1841 / 263 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

hoͤchstsie gern laͤnger verweilt hätten, besonders, weil Sie beabsich⸗ tigt haͤtten, sich die Aeltesten vorstellen zu lassen, werke bei Allerhöͤchstihrem Einzuge angeführt hatten. Auch Ihre Ma⸗ jestaͤt die Königin, welche heute bereits uns re Stadt verlassen, haben bei der mehreren Mitgliedern der Ritter schaft und den Stadtbehörden er⸗ theilten Abschieds-Audienz den Letzteren wiederholt Ihren Beifall hinsichtlich der Allerhoͤchslihnen bereiteten Festlichkeiten zu erkennen gegeben und wie gern Sie in der Mitte treuer Burger verwelt, durch die schoͤnen und reichen Gaben bekundet, womit Allerhoͤch stsie die beiden Junfranen beschenkten, welche Ihnen und Sr. Ma⸗ jestat dem Koͤnige die von der Stadt gewidmeten Festged chte überreichten. Es hat namlich Fraͤulein Lange und Fräulein Mo— linari jede ein goldenes reich mit Brillanten und Smaragden ver⸗ ziertes Armband und jede der übrigen 8 Jungfrauen, welche den Genannten beigegeben gewesen, ein goldenes Kleinod erhalten. Auch haben Se. Majesiaͤt der Kbnig fuͤr die hiesigen Armen S0 Rthlr. in Courant und Ihre Majestäͤt die Königin 500) Rthlr. in Gold den stäͤdtischen Behörden uͤberwiesen.

Breslau, 18. Sept. (Bresl. Zeit.) Vorgestern besich⸗ tigten Ihre Kbnigl. Hoheiten der Erzherzog Ferdinand von Este und der Prinz Karl von Bayern, als Kommissarien des Deutschen Bun⸗ des, die zum ten Armee-Corps, als Reserve-Corps, gehbrigen Truppen der Garnison von Breslau. Um 7 Uhr fing die Be⸗ sichtigung bei dem 1sten Kuͤrassier-Regiment an und wurde dann bei der Iten Schuͤtzen⸗Abtheilung fortgesetzt. Hierauf verfuͤgten sich die Herren Kommissarien in das Landwehr-Zeughaus, dann in das Burgfeld⸗Zeughaus und dann auf das Buͤrgerwerder zur Besichtigung der Artillerie und Infanterie und der Lokale, in denen das Ärtillerie⸗-Material aufbewahrt wird, so wie der Kaser— nen. Die Durchlauchtigsten Herren Kommissarien sprachen uͤber⸗ all ihre Zufriedenheit mit der Bekleidung, Ausruͤstung und aus⸗ 93 zeichneten Ausbildung der Truppen aus und begaben ssich gestern Eber Brieg nach Neisse; heute gehen dieselben nach Frankenstein und morgen nach Glatz, wo am 20sten die Inspizirung stattfin⸗ den wird.

wictentchakt, Kunst und Ziteratur.

Des Progres de Industrie dans leurs ouvrière, par le J in 8.

rapports avec la moralité de la classe Baron de Gérando, Pair de France.

Der von Herrn de Gérando behandelte Gegenstand ist nicht neu und hat bereits mehrmals den Scharffinn der Sekonomisten und Mo ralisten beschaͤftigt. So haben ganz neuerdings die Herren Frégier, Villerin«, Buret diesen Gegenstand gus verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet und die Schlüͤpsse, zu denen sie gelangen, sind dem industriellen Regime, wie es gegenwärtig in seinen Beziehungen zur Moralitaͤt besteht, im All gemeinen nicht günstig. .

Die Wissenschaft und die Ecfahrung haben indeß noch nicht ihr letztes Wort aber diese wichtige Frage ausgesprochen, und es ist noch nicht unwiderruflich entschieden, daß die Wunder der Industrie, die Macht der Zusammenhaͤufung der Arbeiter und die Konkurrenz die Moralitaͤt der Arbeiter vernichten werden. Di n dustrie hatte seit langer Zeit gegen dergleichen Lehren protestirt; da sie indeß eine dabei detheiligte Partei war, so fehlte es ihzen Urthei⸗ len an Autoxitaͤt und die Thatfachen straften sie oft auffallend Lügen.

Das Elend und die Unordnung fallen stets mehr in die Augen, als die Wohlfahrt und die Moralitaͤt, d. h. das Gute wird stillschwei⸗ gend angenommen und geht oft unbemerkt voruͤber, waͤhrend das Schlechte Allen auffaͤllt, Kritik, Untersuchungen hervorruft und zu falschen ustheilen fuhrt, die das Elend, welches weder dauernd noch allgemein ist, uͤbert reiben und generalisiren; acer. de Gérando ge⸗ hört in seinem oben angefuͤhrten Werke dieser letzteren Klasse an. Er hat sich indeß nichts verhehlt, er hat die Wunde in ihrer ganzen Ausdehnung untersucht; allein er, hat auch etwas anderes sehen wol

geschieht,

len als Wunden und . le dies gewohnlich gef das Gemaͤlde keine Lichtseiten haben, sondern

hat sich nicht, wie dies im voraus gesagt, daß ö t duͤsteren und abschreckenden Anblick darbieten

nothwendig einen werde. - .

Das Werk des Herrn de Göarando ist durch eine von dem Gewerbe⸗ Verein in Muͤhlhausen gestellte Preisfrage uͤber den Indu striallis⸗ Mus in seinen Beziehungen zur Gesellschaft aus dem nhralischen Gesichtspunkte betrachtet, veranlaßt worden. Das Problem war umfassend und schwierig zu Schrifisteller, welcher den Preis gewonnen, dasselbe auch nicht voll⸗ siandig loͤste, so hat er doch wenigstens neue üUntersuchungen geliefert und sein einsichtsvolles wiß manche Irrthüuͤmer berichtigen.

Herr von Görando hat sein Werk in erste Theil umfaßt das Studium der T! das Studium der Urfachen, und der dritte das Stu dium der Mittel zur Verbefserumng. Der Verfasser hat sich bekanntlich sein ganzes Leben hindurch mit der Philosophie, der Moral und der Natlonal⸗Dekonomie beschaͤftigt und besitzt, ohne den ersten Rang in diesen Wissenschaften erlangt zu haben, doch die Aufklaͤrung und alle die Kenntnisse, welche noͤlhig sind, um den von dem Gewerbe⸗ Verein in Müͤhlhausen als Preisfrage aufgestellten Gegenstand auf ine angemessene Weise behandeln zu können., ö 9.

Der Verfasser stellt zuerst nach der Kriminal⸗Statistik Frankreichs fest, daß die mit den meisten Verurtheilungen wegen Verbrechen und Vergehen belasteten Kategorieen in, Paris nicht die der Arbeiter, son⸗ Feen die der wirklichen oder angeblichen Handeltreibenden (négociants), der Geschafts⸗Agenten, der Schreiber bei Huissiers oder Prokuratoren; der Maler, der Agenten fur Stellvertretung im Heere, der verabschiede⸗ ten Offiziere und Unteroffiziere; der Schreiber oder Kopisten; der Musik⸗ Leh rer, Sprachlehrer u. s. w.; der Handlungs Gehuͤlfen, der beiBanguiers und großen Industeie ünternehmungen Angestellten der Kraͤmer und eint ger anderen sogenannten liheralen Gewerbe sind. Betrachtet man ganj Frankreich und vergleicht man die Ackérbauer mit den eigentlich so⸗ genannten Arbeitern, so findet man auch, daß die Zahl der Verurthei⸗ lungen wegen Verbrechen und Vergehen unter den Letzteren weit ge⸗ ringer ist, als unter den Ersteren. Andere Thatsachen, die wir hier nicht anfuͤhren wollen, unterstützen diese Meinung noch. Es giebt indeß Lokalitäten, die eine beklagenswerthe Ausnahme machen. In Muhlhausen bilden die unehelichen Geburten saͤmmtlicher Gebur ten; eben so in St; Quentin. In Rouen haben die Arbeiter, deren Verrichtungen am besten bezahlt werden, die schlechtesten Sitten, In Rheims haben Trunkenheit und Ausschweifungen einen furchtbaren Grad erreicht. Diese Thatsachen sind indeß, wie gesagt, nur Aus⸗ nahmen, und es finden sich eine Menge Lokalitaͤlen, wo auf eine troͤst⸗ liche Weise das Gegentheil stattfindet. Mehrere Fabriken in Guebviller Departement des Ober⸗ Rheins) zeigen einen Fortschritt in der Moralitaͤt der Arbeiter, die Stadt Tarräare Departement der Rhone) i st bemerkenswerth wegen der großen Nedlichteit und Sittlichkeit ih⸗ rer Arbeiter; keine Fabrik stadt besitzt weniger Trunken ole und schlechte Subjekte, als diese. Dasselbe findet in t. Denis, Gisors und in ven Thaͤlern von St. Amand und Guebviller statt.

üweilen veraͤndert sich der moralische Zustand der Arbeiter, die

ein bdestimmtes Geschaͤft treiben, nach dem Stadt⸗Vierte], welches ste bewohnen; 3. B. in Lille, wo die des Viertels St. Andre sich gut aufführen, waͤhrend in dem Viertel St. Sauveut eine tiefe Ver⸗ derbniß herrscht. In Lille zeichnen sich die Weber die zwirnspinner. welche den Nähzwirn verfertigsn und die Epltzenkldpplerinnen durch ihre Reinlichkeit, ihre Sittlichkeit, ihre Nüchternheit und Sparsamkeit aus. In Lyon ist

Maschinen, die

Studium wird ge⸗

Thatsachen; der zweite

das Betragen der Faͤrber und Hutmacher sehr verschicden von dem der Seidenarbeiter. In Elbeuf, Muͤhlhausen,

welche die Ge⸗

mitbringt. bei ö . Pflicht, mit der religidsen Gesinnung, sich

lösen, und wenn der

Matecialien fuͤr weitere /

drei Theile getheilt: der

fügen, mit dem edelmuüͤthigen Gedanken,

„Der Handwerker“, sagt der

1163

Rheims und in fast allen Fabrikstaͤdten bemerkt man, daß die Un⸗ oroönungen in demselben Gewerbe weit mehr nnter den von außer⸗ halb kommenden Arbeitern, als unter den im Lande selbst gebornen stattfinden. Endlich bemerkt man, daß die Gehuͤlfen mehr zu einer ungeregelten Auffuͤh ung geneig“ sind, als die ansaͤßigen Aebeiter. Gewisse lasterhafte Gewohnheiten, die in den Fabrikstadten herr⸗ schen und deren Schilderung unz gegenwaä tig auffaͤut, dalieen nicht erst von gesteen her, sondeen sind im Gegentheil nue die teaurige Ebschaft f uͤhe er Zeiten. Es sind weit mehr Traditionen, die sich ehalten, als Resjultate, die durch das Fabeikwesen ins Leben ge ufen worden sind. So bezeichnete vos el wg 35 Jah en der Peaͤfekt des Depactements Du Nord das Lastec der Teunkenheit als allgemein unter dem Volke in Lille hecrichend, und schon im 171en Jah-chundeet machte der Intendant der Generalitaͤt Flandern eine aͤhnliche Be⸗ merkung. . Win haben schon gezeigt, daß die che ren Ausichweifungen ergeben sind, als die ande en sozialen Kgie⸗ go ieen; ade die Naur ih er Verb echen und Ve gehen sind gewisser⸗ maßen das Resulsat ihrer Gewohnheiten, die sie in den Fab iken an⸗ nehmen. Diele Gewohnheiten sind Soeglosigkeit, Unvorsichtigkeit, unmaͤßiger Geschmack an den sinnlichen Veignügungen, bis zum Betrug getriebene Liebe zum Gewinn, und Streitigkeiten, die haupt⸗ saͤchlich eine Folge der Trunkenheit oder der Rivalitaͤt in den Ver⸗ gnuͤgungen oder beim Gewinn sind. Diese charakteristischen Zuͤge teleiden indeß noch Ausnahmen. —; Die Arbeiter⸗Klasse nimmt endlich Fortschritte, wie an dem Verfall der sozialen Sitten Theil. Wie sollte sie auch in den Zeiten der Verderbniß der allgemeinen An⸗ sieckung entgehen. Es ist offenbar, daß sie unterworfen ist. Die besonderen Umstaͤnde, ter befinden, haben auch Einfluß auf ihre a menhaäufung von Personen, ihr unstätes Leben, der in den meisten Faͤllen lasterhafte Charakter der Vorgesetzten teagen ohne Zweifel zu den Unordnungen bei; abe! dies sind nicht die chronischen Ursachen des Uebels, wie die oven angefuhrten Beispiele, die wir leicht noch vermehren könnten, hinreichend bewetsen. In dem zweiten Theile, der von den de Gsrando den guͤnstigen Einfluß der Industrie auf die Moralität der Arbeiter von ihtem ungünstigen Einflusse auf die Ar⸗ beit unterschieden. Der moralische Einfluß hängt von mehreren Bedingungen ab; er wird um so heilsamer seyn, je mehr die Arbeit darauf gerichtet ist, die Energie der Seele und die Aufmerksamkeit zu uͤben. Der sich nach und nach ganz den materiellen Kraͤften assimiliren, de⸗ ren Anwendung er nachzuahmen verdammt ist. Der morali⸗ sche Einfluß der Arbeit hangt auch zum Theil von der und dem Grade der Abhaͤngigkeit ab, der sie den A beiter terwirft. Es bedarf einer beschraͤnkten, intelligenten die, statt wie ein schweres Joch auf dem Arbeiter zu lasten, viel⸗ mehr ihn leitet und, indem sie ihm seine Rolle anweist, ihm dieje⸗ nige Freiheit laͤßt, deren er bedarf, um seine Rolle gut durchzufuͤh⸗ ren. Es giebt noch andere Bedingungen, von denen der moralische Einfluß der Werkstätten abhaͤngt; z. B. die mehr oder weniger gun ssige Aussicht, welche die Beschaͤftigung dem Arbeiter gewaͤhrt, durch Kenntnisse, Thaͤtigkeit und gutes Betragen allmaͤlig sein Loos zu verbessern; die vorherrschenden Eindrücke von den Dingen, welche vor seinen Augen geschehen, die Gegenstaͤnde, welche durch feine Haͤnde gehen, die Sperationen, bei denen er mitwirkt. Es ist ubrigens wohl zu beachten, daß der durch die Arbeit bewirkte Ein⸗ fluß namentlich von der Faͤhigkeit abhaͤngt, die der Arbeiter dazu Die Arbeit, welche mit Liebe dem goͤttlichen Willen zu x Anderen nuͤtzlich zu seyn, ergriffen wird, erhebt, läutert und heiligt die Seele. Dagegen regt die als eine Nothwendigkeit betrachtete und mit Widerwillen über— nommene Arbeit die Leidenschaften auf, statt sie zu besaͤnftigen. Zu den fuͤr die Arbeiter unguͤnstigen Einfluͤfsfen der Industrie rechnet Herr von Geérando die ausschließlich materiellen Beschaͤfti⸗

gungen, die Theilung der Arbeit, das Zusammentreffen beider Ge⸗ schlechter in den

Arbeiter Klasse nicht zahlrei⸗

in denen sich die Arbei⸗ Moralität: die Zzusam⸗

Herr

Uun⸗

Werkstaͤtten und den Mangel der Familien-⸗Bande. Verfasser, „welcher in seiner Woh⸗ nung arbeitet, der Hausgeraͤthe, ein Geschaͤft, Handwerkszeug be⸗ sitzt, der in seiner Haushaltung mit feiner Familie lebt, kennt das Gefühl des Eigenthums; dies Gefühl erhebt ihn in seinen eigenen Augen, lehrt ihn das Eigenthum eines Anderen achten und naͤhrt in ihm einen Erhaltungstrieb, einen naturlichen Geschmack an der Ehrbarkeit. Diese Gesinnungen verschwinden in dem Maße, als der Arbeiter, in die Fabriken verseht, den Besitz des Mobiliar⸗Ver= moͤgens verliert. Der wahre Proletarier ist nicht derjenige, welcher kein Grund-Eigenthum hat, sondern der, welcher nichts in seiner Wohnung hat.“

Indem der Verfasser zu den Verbesserungs⸗ Mitteln uͤbergeht, stellt er folgende vorläufige Betrachtungen an- „Man muß anerkennen, daß die offentliche Autoritat wenig Einfluß auf die Sitten hat, und zwar heut zu Tage vielleicht weniger, als je- mals. Was vermdͤgen die Gesetze uͤbet sie, wenn eben die Sitten die Achtung vor den Gesetzen selbst vermindert haben?“ Dies ist eine historische und moralische Ketzerei, die wir ungern in dem Werke dez Herrn de Géörando erblicken. Man sieht vielmehr, daß fast im⸗ mer die Verdorbenheit der Regierungen die Verdorbenheit der Volker herbeigefuͤhrt hat, und daß, wenn erstere sich in einer guten morali⸗ schen Verfassung befanden, sie auch den Sitten eine guͤnstige Rich⸗ tung aufgepraͤgt haben. Wir wollen nicht ins Einzelne gehen; ün⸗ sere Behauptung wird durch die Geschichte aller Zeiten und selbst burch die neueste Geschichte Frankreichs bestaͤtigt.

Ja, wir glauben, daß die oͤffentliche Autoritaͤt einen großen Ein⸗ fluß auf das Loos und die Moralitaͤt der Arbeiter⸗Klasse ausuͤben kann, und der Verfasser selbst entfernt sich mehr als einmal von sei⸗ ner zu absoluten Meinung, wenn er von dem Gesetze uͤber die Arbeit der Kinder in den Fabriken, von der Einrichtung von Sparkassen, von den Kleinkinder⸗Bewahr Anstalten, von Elementar⸗ Schulen und von der Einwirkung mittelst der Religion spricht, die von der Re⸗ gierung ausgehen muß, so erkennt er den Einfluß der letzteren auf hie Sitten um so mehr an, als er die erwahnten Mittel unter den BVerbesserungs-Ursachen in die erste Linie stellt.

Die Entwickelung des Familien⸗Geistes ist in seinen Augen ein aude cz Element des Erfolgs; eben so die gute Anwendung des Sonn⸗ tags. Das Beispiel des Vorgesetzten muß einen sehr großen Einfluß auf das Betragen der Arbeiter ausüben, Seine Anwesenheit in den Werkstäͤtten, sein Lob, sein Tadel, sein Nath, der Schutz, den er den Kindern angedeihen laßt, der Beistand, den er den Ungluͤcklichen lei⸗ stet, werden ihm eine große Gewalt und ein Ansehen verschaffen, welche die Arbeiter in ihrem eigenen Interesse zu achten gendihigt seyn werden.

Die Wirkungen der gegenseitigen Verbindungen unter den Ar⸗ beitern sind ziemlich allgemein bekannt. Nach der Meinung des Herrn Gérando sollt; man sie allgemein einführen. Die gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in England gegruͤndeten friendly Jacicties könnten fur diese Art von Berbindungen als Beispiel die⸗ nen; schon sind sie auf verschiedenen Punkten in Frankreich nach⸗ geahmt worden und haben sich durch ihren wohlthaͤtigen Einfluß be⸗ merklich gemacht. Jede dieser Verbindungen müßte nur aus einer sehr beschraͤnkten Anzahl von Mitgliedern und nicht ausschließlich aus Arbeitern desselben Gewerbes bestehen, um nicht ein Heerd der Coa⸗ litionen zu werden. Ihre Statuten müßten der Behoͤrde vorgelegt und ihre Versammlungen einer beschützenden und klugen, jedoch nicht laͤsigen, Beaufsichtigung unterworfen werden. Sie muͤßten unter das Patronat wohlwollender und aufgeklärter Personen gestellt werden, die hnen als Führer dienen koͤnnten, und zu diesem Zwecke mußten sie Per⸗ sonen aus höheren Staͤnden als Subskribenten aufnehmen, Diese srundschaftlichen Vereine haben in Englan einen guten Fortgang Und nuunter ihren Ehren-Mitglieder wahrhafte Patrone gehabt, wie unter Anderen die des Grafen von Norfolk und die, welche Lord Harcourt in der Grafschaft Orford gegruͤndet hat.

noch an dem allgemeinen

dem Einflusse der Zeit

ursachen handelt, hat

auf rein passive Verrichtungen reduzirte Arbeiter wird

Art

Abhaͤngigkeit,

mit dem Gefühl der

chel, vom Großherzogl.

Der Verfasser wuͤnscht sogar dies Patronat auf weit ausgedebn⸗ teren Bafen hergestellt zu seben. s würde dies ein umfassendes System seyn, wo die hoͤheren Klassen die unteren Klassen auf wohl- wollende Weise unterstutzten. Dies Patronat mußte nicht durch die öffentliche Autoritaͤt errichtet werden, sondern durch sich selbst entsieben, eingegeben durch großherzige Gesinnungen, deren aufrichtiger Aus⸗ druct es waͤre.

Die Comité s mußten gleich denen welche die Sparkassen ver⸗ walten, aus angesehengh Bärgern vestehen, die durch Geschenke zur Dotirung Lieses Etablissements beigetragen haben, Sie durften keine Maagisteatur bilden, keine Gerichtsbarkeit ausuͤben, selbst nicht einmal das Recht baben, die Werkstatten zu in spizicen. Die Arbei⸗ ter sollten in ihnen nur Freunde sehen. Die Kinder der Arbeiter Klasse, die jungen Lehrlinge beiderlei Geschlechts, waren der direkte und der Haupt- Gegenstand einer natürtichen Sorgfalt des Pateonat⸗ Comitès. Indeß mußte sich diese Sorgfalt auch auf die Arbeiter je⸗ des Alters und namentlich auf die in den Werkstätten deschaftigten Frauenerstreckte. Seine Thätigkeit hatte einen dreifachen Zweck; Unter. richt, Aufmunterung, Beschuͤtzung. Die Patronat⸗ Comité konnten nöͤthigenfalls auch Ünterstuͤtzfng-Comité's seyn; sie würden in einer wohlthätigen und vaͤterlichen Sphaͤre wie eine zugleich maͤchtige und milde Triebfeder wirken.

Dies sind mit wenigen Worten die von Herrn Gérando auf⸗ gestellten Ansichten uber die Berbesserung und die S(leichtecung der arbeitenden Klassen. Wir gestehen, daß weder seine deen, noch seine Plaͤne absolut neu sind; aber alle seine Gedanken sind gut geordnet, die Gesammtheit der von ihm vo geschlagenen Mittel entspricht ziemlich gut den beobachteten Thatsächen. Es ist alle dings nichts Radikgles in seinen Reformen und e gelangt dahin nicht, wie ge⸗ wisse Neuerer, durch eine wunderbare Um chmelzung der ganzen Ge⸗ sellichaft; ee zieht gelindere Mittel vo die un er sözialer Zustand be⸗ reits im Keime enthält; er si det die Mittel zur Ve bessecüng in dem bereits Vorhandenen und nicht herolsche Mittel will schaffen, die stels zerstdͤren, ehe sie etwas erschaffen haben. Diese gemaͤßigten Plaͤne sind der Einbildungskraft weniger angenehm, aber sie sind

Uebereinsttimmung mit der Vernunft und nuͤtzlicher fur das

mehr in menschliche Geschlecht.

Meteorologische Beobachtungen.

1841.

Nach einmaliger Beobachtung.

1 Morgens Nachmittags 19. Sept. 6 Uhr. 2 Uhr.

Abend 10 Ubr.

Luftdruck... Luftwäürme -. Thaupunkt. Dunstsãttiguungs Wetter

339,1 . par. 339, 63 Par. 9, 3 nu. 13,67 R. 4 7,0 R. 4 8, i n.

3 pes. 7 res- S0 rot. bezogen. heiter. heiter.

Z39 oi Par. 4 7,49 R. 4 6,17 R.

Quellwärme 8 3? R. Flusswirme 13,9 R. Bodenwů‚rme 14,1 R. Aus düustung 0, o 0 Rh. Niedersehlag O.

Wüÿrme wechsel 13,87.

4 4, 1Y.

.. 78 pCt. oxo.

NO. 0XO. NO. Waolkenzug. .. ö NO.

Tagesmittel: 339. 38“ Par. 4 10,15 R... 4

k Den 20. September 1841.

Cour. geld.

101

St. Schuld- Seb. Pr. Eugl. Obl. 30. Präm. Seh. der Seebandlung. Kuri. Schuldv. Berl. Stadt Obl. Ellinger do. Daunz. do. imn Th. Westp. Pfandbr. Grossh. Pos. do. ö,, . 31 . ö. 3 6 ? Gold 2 marco Kur- u. Neum. do 3 a, n, n. ; ĩ . Andre Goldinün- Schlesisebe do. 35 25m zeu à 5 Ih.

Dis eonto

Aceti6em. Brl. Pots. Eisenb. do. do. Prior. Act. Męd Lp. Eisenb. do. do. Prior. Act. Berl. Auh. Eisenb. do. do. Prior Act. Dũüss. Elb. Eiaenb. do. do. Prior. Act.

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 16. Sept. Nill. . 5* Span. 1817. PFassive. —. PFräm. Seb. Fol. Oesterr. 1606. Frankfurt a. M., 17. Sept. Oesterr. 55, Met. 1087 6 255 555 6. 13 21 kr. Rank Act. 1913 nu?). Fe. o/! . 1 . Loose zu 500 FI. 1373 Br. Loose an 100 FI. —. Preuss. Präm. Seh. S0 6 do. 43 Anl. 102 G. Polu. Loose 735 6. 53 Spau. Aul 26 6 ö 23. Noll. 504. 502. J J Eisenbahn - Actien. St. Germain —. do. linkes —. Müuchen- Augsburg —. Dresden 1005 G. Köln- Aachen 190 G. Hamburg, 13. Sept. Bank- Aetien 1605 G. Engl. Russ. 108 Paris, 15. Sept. 55 Rente sin our. 114. 90. 35 Reute fin ö. 18 5 59 Neapl. fin eour. 105. 40. 55 Span. Rente 224. 38 Port. —. Wien, 15. Sept. 14 —. Bank- Actien —.

Niederl. wirkl. Schuld 514. 53 40. 101 ö.

16 Preuss.

Kanx. Ausg. —. Zinal. —.

43 985 .

Versailles rechtes Strassburg - Basel 215 Br.

Ufer —. Loipzig-

cou.

Passive 5.

5 * Met. 106 1.

a3 983. 387 Aul. de 18334 —. ö ö !

. ae 1839 21411. .

Königliche Schauspiele.

Dienstag, 21. Sept. Im Opernhause: Die Familien Mon⸗ tecchi und Capuletti, Oper in 3 Abth., von Bellini. (Dlle. Haͤh⸗ nel, als neu engagirtes Mitglied der Koͤnigl. Oper: Romeo, Dlle. C. Kruger: Giulietta, als letzte Gastrolle.)

Mittwoch, den 22. Sept. Im Schauspielhause: Corona von Saluzzo, Schauspiel in 5 Abth., von E. Raupach. (Dlle. Rei⸗ Hoftheater zu Schwerin: Corona, als Gastrolle.)

Donnerstag, 23. Sept. Im Opernhause: Zum erstenmale: Die Hirtin von Piémont, komische Oper in 1 Akt, nach dem Franzobsischen von Genée. Musik von Schaͤffer. Hierauf: Ro⸗ bert und Bertrand, pantomimisches Ballet in 2 Abth. von Hoguet.

Nönigsstädtisches Theater.

Dienstag, 21. Sept. Der Alpenkönig und der Menschenfei Zauberspiel mit Gesang in 3 Akten, . . .

Mittwoch, 22. Sept. (Italienische Opern⸗Vorstellung. ) L'klisir diamore. (Der Liebestrank.) Opera huffa in 2 Atti. Musica del Maestro Gaetano Donizetti.

Verantwortlicher Redacteur Dr. 3. W. Zinkeisen.

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober ⸗Hofbuchdruckerei.

Amtliche Nachrichten. Nußland und Polen. Warsch au. Königs von Preußen. Vermischtes. Frankreich. Paris. Die Ruhe in Clermont hergestellt. Die Identitat Pappart's wird bezweifelt. Fortdauernde Unruhen in . Denn iche eland London ßbri ien un ' . don. Grasibritan g 2 Rem Wahl⸗Rede. Graf Ripon's voli⸗ . Schwierigkeiten fur die Tory Verwaltung in Irland. gegen den Zwang zum Kirchenbesuch ) Porto⸗ Vertrag mit Bremen,. Folgen des Feldzuges nach Afghanistan für den Britischen Handel. Vermischtes: Brief aus Lon⸗ don. Mistreß Norton; Radir Klub; Vaurhall; Fenimore⸗ Cooper.) Belgien. wagens; Deutsche

Ankunft Sr. Majestaͤt des

Bestandtheile des Ka⸗

Brüͤssel. Herr von Sahignp Entzuͤndung eines Fracht⸗ die Gewehrfabriken in Luͤttich. Bundesstaaten. Mun chen. scᷣ Arkaze bau! = Muster für Landes⸗Verschbnerung. Stuttgart. Pro⸗ gramm des Koͤnigl. Jieglerungs ·Jubilaums. 5 nnheim, An⸗ kunft des Grafen Appony und des Baron Otterstãdt. . Eisenbahn⸗ polizeiliche Verordnung. Brau nschweig. Begammhang der Naturforscher. Fra nkfurt a. M. Ankunft von Tatitschef 5. Schreiben aus Frankf'su rt. ( Personal Nachrichten.) Oesterreich. Wi en. Ankunft des Prinzen Johann von . Rerlangerung der Reise Ihrer Majestaͤlen . Schweiz. Bern. Heimkehrende Tag gtzungs (Gesandtschnft i Bericht des Spezialgerichts on Tessin. Genf. Anwesenheit = Decandolle 4. . Schreiben aus Madrid. Gibraltar;

Fortschritte im Arkaden⸗

Sachsen.

ausgezeichneter Fremden. Decan Spanien. M adrid. Vermischtes . „Furcht vor Intervention; der General Narvaez in Briefwechsel der Koͤnigin mit ihrer Mutter) Aegypten. Zurachemn dung der Syrischen Soldaten. Erhebung Said Bey's zum Pascha. * K ; Inland. Koblenz. General Thile; Thiers. Koln und Aachen. Industrie und Handel. ö, Wood's „Reise zur Entdeckung der Quellen des Oxus.“

——

Kunst und Literatur. K, E. Foͤrstem aun,

Wissenschaft . st 1 aus dem Gebiete historisch antiquarischer For⸗

neue Mittheilungen schungen.

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht, dem Oberst⸗ Lieutenant außer Dienst und Profe ssor an der hiesigen Uni⸗ versit at ꝛc. Dr. Turte, den Rothen Adler-Orden drittes Klasse S dem Geheimen Regierungs⸗ und Baurath

mit der Schleife; men ,, . wfeiffer zu Merseburg, den Wirklichen Justizraͤthen und Ober⸗ Pfeife ö und Schmidt,

Juditeuren beim General⸗Auditorigt, Niet ner Schn den Rothen Adler-Orden vierter Klasse; so wie dem katholischen

w /// / ///

Schul⸗Rektor Neumann zu Kanth das Allgemeine Ehrenzeichen

zu verleihen.

Der bisherige Landgerichts-⸗Referendarius Wi Ih elm W enz el zu Trier ist auf den Grund der bestandenen dritten Prufung zum Advokaten im Bezirke des Koͤniglichen Appellationsgerichts⸗ hofes zu Koln ernannt worden. der Kaiserl. Russische Finanz⸗

Se. Excellenz . . Graf von Canerin, nach

Abgere ist: . Infanterie,

Minister, General der St. Petersburg .

Ber General-Major Landwehr-Brigade, von Below II.

und Commandeur der 2ten Garde— nach Stralsund.

Zeitungs Nachrichten. Ausland.

Rußland und Polen.

aarftchau, 17. Sept. Gestern traf. Ser Majestaͤt der ö Pinsen zum Besuch bei Allerhbchstseinem Kaiscrli⸗ chen Schwager hier ein. Um 3 Uhr Nachmittags war Se. Ma⸗ jestät der Kaiser dem erlauchten Gast his Blonie entgegeng sah⸗ ren, und um ? Uhr Abends langten Beide zusammen in War⸗ schau an. Obgleich es noch nicht ganz dunkel war, hatten doch die Einwohner Warschau's schon ihre Haäͤuser zu illuminiren ange⸗ fangen, und bald leuchteten alle Straßen in hellem Glanze; an den Regierungs⸗ Gebaͤuden, an dem Rathhause, der Bank, der Ober ⸗Rechenkammer, den Schulen, der Wohnung des Preu⸗ ßischen Konsuls und vielen Privachaͤusern strahlte die . mens Chiffre Sr. Majestaͤt des Kbnigs. Die ganzen Al⸗ der! Weg nach Lazienki und der Umkreis um den Garten waren mit einer dichten Reihe von erleuchtet, und von der Eremitage bis zum Palast sich eine Kolonnade von Lampensaͤulen hin. Die ab, wo der Feldmarschall und eine große Das schoͤnste Wetter begün⸗ beiden Souveraine. Zum Empfang des welcher gestern um halb 2 Uhr Morgens in Ka n war, hatte der. Kaiser seinen General⸗ Adjutanten Verg dorthin abgeschickt; im Gefolge des Kbͤnigs be—⸗ finden sich der General⸗ Adjutant Neumann und der Doktor Grimm. Am 13ten d. besuchte der Kaiser das Alexandra⸗Institut zur Erziehung von Edelfraͤuleins, dessen Vorsteherin, Frau von Grot⸗ ten von Sr. Majestaͤt, in Anerkennung ihrer, verdienstlichen Lei⸗ tung desselben, ein kostbares Fermoir zum Geschenk erhielt. Vorgestern wurden die Generale und Regiments-Comman⸗

Lazienki zog Monarchen Fuͤrst von

Artikel.)

Allgemeine

deure der hier stehenden Truppen von Sr. Majestaͤt dem Kaiser

zur Tafel gezogen.

Frankreich.

Paris, 16. Sept. Der Messager meldet aus Cler— mon, daß die Ruhe daselbst vollkommen wi derhergestellt und daß die Einwohnerschaft zu ihren gewohnlichen Beschaͤftigungen zuruͤckgekehrt sey. In Chauriat, einem Dorfe, 5 Stunden Hon Clermont, war ein Haufe von etwa 10 Personen in die Kirche eingedrungen, hatte die Baͤnke und Stuͤhle verbrannt und sich von da nach einem Privathause begeben, dessen Fenster er zer⸗ truͤmmerte und dann die Meubeln herausholte und verbrannte. Die Einwohner der Gemeinde versammelten sich, verfolgten jene Banditen und haben einige derselben verhaftet.

Die ministeriellen Blatter beobachten uͤber die gegen Pappart eingeleitete Instruction das tiefste Stillschweigen, wie dies bei den letzten Attentaten immer der Fall war. Im Publikum aber ver⸗ breitet sich heute das Gerücht, daß Pappart nicht der eigentliche Name des Moͤrders sey. Das Sidel giebt nachfolgende No—⸗ tiz, die ihm gestern Abend um 11 Uhr zugegangen sey, deren Au⸗ thentizitat es aber nicht verblürgen wolle, obgleich sie von Per so— nen mitgetheilt worden sey, die man fuͤr gut unterrichtet halten muͤsse: „Das Indioiduum, welches ein Pisiol auf den Herzog von Aumale ab⸗ gefeuert hat und unter dem Namen Pappart verhaftet worden ist, hatte seine Identität verleugnet und ist jetzt fuͤr einen gewissen Que⸗ niset erkannt worden. Am 19. Rovember 1832 trat er als Freiwilliger in das 15te leichte Linien-Regiment ein. Am II. August 1835 ward er von dem Kriegsgericht der Tten Militagir-= Division als der Beleidigungen und der Drohungen gegen seinen Vorgesetzten und der Rebellion gegen die Wache fuͤr schuldig er⸗ fannt uͤnd zu Siaͤhriger Eisenstrafe verurtheilt. Diese Strafe wurde am 20. November 1835 in Zjaͤhrige Zwangsarbeit ver⸗ wandelt. Am 27. April 1836 trat Queniset die Arbeit in Belle⸗ croix an, entsprang aber am 26. Juli 1837 und seit dieser Zeit hatte das Kriegs-Departement nichts wieder von ihm gehort. Dieser Mensch war außerdem dreimal wegen Diebstahl und das Flertemal wegen Gebrauch eines falschen Passes verurtheilt worden.“

Andererseits wird versichert, daß der Oberst⸗Lieutenant Vail⸗ lant zur Zeit der Verurtheilung Queniset Bataillons-Chef in der 7ten Militair-Divisien gewesen sey⸗ Dieser Umstand könnte zu der Vermuthung Anlaß geben, daß eine⸗ Privatrache und kei⸗ nesweges ein Attentat auf das Leben der Prinzen beabsichtigt ge⸗ wesen sey; aber bis jetzt soll keine Aussage des Verbrechers diese Vermuthung rechtfertigen.

Ueber die gestern in der Vorstadt St. Antoine stattgehabten Unruhen berichtét das Journal des Débats Folgendes: „Von 19 Uhr Morgens an sammelten sich zahlreiche Haufen in der Rue St. Antoine. Der Zufall wollte, daß ein mit Kartoffeln beladener Wagen durch die mit Menschen angefuͤllte Rue Tra⸗ versinre fuhr. Mehrere junge Menschen stuͤrzten auf. denselben los, pluͤnderten ihn und durchstreiften dann die ganze Vorstadt, um mit diesen neuen Wurfgeschossen Straßen-Laternen und Fen⸗ sterscheiben zu zerschmettern, wobei sie aufruͤhrerisches Geschrei vernehmen ließen. Die Patrouillen des Bastille-Postens trieben die Haufen in der Rue St. Antoine aus einander, aber sobald sich die Soldaten entfernt hatten, bildeten sich die Gruppen wie— der. Um 5 Uhr Nachmittags wurden die Zusammenrot⸗ tirungen zahlreicher und zeigten sich unternehmender. Sie hielten Wagen an, und der Rue Traversitre gegenuͤber, an derselben Stelle, wo das Attentat gegen den Herzog, von Aumale begangen worden warn,

wurde ein Omnibus umgestuͤrzt, um das Fundament zu einer Barrikade zu bilden; aber die Behörde beeilte sich, jenen Unordnungen ein Ziel zu setzen. Zwei Abtheilungen der Munizipal-Garde, begleitet von Polizei⸗Kommissarien und Stadt-⸗Sergeanten, saͤuberten die Straße S't. Antoine und stellten die Circulation wieder her, Den ganzen Tag uͤber waren die Laͤ⸗ den geschlossen und die Geschaͤfte unterbrochen. Der nur aus 7 Mann bestehende Infanterie⸗Posten neben dem Hospital St. Antoine war einen Augenblick lang aufgegeben worden; er ward aber bald wieder besetzt. Die Ruhesidrer fluͤchteten nach allen Richtungen hin, und die Ordnung ward wiederhergestellt, ohne daß irgend ein Unfall zu bedauern war,“ Heute ist es in der Vor⸗ stadt St. Antoine vollkommen ruhig. Auch hofft man, daß die Unruhen auf dem Chatelet⸗ Platze sich heute Abend nicht wieder⸗ holen werden ö ö.

Seit einigen Tagen findet man auf mehreren Punkten der Hauptstadt Karrikaturen und Schmaͤhschriften gegen die Person des Königs angeschlagen. Es find viele Personen verhaftet wor— den, und man hofft, die Urheber jenes Unfugs zu ermitteln.

In einem hiesigen Journale liest man:? „Man hat gestern versucht, in ganz Paris ein Geruͤcht zu verbreiten, welches viel Sensation gemacht zu haben scheint. Wir wuͤnschen, daß es nur ein Mandver der Unruhestifter seyn moge; denn wenn die Nach⸗ richt wahr ware, so foͤnnte sie eine sehr große Gaͤhrung unter der Bevoͤlkerung hervorbringen, und dies muͤßte die Regierung in dem gegenwartigen Augenblicke der Krisis gm allen Dingen vermeiden. Es heißt nämlich, daß am 25östen d. M. die Registrirung in der Hauptstadt beginnen. soll. Bis jetzt. hatte man sich auf eine ein⸗ fache Zählung der Einwohner beschraͤnkt, und alle Welt. glaubte, daß Herr Humann darauf Verzicht geleistet habe, sein System in der Hauptstadt in Anwendung zu bringen.“

Die Königin soll während der beiden Letzten Tage ernstlich unwohl gewesen seyn, eine Folge der inneren Aufregung, in welche sie durch das Attentat gegen die Person ihrer Söhne versetzt worden war. Gestern Abend befand sich Ihre Majestaͤt wieder ohler. v . Geruͤcht von dem Tede des Herzogs von Bordeaux er⸗ haͤlt sich und gewinnt an Konsistenz, obgleich der Moniteur parifien gestern versicherte, daß keine offizielle Nachricht einge⸗ troffen sey, welche dies Gerͤcht bestaͤtige. (Vergl. den Boͤrsen⸗

Es befinden sich gegenwartig in dem Invalidenhause 3051 te Soldaten. Dieselben sind in folgende Kategorien getheilt:

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U / /

lington und Wyharncliffe, zwei

Blinde 154; beider Beine beraubt 12; mit einem Beine 313 beider Arme beraubt 9; mit einem Arm 226; vom Schlage ge⸗ lahmt 237; an Epilepsie leidend 12; geisteskrank 31 mit Nasen oder Kinn von Silber 8; lahm 133; mit erfrorenen Fuͤßen, waͤh⸗ rend des Russischen Feldzuges 28; mit gelaͤhmten Haͤnden 1321, mit verschiedenen Wunden 1205; Greise äber 70 Jahre 516 Greise uber 80 Jahre 37.

Die Memdiren der Madame Buchhandel erschienen.

Börfe vom 16. September. Boͤrse war das Geschaͤft sehr still. neuerdings das Gerücht von dem deaur, worauf die Renten um beinahe 45 Uhr. Ein Beamter des Ministẽrlums des Innern kommt so eben an die Börse und bestätigt die Nachricht von dem Tode des Herzogs von Bordeaux. Hierauf trat ein allgemeines Begeh⸗ ren nach Renten ein, und die Tourse stiegen in wenigen Minuten um 70 Cents. (Diese Nachricht bleibt unerklaͤrlich, da auf direk⸗ tem Wege uber Wien auch nicht die geringste Verschlimmerung in dem Zustande des hohen Kranken gemeldet worden ist. Zu vermuthen steht daher noch immer, daß Jene Trauer⸗Botschaft sich nicht bestaͤtigen werde.)

Laffarge find heute im

Zu Anfang der heutigen Um 2 Uhr verbreitete sich Tode des Herzogs von Bor⸗ „pCt. in die Höhe gingen.

Großbritanien und Irland.

London, 15. Sept. Bei einer Musterung der Bestandtheile des neuen Kablnets erinnert der Globe vorzuͤglich an Lord Stanley s und Sir James Graham's politische Wider spruͤche. Er mahnt sie daran, wle sie sich ihren Kommittenten gegenüber im Jahr 1834 aber ein Kabinet ausgesprochen, das dieselben Bestandtheile gehabt, wie das jetzige. Lord Stanley habe damals zu sagen beliebt: „Ich lehnte eine Stelle in dieser Verwaltung ab, weil ich ihr nicht das Vertrauen schenken konnte, daß sie nach den für die National-Wohlfahrt wesentlich nothwendigen Reform⸗ Grundsaͤtzen handeln wurde.“ Sir James Graham aber habe gesagt: „Man fragte mich, ob ich zu Sir Ro⸗ bert's Verwaltung Vertrauen hatte? Meine beste Antwort ist die Weigerung, an dem Kabinette Theil zu nehmen; noch mehr, meiner Ansicht nach ist die Zusammensetzung so schlecht als moglich, sie besteht aus lauter Leuten, deren Grund saͤtzen ich mein Lebenlang entgegen war.“ „Was laͤßt sich“, sagt das ge⸗ nannte Blatt, „von einem Kabinet erwarten, das, fruͤher verwor⸗ fen, nunmehr durch den Beitritt zweier Aposiaten verbessert wor⸗ den seyn soll? So haben wir denn zwei ehemalige Reformer, Graham und Stanley, zwei der bittersten Reform⸗Gegner, Wel⸗ Todfeinde Irlands, Lyndhurst und Haddington, in Peel einen angeblichen Verbesserer der Korngesceke 1nd in Buckingham einen Ustra-A:nhänger des Korn-Monopols. Wahrhaftig, Sir Robert, der Sber⸗Leibarzt des Staates, hat seine Universal Medizin aus den entgegengesetztesten Elementen gebraut.“

Unter den Reden, welche bei den bis jetzt bekannten Wieder⸗ erwaͤhlungen von Ministern oder Mitgliedern der Verwaltung ge⸗ halten worden sind, zeichnet sich die Rede des Ministers des In⸗ nern, Sir James Graham, an die Wähler von Dorchester haupt— saͤchlich durch ihre Ausführlichkeit aus. Er hob zunaͤchst hervor, daß erst jetzt, nach dem Berwaltungs-N Antritt des Peelschen Mi⸗ nisteriums, die Uebereinstimmung zwischen den drei Zweigen der Legislatur, Souverain, Pairs und Gemeinen, wieder ein— getreten sey, welche die Verfassung als eine Grundbedingung der Wohlfahrt des Volkes zu betrachten scheine. Er aäͤußerte die zuver⸗ sichtliche Hoffnung, daß die Meisterhand des neuen Premier⸗ Ministers dem wiederhergestellten Instrumente der Volks⸗ Wohlfahrt nur harmonische Toͤne zu entlocken wissen, daß er im Stande seyn werde, umfassende Reform⸗ Maßregeln unter Zustimmung aller drei Gewalten, in Ruhe und Frieden, ohne alle Agitation ins Werk zu setzen. Dann beleuchtete er kurz das Verfahren des Melbourneschen Ministeriums und suchte dar⸗ zuthun, daß man demselben mit Unrecht die gewichtigen Maßnah⸗ men zuschreibe, durch welche sich die letzten Jahre ausgezeichnet. Die Reformbill z. B. sey das Werk des Greyschen Ministeriums, die Bill wegen der Emancipation der Neger-Sklaven sey von Lord Stanley in Antrag gebracht, eben so sey die Maßregel wegen Auf⸗ hebung des Monopols, welches die Ostindische Compagnie im Thee⸗

handel mit China besaß, in dem Greyschen Ministerlum zunaͤchst in Anregung gebracht worden. Das Melbournesche Ministerium dagegen habe sich nur dadurch bemerklich gemacht, daß es außer Stande gewesen fey, die von ihm prejektirten und beantragten Maßnahmen ins Werk zu setzen; das habe sich durch nichts auffallender dokumentixt, als in seinem Benehmen in Betreff der Appropriations-Klausel, welche demselben noch dazu habe dienen mussen, es durch den Sturz des Peelschen Ministeriums ans Ruder zu bringen; eben so in seinem Verfahren in Bezug auf den Volks-Unterricht. Endlich machte Sir James Graham in Betreff der inneren Angelegen⸗ heiten dem NMelbourneschen Ministerium den Vorwurf, daß es fich immer mehr den Prinzipien der Radikalen und Chartisten zugewandt habe, und bezeichnete diesen Umstand als die Haupr— Ursache seines Sturzes. Nun ging er zu den auswaͤrtigen Ver⸗ haͤltnissen uͤber und erwahnte zunächst des Krieges mit China. Der Handel mit diesem Lande bringe den zehnten Theil der Staats-Revenüen ein, sey daher von der größten Wich⸗ tigkeit. Das vorige Ministerium habe in den Verhaͤlt⸗ nissen mit China gleich von vorn herein verkehrt gehandelt. Erst habe es eine starke Flotte abgesandt, um Genugthunng und Ent⸗ schaͤdigung zu verlangen, und sich, als diese verweigert worden. auf einen nichtssagenden Waffenstillstand eingelassen. Er seiner⸗ seits halte dafuͤr, daß das Interesse Englands es dringend erfor⸗ bere, die Differenzen mit Ching baldigst auf gütliche Weise defini⸗ tiv zu ordnen, aber es sey zu fuͤrchten, daß sich dieser Regulirun

mannigfache Schwierigkeiten in den Weg stellen würden,. Noc besorglicher außerte er sich uber die Mac Leodsche Angelegenheit und dersicherte unter Anderem, es gehbre Geschicklichleit von nicht ewoͤhnlichem Maße dazu, um jetzt einen Krieg mit den . Staaten zu verhindern. Endlich an Sir James Graham auf die finanzielle Lage des Landes und Erwähnte des Defizits von 7 Millionen, welches er als