu uͤber— steigen, und es ist zu erwarten, daß das Beispiel des Gouverneurs von Reuchatel, Generals von Pfuel, welchen sein lebhaftes In— teresse far die Wissenschaft zu einem mehrtägigen Besuch auf dem

Gletscher bewog, Nachahmung finden und so dem Herrn Agassiz

2 Spanien.

Madrid, 20. August. (Times.) Die Subsidien sind bewilligt, die Maßregeln der Verwaltung genehmigt; die Session ist so gut wie geschlossen und fuͤr nächsten Montag hat man ein die ewig wiederholten Englischen Fragen: „Warum zahlt ihr eure Zinsen nicht? Warum laßt ihr unsere Baumwollenzeuge nicht zu?“ uns einzulassen. Ich weiß, es ist schwer, John Bull zu uͤber— reden, daß seine Schuldner ehrliche Leute sind und sich gut auf⸗ fuhren, ich will darum die Spanischen Finanzmaͤnner zu verthei— digen gar nicht versuchen. Ich weiß ferner, daß bei der zweiten Frage schon der Ton verräth, wie ihr uͤberzeugt seyd, dieses Land liege noch in halber Barbarei. Um des Friedens willen mag auch das zugestanden werden. Wir kommen um so rascher zu dem Punkt, um den es sich doch eigentlich handelt. John Bull will naͤmlich wissen, wie er sein Guthaben heraus und seine Fabrikate hinein bekommen könne. Was ihm nun dabei vor Allem zu ra⸗ then waͤre, ist eine Dosis Geduld; er muß sich vorerst noch mit der Versicherung bester Absichten und der Konvertirung des Zins⸗ ruͤckstandes in Iproc. Rente zufrieden geben. Er mäß sich huͤ—⸗ ten, den Kastilianischen Stolz durch harte Worte zu verletzen; was hilft es ihm, wenn er die Mendizabals und Konsorten Schwindler nennt? Er sellte sich erinnern, daß er selbst den er— sten und groͤßten Fehler begangen, indem er so große Summen, aller Warnungen ungeachtet, ohne Sicherheit auslieh; er sollte nicht allen Tadel auf die Leute werfen, die nicht gestohlen, sondern nur empfangen haben. Doch es ist, in Bezug auf die Schuldfrage, noch nicht alle Hoffnung aufzugeben, weder fuͤr England noch für Spanien, wenn nur Europa der Halbinsel eine Ruhezeit gewahrt, damit die Lava der politischen Leidenschaften sich abkuͤhlen und zu einer Grundlage fuͤr neuen Aufbau werden koͤnne. Wirklich sind die Spanier nicht ohne industrielle Energie; dabei aber haben sie leider einen ungluͤcklichen Geschmack fuͤr Bürgerkrieg, und wenn ihnen dazu die Versuchung irgend nahe gelegt wird, so weiß nur der. Himmel, wie bald das Land im Stande seyn mag, seinen Glaͤubigern einen Heller zuruͤckzuzahlen. Fuͤr den Augenblick ha⸗ ben die Dinge eine leidliche Wendung genommen, eine sparsame, produktive, friedliche Wendung; die Regierung schaͤmt sich der Armuth und der Unwissenheit des Volkes im Vergleich zu den anderen Nationen Europa'sz sie schaͤmt sich der eingewurzelten Mißverwaltung bei den großen Huͤlfsquellen des schͤnen Landes; sie empfindet Verdruß bei dem Gedanken, daß sie ganz gut ein— sieht, wo das Uebel liegt, aber nicht im Stande ist, ihm ab— zuhelfen, während ihr Ruf auf dem Spiele steht und ihre Staͤrke durch fremde Raͤnke täglicher Erschuͤtterung ausgesetzt ist. Das Spanische Ministeriuni hat in der That mit ' groͤ— ßen Schwierigkeiten zu kaͤmpfen; die Reform und die Vermin— derung des Heeres wird bei jedem Schritte gehindert durch die Besorgniß vor einer Franzoͤsischen Intervention. In dei Hauptstadt besteht eine Tagespresse, die Alles, was geschicht, an— greift, Unzufriedenheit verbreitet und den unbefangenen Beobachter oft im Zweifel laͤßt, ob Patriotismus oder Verrath die Feder fuͤhrt. Unselige Meinungs-Verschiedenheit herrscht unter dem Personal der Verwaltung. Nimmt ein Minissier irgend eine Aen— derung zum Besseren vor, so findet er in diesem Augenblick, wo die Fruͤchte seines Strebens reifen sollen, daß nichts gethan wor— den ist. Warum? Weil die Buͤreaus angefuͤllt sind mit den Kreaturen seiner Vorgänger im Kabinet; da wimmelt es von Christinos, Moderados, Afrancesados, Estatuto⸗Realisten Karlisten, sammtlich gute Spanier, die nie die Hoffnung auf⸗ geben, ihre Partei könne wieder an die Gewalt komsnen, einstwel— sen aber es fuͤr ihre Pflicht halten, den Anordnungen des jewei— ligen Ministers so wenig als möglich Folge zu leisten. Statt zu thun, was ihnen aufgegeben wird, schreihen sie endlose Berichte, um nachzuweisen, daß die getroffene Verfuͤgung nicht ohne Nach— theil fuͤr den Staatsdienst ausgefuͤhrt werden könne. Entlaͤßt der Minister die unbequemen Rathgeber und ersetzt er sie durch Leute aus seiner Partei, so schreien die Fortgeschickten, und die offent— liche Meinung sieht in ihnen Märtyrer des Patriotismus. Doch das Schlimmste von Allem ist der Augiasstall des Finanz-Depar— tements, den zu saͤubern der Herkules nicht so bald gefunden werden, durfte. Der Minister weiß recht gut, daß es ein Er sparniß seyn wurde, wenn man die Douanen in Cadix, Algesiras, Barcelona und anderen Contrebande-Haͤfen zuschloͤsse, die Stadtthore auf— machte, die Zoll-Beamten verabschledete. Aber es geht nicht an! Die Regierung ist den Angestellten verschuldet; die Gehalte sind im Ruͤckstande, und man macht sich bezahlt durch Foͤrderung des Schleichhandels. Dazu kommt nun noch, daß die Central⸗Finanz⸗ Verwaltung ganz abhaͤngig ist von dem Bunde der Darlehn— Unternehmer, einer Anzahl Kapitalisten, die seit lange schon tem— poraire Vorschuͤsse zu enormen Zinsen leisten, die entwertheten Pa⸗ piere der Regierung zu Spottpreisen ankaufen, solche bei neuen Anleihen an Zahlung geben und sich als Hypothek fuͤr ihre durch Wucher aller Art angewachsenen Forderungen die flůssigsten Staats-Einkuͤnfte verschreiben lassen. ͤ

O Madrid, 28. Aug. Da die Umstaͤnde, welche der Raͤu— mung des bisher von den Franzosen pachtweise inne gehabten Hospitals auf dem Islote del Rey bei Port Mahon voraufgingen, einiges Aufsehen erregen durften, und das in Paris erscheinende Englische Journal die Behauptung, als ob die Englische Regie— rung sich in jene Angelegenheit eingemischt habe, fuͤr abgeschmackt erklart, fo halte ich es nicht fuͤr uͤberfluͤssig, zur Steuer der Wahr— heit, meinen neulich (vergl. Schreiben aus Madrid vom 24. Aug. Preuß. Staats-Ztg. Nr. 248.) gemachten Angaben noch Folgen— des hinzuzufügen.

Urspruͤnglich hatte die Regierung der Vereinigten Staaten Nord-Amerika's das besprochene Lokal als Depot fuͤr die Kranken ihrer im Mittellaͤndischen Meeré kreuzenden Kriegsschisfe pacht— weise eingeraͤumt erhalten, und erst nachdem sie es aufgegeben, wurde es den Franzosen unter gleichen Bedingungen und auf eine bestimmte Zeit zugestanden. Als diese sich dem Ablauf naͤherte, erhielt die hiesige Englische Gesandtschaft von dem damali— gen Minister-Praͤsidenten, Grafen Ofglia, auf ihr Verlan— gen die Zusage, daß die Spanische Regierung den Pacht— Kontrakt nicht erneuern werde. Ehe aber die Zeit ablief, trat der Graf Ofalia aus dem Ministerlum, und als spaͤterhin ver— lautete, daß Herr Perez de Castro als Minister-Praͤsident den Kontrakt zu erneuern gesonnen sey, erhob der damalige Englische Geschäftstraͤger, Herr Southern, ernstliche Vorstellungen dagegen, indem er sich auf die von dem Grafen OHfalla gegebene Zusage berief. Herr Perez de Castro hielt sich jedoch durch diese nicht fuͤr gebunden und wies die Vorstellungen des Herrn Southern, der keinen großen Einfluß bei der Spanischen Regierung ge⸗ noß, als ungebührlich zurück. Wenn seirdem ein Französischer Ex-Minister, Graf Jeaubert, in der Deputirten; Kammer keinen Anstand nahm, zu erklaren, die nach Toulon zurückgerufene Fran⸗

Stiergefecht angekuͤndigt. Wir haben nun etwas Zeit uͤbrig, auf

verdenken, daß sie es den Franzosen nicht laͤnger gestatten will, gleichviel unter welchem Vorwande, dort festen Fuß zu fallen.

Unterdessen hat der scharfe Ton, in welchem diejenigen Parl⸗ ser Blaͤtter, die man hier nun einmal als die Organe des Fran⸗ zoͤsischen Kabinettes zu betrachten gewohnt ist, sich uͤber den Re⸗ genten und das hier herrschen de politische System überhaupt aus⸗ zudrůcken pflegen, auf die hiesigen Parteien einen lebhaften, wenn⸗ gleich sehr verschiedenartigen, Eindruck gemacht. Die Anhaͤnger der vertriebenen Regentin werden durch die Worte des Mitge— fuͤhls, welche ihnen durch jene Blaͤtter zukommen, zu sehr san— guinischen Hoffnungen begeistert, während der Regent. und seine Minister die Franzoͤsische Regierung, als ob auch sie jenes straf⸗ bare Mitgefuͤhl hege, mit einem foͤrmlichen Bruche bedrohen und die Kriegs-Erklaäͤrung nur auf so lange zuruͤckhalten zu wollen scheinen, bis Herr Olozaga, der veorgestern in Eile auf seinen Ge⸗ sandtschafts⸗Posten nach Paris zuruͤckgegangen ist, die verlangte Ge⸗ nugthuung oder wenigstens zufriedenstellende Erklaͤrungen erhalten haben wird. Bis dahin wird von hier aus der Federkrieg mit großer Ruͤstigkeit sortgeseßzt. Eine Probe desselben habe ich Ih⸗ nen neulich aus dem Espectador mitgetheilt. Sie wurden sich sehr irren, wenn Sie das darin aufgestellte Raisonnement in das Gebiet der Kaffeehaus-Politik stellen wollten, jenes Blatt wird unter den Augen der Minister Gonzalez und Infante geschrieben, und von diesen als ihr Organ anerkannt. 1 ; J

Seit dem Erscheinen jenes Artikels erschopfen sich die üͤbri⸗ gen hiesigen Blaͤtter in Betrachtungen uͤber die Ausfuͤhrbarkeit oder Unmoglichkeit einer Franzoͤsischen Intervention zu Gunsten der vertriebenen Regentin. Die Anhaͤnger des jetzt herrschenden Systems behaupten im Eco de! Comercio, eine solche Inter— vention sey schon deshalb undenkbar, weil die Masse des Franz sischen Volkes fuͤr die Spanische Revolution das leb hafteste Mit⸗ gefuͤhl hege, und weil die großen nordischen Maͤchte sich jeder Intervention Frankreichs widersetzen wurden, in der Ueberzeugung, daß nur die Regentschaft Espartero's die Ruhe und das wahre Gluck Spaniens auf eine genuͤgende Weise sicher stellen konnte. Sollten die nordischen Maͤchte, meint das Eco del C o mer cio vom 24sten, eine solche Interventien zugeben, so wurde die da⸗ durch eingesetzte Regierung ihnen sehr unterwuͤrfig seyn; ein Ver⸗ haͤltniß, wodurch der Einfluß Großbritanniens geschwaͤcht werden wuͤrde, und das also von dieser Macht bekaͤmpft werden muß. Die Moderirten geben sich zwar des Ansehen, ebenfalls jeder srem⸗ den bewaffneten Intervention abgeneigt zu seyn. „Wir begnügen uns damit,“ sagt der Correo Nacional vom 2bsten, daß Europa ausspreche, was es in Bezug auf. das Recht, auf die Mo— ralitaͤt, auf die Schicklichkeit (la convenierneia) der 6 eptember Revolution denkt. Auf diese moralische Erklarung, falls man sie wirklich aussprechen sollte, beschrankt sich die ganze Unterstutzung, welcher die von uns vertretene Meinung von Seiten des monar⸗ chischen Europa's zu, Theil werden würde.“ Erfolgte eine sol⸗ che Erklaͤrung, so wurden wir nichts weiter verlangen; keine In⸗ terventionen oder Protokolle wurden nöͤthig seyn, um die Partei der Progressisten auf die ihr zukommenden Graͤnzen zu beschraͤn⸗ ken.“ Ein anderes Blatt sagt; „Wir beduͤrfen keiner bewaffneten Dazwischenkunft. Unsere unfaͤhigen Machthaber haben sich in einen solchen Mißkredit versetzt, die Meinung, welche sie gegen sich haben, ist so mächtig, daß eine feierliche Erklarung der fünf großen Mächte hinreichen wurde, damit die Macht, welche sie noch besitzen, ihren Haͤnden entfiele.“ Hierauf erwiedert das Eco del Comercio, eine solche Erklärung sey weiter nichts, als ein Blatt Papier; dieses koͤnne man den Retrograden goͤnnen. „Europa (sagt das Eco vom 20sten) mag uͤber Spanien berathschlagen, well es uber die Anerkennung unserer Königin einen Beschluß fassen muß, und kann diese aufschieben oder sogleich beschließen. Weiter gehen darf es nicht.“ Einer der Minister, der nicht sonderlich Fraunzdsisch spricht, scheint friedliebend zu seyn. Er erklärte neulich ei⸗ nem fremden Diplomaten: duant A nous, nous désirons woir our alliès toutes les potences du monde. (Maͤchte auf Spa— nisch potencias.) K

Uebrigens hat die Regierung fuͤnf Regimentern den Befehl gegeben, nach den Baskischen Provinzen zu marschiren. Auch der Umstand, daß der Ex-General Don Ramon Narvaez durch seine fruͤheren Haͤndel mit Espartero bekannt, in Gibraltar ange⸗ kommen. ist, hat die Progressisten in große Aufregung versebt, Sie befuͤrchten, Cadix könne in seine Hände fallen! In der That meldet der SEspectador von heute, ein Capitain der in der Li⸗ nie von Gibraltar stehenden Truppen hatte den Versuch gemacht, ein Bataillon zu insurgiren, sey aber auf der That ertappt, und verhaftet worden. Diesen etwas raͤthselhaften Vorfall will das— selbe Blatt mit der Anwesenheit des Generals Narvaez in Gibral— tar in Verbindung setzen. Zehn Offiziere des Regimentes Laredo, welches sich hier in Madrid zuerst zu Gunsten der September⸗ Revolution erklärte, haben sich geweigert, langer in diesem Regi— mente zu dienen.

Portugal.

Lissab on, 18. Aug. Ein arger Tumult hat am letzten Sonnabend in der Deputirtenkammer stattgefunden, bei Gelegen⸗ heit einer sehr lebhaften Diskussion zwischen dem Justiz⸗Minister und Herrn Ferrer, in welcher der Erstere den Herrn Ferrer Re⸗ dacteur des Constitution al genannt hatte. Herr Scabra ver— langte, daß der Prasident den Minister zur Ordnung rufe, indem er sagte, in der Kammer gebe es nur Deputirte und keine Jour⸗ nalisten. Hierauf ließen mehrexe Stimmen im Saale den Ruf: zur Ordnung! zur Ordnung! hoͤren; man schlug auf die Baͤnke; die ministerlellen Deputirten wendeten sich mit einer drohenden Miene zu den Chartisten, und die Einen stuͤrzten uͤber die Ande⸗ ren her; man behauptet sogar, der Justiz-Minister habe ein Pistol aus seiner Tasche gezogen, um sich dessen gegen einen Deputirten zu bedienen, der zur Ordnung gerufen hatte. Die Deputirten der linken Seite blieben bloße Züschauer dieser Scene. Da der Tumult sich vermehrte, so bedeckte sich der Praͤsident, und die Sitzung wurde suspendirt; indeß stellte sich die Ruhe nicht wie⸗ der her; zwei Deputirte sturzten ͤber Herrn Ferrer, zwei andere über Herrn Sceabra her; das Geschrei verdoppelte sich, und der

Praͤsident trat wieder in den Saal, um die Sitzung zu schließen.

—— * 2

668.

Liegnitz, 4. Deyt. (Schles. 3.) Heute Morgen gegen Uhr fuhren Se. Königl. Hoheit der Prinz von Preußen und die meisten der hier. anwesenden hohen Herrschaften nach Wahl⸗— statt, um die dortige Kadetten -Anstalt zu befuchen. Nach der Ruͤckkehr um Mittag geruhten Se. Königl. Hoheit der Prinz von Preußen die Ritter⸗Akadenie, in welcher Höchstderselbe wohnte, mit dem Prinzen Karl, dem Erzherzoge Karl Ferdinand von Oesterreich und einigem Gefolge in Augenschein zu nehmen. Nach—

Allgemeines. Preisbilder.

1119

Geh. Regierungs-Rath von Schweiniß vergestellt war, besuchten Höchstdlefelben das Naturalien und physikalische Kabinet, die Bi⸗ bliothek, auf welcher saͤmmtliche Höͤchste Anwesende nach Besich⸗ tigung einiger literarischen Merkwürdigkeiten Ihre Namen in das Aibum der Ritter⸗Akademie eintrugen.

Darauf verfuͤgten sich

Hoͤchstdieselben auf dem angraͤnzenden Korridor noch in einige Stuben der Zöglinge. Nachmittags war greßes Diner auf dem Schlosse, wozu die Landstaände, die höhere Geistlichkeit und die Chefs der Behörden eingeladen waren. Abends fuhren Se. Ma⸗ jestaͤt nach Wahlstatt.

Liegnitz, 5. Sept. Heute Morgen wohnten Ihre Maje—

staͤten dem Gottesdienste in der Peter- und Paul⸗TKirche bei. Gleich nach dem Gottesdienste beehrten Se. Majestaͤt die Ritter⸗ Akademie mit Ihrer Gegenwart.

Wahlstatt, 5. Sept. (Bresl. 3.) Auch das historisch

bekannte Wahlstatt, woselbst 1838 durch die Gnade des hochseligen Köoͤnigs eine Kadetten⸗Anstalt errichtet wurde, hat das hohe Gluͤck gehabt, Ihre Majestaäͤten den König und die Königin zu sehen. Am 4. September gegen? Uhr Abends langten Se.

Majestaäͤt der König unerwartet von Liegnitz aus in dem Kadet— tenhause an, erlaubten, daß General-⸗Marsch geschlagen wurde, um die Zöglinge, Erzieher und Beamten zu sammeln, warteten noch die Ankunft Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin und des Prinzen Wil— helm Oheims, so wie der Prinzessin seiner Gemahlin und Tochter

ab, worauf Allerhoöͤchstdieselben die Lokalitäten besichtigten, in der,

zwischen den Institutsräumen gelegenen katholischen Kirche sich mit den Geistlichen beider Konfessionen sehr gnaͤdig unterhielten, die Kadetten vorbeimarschiren ließen und den General von Below,

J ur der Kadetten-Corps, der sich gegenwartig bef. so . . z i, Commandeur der Kadetten-Corps, der ch gegenwartig befand, so regen. Es ist nicht leicht, einen Stoff der Heschichte zu sinden,

wie den Commandeur des Wahlstaͤtter Kadettenhauses, durch Aeu— ßerungen der Zufriedenheit begluͤckten.

Jauer, 5. Sept. (Bresl. 3.) Ihre Majestaͤten der Koni] und die Königin sind heute gegen Abend hier eingetroffen und haben nach kurzem Aufenthalt die Fahrt nach Kolbnitz, wo— selbst Allerhoͤchstdieselben beim Landrathe Baron von CGzettritz Wohnung nehmen, fsortgesetzt. Gleich nach der Ankunft Sr. Masestaͤt nahmen die Feldmandver ihren Anfang, und in die— sem Augenblick (Abends 9 Uhr) umgeben uns von allen Seiten

Bivouakfeuer, wahrend die Stadt im Inneren von Brillantbe⸗

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leuchtung strahlt. Der Koͤnig bleibt bis zum Sten in unserer Gegend, und geht erst dann nach Domanze. Die Stadt ist von Fremden angefüllt, die Preise der Lebensbeduͤrfnisse sind in— deß maͤßig. In Liegnitz dagegen war Alles uͤber die Maßen theuer.

Wesel, 5. Sept. (Elberf. 3) Nachdem die Regiments⸗ und Brigade-Uebungen der Infanterie und Kavallerie bei Wesel und Duͤsseldorf beendet sind, versammelte sich die 14e Dipision gestern bei Wesel und in der Umgegend, um dort ihre gewoͤhnli⸗ chen 14tägigen Uebungen abzuhalten, groͤßtentheils auf dem linken Rhein-Ufer, wo auch vom 1hten bis 27sten Feld-Mandver in ge— mischten Detaschements stattsinden. Morgen ist Revue und Feld— Mandver der 14ten Division vor Sr. Excellenz dem Herrn Ge— neral-Lieutenant von Psuel bei Alpen und in der Umgegend, dann besichtigt derselbe eben so am 17ten in Haltern die 13te Division. Am T7ten wird das Feld⸗Manbver bei Alpen fortgesetzt, am Sten kehren die Truppen hierher zuruck. Se. Excellenz der komman⸗ dirende General, Herr von Thile II., wird das Bundes-Armee⸗ Kontingent des Kurfüuͤrstenthums Hessen inspiziren.

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wifssenschaft, Kunst und Literatur.

Die Gemälde-Ausstellung in Gent.

(Vergl. St. Ztg. Nr. 239.) Gallgit's Thron⸗— e Biefve. Wiertz. Re⸗ K

J ligiöse Bilder. Genrebilder. Schluß.

7 Brüssel, im August. Die am 5. Juli in Gent erdffnete Ge⸗ maͤlde⸗Ausstellung, welche einen Monat spaͤter 349 Nummern zaͤhlte, er⸗ scheint im Ganzen minder bedeutend als mehrere der fruͤheren. Die große Men ge des Eingesandten kommt von juͤngeren oder wenig bekannten K uͤnst⸗ fern, und einige der beruͤhmtesten Namen, wie Wappers, de Keyser u. A. werden im Kataloge gaͤnzlich vermißt. Der Grund davon ist keineswegs

in einem Erschlaffen der Kunstthaͤtigkeit in Bezug auf die Malerei

zu suchen; dies könnte man eher, fur den Augenblick, von der Skulp⸗ tur sagen, welche uͤberaus wenig Proben aufzuweisen hat; sondern vielmehr darin, daß der Zwischenraum eines Fahrez nicht ausreicht, um aus den Werkstaͤtten der Maler eine großere Fuͤlle des Vortreff⸗ sichen hervorgehen zu lassen. Zudem ist auch die Hauptstadt des Lan⸗ des ein geeigneterer Schauplatz, um die Fruͤchte des kuͤnstlerischen Talents auf laͤngere Zeit dem Genuß und dem Urtheile des Publi⸗ kums darzubieten.

Es findet in Gent, in welcher Stadt die fruͤheste Ausstellung, naͤmlsch schon 1792 gehalten ist, außer der, bei allen aͤhnlichen Gelegenheiten ublichen Vertheilung von Medaillen, noch eine beson= dere Preis Bewerbung, fuͤr alle Zweige der zeichnende Kunste, statt. Die gusgesetzten Gewinne sind an Werth von 1009 bis 459 Franken. Zuerst einige Worte uͤber die zu diesem Konkurs eingesandten Arhei⸗ sen. Wir begegnen darunter, wie zu vermuthen ist, Werken juͤngerer Kuͤnstler, obschon die Bewerbung allgemein fuͤr die Produzenten des Landes offen steht. Fur, die Historien MaleLrei war die Aufgabe: „Noah, nebst seinem Weibe und seinen drei Soͤhnen, nachdem er aus der Arche gestiegen, verrichtet ein Dankgebet,“ Das gekrönte Bild war von Bataille, einem Antwerpner Maler, der sich schon fruͤ⸗ her durch einige treffliche Stücke bekannt gemacht hat; seine Arbeit verraͤth ein achtbaces Talent, wenn auch das Kolorit kraͤftiger und das Relief klarer seyn koͤnnte. Das Accessit war de Vlaeminck, 35g⸗ ling des Genter Malers van Hanselgerg zuerkannt worden. Das Preisstuͤck im Genre: „eine hoͤhere Magistrats Person, oder ein Praͤ⸗ lat, befucht ein Hospilal; beim Eintritt empfangt ihn die Vorstehe— rin in Begleitung von barmherzigen Schwestern,“ trug den Namen P. Verr ey dt, 3ögling, de Keb sers zu Rlntwerpen,. In diesem Hilde allein spricht ch eine bestin mimte Handlung aus; bei den übri⸗ gen war es nur eine mehr oder minder zahlreiche Zusammenstellung. Fur die Landschaft, war der Vorwurf; „eing waldige Gegend, rechts vom Beschauer ein Bach, oder irgend ein Wasserstuͤck, links in einiger Entfernung ein Kirchthurm oder ein altes Herrschafts-Ge⸗ bäude mit Thurmchen.“ Das gekroͤnse Stuck, von Roffägen in Brüuͤssel, zeichnete sich durch die naturliche, einfache Behandlung der Aufgabe aus; die meisten andern waren ins Gesuchte, Schmuck= hafte gerathen. Der Preis fuͤr's Basrelief; „die Taufe Philipps voll Arlevelde (i346) war, , h mehrere Arbeiten vorlagen, noch nicht zuerkannt. Es scheint, als wenn die ernstere Kunst des Meißels nicht fo viel Talente anzieht, wie sie doch in Uunserer an Den imd lern ergiebigen Zeit wohl in Thaͤtigkeit sehen dürfte. Der Preis der Architektur? „Entwurf zu eier PfKrrkirche in einer großen

stellung, „die Thronentsagung dicses von der Belgischen Regierung bestellten . sst L. 96. lat aus Tourna. Zwar wird GallLait, der seit laͤngerer Zeit in Paris lebt, wenigstens wegen früherer Werke von den Pa fichtern gemeinlich den Franzdsischen Schulen zugesellt; indessen zeigt er sich, in seiner nen sten Arbeit, der Niederlaͤndischen gethan; vielleicht, daß ein gründlicheres Studium der Venetigner in Jialien felbst, wohin sich Gallait vor Beendigung seines Karl V. degeben, einigen Einfluß auf die Ausbildun hat. Das , Bild ist schon mehrere Monate vor

nung des Genter Salons in Pgris zur Schau gestellt gewesen, und von da aus auch in Deutschen Blaͤttern besprochen worden. Wahrend die einen es fuͤr die Zierde der ganzen Pgriser Ausstellung ansahen, woll⸗ ten anders darin einen Rückschritt des Malers inden, bezeichneten die Auffassung des Gegenstandes als matt und geistlos, mehrere wich⸗ lige Figuren als ausdäuckslos oder gemein, das Kolorit, in Betracht des Gegenstandes, als zu bunt oder zu licht, Wir wissen, daß es der Pariser Kritik schwer wird, gegen ein Belgisches Produkt gerecht

Entsagung Kaiser Karls V.

Im Historienfache begegnen wir dem Hauptbilde der ganzen Aus⸗ 65 7 Karls V. vorstellend. Der Meister

it ariser Kunst⸗

unstweise zu⸗

scincd Kolorits Cie

zu söyn; ihr Geschmack in Kunstsachen stimmt ja so wenig mit dem der Belgier, und nichts ist natürlicher, da der Unterschied der Niederlaͤn⸗

dischen Anlage und Lebensweise von der Franzbͤsischen wohl einer der

staͤrksten und durchgreifensten unter den West Europgischen Volksstaͤm⸗ men ist. So sieltè' sie auch diesmal die Bewunderung, welche das

Bild, schon vor seiner Ankunft im Vaterlande des Meisters, erregt

hatte, als einen Erweig des Partikulgrismus und der Kleinstäͤdterei

dar; ohne Nücksicht auf die historische Thatsache, welche der Maler vor Augen hatte, verlangt sie, wie es scheint, ein heroisches, ein soge⸗

nanntes poetisches, aber vielleicht, besser gesagt, nur ein malerisches Büähnecnsiäck. In Belgien dagegen sst das Werk Ga llait, sie Frucht mehrjaͤhtiger Studien, im allgemeinen als ein Meister⸗

werk begrüßt worden, welches mit den berüͤhmtesten Exrzeugntssen der

neuesten Malerei des Landes in eins Neihe gehört. Jchenfall mußte schon der Gegenstand dieses Gemäldes eine hoͤhere Theil nahme er⸗

welcher in dem Grade das lokale und allgemeine, das heimathliche und weltgeschichtliche Interesse in sich vereinigte, wie die Thron⸗

ö Diese letzte That des großen Fürsten, aus dem ersten Jahrhundert der kaͤmpfenden Reformation, dessen Name ganz Europa angehdrt, und in dessen Zuruͤcktritt von der Höhe der polstischen Macht sich eine ganze Lebens Entwickelung ab=

schließt, während eine neue, nicht minder ereignißschwere sich darin

anfpinnt, ist freilich der Kunst würdiger, als eine Schlacht, ein

BVolks-Aufstand oder irgend eine obskure Heldenthat, wodurch das

bewegliche Schicksal einer Stadt oder einer Landschaft voruͤbergehend bestimmt wird. Die wahre Kunst lebt auf den freisten Hohen der Geschichte; wiewohl auch das eine ihrer würdigen Aufgaben ist, den Thaten niederer Kreise eine allgemeinere Bedeutung, ein reineres Interesse zu leihen. Doch nur wenigen Kuͤnstlern ist es gegeben, das Anekdotenartige in den Geist und Styl des Epischen umzudichten.

Werfen wir einen näheren Blic auf das große Bild, wel⸗

ches die hintere Wand des letzten Saales der Genter Akademte ein=

nimmt. Die Parifer Kritik sagt, es sey das größte Bild unserer Zeit,

weil allerbings eine so ausgedehnte Leinewand noch in keinem Sa⸗—

lon in unseren Tagen zur Schau stand. Gallsäit hat den Mo⸗ ment der Handlung aufs glücklichste gewahlt; es ist der wahre Mit⸗

tel- und Hochpunkt jenes ergreifenden Altes, der in der Burg zu Bruͤssel im Jahre 1555 am 25. Oktober stattfand.) In der durch

Stufen erhöhten Mitte des Saales, unter dem reichverzierten Throne erblickt man den Kaifer, wie er, nach der Beschreibung Strada's, seinem Sohne Philipp „die Hand guf das Haupt legt, und einige Augenblicke mit thraͤnenerfüllten Augen unbeweglich bleibt.“ Er hat' ich, nachdem er seine Rede an die Stande, durch Rührung un⸗ erbrochen, beendigt, eben erhoben, er stuͤtzt sich mit der Linken auf die Schulter Wilhelms von Oranien, der neben ihm steht. Die Zuͤge des Kaffers druͤcken die aͤußerste Erschdpfung eines durch Frankheit, und noch mehr durch geistige Arbeit aufgeriebenen Le⸗ bens aus; er hat das Ansehen eines aus dem Grabe Erstiegenen, und, mit dem glaͤnzenden Königsmantel bekleidet, geziert mit dem

oldenen Vließ, erscheint er nach dem Ausdrucke inehrerer Schrift⸗ steller wie ein „in Gold gehulltes Gespenst.“ Die etwas gebückte Haltung hindert nicht, die ragende Gestalt des fruͤh ergreisten Kai⸗— sers erkennen zu lassen. Vor ihm, auf den Stufen, kn tet Philtyp ber Zweste, nach Spanischer Wetse ganz schwarz gekleidet, in eckig gebuͤckter Stellung, die Hande spitz zusammengedruͤckt; im Profil er⸗ kennt man aufs deutlichste die Linien des kalten, unerbittlichen, scheinhefligen Antlitzes. Die Position dieser markirten Figur ist viel⸗ leicht das Gelungenste der oberen Gruppe, in jedem Gliede, im Ge⸗ wand selbst druckt sich das Herbe, Unfreundliche, aber anscheinend Unterwurfige dieses Eharakters aus. Wilhelm von Oranien, eine kraftige, hohe Gestalt, zur Linken des Kaisers, die Augen zu Boden geschlagen, behaͤlt jenen Ausdruck, der ihm den Beinamen des „Schweigfamen“ zugezogen hat; doch hinter diesem verschlossenen Gesichte scheint ein ernstlicher Gedanke an die Zukunft sich auszu⸗ arbeiten; die vortretende Stellung auf den oberen Stufen giebt ihm das Ansehen, als wollte er aus der Versammlung herausschreiten. Die zahlreiche, den Saal erfuͤllende Versammluüng theilt sich in zwei Haupt-Geuppen. Zur Rechten des Kaisers sitzt fein. Schwester, bie Statthalterin der Niederlande, Marie, Wittwe des Koͤnigs Lud⸗ wig von Ungarn. Von einem fruͤhen Alter erschoͤpft, legt sie, gleich ihrem Bruder, die Macht nieder, um sich in die Einsamkeit zuruͤck⸗ zuziehen; sie uͤberlebt diesen Entschluß, wie er, nur drei Jahre, Un⸗ ter den Frauen, die meistens durch einen sprechenden, oft feinen Ausdruck sich bemerklich machen, unterscheidet man Eleonora, &ni⸗ zin Wittwe von Frankreich, aͤltere Schwester Karls; Christinz, Her⸗ ogin von Lothringen, Nichte des Kaisers, mit bleichem, abgeharm⸗ fen Gesicht; Marte, Tochter Karl's, Gemahlin Maximätlian's II. von Oesterreich, eine stolje, feste Miene. Auf derselben Seite, auf dem vordersten Plan, sieht man einige Kardinaͤle, den Staatsrath Phi⸗ libert von Bruͤssel u. a. Auf der entgegengesetzten Seite, zur Lin⸗ ken des Kaisers, zeigt sich zuvoͤrderst der Kanzler des Ordens vom goldenen Vließ, kniend, auf einem Kissen die Insignien haltend; neben ihm steht in ganzer Figur der nachmalige Kardinal Gran⸗ vella; unter den versammelten Standen bemerkt man das offene Angesicht Egmont's und die kraftige Figur des Grafen von Horn, welcher einen mißtkauischen Blick auf Philipp's Spanisches Gefolge wirft.

Die ganze in diesem Bilde vorgestellte Handlung ist sehr

einfach; jedoch umfaßt sie, in den drei anfangs erwaͤhnten Perso⸗ nen, charaktervolle, in der Geschichte gegebene Gegensaͤtzs. In den uͤbrigen Anwesenden stuft sich das Miterlebniß und die Theilnahme an dem Vorgange auf mancherlei Weise ab; und da alles edel, ja, hier und da nach Gebühr feierlich gehalten ist, so haben wir nichts zu rügen, was in den Eindruck der Gesammtheit stoͤrend einstele. Von Einzelheiten waͤre vielleicht zu bemerken, daß die sitzende Figur der Königin Wittwe zu sehr in Parade gestellt ist, da überdies das starr Passive und scheinbar Unempfindliche ihres Wesens wenig zum Bilde zutraͤgt; die lange Gestalt Granvellg's, vorn zur Rechten des Beschauers, erscheint steif; eine etwas mehr leidenschaftliche, bewegte Stellung einiger Hauptpersonen der großen Gruppen wuͤrde auch mehr Leben in diese fast nur passio erregte Versammlung gebracht haben. Die Faͤrbung dieser großen, in klarster, breiter Perspektive geordneten, Fomposttfon, ist Kberaus reich und glaͤnzend; die Farben scheinen, bei gehöriger Beleuchtung, durch den Saal hinjustrahlen. In der obern Milte herrschen helle Tinten, welche jedoch mit der ganz schwarz be= kleideten . Philipps und mit den dunklern Tböien der Stiten⸗ pläne in bollkommenen Einklang gebracht find. Fur den kunstlerischen Werth dieses Gemäldes ist es auch bezeichnend, daß mehrere 6 . auch die des Kalserg, portraitartig gehalten sind. Ei ar dies ei Gründ der don Paris aus gegen das Stuck geuͤbten Kritik ge

Die Burg leg n der Region der Stadt, wa jetzt, der Kö⸗

nigs platz befindlich;

DNNwnüng der Bundez⸗ M tat Kemmisisn zin Köniz Ken 1 2 Großherzoglich Badischer und ein Herzoglich Braun— Sw eigischer General ein.

3 V. geschah nicht in den dem Höchstdenenselben das gesammte Lehr-, Verwaltungs- und , k manche Bericht⸗

Lern-Personal der Anstalt von dem Direktor derselben, dem Herrn

Stadt“ war Ch. Leclere, Schuͤler von Roelandts in Gent, zu

zͤsische Flotte sey bestimmt gewesen, die Balearischen Inseln zu Theil geworden,.

zur Unterstutzung gereichen werde. nehmen, so darf man es wohl der Spanischen Regierung nicht

sogenannten ie fn Saale des Rath = erstatter verneint haben.

ö.