und 1813 Mehreinnahme von 975791 Il. Nehraus⸗ also höherer Ueberschuß 690, a7 Fl. Die Uirfache dieser Erhöhung des lieberschusses ist besonders in derm dern auderten Verfahren bei Aufstellung des Hutgete zu suchen. Wohl wird der Kammer noch erinnerlich sein, daß die Bur get. RUommission am letzten Landtag die Behauptung aufstellte, die Großherzogl. Re⸗ gierung suche den Voranschlag der Einnahme unter dem, Betrag zu halten, der aus den Rechnungs-Resultaten der neuesten Zeit hervor= gehe, was das Finanz-Ministerium mit der Erklärung zugab, daß es das bisherige Verfahren, das auch andere Regierungen einhalten, dem die ständische Zustimmung früher ebenfalls nicht fehlte, für nothwen⸗ dig ansehe, wenn man sich eines hinlänglichen eberschusses zu Dek fung der außerordentlichen Ausgaben der künftigen Budgets Periode versichert halten wolle, daß es aber auch gegen die Abän⸗ derung dieses Systems, gegen den Vorschlag, die Budgetsãätze jeweils im Durchschnitte der letzten drei Jahre oder der neue⸗ sten Zeit, anzunehmen, der Vieles für sich, habe, nichts zu erinnern fände, wenn auf andere Weise, nämlich durch einen an gemessenen Reserve⸗Fonds, für die Sicherung eines Ueberschusses ge⸗ sorgt werde; das Finanz⸗-Ministerium machte selbst Vorschläge zu Er höhung mancher Budget-Positionen, widersetzte sich aber jeder Ver wendung der daraus hervorgegangenen Mehreinnahme. Das Bud⸗ get würde mit dem oben bemerkten, Uieberschuß abgeschlossen, der jetzt theilweise möglich macht, die größtentheils dringenden anßerordentlichen Ausgaben der lünftigen Budget⸗ Periode ohne Steuer-Erhöhung zu decken. Das neue, theilweise schon für das Budget für 1842 und 1813 eingetretene Verfahren ist nun in dem vorliegenden Budget für 1844 und 1845 allgemein durchgeführt worden. Baß die Einnahmen und Ausgaben von 1844 gegen 1813 so bedeutend höher stehen, ist vorzüglich darin zu suchen, zugleich ist
aber auch klar, daß der größte Theil dieses Ueberschusses nicht zu
410 gegen 1842 und 13. gabe von 281,6, Fl.,
neuen Ausgaben der Budget- Periode 18144 und 1815 verwendet werden darf, wenn man sich nicht der Gesahr preisgeben will, in der Budget- Periode 1816 und 1847 zu Deckung außerordentlicher Aus⸗ gaben keine disponiblen Mittel zu haben, und, da sie im Interesse des Landes nicht umgangen werden können, zu neuen Steuern seine Zu⸗ flucht nehmen zu müssen. Von der Gesammt⸗Ausgabe für 1814 fal len auf den eigentlichen Staats -Aufwand 9,148,263 Il. Für 1813 war derselbe berechnet zu M„,z33, 0791. Er stellt sich also für 1844 höher um 115,181 Fl. Dieses Mehr vertheilt sich folgendermaßen auf die einzel nen Ministerien: Bei dem Staats-Ministerium ergiebt sich ein Minder⸗ aufwand von 15,930 Fl. bei dem der auswärtigen Angelegenheiten ein Mehraufwand von 9870 Fl.; bei dem Justiz-Ministerium Mehraufwand 67, 592 Fl.; bei dem Ministerium des Junern Mehraufwand 121,63 Fl.; bei dem Finanz⸗Ministerium Minderaufwand 76,283 Fl.; bei dem Kriegs-Ministerium Mehraufwand 8301 Fl. Zusammen Mehraufwand 2A), z97 Fl., Minderaufwand 92,213 Fl. Die Einnahme, nach Ab⸗ zug der darauf haftenden Lasten und Verwaltungskosten, die reine Einnahme ist für 1814 berechnet zu 9, 853,84 Fl.; verglichen mit der für 1813 von 9,137,584 Fl., steht jene höher um 115,500) 51. Die Brutto Einnahme steht höher un 185,182 Fl. Die Lasten und Verwaltungskosten betragen mehr 69, 982 Fl. Am, Schlusse heißt es: Mit uns, hochgeehrte Herren! werden Sie die Ergeb nisse des ordentlichen Budgets für 1844 und 1815 sehr befriedigend sinden. Seine Erledigung bietet, nach unserem Ermessen, so wenig Schwierigkeiten dar, daß wir uns, nach kurzer Verhandlung mit Ihnen darüber zu vereinbaren die zuversichtliche Hoffnung hegen.
X
Baden, 27. Nov. Die Allgemeine Bade -⸗-3 eit ung bringt heute, veranlaßt durch die Motion des Freiherrn von Audlaw, einige Notizen über den Spielpacht, dessen Aufhebung seine Motion bezwecken soll. Der badener Spielvertrag wurde im Jahre 183, abgeschlossen und am 8. Februar 1838 von den Partieen unterschtie ben; er ist von Seiten der Regierung von zwei Ministern kontra signirt. Der Vertrag muß von allen Partieen unwiderruflich (es existirt keine auf die Auflösung Bezug habende Klausel) 15 Jahre gang gehalten werden. Nur heißt es im letzten Paragraphen: Der Ver⸗ trag löst sich nur dann auf, wenn derselbe von einer oder der ande⸗ ren Partie nicht mehr gehalten wird, gleichviel, durch welchen Um- stand; in diesem Jahre kann jedoch die haltende Partie auf Fort⸗ bestehen antragen; ist dies nicht möglich, so kann sie Entschädigung verlangen, welche von Seiten des Herrn Benazet muthmaßlich eine Summe betragen würde, die ihrer Bedeutendheit wegen vom Staate nicht geopfert werden könnte; denn, abgesehen von dem , noch laufenden zehn Jahre, hat er schon etwa eine Million für Ver— schönerungen des Conversationshauses, Anlagen u. s. w. verwen⸗ bèt. Als' Garantie hat ber zeitige Pächter den Staat, und der Staat hat von Seiten Benazet's nicht nur eine Caution von 110, 900 Fl, welche derselbe am 27. Februar 1838 bei der Amortisations⸗Kasse hinterlegte und dafür 3 pCt. Interesse bezieht, sondern es mußten
noch die Kinder Benazet's mit ihrem Vermögen garantiren. Von
Seiten der Kammer wird also wohl nur auf eine Aufhebung nach Ablauf dieses Vertrages angetragen werden können.
Grh. Hessen. Darmstadt, 29. Nod. (Schw. M. Unser Ministerium des Junern und der Justiz hat verfügt, daß zur gründlichen Beseitigung der Irrungen und Zweifel, welche wegen der Postporto⸗ Freiheiten bestehen, demnächst genaue und ausführliche BVestimmungen erfolgen sollen. — Es scheint, daß man schon für den nächsten Land tag die Vorlage von Nachträgen zu unserem Strafgesetz buche von Seiten der Staats-Regierung beabsichtigt. Jedenfalls ist für solche
Nachträge eine bleibende Einrichtung getroffen, wie aus einem un—
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längst erlassenen Ausschreiben des hiesigen Hofgerichts an die ihm untergebenen Untergerichte des Inhalts hervorgeht: „In dem Aus schreiben vom 25. Januar d. J. ist der 1. Dezember als Termin bestimmt, bis zu welchem die von Ihnen zu machenden Aufzeichnun— gen, die Anwendung und Auslegung des Strafgesetzbuches betreffend, eingeschickt sein sollen. Da aber das oberste Gericht uns angewiesen hat, bis zu jenem Zeitpunkte die uns obliegende Zusammenstellung an dasselbe einzusenden, so müssen wir Sie auffordern, bei Vermei⸗ dung der angedrohten Strafe Ihre Aufzeichnungen bis zum 10. No⸗ vember d. J., in künftigen Jahren aber stets bis zum 1. November, unfehlbar einzuschicken.“
X Weimar, J. Dez. Heute Mittag sind Ihre Kaiserl. Ho heiten der Großfürst Thronfolger von Rußland nebst Höchstdessen Gemahlin der Großsürstin, von unserem Herrn Erbgroßherzog einge⸗ holt, zur Freude der höchsten Personen unseres Großherzoglichen Hauses im erwünschten Wohlsein hier eingetroffen und im Residenz⸗ schlosse abgestiegen. Höchstdieselben werden heute und morgen uns mit ihrer Gegenwart erfreuen und übermorgen, den 6ten h., die fer⸗ nere Reise nach Darmstadt fortsetzen. .
Auch bei uns sind die Getraidepreise gottlob fortwährend im Sinken.
Freie Städte. Hamburg, 14. Dez. (B. H.) Der Se nat hat heute an die Stelle des zum Bürgermeister erwählten Herrn Senator Dr. Dammert den bisherigen Secretair und ersten Biblio thekar des Kommerziums, Herrn Dr. Gustav Heinrich Kirchenpauer, zum Senator erwählt.
Oesterreichische Monarchie. /
Preßburg, 26. Nov. (A. 3.) In neuester Zeit hat sich hier ein so strafbarer zügelloser Geist in Wort und That kundgege⸗ ben, daß die Regierung nicht umhin konnte, einzuschreiten. Folgendes Publikandum wurde vom Königl. ungarischen Ober Stallmeister, jener Behörde, der die Landtags- Polizei gesetzlich übertragen ist, zur Kennt niß gebracht: Jö ͤ
„Se. Kaiserliche Majestät geruhten in väterlicher Fürsorge zur Abwen⸗ dung aller Ereignisse, durch welche die am Ort des Reichstages aufrecht zu erhaltende gute Ordnung, öffentliche Ruhe und Sicherheit gestört werden könnte, neuerlichst zu befehlen, daß alle Zusammenrottungen auf öffentlicher Straße bei Tag- oder Nachtzeit, ohne Rücksicht auf ihren Zweck, hierorts auf das strengste verboten und ferner, nicht zu gestatten seien.“
Die näͤchste Veranlassung dieser Maßregel ist folgende: das magyarische Vollblut des jungen Ungarns, das die Exclusivität der Rare für sich in Anspruch nimmt, will kein deutsches oder slavisches Element im Lande leiden, und doch besteht Ungarn zu zwei Diitteln
aus diesen Stämmen, die aus den Händen der Türken, welche Jahr hunderte hindurch die Peitsche über dem Rücken seiner Einwohner schwangen, befreiten und an Bildung ins Land brachten, was davon gegenwärtig darin zu finden ist. Um diese Elemente auszurotten schlen der Sprachzwang ein. ergiebiges Mittel; und ohne irgend eine Rücksicht auf Recht und Billigkeit ward daran mit allem Fanatismus der Verfolgung festgehalten. Die feindliche bis zum Bürgerkrieg aufgeregte Stimmung, die dieser unselige Sprachstreit in beiden Lagern hervor— gerufen hat, ist leider nur zu bekannt und überall auf gleiche Weise gewürdigt worden. Die Kroaten ergriffen einen Rekurs an den Thron und die Regierung. Diese, welche die Verbreitung der un⸗ garischen Sprache auf jedem Wege, nur nicht auf dem des Zwanges, wünscht und dem Prinzip beipflichtet hat auch hier nach dem Ge⸗ setze vollkommener Billigkeit entschieden. Ein an die Stände er lassenes Reskript, erkennt die ungarische Sprache als die diplomatische an, es erlaubt aber den Kroaten bei den land täglichen Verhandlungen auch ferner die ihnen geläusfigere und seit Jahrhunderten im aus- schließlichen Gebrauche gewesene lateinische zu gebrauchen. Diese gewissen⸗ hafte Bestimmung der Staats-Verwaltung, durch das Bewußtsein auf gedrungen, daß sie nicht nur die Regierung der magyarischen Frac tion, sondern der gesammten ungarischen Vevölkerung sei, brachte eine maßlose und in ihrem Ausbruche vielfach strafbare Aufregung in das Lager des Radikalismus. Unter den Vorträgen war der des Deputirten Perczel besonders bemerkbar, welcher eben so sehr aller logischen Konsequenz entbehrte, als er unziemlich, in Betreff des Inhalts und der Fassung war. Eine Anzahl Mitglieder des Land⸗ tags, die einige Tage früher dem eben augekom]menen Veputirten Gabäni eine Katzenmusik brachten, veranstalteten nun dem Veputirten Perczel zu Ehren einen Fackelzug. Solchen Straßen ⸗Scenen ein Ende zu machen, erschien die oben stehende Bekanntmachung.
Frank ere h
Der Herzog und die Herzogin von Nemours
Paris, 1. Dez. sse nach England vorgestern wieder zu St. Cloud
sind von ihrer Rei eingetroffen. ‚ ; . ;
Der Moniteur enthält heute folgende Erklärung in Bezug auf die angeblichen Ereignisse in Algier: „In seinem Blatt von heute Morgen kömmt der Commerce auf eine vor einigen Tagen verbrei tete Nachricht zurück, aus welcher hervorgehen würde, daß unser Ver⸗ bündeter Ben-Asis-Ben-Gannah das Opfer einer That von räuberi⸗ schem Charakter und punischer Treue geworden wäre. Ver Natio nal seinerseits beklagt sich in seiner heutigen Nummer über das Still schweigen, welches die Regierung über den Üeberfall und die Plünderung beobachte, deren Opfer die Karavane Ben⸗Gannah's geworden sei. Es ist dem Kriegs- Minister kein Bericht, weder vom Marschall
m
Bugeaud, noch von dem Oberbefehlshaber der Provinz Konstantine zugekommen, der auf das angeblich gegen Ben- Gannah ausgeübte Verfahren Bezug hätte. Eben so wenig ist irgend etwas in Betreff des Abfalls des Kalifa von Tlemzen eingegangen, der vom Se⸗— maphore von Marseille gemeldet wurde, aus dem diese Nachricht in den National gelangte“.
Den letzten Nachrichten aus Oran zufolge, scheint es gewiß, daß einige Stämme den Bund mit den Franzosen aufgegeben und sich auf marokkanisches Gebiet geflüchtet haben. Ueberhaupt soll in Tlem zen große Aufregung herrschen und noch mehr Abfall zu fürchten sein. Man besorgt, der Krieg möchte sich wieder im Westen konzen triren, und Abd el Kader hat sich, wie man sagt, bereits mit den abtrünnigen Stämmen vereinigt.
Herr Lacretelle hat gestern seine Geschichts Vorlesungen eröffnet. „Die Rede, die er hielt“, sagt das Journal des Débats, „hat auf die zahlreiche Jugend, welche den Saal der Sorbonne füllte, großen Eindruck gemacht. Herr Lacretelle hat mit der Autocität, die seinem Talente, feinem Alter und seinen Diensten gebührt, die Uni versität von Frankreich vertheidigt, zu deren ruhmvollsten Mitgliedern er gehört, und welche die lyoner Verleumder auf eine so unverschämte Weise gekränkt haben. Es war schön, zu sehen, wie der berühmte Greis, der abwechselnd die Religion und die Freiheitz je nachdem die eine oder die andere ungerechterweise angegriffen waren, vertheidigte, mit Entrüstung die elenden gegen so viele ausgezeichnete Professoren gerichtete Beschuldigungen zurückwies. Unter die sen Professoren ind die Einen die Freunde, die Anderen die Zöglinge des Herrn Lache telle, und das Zeugniß, das er der Neinheit ihrer Grundsãtze gab, die strenge, aber gemessene Gerechtigleit, welche lr ihren . widerfahren ließ, werden den Beifall aller Familienväter erhalten.“
Im Minister⸗ Rath ist man, dem Vernehmen nach, noch nicht einig über die Frage, ob es angemessen scheine⸗ einen Gesetz Vorschlag wegen einer Dotation für den Herzog von Nemours, als künftigen Regenten, vor die Kammier zu bringen, . ö
ꝰ Dem Courrier frangais zufolge, ist Herr Passy zum Pair ernannt worden. 3 Paris, 1. Dez. Herr von Lamartine hat den zweiten Theil seines Artikels: 1 état, 1 enseignement erscheinen lassen. Der Deputirte von Macon hat, wie wir vorhersa— hen, keines der praktisch en Details berührt, die sich an dies wich- tige Problem knüpfen und er läßt seine Arbeit durchaus ohne Schluß, wenn man nicht eine unwesentliche Erklärung dafür nehmen will. Der Verf. geht zwar in das Detail einiger legislativen Bestimmungen ein, die nothwendig sind, um zur Unabhängigkeit des Kultus und dadurch zur Freiheit des Unterrichts zu gelangen. Diese Bestimmungen beziehen sich aber alle auf die begründete religiöse Association und auf die Unab hängigkeit der Kirche, wobei jedoch das Personal und die Besoldung der gegenwärtigen Diener des Kultus bis zum Aussterben der jetzigen Inhaber in dem Status quo erhalten werden soll. Dann würde die Regierung, indem sie die gesetzliche Freiheit Jedermann, allen öffent lichen und Privat-Anstalten, die Freiheit des Unterrichts allen Nuan cen des Glaubens und des Familien- Willens gestattete, es als ein Recht und eine Pflicht erkennen, durch ein ausgedehntes System des bürgerlichen Unterrichts als Konkurrent aufzutreten. Herr von Lamartine fügt hinzu: „Sie wird mit den Elementen, die ihr gehs ren, mit dem Ministerium des öffentlichen Unterrichts, mit der Uni versität, mit den Primair-Schulen, den Normal⸗-Gewerb-Schulen, Spezial- und polytechnischen Schulen, mit den in allen Mittelpuntten der Civilisation vervielfältigten transzendenten und unentgeltlichen Vorlesungen, ihr Etablissement des National-Unterrichts schaffen und vermehren. Dleser National-Unterricht wird unter Verantwortlichkeit des Staats dem Gewissen und dem Glauben der Familien Achtung und Schutz gewähren; aber unabhängig von der Kirche, wird er mit derselben nur in Betreff des frei und individuell ausgeübten Kultus in Beziehung stehen. So würde durch die dreifache Konkurrenz der Kirche, der Privat -Anstalten und der mäch tigen Centralisirung des Unterrichts von Seiten des Staats Allem genügt, was die Religion will, was die Familie verlangt und was der Staat befiehlt, diefe souveraine Familie, die auch eine Seelsorge hat, was man auch darüber sagen möge, und die der Nachwelt für das beständige Fortschreiten des menschlichen Geistes verantwortlich ist! Die Kirche wird das lehren, was sie glaubt, der Staat das, was er denkt. Die Kirche wird von der Regierung, die Regierung von der Kirche, die Philosophie von beiden emanzipint werden. Die See len werden von dem Budget gestrichen und ihrem Glauben und ihrem Gott zurückgegeben werden. So ist es in Amerika, in Belgien, und Jedermann kann sehen, ob dort das religiöse Element durch die Luft der Freiheit erstickt wird! Dies ist auch die Tendenz des übrigen Europa's.“ Der erste Einwurf, den man hier machen kann, ist, woher man sich in jedem Jahre 50 Millionen zum Unterhalt der Geistlichen und der Kirche verschaffen würde. Es giebt in Frankreich nicht nur viele Gleichgültige, sondern auch eine große Zahl Ungläubiger, die sich gewiß nicht beeilen würden, die Summen für das Budget des Kul tus herzugeben. Sodann würde diese religiöse Freiheit auch bald ein Vorwand werden, um sich zu den verschiedensten Zwecken zu vereini— gen. Man würde die Religionen der Abbes Chatel und Auzou, den Saint-Simonistischen Kultus und alle jene Mostificationen, die der pariser Polizei so große Verlegenheiten bereitet haben, von neuem auftauchen sehen. Die Religions Streitigkeiten würden wieder beginnen, und jene Unabhängigkeit, die Herr von Lamartine für die Geistlichkeit verlangt, Quelle von Un—
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würde eine
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ben die in Bezug auf Haltung und Harmonie 6 n a , nnn, als diese radirten Landschaften von Calame, die völlig denselben 2 eig der Individualität und Urfprünglichkeit haben, wie mit der Feder oder Reiß lohle gerissene Zeichnungen. Die Actzkunst ist zwar für jeden, der gut zeich nen kaun, in kurzer Zelt zu erlernen; aber es gehört ein eigenes Talent . um Fe im r. Fertigkeit und Vollkommenheit zu handhaben z ö Lalame. Die Zeichnung wird bei Radirungen nicht, wie man vielleich gang n er sogengnnten kalten Nadel, sondern mit der Nadirnadel, 1 , . 9 feiner ö stärker 6. ö y . Kup H 5 J . die Nadel den Aetzgrund bis auf das Kupfer weggerissen hat, und ver schont alle Stellen, wo der Grund nicht wöggenommen ist. Dieser Grund klebt so fest an der Platte, daß er selbst in den dicksten Schatien, wo die Striche ganz dicht aneinander liegen, und also nur unmerfliche Stellen da— von stehen bleiben, der ätzenden Kraft des Scheidewassers widersteht, und die kleinsten bedeckt gebliebenen Fleckchen nicht angegriffen werden. Hat das Aetzwasser die mit der, Nadirnqdel aufgerissenen Striche tief genug' in das Kupfer gefressen, so wird der, Aetzhrund weggeschmolzen, die Platte sauber geputzt ünd dann der Grabstichel genommen, um den zu matten Stellen i ge. san, . n. m , . . Reinheit und Feinheit zu geben. m endlich ganz feine Stellen in die Platte zu bringen, dazu gebraucht man die kalte Nadel. Leichte Wolken, ensfernte Horizonte und was sonst sehr zart sein muß, werden fast immer auf diese Weise retouchirt, die ihnen jenen leichten, transparenten, dustigen und lufligen Ton giebt, den das Aetzwasser bei der geschichte— sien und aufs genaueste abgewogenen Behandlung nicht herauszubrin⸗ gen vermag.. Die Arbeit mit der lalten Nadel ist mühsam und schwierig,
wejsl man mit der Nadel selbst, wie mit dem Grabstichel, auf das bloße,
blanke Kupfer stechen und die Striche tief genug einreißen muß, so daß sie Druckerschwärze annchmen können. Daher gebrauchen auch die neueren Aetzlünstler für die Vorgründe und dunklen Partieen ein leichter zur Hand gehendes Instrument, nämlich eine kleine Walze, die den Radirern von altem Schrot und Korn ein Gräuel ist. Indem man mit dieser Walze über die Platte hin- und herfährt, macht sie eine Menge Pünktchen, welche die Gegenstände einander annähern, ihnen Stärke und Farbe geben und überall, wo der Künstler will, geheimnißvolle Schatten und Tiefe heivor— bringen. Calame wendet diese Walze stets da an, wo en gewisse sanfte, weiche, zarte Töne braucht, und sehr oft mit glücklichem, seinen Absichten
entsprechendem Erfolg.
* Frankfurt a. M., . Dez. Die seit gestern in unserer Stadt⸗ Bibliothek aufgestellte Dankurlunde Hamburgs wird von Allen, die sie gesehen, als ein wahres Kunstwerk bewundert, da indessen unser Amtsblatt eine nähere Beschreibung desselben liefert, kann ich mich derselben überhoben fühlen. Zu bedauern ist, daß die Stadt Bibliothel am Ende der Stadt liegt, nich! den ganzen Tag offen und mithin kein geeignetes Lolal ist⸗ für eine allgemeiner Anschauung des merkwürdigen Dokuments. Ver Römer hätte sich besser dazu geeignet. Aus Stuttgart vernimmt man, daß die Cottasche Verlags -Buͤchhandlung die siehbente Auflage von Ferdinand Freiligrath's Gedichte unter der Presse hat. Kein ande⸗ rer jüngerer Dichter kann sich einer solchen Gunst seiner Nation rühmen, wie Freiligrath, kein anderer möchte sie aber mindestens mehr verdienen. Zugleich dernimmt man, daß das nächste Jahr einen zweiten Band von Freiligrath's Gedichten bringen und der Dichter darin, ohne seine Drigina⸗ lität ünd Selbststandigkeit zu verleugnen, eine Entwöhnung der ihm mit—
unter zum Vorwurf gemachten Reimweise bekunden wird. — Tas Reper⸗ toire unferes Schaufpiels ist zwar durch die eigenmächtige Verlängerung des Urlaubs der Mad. Frühauf augenblicklich fürs Lustspiel gestört, doch werden uns im ernsteren Drama güte Stücke geboten. Anfangs dicser Woche sahen wir „Wilhelm Tell“, in welchem Schauspiele Baison den Tell so durchdacht und überhaupt mit seiner künstlerischen Reife so meister⸗ hast spielte, daß anhaltender Beifall und dreimaliges stürmisches Hervor— rufen gerechter Lohn seiner Leistung waren. Morgen wird, das „eben ein Traum“ gegeben. Nächsten Montag wird Benedir „Ein Stechbrief zum erstenmale hier gegeben, und zwar zum BVesten des Pensionsfonds. Zugleich wird dabei das Liederspiel der alte Feldherr. aufgeführt und darin ein früher gern gesehenes Mitglied, unserer Bühne Leistering, der seit Jahren Pensionair ist, den Lagienka pielen. Er war in dieser Rolle früher ganz vortrefflich. — Die Oper brachte in den letzteren Tagen die älteren und früher gern gesehenen Opern er lustige Schuster“ und. „der Ralif von Bagdad“, und zwar zum Xe nefiz der Dem. Capitain. Wie beliebt diese Sängerin, eine Frankfurterin, hier ist, davon zeugte das volle Haus. — Obgleich es in un scyer Stadt an musikalischen Genüssen nicht fehlt, hat der Pianist E. Ro⸗ senhain für diesen Winter Soirées musicals veranstaltet und in der am Dienstag staltgehabten ersten recht gute Sachen geboten,; natürlich wirlen andere süchtige Künstler darin mit. — Prume konzertirt in der Umgegend. — Die Milaäͤnollo kommen noch in diesem Winter nach. Norddeutschland. — Der guͤnstige Erfolg, welchen unser Violin Virtuos Nie sstahl in Berlin hat, läßt wünschen, den trefflichen und gebildeten Künstler auch bald hier wieder einmal zu hören.
— — —
ordnungen, Haß, Konflikten und Verfolgungen werden. Die religiösen Antipathieen, die man dadurch besänftigen will, würden nur um so heftiger und selbst in die Politik übertragen werden. Wir wollen hier weder den Grund der Frage, noch die allgemeinen Maxi men prüfen, worauf Herr von Lamartine sein Gebäude errichtet hat. Die Analogie, welche er in dieser Beziehung zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten aufzustellen sucht, entbehrt der Genauigkeit. Die Vereinigten Staaten wurden durch die Einwanderung der freien und fast indwiduellen Kulte gegründet, die aus England flohen, um in keiner Beziehung zum Staate zu stehen. Die verschiedenen Kulte konzentriren sich keinesweges, sondern theilen und zerstreuen sich täg⸗ lich mehr. Herr von Lamartine wünscht ohne Zweifel sür Frankreich weder diesen Zustand, noch auch die Unordnungen, die in jedem Au— genblicke aus der Berührung und Reibung jener zahlreichen Dissiden— ten entstehen.
Srossbritanien und Irland. 5
London, 1. Dez. Ihre Majestät die Königin verweilt noch gegenwärtig in Drayton Manor, dem Landsitze Sir Robert Peel's, wo ein glänzender Cirkel hochgestellter Personen die Anwesenheit der Herrscherin bei ihrem ersten Minister feiert. Die Königin zeichnet denselben durch vielfache Beweise huldvoller Herablassung aus; am Arme Sir Robert Peel's begiebt Ihre Majestät sich zur Tafel, wäh rend Lady Peel vom Prinzen Albrecht dahin geführt wird; der Mi— nister muß zur Linken der Königin, Lady Peel zur Rechten des Prin zen Platz nehmen. Graf Talbot, der Herzog und die Herzogin von Buccleugh, die Herzoge von Rutland und Wellington, Graf Jersey und viele andere Nobilitäten, die abwechselnd als Gäste nach Drayton kommen und wieder abgehen, bilden die übrige Gesellschaft. Die Zeit nach der Tafel wird in der Regel auf Besichtigung der Kunstschätze ver wandt, von denen Sir R. Peel eine ausẽrlesene Sammlung besitzt. Es finden sich in derselben Gemälde und Skulpturen ausgezeichneter neuerer und älterer Künstler, Portraits und Büsten berühmter engli— scher Staatsmänner, Statuen von Thorwaldsen, Wyatt und Gibson, mehrere Vandykes und das bekannte Gemälde von Haydon, Napoleon auf St. Helena, welches die besondere Aufmerksamkeit der Königin auf sich zog.
Den folgenden Tag nach Ankunft der Königin langte Ihre Majestät die Königin Wittwe in Begleitung des Prinzen Eduard von
Sachsen⸗Weimar in Tamworth an, wo Sir R. Peel dieselben empfing und in gleicher Weise wie früher die Königin unter Begleitung der Neomanry von Staffordshire nach Drayton Manor geleitete. Gestern begaben sich die Königlichen Herrschaften und sämmtliche Gäste nach dem nur wenige Meilen entfernten Lichfield, der bekannten Vaterstadt des Dr. Johnson, um die prächtige Kathedrale dort in Augenschein zu nehmen. Sie ist ein altes Denkmal gothischer Baukunst, das be⸗ reits im Jahre 1128 unter Bischof Clinton begonnen, in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts vollendet wurde und viele sehenswerthe Merkwürdigkeiten enthält. Heute wird die Königin Tamworth ver lassen und nach Chatsworth zum Herzoge von Devonshire ihre Reise fortsetzen. Die Direktoren der Birmingham-Derbyer Eisenbahn haben bereits die nöthigen Vorbereitungen für die Fahrt von Tamworth nach Chestersield getroffen, in welchem letzteren Orte Ihre Majestät vom Herzoge empfangen werden wird.
Prinz Albrecht machte gestern von Tamworth einen Ausflug nach Birmingham, um die dortigen Fabriken und Industrie - Anstalten zu besichtigen. Die ihrer radikalen Gesinnungen wegen berüchtigte Fabrik— stadt bereitete, trotz dieser Gesinnungen, dem Prinzen einen feierlichen Empfang vor, den die Liebenswürdigkeit und Herablassung desselben, gepaart mit der wahrhaften Würde seines Benehmens, zu einer enthusiastischen Bewillkommnung steigerte. „Der Besuch Sr. Königl. Hoheit“ schreibt man aus Birmingham, „wird ohne Zweifel für unsere Stadt von wohlthätigeren Folgen für die Dauer sein, als die bloße Darlegung loyaler Anhänglichkeit an den Thron und die Insti tutionen unseres Landes, welche er hervorgerufen hat, denn ungeachtet mancher vorgekommener Aeußerungen erhitzter Geister wird Niemand, der den Charakter der großen Masse des Volks kennt, daran zwei feln, daß Loyalität gegen die Herrscherin tief im Herzen der Engländer wurzelt.“ Dem Prinzen wurden von allen öffentlichen Anstalten der Stadt Adressen überreicht. Abends kehrte derselbe nach Drayton Manor zurück. ;
Bei dem ersten Lever, welches der Herzog von Bordeaur in seinem Hotel auf dem Belgrave Square hielt, wurden ihm von Herrn von Chateaubriand 300 Franzosen, fast sämmtlich den höheren Stän den angehörend, vorgestellt. Die Morning Post, welche als Organ der hohen Aristokratie Englands alle Bewegungen des Prinzen alls führlich berichtet, theilt das ganze Verzeichniß der Prinzen, Herzoge, Marquis, Grafen u. s. w. mit, welche dem letzten Abkömmlinge des älteren Zweiges der Bourbonen, dessen Liebenswürdigkeit und geistige Ausbildung allgemein gerühmt werden, ihre Aufwartung machten. Der hannoversche Gesandte behändigte dem Herzoge ein Schreiben seines Souverains. Es kommen noch täglich neue Gäste von Frank reich an. Gestern versammelten sich etwa 109 französische Edelleute in den Gemächern des Herrn von Chateaubriand, um diesem ihre Huldigungen darzubringen. Der Herzog von Fitzjames richtete an den Vicomte schmeichelhafte Worte, welche diesen zu Thränen rührten; unter Anderem sagte er: „Auf Sie haben wir unsere theuersten Hoffnungen gesetzt. Sie haben in vergangenen Zeiten ge lebt und können uns lehren, wie die Klippen und Dornen auf unfe rem Wege zu vermeiden sind, da Ihr Geist durch den Schleier der Zukunft schaut.“ Der Herzog von Bordeaux, welcher nach Beendi gung der Anrede ins Zimmer trat, antwortete für den greisen, vor Rührung zum Sprechen unfähigen Vicomte: „Meine Herren ich hörte, daß Sie sich in den Zimmern des Herrn von Chateaubriand versammelt haben, und ergriff mit Freuden die Gelegenheit, Ihren Besuch zu erwiedern, da ich mich so außerordentlich glücklich in der Mitte meiner Landsleute fühle. Ich liebe Frankreich als mein Ge burtsland, und wenn meine Gedanken jemals auf den Thron meiner Vorväter gerichtet waren, so geschah es allein in der Hoffnung, daß es mir gestattet sein würde, meinem Vaterlande mit denjenigen Grund⸗— sätzen und Gesinnungen zu dienen, welche Herr von Chateaubriand so ruhmvoll verkündet hat, und welche noch so viele und so edle Ver— theidiger in unserem Geburtslande finden.“
In Ashton und dem ganzen dazu gehörigen Distrikte haben die Fabrik- Arbeiter einen allgemeinen „Strike“ organisirt. Die Veran— lassung gaben die bedeutenden Subscriptionen der Fabrikherren zu her Kollelte für die. League. Wenn die Fabrikherren, sagten die Arbeiter, Hunderte für die League hergeben können, so können sie auch unsere Löhnung erhöhen. ;
8Gelg ien.
Brüssel, 2. Dez. In der vorgestrigen Sitzung der Reprä sentanten⸗Kammer legte der Finanz-Minister einen Gesetzentwurf vor,
welcher den Zweck hat, alle Reclamationen in Betreff der aus der Zeit vor der Vereinigung Belgiens mit Holland herrührenden Schuld-
3 ; 6 e,, ; 4 ; 4 . ö? forderungen, deren Liquidation die belgische Regierung übernommen
hat und die nicht vor dem 1. Juli 1811 eingereicht sein würden,
unwiderruflich für verjährt zu erklären.
WVerstimmung.
aber selbst nur Werkzeuge höher stehender Personen.
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3 61
Rom, 23. Nov. (A. 3.) Der Kaiserl. russische außerordent⸗ liche Gesandte und bevollmächtigte Minister, Graf von Butenieff, ist von Konstantinopel hier angekommen, um den seither in gleicher Ei⸗ genschaft hier fungirenden Herrn von Potemkin zu ersetzen. Letzterer wird, dem Vernehmen nach, als Privatmann hier leben.
Vorgestern ist der Erzbischof von Konstantinopel, Monsignor Hi— lareau, aus dem Srient hier eingetroffen. Der Hauptzweck seiner Reise ist, die nöthigen Instructionen für die Unterhandlungen entgegen zu nehmen, die wegen Erweiterung der in der Türkei bestehenden Tole ranz-Edikte zum Besten der dortigen Christen mit der Pforte ange knüpft werden sollen.
1 4.
3 Madrid, 25. Nov. Endlich hat sich Herr Olozaga ge zwungen gesehen, mit seinem Kabinet hervorzutreten, nachdem sowohl er selbst, als auch seine Feinde, alles Mögliche aufgeboten hatten, um die Zusammensetzung desselben zu vereiteln. Die Nachricht von der Unterwerfung Barcelona's, die gestern früh hier einging, hat jeden falls dazu beigetragen, ein längeres Schwanken des Präsidenten des Kabinets zu beseitigen. Gestern Abend haben die neuen Minister ihren Eid vor der Königin abgelegt, und der Telegraph wird das Ausland von ihren Namen in Kenntniß setzen. Folgende Bemerkungen mögen dazu dienen, einiges Licht über die jetzt sich gestaltende Lage zu verbreiten.
Kein einziges Mitglied der sogenannten moderirten Partei ist in das Ministerium eingetreten und keinem derselben hat Herr Olozaga ein Portefeuille angetragen, obgleich gerade die Moderirten, sofern sie in den Cortes vertreten werden, ihn als Chef der neuen Verwaltung ansstellten und ihn im eigentlichen Sinne des Wortes zwangen, den Umfang seiner Organisationsgaben zu erkennen zu geben. Die Moderirten stehen jetzt in passiver Haltung da, bereit, dem neuen Minister-Prä— sidenten ihren vielleicht sehr gewichtigen Beistand zu gewähren, falls er es nicht bei dem berühmt gewordenen Ausruf: „Gott rette die Königin! Gott rette das Land!“ bewenden läßt, sondern, ohne zu zögern, eine Richtung einschlägt, die zur Verwirklichung dieses Wahl spruches führt. Herr Olozaga erklärte, wie man versichert, noch vor gestern ausdrücklich, er werde durch, für und mit den Progressisten regie ren. Da indessen in Spanien die mit den Parteinamen verbundenen Begriffe fast mit jedem Tage sich ändern, und diejenigen, welche sich gestern für Progressisten ausgaben, heute von Weiterfortschreitenden als Reactionaire bezeichnet werden, so mag es der Mühe verlohnen, die einzelnen Mitglieder des neuen Kabinets genauer ins Auge zu fassen.
Der Finanz⸗Minister, Herr Cantero, ist ein schlichter, durch gelungene Unternehmungen reich gewordener Bürger von Madrid, als Privatmann von jeher der entschiedene und vertraute Freund Olo— zaga's, und obwohl durchaus zu der eigentlich revolutiongiren Partei der Progressisten sich bekennend und bei der gegen die Königin Chri— stine gerichteten September-Revolution in nicht geringem Grade be theiligt, doch unabhängig genug, um durch seine offene Mißbilligung der schmählichen Finanz-Verwaltung der Minister Espartero's den Haß der Ayacuchos auf sich zu ziehen. Sein unbescholtener Ruf setzt ihn in die Lage, dem Kabinet Olozaga's zur kräftigsten Stütze zu dienen. Ohne Zweifel wird er den Kontrakt Salamanca's sogleich für nichtig erklären.
Der Justiz-Minister, Herr Luzuriaga, ebenfalls ein vertrauter Freund Olozaga's, wurde der Königin Christine 1840 in Barcelona durch Espartero als Minister aufgedrungen, ohne jedoch damals sein Amt anzutreten. Späterhin stimmte er in den Cortes gegen die Ernennung des Herrn Arguülles zum Vormunde der Königin Isabella. Er ist ein Mann, der sich auf sein Fach beschränkt, ohne von politi scher Bedeutung zu sein.
Herr Domenech, Minister des Innern, ein Catalonier, zeigte sich seit 1837 als entschiedener Revolutionair, so lange die Erthei— lung eines einträglichen Amtes ihn nicht zum mehr oder weniger ge— horsamen Diener des jedesmaligen Ministeriums machte. Unter Espar tero's Regentschaft wurde er Rath an dem hiesigen Appellationsge richtshofe; die provisorische Regierung fand jedoch für gut, ihn an die Spitze des hiesigen Ayuntamiento zu stellen, und die jüngsten re volutionairen Maßregeln dieser städtischen Behörde sind vorzüglich sei⸗ nem Einflusse beizumessen. Herr Olozaga hat sich als Staatsmann bewährt, indem er diesen Mann aus dem Ayuntamiento entfernte und in eine glänzendere Sphäre hinaufzog.
Der Kriegs-Minister, General Serrano, ist bekannt genug. Seit dem Absterben Ferdinand's VII. hat er die Reihen der Pro
gressisten nie verlassen, obgleich ihn allerdings die jetzigen Progressisten als abtrünnig betrachten, weil er die Central-Junta nicht einberief.
Der Marine⸗Minister, B. Joaquin de Frias, der ebenfalls wieder eintritt, wurde, wie bekannt, der Königin Christine in Valencia als Minister aufgedrungen und war neben Espartero Mitglied der pro visorischen Regentschaft, so wie der Espartero's Regentschaft ersetzen den provisorischen Regierung. t
Dies sind die Bestandtheile des Ministeriums Olozaga. Indem er nun ankündigt, mit den Moderirten nichts zu thun zu haben, son— dern Alles durch, für und mit Progressisten machen zu wollen, erklären ihm doch die jetzt sogenannten oder sich so nennenden Progressisten, welche in dem Regierüngs-Antritt der jungen Königin nur eine neue Phase der Revolution erblicken, offen den Krieg, und die Moderirten, die in Betracht seiner Antecedentien nie aufrichtig seine Freunde sein können, werden ihn vermuthlich nur so lange unterstützen, als er selbst eben jenen Umtrieben der neuen Progressisten eine unschädliche Rich— tung zu geben suchen wird.
. Auf wen unter solchen Umständen Herr Olozaga eigentlich rechne, ist nicht leicht zu errathen. Der Minister Caballero, der den Umfang der Fähigkeiten Olozaga's eben so genau kennt, als den seines Ehr— geizes, hat ihm bei seinem Abgange als zu lösende Preis-Aufgabe die Verfügung der schleunigen Wiederbewaffnung der National-Milizen von Madrid, Saragossa, Granada, und der Erneuerung der in Folge der letzten Ereignisse eingesetzten Avuntamientos hinterlassen. Auch wird Herr Olozaga es übernehmen müssen, die Verantworklichkeit für y.. Zustand Barcelona's auf sich zu laden, der durch die unerhörten * edingungen der von dem General Sanz unterzeichneten Capitulation herbeigeführt wird. Die vor Barcelona stehenden Truppen, die vor Begierde brannten, alle Schwierigkeiten zu überwinden, um, wenn nicht als Sieger, doch als treue Vertheidiger der Königin mit stür— mender Hand einzurücken, mußten sich als Helfershelfer der Rebellen in die Stadt einschleichen, weil die provisorische Regierung, schon in ihrer Auflösung begriffen, es dem General Sanz so vorschrieb. Aus den von Barcelona eingehenden Briefen sehen wir, daß die Truppen sich durch die ihrem Anfschwung angelegten Fesseln tief gedemüthigt fühlten. Hier in Madrid herrscht, wo möglich, eine noch größere
Der Soldat, welcher erkauft war, um den General Narvaez zu vergiften, hat sein Verbrechen bekannt, und die Mittelspersonen, die ihm 3000 Piaster als Belohnung zusagten, angegeben. Diese waren Vorgestern
Abend wurde abermals ein gegen das Leben des Generals gerichtetes Vorhaben entdeckt.
Das hiesige Ayuntamiento war von gestern Abend bis diesen Morgen in permanenter Sitzung, um die Wiederbewaffnung der Na⸗ tional ⸗Miliz zu beschleunigen. Wir werden sehen, was Herr Olozaga in dieser Hinsicht verfügen wird.
Abends. Beiden Kammern wurde heute die Ernennung der neuen Minister angezeigt. Der Minister-⸗Präsident, Herr Olozaga, erklärte sowohl im Kongresse wie im Senate, er lege weder Projekte noch Programme vor, deren Verwirklichung späterhin unausführbar sein könnten. Dagegen berief er sich darauf, daß die „Grundsätze“ der neuen Minister allgemein bekannt wären, und daß die größte Uebereinstimmung der Gesinnungen unter ihnen heirsche. .
Im Senate wurde an die Regierung die Anfrage gerichtet, ob es wahr wäre, daß englische Truppen die Spanien gehörende Inseln Fernando Po besetzt hätten. Herr Olozaga erwiederte, daß die Re⸗ gierung keine amtliche Kenntniß von einem solchen Ereignisse hätte.
In Betreff der Erneuerung der Ayuntamientos und der Wieder⸗ bewaffnung der aufgelösten National-Milizen ertheilten die neuen Minister im Senat eine ausweichende Antwort.
m Paris, 1. Dez. Die Botschafter-Staffette aus Madrid mit den Nachrichten vom 26sten v. M. ist eingetroffen. Die Gaceta de Madrid, welche wir gleichzeitig erhalten, enthält die Königlichen rdonnanzen, die Ernennung des neuen Ministeriums betreffend. Man bemerkt darin folgende Stelle: „Von der Prärogative, welche Mir durch den Art. 47 der Verfassung zugesichert ist, Gebrauch machend, habe Ich Claudius Anton de Luzuriaga, Präsidenten des obersten Justiz-Tribunals und Deputirten bei den Cortes für die Provinz Logrofio, zum Gnaden- und Justiz-Minister ernannt, und gebe zugleich Meine Zufriedenheit kund, ob der Anhäng⸗ lichkeit und dem Patriotismus, welche Joaquin Maria Lopez in der Ausübung dieses Amtes bewährt, so wie ob der wichtigen Dienste, die er Meinem constitutionellen Throne dabei erwiesen hat.“ Diese Ordonnanz, vom 24. November datirt, trägt die Unterschrisft der Königin und ist vom Herrn Olozaga, als Präsident des neuen Kabi— nets, kontrasignirt. Eben so lautet die Ordonnanz, welche die Ernen⸗ nung des Herrn Jacinto Felir Domenech zum Minister des Innern und der übrigen Mitglieder des Kabinets enthält, mit Ausnahme jener, welche den General Serrano in seinem Amte als Kriegs-Mi⸗ nister blos definitiv bestätigt.
Das neue Ministerium hat seine Verwaltung mit zwei wichtigen Maßregeln inaugurirt, welche einen sehr günstigen Eindruck auf die Kammer hervorzubringen versprechen. Die erste betrifft die vom Kabinet Lopez angeordneten Munizipal-Wahlen, welche unmittelbar ausgesetzt werden sollen. Das Kabinet Olozaga findet es für rath⸗ samer, abzuwarten, das die Cortes vorerst eine neue Munizipal-Ein⸗ richtung, die täglich nothwendiger wird, votirt haben werden. Die andere Maßregel hat die Bewaffnung der National⸗-Garde von Madrid zum Gegenstande, welche ebenfalls durch ein besonderes Gesetz gere⸗ gelt werden soll. Ueberhaupt scheint das neue Kabinet sich zur Richtschnur genommen zu haben, in allen seinen Handlungen die strengste Gesetzlichkeit zu beobachten.
Herr Olozaga hat sich als Präsident des Conseils beeilt, den Cortes sein eigenes ministerielles Programm bekannt zu machen. In der Sitzung der Deputirten⸗Kammer vom 2osten erklärte er sich darüber in folgenden Ausdrücken:
„Die neu ernannten Minister, welche die Ehre haben, sich dem Kon⸗ greß vorzustellen, mit Ausnahme des Kriegs-Ministers, der an einer Un—⸗ päßlichkeit leidet, wollen Ihnen, meine Herren, nicht Projekte ankündigen, welche sie entwerfen, aber vielleicht nicht ausführen könnten; sie wollen kein Programm aufstellen. Sie glauben, daß ihr Schweigen in dieser Beziehung durch die Kenntniß ersetzt werden kann, die der Kongreß von den politischen Grundsätzen hat, welche die Mitglieder des neuen Ministeriums stets befolgt haben, so wie durch die Kenntniß, welche sie selbst von der Epoche haben, in welcher ihnen die ehrenvolle, aber schwere Aufgabe zugefallen ist, diese Grundsätze in Ausübung zu bringen.
„Ich habe die Ehre, dem Kongreß in der letzten Sitzung, der ich bei⸗ wohnte, anzuzeigen, daß es sich noch an demselben Tage entscheiden müsse, ob die Minister, welche damals am Ruder waren, daran verbleiben sollten oder nicht. Diese Frage wurde auch an demselben Abend entschieden, und meine Bemühungen vermochten jene Herren nicht zur Beibehaltung ihrer Portefeuilles zu bewegen. So überzeugt sie auch bis zum letzten Augenblick sein konnten, daß sie das Vertrauen Ihrer Majestät verdienten, so beschlossen sie dennoch, sich zurückzuziehen. Jetzt hielt ich mich für verpflichtet, di e Verbindlichkeit zu erfüllen, die ich eingegangen war, und mich dem Lande und der Königin anzubieten, um ihnen alle in meinen Kräften stehenden Dienste auf diesem hohen Posten zu leisten. Von diesem Augenblick an werde ich, was ich bisher noch nicht konnte, es mir angelegen sein lassen, mich mit den Personen, welche diesen Posten einzunehmen würdig sind, in Einklang zu setzen, das Vertrauen Ihrer Majestät zu verdienen und mich desjenigen der gesetzgebenden Körper werth zu zeigen; und ich habe das Glück gehabt, die neben mir sitzenden Minister als Kollegen zu gewinnen.
„Wir wollen uns bestreben, so weit die Verhältnisse es uns gestatten das für das Handeln jeder Regierung unerläßliche Prinzip anzůw enden, ohne die den Männern, welche die Regierungsgewalt handhaben, auferlegte Verpflichtung zu verkennen, und von diesem Gedanken ausgehend, werden wir nicht wie bloße Privatpersonen oder wie Deputirten handeln. Wir wer⸗ den allen Parteien die angemessene Sicherheit und Buͤrgschaft zu geben suchen, und wir sind überzeugt, daß wir dieselben in den Gränzen der Ge⸗ setzlichkeit zu erhalten wissen werden. . . „Der Zeitpunkt, meine Herren, ist ein glücklicher; eine lange Minder⸗ sährigkeit und ein von demjenigen, der den Thron Ihrer Majessät der Kö⸗ nigin Isabella Il. usurpiren wollte, hervorgerufener Krieg haben ihr Ende erreicht, — ein Krieg, der indeß immer noch Parteigänger im Königreich und außer Landes hat; aber die Regierung läßt diese nicht aus den Augen Die lange Minderjährigkeit ist glücklich zu Ende, und die Zeit ist da welche Spanien das ihm beschiedene Glück sichern soll. Unter den Umwälzungen welche an uns vorübergegangen sind, ist die Aufregung auf den höchsten Gipfel gestiegen. Wir wollen nicht behaupten, daß es uns gelin=
gen wird, sie zu beschwichtigen, aber wir glauben, daß sie sich legen muß. Eben so wenig, meine Herren, wollen wir behaupten, daß wir dem Lande die materiellen Güter zu verschaffen im Stande sein werden deren es so sehr bedarf; dafür aber können wir uns verbürgen, daß wir unsere Pflichten, die Kräfte der Regicrung und die dem Throne gebührende Ehrerbietung vollkommen erkannt haben. Es kann uns an den Mitteln gebrechen, eine so hohe Aufgabe zu erfüllen, das aber können wir Ihnen versichern meine Herren, daß, wir es an Loyalität, Energie und Ausdauer in den Maßregeln, welche wir dem Wohle des Landes für zutraglich hal⸗ ten, nicht werden fehlen lassen.“ (Beifall von der linken Seite.) ö ö
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4 ** Paris, 1. Dez. Wir erhalten heute seit beinahe drei Monaten zum erstenmale wieder Zeitungen aus Barcelona. In den letzten Nummern derselben, vom 2zsten und 24sten, finden wir den . . *. Auflösung der National-Garde:
„Vie öffentliche Ruhe ist gestern Nachmittags und ge 2 Haufen bewaffneter zin den i Men e rr ch . 363 del Rey und in dem Viertel von Gracia hat man Lebehochs auf die Cen- tral-Junta ausgebracht, und die Lärmmacher haben friebliche Leninte mit Schimpfworten herausgefordert und beunruhigende Lieder angestimmt, auf die Gefahr hin Auftritte herbeizuführen, die ich um jeden Preis verhüten muß. Deshalb verordne und befehle ich:
1) Die National-Garde von Barcelona hat binnen sechs Stunden von der Veröffentlichung des gegenwärtigen Bando an, ihre Waffen, Pulver und Blei, Trommeln und Trompeten, an den Artillerie- Kommandanten abzulie⸗ fern, der sich zu diesem Behufe in dem Schlosse Atarazanas befinden wird.