1841 / 324 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

den die Augen verbunden und ich leistete den Eid in einem mir un bekannten Zimmer. Fr. Aus wie vielen Perfonen bestand die Gesellschaft, als ihr den Eid leistetet? Antw. Es waren unge— aͤhr 15 Personen; aber genau kann ich es nicht angeben, da man immer ab und zu ging. Fr. Wie lautete der Eid, den ihr ab legtet? Ant w. Ich mußte bei meinem Leben schwören, daß ich gegen die Regierung fechten wolle, um den Thron zu stürzen, ohne die Zahl der Feinde in Betracht zu ziehen. Es ward mir gesagt, daß mein Tod darauf staͤnde, wenn ich diese Bedingung nicht erfuͤllte. Da mir die Augen verbunden waren, und ich nicht sehen konnfe, ob diejenigen, die mir den Eid abnahmen, nicht vielleicht Dolche oder Pistolen in den Handen hat⸗ ten, so war ich gezwungen, ihn zu leisten, und mußte ihn wenigstens wanzig Mal wiederholen. Fr. Wurdet ihr nicht, nachdem der id geleistet war, mit einer besonderen That beauftragt? Antw. Nein. Fr. Wie oft nahmt ihr spaͤt an den Versammlungen Theil? Antw. ungefahr 18 oder 20 Mal. Ich arbeitete bei Moran und mein Weg führte mich voruͤber. Einer und der Andere rief mich hinein, und ich trank dann ein Glaͤschen. Es war nicht immer Versammlung, wenn ich hinkam. Der Wirth empting mich indeß immer gut, und eben so seine Frau, die mich nicht laune. Sie umarmte mich, als ob sie in mich verliebt ware, und mich schon hundert Jahre gekannt haͤtte. Fr. Wovon wurde ge wöhnlich in den Verfammlungen gesprochen? Antw. Von Verbrechen. Es war von nichts Anderem die Rede, als von Umsturz des Thrones, von Ermordung der Algenten der Regierung. kurz von Blutvergießen. Der National, das Jen rng du Peu ple und der Populgire wurden vorgelesen. Din letzteren hörte ich nur einmal vorlesen, da er nur in mongtlichen Lieferungen ere scheint. Man hielt auch das Comme r ee aber ich glaube, g war nur zum Schein. Fr. Wer schaffte jene Journale an? = An 4 w. Herr Eolombier. Fr. Wurden sie laut vorgelesen? Antw. Ja. (Nach einigen Fragen in Bezug auf die Beschaffenheit der vorgelese nen Artikel und auf die Details in Betreff der 3 Fractionen, welche man vereinigen wollte, naͤmlich der ouvriens egalitaires, der Reformisten und der Kommunisten, ward das Verhoͤr in folgender Weise fortgesetzt.) Fr. Wußtet ihr, daß das 171e Infanterie Regiment am 43ten in Paris einrücken würde? Antw. Nein. Fr. Wo erfuãhrt ihr es? Antw. Bei Colombier. Fr. Um welche Uhr kamt ihr an jenem Tage zu Colombier? Antw. Zwischen 8 und s uhr. Fr. Um welche Uhr entferntet ihr euch mit Waffen von dort? Antw. Das kann ich nicht genau sagen. Die Waffen wurden mir nicht bei Colombier gegeben, sondern in einem benachbarten Weinhause. Nachdem wir einen langen Weg zuruͤckgelegt hatten, traf ich mit Boucheron zusammen, und fruͤhstuͤckte mit ihm; wir ka men gleichzeitig mit dem Zuge bei der Thron Barriere an. Fr. Von da ab bliebet ihr mit Boucheron zusammen? Antw. Wir trenn ten uns nicht, bis ich verhaftet wurde. Fr. Zu welcher Zeit und an welchem Orte gabt ihr eine eurer Pistolen an Boucheron? Antw. Es war zwischen 107 und 107 Uhr, zwischen der Bgrriere Picpus und der Barriere Charrenton. Ich gab Boucheron das Pistol, welches er von mir verlangte. Bevor ich es ihm gab, bemerkte ich, daß die Ausduͤnstung meiner Brust das Pulver feucht gemacht habe. Ich spannte den Hahn, um zu sehen, ob er losgehen wuͤrde und schuͤttete noch etwas Pulver auf die Pfanne. Fr. Nachdem das Regiment in Paris eingeruͤckt war, verließet ihr es nicht mehr? Antw. Nein. Fr. Auf welcher Seite des Regimentes befandet ihr euch? Ant w. Als es in Paris einruͤckte, befand ich mich auf der entgegengesetzten Seite von der, wo ich Feuer gab. Nahe bei dem Posten von Montreuil sah ich Martin, der daselbst aufge stellt und beschaͤftigt war, seine Leute zu sammeln. Ich sagte zu ihm: „Also ihr greift nicht an?“ Er erwiederte: „Ich habe keine Befehle, hier den Kampf zu beginnen. Geh nach der Ecke der Rue Traversiere, dort ist die Versammlung; man wird das Regiment ohne Zweifel angreifen, ehe es auf der Vorstadt heraus ist.“ Ich lief nun nach der Rue Traversiere voran, und an der Ecke derselben fand ich Just, August und mehrere andere junge Leute, die am Mor gen in meinem Beiseyn Patronen erhalten hatten. Ich fragte, ob der Angriff gemacht werden wuͤrde, und Just erwiederte! Ja. Er fuͤhlte nach seinen Pistolen; mein Gefaͤhrte hielt die seinige unter seiner Blouse bereit, und ich hielt die meinige gespannt unter meinem Hemde. Just fluͤsterte mir zu: „Sieh! dorthin mußt du schießen!“ Ich feuerte sogleich mein Pistol nach jener Richtung hin ab; ich glaubte, alle Uebrigen wuͤrden dasselbe thun, aber sie ließen mich in der Patsche sitzen und liefen davon, die Spitzbuben! Fr. Gebet genguer die Stellung der Personen an, welche in eurer Naͤhe waren. Antw. Boucheron stand zu meiner Rechten; ich sah genau, wie er das Pistol in die Hand nahm; hoͤchst wahrscheinlich fehlte ihm der Muth, es abzuschießen; er ließ das Pistol fallen, er war gescheuter als ich. Fr. Wer stand zu eurer Linken? Antw. Just, August und eine Menge junger Leute, denen Patronen gegeben worden waren. Fr. Wie viel Personen befanden sich ungefaͤhr dort, von denen ihr glaubtet, daß sie gleichzeitig mit euch schießen wurden? Ant w. Vielleicht 60, vielleicht mehr. Fr. Wurde nicht, bevor ihr schosset, rings um euch her Geschrei erhoben? Antw., Ja; sie riefen: Es lebe das 17te Regiment! Nieder mit den Prinzen! Nieder mit der Koͤniglichen Familie! Nieder mit Guizot! Fr. Stimmtet ihr selbst nicht mit in jenes Geschrei ein? Antw. Ich weiß es nicht; wenn ich mich dessen erinnerte, so wuͤrde ich es sagen, denn es ist mir sehr daran gelegen, daß meine Aufrichtigkeit nicht bezweifelt werde. Ich weiß, daß ich strafbar bin, daß ich mich durch jene Leute habe verleiten lassen; aber wie konnte ich es andern? Ich vertraute Maͤnnern von begruͤndetem Rufe, die mich nicht einmal warnten, daß ich Unrecht thaͤte. Fr. Wer waren diese Maͤnner von begruͤndetem Rufe, von denen ihr spracht? Antw. Ich ar beitete 14 Tage bei dem Fourniturhaͤndler Mouton. Dieser schien großen Antheil an der Gesellschaft zu nehmen; er sprach oft davon und fragte mich, wann ich den Angriff machen wuͤrde. Ich erwiederte, daß er wohl wisse, wie wir, die den Angriff zu machen haͤtten, nicht fruͤher als 2 Stunden vorher davon in Kennt niß gesetzt werden wuͤrden. Er meinte darauf, daß es nicht mehr lange dauern wuͤrde, denn Alles ginge gut; vor 2 Monaten waͤren wir unserer nur 15000 gewesen, und hatten unsi etzt schon auf 25000 vermehrt. Bei dieser Gelegenheit war die Rede von einer St. Bar tholomaͤusnacht, in der alle Beamten niedergemetzelt werden sollten. Wenn Herr Mouton mir guten Rath gegeben, wenn er mir nur ein Wort gesagt haͤtte, um mich abzuschrecken, anstatt mich zu ermun tern, oder mich aufzureizen, so wuͤrde ich mich zuruͤckgezogen haben, und ich würde jetzt nicht hier seyn. Herr Mouton bot mir selbst sein Gewehr an, fails ich davon Gebrauch machen wolle, und sein Vetter wollte mir ein kleines Pistol fuͤr 7 Fr. verkaufen; ich lehnte dies aber ak und sagte, daß ich weit bessere Waffen umsonst haben konnte. —Fr. Ihr habt gesagt, daß ihr nicht gewußt haͤttet, daß sich der Herzog von Aumale an der Spitze des Regimentes be? finden wurde. Da ihr aber dgs Regiment von der Thronbarriere an bis zu dem Orte, wo ihr das Pistol abschosset, begleitet habt, fo mußt ihr doch den Ruf: Ez lebe der Herzog von Aumale, gehort haben? Antw. Ich war in einem solchen Zustande der Aufregung, daß ich gar nichts hoͤrte. Wenn ich kalt genug gewesen wäre, üm an den Herzog von Aumale zu denken, so würde ich noch an Andere ge dacht haben, die mir naͤher standen, an mein Weib, an mein Kind. Wenn ich an diese gedacht hatte, so wurde ich nicht gethan haben, was ich that. Ich beklage es; aber es ist jetzt zu spaͤt. Wer ins Elend stuͤrzen soll, geht nicht, sondern er laͤuft dem Abgrunde ent— gegen. (Fortsetzung folgt.)

X Paris, 15. Nov. Die Englischen Journale, welche nicht aufhoͤren, die angeblich , ,. Absichten zu tadeln, welche die Franzoͤsische Polltik in den Spanischen Angelegenheiten verfolge,

iebt dem Journal la Presse zu einem bemerkenswerthen Arti el Anlaß. Da dieses Blatt die Tendenzen unserer jetzigen Re— gierung unterstuͤtzt und, nach der Meinung Vieler, sogar ihr Or— gan ist, so will man die hierin ausgesprochenen Ansichten als eine

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Art von politischem Glaubensbekenntniß ansehen, welches das Ka— binet fuͤr noͤthig gefunden habe, vor dem Publikum abzulegen. Naͤchstdem, daß darin fuͤr die Gegenwart alle „ehrgeizigen“ Ab— sichten auf Spanien auf das bestimmteste aufgegeben werden, wird angefuͤhrt, daß sich Frankreich auch fruher schon, selbst unter viel guͤnstigeren Umständen, derselben enthalten habe. Noch heute macht namlich ein der Thiersschen Partei angehöͤriges Blatt dem Kabinet vom 15. April den Vorwurf, daß es durch das Unterlas— sen der Intervention in Spanien die so guͤnstige Gelegenheit vor— äbergehen ließ, sich die constitutionelle Partei in dem genannten Lande zu verbinden, dieselbe Partei, die Frankreich heute zu Fein— den habe. Doch hat der Graf d'Angeville diesen Gegenstand in seinem Buche „uͤber die Politik des Kabinets vom 1. März“ hin— länglich besprochen und nachgewiesen, warum Frankreich damals unter den obwaltenden, obwohl guͤnstigen, Umständen die Inter— vention unterlassen habe. Was aber die in der Gegenwart zu befolgende Politik Frankreichs, Spanien gegenuͤber, betrifft, so ist sie in dem genannten Blatte als diejenige angegeben, „welche einer großen Macht geziemt, die, aufmerksam gemacht durch tobende Herausforde— rungen und boͤse Absichten, sich schlagfertig macht, um sich in dem Falle, wo man es von den Drohungen zu Thaͤtlichkeiten kommen ließe, die noͤthige Achtung zu verschaffen.“ Hiermit wird die Noth— wendigkeit einer Observatiens-Armee an den Pyrenäen darge— than. Da man ferner zur Einsicht gelangt ist, daß die Politik Englands Frankreich, durch die letzten Spanischen Ereignisse, eben so viele Verlegenheiten bereitet hat, als im Juli 1840, wo es zu jener ungluͤcklichen Isolirung gebracht wurde, so ist in dem ange— fuͤhrten Artikel eine vollkommene Resignation auf eine Britische Allianz fuͤr Gegenwart und Zukunft ausgesprochen, worauf die Continental-Verbindung wieder als die allein fuͤr Frankreich heil— same hervorgehoben wird. Nun ist es aber vom Anfang an, nach den stuͤrmischen und gefaͤhrlichen Bewegungen, welche die Regierung vom 1. Maͤrz hervorrief, die Tendenz unseres gegen— wärtigen Kabinets gewesen, nach innen die Politik der Friedigung des Landes und nach außen die der Continental-Verbindung zu befolgen, wobei es besonders ein aufrichtiges Anschließen an Deutschland beabsichtigte. Daher will man, wie gesagt, die in diesem Journale sgethanen Aeußerungen dahin deuten, daß man sie gewissermaßen als eine Art von politischem Glaubensbekenntniß von Seiten des Kabinets anzusehen habe, das um so mehr fuͤr noͤthig hält, diese seine Haupttendenz auszusprechen, als, durch die letzten Spanischen Ereignisse, der Glaube an dieselbe in dem Auslande einigermaßen erschuͤttert sein duͤrfte.

Grosibritanien und Irland.

London, 16. Nov. Die beiden letzten Buͤlletins aus dem Buckingham-Palast lauten folgendermaßen: „15. Nov. Die Ge— nesung Ihrer Majestaͤt schreitet ununterbrochen vorwärts. Der junge Prinz befindet sich fortwaͤhrend wohl.“ „16. Nov. Ihre Majestàaͤt und der junge Prinz befinden sich fortwaͤhrend wohl. Wenn keine Aenderung in ihrem Befinden eintritt, so wird bis Donnerstag fruͤh kein Buͤlletin ausgegeben werden.“ Nach dem vorgestrigen Buͤlletin aus Sudbury-Hall hatte Ihre Majestaͤt die verwittwete Königin eine bessere Nacht gehabt und befand sich am Sonntag etwas besser; nach dem gestrigen hatte dieselbe auch in der folgenden Nacht wieder gut geschlafen, die Krankheits— Symptome blieben aber im Wesentlichen unverandert.

Prinz Albrecht hat dem Staats-Secretair fur die inneren Angelegenheiten die Mittheilung gemacht, daß die Königin bei Ge— legenheit der Geburt des Thronfolgers den Beschluß gefaßt habe, allen wegen politischer Vergehen gefaͤnglich eingezogenen, so wie allen wegen anderer leichterer Vergehen verhafteten Individuen, welche sich waͤhrend der Dauer ihrer Gefangenschaft durch gute Auffuͤhrung ausgezeichnet haben, Begnadigung zu Theil werden zu lassen.

Der Globe meint, so wie man den Titel „Prinz von Wales“ urspruͤnglich gewaͤhlt habe, um die nach Wallis zuruͤckgedrängten alten Britanen zu versoͤhnen, so ware es jetzt wohl passend, dem Kronprinzen den Namen „Prinz von Irland“ beizulegen, damit er das verknuͤpfende Band ewiger Freundschaft zwischen England und Irland wuͤrde.

Es scheint noch nicht ausgemacht zu seyn, was fuͤr einen Na men der neugeborne Prinz erhalten soll; Einige glauben, er werde Wilhelm Albrecht getauft werden.

Es hat sich wieder einmal ein Wahnsinniger gefunden, der mit Gewalt in den Buckingham-Palast eindringen wollte, und zwar, wie er selbst sagte, um der Koͤnigin nach dem Leben zu trachten, weil Ihre Majestaͤt einen seiner Bruͤder habe enthaupten lassen, der König gewesen sey und Anspruch auf den Britischen Thron gehabt habe. Der Üngluͤckliche heißt Charles Man, ist 27 oder 28 Jahre alt und von anstaͤndigem Aeußeren; er glaubt die drei Königreiche England, Schottland und Irland mit einan— der vereinigt zu haben und unter dem Einfluß eines Geistes zu stehen, dem er nicht Widerstand zu leisten vermoͤge. Gestern machte er den Versuch, sich mit einer Schachtel unter dem Arm, in welcher er die Unterschrift seines Bruders „König Rex“ zu haben behauptete, in den Palast zu schleichen, wurde aber ergriffen und nach dem Polizei⸗Amt von Bow-Street gebracht, wo man auf der Stelle bemerkte, daß er ganz von Sinnen sey; er wird unverzuͤglich nach dem Irrenhause von Bedlam abgefuͤhrt werden.

Die Times meldet, daß Capitain Boldero, Secretair des Artillerie⸗‚Departements, von dem Gewehr-Inspektor Lovell beglei— tet, Birmingham besucht habe, um mit den dortigen Waffen-Fa— brikanten Kontrakte fuͤr Flinten-Lieferungen abzuschließen, welche die jetzt nur zu 100,009 Stuͤck angegebenen, beim Towerbrande vernichteten Gewehre ersetzen sollen. Das genannte Blatt meint, pekunlaͤr sey dieser Verlust zwar sehr zu beklagen, der Dienst aber gewinne dadurch, indem blos Perkussions-Gewehre, die dreimal so theuer sind, bestellt werden sollen.

Der United Service Gazette zufolge, waͤren in den ab— gebrannten Tower-Gebaͤuden nur fuͤr 186,600 Pfd. St. Waffen aufbewahrt gewesen; hiervon seyen fuͤr 10, 900 Pfd., namlich 5609) Perkussions-Flinten, gerettet, es bliebe also noch ein Verlust von 176,300 Pfd., dazu etwa 50,000 Pfd. an Kosten fuͤr die Wieder— Auffuͤhrung der abgebrannten Gebaͤude gerechnet, so wuͤrde der Gesammt-Betrag des Schadens sich nur auf 226,600 Pfd. St. belaufen.

Der neue Stempel, welcher auf die von der Schatzkammer als echt verifizirten Schatzkammerscheine gesetzt wordenßist, scheint noch nicht genugt zu haben, um das Vertraͤuen des Publikums ganz wieder , , Man verlangt noch eine weitere Ga— rantie fuͤr die Echtheit der Scheine, als sie in dem leicht nachzu⸗ machenden Stempel liegt. Wie es scheint, wuͤnscht man zu diesem Behufe in der City allgemein die Einrichtung eines permanenten Buͤregus, wo man zu seder Zeit die Schatzkammerscheine 8erist ziren lassen koͤnnte, und glaubt, daß nur durch eine solche . regel das Vertrauen des Publikums vollkommen fest wieder zu be gruͤnden sey. . Lord

Der Staats-Secretair der auswaͤrtigen Angelegen hel ewe a or Aberdeen, hat dem Ober⸗-Befehlshaber der Armee unterm Zten d.

gemeldet, daß die Regierung beabsichtige, die Britischen Detasche⸗ ments unverzüglich aus Syrlen zurückzuberufen, welche Gelegenheit er benutzt, die Zufriedenheit der Regierung mit dem Benehmen der Offiziere und Mannschaft in jenem Lande zu bezeugen.

Ueber den Empfang Mac Leod's in Montreal, der Haupt⸗ stadt von Kanada, meldet der dortige Montreal Herald im Wesentlichen: „Herr Mac Leod traf am letzten Sonnabend auf dem Dampfschiffe „Victoria“ hier ein. Obgleich er seine Reise von Utica ganz inkognito gemacht hatte, weil seine Freunde die Anwendung des Lynchgesetzes gegen ihn fuͤrchteten, so reichte doch die kaum eingetroffene Nachricht von seiner bevorstehenden An— kunft hin, eine große Anzahl seiner Landsleute zu versammeln, die ihn mit herzlichem Willkommen begrüßten. Bei der Landung draͤngte sich, trotz der zur Verhuͤtuug von Unordnungen zahlreich aufgestellten Polizei, Alles heran, um ihm die Hand zu reichen und Gluͤck zu seiner Freilassung zu wuͤnschen. Sein Gang nach Rasco's Hotel glich inmitten der dichten Massen, welche jubelnd die Huͤte und Taschentuͤcher schwenkten, einem wahren Triumph— zuge. Herr Mac Leod, der bleich und angegriffen aussah, schien uͤber die ihm erwiesenen Ehrenbezeigungen fast verlegen. Er will am näͤchsten Donnerstage nach Ober-Kanada abgehen, und deshalb soll ihm am Mittwoch vorher noch ein oͤffentliches Fest— mahl gegeben werden.“ Die Zeitungen von Montreal zeigen Mac Leod's Freisprechung mit großer Zufriedenheit an, scheinen aber ihre Erbitterung gegen die Vereinigten Staaten noch nicht aufgeben zu koͤnnen. Sie behaupten, daß der Ausspruch einer Jury die Amerikanische Regierung nicht der Verantwortlichkeit gegen Großbritanien fuͤr die, einem seiner Unterthanen zugefuͤgte Schmach und Gewalt entbinden koͤnne. Dagegen sagen die Ame⸗ rikanischen Einwohner der Grafschaft Vermont, daß es mit Gro— gans Zuruͤcksendung nicht genug sey, und daß die Regierung zu Washington Genugthuung von der Englischen und Bestrafung der bei seiner Aufhebung betheiligten Individuen fordern muͤsse. Ein New-Yorker Blatt meint, daß die beiderseitigen Regierungen wohl verstaͤndiger seyn wuͤrden, als die Redacteure zu Montreal und die Einwohner von Vermont.

Aus dem am Sonnabend publizirten Status der Bank von England geht hervor, daß der Werth der in Umlauf befindlichen Noten der Bank 17,272,000 Pfd. betragt, d. h. 320,000 Pfd. weniger als bei der letzten Aufmachung, die vor einem Viertel jahre statthatte. Die in der Bank befindlichen Baarschaften be laufen sich auf 4,191,000 Pfd., d. h. 222,000 Pfd. weniger als in dem eben erwähnten Zeitpunkte.

Zu Liverpoecl ist nicht allein der Mayor aus der konservati ven Partei gewaͤhlt worden, sondern auch die unlaͤngst dort ge waͤhlten acht Aldermen gehoren dieser Partei an, die nun doch bei den letzten Munizipalwahlen die Oberhand zu haben scheint.

Da bei der schon gemeldeten neuen Prorogirung des Par laments die Worte, „zur Erledigung verschiedener dringender Ge— schaͤfte“ bei dem Termin, an welchem es sich danach versammeln sollte, weggeblieben sind, welche jedesmal hinzugesetzt werden, wenn das Parlament wirklich zusammenberufen werden soll, so kann man als gewiß annehmen, daß im Dezember eine nochmalige Pro rogirung erfolgen wird.

Hiesige Blaͤtter sprechen die Zuversicht aus, daß das Mi nisterium die jetzige Oeffnung von Paraguay fuͤr das Ausland nicht unbenutzt lassen und unverzuͤglich Handelsverbindungen und diplomatischen Verkehr mit diesem Lande anknuͤpfen werde.

Durch die jetzige Vollendung der Telegraphen-Linie zwischen London und Dover wird der Verkehr mit Paris außerordentlich beschleunigt, indem eine Nachricht aus London in 18 bis 20 Se kunden nach dem etwa 15 Deutsche Meilen entfernten Dover und von Calais in verhaͤltnißmaͤßiger Schnelle nach Paris gelan gen kann.

Sir Stratford Canning und Sir R. Gordon, die neuen Gesandten in Konstantinopel und Wien, sind erst am Donnerstag von hier nach Paris abgegangen, um sich von dort nach ihren Bestimmungen zu verfugen.

Der Adoptivsohn des Commodore Napier, der bisherige Com mander Napier, ist zum Capitain befoͤrdert worden und wird ein Kommando auf der Flotte in China erhalten.

Lord Abinger will sich, wegen geschwaͤchten Gesundheits-Zu ten wir man es, daß dann Sir W. Follett, der General-Fiskal, in die Stelle des Letzteren einruͤcken werde; wer aber zum General-Fiskal bestimmt ist, weiß man noch nicht.

Belgien.

Brüssel, 17. Nov. Der Koͤnig empfing gestern eine Depu tation der Repraͤsentanten-Kammer, welche ihm deren Adresse, als Antwort auf die Thronrede uͤberreichte. Der König erwiederte darauf: „Meine Herren! Die Uebereinstimmung der Ansichten der großen Gewalten des Staates ist eine Gewaͤhr der oͤffent lichen Sicherheit und des Gedeihens. Ihre Adresse beweist Mir, daß wir diese kostbare Buͤrgschaft besitzen, und Ich freue Mich dessen mit Ihnen, Meine Herren. Lebhaft sympathisire Ich mit den Ideen der Eintracht, Maͤßigung und Unparteilichkeit, die Sie so edel ausgesprochen, und indem Sie Meinen Gedanken auf den Zeitpunkt zuruͤcklenkten, wo Mich Belgiens Wunsch in Ihre Mitte berief, haben Sie Erinnerungen aufgefrischt, welche Mir immer theuer seyn werden. Ich danke Ihnen dafür, mein Herren, eben fo wie fuͤr die loyale Mitwirkung, deren Sie Mich versichern.“

Schweden und Norwegen.

Stockholm, 12. Nov. „Aftonbladet? berichtet, daß die Jury nach 1*2stuͤndiger Berathung 9 ö Strauß'schen Druck— schrift den Angeklagten freigesprochen. ha . 1 ;

Nachdem die Revisoren der Reichsstände ihre vorbereitenden

komité's geschlossen hatten, haben sie

Diskussionen in mehrere 3. sich jetzt in pleno ver sammelt.

Deutsche Bundesstaaten.

München; 16. Nov. (A. 3.) Die Klage uͤber den Hin tritt der heißverehrten Koͤnigin Karoline verdraͤngt jedes andere

In tereffe des Tages. „Die Verstorbene war eine der edelsten Frauen ihrer Zeit, so viele Herzensguͤte hat sich wohl selten mit hoher Geistesbildung vereinigt. Das Leichenbegaͤngniß findet, wie man glaubt, Donnerstag 1 ühr Nachmittag statt. Der Zug geht von der Maxburg aus durch die weite Gasse, Kaufinger- Wein-, Theatinerstraße an die Stiftskirche zu St. Cajetan, ünter Para— dirung der Garnison, dem Geläute der Glocken und Abfeuerung von 101 Kanonenschuͤssen. Se. Majestaͤt der Koͤnig folgen der Bahre. Von morgen an wird die Leiche auf dem Paradebette ausgestellt.

Ihre Königl. Hoheit die Frau Herzogin Louise hat seit dem Tode der Königlichen Mutter felbst das Bett huͤten mussen, und

in der gestrigen Nacht erregte das Befinden derselben sogar Be— sorgnisse. Bekanntlich ist die Frau Herzogin erst vor kurzem ent— bunden worden.

Oesterreich.

X Wien, 16. Nov. Der Hof ist heute durch die aus Muͤnchen eingetroffene Nachricht von dem daselbst erfolg— ten Ableben Ihrer Majestäͤt der verwittweten Königin von Bayern in die tiefste Betruͤbniß versetzt worden.

Der diesseitige Gesandte und bevollmächtigte Minister am Kbͤniglich Bayerischen Hofe, Graf von Colloredo, ist hier einge⸗ troffen.

Die neueste Post aus Konstantinopel vom 3ten d. M. bringt wenig Erhebliches. Der ehemalige Großwesir Ehosrew Pascha, welcher bisher zu Rodosto im Exil lebte, hat von Sr. Ho— heit dem Sultan die Erlaubniß erhalten, nach Konstantinopel zu— ruͤckzukehren und den Rest seiner Tage in seinem Landhause zu Emerghian am Ufer des Bosporus zu verleben.

Italien.

Nom, 9. Nov. (A. 3.) Die gefaͤngliche Einziehung des apostolischen General-Vikars in Bombay hat hier großes Auf se⸗ hen erregt und man erzaͤhlt sich fuͤr gewiß, Monsignore Capaccini werde auf seiner Reise nach Lissabon London besuchen, um dessen Befreiung zu erwirken. Die Verhaftung des General-Vikars, der den Ruf eines frommen und biederen Mannes genießt, soll in Folge der feindlichen Intriguen des dortigen schismatischen Bischofs erfolgt seyn, aber man hofft, die Englische Regierung werde sich eben so gerecht und billig zeigen, wie vor kurzem bei der Be— freiung des Vikars von Gibraltar, Mons. Hughes.

Man sagt, nach der Abreise des Monsignore Capaccini aus dem Haag werde einstweilen der Monsignore Ferrei den Geschaͤf⸗ ten in jener Stadt vorstehen, wahrend der Abbate Vizzardelli den Praͤlaten uͤber London nach Lissabon begleiten werde.

Der Senator von Rom, Fuͤrst Orsini, hat auf den Posten eines General-Kommandanten der vor kurzem neu organisirten Buͤrgergarde resignirt: an seiner Stelle ist Fuͤrst P. Gabrielli,

Oberst der Kavallerie, ernannt.

Florenz, 10. Nov. Es ist jetzt ein offizielles, nach den verschiedenen Staaten alphabetisch geordnetes Verzeichniß der Gelehrten erschienen, die bei dem letzten Italienischen Gelehrten Kongresse hier anwesend waren. Demnach befanden sich hier aus Nord-Amerika 3, Baden 2, Bayern 1, Belgien 1, Böoͤhmen 1, Brasilien 1, Corsika 1, England 24, Frankreich 36, Frankfurt am Main 1, Griechenland 1, Jonische Inseln 2, Irland 1, Lombardei und Venedig 941, Lucca 21, Modena 8, Oesterreich 1, Parma 15, Polen 1, Paͤpstliche Staaten 32, Preußen 8, Ruß land 4, San Marino 1, Sardinier 88, Sachsen-Koburg⸗Gotha U, Schottland 2, Sicilien und Neapel 11, Spanien 4, Schweden 2, Schweiz 7, Toskana 509 und aus Ungarn 1.

Spanien.

Mꝛadrid, 8. Nov. Die Hofzeitung veröffentlicht in ih rem offiziellen Theile ein aus Madrid vom ten datirtes und an saͤmmtliche politische Chefs des Königreichs gerichtetes Cirkular des Ministers des Innern. Es wird darin mit der ganzen Strenge der Gesetze jeder öffentliche Beamte bedroht, der unter irgendwelchem Vorwande da, wo seine Autoritaͤt allein gesetzliche Geltung habe, eine Störung der Ordnung zulassen wurde. Die— ser Erlaß hat hauptsaͤchlich Bezug auf die Juntas von Barcelona und Valencia, welche die Regierung noch nicht offen anzugreifen wagt. Dasselbe Blatt publizirt ferner ein Cirkular des Kriegs⸗ Ministers, vom 7Ften di, das die Kommission ernennt, welche die Anspruche von Individuen der Armee, der National- Miliz und des Civilstandes auf die durch das Dekret vom 1X. Oktober den Kaͤmpfern vom Tten desselben Monats bewilligte Decoration pruͤ fen soll. Die Namen dieser Individuen sollen in den offiziellen Theil der Hofzeitung eingeruͤckt werden. .

In dem nicht offiziellen Theil der Höofzeitung lest man folgende wichtige Nachricht: „Sobald man in den Provinzen Valencia, Alicante und Badajoz die Gaceta vom letzten 30. Ok tober erhielt, worin das vom 27sten des naͤmlichen Monats da tirte Dekret Sr. Hoheit des Regegten des Königreiches enthalter war, welches verordnete, daß die in einigen Provinzen aus Anlaß der neulichen Ereignisse gebildeten Junten sich aufloͤsen und sich keine Junten in anderen Provinzen bilden sollen, beeilten sich die Junten der obengenannten Provinzen, sich diesem Befehle zu un terwerfen, und die constitutionellen Behörden traten wieder in sammtliche Functionen ein, die das Gesetz ihnen uͤbertragen.“

Es heißt, der Brigadier Norzagaray, welcher von dem Kriegs gericht wegen Theilnahme an dem Attentate vom 7. Oktober zu lebenslaͤnglicher Galeerenstrafe verurtheilt wurde, sey in Valde— penas, als man ihn durch diese Stadt transportirte, von dem Volke ermordet worden; seine nur schwache Eskorte habe vergeb— liche Anstrengungen gemacht, ihn zu retten.

Die militairischen Executionen scheinen doch noch nicht ganz

aufhoͤren zu sollen. Morgen um ein Uhr werden zwei von den vier Offizieren des Regiments der Prinzessin, die von dem Kriegs gerichte zum Tode verurtheilt worden, vor dem Thore von Bil— bao erschossen. Ihren zwei Mitschuldigen hat der Regent die Todesstrafe erlassen und diese in lebenslaͤngliche Galeerenstrafe umgewandelt. Die Hinrichtung des alteren Fulgosios ist wegen des besorglichen Zustandes, worin sich seine Mutter besindet, auf⸗ geschoben worden. Wahrscheinlich wird auch seine Strafe um— gewandelt werden. Die heute eingetroffenen Berichte aus Andalusien lauten ganz beruhigend. Zu Malaga, Sevilla, Granada und Cordova hatten sich keine Junten gebildet. Es erfreuten sich diese S taͤdte fort⸗ während der vollstaͤndigsten Ruhe. Das gleiche vernimmt man aus Aragonien, den beiden Castilien und der Mancha.

Barcelona, 8. Nov. Die Aufsichts- und Sicherheits— Junta hat unterm Tten abermals eine Proclamation erlassen, wo⸗ nach den 3Zten entschieden worden, daß fortan blos eine Kommis— sion zur Bewachung der Niederreißungs-Arbeiten der Citadelle be— stehen soll. Die fruͤheren Behörden werden wiederhergestellt. Schon seit 1794 hegte man in Barcelona den Wunsch, die Cita— delle niedergerissen zu sehen. Der Constitucional selbst waͤnscht, daß der regelmäßige Gang der Gesetze wiederhergestellt werde. Nichtsdestoweniger hat van Halen den Sten seinen Einzug noch nicht in Barcelona gehalten.

O Madrid, 5. Nov. Der Spanische Gesandte in Paris hat an seine Regierung berichtet, er habe von der Franzoͤsischen Aufklärungen verlangt uͤber die Veranlassung der Annäherung einiger Franzbsischen Truppen-Corps an die Spanische Graͤnze, und zur Antwort erhalten, daß der Grund dieser Maßregel in den in Barcelona stattfindenden revolutionairen Bewegungen zu

suchen sey. Diese Erklarung hat der hiesige Minister-Praͤsident

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wenig befriedigend gefunden, und er stellt ihr die Frage gegen uͤber, ob etwa die Spanische Regierung in Folge der in Teulouse und Clermont ausgebrochenen Emeuten Truppen an die Franzoͤsische Graͤnze geschickt haͤtte? Die Analogie beider Faͤlle ist so schlagend, daß selbst der gewandteste Franzosische Staatsmann nichts auf diese Frage zu erwiedern wissen wird! Auch ist dem hiesigen Ka— binette der kriegerische Muth so sehr gewachsen, daß es gestern in seinem anerkannten Organe, dem Espectador, einen Artikel verbffentlicht, aus welchem ich Ihnen Folgendes mittheile. Nach⸗ dem mit großer Heftigkeit die Behauptung aufgestellt worden ist, daß die setzt unterdruͤckte Bewegung zu Gunsten der Köoͤnigin Christine von dem Franzoͤsischen Kabinet ausgegangen und unter— stuͤtzt worden sey, stellt der Artikel den Satz auf, die Franzosischen Truppen ruͤckten an die Spanische Gräͤnze, um die Hoffnung der gefallenen Partei neu zu beleben, und aus Spanien eine Franzobͤ— sische Provinz zu machen. Dann heißt es: „Wir glauben mit Bestimmtheit, daß diese eitle Aufstellung Franzoͤsischer Truppen so nahe an unseren Gränzen nicht mehr Wirkung haben werde, als die Anrede des Papstes, die Manifeste Christinen's, und als die eben so schnell niedergeworfene als aufgestellte Fahne derjeni— gen, welche sich die Ritter jener Fuͤrstin nannten. Die bewaffnete Franzbsische Intervention ist bei uns so unmöglich, wie die mo— ralische, wie die politische Intervention. In diese Interven— tion wird Europa nie einwilligen; vor Allem werden wir Spanier nicht darin einwilligen. Um diese Intervention zuruͤck— zuweisen, besitzen wir alle nothwendigen physischen und moralischen Mittel. Man wird uns nicht interveniren, nein. Ludwig XIV. sagte: Keine Pyrenäen mehr. Jeder echte Spanier wird in seinem Hause als Wahlspruch haben . . . . Pyrenäen und Pyrenäen! und wir wissen warum.“ . Waͤhrend so die Spanische Regierung die Franzoͤsische Inter— vention zuruͤckweist, indem sie voraussetzt, daß den Europaͤischen Kabinetten daran gelegen sey, die Spanische Revolution unge hemmt ihren Lauf entfalten und ihre Funken in den jenseits der Pyrenäen aufgehäͤuften Brennstoff schleudern zu lassen, gehen die Spanischen Patrioten einen Schritt weiter. Mit dreister Stirne verkuͤndigen sie dem Juli-Throne Krieg und Untergang. Ihre Excellenz die hoͤchste Sicherheits-Junta von Barcelona richtete am 29sten v. M. an die Spanier einen Aufruf, in welchem sie die glorreiche Schleifung der gegen die Stadt gerichteten Seite der dortigen Citadelle verkuͤndigt, und folgende Worte hinzufuͤgt: „Moͤge immerhin der Monarch an der Seine sich an dem An— ick jenes stolzen Berges (es ist der Mont Valérien gemeint) z der den Verletzungen der Charte das Siegel aufdruͤcken,

und die Herrschaft der neuen Dynastie sicher stellen soll. Tau— tausend Arme werden naͤchstens sich erheben, und das Werk wird zerstoͤrt werden, und vielleicht wird auch eine Krone dem Staub und Schutte begraben bleiben.“ Ich bemerke Ihnen, daß diese Worte nicht blos von der Junta, dem Ayuntamiento und der Provinzial-Deputation, son— dern auch von dem Intendenten der Regierung unterzeichnet und in die hiesigen ministeriellen Blätter eingerückt worden sind. In Valencia fand bei Gelegenheit der Errichtung der Junta

am ssten eine Festmahlzeit staͤtt, welcher der hoͤchste Militair-Be— sehlshaber, die Behörden, Chefs der National-Miliz beiwohnten. Bei dieser Gelegenheit brachte, wie der Espectador von heute berichtet, der Bruder des Marine-Ministers folgenden Toast aus: „Auf das Wohl der Spanischen Armee und der National-Miliz, damit sie als eine Masse unter dem Herzoge de la Vitoria die Constitution von 1837 und den Thron Isabella's II. zur Fahne

send und

nehme, und den Despoten und Tyrannen Europa's gegenuͤberge— tellt, ihnen darthue, daß die vollstaͤndige Freiheit und die Na tional-Unabhaäͤngigkeit dieser hochherzigen Nation fuͤr immer ge— sichert seyen.“ Ein Offizier der Miliz brachte darauf folgenden Spruch aus: „Auf das Wohl des Tages, an welchem

t der Tyrannen trinken, wie den Wein die⸗ ses Glases.“ Dann erhob ein Major seine Stimme: „Auf die schnelle Errichtung der reinen Demokratie! moͤge das hoͤchste We sen den König der Barrikaden recht bald zu sich abrufen!“

Die Junta von Alicante sagt in einem Aufrufe v 9. v. M. unter Anderem; „Einige Verraͤther haben ihr Verbrechen auf dem Schaffot gebuͤßt: viele andere erwartet dasselbe Schick sal. Sollte aber Gold oder Einfluß des Ausl hinreichen, um neue Unvorsichtige zu verfuͤhren, dann, Buͤrger, muͤssen wir jede Ruͤcksicht verbannen, wir muͤssen der Geschichte ein furchtba— res, blutiges Blatt vermachen.“

Gesinnungen der feindlichsten Art werden auf diese Weise durch die Organe der Regierung, wie durch die herrschende Partei, in Masse gegen das Ausland ausgesprochen. Und welchen Weg schlagt nun die Regierung ein, um sich in die Lage zu versetzen, sene Gesinnungen zur That verwirklichen zu koͤnnen?

Die Armee ist allerdings in großer Eile an die Nord Gränze gezogen worden. Zwei Regimenter aus Galicien kamen am 2Aten in Burgos an, und werden jetzt bereits in Alava eingeruͤckt M. l

wir das Blu

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seyn. Von Valencia gingen am 30sten v. gerungs-Geschuͤtze, zwei Moͤrser und uͤber hundert Wagen mit Pulver, Kugeln u. s. w. ab, um sich uͤber Logronio in die Nord Provinzen zu begeben. Dreißig andere schwere Geschuͤtze werden von Valencia dorthin nachfolgen. Die in den Nord-Provinzen aufgestellten Truppen sind in zwei Armee-Corps getheilt, von denen das eine in Navarra unter die Befehle des dortigen Gene ral-Capitains Ayerbe, das andere in den Baskischen Provinzen unter die des Generals Alcalä gestellt ist. Dagegen haben die Truppen, die aus Andalusien bereits nach Castilien marschirten, Befehl erhalten, nach Sevilla und Cadix zuruͤckzugehen, vermuth— lich, weil man ihre Anwesenheit dort fuͤr nothwendig haͤlt. Ebenso ist die Division des Generals van Halen, die auf dem Wege nach Navarra begriffen war, in Eilmaͤrschen nach Catalonien zuruͤck gekehrt, jedoch, in Folge der Bewegung von Barcelona, in der Gegend von Lerida stehen geblieben. Die ganze in den Baski— schen Provinzen und Navarra zunächst der Franzobsischen Gränze konzentrirte Streitmacht duͤrfte sich daher bis jetzt nur auf 30 bis 10,)00 Mann belaufen, und kaum hinreichen, um jene Pro vinzen, die wie ein erobertes feindliches Land behandelt werden, im Zaume zu halten. Dazu kömmt, daß die Organisation jener Truppen hoͤchst mangelhaft ist, indem ganze Regimenter sich ohne Chefs und Offiziere befinden. Mit jedem Tage vermehrt sich die Anzahl der aus dem Dienst entlassenen, d. h. fortgejagten Regi— ments⸗-Chefs, und zufolge amtlicher Angaben steigt die Zahl der in Folge der Oktober-Bewegung auf diese Weise dem traurigsten Schicksale preisgegebenen Offiziere auf 1500. In jedem dersel— ben erwirbt sich die Regierung einen unversoͤhnlichen Feind, und wenn man daneben bedenkt, daß die verdienstvollsten Generale und Stabs-Offiziere der Spanischen Armee seit vier Wochen theils auf dem Blutgerüste gefallen, theils fluͤchtig, zum Tode ver— urtheilt, umherirren, oder, der größten Anzahl nach, in das be— nachbarte Frankreich gewandert sind, so wird man leicht den zer— ruͤtteten Zustand berechnen koͤnnen, in welchen die Armee versun— ken ist. Mit Unwillen sieht diese einen amnestirten Galeeren⸗ Straͤfling, Zurbano, dessen Gemeinschaft im vorigen Feldzuge von

ö acht Stuͤck Bela

jedem Offiziere gemieden wurde, zum Marechal de Camp erhoben, weil er Unschuldige wie Schuldige, Verdaͤchtige wie Ueberfüuͤhrte. zu Dutzenden, unter Absingung des Trägala, erschießen laßt. Der Vater, der seinen Sohn, die Ehefrau, die ihren Gatten nicht bin⸗ nen 21 Stunden dem Henkerbeil uͤberliefert, faͤllt in Bilbao die⸗ sem selbst anheim. Der Vertrag von Bergara wird mit dem Degen zerrissen, und die Fueros der Provinzen durch einen Fe⸗ derstrich des Siegers vernichtet. Die Basken werden als Rebellen behandelt, weil sie an ihren altvaͤterlichen, durch die Erfahrung erprobten Munizipal-Einrichtungen hangen, und der sogenannte National-Aufstand vom September 1816 wurde dadurch gerecht⸗ fertigt, daß man durch ihn die durch das neue Gesetz bedrohten Munizipal-Einrichtungen Spaniens gerettet haͤtte!

Portugal.

Lissabon, 8. Nov. (Engl. Bl.) In der Deputirten⸗ kammer ist der Gesetzentwurf äber die Kapitalisirung oder Kon⸗ solidirung der Rückstaͤnde, welche man der Civilliste schuldig ist, nach einer stuͤrmischen Debatte, in deren Verlauf der Finanz ⸗Mi⸗ nister, Herr Avila, sich sehr unwissend in der Wissenschaft seines Departements zeigte, mit mehreren Amendements der Opposition zu nochmaliger Erwägung an die Finanz-Kommission zuruͤckge— schickt worden. ;

Am letzten Freitag wurde den Cortes eine Art von Schein⸗ Budget vorgelegt, mit anderen Worten, die Minister verlangten für ihre respektiven Departements ein neues Vertrauens⸗Votum. Obgleich nun das jetzige Ministerium bereits so unumschraͤnkte Vollmachten erhalten hatte, wie sie noch keine frühere Verwaltung gehabt, fo glaubt man doch, daß die ministerielle Majoritaͤt auch die neuen Forderungen genehmigen wird. Die Gesammt-NAus⸗ gabe fuͤr das Finanzjahr vom 1. Juli d. bis zum Ende Juni nächsten Jahres sind in diesem Budget auf 2,517,396 Pfd. und die Gesammt-Einnahme auf 2,3674893 Pfd. angeseßt, woraus sich scheinbar ein Defizit von nur 1195035 Pfd. ergaͤbe; nach den Veranschlagungen der Opposition liefern aber die Einkuͤnfte des Landes nicht mehr als 1 578,3351 Pfd., so daß das Defizit in der That 638,515 Pfd. betragen wuͤrde.

Im Senat machte Visconde Sa da Bandeira dieser Tage auf die Auswanderung der niederen Volksklassen aus Madeira und anderen Portuglesischen Inseln nach Britischen Kolonieen aufmerksam; der Präsident des Minister-Raths antwortete, daß dieser Umstand keinem Ministerium entgangen sey, daß aber bei den bestehenden Gesetzen Niemand gehindert werden könne, das Land zu verlassen, wenn kein Verbrechen gegen ihn vorliege.

Da Ihre Majestaͤt sich seit drei Monaten wieder in gesegne⸗ ten Umstäͤnden befindet, so sind Kirchengebete fuͤr ihre gluͤckliche Entbindung angeordnet worden.

Der Baren von Barennes ist nach mehrmonatlicher Abwe⸗ senheit auf seinen hiesigen Posten als Franzoͤsischer Gesandter zu⸗ ruͤckgekehrt.

Mit der letzten Englischen Post ist der Entwurf eines Han⸗ dels Traktats zwischen Großbritanien und Portugal hierher ge⸗ langt; er soll fuͤr den Portugiesischen Handel, besonders mit Hin⸗ sicht auf die Britischen Kolonieen, nicht so gunstig seyn, wie der, welchen das Whig-Ministerium vorgeschlagen hatte.

Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

Nem-⸗Nork, 1. Nov. Die Regierung der Vereinigten Staa—⸗ ten hat den Befehl zum Bau von sechs Kriegs-Dampfbdten, jedoch nicht von sehr großen Dimensionen, sondern nur von 3-790 Ton⸗ nen, ertheilt; es sollen dabei Schaufelraͤder von eigenthuͤmlicher Tonstruckion, die ein Amerikanischer Marine⸗-Offizier erfunden hat, angewandt werden.

Gegen die Direktoren der ehemaligen Bank der Vereinigten Staaten hat die Central-Regierung eine auf 350,000 Dollars lautende Schuldklage eingeleitet, welche sie darauf begrnndet, daß unter General Jackson's Verwaltung die Bank einen Franzoͤsi— schen Wechsel mit Protest zuruͤckgeschickt, und daß sie außerdem

„Regierung noch 89, 900 Dollars auf Obligationen schuldig sey.

e Direktoren behaupten dagegen, sie haͤtten noch weit großere Forderungen an die Regierung zu machen. Uebrigens ist nicht zu denken, daß die letztere etwas ausrichten wird, da in

der Bank auch nicht ein Heller an Baarschaften mehr vorhanden

Bedeutende Sensation hat in New-Nork die ploͤtzlich von der katholischen Geistlichkeit hierselbst begonnene politische Bewe—⸗ gung gemacht; es hat sich dieselbe namlich vollig zu einer politi⸗ schen Korperschaft verbunden, um die Wahl solcher Senatoren und Repräsentanten zur Legislatur des Staats zu betreiben, welche dafur stimmen wollen, daß ein Theil der Unterrichts⸗Fonds des Staats ausschließlich fuͤr katholische Schulen verwendet werde.

Der Praͤsident scheint allmaͤlig das Vertrauen derjenigen

der Whig-Partei wieder zu gewinnen, welche sich bei rage von ihm getrennt hatten; doch möchte ihm sein Marteien endlich ganz mit einander zu versoͤhnen,

r schwer werden.

La⸗Plata⸗Staaten. Bnenos-Anyres, 28. August. Nachrichten aus dem Innern zufolge, hat zu Anfange dieses Monats zwischen den Foͤderalisten⸗ Truppen von Catamarka unter dem Kommando des Gouverneurs

Balboa und einem Detaschement der Truppen La Madrid's ein Gefecht stattgefunden, in welchem die Letzteren ganzlich geschlagen wurden und mehrere bedeutende Offiziere verloren. Tucuman soll belagert seyn, und in einer Cordova-Zeitung vom 15. d. wird ge— meldet, daß eine Deputation von 11 der Haupt-Einwohner er— nannt worden sey, um den Commandeur der konfoͤderirten Trup— pen ihre Aufwartung zu machen und die drohende Gefahr abzu— wenden. Alvarez und Riso Patran aus Cordova, Puch aus Salta und Gardello aus Rirja sind die Chefs, welche im oben— erwähnten Treffen gefallen seyn sollen.

Jula nh.

Königsberg, 15. Nov. (K. 3.) Die hiesige Steindamm— Polnische Kirche bedurfte einer bedeutenden Reparatur. Diese wurde durch Kbnigliche Gnade, durch freiwillige Geschenke meh⸗ rerer Gemeinde-⸗Mitglieder und Freunde der Kirche, dem größten Theile nach aber durch vieljaͤhrige Ersparnisse der Kirchenkasse bewerkstelligt. Alle bei dem Bau“ Betheiligten haben gewertssfert, denselben auf das Beste aufzuführen, und es gereicht die Kirche nunmehr wieder zur Zierde der Stadt und zun Freude der Ge⸗ meinde. Besonders macht das Innere der Kirche einen angeneh⸗ men Eindruck. Am 14ten war der erste , freundsichen und neugeschmuͤckten Kirche. Cher und Gemein de⸗ Gesaͤnge mit Orgelbegleitung, vom Herrn Musik⸗Direktor Jensen geleitet, vor und nach der Predigt ih schoͤner Abwechselung mit⸗ einander und mit der Liturgie ausgefuhrt, erhoben die Herzen der

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