Da der Bursche kein unterkommen finden konnte, nabm ihn Un nitleibiger Schrein ermeistere i seine kleine Wohnung, in cinem Hinterhause in der Rheinstraße, ihn dort in wahrhaft christlichem Sinne pflegend und ein Nachtlager gebend.
stehen.
Ausland. Deutsche Bundesstaaten.
Bayern. Augsburg, 8. Nov. Die heutige Allg. Ztg. bringt eine tabellarische Uebersicht der jüngsten Krantheitsfalle in Augẽhurg. Aegrindet auf die amtlich erholten ärztlichen Berichte, um die beruhigende Üeberzeugung zu geben, daß die seit Oktober d. J. eingetretene Schleim- und Nervenfieber⸗Epidemie, wenn sie auch eine nicht unbedeutende Ausbreitung in dieser Stadt gewonnen und mehrere Opfer gefordert, doch als bösartig und große Besorgnisse erregend um so minder bezeichnet werden kann, als eine große Zahl der Erkrank⸗ ten (beinahe die Hälfte) genesen, eine große Zahl in der Rekonvales⸗ tenz sich befindet und von 1099 Kranken kaum 4 gestorben sind. Es waren hiernach im Ganzen ärztlich behandelt worden 91d, genesen 379, gestorben 38, blieben in Behandlung 498 Personen.
Speyer. (N. Sp. 3.) Eine Königl. Regierungs⸗Verordnung verfügt die Bildung von „Verzinsungs-Kassen für Gemeinden und Stiftungen“. Von der Ansicht ausgehend, daß in den Kassen der Gemeinden und Stiftungen viele kleinere Summen müßig lägen, welche zusammengefaßt bedeutende Kapitalien bilden würden, ihrer dermaligen Vereinzelung wegen aber nicht verzinslich angelegt werden könnten, — soll vom nächsten Neujahr an in jedem Land⸗Kommissariat eine solche Verzinsungs⸗Kasse gebildet werden. Einlagen werden dabei von Ge⸗ meinden und Stiftungen in den kleinsten Beträgen, dagegen nicht über 309 Fl., angenommen. Ein Gemeinde-Einnehmer hat das Rech ⸗ nungswesen zu besorgen; er erhält 10 pCt. von den eingehenden Zinsen als Vergütung.
Württemberg. Ulm, 6. Nov. (Schw. M. Der Kaiserl. Ge⸗ neral von Rodiczky, Vorstand der Militair-Kommission der deutschen Bundesstaaten in Frankfurt, hat Um nach einem diesmal nur 2tägigen Aufenthalt am 1. November wieder verlassen. Er soll mit den auf dem linken Ufer der Donau unter Leitung des Festungsbau Direktors Major von Prittwitz im Laufe eines Jahres ausgeführten Arbeiten seine vollkommene Zufriedenheit ausgedrückt haben. Die unbedentenderen erst im Herbste angefangenen Mauer-⸗Arbeiten sind jetzt eingestellt, dagegen sollen die Erdarbeiten auch im Winter mit 860 bis 1090 Arbeitern sortgesetzt, beides aber. Mauer⸗ und Erdarbeiten, im kommenden Frühjahre mit erneuter Thätigkeit in Angriff genommen werden. Auf bem' rächten Ufer der Donau ist bis jetzt noch nichts geschehen; wie es heißt, soll jetzt ein dritter Entwurf über die dort anzulegenden Befestigungen in München vorliegen.
Baden. Neckargemünd, 5. Nov. (F. J.), Heute wurde der Sormalige Professor der katholischen Dogmatik in dem Kloster Heiligenkreuz bei Wien, J. C. Widmann, der vor kurzer Zeit zur evangelisch = protestantischen Kirche übergetreten war, nach Vorschrift in der hiesigen evangelischen Kirche von dem Dekan Arnold ordinirt. Herr Ministerial⸗Rath Bähr aus Karlsruhe, der gerade zur Kirchen⸗
Bisitation hier anwesend war, wohnte der Feierlichkeit bei überfüllter Kirche bei.
Mecklenburg. Schwerin, 10. Nov. (Schw. 3.) Se. Königl. Hoheit der Großherzog sind heute von Ludwigslust hier wie⸗ der eingetroffen. Ihre Königl. Hoheit die verwittwete Frau Groß⸗ herzogin und Ihre Hoheit die Herzogin Lonise werden morgen gleich— falls hierher zurückfehren.
Sternberg, 9. Nov. (H. N. Z.) Gestern fand unter dem Zuströmen einer großen Volksmenge, von einem klaren Herbstwetter degünstigt, die Eröffnung des Landtages in alter Weise auf dem vor der Stadt belegenen sogenannten Judenberge statt.
w anäneich.
Paris, 7. Nov. Der Erzbischof von Lyon hat in einem an den R'dacteur des Ami de la Religion gerichteten Schreiben den Zeitungen, namentlich dem Journal des Débats, auf ihre Bemerkungen über seine Einmischung in das Unterrichtswesen der unter der Universität von Frankreich stehenden Lehr⸗Anstalten und über den hierauf bezüglichen Streit überhaupt geantwortet. Er beginnt mit Aeußerung seines Bedauerns darüber, daß seine Ansichten miß⸗ verstanden worden seien und er sich daher in die Nothwendigkeit ver⸗ setzt sehe, von neuem vor dem Publikum zu erscheinen. Er erklärt nun, daß er nur im äußersten Nothfall sich dazu herbeilassen würde, einen Kaplan aus einer Lehr⸗Anstalt zurückzuziehen. Ein solches Verfah⸗ ren, sagt er, könne natürlich niemals in Bezug auf alle höhere Schulen ge⸗ ment gewefen sein, sondern nur in Bezug auf solche, an denen ein Professor antikztholische Lehren vortrage. Auch würde eine Maßregel dieser
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Art nie unerwartet gegen eine Unterrichts⸗Anstalt angewendet wer—⸗ den, sondern nur wenn die ihren Oberen gemachten Vorstellungen über die Gefahren solcher Lehren erfolglos geblieben wären; und erst dann, wenn keine Abänderung zu erlangen wäre, nachdem eine Be⸗ rufung an den Chef des öffentlichen Unterrichts stattgefunden hätte, würde' er zu dem in seinem früheren Schreiben angekündigten Ent⸗ schluß schrelten. Was würde man, fragt Herr von Bonald, von ihm benken, wenn er in einer Lehranstalt einen Kaplan ließe, der seine Stellung dazu benützte, die Jugend mit Mißtrauen gegen die Re gierung zu erfüllen? Würden nicht die Behörden, wenn er gegen ihre Beschwerden taub bliebe, dem Kaplan den Zutritt zu der An⸗ stalt untersagen und sein Gehalt suspendiren? Ohne Zweifel, und mit Recht. Wie also könne man ihn deshalb tadeln, weil er Alles thue, was in seiner Macht stehe, um Professoren zu entfernen, welche in dem Herzen ihrer Zöglinge jeden religiösen Keim unterdrückten? Wenn die Bischöfe in einem solchen Fall unthätig blieben, würden sie da nicht die Achtung der ihrer Seelsorge anvertrauten Gemeinden ver⸗ lieren, und würde ihr ruhiges Zusehen nicht als ein Verkauf ihrer Gewissen um ein paar äußere Ehren und Würden betrachtet werden? Der Erzbischof widerspricht dann förmlich der Behauptung, daß der Klerus die Absicht hätte, dem Großmeister der Universität sein Recht der Ernennung zu Lehrstühlen zu entwenden, oder daß die Geistlich⸗ keit sich das Monopol des Unterrichts anzumaßen trachte. Könne es, fragt er, als Eingriff in die Privilegien des Großmeisters angesehen werden, wenn man denselben veranlassen wolle, überall christliche und gelehrte Professoren zu wählen? Sollte es nur den Bischöfen ge⸗ ziemen, solche Lehrer zu wählen und zu ernennen? Dies zu behaup⸗—
die christlichen
ten, wäre eine Beleidigung für den Großmeister, und ich Professoren, welche mit Erfolg an der Lyoner Akademie lehrten, seien ein Beweis, daß sie eine solche Beleidigung nicht verdienten.
„Wir wiedeiholen es“, so lautet der letzte Theil des erzbischöslichen Schreibens, „wir wollen Freiheit des Unterrichts für unsere Freunde und für alle unsere Gegner. Man hat in den Lobeserhebungen, welche ich der Akademie von Lyon ertheilt habe, und in der Maßregel, die ich angekün⸗ digt, einen Widerspruch finden wollen. Es wäre ungerecht von meiner Seite gewesen, Alles zu tadeln. Ohne mich hier auf erbitternde Fragen einzulassen, will ich nur sagen, daß ich Gründe hatte, einen Akt der Pa⸗ storal⸗Wachsamkeit zu üben. Wenn sich das Erstaunen gelegt haben, und man zu ruhigerer Gemüthsstimmung zurückgekehrt sein wird, dürfte man vielleicht meinem Benehmen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Man wird dann fehen, daß ich sowohl im Inteiesse der Familien, als selbst der Uni⸗ versität gehandelt habe. Ich wünsche, daß Aeltern ihre Söhne in das College schicken tönnen, ohne für deren Glauben und Unschuld fürchten zu müssen, und die Universität kann stets meiner Mit— wirkung gewiß sein, wenn ihre Professoren in Lehre und Betra— gen religlbCs sind und bei ihnen Worte und Werke Hand in Hand gehen. Im Uebrigen geben meine Beziehungen zur lvoner Aka⸗ demie hinlängliches Zeugniß für meine Absichten. Ich brauche einem Journale nicht zu antworten, das vielleicht geschickter ist, gewisse , Mosterien / zu erklären, als eine Frage der Neligion und der Freiheit zu erörtern. Es sieht kein anderes Mittel, die Nachfolger von Irenäus, Dionvsius, Hilarius Martinus und Teophimus zu bändigen, als dur ichung eines Arti im Budget. Wenn eine solche Verkürzung, für uns ein Strafe sein soll, so würden wir nicht die Einzigen sein, die in unseren Diözesen darunter zu seiden hätten. Aber wenn man seine Wünsche und Hoffnungen auf eine andere als diese Welt gründet, so wird ost ein Schmerz zur, Freude und ein Miß⸗ geschick zum Gluͤck. Ich weiß nicht, welchem Glauben die Verfaser derje nigen Artikel anhängen, die mich angreifen; ich zweisle, daß wir denselben Glauben und dieselben Hoffnungen haben. Wie dem aber auch sei, meine Religion befiehlt mir, ihnen aufrichtig ihre Beleidigungen zu vergeben und mich durch ihre Drohungen nicht einschüchtern zu lassen. Ich ersuche Sie, Herr Redacteur, meinen Brief in Ihrem Journale abzudrucken. Empfan gen Sie ꝛc.
L. J. M. Kardinal von Bonald, Erzbischof von Lyon.“
Das Journal des Debats sagt über dies zweite Schreiben des Erzbischofs: „Wir könnten sehr gern dem Kardinal dieselbe Ver⸗ zeihung gewähren, die er uns mit so viel christlicher Liebe angedeihen läßt; aber seine Art, diese Sache zu behandeln, hat uns in der That nur ein Lächeln abgenöthigt. Unter Zeitungsschreibern ist dergleichen erlaubt, und wenn Herr von Bonald erst mehr daran gewöhnt sein wird, für Journale zu schreiben, so wird er finden, daß man sich christliche Vergebung für ernstere Fälle vorbehalten muß. So sind wir z. B. überzeugt, daß die Mosterien, deren Enthüllung man uns schwerer vergeben wird, die das Compendium theologie moralis sind. Was unseren Antheil an den Diskussionen, selbst mit dem Kardinal, betrifft, so mag man uns sagen, ob wir im gering⸗ sten angestanden, seinem Charakter und seinen Verdiensten Ge⸗ rechtigkeit widerfahren zu lassen. Was aber unsere Fähig⸗ keit zur Erörterung einer Religions- und Freiheits Frage anbe⸗ langt, so wollen wir, mit Erlaubniß des Kardinals, einen Unterschied machen. In Religionssachen sind wir weit davon entfernt, uns für eben so belesen zuhalten, wie der Kardinal ist, und werden stets mit Bereitwilligkeit seiner theologischen Einsicht uns unterordnen Wenn es aber den Bischöfen beliebt, sich zu Zeitungsschreibern aufzuwerfen, warum sollten da die Zeitungsschreiber nicht gelegentlich zu Theologen werden? Haben wir diesen Streit gesucht? Wurde er nicht durch den Kardinal selbst hervorgerufen, dadurch, daß derselbe sein Schrei ben an den Rektor der Akademie zu Lyon publizirte? Wie! sollen die
h Streichung eines Artikels“
Bischöfe in Zeitungen schreiben können und die Zeitungsschreiber nicht das Privileglum haben, ihnen zu antworten, unter dem Vorwande, daß jede von einm Bischofe berührte Frage zur religiösen Frage und dadurch zu einer unantastbaren werde. Die Bischöfe wollen sich der Journale bedienen, die leidenschaftlichsten unter ihnen wollen die Regierung einzuschüchtern suchen, und une, die wir in politischen Dingen doch für etwas gelten, soll es verwehrt sein, die Seitensprünge gewisser Bischöfe zurückzuweisen? Im gegenwärtigen Fall dürfen wir nun wohl fragen: ist die zwischen uns und dem Kardinal schwebende Frage wirklich eine religiöse oder nicht vielmehr eine Freiheits⸗Frage? Was nun die Freiheits-Fragen betrifft, so muß Herr von Bonald uns gestatten, ihm mit aller möglichen Ehrerbietung zu sagen, daß wir, wenn uns darin Lehren noth thun sollten, nicht geneigt sein würden, sie bei ihm zu holen.“
Die Journale des Herrn Martin du Nord, schweigen ganz über das Eirkular, welches, nach dem Univers veligieur, von dem Groß⸗-Siegelbewahrer an alle Erzbischöfe und Bischöfe des Königreichs erlasfen sein soll, um sie zu vermögen, die von ihren Kollegen zu Lyon, Chalons und Langres gegen die Universität begonnenen Mani⸗ festationen nicht weiter fortzusetzen. Das Journal des Dabats, welches offen die Partie des Herrn Villemain und der Universität er⸗ griffen hat, scheint nicht zu wissen, ob diese Behauptung gegründet st. „Denn“, sagt es diesen Morgen, „wenn die Thatsache wahr ist, so wird das Cirkular des Herrn Groß⸗Siegelbewahrers so bald als möglich durch den Moniteur veröffentlicht werden.“ Der Moni— tei bon heute Morgen enthält das gedachte Cirkular nicht, und man meint, Herr Martin bu Nord werde warten, bis es auf Betrieb der Bischöfe und Erzbischöfe in den Journalen erscheine, die nicht erman⸗ geln würden, es zu veröffentlichen.
Die Journale der Bepartements der Bau 1 Mündungen sind mit betrübenden Berichten über die Ueberschwem mungen der Rhone, der Isere, der urance und der Ardeche an gefüllt. Mit Freuden bemerkt man indessen, daß die Verwaltung sowohl als die Einwohner von diesen Unfällen nicht, wie im Jahre 1840, überrascht worden sind; Jedermann hatte die nöthigen Vor— sichtsmaßregeln getroffen, Um, sich vor einer plötzlich hereinbrechenden Wasserfluth möglichst zu schützen. Außerdem hatte man seit 1819 mehrere große Arbeiten ausgeführt, wodurch die Ueberschwemmungen weniger furchtbar werden. Das Munizipal-Conseil von Avignon hat eine Summe von 10,000 Fr. bewilligt, um den ersten dringendsten Be⸗ dürfnissen abzuhelfen.
Graf Mols ist in Paris wieder eingetroffen. Er begiebt sich sehr häufig nach St. Cloud zu der Königlichen Familie.
Graf Sainte Aulaire ist bereits von hier nach, London gereist.
Herr Eonte, Direktor der Post⸗Verwaltung, wind nächster Tage eine Reise nach Belgien und Deutschland antreten, um verschiedene Aenderungen im Dienst der Briefposten vorzunehmen und zur Be— schleunigung der Brief⸗Beförderung die Benutzung der belgischen und preußischen Eisenbahnstrecken zu betreiben.
Das Gerücht von dem Rücktritt des Herrn Lacave aus dem Ministerium findet immer mehr Glauben. Auch daß die Herren Villemain und Martin du Nord seinem folgen würden.
Vaueluse und der Rhone—
Laplagne heißt es, Beispiele
A Paris, 8. Nov. Schon wieder der Erzbischof von Lyon! Diesmal tritt der genannte Prälat etwas sanfter auf, er erläutert sein Schreiben an den Rektor der Akademie, er mildert die Formen, in denen er sich das erstemal ausgesprochen, aber er bleibt bei der Behauptung, daß ihm das Recht zustehe, die Kaplane der Gymnasien abzuberufen, an denen die Regierung den Vortrag einer unkatholischen Philosophie dulde, und daß es seine kirchliche Pflicht sei, von diesem Rechte geeigneten Falls Gebrauch zu machen. Dagegen erwiedert nun das Jdurnal des Débats, daß es der Regierung jedenfalls vorbehalten sein müsse, zu entscheiden, ob die Reclamationen des kirchlichen Oberhirten gegen den Geist des Unterrichts an dieser oder jener öffentlichen Schule gegründet seien oder nicht. Was würde, sagt das Journal des Débats, der Erzbischof von Lyon dazu sagen, wenn die Regierung die Lehr-Vorträge eines Geistlichen für ketzerisch oder staatsgefährlich erklärte, und wenn sie, trotzdem, daß der Erzbischof diese Ansicht nicht theilte, die Absetzung dieses Geist lichen verlangt? Warten wir die Antwort des Prälaten ab. Den bitteren Klagen der kirchlichen Partei über, den Geist der Universitäts — Philosophie wurde übrigens in der gestrigen Rummer des National eine durch zahlreiche Auszüge un⸗ terstützte Charakteristik der in den Seminarien gelehrten Philosophie entgegengesetzt. In diesen Anstalten nämlich ist ein vom Bischof von Mans abgefaßtes Lehrbuch der Philosophie, lustitutiones philoso- phicae ad usum collegiorum et Seminariorum, R gebräuchlich, welches bereits sechs Auflagen erlebt hat, und in welchem es z. B. in Bezug auf den Fall einer Usurpation des Thrones heißt, daß die Unterthanen nicht blos verpflichtet sind, dem legitimen Landesherrn in allen öffentlichen Dingen Gehorsam zu leisten, sondern, daß sie auch den Usurpator persönlich nach dem Leben trachten müssen, wenn der rechtmäßige Fürst (8 befiehlt: Immo privatim illum tan quàm ublicunr Malelsactorem occidere, si legitimus princeps id es presse juheat.
indeß wegen der persönlichen Bekanntschaft des Lords mit demselben am besten und ausführlichsten behandelt ist. Ein Anhang enthält noch die Chatakterzeichnung Walpole's und Bolingbrofe's; der erstere als ein „Frie⸗ dens. Minister“ erfährt unbedingtes Lob; der zweite wird der erste Redner der neuen Zeit genannt, aber sein öffentlicher wie Privat⸗Charakter einer sttengen mißbilligenden Lritif unterworfen. Es ist aus? dem Ganzen sogleich ersichtlich, daß diejenigen Personen und Ereignisse, mit denen Lord Brougham in persönliche Berührung gelom— men, besser behandelt sind, als die hinsichtlich der Zeit und des Orts ent⸗ sernter gelegenen, welche auch eine andere Autorschaft zu verrathen scheinen. Die Abschnltte über Lord Ellenborough und die französischen Revolutions— häupter, welche Letzte der Verfasser namentlich aus mündlichen Ueberlie⸗ rungen selbstihätiger Negierungs- Mitglieder der damaligen Zeit, wie er 46 . Vorrede sagt, kennen gelernt hat, sind darum die besten der . an , n einleitende Raisonnement über die Revolution, obgleich es ies ug a . derselben in dem Jahrhunderte langen Mißbrauch der Negieranssgewalt sucht, wird mit Interesse gelesen werden. Es enthält eine scharfsinnige und neue Darlegung der Urfachen j oralifchen und politi chen Cyplosion. gung der Ursachen jener moralischen ur 1 cr
— 3. Stanhe pe hat dem Versasser über Fouchs und Tallegrand sehr interessante Beiträge geliefert, welche mit 6 , . ,,, in Dresden 1815 — 16 als Riemin icin ö. n , .*. mit werthvollen Bemerkungen uni ernifn dane ih hat, aber sie sind
be gerkathen und chatkfiertlischz nge wehe sine scharfe Brobachtunge 9 hen eristische Züge ausdecken. E spiele 3 3 . zeigen: ö. Ein paat kurze Bei⸗
„Fouché's Erscheinung. Er ist früher ei f j ;
wesen, und es hieß e nden alle an, den . ge ches und die Stimme eines Todten“ i, und als eb eine i ene Mon. zige fremde Minister an jenem Hofe war, sagte man, er 3 9 ie. Geist des dahingegangenen diplomatischen Corps“. Sein Antlitz 1 . '] Geist und verrielh nichts von der Verschmitztheit, die ihn so 6 h zeichnete. Sein Benehmen war ruhig und würdevoll, und er besaß entwe⸗ der von Natur oder aus langer Gewohnheit eine große Selbstbeherrschung Als ich ihm die Execution des Marschall Ney anzeigte, die ich zufällig am frühsten erfahren hatte, blieb seine Miene unverändert. Er schien bald 60
Jahre alt zu sein,
und sein Haar war weiß wie Schnee geworden, weil 'r, wie er felbst zu sagen pflegte, „25 Jahre auf der Guillotine geschlafen hätte“. Seine Unterhaltung war fehr lebhaft und interessant, aber sie er— streckte sich hauptsächllch über Ereignisse, bei denen er selbst mitgewirkt hatte, und feine ausschweifende Eitelkeit ließ ihn oft sagen: „Ich bin nicht ein König, aber ich bin berühmter als fie Alle.“ Seine Aussagen verdienen nicht unbedingt Glauben, und ich will nur seine dreiste Lüge als Beisriel anführen, datz während der ganzen Zeit seiner langen Amtsthätigkeit als Polizei⸗Minister kein einziger Brief auf der Post eröffnet worden wäre.“
„Napoleon's Geiz im Bestechen. Fouché, den Napoleon nach seiner Rücktehr wieder zum Polizei⸗Minister machte, wurde von ihm einst gefragt, ob es nicht wünschenswerth wäre, die Dienste Tallevrand's wiederzugewinnen, welcher damals einer der französischen Gefandten in Wien war. „Gewiß“, antwortete Fouche, und Napolcon sagte: „Wie wär's, wenn man ihm eine schöne Dose zustellte?“ Fouché, die große Absundität erkennend, einen Mi⸗ nister, der für habsüchtig galt, durch ein Geschenk bestechen zu wollen, das er nach Abschließung jedes Vertrags, als wenn es mit dazu gehörte, erhal⸗ ten hatte, bemeilte, das, wenn Tallevrand eine Dose erhlielte, er sie öffnen würde, um zu sehen, was darinnen wäre. „Was meint ihr“, fragte Na⸗ poleon. „Es ist nutzlos“, erwiederte Fouchs, „von der Uebersendung einer Dose noch zu reden. Lassen Ew. Majestät ihm eine Anweisung auf Millionen Franlen zustellen, und zwar die Hälfte der Summe nach seiner Rückkehr nach Frankreich zahlbar.“ „Nein“, sagte Napoleon, „das ist zu lostspielig, und ich werde es bleiben lassen.“
Oratorium von Löwe.
Oratorium in drei Abtheilungen, gedichtet von komponirt von hr. Karl Löwe, Par⸗ Berlin bei Bote
Johann Huß. August Zeune, fitur, Klavler-Auszug und Chorstimmen. und Boch.
Wir haben hier ein, vor Kurzem enrschienenes größeres Werk von dem als Leder- und Balladen? Komponist rühmlichst bekannten Tonsetzer Löwe
vor uns, welches im vorvorigen Winter durch die berliner Sing⸗ Akademie unter des Komponisten eigener Leitung zum ersten Male zur Aufführung
gebracht wurde. Die Urtheile über dasselbe waren damals sehr getheilt: den Einen wollte die Muslt, den Anderen das Gedicht nicht zusagen, ein Dritter verwaif das Ganze, und ein Vierter endlich fand Nichts an dem— selben auszusetzen. Wir wollen alle diese Urtheile als nicht vorhanden be⸗ trachten, um uns mit der Zergliederung des Werks unbefangen befassen zu können. Glauben wir auch' keineswegs, daß unser Urtheil das Endresultat bilden solle, so wollen wir wenigstens verfuchen, sowohl dem Guten als dem weniger Guten sein Recht widerfahren zu lassen. . e
Das Wesk zerfällt in drei Theile. Der erste wird mit einm Prolog eröffnet, durch welchen wir die Zeit, worin die Handlung vor sich geht, i fahren. — Hieran schließt sich ein Chor der Schüler; O frohe Rnaben- it!“ Worte und Mussk diefes Ehors, welcher mit zwei Stünmeh (Sopran und Alt) beginnt, sind frisch und sließend und das Einzige, was wir in musilalischer Beziehung daran zu tadeln hätten, is. die an einigen Stellen fehlerhafte Declamation, so wie das zu häusige Wiederlehren des an und für sich gerade nicht bedeutenden Hauptthemg's. Gegen den Schluß des Chors träten Tenor und Baß hinzu, wodurch er an Kraft und FJälbung gewinnt. — In dem nun folgenden Recitatid verkündet Huß den Schi⸗ fern, daß er zu dem Kon cilium nach Kostnitz berufen sei, worauf dieselben ihn in dem sich hier anschließenden Chore bitten, sich nicht hin zu begehen: „Huß, zich' nicht fort.“ (In den Chor ist bei der nochmaligen Wieder. lung desselben der sich als rother Faden durch das Ganze hinziehende alte' Choral Was mein Gott will das g'scheh' all'zeit“ verwebt. Jener Choral war dem Tondichter vom Professer Hanka zu Pag in einer ge— schriebenen Zammlung von Hussiten Liedern 1539 zugekommen. Wie Pro- sessor Zeune angiebt, sst die Annahme, daß die Singweise von Herrmann Fink zu Wittenberg 1588 herstamme; unrichtig, da sie schon im „Livre de chanson nouvelles“, Paris 1529, auf das Lied „Je me sussit de touls mne wann vorkommt. Der deutsche Tert,Was mein Gott will, soll von Albrecht dem Jüngeren von Brandenburg ⸗ Eulmbach 1547, während. sciner Verbannung in Frankreich gedichtet sein, vielleicht nach einem 944 böhmischen Hussiten⸗Liede) — In dem Reeitativ No. 3 erklärt Huß, dast er sich vor dem Konzilium nicht, fürchte im Bewußt ein seiner ge rächien Sache. — Hieran schließt sich (Nr. 4) eine Baß ⸗Arie, worin
2 n, . . Lyon hat dem Ami Rinnen ein neues Schreiben zugesandt, worin er sich dar- . . seine Gedanken entstellt habe. Dies Schreiben ist eine Art von Genugthuung 36. das Ministerium. Hohe und mächtige Einflüsse haben auf den Erzbischof von Lyon eingewirkt, um seinen ganz unerwarteten Zorn zu besanftigen und eines der ausge⸗ zeichnet sten Mitglieder der Magistratur von Lvon wurde beauftragt. den Primaten der Gallier zu beruhigen. Sein zweites Schreiben ist noch ruhiger in der Form, als das erste, ändert aber in der Haupt⸗ sache nichts. Herr von Bonald ist noch immer geneigt, den Almo senier von einem Coll'ge zu entfernen, wo man, nach seiner Ansicht, ben Pantheismu s oder den Rationalismus lehrt, Er hält sich eine Hinterthür offen. Gewöhnlich sieht man sich in solchen Dingen nicht auf die Ausnahme vor, und nicht um der Ausnahme willen berührt nian so wichtige Fragen, wie die von Herrn von Bonald in Anregung gebrachte; auch scheint es uns, daß der Geistliche um so mehr Eifer ur Vernichtung des Irrthums anwenden müsse, je größer derselbe ist. Nur dann erfüllt er wahrhaft seine Mission. Was thut nun Herr von Bonald? Er sieht, daß der Irrthum sich unter die Jugend
7 Paris, 8. Nov.
in den Colléges einschleicht, und er befiehlt den Rückzug mud überläßt diese Jugend ihrem Schicksal oder dem Einflusse der schädlichen Lehren; er zieht seinen Almosenier zurück, gerade wenn bie Arbeit und die Gefahr am größten ist. Das heißt doch auf eine sonderbare Weise die Mission des Priesters verkennen; denn wenn solche Ansichten die richtigen wären, so müßten die Diener der Reli— gion vor allen Irrthümern vielmehr zurückweichen, anstatt sie zu be⸗ kämpfen. — Die bei Herrn von Bonald gethanen Schritte, sind fast bei sämmtlichen Bischöfen in Frankreich wiederholt worden. Die Re⸗ gierung ist über die stattgehabte Bewegung sehr erschreckt gewesen und hat so viel sie konnte, jede neue Erklärung zu verhindern gesucht. Es sst dies ein Auskunftsmittel, das vielleicht für den Augenblick hilft, aber bald verbraucht sein wird. Die Geistlichkeit hat sich einmal vorge⸗ nommen, die Universität zu bekämpfen, und der Kampf wird in dem⸗ selben Grade immer lebhafter werden, als die Erklärungen von bei den Seiten sich vermehren. e
Das Dampfboot „Archimedes“, welches den Herzog und die Herzogin von Nemours nach England überführen soll, befindet sich in diesem Augenblicke in Dünkirchen. Das Zusammentreffen dieser Reise mit dem Aufenthalte des Herzogs von Bordeaux in England beschäftigt hier sehr die legitimistischen Blätter. Sie suchen der Reise des Prätendenten eine außerordentliche Wichtigkeit beizulegen. Lange vor feiner Ankunft in dem Vereinigten Königreiche waren mehrere angesehene Legitimisten von Paris abgereist, um seinen Empfang vorzubereiten und denselben so glänzend als möglich zu machen. Man rechnete viel auf die Wirkung dieser Reise und es ist in der That gelungen, Aufmerksamkeit zu erregen. Außer Herrn Berryer sind der Fürst von Montmorency, der Fürst von Trémouille, der Herzog von Fitz⸗-James und der Marquis von Pastoret abgereist, um sich zum Herzog von Bordeaux zu begeben, ohne die 300 109 Legiti misten jeden Standes zu rechnen, die seit zehn Tagen den Kanal passirt sind. Alle diese Demonstrationen haben im Grunde keine Wichtigkeit; man hat es indeß für angemessen gehalten, in diesem Augenblicke den Herzog von Nemours nach England zu schicken. Diese Reise des künftigen Regenten ist der Gegenstand langer Be⸗ rathungen gewesen und man, sucht ihr jetzt so großen Glanz wie möglich zu geben. Der Admiral Casy kommandirt das Dampfboot, welches den Herzog von Nemours nach England überführen wird. ( Wir haben in unserem letzten Schreiben gesagt, daß Herr von Lamartine das kleine Programm, welches er vor seiner Abreise mit 7 Opposition eutworfen, umgestürzt habe. Der von ihm am 5. November in dem Bien publie erschienene Artikel ist eine Antwort auf die Angriffe der Presse und enthält neue Aufschlüsse in dieser Beziehung. Der berühmte Deputirte son Macon sagt zuerst, daß es unmöglich sei, alle Ireen der Opposition aufzuzählen. Es wäre ies sagt er, eine unendliche Arbeit. Sie lassen sich jedoch in ein Wort zufammenfassen: Gelangung der Demokratie zur Regierung und durch die Regierung zu allen für die menschliche Gesellschaft heilsamen Zu ständen. Das ist ganz gut, aber nichts ist unbestimmter, als das Wort Demokratie. Wir haben hier die Demokratie des National, die Demokratie des Herrn Cabet, des Jcariers, die Demokratie der Kommunisten und der Egalitarier, die Demokratie der Fourieristen und eine Menge anderer Demokratieen, die alle unter sich durch die Mittel und den Zweck von einander verschieden sind. So— mit ist die „Gelangung der Demokratie zur Gewalt“ eine unbestimmte Idee und ohne Bedeutung, wenn sie von einem Mann wie Herr von Lamartine aufgestellt wird. Wird das Wort von einem Kommunisten oder einem Egalitarier ausgesprochen, so weiß man, daß es „Emeute und Plünderung“ bedeuten soll. Herr von Lamartine geht im Verfolg seines Programms allerdings in das Detail ein und giebt eine Art Programm der Politik, die er von der Opposition angenommen wiffen will: „Abschaffung der Befugnisse der Pairs Kammer; Revidirung der Gesetze über dle Regentschaft und die Befesti gung; Revidirung des Konkordats und des Wahlgesetzes; Bildung einer unbesoldeten Reserve⸗ Armee; Errichtung von Kredit- Instituten u. s. w.“ Diese verschiedenen Vorschläge enthalten eine völlige Reform der Ge— sellschaft. Herr von Lamartine verfällt hier selbst in das Uebermaß,
S531 welches er so häufig der Opposition zum Vorwurfe gemacht hat, und man kann in seinem Programme, wenn man will, die Elemente des reinsten Radikalismus finden. Herr von Lamartine befindet sich jetzt in einer politischen Erregtheit, die sehr wahrscheinlich vorübergehen wird, denn ein so ausgezeichneter Geist, wie der seinige, läßt sich nicht lange vom Irrthum beherrschen.
Srossbritanien und Irland. London, 8. Nov. Ihre Majestät die Königin hat gestern
den außerordentlichen bayerischen Gesandten, Prinzen von Oettingen Wallerstein, in Windsor empfangen.
Der Herzog von Bordeaux wird in acht Tagen hier erwartet, und es heißt, daß bereits ein Haus in Pack Lane für ihn gemiethet sei, da der Prinz wenigstens zwei Monate in London verweilen wolle. Der vorgestrige Empfang desselben in Alton⸗-Towers war äußerst glänzend und feierlich; ein Fackelzug erwartete ihn vor den Thoren des Schlosses und von dessen Zinnen ertönte während seines Einzuges das Lied Vive Ilenri 1§5. Nicht minder ausgezeichnet war der Empfang der übrigen Gäste, des Herzogs von Levis und seiner Ge— mahlin, des Marquis und der Marquisin von Pastoret, des Prinzen von Montmorency, des jungen Herzogs von Guiche und des Herrn Berryer.
In dem Prozesse gegen O'Connell hatte, nach den letzten Nach— richten aus Irland vom 6Gten, die Grand Jury noch nicht ihre Ent⸗ Ste
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sammlung des Repeal-Vereins abgehalten und in einer neuen Adresse an das irländische Volk wiederum zum Frieden und zur Ruhe ge⸗— mahnt. In ruhiger und gemäßigter Sprache widerlegt er die Be sorgnisse, daß die Trennung der Union eine Zerstückelung des briti schen Reiches oder die Oberhoheit der katholischen Kirche zur Folge haben würde, und verkündet als das Resultat der Repeal nur die nothwendige Steigerung der Wohlfahrt des Landes.
Dem Globe zufolge, sind am 31. Oktober die beiden zu den Hebriden gehörigen Inseln Rasay und Bona zu 35,900 Guineen (circa 620,060 Mk. Cour.) jede öffentlich verkauft worden. Eingesetzt waren sie zu 20,000 Guineen jede. Sie enthalten 18,909 Aeres Land, sind in 52 Pachthöfen vertheilt, wovon jede 1200 Pf. St. einbringt, und gehörten den M'Leods von Rasay.—
Die vor Kurzem zur Deportation verurtheilten drei Rebekkaiten haben aus ihrem Gefängniß in Cardiff einen Aufruf an ihre Freunde und Nachbarn erlassen, in welchem sie sich als schuldig bekennen und Alle, besonders aber die jungen Männer, auffordern, sich fortan von allen nächtlichen Versammlungen und Streifzügen fern zu halten. Sie weisen dabei auf das harte Schicksal hin, das ihnen selbst be⸗ vorsteht und das unzweifelhaft alle Schuldigen treffen werde. Indeß haben die Störungen der Ruhe noch immer nicht vollständig aufgehört.
8 p ani en
3 Madrid, 2. Nos. Heute sind mit der Post Nachrichten aus allen Theilen Galiciens eingegangen. In Vigo war in der That der General Don Martin Iriarte, der stets zu den eifrigsten Ayacuchos gehörte, obgleich er nie auf einem Schlachtfelde gesehen wurde, mit bedeutenden Geldsummen auf einem englischen Dampfschiffe angekom— men. Falls meine Nachrichten begründet sind, so begleitet ihn ein gewisser Varcaistegui, der zu den vertrauteren Adjutanten des Ex⸗ Regenten gehörte. Bei seiner Einschiffung in Puerto Santa Maria ließ dieser Varcaistegui in der Eile sein Gepäck zurück, und man hat die sehr tadelnswerthe Rücksichtslosigkeit begangen, einige Dutzend darin vorgefundener, von Seiten der Gemahlin Espar tero's an senen unternehmenden Offizier gerichteter Schreiben hier in Umlauf zu setzen. Der Aufstand Vigo's ist also rein espar⸗ teristischer Natur, und es muß sich bald ausweisen, ob der Marsch Iriarte's und Varcaistegui's auf die Hauptstadt eben so rasch und k ausgeführt werden wird, als der, welcher den General Rtarvacz nach Madrid führte. Am 25sten wurden die Rebellen, an welche sich 100 Mann von dem in Vigo befindlichen Provinzial⸗Ba⸗ taillon Lugo geschlossen haben, vor der kleinen Festung Bayona mit einem Verluste von 11 Todten zurückgeschlagen. In Vigo haben sie eine „Rettungs-Junta“ eingesetzt, an deren Spitze ein gewisser Buch steht. Der General-Kommandant von Galicien, Eotoner, kam am 2bsten mit einiger Kavallerie in Pontevedra an, entwaffnete die Na⸗ tional-Miliz, ohne auf den geringsten Widerstand zu stoßen, und setzte ein neues Ayuntamiento ein. Am 27sten trafen dort zwei Bataillone Infanterie und 4 Kanonen ein, die gegen Vigo bestimmt sind. Auch von Leon rücken Truppen herbei. Die Nachrichten von Santiago ge⸗ hen bis zum 28sten, die von Lugo bis zum 29sten. Beide Städte, obgleich, fast von Truppen entblößt, waren vollkommen ruhig.
Die für die Zuhörer bestimmten Tribünen des Kongresses waren heute lange vor Eröffnung der Sitzung so überfüllt, daß Befehl ge⸗ geben wurde, Niemand mehr einzulassen. Einige Damen wurden be wußtlos aus dem Gedränge getragen. Man wußte, daß ein Skan⸗ dal bevorstand, daher die Neugierde. In der That erklärte sich der Minister-Präsident, Herr Lopez, im Namen der Regierung bereit, die
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vorgestern von mir mitgetheilte Interpellation des Herrn Bernabeu zu beantworten. Dieser legte auf die Redner Tribüne, die er zum erstenmale bestieg, einen Folianten nieder, der noch größere Neugierde erregte, als seine Persönlichkeit selbst. Bald wies es sich aus, daß dieses riesenhafte Buch die Constitution von 1837 enthielt. Durchaus unmöglich ist es mir, auch nur einen Schatten von dem, beständig durch schallendes Gelächter oder anhaltendes Murren unterbrochenen Vortrage des Herrn Bernaben zu entwerfen. Er begann mit der Behauptung, die Regierung müsse auf der Stelle den Saal verlassen, indem es keine andere legale Gewalt gebe, als die Cortes. Die Rfgentschaft. wäre erledigt und die Cortes müßten eine neue wählen. Macht, daß ihr fortkommt!“ rief er den Ministern zu, worauf ihn der Präsident zur Ordnung verwies. Dann sagte er unter Anderem, und diese Worte habe ich genau aufgefaßt: „Ihr irrt euch, wenn ihr glaubt, daß Frankreich euch zu Hülfe kommen werde. Betritt ein nziger fremder Soldat, und vollends ein französischer, den spanischen Boden, so wird der Leopard, im Bündniß mit dem Löwen, bis an die Ufer des Rheins vorrücken.“ Ein schallendes Gelächter brach aus, und selbst die ernsten Züge der in der diplomatischen Tribüne anwe⸗ senden Vertreter Großbritaniens, Dänemarks, Hollands, Portugals schienen sich zu entwölken, vermuthlich in Folge des emphatischen To⸗ nes, in welchem der Redner seine Drohung vortrug. Dieser fuhr fort: „Ihr habt die Königin Christine um ihre Stellung in diesem Lande gebracht; wie wollt ihr Isabella II. oder den Thron vertheidigen? Reine auswärtige Hülfe vermag, diese zu retten, denn die Völker wis⸗ sen, daß die Könige Menschen sind, wie Andere, und haben gelernt, sie nicht nur zu entthronen, sondern sie zu enthaupten.“ Der Redner hatte unstreitig erwartet, mit diesen brutalen Ausfällen den Beifall der Volks⸗ menge einzuärndten. Er sah sich getäuscht. Der lauteste Unwille gab sich zu erkennen. Nun behauptete er abermals, man müsse eine neue Re⸗ gentschaft ernennen, und kam dann auf den eigentlichen Gegenstand seiner Interpellation, nämlich auf die Befürchtung, daß eine Regie⸗ rung, welche nicht weniger als 19 Artikel der Constitution verletzt hätte, auch in die persönlichen Rechte der Deputirten eingreifen würde. Der Minister-Präsident, Herr Lopez, hielt darauf einen sehr inhalts⸗ reichen, von dem allgemeinsten Beifall begleiteten Vortrag, der zu wichtig ist, als daß ich schon heute näher auf ihn eingehen könnte. Unter Anderem sagte er: „Man hat uns beschuldigt, uns für fran—⸗ zösisches Gold verkauft zu haben. Wenn man mir alles Gold, das der Erdboden in sich faßt, anböte, so würde ich doch nicht gegen die Gefühle meines Herzens einen Handel eingehen. Ich werde diese Bank (die Ministerbank) verlassen und zur Advokatur zurückkehren, um meinen Kindern Brod zu erwerben. Meinen Unterhalt werde ich in meinem Kopfe suchen, der mir gehört, so lange das Beil der Republikaner ihn mir läßt.“ Endlich ging der Kongreß zur Tages-Ordnung über. ö
Zurbano ist gestern von hier nach der Gegend von Logroño ab⸗ gereist, wo er sich mit Landwirthschaft beschäftigen will, glücklicher als Espartero, dessen höchste Wünsche sich bekanntlich darauf beschränkten, zum Alkalden jener Stadt gewählt zu werden.
* Paris, 8. Nov. Die Sentinelle des Pyrenées enthält eine Korrespondenz vom I0sten v. M. aus Saragossa, der wir die nachstehenden Einzelnheiten über den Hergang der Dinge in dieser Stadt während der letzten Tage der Belagerung entnehmen. Der General Concha hat bei seinem Verfahren gegen die Hauptstadt von Aragonien die volle Strenge des Kriegsgebrauches walten lassen. Gleich am ersten Tage der Belagerung ließ er die Wasserleitungen abgraben, und bemächtigte sich aller Mahlmühlen, bis auf zwei, die übrigens in Folge des Wassermangels unbrauchbar wurden. Ohbgleich der General Concha ferner die Zufuhr aller Lebensmittel nach Sara⸗ gossa streng verbot, und mit allen Kräften zu verhindern suchte, so fehlte es in der belagerten Stadt doch niemals an frischem Fleische, wenigstens für die Spitäler, und sowohl dieses als alle übrigen Lebensmittel waren immer zu den gewöhnlichen Preisen zu haben. Während der Beschießung der Stadt wurden an einem Tage 425 Kugeln und Granaten von den Batterieen der Belagerer geworfen. Die Saragossaner ließen es indessen nicht an einer entsprechenden Beantwortung des Feuers der Belagerer fehlen, und sie haben den— selben größeren Schaden zugefügt als sie selbst erlitten; in Sara⸗ gossa wurden nämlich nur 5 Personen verwundet, der General Concha dagegen hatte unter seinen Truppen 7 Todte und 20 Verwundete. Die Auswanderung war sehr stark, und man nimmt an, daß im Au⸗ genblicke der Uebergabe die Hälfte der Bevölkerung die Stadt ver— lassen hatte. Die Capitulation ist von der National- Garde wider den Willen des großen Haufens durchgesetzt worden. Der letztere erhob sich in den letzten Tagen drohend gegen die National⸗Garde, und erklärte, daß er um keinen Preis von Unterwerfung reden hören wolle. Die Ofsiziere der National-Garde, welche diesen Sturm durch Ueberredung zu beschwören suchten, sahen ihr Leben in beständiger Gefahr schweben. Am 2östen, als das Offizier⸗Corps mit dem Avyun⸗ tamiento zu gemeinschaftlicher Berathung versammelt war, erschien ein bewaffneter Haufen unter dem Geschrei: Nieder mit den Verräthern! vor dem Nathhause, und machte Miene, auf die an den Fenstern er⸗ scheinenden Offiziere Feuer zu geben. Es gelang endlich, diesen Trupp zu beschwichtigen und zu zerstreuen, aber an den folgenden Tagen, und
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Hieronymus von Prag den Huß warnt, nicht nach Kostnitz zu gehen und den ihm gegebenen Versprechungen nicht zu trauen. Text und Musit dieser Arie sind beide gleich schwach, und ist dieselbe daher mehr als Lücken büßer denn als Kunstwerk zu betrachten. — Der frühere Chor „Huß zieh' nicht fort“ wird wiederholt und ein Reeitativ schließt sich an, in welchem Huß nochmals das Veitrauen auf seine Sache ausspricht und dann den erwähnten Choral „was mein Gott will“ anstimmt. — In dem Terzett zwischen Huß, König Wenzel von Böhmen und dessen Gemahlin Sophia dentheidigt Huß seine Lehre. Der Text ist hier mit Bibelstellen sorgsam aus— , allein es fehlt ihm der eigentliche wie der poetische Schwung; die Duft Jingt angenehm und fließend, ohne etwas Neues zu bringen; doch ist die Verwebung der Stimmen so geschickt gearbeitet, daß man diese Num⸗ e nn . eine der besseren im Werk bezeichnen kann. — Der erste . . und in dem zweiten finden wir Huß auf dem ire , Abtheilung beginnt mit einem Zigeuner-Chore (Nr. 6); . n, leicht faßliche, fließende und melodiöse Behandlung der ,, . denselben vor den vorhergehenden besonders aus, und . , . re . Singstimmen geben ihm eine angenehme Fär⸗ nel Zudem g ga et sich (Nr. 7) der Choral: „Gott ist mein Tiost gen us din gore Tr 'n einzelnen Stimmen der Jigeunen, mit Anklän⸗ lee Unterb ec en gn . unterbrochen wird. Die Art und Weise, wie stalt einer wohlthe der sich gehen, ist eine unkünstlerische Spielerei, die, Ein zweiter hmmm nde 146 . ganz entgegengesetzte Wirkung hervorbringt. — Arie für Alt? Eine 396. (Nr. 8) biciet nichts Neues dar. — Ni. 8: hm gioßrs' Lan r . den Huß, weiter zu ziehen, indem breit, dit. Musi ga, 3 Der Tert ist hier schwerfällig und Jiecilaliv des Huß nd nn Ha . besonderes Interesse. — Nr. 10: auf seine Sache und das ihm ö. e Furcht von sich abweist, im Vertrauen den Zigeuner Chor spytisch ,, , freie Geleit, worauf ihm jedoch (Nr. II) sind kleinliche Landal e , , , ,, wesse auch der Tert A ohne tiefere Bedeutung, zu denen theil „ Tert Anlaß gegeben hab — Rr.“ 7. Wriosy mi
Fhor. Huß nimmt Abschied von fei 111 zr. is: Ehm e . ö einen Schülern; zart und melodioös. — Zigeuner, pikant und fließend, Tert und Musik gleich
frisch. — Nr. 14: Reeitativ. Huß auf der Wanderung. — Nr. 15: Arioso und Chor. Huß unter den Hirten, einer der zartesten und schönsten Sätze, womit der zweite Theil abschließt.
Der dritte führt uns, da das Süjet mehr dramatisch als oratorien— artig behandelt ist, auf das Schloß zu Costnißz. Kaiser Siegmund und seine Gemahlin Barbara deuten recitativisch (Nr. 16) an, Huß solle verdammt und verbrannt werden. Die beiden folgenden Sätze: Die Arie der Bar bara (Nr. 17), so wie das Duett zwischen ihr und Siegmund (Nr. 18) sind schön und gehaltvoll, nur leider zu kurz. — Nr. 19: g Hat der Komponist durch dieses Musilstück nur beweisen wollen, daß er es auch verstehe, im streng kontrapunktischen Satze zu arbeiten, so erlennen wir an, daß diese kancnische Arbeit nach den Regeln des strengen Satzes angefertigt sei; fragen wir aber, welchen Eindruck dieselbe auf das Gemüth mache, so lönnen wir nicht gerade sehr zu Gunsten des Komponisten ant⸗ worten, denn sein Musilstück ist ein mit dem Verstande kunstgerecht gemach— tes, aber nicht aus dem fkünstlerischen Drange des Innern hervorgerufenes. — Nr. 20. Recitatis und Chor: Die Disputation auf dem Konsilium: Eine höchst unmusikalische Situation. Der Verf. behauptet zwar, er habe die Verhandlungen ganz treu nach Peter von Mladonowitz, No tar des Concils und Schreiber beim Hans von Chlum, Hussen's Schutz- begleiter, angegeben — allein kam es bei einem Gedicht auf eine solche aktenmäfige Treue an? — Nr. 21: Arie des Huß. Eine schöne und ge— haltvolle Composition, tief und wahrhaft empfunden. — Nr. Choral⸗ Gebet. Würdig und fromm. — Nr. 2: Chor: „Seht den edlen Dulder schreiten.“ Die demfelben zum Grunde liegenden Motive sind etwas zu alltäglich für die durch den Tert ausgedrückten Gedanken. — Nr. 24: Huß und Chor. Kräftig und feurig. Bei den Worten Hussens:
Jeßt bratet ihr die Gans, bald kommt ein Schwan,
Den wird man ungebraten lahn — ist in sprachlicher Beziehung zu bemerken, daß die Gans wirllich auf böh— misch iL us (äzussisch Gus) heißt; da der Schwan aber in keiner slavischen Mundart Lulher heißt, so ist dieses Bild, wie auch Zeune anführt, nun gei— stig zu beziehen. — Nr. 25: Chor der Flammengeister. In der Musik krästig und feurig. Die Worte aber:
Misa canonica.
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Wir flattern flackernd
Die Luft durchackernd;
Wir flammen flimmernd,
Zum Himmel wimmernd — klingen wie gehacktes Blei. — Der Schlußchor endigt mit einer Fuge, welche gut gearbeitet ist, jedoch tritt auch hier wieder mehr das Gemachte als das
innerlich Empfundene hervor.
Die Recitative gehören zu dem schwächsten Theil des Werkes. Wir vermissen in ihnen das, was das Necitativ eigentlich sein soll: eine unge⸗ zwungene, gesangreiche und fließende Redeweise. Die Arien sind weniger ausgezeichnet, als wir es von Lowe erwarten durften. Was die Chöre an- gelangt, so sind dieselben insoweit für gelungen zu erachten, als sie, unter Veimeidung großer Schwierigkeiten, melodids und sangbar gesetzt sind, auch das Maß in Bezug auf die Stimmlage nirgend überschreiten: nur mangelt es an einer großartigen Gesammtwirkung, indem in den meisten eine zu pe⸗ dantische Spielerei mit Imitationen der menschlichen Stimmen geirieben vird. Die Instrumentirung ist reich, doch nicht zu überladen. Jedenfalls wird dieses Werk für kleinere Gesang-Vereine von Interesse sein, indem es ohne zu große Mittel in Anspruch zu nehmen und ohne ein tieferes äunst⸗ Studium vorauszusetzen, von angenehmem Eindruck sein wird.
Wir haben durch dieses Urtheil in keiner Beziehung aussprechen wollen daß wir Löwe nicht für fähig halten, Besseres zu liefern: wir wollen ihn im Gegentheil dazu auffordern, indem wir überzeugt sind, daß er es kann. Seine Lieder und Balladen stehen einzig in ihrer Art da, und wir wüßten ihm in dieser Nichtung, außer Franz Schubert, Niemanden zur Seite zu stellen. Wer kennt nicht seine „Jungfrau Lorenz“, „Des Goldschmidts Töchterlein“, „Heinrich der Vogelsteller“, so wie seine sinnige und wahrhaft schöne Auffassung so vieler Dichtungen Rückert's? Auch besißzen wir von ihm tzeffliche vierstimmige Männer-Gesänge, welche zu dem Besten in die sem Zweige der Kunst gezählt werden dürfen.
Die Ausstattung des Oratoriums ist lobenswerth.
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