1843 / 123 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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Landsleute, die von den dermaligen griechischen Gewalthabern aus dem Lande geworfen werden, ohne nur rückständige Gehalte und feierlich zugesicherte Reisekosten zu erlangen, von der Heimat aus die nöthigen Mittel erhalten, um in diese zurücklehren zu können. Welcher Gegensatz! Die Philhellenenzeit in Deutschland die schönen Regimenter deutscher Freiwilligen auf dem Marsche nach Triest im Jahre 1831, und jetzt diese Bettler in abgesetzten Soldaten Jacken, welche wir als letzte Ueberreste jener Regimenter durch unsere Straßen ziehen sehen! Und doch haben wir es hier nur mit den fräftigsten Leuten zu thun; denn in Triest und unterweges liegen noch viele, welche nach der langen und beschwerlichen Seereise zu schwach waren, den Wander- und Bettlerstab zu ergreifen, um sich vollends nach Hause zu schleppen. Desto mehr thut es Noth, daß den noch in Griechenland Verweilenden schleunigst geholfen werde, denn es wäre in der That nicht unmöglich, daß für sie außerdem alle Hülfe zu spät käme, und offen bezeichnet die Regierungs Bekanntmachung über die Bildung von Hülfs⸗Comités die Lage jener Unglücklichen als eine vom Elend bedrohte! .

(N. C.) Der vor Kurzem verstorbene Königl. bayerische Staats⸗ Minister und Gesandte am deutschen Bundestage, Maximilian Frei— herr von Lerchenfeld Aham, war im Jahr 1779 in München geboren, und hatte seine Studien auf der damaligen Universität Ingolstadt vollendet. Im Jahre 1806 wurde er zum Gesandten am württem bergischen Hofe ernannt, verließ aber die diplomatische Laufbahn, um als General-Commissair und Regierungs-Peäsident an die Spitze der Regierung des Rezatkreises zu treten. Dieselbe Function beklei dete er 180) bei der damaligen Regierung des Pegniz Kreises (deren Sitz in Nürnberg war), dann 1811 in Innsbruck und 1814 in Würzburg. Von 1817 bis 1825 führte er das Portefeuille des Fi nanz⸗Ministeriums, und wurde dann als Gesandter an den Bundes tag versetzt. Im Jahre 1833 trat er auf's Neue (an Herrn von Mieg's Stelle) das Finanz Ministerium an, wurde 1835 als Ge sandter nach Wien, und 1842, nach Herrn von Mieg's Tode, aber— mals nach Frankfurt ernannt. Freiherr von Lerchenfeld hat dem nach unter zwei Souverainen die höchsten Staatsämter bekleidet, und sowohl durch praktisches Wissen und Talent, wie durch unermüdeten Geschäftseifer seinem Vaterlande während einer 37 jährigen Lauf bahn ausgezeichnete Dienste geleistet.

Augsburg, im Okt. (3. J.) Aus einer Anzeige des hiesi gen Rektorats der polytechnischen Schule ist zu entnehmen, daß der Unterricht für die den Zoll-Vereinsstaaten angehörigen Schüler un entgeldlich ist.

Hof, 16. Okt. (L. Z.) Sowohl in Bayern, als in dem be⸗ nachbarten Böhmen, gehört es zu den Auszeichnungen dieses Jahres, daß man eine so gute Hopfen-Aerndte gemacht hat, wie man sie wohl seit zwanzig Jahren nicht weiß. Dieser Segen wird wahrscheinlich die Luxusbiere aufs neue empfehlen.

Hannover. Hannover, 25. Okt. (K. A. 3.) Der König ist von seiner Unpäßlichkeit in Folge des lüneburger Lagers, nament lich der letzten großen Parade, bei welcher Se. Majestät mehrere

Stunden im furchtbarsten Regen zu Pferde zugebracht, wiederher gestellt und gestern Abend zur Jagd nach Celle gefahren, wird aber bereits morgen wieder zurückkehren. Die Herzogin von Cambridge wird, wie jetzt bestimmt verlautet, am 25sten oder 29sten hier ein treffen, aber nur einen Tag verweilen; der Herzog von Cambridge soll aber die wiederholten Einladungen zu einem Besuch an hiesigem Hofe anzunehmen verhindert sein. Die lüneburgische Landschaft hat den Justizrath von Estorff zum Ober-Appellations Rath an die Stelle des Herrn von Lenthe gewählt, zugleich soll aber das ObersAppella⸗ tionsgericht entschlossen sein, seine Besetzung dieser Stelle, also den Justizrath von Langwerth, aufrecht zu erhalten. Welche Partei die Regierung in diesem Konflikte ergreifen wird, ist noch nicht mit Be⸗ stimmtheit vorher zu sagen. Auf der bis Lehrte vollendeten Strecke unserer Eisenbahn finden jetzt regelmäßige Fahrten statt.

Hannover, 27. Okt. (H. 3.) Se. Majestät der König sind heute Nachmittags 27 Uhr von Celle wieder zurückgekehrt. Se. nigl. Hoheit der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, Se. Durch laucht der Herzog von Sachsen-Altenburg und Se. Durchlaucht der Prinz Alexander zu Solms-Braunfels sind ebenfalls von Celle in hiesiger Residenz wieder eingetroffen.

Großh. Hessen. Bingen, 26. Okt. (Gr. H. 3.) Die von der Allgemeinen Zeitung in einer Korrespondenz aus Wiesba den, 16. Oktober gegebene Nachricht von dem Sr. Durchlaucht dem Herzoge von Nassau auf dem Rheine begegneten Unfalle bedarf einer wesentlichen Berichtigung. Es ist nicht wahr, daß die Jacht Sr. Durchlaucht vom Stürme umgeworfen worden und der Herzog in den Strom gestürzt sei. Das Fahrzeug befand sich blos in Noth, und der Mast wurde vom Sturme zerbrochen. Herbeieilende Schiffer brachten

es jedoch ohne weiteren Unfall glücklich ans Land. Morgen wird Ihre Kaiserl. Hoheit die Großfürstin Michael mit ihren Durchlauch⸗

tigsten Töchtern unsere Stadt verlassen und die Rückreise nach Ruß- land antreten. nach Wien begiebt, wird Ihre Kaiserl. Hoheiten einen Theil der Reise begleiten.

Sachsen-Koburg-Gotha. Koburg, 21. Oktober. (Fr. M.) Vorgestern hat der Herzog Ferdinand von Sachsen-Koburg⸗

Se. Durchlaucht der Herzog von Nassau, welcher sich

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Gotha mit seinem jüngsten Sohne, dem Prinzen Leopold, nachdem Höchstdieselben seit Mitte vorigen Monats hier verweilten, unsere Residenz wieder verlassen und ist nach Wien abgereist. Prinz August wird mit seiner erlauchten Gemahlin bis gegen Neujahr hier wohnen, und wie es heißt, während die durchl. Landesherrschaften nach der Winterresidenz Gotha ziehen, einige Wintermonate bei seinem König⸗ lichen Schwiegervater in Paris zubringen. Ein Gleiches gilt von dem, seit einigen Wochen hier weilenden Herzog Alexander von Württemberg. Die Frau Prinzessin Klementine scheint sich in Ko⸗ burgs fürstlichem Familienkreise ganz besonders zu gefallen Einfach, doch nicht zurückgezogen lebend, sieht man Ihre Königl. Hoheit nicht selten auf den Promenaden und dem Wege zur Kirche, und manche Thräne des Dankes ist ihren stillen Wohlthaten schon geflossen. Dabei inter— essirt sich Prinzessin Klementine ganz besonders für deutsche Kunst und Wissenschaft, und mehrere klassische, namentlich Schillersche Dramen, kamen deshalb in der letzten Zeit auf unserem Herzoglichen Hoftheater zur Aufführung. Kussland und Polen.

St. Petersburg, 24. Okt. Am 18ten d. Nachmittags sind auch Ihre Masjestät die Kaiserin und Ihre Kaiserl. Hoheiten die Groß fürstinnen Olga und Alexandra Nikolajewna in vollkommenem Wohl sein aus Moskau in Zarskoje-Selo angekommen.

Vorgestern hat die Taufe des Großfürsten Nikolaus stattgefunden. Auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers hatten sich zu dieser heiligen Handlung alle vornehme Personen beiderlei Geschlechts, so wie auch die Stabs- und Ober-Offiziere der Garde und Armee, um 10 Uhr Morgens im Palaste von Zarskoje-Selo zur Anhörung der heiligen Liturgie eingefunden. Die

za Damen erschienen im russischen Kleide, die Herren in Parade ⸗-Unisorm. J

Paris, 25. Okt. Gestern Nachmittags besuchte der König zu Pferde und in Begleitung seiner Adjutanten und anderer Ober-Sssi— ziere das Fort Mont Valérien und nahm die dortigen Befestigungs Arbeiten in Augenschein. Obgleich Se. Majestät unerwartet kam, hatte sich bald eine zahlreiche Volksmenge versammelt, die den Mo narchen auf seinem Wege mit dem wiederholten Ruf: „Es lebe der König!“ begrüßte.

Der Herzog von Nemours feierte gestern seinen Geburtstag; Se. Königl. Hoheit hat das 30ste Jahr angetreten.

Man versichert, es seien mit dem Hofe von Neapel Unterhand lungen angeknüpft worden, um den Herzog von Aumale mit einer der Schwestern des Königs Ferdinand zu vermählen. Die Reise, welche Madame Adelaide nach dem Königreiche beider Sicilien unternehmen sollte, und die nur wegen ihrer Krankheit unterblieb, soll zum großen Theil den Zweck gehabt haben, diese Unterhandlungen zu beendigen. Da diese Reise aber nicht stattfinden konnte, so wäre angeblich der französische Botschafter in Neapel, Herr von Montebello, damit beauf tragt, die Verhandlungen zu leiten, und man versichert, daß die Reise des Grafen von Syrakus nach Paris denselben Zweck gehabt habe. Wenn diese Vermuthungen begründet sind, so wäre ein spezieller An⸗ laß vorhanden, weshalb der Herzog von Aumale vor dem Antritt seines Befehlshaber-Postens in Konstantine eine Reise nach Neapel gemacht. Durch diese Verbindung würde übrigens der Herzog von Aumale der Schwager der Herzogin von Berry, des Kaisers von Brasilien, der Königin Marie Christine und der Prinzessin Charlotte (Gemahlin Don Francisco de Paula), so wie der Onkel des Her zogs von Bordeaux, der Königin von Spanien und des Herzogs von Cadir werden. Die Operationen des nächsten Feldzuges in Algier wird der Herzog noch nicht leiten können, da man ihn erst im De zember oder Januar in Konstantine erwartet.

Der Herzog von Montpensier wird heute oder morgen von Metz in den Tuilerieen zurück erwartet.

Däe Frage hinsichtlich der Präsidentschaft der Deputirten⸗Kammer wird bei Eröffnung der nächsten Session, allem Anscheine nach, einen sehr lebhaften Kampf veranlassen. Die Ministeriellen selbst sollen mit der Geschäftsführung des Herrn Sauzet sehr unzufrieden sein und viele von ihnen ihre Stimmen einem anderen Kandidaten zuwenden wollen. Das Kabinet jedoch, heißt es, sei entschlossen, die Kandidatur des Herrn Sauzet zu unterstützen. Der Kandidat sämmtlicher Nüan cen der Opposition wird Herr von Lamartine sein, für den man sich in Folge der Spaltung in den ministeriellen Reihen keine geringe Aussichten verspricht.

Man bewundert seit einigen Tagen bei einem Juwelenhändler von Paris einen Schmuck, bestehend aus einem Diadem, Ohrringen, Armbändern, einem Gürtel und einem Halsband, zusammengesetzt aus mehr als 1500 Tiamanten vom reinsten Wasser, von denen mehrere die Größe einer Haselnuß haben. Es sind dies, wie man versichert, die Diamanten der Prinzessin von Joinville, die auf französische Weise gefaßt wurden. Ihr Werth wird auf 1,500,000 Fr. geschätzt.

X Paris, 25. Okt. Der Herzog von Aumale hat zu Turin, wo er am 18ten Abends eintraf, von Seiten der Königlichen Familie einen ausgezeichnet freundlichen Empfang gefunden. Der König stellte sogleich sein altes Hotel Carignan zur Verfügung des Prinzen, und ließ eine Ehrenwache davor aufstellen, welche der Prinz die Musterung passiren ließ, dann aber zurückschickte, indem er erklärte, während seines Aufenthaltes zu Turin keiner Wache zu bedürfen. Am 19ten fand zu Ehren des Herzogs am Hofe ein großes Diner Statt, worauf der Herzog, von den Prinzen begleitet, der Vorstellung im Theater beiwohnte. Am 20sten wurden auf dem Marsfelde große

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Manövers von der Garnison von Turin ausgeführt, wobei der König, die Prinzen des Königlichen Hauses und der Herzog von Aumale er schienen, und von dem Herzog von Genua mit der Artillerie, deren Kom mandant derselbe ist, empfangen wurden. Der Herzog von Aumale ritt dabei ein herrliches Pferd, das Se. Majestät der König ihm an demselben Morgen geschickt hatte. Auch von Seiten der Bevölkerung hatte der französische Prinz sich zahlreicher Beweise freundlichen Ent gegenkommens zu erfreuen. Inzwischen sind die Wagen desselben am 21. zu Toulon eingetroffen und daselbst auf der Fregatte „Asmod ée“ eingeschifft worden. Man hat vielfach den wahren Zweck der Reise des Prinzen nach Italien und insbesondere nach Neapel zu deuten gesucht, derselben politische Motive unterlegt, wie es scheint, mit Unrecht, wenigstens scheinen die von gutunterrichteten Personen mir darüber zugekommenen Notizen lediglich auf einige Familien⸗-Angele genheiten hinzudeuten, welche der Prinz bei seiner Anwesenheit zu Neapel vollends ins Reine bringen soll. Seine Reise wird aber jedenfalls so viel Zeit in Anspruch nehmen, daß er erst nach Been digung des Herbstfeldzuges, nämlich gegen Mitte Novembers, in Kon stantine eintreffen wird.

Gestern schon und heute hatte man neue Nachrichten aus Al⸗ gier erwartet, die jedoch nicht eingetroffen sind. Das den Dienst der RKorrespondenz versehende Dampfschiff, welches am Morgen des 15ten Algier verlassen mußte, war am 2lsten ungeachtet das Wetter ziem lich schön war, noch nicht eingetroffen. Man hofft, mit demselben Näheres über die Expedition des Marschalls Bugeaud zu erfahren, der, nach einem über Marseille eingetroffenen Briefe aus Algier vom 15ten, den das Handels- Paketboot „Nantes und Bordeaux“ am 17ten' nach Marseille überbracht hatte, bereits nach Algier zurückge kommen sein soll, ohne daß jedoch die Ursache dieser seiner eben so schnellen als unerwarteten Rückkehr angegeben wäre. Wie man hört, sollten alle mobilen Kolonnen des Westens im Einklange mit denen, die von Milianah und Orleansville abgegangen waren, operiren, und allem Anscheine nach ist der Marschall Bugeaud auf diese Weise auf seinem Zuge ins Innere mit dem General Lieutenant Lamoricièere zu sammengetroffen. Auch im Osten hatten die Militair-Operationen unter der Leitung des Generals Baraguay d'Hilliers wieder begonnen; derselbe muß mit seiner aktiven Division aus Konstantine ausgerückt sein, desgleichen sollte sich die kürzlich zu Bona gebildete mobile Ko lonne gegen den 15. Oktober in Marsch setzen.

Der Stand der Dinge in der Provinz Konstantine ist fortwäh⸗ rend im Allgemeinen befriedigend, und dort, scheint es, setzt sich die Herrschaft der Europäer zuerst wirklich fest und schlägt Wurzeln unter der eingeborenen muselmännischen Bevölkerung, seit man die Fehler vermeidet, in welche die Verwaltung des Generals Negrier daselbst verfallen war. Eine sehr beachtenswerthe Erscheinung ist, wie auch dort das Element des Islam, der asiatischen Barbarei, dem christli chen, der europäischen Ewvilisation sichtlich immer mehr zu weichen be ginnt, und wie schon jetzt die Sitten und Gewohnheiten der einge borenen Bevölkerung sich immer mehr jenen der Europäer anzunähern an fangen. Diese Umwandlung kann von Frankreich natürlich nur mit Befriedigung gesehen werden, da sie mächtig zur Festsetzung seiner Herrschaft in Afrika beizutragen geeignet ist. In Konstantine sind die Fälle schon nicht mehr selter, wo selbst angesehene einheimische Fami lien Ehen nach europäischer Sitte und nach französischem Gesetz ab schließen, indem die Männer förmlich auf das Recht, mehrere Frauen zu haben, so wie auf jenes, die einmal ihnen angetraute Frau wieder fortschicken zu können, wenn ihnen die Laune dazu ankommen sollte, Verzicht leisten. Dergleichen Erscheinungen sind sicherlich bedeutende Nesultate in dem unter großen Schwierigkeiten und daher nur lang sam voranschreitenden Civilisirungs-Prozesse jener Länder, die so viele Jahrhunderte hindurch wieder in die Finsterniß und unter das Joch der krassesten Barbarei zurückgefallen waren.

A Paris, 26. Okt. Nach einer ersten ziemlich kleinlauten Protestation gegen die bekannten Drohungen des Erzbischofs von Lyon, kommt das Journal des Dabats heute auf das vielbe sprochene Schreiben dieses Prälaten an den Rektor der Akademie von Lyon zurück, und zwar in einem nicht ganz so unentschiedenen Tone als das erstemal, und mit deutlicher hervortretendem Bewußtsein von der absoluten Unrechtmäßigkeit des von dem Erzbischofe von Lyon im Namen der Kirche erhobenen Anspruchs, eine direkte Kontrolle über die Wahl der Lehrer an den Unterrichts-Anstalten des Staates aus zuüben. Das Journal des Däbats macht sogar dem Minister des öffentlichen Unterrichtes einen Vorwurf daraus, daß er es nicht selbst übernehme, diesen neuen Uebergriff in amtlicherweise abzuweh ren, dessen Charakter es sehr treffend mit folgenden Worten schildert: „Wenn der Minister des Unterrichts die öffentlichen Lehrer künftig nur unter Vorbehalt des Beifalls der Bischöfe ernennen kann, so ist Alles abgemacht, so giebt es keine Universität mehr in Frankreich. Der alte Plan, die Erziehung der Jugend in die Hände der Geistlich keit zu geben, ist verwirklicht. Mit Hülfe der unbegreiflichen Drohung, die Kaplane der Gymnasien abzuberufen, was eben so gut ist wie die Exkommunizirung, hat es der Bischof immer in der Gewalt, die Er— nennung des Professors zu erzwingen, den er haben will. Das Per sonal des Lehrstandes fällt auf diese Weise in die Gewalt seiner Nebenbuhler, um nicht zu sagen, seiner Feinde. Wenn der Minister einen Lehrer anstellen will, so hat er nichts Dringenderes zu thun, als den Bischof um seine Mei nung zu fragen und seine Einwilligung zu erlangen. Wo nicht, so hört der Gottesdienst in den Gymnasien auf, so sindet kein Reli gions-Unterricht mehr statt, so wird keine Corfirmation mehr vorge nommen. Nachdrückliche Aufforderung an die Familienväter, ihre Kin

warben sich durch ihre Gruppenbildungen, durch das Tanzen und Balanei— len nach obenhin, wobei die Füße den Dienst der Hände versehen, und durch die Entfaltung einer fast übermenschlichen Kraft, die in der Schönheit der sich entwickelnden Formgebilde auf das Gebiet der Kunst rückte, den rauschendsten Beifall und Hervorruf. Die Illustrirte Zeitung hat uns vor kurzem die wirlich erstaunengwerthen Erercilien dieser Herkulesse in el-

gie gebracht, jetzt ist die beste Gele 9 . , wimdern zn zn em ste Gelegenheit geboten, sie auch in . be⸗

Oratorium von Marr.

Erfurt. Zur diesjährigen Feier Gehur * sestã wurde von einem der hann nd . , Herrn Piofessor Marx aus Berlin, „Mose“, aufgeführt 6**n Hier nicht der, Srt, eine ausführliche Kritik über das Wert selbst zu , 6 viel sei gesagt, daß man es mit Recht als eine der ausgezeichneisten Schopfun⸗ gen im Gebiete der neueren Tonkunst und als eine durchaus originelle Er⸗ scheinung im Bereich der geistlichen Musik bezeichnen kann. Im „Mose“ sinden wir einen ganz eigenthümlichen, großartig durch gepragten Charaller eine neue Anschauungsform des Oratoriums. ;

scher und dramatischer geführt worden. fühnen Pinselstrichen,

reicher musikalischer

c r or Während in den übrigen Oratorien mehr oder weniger eine gewisse Idee in einer Mischung von lzri— ̃ : oesie dargestellt wird, ist hier der Begriff des Org— toriums, als eines geistlichen Drama's, scharf erkannt und konsequent durch- orden. Die großen Begebenheiten jener alten heiligen Zeit werden in einer Reihe gewaltiger Bilder vorübergeführt und mit Erfindung lebendig und

frisch der Seele eingezeichnet. Wir sehen das israelitische Volk leiden und siegen, die Aegopter jubeln und fallen, die kräftigen Gestalten des Mose und Aaron vor uns handeln, hören die allmächtige geheimniß⸗ volle Stimme des Herrn aus dem feurigen Busch und von den Höhen des Sinai. Die allgemeine lyrische Schönheit der Musik hat sich der höheren dramatischen Wahrheit untergeordnet und tritt daher im Einzelnen um so wirksamer hervor. Deshalb ist auch der Eindruck dieses Werkes so unmit telbar und ergreifend, es führt den Hörer mitten in die Handlung ein und reißt ihn unaufhaltsam in derselben vorwärts. .

Die Ausführung unter der Leitung des Herrn Komponisten war der Sache würdig, dem lebendigen musikalischen Sinn unserer Stadt angemessen, und wurde in der überfüllten Kirche mit allgemeiner Begeisterung aufge— nommen. Es bleibt uns nur der Wunsch, daß dies originelle Produkt eines echt deutschen Geistes bald recht allgemein verbreitet und zum Ge meingut der Nation und aller Verehrer der wahren Kunst 5 .

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Dresden, 27. Okt. Die Wirren und Spaltungen, welche zwei Jahre lang das Direktorium und eine große Anzahl der Mitglieder des sächsischen Kunst-Vereins zu Dresden auseinanderhielten, sind durch die in der gestrigen General-Versammlung erfolgte Annahme der neuen Statuten mit einer Stimmen-Mehrheit von 150 Stimmen endlich glücklich beseitigt worden. Außer verschiedenen formellen Verbesserungen in der Zusammen— setzung des Direktoriums, festen Normen über Stimm- und Wahlrecht der auswärligen Mitglieder Ac, ist unter Anderem auch für die beim sächsischen Junst . Rerein sich betheiligenden Auswärtigen vor Allem folgende materielle Neuerung von Interesse nd Wichtigkeit. Rach §. I5 der neuen Statuten

sollen jährlich 529 der Brutto-Einnahme zur Stiftung und Erwerbung von Kunstwerken für öffentliche Zwecke zurückgelegt werden. Vorschläge für der artige Kunstwerke können sowohl vom Direktorium, als auch von Einzelnen und Kommunen ausgehen. (S. 16). Das Direktorium hat zu prüfen, ob letzteren Falles die Vorschläge ausführbar, kunstgemäß und den Mitteln entsprechend sind. Erheischt der Vorschlag mehr als die dem V ireftorium dasür angemessen erscheinenden Mittel, so bleibt es den Betheiligten überlassen, den Mehrbetrag selbst aufzubringen oder einen weniger Kosten verursachenden Kunstgegenstand vorzuschlagen. Wird der Vorschlag hingegen annehmbar gefunden und von der Genkral-Versammlung genehmigt, so wird sofert zur Bestellung des Wertes geschritten, und bleibt dasselbe underäußerliches Eigen. thum der' Kommune. Eine Dentschrift davon wird bezeichnen, ob es außer dem Verein auch durch Kommune oder andere Mittel unterstützt werde (8. 17). Die Wirksamkeit des Vereins durch Ankauf ist auf die Werke von Künstlern aus allen deutschen Ländern, und selbst von ausländischen Künstlern, wenn selbige auf einer, deutschen Kunstschule gebildet worden oder in einem deutschen Lande wesentlich wohnhaft sind, ausgedehnt. Dabei sol⸗ len außer den in Sachsen geborenen oder daselbst lebenden Künstlern vor— zugsweise die Künstler derjenigen deutschen Länder, berücksichtigt, werden, welche durch eine größere Anzahl von Actien (wenigstens 25) die Mittel des sächsischen Kunst-Vereins dauernd unterstützen. Wir hegen die Hoff— nung, daß diese äußere Wiedergeburt des Kunst-Vereins auch eine neue Belebung seines Inneren mit sich bringen und namentlich auch den alten Krebsschaden des Indifferentismus, der auch hier an der Vegsandung unse⸗ res Kunst-Instituts die Hauptschuld trug, beseitigen werde.

der aus diesen verfluchten Austalten hinwegzunehmen.“ Es genügt, diese Dinge aufzuzählen, um jeden unbefangenen Geist zu überzeugen, daß die vom Erzbischof von Lyon in Anspruch genommene Rolle vor (M Jahren vielleicht an der Zeit gewesen wäre, daß aber in den heutigen Tagen schon die, bloße Idee derselben ein Anachronismus ist. Das 3 ournal des Däbats erinnert daran, daß die französische Staatsgewalt bei früheren Konflikten mit der kirchlichen Macht sich Dadurch zu helfen wußte, daß sie die weltlichen Besitzthümer der Rirche mit Beschlag belegte, worauf denn unfehlbar ein Vergleich eintrat, aber es wagt nicht, ein analoges Verfahren für die gegenwärtigen Verhältnisse als möglich hinzustellen. Wo ist indessen der Ausweg, auf welchem die Regierung der ihr von der Geistlichkeit angedrohten Vormundschaft entgehen kann? Das Journal des Deébats weiß der Regierung keinen Rath zu geben, und sein heutiger Artikel muß auf jeden Leser den Eindruck zurücklassen, daß es die Durchführung der vom Erzbischof von Lyon erhobenen Forderung nur von der Kon— sequenz und dem festen Willen der Geistlichkeit abhängig macht. Grossbritanien und Irland.

London, 25. Okt. Heute begaben Ihre Majestät die Königin und Prinz Albrecht sich in Begleitung eines zahlreichen Gefolges und unter militairischer Eskorte von Windsor nach der Eisenbahn-Station Slough, um ihre Reise nach Cambridge anzutreten. Man schreibt aus letzterem Orte vom gestrigen Tage, daß die Universität große Anstalten zu einem würdigen und feierlichen Empfange der Königin getroffen hat. D

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Prinz Albrecht soll mit der Doktorwürde beehrt wer den. Es wird von einer gegenüber dem Altare in Kings College errichteten Platform viel gesprochen, auf welcher Ihre Majestät den Sessel einnehmen soll, dessen die Königin Elisabeth bei ihrem Besuche im Jahre 1564 sich bedient hat.

Die liberalen Blätter feiern mit großem Triumph den Sieg des Herrn Pattison über Herrn Baring bei der Wahl in der City. Nach dem offiziell publizirten Stimm -Register hatte der Erstere nur eine Mehrheit von 165 Stimmen für sich, nicht 201, wie es anfangs hieß. Man sieht indeß diese Wahl immer als eine Niederlage des Ministe riums an und beweist sogar daraus dessen nahebevorstehenden Sturz, zumal da dasselbe Alles aufgeboten habe, Herrn Baring zum Siege zu verhelfen. „Von Schwierigkeiten umstellt und von Verlegenheiten mancherlei Art verwirrt“, schreibt der Globe, „würde das Ministe rium den günstigen Ausgang der Wahl in der City als ein Zeichen des Vertrauens zu der Regierung haben anse hen können, besonders da dies in einem Wahl⸗Bezirke sich kundgegeben hätte, dessen Entscheidung eine günstige Rückwirkung in allen Theilen des Landes zur Folge gehabt haben würde. Je größer indeß die Vortheile eines Sieges gewesen wären, desto größer sind nun auch die Nachtheile der Niederlage. In dem numerischen Ver— hältnisse der Parteien hätte freilich das entgegengesetzte Resultat keine Aenderung hervorgebracht, aber die Abstimmung sollte die Ansichten der Bürger von London über die Politik der Regierung offenbaren, sollte anzeigen, ob in der öffentlichen Meinung seit dem Eintritte des Ministeriums eine Reaction stattgefunden habe, oder nicht, und aus diesem höheren und unter den jetzigen Verhältnissen der Regierung viel wichtigeren Standpunkte richteten sich die Augen aller Parteien auf die Wahl in der City.“ Die ministeriellen Blätter haben hierauf nichts Ent— scheidendes zu antworten, was der Globe widerlegte. Die Ultras, durch Times und Post vertreten, erklären das Resultat aus dem Mangel an Energie, den das Ministerium bewiesen habe und der die eigene Partei ihm abwendig mache; der streng ministerielle Stan dard und Herald wollen gar darin ein Zeichen der Prosperität und des Vertrauens zur Regierung im Lande sehen, da die konservative Partei es gar nicht einmal der Mühe werth gehalten habe, Anstren gungen zu machen! Es ist nutzlos, solche Argumente aufzuführen; sie beweisen nichts und können das Faktum nicht widerlegen, daß der Handelsstand von London den Whigs gehört und dem Systeme des freien Handels, wie vorgegeben wird, anhängt; der ganze freie Handel beschränkt sich nämlich auf die Abschaffung des Schutzes der Agrikultur.

Der Haupt-Deponent der Regierung in Irland, auf dessen Aussagen die Klage gegen O'Connell begründet wird, nämlich der Schnellschrei ber Hughes ist von dem Mitangeklagten, Herrn Barrett, Nedactenr des Pilot, des Meineides angeklagt worden, weil er demselben eine Rede in den Mund gelegt habe, die er zu Mullagheast gehalten haben sollte, während er durch mehrere Zeugen sein alibi beschwören lassen könne. Der Schnellschreiber Hughes ist durch seine Unkenntniß der Personen zu diesen Unrichtigkeiten verleitet worden, die indeß in dem ganzen Prozeß keine Aenderung herbeiführen werden.

Die Truppen-Sendungen nach Irland dauern fort. Am 2!sten d. schifften sich 2900 Mann Artillerie von Liverpool nach Dublin ein, und zwei Kavallerie-Regimenter sollen heute und morgen ebenfalls eingeschifft werden.

WJ ü Aus dem Haag, 23. Okt. In der zweiten Kammer der Generalstaaten haben große Debatten über die Ernennung des neuen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten stattgefunden. Der Königliche Beschluß, welcher Herrn de la Sarraz dies Portefeuille übertrug, war nicht durch einen Minister kontrasignirt, und folglich, sagte man, hatte keiner die Verantwortlichkeit dafür. Es hieß dies die constitutionelle Unverletzlichkeit des Königs bloßstellen. Das im Jahre 1840 revidirte Fundamental-Gesetz sagt, daß jeder Minister für die Handlungen des Ministeriums, zu dem er gehört, verantwort lich sei. Wie will man nunmehr behaupten, daß ein Minister, der einem oder dem anderen Departement fremd ist, für die Ernennung eines seiner Kollegen verantwortlich gemacht werden könne? Wir haben bei uns keinen Präsidenten des Minister-Conseils, der doch in solchen Fällen allein zur Kontrasignirung aufgefordert werden könnte. Aber wie sehr unsere constitutionellen Beputirten in ihrem Sitzungs saale auch ihre Stimme erheben mögen, um die ministerielle Verant— wortlichkeit aufrecht zu erhalten, diese Stimme wird ungehört verhal len, sobald es sich um die Ernennung eines neuen Ministers durch den König handelt, weil diese Ernennung von keinem besonderen Depar— tement abhängt. Dies hat der Justiz-Minister der Kammer sehr gut auseinandergesetzt, die sich denn auch von der Richtigkeit seines Raison nements überzeugte und die Ordonnanz in Betreff der Notification der Ernennung des neuen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten mit 27 gegen 15 Stimmen annahm. w Viele Deputirte meinten, die Kontrasignirung eines Ministers gebe, der Jammer und der Nation die Versicherung, daß der neue Minister alle Eigenschaften eines guten Ministers besitze. Es han delte sich aber hier nicht um die Eigenschaften, die zu einer Ernen—⸗ nung erforderlich sind, sondern um die Fähigkeit als Staatsmann, und man muß bekennen, daß, wenn die constitutionellen Prinzipien das Feld der intellektuellen Kenntnisse ausbeuten wollen, wir in ein sol⸗ ches Labyrinth der politischen und rationellen Meinungen gerathen werden, daß die Verantwortlichkeit ein lächerliches, e nn e, und nach dem Winde der Leidenschaften sehr gefügiges Wort wer⸗ den wird. . Das F e Fe ; J. 66 , . Heset derlangt leine weges, daß der Beschluß, h nen Minister ernennt, von dem Minister eines anderen De hartemen gz kontrasignirt sei, es sagt nichts von dieser Formalität. Warum sollte dies auch so sein? Warum will man den Grundsatz

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aufstellen, daß die constitutionellen Prinzipien gebieterisch diese Kon— trasignirung verlaugen? Wer hat denn die allgemeine Syntar der constitutionellen Prinzipien verfaßt, die auf diese Weise stillschweigend in irgend ein Fundamental-Gesetz es oflici9 Bedingungen oder Ar tikel einschalten, von denen darin nicht die Rede ist? Alle diese For derungen passen in das System derjenigen, die Alles nach ihrer Weise regieren wollen. Die Entscheidung der Kammer wird für die Zukunft als Gesetz gelten und man muß ihr für ihre Weisheit und Mäßigung danken. Die Verfassungen haben verschiedene Basen, verschiedene Prinzipien; man kauft nicht Formulare zu Constitutionen, wie For mulare zu Notariats- Akten.

. Ueber die Ernennung eines Finanz-Ministers ist noch immer nichts entschieden. Man spricht fortwährend von der Reduction der Rente, von der Einkommen-Steuer; allein es verlautet noch nichts Bestimmtes darüber. Die Opposition bewegt sich auf dem gewohnten Wege, spricht von Ersparungen und wirft sich mit ihrem ganzen Gewicht auf die Armee, den Generalstab und die Beamten, um das Land zu retten. Von den Rentiers des Staats, welche ruhig die Hälfte des Budgets verzehren, spricht man kaum.

„Heut wurde die Antwort auf die Thron-Rede in den Sectionen erörtert; sie wurde genehmigt, und darauf zur Berathung an die erste Kammer gesandt.

Die Organisation der Armee hat Veränderungen erfahren und noch andere werden bald folgen. Die zweite Kammer hat es wollt, während die Repräsentanten des neutralen lionen für die Armee bewilligt haben!

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Luzern, 22. Okt. (O. P. A. 3.) Unmittelbar nach dem am 20. Oktober erfolgten Beschlusse des Großen Raths über die aargaui sche Kloster Angelegenheit gab die Minderheit, mit Ausnahme des Altschultheiß V. Rültimann, folgende Erklärung zu Protokoll: „Die Unterzeichneten erklären, daß sie zu vorstehendem Beschlusse nicht ge stimmt haben, indem sie die Ansicht hegen, daß derselbe der erste Schritt sei, eine für das Vaterland unheilvolle Bahn einzuschlagen, auf welcher unabsehbare Zerwürfnisse und vielleicht selbst blutiger Bürgerkrieg in der Eidgenossenschaft herbeigeführt werden. Sie wollen darum ihre Namen vor jeder Theilnahme an diesem Be schlusse bewahrt wissen.“ Gez. Dr. Kasimir Pfyffer; Jakob Kopp; Joseph Bühler; Ignaz Kaufmann; Arnold von Mehlseken; Arnold von Schlierbach.

Genf, 20. Okt. n der Revue liest man: „Man versichert, daß die Israeliten vom Staats-Rath die Erlaubniß erhalten haben, ihren Gottesdienst in Genf zu feiern, den sie bisher nur in der Stadt Carouge ausüben durften. Wir wünschen dem Staats-Rathe Glück zu dieser Handlung der Gerechtigkeit und Duldsamkeit und werden uns freuen, wenn wir derartige Verfügungen noch öfters mittheilen können.“

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Neuchatel, 18. Oft. (A. 3.) Zu den vielen öffentlichen Bauten, die seit Jahren in und um Neuchatel unternommen und vollendet worden sind, gehört besonders der Tunnel oder Kanal des Seyon. Letzterer ist ein wilder, bei großem Wasser im Frühling und Herbst und nach heftigen Regengüssen auch im Sommer unbändiger Waldstrom, der durch die Stadt fließt, außer jener Zeit aber fast trocken liegt, schmutzig aussieht und durch seine Migasmen im Sommer ein großer Uebelstand für die Stadt ist. Es wurde daher beschlossen, den Seyon durch ein neues Kanal bett südlich von der Stadt in den See zu leiten, sein bisheriges Bett in der Stadt aber nach Abtragung der Brücken und Ausfül lung des Betts zur bedeutenden Vergrößerung und Verschönerung Neuchatels zu benutzen. Dieser neue Kanal mit seinen malerischen Wasserfällen sollte am 15. d., dem Geburtstag des Königs eröffnet und der Seyon in ihn geleitet werden; nur ein Damm trennte ihn von seinem neuen Bett. In der Nacht vom 9. auf den 10. schwellte jedoch heftiger Regen den Strom so an, daß er den Damm durch brach und sich von selbst in sein neues Bett stürzte; nur ein kleiner Theil lief noch durch die Stadt. Drei schöne Wasserfälle hatte das mächtige Wasser in dem neuen Kanal gebildet. Dieser schöne Wasser bau ist von großer Wichtigkeit für die Stadt, die dabei keine Kosten geschent hat. So wurden allein dies Jahr 60,000 schweizer Franken bestimmt zur Grabung des 2200 langen bedeckten Kanals, der das für die Reinlichkeit der Straßen nöthige Wasser in die Stadt führen soll, eine Arbeit, die im Ganzen noch 37,9060 Fr. kosten dürfte.

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X Paris, 25. Okt. Laut der Nachrichten aus Saragossa vom 19ten, welche wir heute erhalten, hatte der General Concha die Beschießung der Stadt am Morgen jenes Tages noch nicht be gonnen, wiewohl das erwartete Belagerungsgeschütz längst angekom men und in Batterieen aufgefahren war. Das Gewehrfeuer dagegen dauerte auf beiden Seiten seit mehreren Tagen vom Morgen bis zum Abend fort, ohne indessen großen Schaden anzurichten. Die Bela gerten bedienten sich überdies von Zeit zu Zeit ihrer Kanonen der General Lopez Baslos hat nämlich bei seinem Abmarsche aus Saragossa einige zwanzig Stück 3Zwölf⸗, Sechzehn- und Vierund zwanzigpfünder in der Stadt zurückgelassen, welche die ganze Artillerie der Insurgenten zu bilden scheinen und sie haben auch einige Granaten in das Lager des Generals Concha geworfen. Die Blokade- Linie des General-Capitains geht von einem befestigten Thurme aus, der zwischen dem rechten Ebroufer und dem Schlosse liegt, und in dessen Nähe ein Blockhaus zur Beschützung der Fähre über den Ebro erbaut ist. Von dem Schlosse aus beschreibt die Blokade Linie einen starken Bogen, der sich auf eine an der Straße nach Madrid gebaute sehr feste Schanze stützt; von da geht sie dann über die Thürme von Lara, Villaroyo, Ponte und Irazoqui bis zu der nach Unter -Aragonien führenden Straße und von dort nach einem Thurme dicht bei der Vorstadt San Jose, welcher den Zusammenfluß des Ebro und der Huerba beherrscht. Die erste der Batterieen der Belagerer ist zwischen Cuellar und la Torre de la Perfumista errichtet, und eine zweite liegt 80 Ellen rechts von der ersten auf derselben Linie. Die Belagerer hatten bis zum 15ten, mehrere Verwundete ungerechnet, nur einen Mann verloren, der durch einen auf den Thurm von Irazoqui gerichteten Kanonenschuß getödtet wurde.

Die Junta von Saragossa soll einen Theil ihres Ansehens ein— gebüßt haben, und es heißt, daß sie genöthigt worden sei, mehrere ihrer Mitglieder durch Leute aus der Hefe des Volks zu ersetzen. Die Saragossaner haben einen Menschen, der unter dem Beinamen „Chorizo“ bekannt ist, zum General Capitain ernannt, von welchem eine christinische Korrespondenz sagt, daß er das Haupt der Mör⸗— derbande sei, welche in Saragossa seit einigen Jahren den Meister spiele. Chorizo, fährt diese Korrespondenz fort, hat sechs Kriminal Prozesse gehabt, von denen der leichteste ihn hätte an den Galgen bringen müssen, und er war zuletzt zu zehnjähriger Galeerenstrafe ver⸗ urtheilt; aber die Furcht, die man in Saragossa vor seiner Bande hat, war Veranlassung, daß ein Einwohner der Stadt Bürgschaft für ihn leistete, unter deren Schutz er frei in Saragossa umherging, wo Jedermann aus Angst den Hut vor ihm abnahm. Eine der ersten Maßregeln, die dieser seltsame General-Capitain ergriffen, ist die

Freilassung von 700 Zuchthaus- und Ketten-Gefangenen, von benen sich übrigens mehrere bei der ersten Gelegenheit zu den Belagerern geflüchtet haben, um sich nicht bei der Vertheidigung von Saragossa zu kompromittiren. Ein Theil der National- Garde wünscht einen Vergleich einzugehen, aber der andere Theil, welcher unter dem un⸗ mittelbaren Einflusse der Bande Chorizo's, der befreiten Galeeren⸗ Sträf linge und des aus Offizieren der Armee gebildeten heiligen Corps“ eine Vertheidigung auf Leben und Tod will ist der Zahl nach überwiegend. ;

Das Pronunciamiento der kleinen aragonischen Stadt Ejen ist durch eine dorthin abgeschickte Truppen-Abtheilung rasch und ohne Widerstand rückgängig gemacht worden.

Das von Saragossa aus abgeschickte Expeditions Corps, welches durch die Truppen des Generals Claveria bei Viota vernichtet worden ist, war nach Navarra bestimmt, wo seine Ankunft in der That wohl einen Ausbruch der unzweifelhaft in einigen Theilen der Nord- Pro⸗ vinzen herrschenden Gährung hätte hervorbringen können. Die bei Viota zu Gefangenen gemachten Soldaten werden in Pampelona erwartet. u dieser Stadt herrschte am 19ten äußerlich die vollkommenste Ruhe. Eben so an dem bezeichneten Tage in Bilbao, von wo auf Befehl des politischen Chefs sechs als Führer der karlistischen Partei ver⸗ dächtige Personen nach Vitoria verbannt, und durch die Polizei dahin abgeführt worden sind. . .

Aus Barcelona haben wir weder gestern noch heute Nachrichten erhalten, welche über den 16ten hinausreichen. r

Zu den bereits früher gemachten Mittheilungen über die Vor⸗

Jänge in der Hauptstadt von Catalonien bis zu dem bezeichneten

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ser, welche sich in der unmittelbaren Nachbarschaft der Kathedrale und des Rathhausplatzes befinden, den Befehl gegeben hat, sich nach

: daß sie ihre Batterieen ganz absichtlich in der ähe der kostbarsten Baudenkmale der Stadt aufgepflanzt haben, in der Hoffnung, das Feuer der Belagerer dadurch zu lähmen. Diese Erwartung hat sich aber keinesweges bewährt, und es steht sehr zu befürchten, daß die Kugeln des Generals Sanz schon jetzt manchen unersetzlichen Schaden angerichtet haben. Ein Lied, welches großen Beifall unter den Insurgenten in Barcelona gefunden hat, droht in

dem Refrain: Madies â la paella, primer seränn' Prim, den Vertheidigern der Regierung, und vor Allen dem General Prim, sie auf dem Roste zu braten.

lleber den Zustand der Dinge in Gerona ist nur so viel gewiß, daß die Feindseligkeiten von beiden Seiten vertragsmäßig eingestellt sind. Unter welchen Bedingungen und auf wie lange Zeit ist un⸗ bekannt. Eine Korrespondenz von der Gränze will wissen, daß wäh⸗ rend des abgeschlossenen Waffenstillstandes Abgeordnete nicht blos von Gerona, sondern auch von mehreren benachbarten Städten, na⸗ mentlich von Hostalrich und von Figueras, nach Madrid gehen sollen, um sich mit der Regierung zu verständigen. . Aus dem Königreiche Valencia wird geschrieben, daß der kar⸗ listische Häuptling la Coba, welcher unlängst eine schwere Niederlage erlitten hatte, sein Unwesen von neuem angefangen hat. Man spricht überdies von einer karlistischen Verschwörung, die sich von Chelva, ihrem Hauptsitze, aus, über mehrere benachbarte Orte verbreitet und die, als man sie entdeckt, schon mehr als 500 Theilnehmer gehabt habe.

Griechenland.

SG München, 26. Olt. Durch außerordentliche Gelegenheit, denn die sonst gewöhnliche griechische Post haben wir erst bis zum f. oder 8. November zu erwarten, sind über Triest wieder diesen Mor⸗ gen hier Briefe aus Athen angekommen, welche bis zum 13. Oftober reichen. Auch bis dahin war weder in Athen noch in den Provinzen gegen den dermaligen Bestand der Dinge irgend eine Demonstra tion vorgekemmen. Solchen vorzubeugen, wurden auf Befehl der Regie⸗ rung theils in der Hauptstadt, theils in den übrigen größeren Städ⸗ ten noch immer Verhaftungen und Exportationen soscher Personen vorgenommen, die man als dem gegenwärtigen System und dessen Verfechtern abgeneigt betrachtete. Kalergis hatte über Makrijannis und Metaxas das Uebergewicht in solcher Weise erhalten, daß er jetzt unbedingt als das alleinige Haupt der Bewegungs⸗Partei ange⸗ sehen werden darf. Von Maurokordatos erfährt man nur, daß seine Anhänger für ihn, die Wahl in Missolungi zu entscheiden wußten, sedoch, wie es scheint, nicht ohne vieles Widerstreben. Sonst hatte er noch keinen überwiegenden Einfluß gewonnen. Ueberall nahmen die Wahlen, meist unter großer Aufregung und selbst unter Tumult, die ganze Aufmerksamkeit der Bevölkerung in Anspruch. Se. Ma— jestät König Otto beobachtete nach wie vor eine würdige Haltung, erschien, in der Regel mit Ihrer Majestät der Königin, häufig öffentlich und hatte sich bei diesen Gelegenheiten nach wie vor un⸗ zweideutiger Beweise lovaler Volksgesinnüng zu erfreuen. Man hofft

allgemein, die Wahlen würden bis zum 8. oder 10. November in allen Theilen des Landes beendigt sein.

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Konstantinopel, 11. Okt. (Wiener Ztg.) Heut um Il Uhr 3 Minuten Vormittags haben zwei kurz auf einander folgende, ziemlich fühlbare Erdstöße unsere Stadtbewohner aus ihren Zimmern geschreckt. Gläser und Schalen in und auf den Schränken erklangen, das Gebälk krachte und ein donnerähnliches Getöse ließ sich verneh⸗ men. Nach drei Sekunden war Alles wieder ruhig. Viele befürch⸗ ten eine Wiederholung der Stöße in der Nacht.

Eisenbahnen.

Berlin -kErankfurter Eisenbahn. In der Wache vom 22. bis 28. Oktober sind auf der Berlin-Frank- surter Eiseubahn 4133 Personen befördert worden.

Weimar, 28. Okt. (W. 3.) Am nächsten Montage findet hier eine Versammlung sämmtlicher Ausschuß- Mitglieder der Eisen— bahn-Comités aus Halle, Merseburg, Weißenfels, Naumburg, Apolda, Weimar, Erfurt, Gotha und Eisenach statt. ;

Aus dem Haag, 23. Okt. Die Probefahrten, welche von Zeit zu Zeit von Utrecht aus auf der rheinischen Eisenbahn an— gestellt werden, gehen nach Wunsch von Statten. Am 6. Dezem⸗— ber, dem Geburtstage des Königs, wird die Section nach Amsterdam eröffnet werden.

gandels- und Görsen nachrichten.

Breslau, 27. Ott. (Schl. 3.) In der vergangenen Woche zeig- ten sich bei vermehrter Zufuhr auch bessere Qualitäten von Weizen an un. serem Markte, was zur Folge hatte, daß mehreres zum Versant, gekauft wurde und die Preise 'ich dadurch underändert erhielten. Man bewilligte sur neuen gelben Weizen 51 4 50 Sgr. p. Schss. nach Qualität y. weißen 14 a 59 Sgr. p. Schfl. Älter und neuer gemischten bedang 57 a 61 Sgr., weißer 58 a 63 Sgm p. Schsl. * m * par

Für Roggen hielt die Kauflust an und fanden die angetrag tieen zu 40 2 42 Sgr. p. Schfl. willige Nehmer. Ech

Gerste 29 a 31 Sgr., Hafer 17 20 Sgr. p. Sch.

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