1843 / 96 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

als das Ziel der einmüthigen Wünsche des ganzen griechischen Volkes

erscheint. In diesem Dilemma sieht es die Dinge einstweilen opti⸗

müstisch an und vertröstet sich mit der Hoffnung, 16 alles zum Besten ausschlagen werde. „Die Ereignisse“, sagt es, „welche Fürzlich zu

Athen . haben, können auch verschieden beurtheilt wer⸗

den; jeber Freund der Ordnung muß aber auf das tiefste bedauern,

daß sie unter solcher Form ans Licht getreten sind. Dem Königthum ist Zwang angethan worden, ohne daß es eines der bestehenden Ge—⸗ setze verletzt hätte. Welches auch die Motive gewesen sind, die das

Volk, die Armee und selbst den Staatsrath vereinigten, um dem Könige ihre Wünsche darzulegen, es bleibt immer ein schweres Atten⸗ tat gegen das monarchische Prinzip, auf jenes Prinzip der Einheit, welches Griechenland vielleicht mehr als irgend ein Land der Welt bedarf. Es ist keine bloße Einbildung: die Monarchie, und zwar eine starke Monarchie, ist die nothwendige Garantie der Unab⸗ hängigkeit Griechenlands. In seinem eigenen Interesse hätte Griechenland, trotz der gerechten Beschwerden, welche es gegen eine wohlmeinende, aber nicht besonders geschickte Regierung zu haben glaubte, doch wohlgethan, noch zu warten und sich in Geduld zu fassen; das ist zum mindesten unsere Meinung. Keine Revolution, sie sei so gemäßigt, als sie wolle, bleibt da stehen, wo sie begonnen hat. Jedermann erkennt, daß König Otto seinen Pflichten treu ergeben ist, daß er eine innige Anhänglichkeit für das Land hat, dessen Krone er trägt. Er ist ein rechtlicher Mann, und die Mächte, welche für Griechenland eine wahrhafte und nneigennützige Freundschaft hegen, hätten gewiß zwischen dem Könige und dem Volke einen glücklichen Vergleich zu Stande gebracht. Ünter einer festeren, erleuchteteren und unabhängigeren Verwaltung hätte sich Griechenland nach und nach, ohne gewaltsame Bewegung, ohne Revolution, bis zu derjenigen politischen Freiheit erhoben, welche der Höhepunkt der Civilisation ist. Das ist es, was wir für jenes Land gewünscht hätten.“

„Wir vergessen indeß nicht, daß wir uns weit von dem Schau— platz der Ereignisse befinden. Wir wollen nicht leichtsinnig ein Volk anklagen, das wir lieben, ein Volk, so klug, so tapfer, 9 würdig, seine Stellung in der Welt wieder einzunehmen. Gäbe Gott, daß es von heute ab fähig sei, bescheiden und mit Weisheit die politische Freiheit zu gebrauchen, die es sich erobert hat. Man muß zugeben, die letzten Ereignisse fanden mit solcher Uebereinstimmung statt, daß man ihnen den Charakter eines Nationalwillens nicht absprechen darf; das ist ein Punkt, über welchen alle Mittheilungen einig sind. Die Ordnung wurde möglichst aufrecht erhalten, keine Gewaltthat, keines der Verbrechen, die sonst bei Volksbewegungen so häufig sind, hat den Triumph derer befleckt, die eine Constitution verlangten und eben in dieser Einig keit, in dieser Mäßigung liegt etwas, das die Nothwendigkeit veredelt, ber sich der König hat beugen müssen. Dieser junge Fürst hat weder an sich selbst, noch an Griechenland verzweifelt, er ist auf seinem Posten geblieben; das erhält ihm die Achtung Europa's und die Dankbarkeit en, Volles. In eine schwierige Stellung versetzt, hat er ein persönliches Opfer gebracht. Er hat den Thron' nicht verlassen. Er hätte den leichten Muth haben können, abzu⸗ danken; er hat den Muth gehabt, der eines Königs würdiger ist, den Muth, auf der Bresche auszuharren, um nicht sein Land, wenn er es im Stich gelassen hätte, der Anarchie und den Parteien preiszugeben. Wir hoffen von seiner Loyalität und von seiner Ehre, daß er es nicht bereuen wird, dieses Opfer gebracht zu haben, daß er sein Wort, gleichviel auf welche Weise es ihm abgend⸗ thigt wurde, halten werde. Sein eigenes und Griechenland's Heil sind vielleicht um diesen Preis zu bewahren! Mit Geschick und Kraft kann man die absolute Gewalt sich bewahren, wenn man im Besitze derselben ist; sie wieder zu erlangen, wenn man sie einmal aufgege— ben, ist unmöglich.“ ö

„Alle Reactions-Versuche würden, davon sind wir überzeugt, nur beklagenswerthe Resultate herbeiführen. Nur die Feinde des Königs könnten ihm den Rath geben, sich in einen Kampf einzulassen, der seinen Thron umstürzen und eine heillose Verwirrung herbeiführen würde. Die National⸗Versammlung wird zusammentreten; ohne Zweifel eine gefährliche Krisis; aber warum könnte es nicht auch eine heilsame sein? Warum sollte Griechenland, das nur einer guten und starken Verwaltung bedarf, sich nicht darauf beschränken, die Königliche Macht zu regeln und ihr weise Gränzen zu setzen? Warum an dem Patriotismus und an der Klugheit eines Volkes verzweifeln, welches sehr wohl weiß, daß es, wenn es der Revolution und den bürgerli— chen Unruhen sich in die Arme würfe, allen Intriguen Thor und Thür öffnen würde, die mit eifersüchtigen Blicken seine Unabhängigkeit und sein Aufblühen betrachten. Dürfte man voraussetzen, daß solche Intriguen bei der Bewegung, die zu Athen ausgebrochen, mit im Spiel gewesen, was könnte dann ihr Streben jetzt anders sein, als den König zu einem unüberlegten Widerstande aufzureizen? Bis jetzt hat in der That noch keine Re— volution stattgefunden, und nichts ist verloren. Es war nur eine Veränderung, welche, mit Klugheit benutzt, den inneren Zustand Grie— chenlands noch verbessern kann, ohne seine guten Verhältnisse zu sei— nen Schutzmächten zu erschüttern. Eine Reaction würde die entschla— fenen Leidenschaften wieder erwecken, eine Reaction, fürchten wir, würde das Signal zu einer vollständigen Revolution werden. Und welche Aussicht auf Erfolg hätte eine solche? Mit welchen Kräften. würde der König sie zu unternehmen versuchen? Wollte er sich an die Spitze der Mißvergnügten stellen? Wollte der König von Griechenland zu dem Range eines Partei -Chefs her absteigen? Und die Erinnerungen, die er in einem Lande zurücklassen will, wo er eine Krone gefunden hat, sollen es nur Erinnerungen an Kampf und Unheil sein? Wir denken besser von seinem edlen Herzen. Er wird, wir hoffen es, einsehen, daß heute sein Glück nicht darin besteht, seine Gewalt wieder zu erobern, sondern dem ge⸗ gebenen Versprechen treu zu bleiben. Griechenland seinerseits wird den errungenen Sieg nicht mißbrauchen, ein Sieg, der immer gefahr— voll ist, wenn er sich gegen die Gesetze und dib bestehende Qidnung wendet. Es wird durch weise Justitutionen dem Throne die Stärke wieder verleihen, die er verlor; es wird sich erinnern, daß der Thron 1 gegen Lie Begierden ist, die es bestürmen und in Ge— lassung re ln gn, d, fn 3. ,, n.

1 9 n . 9. a. ö en e e 8 . sind die Grundlagen, worauf die

W Viese Bemerkungen wurden uns von der innigen Zuneigun eingegeben, die wir für das griechische Volk hegen, . 7 96 müthige Volk, das seine Unabhängigteit durch Ströme Blutes er— kaufte. Es wäre zu schmerzhaft, wenn ;

ö so bedeutende Anstrengungen keine anderen Resultate hätten, als Elend, Anarchie und Untergang! Europg hat auf Griechenland gerechnet; es wollte einen r, , aus bilden, der eine Schutzmäuer gegen Plä— 6 a

; geg äne des Ehrgeizes und der Eroberung bilden sollte. Es vertraute auf die Intelligenz des fer, Volkes, auf die Erinnerungen an seine frühere Größe auf seine Tapferkeit, auf seinen Sinn für Unabhängigkeit und Frei⸗ heit. Europa hat für dies befreundete Volk gefochten, es hat ihm sein Gebiet gesichert und ihm einen König gegeben, es hat ihm großmüthig von seinen Schätzen mitgetheilt. Und wer that mehr für

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Griechenland, wir fordern nur von ihm, was seiner selbst am wür— digsten ist und seiner Bestimmung entspricht. Niemals ist eine Poli⸗ tik uneigennütziger gewesen, als die unsrige. Hoffen wir also, daß unsere Stimme, verstärkt durch die Stimmen der übrigen beschůtzen⸗ den Mächte, Einfluß genug haben werde, um eine Bewegung, die, wie sie sich eben wendet, das Heil oder den Sturz Griechenlands her⸗ beiführen kann, in ihre gehörigen Gränzen einzuschränken.“

Seit der Ankunft der ersten Nachrichten über den Aufstand in Athen hat Lord Cowley bereits mehrere Konferenzen mit Herrn Gui⸗ zot gehabt, und es heißt, man sei übereingekommen, eine französssch— englische Flotte nach dem Piräus zu schicken. Gestern hat Herr Gui— zot einen Kabinets- Courier nach Athen abgeschickt. Auch zwischen Herrn Olozaga und Herrn Guizot haben Unterredungen über die spa⸗ nischen Angelegenheiten stattgefunden, und heute ist cin spanischer Gesandtschafts Courier nach Madrid abgefertigt worben. Ein Theil der bei Lyon lagernden Truppen soll die Bestimmung erhalten haben sich der .,, zu nähern. ; ;

Die Befestigungs⸗Frage bildet heute wieder einen Hauptstoff der leitenden Artikel fast aller hiesigen Blätter. Nach dem an 3 ches zur Errichtung von Fortificationen um Paris autorisirt, ist die Bewaffnung derselben bis zu einem Zeitpunkt wirklicher Nothwendig⸗ keit vorbehalten, und als eine solche Nothwendigkeit wurde allgemein die unmittelbare Gefahr einer Invasion angenommen. In der letzten Zeit jedoch hatte sich das Gerücht verbreitet, die Regierung wolle mit der Bewaffnung vorschreiten, ohne auf die von der Deputirten⸗ Kammer vorbehaltene Frage der Nothwendigkeit zu achten, und derjenige Theil der Presse, welcher von Anfang an der Befestigung sich widerseßzte, so wie einige andere Blätter, die den Gesetz' Eniwurf unten der' Bedin— gung jenes Vorbehalts unterstützten, greifen jetzt die Regierung an, indem sie ihr vorwerfen, daß sie bios deshalb die Bewaffnung zu vervollständigen suche, um die Möglichkeit jeder Demonstration von Seiten der pariser Bevölkerung gegen jedwede noch so gesetzß⸗ widrige oder gehässige Maßregel des Ministeriums für die Zukunft zu verhindern. Die ministeriellen Blätter, Moniteur parisien und Journal des Débats, ergriffen nun das Wort, um die Be— sorgnisse der AWengstlichen niederzuschlagen und dem heuchlerischen Pa— triotismus der Oppositions Journale die Maske abzuziehen. Die Forts, sagten sie, sind noch nicht mit Kanonen und Hanbitzen verse⸗ hen; es bedarf dazu noch einer besonderen Geldbewilligung der Kam— mern; selbst dann aber, wenn diese erfolgte, würde die Bewaffnung der Forts erst im Jahre 1845 oder 1816 möglich werden; die Kanonen, vor welchen man sich heute fürchtet, werden erst in drei Jahren aus der Gießerei kommen; Vincennes enthält gegenwärtig 200 Geschütze weniger als im Jahre 1834. Dies Alles aber vermochte die Auf⸗ regung nicht zu beschwichtigen. Den Umstand, daß die Minister zur Bewaffnung der Fortificatiönen nicht ohne Zustimmung der Deputir— ten Kammer schreiten könne, die erst die Fonds dazu bewilligen müsse, was der Moniteur parisien den Oppositions-Blättern als eine schlagende Antwort entgegnet, wollen diese nicht als Argument gel— ten lassen, indem sie behaupten, man werde zu Intriguen und Be— stechungen seine Zuflucht nehmen, um ein dem Ministerium günstiges Votum zu erlangen, sobald ein solches erforderlich würde, wenn die Oppositions-Presse nicht in Bezug auf diese Frage solchen Widerstand gegen das Ministerium hervorrufe, daß es der Deputirten-Kammer unmöglich würde, ein Votum zu Gunsten

Griechenland als Frankreich? Wer bewahrt ihm ein von allem Egolsmus freieres Interesse? Was wollen wir anders, als daß Griechenland glücklich und frei sei, daß es zum zweitenmale in der Welt sein be⸗ wundernswerthes Genie entfalte? Wir verlangen für uns nichts von

des Ministeriums abzugeben. Dies ist der eigentliche und auch offen eingestandene Zweck der Agitation in diesem Augenblick. Die ministe⸗ riellen Blätter erklären zwar diese Agitation für ganz unnöthig, weil, wie sie versichern, fürs erste gar nicht daran gedacht werde, die Kammer um die Fonds anzugehen, welche die Bewaffnung der Forts erfordern würde, und weil die Art und Weise der Bewaffnung noch gar der Militair-Kommission nicht vorgelegt sei, die darüber zu be⸗— richten haben werde. Das Commerce behauptet aber da gegen aufs bestimmteste, daß die Erklärungen der ministeriellen Presse hinsichtlich des Beschlusses der Regierung, nicht wei— ter zu gehen, als das Befestigungs-Gesetz ihr erlaube, und nach und nach von der Kammer die Fonds nachzusuchen, welche, je nachdem die Arbeiten vorschritten, erforderlich sein würden, durchaus unwahr seien. „Während die ministeriellen Blätter“, sagt das Com— merce, „das Publikum zu beruhigen und zu täuschen suchen, indem sie versichern, daß noch nicht ein einziges Stück Geschütz für die For—⸗ tificationen von Paris gegossen, und noch keine Entscheidung über die Beschaffenheit der Geschütze und Laffeten getroffen sei, sind in den letzten zwei Monaten im Central-Artillerie⸗ Depot auf dem Platze St. Thomas von Aquino in Paris Kanonen und Laffeten ausdrücklich für die detaschirten Forts, welche Paris umgeben, angefertigt worden.“

Meyerbeer, der schon seit einiger Zeit erwartet wurde, ist, aus den Taunus-Bädern kommend, nun in Paris eingetroffen.

In den drei letzten Tagen haben hier wieder einige Verhaftun gen stattgefunden, die mit dem neulich entdeckten Kommunisten⸗Kom⸗ plott in Verbindung stehen. Unter den Verhafteten besindet sich auch der Literat Douville, der schon im Jahre 18140 eine Zeit lang aus ähnlichen Gründen in Haft war.

Herr Adolphe Barrot, der sich mit einer besonderen Mission nach Haiti begiebt, soll den Titel eines bevollmächtigten Ministers und außerordentlichen Gesandten erhalten. Herr Victor Place begleitet ihn als erster Secretair, und unter den Attachéss werden Baron Vaur und Graf von Fontaineliat genannt.

GSrossbritanien und Irland.

London, 27. Sept. Nach dem Standard soll der brasi⸗ lianische außerordentliche Gesandte, Herr Arango Ribeiro, so ausge⸗ dehnte Vollmachten zur Abschließung eines Handels-Vertrages mit England haben, daß man den baldigen Schluß der Unterhandlungen erwarten dürfte.

„Die eine große Quelle der Schwierigkeit, Irland zu regieren“, schreibt der Spectator, „ist der gänzliche Mangel einer Ver— mischung der englischen und irländischen Racen. Um ein Volk zu regieren, muß man mit dem Volke fühlen und mit ihm dasselbe glau— ben, oder wenigstens dies zu thun scheinen. Die Leiter des Volks in Irland haben deshalb ihre Macht, Gutes zu thun, durch die beste— henden Feindseligkeiten der Racen gänzlich neutralisirt. Selbst O'Con— nell und die Priester, so allmächtig ihre Herrschaft über den Volks— willen erscheint, sind nur so lange mächtig, als sie mit dem Strome schwimmen, als sie jenem Willen schmeicheln und ent— gegenkommen. Man würde von der menschlichen Tugend zu

praktischen Gesetzgebung

haben; sänke aber die bestehende Organisation in die gesetzlose Anar= chie zurück, aus welcher O'Connell sie erhoben hat, so würde der Haß gegen englisches Regiment eben so stark sein, wie er es immer war, und in abscheulichen Freveln unaufhörlich sich Luft machen. Nun ist es sehr zweifelhaft, ob O'Connell noch lange im Stande sein wird, in seiner Armee die Disziplin zu erhalten. Der Versuch William Con= nor's, die Aunghme einer Resolution gegen den Pachtzins von Sei— ten der Repeal-Asseciation zu bewirken, ist nur der Anfang der sich kund— gebenden Insubordination. Die Taktik aller Agitatoren hat immer darin bestanden, dem Volkshaufen zu erzählen, daß unter gewissen Umständen sie der wilden Wuth desselben freien Spielraum lassen würden, und während sie bei solchem Thema verweilen, halten sie wilde Gedanken in den Gemüthern der Volksmasse wach. Das nützt ihren Zwecken eine Zeit lang, bis neue Kandidaten der Volksgunst sich erheben und sagen: „Ihr sprechet, aber wir wollen handeln.“ So machte Feargus O'Connor die Massen der Fabrik- Distrikte vorsichtigeren Volksleitern abwendig, und so wird William Connor oder ihm ähn— liche Männer in Irland den Händen O'Connell's die Zügel entreißen.

Früher oder später durch den Tod O'Connell's oder durch den Verlust seiner beispiellosen Herrschaft über die Volksmasse muß die vergebliche Organisation der Repeal-Partei in das wilde Chaos, aus dem sie erstand, zurücksinken. Aber die Feindseligkeiten der Race, welche ihr eine Zeitlang Gewalt gaben, würden fie noch lange über= leben, um die Versuche der Staatslenker, Irland Frieden und Wohl— fahrt zu bereiten, zu vereiteln. So lange als diese Feindseligkeiten existiren, wird Irland ein Dorn in der Seite Englands sein, ein fester Posten, den man nicht räumen darf, damit er nicht vom Feinde ge⸗ nommen werde, eine Provinz, welche Unruhen, Besorgnisse und Geld— ausgaben im Frieden und Schwäche im Kriege bereitet. Und so muß es bleiben bis die Racen vermischt sind.““

Diese Vermischung, fährt das Blatt weiter fort, ist das Werk der Zeit, indeß kann sie durch Regierungsmaßregeln beschleunigt wer⸗ den. Die Maßregeln aber, welche der Spectator vorschlägt, und von denen wir nur die Einrichtung der Erbpacht nach dem Plane

des Ultra-Liberalen Herrn Sharman Crawford, und die Abschaffung der Unterschiede zwischen der privilegirten und unprivilegirten Kirche hervorheben wollen, sind doch etwas zu radikaler Natur und leichter vorgeschlagen als ausgeführt. Es wird deshalb wohl der Zeit müssen überlassen bleiben, die Racen-Verschiedenheit, welche allerdings der Hauptgrund des Unglücks für Irland ist, auszugleichen.

ieder l ande.

Aus dem Haag, 27. Sept. In der zweiten Kammer der Generalstaaten begann heute die Erörterung der Budgets für 1841 und 1845. Sechs Redner sprachen gegen, zwei für den betreffenden Gesetz⸗Entwurf.

Gestern Abend ist Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Michael

viel verlangen, wenn man erwartete, daß Menschen ihrer Macht entsagen sollten, weil sie in dem Gebrauch derselben eine Beschränkung erleiden; und deshalb fahren die irländischen Volks⸗

leiter fort, durch eine Bestärkung leidenschaftlicher Vorurtheile, auf die sie sich anfangs ungern stützten, das Uebel noch größer zu machen. Die Gefahr, welche aus dieser Richtung der irländischen Gemüther droht, ist nur zu wahr und deutlich. Großbritanien will nicht in eine Trennung der Union einwilligen, und trotz des großen Fortschritts der Irländer seit 1782, sowohl was Volkszahl als Bildung betrifft, können sie England zu dieser Einwilligung nicht zwingen. Selbst im

Fall eines Krieges würde England nicht im Nachtheilestehen, denn es

ern

der die Moralität der Ayacuchos in das hellste Läicht setzt.

ist in. seit 1782 fortgeschritten, obwohl der Aufstand Irlands ein barg und dagegen einen anderen in die Urne legen wollte. liches Uebel wäre. Aber ein Uebel kann groß sein, ohne daß es darum ergriff der

schon Unheil bringt; und es ist unmöglich, während der Fortdauer des gegen⸗ aAermel des Präsidenten zu untersuchen, wo sich denn der von dem

hier angekommen.

Der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister am belgischen Hofe, Herr Rochussen, ist gestern von hier nach Brüssel abgereist. . r

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Brüssel, 29. Sept. Der König hat sich vorgestern früh in gleitung des General- Lieutenants Grafen d'Hane de Steenhuyze und des General-Majors Brialmont nach dem Lager zu Beverloo begeben.

Mar 2 ü 95 9 s⸗ * 5 4 ** 1 . 6 i ,, belge meldet: „Der Königl. preußische Ka— pellmeister, Herr Möser, einer der ausgezeichnetsten deutschen Musiker, hat die Ehre gehabt, von Sr. Majestät dem Könige der Belgier n, g g Medaille 285 ; fir * n , ,,,, als Zeichen der Anerkennung für eine große musikalische Composition, welche er Sr. Majestät gewidmet, zu empfangen? Das genannte Blatt macht seine belgischen Leser zugleich darauf aufmerksam, daß Herr Möser der Vater bes jungen Violinisten ist, dessen Talent in Belgien zu wiederholten Malen? so viel Beifall gefunden, und der von de Beriot zu seinen ausgezeich⸗ netsten Schülern gezählt werde.

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Paris, 28. Sept. Telegraphische Depeschen aus Spanien.

Madrid, 23. Sept. Eine Pulvermühle in einiger Entfernung von hier, nahe am Thor Fuencarral, ist gestern früh in die Luft ge— sprungen. Mehrere Arbeiter und Aufseher sind dabei umgekommen. Die Stadt hat keine bedeutende Beschädigung erlitten. Man wejsß noch nicht, was diesen Unfall veranlaßt hat. General Mazaredo, Gouverneur von Madrid, ist beauftragt worden, zu gleicher Zeit die Functionen eines politischen Chefs zu bekleiden.

Perpignan, 25. Sept. Gestern, am 24sten, war Barcelona noch nicht von den Truppen angegriffen worden, wie man doch er wartet hatte. Vorgestern, bei einem Ausfall, wurden 300 Insur— genten nachdrücklich in die Stadt zurückgewiesen. Amettler, als er die Niederlage von Sanct Andre erfuhr, hat sich nach Tiana zurück gezogen; 20 Insurgenten, die bis Martarel vorgegangen waren, sind vom Landvolk zerstreut worden. Das Dampfschiff „Isabella II.“ das 651 Soldaten von Valencia herbeigebracht hatte, ist mit den 200 Gefangenen, welche Prim den Insurgenten abgenommen, nach Valencia zurückgekehrt.

3 Madrid, 20. Sept. Gestern wurden die Wahlen für die Cortes beendigt. Von den 5217 Personen, welche in Madrid das Wahlrecht haben, nahmen nur 3152 an den Wahlen Theil, Hier in der Stadt trugen die Ayacuchos den Sieg davon, indem die von ih— nen aufgestellten Kandidaten zwischen 1615 und 1724, die der par= lamentarischen Partei dagegen nur zwischen 1262 und 1418 Stim— men erlangten. Allein in den Wahl-Bezirken des platten Landes un serer Provinz errang die parlamentarische Partei ein großes Ueber⸗ gewicht, und man vermuthet, daß, wenn diese Stimmen zu den übri⸗ gen gezählt werden, der Ausgang sich zu ihren Gunsten entscheiden werde. Hier in der Hauptstadt ereignete sich vorgestern ein . Einer derselben, Fernandez de los Rios (von der revolutionairen Septem⸗ ber-Junta zum Rath des höchsten Gerichtshofes ernannt), leitete als Präsident die Wahlhandlungen eines Bezirkes. Ein Wähler, der Graf de la Oliva, überreichte ihm seinen Zettel, damit er ihn in die Urne lege, bemerkte aber, daß der Präsident diesen in seinem Aermel ver—

Sogleich raf seine Hand und forderte die Umstehenden auf, den

wärtigen Zustands der Dinge in Irland, für das große unbestreitbare Elend, welches dort herrscht, ein ee w. e. Selbst die organisirte friedliche Agitation O'Connell's dient nur dazu, einer ung für Irland vorzubeugen. Diese Gesetzgebung wird ebenso durch die irländischen Mitglieder des Parlaments, welche hier entweder auf unausführbaren Plänen bestehen, oder zu Hause agitiren, unmöglich gemacht; ihre Autorität hängt ja davon ab, wie feindselig sie sich gegen „die Sachsen“ zeigen. Und würde die Orga⸗ nisation O'Connell's heute aufgelöst, die Sachen würden nicht um ein Jota anders stehen. Es ist wahr, was O'Connell gesagt hat, daß die Irländer, seitdem er sie in Masse für politische Zwecke sich zu er⸗ heben gelehrt habe, weniger agrarische und anderé Frevel begangen

Grafen mit den Namen moderirter Kandidaten beschriebene Zettel vorfand, während der in der Hand des Präsidenten befindliche, für die Urne bestimmte, mit den Namen von Ayacuchos beschrieben war.

Den bis jetzt aus den Provinzen eingegangenen Nachrichten zu⸗ solge, läßt sich fast mit Gewißheit annehmen, daß die parlamentari⸗ sche Coalition fast überall, mit Ausnahme eiwa von Saragossa und Sevilla, den Sieg über ihre Gegner bei den Wahlen davontragen werde. Die Ayacuüchos sind an vielen Orten gar nicht aufgetreten, und von den Eentralisten oder Verfechtern des Infanten Don Fran⸗ cisco ist fast nirgends die Rede, obgleich sie selbst diesen Prinzen und seinen Berather, den Grafen Parsent, überall in Vorschlag gebracht haben. Um so mehr liegt es nun ihnen und den Ayacuchos daran, das Zusammentreten der Cortes zu verhindern, was natürlich nur auf gewaltsame Weise geschehen kann. ö .

Eine ganz neue Erscheinung aber ist das Auftreten einer Par⸗ tei, die unter dem Ramen der rein monarchischen und religiö—⸗ sen zum erstenmale an den Wahlen Theil nimmt. Diese Partei wird von den Progressisten für eine dem Staate feindliche Vereinigung von Absolutisten ünd reinen Karlisten erklärt und auf das heftigste be⸗ kämpft. Sie ist vorzüglich in mehreren Provinzen Alt⸗Castiliens zum Vorschein gekommen und hat die Worte: „König, Vaterland, Gesetz als Wahlspruch verkündigt. Sie besteht meistens aus Geistlichen, oder doch aus Perfonen, die von diesen als Kandidaten aufgestellt werden. Diese erlangten in Valladolid am ersten Wahltage in der That das Uebergewicht. Die dortigen Progressisten erhoben darauf ein lau= tes Geschrei und richteten einen Aufruf an die „Liberalen“, der mit folgenden Worten beginnt: „Ihr habt die apostolische Partei unter Anführung einiger Diener des Altars sich unter Euch einstellen sehen, nicht um ein Recht auszuüben, welches das Gesetz jedem Bürger zuge⸗ steht, sondern um unsere Langmuth durch jene triumphirende Miene zu kränken, mit welcher sie zu einer anderen Zeit traurigen Anden⸗ kens den mörderischen Dolch über unsere Häupter schwang.“ Es wird dann zur Einigkeit unter den Liberalen aufgefordert und mit folgen⸗ den Worten geschlossen: „Krieg den Karlisten! Krieg auf den Tod! Es lebe die Eonstitution, es lebe die constitutionelle Königin, es lebe die Freiheit! Nieder mit den Tyrannen!“ Am Iten fielen darauf die „Liberalen“ mit Prügeln über die Absolutisten her und brachten ihnen auf diese handgreifliche Weise die Ueberzeugung von der Frei heit der Wahlen bei. In Palencia drängte sich die Geistlichkeit ebenfalls zu den Wahlen und stellte die Worte: „Katholische Religion, König, Vaterland, Einigkeit, Wohlstand und Unabhängigkeit“ als Wahl⸗ spruch auf. „Dieses Programm“, so heißt es in einem darauf von den Progressisten erlassenen Aufruf, „wurde mit dem größten Unwillen, ja mit Entsetzen von allen rechtlichen Leuten, von allen Liberalen dieser Stadt aufgenommen, die darin nichts anders als das verruchte Bestreben, einen noch weit unerträglicheren Despotismus als den von 1823 einzuführen, erblickt haben.“ Der Gefe politico ließ jenen Geistlichen und ihren Anhängern sagen, daß er sie innerhalb des Saales, wo die Wahlen vor sich gingen, nicht schützen könne, weil seine Gewalt dort aufhöre. Die Offiziere der dortigen National-Miliz erließen am 17ten ein Manifest, worin es unter Anderem heißt: „Kein Mitleiden mehr, Liberale; keine Duldung länger den Schändlichen, welcher unter der von ihnen entweihten Fahne der Religion unzählige und schauderhafte Verbrechen begehen, und den Unvorsichtigen den Mordstahl in die Hände gebend, damit sie ihn in die Brust ihrer Brüder stoßen mögen, gottlose und bachische chaquicos) Gesänge zum Lobe ihrer schmutzigen Abgötter darbringen, indem sie glauben, daß unsere geliebte und an— gebetete Freiheit bereits im Grabe liege u. s. w.“ Es ist daher kaum zu verwundern, daß auch dort die Liberalen sich auf Prügel beriefen. Gleiches fiel in Zamora vor, wo die Absolutisten zu An— fang die Mehrheit bei den Wahlen, dann aber Schläge davontrugen. In Leon trat die Geistlichkeit in Masse auf, um das Wahlrecht auszu— üben. In Salamanca gleichfalls. In Toledo erschienen 81 Geistliche, Kanonici, Präbendare, in ihrer Amtstracht und, allem Anschein nach, werden sie dort den Sieg erlangen. Uebrigens erscheint schon seit einem halben Jahre hier in Madrid eine Zeitung unter dem Titel el Re— parador, welche die unumschränkte, Monarchie und die Interessen des Don Carlos unumwunden vertheidigt, jedoch nur eine sehr ge ringe Anzahl Leser findet. Seit einiger Zeit spricht sie sich zu Gun⸗ sten der Vermählung der Königin Isabella mit dem ältesten Sohne des Don Carlos aus. . .

Vermöge einer der in Spanien so häufigen Anomalieen haben in Sevilla die Ayacuchos, in Cadix dagegen die Moderirten alle Aus— sicht, bei den Wahlen den Sieg davon zu tragen.

3 Madrid, 21. Sept. Erst in voriger Nacht, nachdem mein gestriger Brief zur Post gegeben war, erhielt die Regierung Nachricht von dem in Saragossa ausgebrochenen Aufstande. . .

Am 17ten Abends acht Uhr versammelte sich in der Hauptstraße

von Saragossa, dem Coso, dem Platze San Francisco gegenüber, ein

Haufen von Aufrührern unter dem Geschrei, „fes lebe Espartero, es lebe der Regent, es lebe die Central-Junta!“ Ein Theil des Haufens zog dann nach dem Theater, ein anderer vor das von dem General

Capitain bewohnte Gebäude. Im Theater wiederholten die eindrin

genden Aufrührer ihr Geschrei, und die dort anwesenden Mitglieder des Ayuntamiento stellten sich an ihre Spitze und verfügten sich zu dem General-Capitain Lopez Basios, um ihn aufzufordern, sich der Bewegung anzuschließen. Dieser wies sie zurück. Mit Tagesanbruch (am 18ten) ließen die Rebellen General⸗Marsch schlagen, und durch die National⸗Miliz die Hauptstraßen der Stadt besetzen. Das Ayuntamiento versammelte sich in permanenter Sitzung. Die Truppen zogen sich aus der Stadt in das Castell la Aljaferia zurück, sollen jedoch zum Theil, da es ihnen an Lebensmitteln ne. zu den Aufrührern übergegangen sein. Man weiß nicht, was aus dem General⸗-Capitain geworden ist. Am 18ten Morgens wurde das Bildniß Espartero's im Triumph durch die Straßen getragen und eine provisorische Junta eingesetzt. Diese besteht aus Bou Cirilo Franquet, der bis zum letzten Tage der Herrschaft Espartero's Gefe politico von Saragossa war, Don José Maria Ugarte (Gefe politico von Leon zu derselben Zeit), dem Obersten des Provinzial⸗Regiments von Saragossa und einigen anderen eifrigen Esparteristen. Der bekannte Echalecu, früherhin Gouverneur des Monjuich, traf gerade am 17ten in Saragossa ein, und der Ge— neral Don Evaristo San Miguel wurde dort erwartet, um die Be—⸗ wegung zu leiten.

Die eigentliche Bedeutung dieses Aufstandes liegt vor Augen. Die Wiedereinsetzung der Regentschaft Espartero's ist der Zweck, die Verkündigung der Central-Junta das Mittel. Der von dem Mitgliede der Saragosaaer Junta, Bon J. M. Ugarte, erlassene Aufruf sagt gradezu: „Saragossaer! Aragonier! Zu den Waffen! Eure Fahne sei

entralzJunka innerhalb unserer Mauern, National-Unabhängig⸗ keit, constitutionelle Isabella Il, Revision der Constitution von 1837, damit man euch nicht aufs neue die Gegenstände eurer Vor⸗ liebe raube, und das Zurückkommen des Herzogs de la Vi⸗ toria (venida del Duque de la V.).“ In demselben Aufrufe wird dem Volke erklärt, was die Regentschaft Espartero's bedeutete: „eine Gewalt, welche eure (des Volkes) Souverainität darstellte, diese Sou⸗ verainität, die man durch den scheußlichsten Despotismus ersetzen will, um euch in der schmählichsten Anarchie an die Fremden zu verkaufen.“

Wenn man noch Zweifel über die Bedeutung des Aufstandes von Saragossa haben könnte, so höre man, was das hiesige Organ

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ö Ar s, der Espectador, heute vorträgt, Er beginnt e nen g ih ist . große volksthümliche Bewegung länger zu unterdrücken, die vor wenigen Tagen in Barce— lona zum Ausbruch kam, deren Bestehen durch das Erheben von Saragossa gesichert wird, die mit jedem Augenblick zunimmt und sich . und! Lie binnen sehr kurzer Zeit in Allen Winkeln der Halb⸗ insel herrschen wird. Die verächtliche, im Juli eingesetzte Gewalt hat kein Mittel, diefer erhabenen Erschüitterung, deren einziger Zweck bie Vernichtung der Tyrannei, welche die Völker unterdrückt, ist, irgend einen Damm dentgegenzusetzen. Der Instinkt der Freiheit und das Ehrgefühl haben alle Herzen elektrisirt, und die edlen Empfindungen haben sich in aller ihrer Kraft entwickelt, um die Hand, welche sie knebeln wollte, zu zerschmettern. Das, was wir jetzt im Schooße des reichen Barcelona und des heldenmüthigen Saragossa darstellen sehen, ist eine erhabene Scene, deren, Schauplatz ganz Spanien sein wird, denn Andalusien, Castilien, Galicien, Asturien, Estremadura und selbst die Nordprovinzen werden ohne Zweifel in den von den beiden genannten Städten erhobenen Ruf einstimmen. Und Spanien wird binnen weniger Tage ein großes Feldlager sein, wo jeder Ein⸗ wohner Soldat, jeder Mann ein Held sein wird, der die Waffen er⸗ greift, um die kyrannische Gewalt, welche das Land unterdrückt, um⸗ zustürzen . . . . Wenn wir den Charakter der Bewegung, die sich jetzt bei uns zu verwirklichen beginnt, studiren, so können wir nicht umhin,

sie nicht nur für vernünftig, sondern für gerecht und heilig zu halten.“ . Die Regierung, welche lzugiebt, daß unter ihren Augen der Aufstand organisirt wird, und Blätter wie der Espectador unge— straft den Aufruhr predigen, wird von diesem für eine, das Land unterdrückende tyrannische Gewalt erklärt. Man darf sich daher nicht wundern, wenn hier die Ansicht herrschend wird, die proviso— rische Regierung stehe mit Espartero im geheimen Einverständniß. Wie ich höre, ist der französische Deputirte, Herr Garnier Payë's, hier angekommen.

X Paris, 28. Sept. Die neue Junta von Saragossa hat am 2lsten folgende Proclamation erlassen:

„Einwohner von Saragossa! Der Tag der. politischen Wiedergeburt ist für die Spanier, die dieses Namens würdig sind, gekommen, und der von dieser immer heroischen Stadt gegebene Anstoß zu einer für das Volt so nothwendigen Revolution wird nicht unfruchtbar bleiben, wenn nur zini— ger Patriotismus die wahren Liberalen beseelt. Begierig nach der Freiheit, könnte das spanische Volk, welches die seinige so theuer erkauft hatte, nicht gleichgültig bleiben bei der dichten Wolke, welche unsere besten Bürgschaften bedeckte, und die, zu urtheilen nach dem Kalkül politischer Wahrscheinlichkei— ten, unsere ehrwürdige Constitution ganz und gar in ein schauderhaftes Dun— kel verhüllen sollte. Darum hat das Volk von Sarggossa, das ohne Un— terlaß für seine Freiheit wacht, dem sein umsichtiges Verhalten so viele wohl— verdienten Ehren errang, sich heute erhoben, um gegen die Tyrannen die feierlichste Stimme der Verwerfung zu erheben. Die immer heroische Stadt ist indeß nicht die einzige, welche zu den Waffen geeilt ist, um ihrer be—⸗ drohten Unabhängigkeit zu Hülfe zu kommen: auch das unerschrockene Bar— celong war unsere würdige Rivalin, und ging uns noch auf dem Wege unseres Heils voran, Barcelona, dessen Nevolutionen, manch mal vielleicht nicht zuvor überlegt, stets geraden Wegs nach der Konsolidirung oder Gewinnung seiner legitimen Rechte gezielt haben. Die Vorsehung, der Schutzengel der unterdrückten Völker, hat diese Regie— rung, die damit umgeht, uns die Sklaverei vorzubereiten, so verblendet, daß selbst diejenigen, wesche sie mit dem meisten Fanatismus proklamirt hatten, nicht umhin können, zu erschrecken vor der Keckheit ihres Abfalles. Be⸗ wohner von Saragossa! Die Heiligkeit der Sache, die ihr durch tausend Gefahren hindurch mit Eifer zu der eurigen gemächt habt, muß euch eures nahen Triumphes versichern. Macht einige Zugestẽndnisse den Bevöllerun⸗ gen, die mit ihrem Blut den Liberalismus besiegelt haben, zu dem si sich noch bekennen, und zweifelt nicht, daß der verirrte Theil der freien Männer bald enttäuscht sich in Masse erheben wird auf den furchtbaren Ruf von Barcelona und Saragossa. Bald werdet ihr die Vortheile eurer Erhebung genießen: noch kurze Zeit und ihr werdet Spanien wieder aufwachen sehen aus dem lethargischen Schlafe, in welchen es das trügerische Programm des Mannes versenkt hatte, der geboren war, uns zu regieren, aber dessen Unwissenheit nur dazu gedient hat, uns zu Sklaven zu machen. Eure Junta, im Einklange mit dem Impulse, den eure, Ueberzeugungen gegeben haben, die auch ihre eigenen sind, wird nicht aufhören, eurem Aufstande die ganze glorreiche Folge ihrer vortheilhasten Konsequenzen zu geben, den ganzen Glanz, den ein nationales Ereigniß verdient, den ganzen Chargkter von Stabilität und Festigkeit, der einer so belehrenden und so edlen Bewegung gebührt, als die eurige. Habt Vertrauen in eure Junta, welche ihre Pflicht erfüllen wird, indem sie sich für das Land opfert, und fürchtet nichts von euren Feinden, ihr die ihr bei minder günstigen Anlässen, niemals die Keck heit derjenigen ungestraft gelassen habt, die euch erniedrigen wollten. Na⸗ lional⸗Milizen! Eure oberste Regierungs- Junta sagt euch feierlichen d ant im Namen der Constitution, die ihr vertheidigt; denn der Muth und der Eifer, die euch aus frejen Stücken zu so größen Anstrengungeu und Gefah— ren angetrieben haben, konnten allein uns einen so wichtigen Schritt für die Rettung unserer Constitution thun lassen, die bereits tödtlich ver= wundet ist durch diejenigen, die mit ihrer Obhut beauftragt waren. Sol⸗ daten der Freiheit, die Hulbigung des Dankes, der eurem edlen Verhalten gebührt, wird euch nicht fehlen. Wir laufen alle zusammen die Gefahren, welche unsere politischen Tugenden uns zuziehen, und wir werden zusammen zum nahen Siege ziehen, und das Haupt mit Lorbeeren umkränzt, die aufgchende und herrliche Sonne unserer Freiheit begrüßen. Ihr werdet von denen begleitet sein, die in diesem Augenblick das Wort an euch rich— ten; und Dank den Anstrengungen der Redlichen, ihr werdet nach eurem Wunsche die politische Constitution der Monarchie konsolidirt, mit ihr den Thron Isabella's IJ. gesichert, und zur Erreichung so kostbaren Ziels die Central-Junta konstituirt sehen, die berufen ist, das Staatsschiff ohne Gefahr zu lenken.

Saragossa, den 21. September 1813.

J. Munoz, Präsident. J. de Cre fz P. Polo 9 Mongez J. Mateun; D. Marraco; J. M. Ugarte, Secretair.

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Die vorstehende Proclamation ist dem Eco von Aragonien vom 23. September entnommen, welches heute auf, außerordentlichem Wege hierher gelangt ist. Dieses Blatt, welches im Anfang August, als Saragossa die neue Regierung zu Madrid anerkannt hatte, einge⸗ gangen war, ist nun wieder erschienen und giebt noch Näheres über die dortigen Vorfälle. Auf die Anordnung des von der Junta zum General⸗Kommandanten der Provinz ernannten Don J. de Cref ist nun die Stadt in vier verschiedene Distrikte vertheilt worden, um die Vertheidigungs-Maßregeln danach zu vertheilen. Jeder Abtheilung der Truppen und der National-Miliz ist schon im voraus der Posten augewiesen, den sie einzunehmen hat im Falle eines Angriffs. Die sonstigen Maßregeln der Junta stehen so ziemlich im Einklange mit benen' der Junta von Barcelona; auch die Junta von Saragossa hat den Soldaten der Alters- Klasse von 1839, die zu ihr übertreten wür⸗ den, unbedingte Verabschiedung, sobald der Zweck des jetzigen Auf⸗ standes, Versammlung einer Central-Junta, erreicht sei, versprochen.

Der Phare des Pyrenées vom 24sten giebt weitere kurze ug hen 3 ö bis 20sten Mittags. Die Junta hatte die Bildung von zwei „heiligen“ Compagnieen anbefohlen, die aus Offizieren der Armee zusammengesetzt werden sollen, die an der Be⸗ wegung theilnehmen wollen. Rehr als 150 hatten sich bereits ein reihen lassen, und thaten bereits Dienste. Die aus fünf Bataillons bestehende National⸗Miliz war beständig unter den Waffen. Der Ge⸗ neral-Capitain Lopez Banos soll nach dem Ph are die Verbindungen mit der Stadt abgeschnitten haben, was aber bei der Geringfügigkeit

vom Phare gemeldet, doppelt unwahrscheinlich wird. Dagegen so⸗ len die Insurgenten Jebermann ungehindert und frei aus und ein⸗ lassen. Dasselbe Blatt gesteht den tiefen Eindruck zwar zu, den die Nachrichten aus Saragossa zu Madrid hervorgebracht haben, ver⸗ sichert jedoch, es habe am 26sten Abends vollkommene Ruhe daselbst geherrscht. Die Regierung fei voll Vertrauen und beschäftige sich thätig mit Ergreifung der zur Herstellung der Ordnung 2 Maßregeln. Der General Concha, auf dessen Thätigkeit und Einsscht man sehr rechnete, sollte unverzüglich gegen Saragossa ziehen, mit allen Truppen, die er auf der Straße finden würde, um vor der Hauptstadt Arragoniens mindestens mit einem Corps von 6000 Mann anzukommen. Wo diese herkommen sollen, ist aber nicht abzusehen, da auf der Straße nach Saragossa nur wenige schwache Abtheilun⸗ gen auf einigen Punkten zerstreut stehen, zu Calatayud aber ein De⸗ pot von zahlreichen höchst mißvergnügten Offizieren sich befindet, die auf halben Sold gesetzt, auch hn nicht erhalten.

Auch die Wahl des nach Eatalonien geschickten Generals Lau⸗ reano Sanz ist keine glückliche zu nennen. General Sanz war zur Zeit des, Ee len r . hr e übel en von 18140 General⸗Capitain von Galicien gewesen, hatte aber damals seine Entlassung genommen und, unter Espartero's Regentschaft keine Stelle bekleidet. eren Offizier in der Infanterie, Secretair des Generals Mina, während derselbe die Nord⸗Armee im Jahre 1835 befehligte, hat General Sanz durch keine Waffenthat von Bedeutung sich hervorgethan, und genießt daher auch nur geringen Einfluß in der Armer. Die drei

anderen ihn begleitenden Generale dagegen sind jung, ehrgeizig, haben

in den letzten Ereignissen eine gewisse Rolle gespielt; aber in Cata⸗ sonien werden sie als entschiedene Anhänger der Königin Christine keinen guten Empfang finden. Schelly verdankt dem General O' Don⸗ nell sein Emporkommen, und stand belanntlich im Juni vor Ankunft der Generale Narvaez und Concha zu Valencia an der Spitze des

dortigen Aufstandes. Lara war bisher Gouverneur von Cadix, und

Pavia, ehemals Adjutant des Barons de Meer, als dieser General⸗ Capitain von Catalonien war, tritt dort an seine Stelle. ) Auch aus der Mancha laufen allerlei schlimme Nachrichten ein; zu Alcala Real soll sich eine Abtheilung von vier Escadrons Reiterei zu Gunsten der Central-Junta erhoben und die Stadt verlassen ha⸗ ben. Man soll ihnen eine Abtheilung Infanterie zur Verfolgung nach- geschickt haben. In Carmona und Ecija in Andalusien unh! die größte Verwirrung, man will die Beamten der Regierung nicht aner⸗ kennen: Die Regierung hat nun Befehl gegeben, daß das Provin⸗ zial-Bataillon von Ecija wieder unter die Waffen treten solle. Nach Privatbriefen aus Andalusien scheint man dort nur die Ankunft meh— rerer esparteristischen Generale zu erwarten, um offen sich zu erheben; General Minuissir, welchen die Mißvergnügten zu Valencia für die projektirte Bewegung hatten gewinnen wollen, hat diese Stadt auf Weisung des General-Capitains Roncali verlassen müssen und ist mit dem Dampfschiffe bereits in Marseille angekommen, von wo er sich, wie es heißt, nach Italien begeben will. Graf Parsent, der Hof⸗ marschall des Infanten Francisco de Paula, ist hier zu Paris einge⸗ troffen, und in diesem Augenblicke müssen wohl auch die beiden Depu⸗ tirten Vicomte de Daru und Achille Fould von ihrer Reise nach Ma⸗ drid zurück sein, da sie schon am 23sten mit der Mallepost von dort zu Bayonne eingetroffen waren. . ; Ueber den Gang der Dinge in Catalonien lauten die heute ein⸗ getroffenen Berichte in Zeitungen und Briefen bis zum 21isten guch ganz anders als der Telegraph sie gegeben hatte. Das Gefecht Prinys gegen eine Abtheilung Amettler's zu San Andres del Palo⸗ mar wird darin als ein ganz unbedeutendes Plänkeln dargestellt, das einige Tage schon fortwährte, und weran im Ganzen nur etwa 150 Mann von Amettler's Seite Theil genommen hatten. Die Truppen der Garnison in der Citadelle und zu Barceloneta unterhiel⸗ ten ein fortwährendes Gewehrfeuer, auf das nur wenig geantwortet wurde. Es scheint, daß man diejenigen, welche aus bloßer Jurcht vor Gewaltthätigkelten im ersten Augenblicke des Schreckens die Stadt verlassen hatten, ohne zu einer bestimmten Partei sich zu halten, und die jetzt dahin zurückkehren möchten, daran von Seiten der Truppen Prim's hindern will. Prim hatte einen Vorposten an einen Punkt Cruzcubierta (das bedeckte Kreuz) gestellt, um den Eingang von Lebensmitteln in die Stadt zu verhindern und die Blokade wieder durchzuführen. Allein dies war nicht möglich. Am 17ten in der Nacht hatte Argoz einen Ausfall aus der Citadelle gemacht, um sich des im Quartier de la Bora del Roch belegenen Depots von Lebens⸗ mitteln zu bemächtigen, dessen Existenz ihm durch seine Spione ver⸗ rathen worden war. Allein die Truppen wurden augenblicklich wieder in die Citadelle zurückgedrängt, nachdem sie zwei Offiziere und vier Soldaten todt zurückgelassen hatten. Viele Soldaten benutzten die Gelegenheit zum Desertiren. Am 16ten hatten 800 mobilisirte Mi⸗

lizen von Lloret und Losa und ein von Figueras gekommenes Bataillon

mit Amettler's Truppen sich vereinigt. Am 17ten hielt dieser zu Badalona eine Musterung über seine sämmtlichen Streitkräfte, die auf 8409 Mann angewachsen gewesen sein sollen. Der Telegraph hatte gesagt, das Pronunciamiento von Reus sei mißlungen. In den mir vorliegenden Berichten heißt es im Gegentheile, dasselbe sei am 15ten schon wirklich vor sich gegangen. An der Spitze der Be⸗ wegung soll der unter dem Namen el Roset bekannte Parteigänger, Oberst Francisco Subira, stehen, der im Juni gleichfalls den Auf⸗ stand von Reus und Taragona mit entschieden hatte.

Griechenland. m Paris, 28. Sept. Ueber die Bewegung in Athen haben wir noch weitere Mittheilungen erhalten, welche hier und da die An⸗ gaben des Ob servateur Grec theils ergänzen, theils berichtigen. Alles war zwischen den Chefs der Revolution schon lange vorher be⸗ rathen und beschlossen. Das Zeichen zum Ausbruche der Bewegung wurde durch drei Flintenschüsse gegeben, die aus dem Hause des Herrn Macriani, des Präsidenten des Stadt⸗Rathes von Athen, abgefeuert wurden. Alsbald ließ der Platz⸗Kommandant und Chef der Pali⸗ karen, Calergi, seine Truppen unter die Waffen treten und marschirte an ihrer Spitze nach dem Palaste des Königs. Alles schlief im Pa⸗ laste und in der Stadt. Calergi besetzte alle Zugänge; hierauf stimmten die Chefs und ihre Soldaten den Ruf nach einer Constitu⸗ lion an. Jetzt erst fuhren die Bürger aus dem Schlafe auf; die Einen stiegen auf die Dächer, die Anderen kamen auf die Straßen; rasch wuchs die Masse an, und Alles, in Uebereinstimmung mit den Palikaren, rief nun: „Constitution und fort mit den Fremden“, Inmitten dieses Tumults empfing König Otto, getrennt von seinem Minister-Rathe und blos von seiner Dienerschaft umgeben, die Chefs der Insurgenten und ertheilte die Unterschristen, welche man von ihm begehrte. Außer den gestern in unseren Blättern bereits gegebenen wurden am 15ten noch verschiedene Dekrete veröffentlicht, welche wir hier folgen lassen: Proclamation des Minister-Rathes an die griechische Nation. K Hellenen! Eure Wünsche sind endlich erfüllt. son der Hauptstadt und der Staatsrath haben n Wünsche des Landes, betreffend die Einberufung meMesares, lung der Nation und die desinitios Ven unf, 2 Se? Majestät haben geruht, diese W k

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seiner Streitkräfte wohl eine schwere Aufgabe sein dürfte und zumal

tung der öffentlichen Angelegenheiten