ist besonders die in neuerer Zeit überall zu größerer Beachtung 1 ost - Anstalt ins Auge zu fassen, Auch in der Schweiz ängt man 3 kurzem an, dieser wichtigen Angelegenheit seine Auf⸗ merksamleit zuzuwenden, wie die im letzten Herbste von Zürich aus- eschriebene und von allen Ständen, mit Ausnahme Berns und Wal⸗ f beschickte Post⸗Konferenz beweist. Die von derselben ausgearbei⸗ zeten Anträge, welche wohl von den meisten Kantonen angenommen werden 3 sind ein erfreulicher Anfang, welcher uns allmälig aus der chaotischen Zersplitterung zu führen verspricht, deren Folgen nirgends schmerzlicher und unmittelbarer, als im Postwesen gefühlt werben. Daß gerade Bern sich von jener Besprechung ausschloß, hat unfere Miteldgenossen unangenehm berührt und ist nicht geeignet, bem Auslande einen hohen Begriff von unserer bundesbrüderli⸗ chen Gesinnung zu geben. Denn, wenn auch zugegeben wer⸗ den muß, daß die hiesige Verwaltung mit lobenswerthem Ei⸗ ser ihre Aufgabe verfolgt, so sollte sie doch am wenigsten vergessen, daß man immer noch von Anderen lernen kann. Ein Haupt⸗ Hinderniß weiterer Verbesserungen bleibt die in mehreren Kantonen, und so auch namentlich hier, allzusehr vorherrschende siskalische Rück⸗ sicht, welche das Postregal zu ausschließlich als Erwerbsquelle des Staates und zu wenig als großartiges Verbindungs- und Bildungs⸗ Mittel des öffentlichen Lebens betrachtet; daher die hohen Preise un⸗ serer Brief⸗ und Fahrposten, der noch vielfach bestehende Frankatur⸗ zwang u. s. w. Indessen wird auch hier die Erfahrung größerer Länder ihre Wirkung nicht verfehlen. Einer der größten llebelstände, welcher von den höheren Klassen der unser romantisches Land berei- senden Fremden jährlich empfunden wird, ist der Mangel an Extra⸗ posten, von welchen, so viel mir bekannt, nur einzelne Rudimente auf wenigen Hauptstraßen sich befinden. Eine Gesellschaft von Gast⸗ wirthen, welche die Sache allerdings am nächsten berührt, hat hierüber eine Eingabe an die Tagsatzung gerichtet, jedoch, wie vorauszusehen, ohne sonderlichen Erfolg; es wird auch hierin der Anstoß von Pri⸗ vaten oder von einzelnen unternehmenderen Kantons-Negierungen aus— gehen müssen. Die Geschichte der schweizerischen Industrie wäre eine sehr inter⸗ essante Arbeit, geeignet, den tiefsten Denkern und den lautesten Red⸗ nern über Natlonal⸗Oekonomie Kopfbrechen zu verursachen. Wir
184
fechtern des neuerlich so beliebten Schutz⸗-Systems empfehlen, indem wir nicht zweifeln, daß sie hier die Loösung mancher von ihnen auf⸗ geworfenen Probleme in einer Weise finden würden, welche ihren so zuversichtlich als unfehlbar gepriesenen apriorischen Resultaten schnur⸗ stracks widersprechend ist. Es läßt sich vielleicht nicht ohne Paradoxie, aber eben so nicht ohne Wahrhelt behaupten, daß das passive Ver—⸗ halten der schweizerischen Regierungen in Zoll=, Finanz- und Kameral= sachen das Heil des Landes und seiner Industrie gewesen sind. Letz⸗ tere hat sich ohne allen Schutz der Behörden und vielfachen hemmen⸗ den Maßregeln fremder Staaten zum Trotz in mehreren Zweigen zu einer achtungswerthen Höhe emporgeschwungen, und wir haben noch immer erlebt, daß die versuchte Einmischung der eigenen Negierungen derselben mehr Schaden als Vortheil gebracht hat. Im Gefühl die⸗ ser Wahrheit sind gegenwärtig die Jölle auf eine geringe Gebühr beschränkt, welche einen Theil der Landes-Einkünfte bildet. Aus solchen Gränz⸗Gebühren wird z. B. laut der Bundes -Akte und den Beschlüssen der Tagsatzung die eidgenössische Central-Kasse gebildet, und unterhalten, welche die Kosten des eidgenössischen Heeres, der Lager und Uebungsschulen bestreitet. Daneben erhebt fast jeder Kanton 3 eigene Rechnung gewisse kleine Beträge, die unter dem Namen von Weg⸗, Brücken= und Geleitgeldern, von Wag, Lager- und Susten⸗ Gebühren an verschiedenen Punkten zu entrichten sind. Im vorigen Jahre hat Bern ein neues Zoll-Gesetz angenommen, demzufolge alle Jölle an die Gränzen verlegt und der Handel im Innern des Kantons gänzlich frei gegeben ist. An den Gränzen wird für Einfuhr, Aus⸗ fuhr und Transit aller Waaren und Güter eine Gebühr bezahlt, die in der Regel für alle Gegenstände gleich und nur für einzelne nach Bedürfniß erhöht oder ermäßigt ist. Da ist weder von einer Aus- schließung fremder Manufakturen, noch von einer Prämie für die Ausfuhr einheimischer Gewerbs⸗Erzeugnisse die Rede, sondern es wird lediglich auf eine wenig drückende Weise zur Bestreitung der Staats⸗ Ausgaben eine indirekte Abgabe erhoben. Es lag bei dieser Gelegen⸗ heit nahe, das von einem Kauton für seinen Bereich gegebene Bei⸗ spiel des ungehinderten inneren Verkehrs auf dem Wege der Zoll⸗ Einigung auf einen Verband von. mehreren Kantonen auszudehnen. Nachdem aber die Idee in der Presse besprochen und auch zwischen Bern und einigen seiner Nachbarn deren Durchführung theilweise schon an⸗
Interessenten ohne vorher gemachte Erfahrung über die Folgen eines möglicherweise bevorstehenden Finanz⸗Ausfalls nicht beruhigen konnten. Wahrend nun Bern diese Erfahrung an sich durchlebt, hat sich aus Gewerbtreibenden und Privatleuten verschiedener Kantone ein frei⸗ williger schweizerischer Gewerbverein gebildet, welcher sich die allmä⸗ lige Wegräumung aller Hindernisse des inneren Verkehrs zur Auf⸗ gabe gemacht hat und zur öffentlichen Belehrung eine ganz wohlfeile Zeitschrift herauszugeben verspricht. Hieraus kann mit der Zeit man—⸗ ches erfreuliche Resultat hervorgehen.
In den letzten Jahren sind aus der östlichen Schweiz Stimmen laut geworden, welche eine direkte Einwirkung der Central-Behörden zum Schutze der heimischen Industrie verlangen. Allerdings läßt sich nicht leugnen, daß bei der immer systematischeren Sperre unserer großen Nachbarländer jene gewerbfleißigen Gegenden zuweilen bedrängt und bedroht werden, und daß der auswärtige Absatz für dieselben immer schwieriger wird. Deshalb sind ihre Wünsche auf Unterhand⸗ lungen mit dem Auslande, auf Traktate, Zoll-Einigungen u. 5 w. gerichtet, die ihnen die freie Mitbewerbung unverkümmert zusichern. Auf den Antrieb Zürichs hat es sich die vorörtliche Behörde seit einiger Zeit angelegen sein lassen, sich genauere Angaben über die Beschaffenheit uͤnd Lage der schweizerischen Industrie zu Hause und iber ihre Beziehungen zum Auslande zu verschaffen. Schon diese Untersuchungen werden bei Bekanntmachung ihrer Ergebnisse einer guten Wirkung nicht verfehlen, indem sie den Gewerbtreibenden über ihre Lage und Aussichten die Augen öffnet, vor übertriebenen, un pas= senden Speculationen warnt und sie dem Genius der Gegenwart sich anzupassen lehrt. Vielmehr werden unsere Regierungen für dieselben nichts thun können, alläin wir dürfen nach der bisherigen Geschichte unserer Industrie eiwarten, daß sie auch ferner mit kluger Benutzung der Umstände und mit Befolgung der von Alters her ererbten Recht⸗ lichkeit und Sparsamkeit auch fernerhin einen ihren Kräften und dem Wohl des Landes angemessenen Spielraum zu finden wissen werde.
Von Neuigkeiten ist die Wahl eines neuen Bischofs von Sitten und das Ableben des Bischofs von Chur, so wie die beschlossene Ein⸗ führung von Geschwornengerichten durch den Großen Rath von Genf zu melden. Ueber letzteren Punkt nächstens ein Mehreres.
möchten das Studium derselben namentlich den allzu begeisterten Ver⸗
gebahnt worden, blieb sie fürs Erste auf sich beruhen, indem sich die
gekanntmachungen.
i531] Nothwendige Subhastation. Land⸗ und Stadtgericht Wittenberg.
Die am rechten Elbufer bei Prühlitz, 4 Meile von Wtenberg entfernt belegene, dem Papiermühlen-Besitzer August Heerde zugehörige sogenannte rothe Mühle, welche in einer Papierfabrik nebst Inveniarium, 1 Wohnhause, 1 Mahlmühlen⸗-Gebäude, verschiedenen Seilen⸗-Gebäuden, 1 Obstdarre, 1 Schuppen, Hof⸗ raum und 2 Gärten, nebst anderem Zubehör besteht, und auf 27, 683 Thir. 17 Sgr. 6 Pf. abgeschätzt ist, laut der in unserer m einzusehenden Taxe nebst Hypothelenscheinen, so
am 13 März 1844, Vormittags 10 Uhr und Nachmittags 3 Uhr,
vor dem Deputirten, Herrn Ober⸗Landesgerichts⸗Refe⸗ rendar Scheffler, an Land- und Stadtgerichtsstelle sub⸗
hastirt werden.
1850
2 dem Königl. preuß. Land⸗ und Stadtgericht zu Kottbus werden der verschollene Johann Gottfried Flicke, geboren zu Kottbus den 6. Oktober 1809, vel⸗ cher im Herbst 1830 von Berlin als studiosus medi- cinae über Magdeburg nach Afrika gegangen, dort bei der Königl. französischen Armee in der ersten Kompag⸗ gie des ersten Bataillons der Fremden Legion als Fü⸗ ilier wahrscheinlich unter dem angenommenen Namen enri Rothe eingetreten und dann verstorben ist, indem ein Individuum dieses Namens laut Attests des fran⸗ zösischen Kriegs-Ministerit vom 14. Dezember 1832 im Militair⸗Hospital von Babazum am 25. Oktober dessel⸗ ben Jahres mit Tode abgegangen sein soll, oder dessen eiwanige Erben oder Erbnehmer öffentlich vorgeladen, sich binnen Neun Monaten, nn ien aber in dem auf
den 1. Mai 1845, Vormittas 19 uhr,
vor dem Herrn Land- und Stadtgerichtes⸗Rath Spie⸗ gelberg im Königl. Land- und Stadtgerichte .. anbe⸗ raumten Termine oder in dessen J. Büreau-Abtheilung schriftlich oder persönlich zu melden, widrigenfalls der Johann Gottfried Flicke für todt erllärt und sein Ver⸗ mögen den sich legitimirenden nächsten Verwandten ausgeantwortel werden wird.
Kottbus, den 20. Oltober 1843.
Bekanntmachung.
k Niederschle⸗ sisch⸗Märki⸗ sche Eisen⸗ bahn.
In Gemäßheit des §. 18. des Allerhöchst bestätigten Gesellschafts⸗ Statuts ist
ne zweite Einzahlung auf die gezeich neten Actien mit zehn Prozent des ganzen
Actien · Betrages in den Tagen vom 15. bis zum 29. Februar d. J.
incl.
von uns festgesetzt, und werden die Actionaire unserer Gesellschaft, unter Hinweifung auf §8. 19. und 20. des 2 wegen vg e snnnz der ursprünglichen Zeichner 9. . der h er dh ln g des jetzt 6 ie. 6 inschusses, hiermit aufgesordert, ; ese Einzah 9 in den erwähnten Tagen, und zwar n den Vormittagsstunden von bis ] Uhr, an die Danphtasse unfertz Heseüschast, Leirntget Gu, RM (i zu leisten. Die bei der ersten Cinzahlun ausgegebe⸗ nen Zusicherungsscheine sollen mul den na §. 7. des Statuts auszugebenden Quitiungsbogen verbunden werden, und sind zu diesem Zweck bei der jetz zu lei- stenden zweilen Einzahlung nebst hee, weg er Num- mersolge der Actien geordneten und, unterschrichenen Verzeichnisse derselben in duplo r en. Ein unse
splar dieses Verzeichnisses bleibt b . d ale Infemu t - Qu ten vel een, *
einen der unterzeichneten Direktoren, den Rendanten Riese und Controleur Schmidt, und mit dem Di— rections-Siegel abgestempelt, dem Einzahlenden zurück⸗ gegeben und ist später, gegen Extradition der mit dem Juͤsicherungescheine verbundenen Quittungsbogen, vier Tage nach Empfang der Interims⸗Quittung in den Rachmittagsstunden von 4 bis 6 Uhr zurückzureichen. Die Berichtigung der Zinsen von den hereits einge— zahlten 10 Prozenkf der Actienzeichnungen für den Zeit— raum vom 15. Juni v. J. bis ultimo Februar d. J., also mit 2 Thir. 25 Sgr. auf jede Zeichnung a 1000 Thlr. und mit 8 Sgr. 6 Pf. auf jede
2 l ge m ein e
Zeichnung à2 1090 Thlr., erfolgt nach §. 23. des Statuts durch Abrechnung auf die jetzt zu leistende zweite Einzahlung, so daß auf jeden Zusiche⸗ rungs-Schein a 10900 Thlr. der Betrag von 87 Thlr. 5 Sgr. und auf jeden Zusicherüngs⸗ Schein 2 100 Thlr. der Betrag von 9 Thlr. 21 Sgr. 6 Pf. baar einzuzahlen ist. Berlin, den 12. Januar 1814. Die Direction der Nieder⸗-Schlesisch⸗Märkischen Eisen⸗ bahn ⸗Gesellschaft. Mannkopff. Rubens. Schimmel⸗
Naunyn. fennig. Fournier.
60 b]
Die Herren Actionairs der Berlinischen Feuer- Versicherungs- Anstalt werden zu der Montag den 5. Februar, Vormittags 11 Uhr, im Lokale der Ans stalt, Spandauerstr. No. St, stattsindenden gewöhn- lichen jährlichen General-Versammlung hiermit eins geladen.
Die Verhandlungen werden zur angegebenen Zeit pünktlich beginnen.
Berlin, den 22. Januar 1844.
Die Direction der Berlinischen Feuer-Versichernngs— Anstalt. VV. Brose. II. IHOtho. II. Keihbel. Carl Brendel. L. F. Meisnitzer.
Borussia. Den Kaufleuten: Herrn A. W. Amberg, Alexanderstr. 40, A. Detring, Stechbahn 4, A. E. Dufresne, Grünstr. 20, M. Laskewitz, Spandauerstr. 10, C. L. Markow, Klosterstr. 101, Valentin Seyler, alte Schönhauserstr. 23, „G. C. Stürmer, Königsstr. 2, haben wir eine Agentur der Borussia am hiesigen Platz übertragen und empfehlen dieselben hiermit zu Versiche⸗ rungs⸗Aufträgen gegen Feuersgefahr bestens. Berlin, den 26. Januar 1844. General-Agentur der Feuer-Versicherungs-Anstalt Bo— russia zu Königsberg i. Pr. Mertens C Rubens.
Berlinische Lebens⸗Versiche⸗ nor rungs-⸗Gesellschaft.
Die Berlinische Lebens⸗Versicherungs⸗-Gesellschaft hat für das so eben vollendete siebente Jahr ihrer Thätig⸗ keit die Genugthuung, einen wesentlichen Zuwachs von Beigetretenen anzeigen und, das Geschästs-Ergebniß von 1843 als besoönders erfreulich bezeichnen zu können.
Die angemeldeten Todesfälle sind der Zahl nach, besonders aber hinsichtlich der dadurch beanspruchten Summe, sowohl gegen das Jahr 4842, als an und für sich, auffallend gering. — Sie betragen 66 Perso— nen mit 77,900 Thalern.
Das Jahr 1842 schloß mit 4369 Personen und ei—⸗ nem versicherten Kapitale von 5, 149, 80 Thalern. —
Das Jahr 1843 ergiebt einen Bestand von 4923 Personen und eine versicherte Summe von Fünf Millionen und 792, 800 Thalern, so daß sich, nach Abzug der ausge=
ou
schiedenen und verstorbenen Versicherten, ein Zuwachs
r Anzeiger.
von 551 Personen und 643,000 Thalern zeigt. — An— . ö * gemeldet wurden im Jahre 1813 9506 Perso⸗
nen nit Einer Million 77,300 Thalern.
Da die Gesellschaft an Ausdehnung und Stabilität jährlich namhaft zunimmt und sich dadurch die Aner— kennung der von ihr dargebotenen Vortheile bethätigt, sie auch in der Ausbeutung von Dividenden durch An— rechnung auf die Prämien der Versicherten nicht zurück geblieben ist, so darf sie sich der Eiwartung ferneren gedeihlichen Fortschreitens mit Zuversicht hingeben. — Der gewöhnsiche Rechenschafts Bericht mit den detaillir⸗ ten Angaben über den Geschäftsbetrieb und mit der Anzeige der für das Jahr 1839 zu vergütenden Divi— denden wird nach gehaltener General-Versammlung zur öffentlichen Kenntniß gebracht werden.
Geschäfts⸗Programme, Antrags⸗Formulare und son— stige Erläuterungen werden die Herren Agenten der Gesellschaft, so wie der Unterzeichnete (im Geschäfts— Büreau, Spandauer- Straße Nr. 29) auf Verlangen jederzeit bereitwillig mittheilen.
Berlin, den 26. Januar 1844.
Lobeck, General⸗Agent.
nt Cdinltt a! dadung.
Da die Intestat-Erben des so viel bekannt ohne Hin⸗ terlassung einer letztwilligen Verfügung verstorbenen Bür⸗ germeisters und Kaufmanns Wentz hierselbst, dessen Nachlaß nur cum benesicio légis et inventarii ange- treten und jetzt Konkurs erklärt haben, so werden alle diejenigen, welche persönliche oder dingliche Ansprüche an diefe Eibmasse aus irgend einem Grunde zu ma— chen haben, hiermit vorgeladen, dieselben bei Strafe des Ausschlusses am Montag, den 25. März künftigen Jahres, Morgens 9 Uhr, auf hiesiger Amtsstube anzumelden und ihre Beweismittel anzugeben.
Zugleich ist Termin zur Wahl eines Güter-Pexwal—
ters, so wie zur Ernennung eines engeren Glaͤubiger— Ausschusses, auf Dienstag, den 26. März künftigen Jahres, Morgens 9 Uhr, auf hiesiger Amisstube unter dem Prä— judize anberaumt, daß, widrigenfalls der interimistisch angestellte Kurator, Advolgt Culemann hierselbst, für bestätigt und die nichterschienenen Gläubiger als den Beschlüssen der Mehrzahl beitretend angesehen werden ollen. t Schließlich wird den Schuldnern der Erbmasse hier— mit eröffnet, daß sie bei Strafe doppelter Zahlung nur an den genannten Kurator gültige Zahlungen leisten können. .
Der Wittwe des Kridars ist jede Veräußerung oder Verpfändung der Erbmasse bei Strafe der Nichtigkeit und des Betruges untersagt.
Wustrow, den 20. Dezember 1843.
Königlich hannoversches Amt.
Literarische Anzeigen.
Bei Alexander Duncker, Kong. Hofbuchhändler, Französ. Str. 2, wird so eben aus= gegeben: ss! Alfred Reumont.
Die poetische Literatur
der Italiener im neunzehnten Jahrhundert.
(Vortrag, gehalten im wisscenschastlichen Verein am 13. Januar 1844.) geh. I Thlr.
Musikalien zu den hillig- i! sten Preisen bei Ed. Bote C G. Bock,
Buch- u. Musikhidlg. E ] 29 0. w 8 . Berlin. Jägerstr. 42, Breslau, Schweidnitzer- Str. No. 8.
In Gustas Köhler's Buchhandlung in Görlitz
ͤ 1 6 6 ist so eben erschienen und bei Alex. SOuntker, Königl. Hofbuchhändler in Berlin, Franzö⸗ sische Str. Nr. 21, zu haben:
* ö * 66 Ansichten von Muskau. 871 6 Blatt quer Folio im Umschlag. Aufgenommen und lithographirt von Ed. Sachse. Preis:; 2 Thlr.
Dieses Heft enthält die schönsten Partieen aus dem berühmten Parke Sr. Durchlaucht des Fürsten Pück⸗ ler Muskau. Die künstlerische Ausstattung ist ge⸗ lungen zu nennen.
80 b]
Eur Bequemlichkeit unserer resp. Geschäfts- Freunde haben wir den Verkauf unserer Fabrikate, bestehend in Cigarren und Poriorico- La- kacken, nach Berlin verlegt und die Leitung dieses unter der Eirma:
Mebes C Hildebrandt, begründeten EFEiablissements unserem IIerrn Louis Hildebrandt
AsSsSociè,
ühertragen.
Unsere berliner Firma wird sich gleichzeitig einer jeden Kommissions- und Speditions- Besorgung unterziehen und bei Ausführung der eingelienden Aufträge stets die strengste Rechtlich- keit, Promptitäde und der zrolsen Konkurrenz au— gemessene Billigkeit beohachltlen.
Halberstadt, im Januar 1844.
Bertog C Mebes.
Das Geschäfts- Lokal von Mebes C Hilde- krandt in Berlin ist
Alexander-Stralse No. 3 parterre.
2 14
78h 9. 7 , 3 „su Zur gefälligen Beachtung.
Nachdem ich am 1. September v. J. aus meiner Weinhandlung den J. Bach von Oberingelheim — welchen ich blos auf Bitten meiner Verwandten vor zwei Jahren aufnahm — aus Gründen ausscheiden ließ — beehrte ich mich damals meine resp. Herren Abnehmer durch meine Circulaire davon in Kenntniß zu setzen. Da aber inzwischen besagter Bach vor An⸗ kunft meiner Circulaire viele von meinen verehrlichen Herren Abnehmern besuchte und hei mehreren derselben die für meine Handlung aufbewahrten Aufträge in Em⸗ pfang genommen hat. — sa wie auch da derselbe, wie sch höre, jetzt einem früher bei mir gewesenen Commis, Namens Leopold Bach aus Illereichen, den ich aus Gründen austreten ließ, für sich unter der angenommenen Firma J. Bach & Co reisen läßt, welcher aber durch Ver⸗ frag bel mir sich verpflichtet hat, vom f, Septbr. B. J. au binnen 5. Jahren in leiner anderen Weinhandlung als Conimis oder Reisender zu serviren, weshalb ich auch beim Großherzogl. Handelsgericht dahier mein Recht egen denselben unverzüglich geltend machen werde, — 7 sinde ich mich zur öffentlichen Anzeige veranlaßt: „Daß oben besagte beide Bach so wenig als ein Drit⸗ ter berechtigt sind, für meine Firma gel h abzu⸗ schließen, indem ich stets persönlich die Aufträge von allen meinen geehrten Geschästsfreunden jetzt und fer— ner in Empfang nehmen werde.“
Mainz, den 15. Januar 1844.
J. Oppenheimer,
alleiniger Eigenthümer der Weinhandlung unter der Fuma:
A. Oppenheimer Sohn C Co.
dahier.
Das Abonnement beträgt:
2 Rthlr. sür 3 Jahr.
14 Kihlr. Jahr.
8 Üthlr. — 1 Jahr. in allen Theilen der Monarchie
3 ohne Preiserhöhung. ler tions- Gebühr sür den aum einer Zeile des Allg.
Anzeigers 2 Sgr.
M 30.
Inhalt.
Amtlicher Theil. ö
Inland. Berlin. Erhaltung und Kunst-Denkmäler. — Düsseldorf. serswerth. ö
Deuntsche Bundesstaaten. Ba vern, Mün chen. Bildhauer NMaper 4. — Bamberg. Franziskaner-Kloster zu Forchheim. — Ba— den. Karlsruhe. Verhandlungen der zweiten Kammer.
Frankreich. Deputirten Kamm er. Dupin über das Verhältniß zu England. — Debatte über die Unterhandlungen wegen des Durch— suchungs-Nechts. — Paris. Hosnachrichten. — Urtheile der Presse über die Thierssche Rede. — Briefe aus Paris. (Adreß⸗Debatten; Sitzung vom 21. Januar; Tarif und Handels-Verträge. — Stand der Debatte in Betreff des Durch suchungs-Rechts.)
Großbritanien und Irland. London. Hofnachricht. — Zeugen Veihör im O'Connellschen Prozeß. — Aufregung des irländischen Volks gegen die Zeugen. — Sir Francis Burdeit *.
Wiederherstellung vaterländischer Die Diakonissen -Anstalt zu Kai—
Der Zoll- Verein und dessen Verhandlungen mit Hannover. (Schluß.)
Eisenbahnen. Liegnitz. Verfügung über die Entfernung der Stroh⸗ dächer 2c. von den Eisenbahnen.
Handels- und Börsen⸗Nachrichten. Berlin. Börse. — Bres⸗ lau, Magdeburg und Köln. Marktbericht. — Paris. Börse. — London. Getraidemarkft.
Schelling's Geburtsfest. — Königl. Schauspielhaus. („Die Jäger“; Gast⸗ spiel der Mad. Birch -Pfeiffer und des Herrn Löwe.) — Köͤnigsstädtisches Theater. (Italienische Oper; Gastspiel des Sgr. Moriani.) — Zweites Konzert von Frangçois Servais. :
Beilage.
Amtlicher Theil. Berlin, den 29. Januct 1814. Seine Majestät der König sind nach Jahnishausen gereist.
Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: Den Regierungs- und Forst⸗Rath von Dallwitz bei dem Re⸗ gierungs-Kollegium in Gumbinnen zum Ober-Forstmeister zu ernennen.
Angekommen:
nichtamtlicher Theil. Inland.
Berlin, 24. Jan. Zu den edelsten Aeußerungen des Natio—⸗ nal-Gefühls unserer Zeit gehört die lebendige Theilnahme, welche man den alten Kunst-Denkmälern des Vaterlandes widmet. Man hat die ernste Bedeutung dieser Schätze, die in reichlicher Anzahl über das ganze Land verbreitet sind, aufs neue erkannt; man hat es eingefehen, daß die Gebäude, die Bildwerke, Malereien, Kunstgeräthe, die unsere Vorfahren uns hinterlassen haben, in ihrer lebendigen For⸗
8e
Allgemeine
Preußische Zeitung.
Dien stag den 30sten
mensprache zu den wichtigsten Urkunden gezählt werden müssen. Für ihre Pflege, ihre angemessene Erhaltung, ihre Wiederherstellung ist in den letzten Jahrzehnten Vieles geschehen, — vielfach Bedeutendes be— sonders in den verschiedenen Theilen der preußischen Monarchie, wo durch die erhabene, Munificenz des Hochseeligen und des jetzt regie renden Königs Majestät ansehnliche Summen für diese Zwecke ver⸗ wendet sind und eine große Anzahl von Denkmälern wiederhergestellt ist. Die Restauration und der begonnene Fortban des kölner Domes die in der Königlichen Huld ihre wesentlichste Stütze fanden, bilden nur eins von den vielen Beispielen, die in solchem Betracht anzusüh— ren wären. w
Mit dem glücklichen Erfolge dieser Unternehmungen und mit der Anerkennung, welche sie fanden, traten indeß, naturgemäß, fort und fort neue Wünsche in Bezug auf die Erhaltung und Wiederherstellung der alten Kunstdenkmäler hervor. Man konnte es sich nicht bergen, daß bei den früheren Vernachlässigungen der letzteren, noch eine große Menge ähnlicher Bedürfnisse vorhanden war, und daß es vor allen Dingen darauf ankommen mußte, in diese Verhältnisse ein planmäßi⸗ ges Verfahren zu bringen. In Betreff der Restaurationen erschien es höchst wünschenswerth, das vorzüglich Dringliche zunächst angrei⸗ sen zu können, damit durch Verspätung der Hülfe die aufzuwendende Kostensumme nicht allzu beträchtlich anwachsen, es nicht vielleicht völ⸗ lig unmöglich werden möge, überhaupt noch eine Wieberherstellung zu unternehmen. Für die Conservation der Denkmäler im Allgemeinen mußte es nicht minder wichtig sein, von ihrer ursprünglichen und eigenthümlichen Beschaffenheit genaue Kenntniß zu gewinnen, um da⸗ für sorgen zu können, daß die etwa für nothwendig befundenen Re⸗ staurations Arbeiten dem inneren Charakter des betreffenden Werkes gemäß ausgeführt würden und durch sie nicht, was leider so oft der Fall gewesen ist, dem Werke ein empfindlicherer Schade zugefügt würde, als Zeit, Rohheit und Indolenz veranlassen können. Es sschien wünschenswerth, Achtung nnd Theilnahme für die Denkmäler der Vorzeit durch alle Theile des Staates, durch alle Klassen der Gesell⸗ schaft möglichst lebendig zu verbreiten. Eine umfassende Leitung alles dessen, was die sämmtlichen Angelegenheiten der Couservation und der Restauration der Denkmäler betrifft, stellte sich als ein wesentliches Bedürfniß heraus.
Sr. Majestät dem Könige war dieses Bedürfniß nicht entgangen. Mit Königlicher Huld dem Verfalle der Denkmäler entgegen arbeitend, beschlossen Allerhöchstdieselben auch in diesem Betracht dem vielseitigen und vielsach schwierigen Geschäfte der Tonservation und Restaurafion eine neue sichernde Grundlage zu geben. Durch Allerhöchste Kabinets⸗ Ordre vom 1. Juli v. J. wurde in der Person des Architekten von
Der General-Major und Commandenr der
ssten Garde⸗Kavallerie⸗ Brigade, von Tümpling, von Marienburg. ; 3. . . p 8. . 6 tergeordnet, ist der Konservator zunächst angewiesen, sich eine möglichst
Quast ein Konservator der Kunstdenkmäler, mit dem Range
und Titel eines Baurathes, ernannt. Dem Königl. Ministerium der geistlichen, Unterrichts und Medizinal⸗-Angelegenheiten unmittelbar un⸗
umfassende Kenntniß der vorhandenen Kunstdenkmäler zu erwerben und
eine vollständige Inventarisation der in öffentlichem Besitz besindlichen
Denkmäler dieser Art einzuleiten. Auf solche Kenntniß gestützt, hat derselbe sodann diejenigen r gn n, welche . [ . Unterhaltung der Denkmäler nothwendig sind, je nach Maßgabe ihrer Dringlichkeit, in Anregung zu bringen, ihren Gang zu beobachten und über Alles, was hierin einschlägt, sein Gutachten abzugeben. Er vertritt bei dem gedachten Königlichen Ministerium die eigentlichen artistisch-historischen Interessen, die hierbei zur Sprache ommen. Er ist verpflichtet, jährlich während einiger Monate die Provinzen des Staates zu bereisen, sich durch eigene Wahrnehmung von den 'in sei⸗ nen Beruf einschlagenden Dingen näher zu unterrichten und zugleich
FJanuar
Alle Post-Anstalten des In- und Auslandes nehmen HGestellung auf dieses glatt an, für gerlin die Erpedition der Allg. Preuss. Zeitung: Friedrichsstrasse Nr. 72.
1844.
für die lebendigere Entfaltung der persönlichen Theilnahme an den Angelegenheiten der Denkmäler wirksam zu sein.
Im vergangenen Sommer hat der neuernannte Konservator seine erste amtliche Reise durch die westlichen Provinzen des Staates ge⸗ macht und mannigfache Gelegenheit gefunden, die Wichtigkeit des ihm übertragenen Berufes zu bewähren; im bevorstehenden Sommer wird er die östlichen Provinzen des Staates bereisen. Ohne Zweifel wer⸗ den sich schon im Verlauf weniger Jahre die erfreulichen Nesultate dieser neuen Einrichtung, die wir, neben so vielen reichen Gaben im Gebiete der geistigen und der materiellen Lebens⸗Interessen, der er⸗ habenen Huld Sr. Majestät des jetzt regierenden Königs verdanken, allgemein erkennbar und wirksam herausstellen.
Düsseldorf, 24. Jan. (D. Z.) Es freut uns, aus zuver⸗ lässiger Quelle dem wiederholten Gerücht widersprechen zu können, als ob die seit mehr als 7 Jahren zu Kaiserswerth in großem Segen
bestehende Diakonissen-Anstalt für Rheinland-Westphalen aufgehoben und nach Berlin verlegt werden solle. Unser Rheinland⸗Westphalen, besonders die Rhein- Provinz, hat die wohlthätige Wirksamkeit der kaiserswerther Anstalt für die Pflege seiner Kranken, Armen, Kinder und entlassenen Gefangenen schon zu vielfach erfahren, als daß es ihrer noch entbehren könnte. Die meisten von den mehr als 60 darin ge⸗ bildeten Krankenpflegerinnen wirken in den Hospitälern des Rheinlan⸗ des, zu Elberfeld, Barmen, Kreuznach, Saarbrücken, Frankfurt a. M. und Worms, und bei Privatkranken unserer beiden Provinzen, und von ungefähr 150 Lehrerinnen, welche dort vorbereitet wurden, sind die meisten an unseren Kleinkinder- und Armenschulen thätig. Jetzt fängt man dort selbst an, ein neues sich mehr und mehr fühlbar machendes provinzielles Bedürfniß zu befriedigen, nämlich Lehrerinnen für evangelische Elementarschulen zu bilden, wie man sie für katho⸗ lische Elementarschulen, besonders in Westphalen, längst besitzt.
Ausland.
Deutsche Bundesstaaten.
Bayern. München, 21. Jan. (M. p. 3.) Vorgestern starb hier der geschätzte Bildhauer Herr Ernst Mayer in . . Mannesalter. Er bekleidete seit längerer Zeit die Stelle eines Pro⸗ ile an der Königl. polytechnischen Schule für das Fach der Bos⸗ sirkunst.
Bamberg, 21. Jan. (D. A. 3.) Dem Vernehmen nach wird in der nahen Stadt Forchheim, der ehemaligen Festung, ein Franziskaner -Kloster errichtet werden. Bereits sollen Einlestungen dazu getroffen worden sein; früher war schon ein Kloster in Forchheim gewesen und dessen Gebäulichkeiten sind noch vorhanden.
Baden. Karlsruhe, 25. Jan. (K. 3.) In der vor ge⸗ strigen (der 21sten) öffentlichen Sitzung der . gin, be . bete der Abg. San der seine Motion über die Unverantwortlichkeit der Abgeordneten für ihre Aeußerungen in der Kammer. Sein An⸗ trag geht dahin, daß die Kammer ihre Zuständigkeit, tadelnswerthe Aeußerungen eines Abgeordneten selbst zu richten, wahre, und dem Abg. Welcker untersage, irgend einer gerichtlichen Ladung in dem ge⸗ gen ihn anhängig gemachten Injurien-Prozeß zu folgen. ;
Die Abg. Hecker, Gottschalk, von Itzste n und Gerbel unterstützten die Motion als richtig für die Redefreiheit in der
Kammer, die untergraben werde, wenn ein Abgeordneter für
Schelling 's Geburtsfest.
8
Berlin, 28. Jan. Freunde und Verehrer Schelling's hatten sich gestern um 3 Uhr im englischen Hause versammelt, um in Geineinschaft mit ihm seinen Geburtstag sestlich zu begehen. Es waren Gelehrte aus allen Fakultäten, Stagtsbeamte, Künstler und Studirende erschienen; auch der Geheime Staals Minister Eichhorn und der General Lieutenant von Diest bechrten die Versammlung mit ihrer Gegenwart. Selten wurde ein Fest mit so reiner Heiterkeit und mit so hohem Ernst zugleich begangen. Frohe Gespräche wechselten ab mit Neden, durch welche der Geist der Versammelten auf die wichtigsten Verhältnisse der Vergangenheit und Gegenwart hingelenkt wurde. Zuerst nahm Minister Eichhorn das Wort. Er verglich die Zeit des ersten fühmwvollen Auftretens von Schelling mit der Zeit seiner Erscheinung in unserer Mitte. Sei jene eine Zeit des Kampfes gewesen, so ei es fast noch mehr die ge⸗ enwärtige, und wie Schelling schon damals als Kämpfer vorgeleuchtet habe
n müsse man sich jetz wieder um Ihn als den Fahnenträger schaaren! Denn es handle sich um das Höchste, es handle sich eben so um Bewah⸗ rung der ererbten überlieferten Güter, als um Fortschritt und Entwickelung. Darauf erhob sich der Geseierte. Er richtete sein Wort zuerst an diejenigen der einzelnen Freunde aus älterer und neuerer Zeit, mit denen ihn das Geschick seines Lebens in eine innigere Berührung gebracht hatte, und drückte sodann gegen die Gesammtheit der Anwesenden seinen Dank und das freu— dige Gefühl aus, welches ihn im Blick auf eine so distinkte Huldigung er— greife. Anknüpfend an die erhebenden Jugend -Erinnerungen der damals neu aufgehenden Zeit, sprach sein ältester Herzensfreund, Steffens, von den Kämpfen, die sie in jenen Tagen gemeinsam bestanden, von der Energie mit der gekämpft worden, auch in Gemeinschast mit Anderen, welche spaͤter nach der Seite hin ausgewichen seien. Auch jetzt noch daure derselbe Kampf fort; er sei gewiß, daß der endliche Sieg nicht ausbleiben werde, und fühle er auch, daß es ihm nicht mehr beschichen sei, diesen Tag des Sieges zu sehen, so sehe er doch seinen Freund noch in der vollen Nüstig⸗ feit feiner Kraft dastehen. Noch verschiedene, zum Theil sehr bedeutungs-— volle Beziehungen reihten sich in den Neden anderer Freunde an, welche August Kopisch mit diesem Toast beschloß: ;
„Das Starke hält, Das Schwache fällt. Wen Weisheit liebt, der wird den Sturm bestehn, Durch Feuer und durch Wassemgchn; Jetzt find' an Feuer er nicht Uebersluß, Denn Wasser tobet bis zum Ueberdruß: Doch Salomo, der weise König spricht: Viel Wasserströme löschen Liebe nicht. Drum Hoch die Liebe, die um Weisheit wirbt mit Macht, Ihr sei ein Hoch, ein ringshin donnerndes gebracht!
Es lebe Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling hoch! hoch! hoch!“
Noch einmal erhob sich Schelling zu Erwiederung dieses poetischen Grußes. Mit Wohlbehagen betonte er, daß von 1 961 Ich . Beistes nach Kunst und Poesie hingewendet gewesen, daß er noch immer für sie ein Herz habe und die Liebe zu ihr bewahren werde. — Seinen feurigen Toast auf Kunst und Poesie erwiederte Karl Begas, im Namen seiner künstlerischen Genossen, durch Hervorhebung der Verdienste, die sich Schelling auch in diesem Gebiete erworben habe. . Am Abend des Tages brachten die Studirenden, um auch von ihrer Seite ein Zeichen der Pietät und des Dankes zu geben, dem verehrten Lehrer ein feierliches Ständchen. Von den Fenstern seiner Wohnung xichtete Schelling an dieselben ungefähr folgende Worte: „Schöner hätte sich für mich dieser Tag nicht beschließen können, als durch die Musik und den Ge— sang, mit dem Sie mich am Abend desselben begrüßen, und den damit ver⸗ bundenen Ausdruck Ihrer Gesinnungen, wovon Ihre Abgeordneten mich so eben versichert haben und welche durch diesen festlichen Aufzug bezeugt sind. Zu den schönsten Vortheilen, welche die Jugend deutscher Hochschulen in den letzten Jahrzehnden wiedererobert hat, gehört auch die Gabe des Ge⸗— sanges, den sie mit Kunst, Auswahl und in ihren besten Kreisen mit Be— vorzugung herz- und geisterfreuender Gesänge ausübt. Denn was dringt mehr zum Herzen, was ersrischt und verjüngt mehr das Gefühl selbst Ael⸗ terer, als kraftvolle Melodieen von jungen Männerstimmen gesungen? — Vielleicht war ich in meinen besten Stunden so glücklich, einige Laute aus einer höheren Welt, einige Alforde aus der großen Melodie der Schöpfung zu vernehmen und Ihnen mitzutheilen; Sie lohnen mich dafür mit süßer n ,, Gesang. Es ist Ihr Dank, der mich im Innersten erfreut, gerade heute vorzüglich erfreut. Wenn unsere Tage dahinschwinden, wenn mit sinlender Lebenssonne unsere Schatten sich verlängern, die Nacht immer näher rückt, in der Niemand wirken kann: dann ist es uns tröstlich, zu denken, daß et⸗ was von uns zurückbleibt, das nicht eben so vergänglich ist, als wir selbst, tröstlich, daß noch Einige unserer gedenken werden, wenn unsere Stimme längst verhallt ist. Diesen Trost haben Sie mir heute an meinem Ge⸗— burlstage gewährt; denn wo dürfte der Lehrer hoffen, sicherer und länger zu leben, als im Andenken der Jüngsten, im Herzen und Geiste dankbarer Schüler. Darum bin ich bis in dies hohe Alter jenem Berufe treu ge— blieben, und werde ihm treu bleiben, bis die Kräfte mich verlassen, Im Umgange mit Ihnen, umgeben von der Liebe und dem Vertrauen, mit dem Sie mich beehren, und von dem ich heute einen so schönen Beweis erhal⸗ ten habe, werde ich auch mich selbst immer wieder verjüngen und leichter Nas Alter tragen. Darum bitte ich Sie, unterstützen Sie mich ferner durch Ihre Zuneigung. die meinige wird Ihnen immer gewiß fein.“
Ii. Schelling während des Gaudeamus in den von Fackeln erleuch— teten Kreis der Studirenden trat, empfing ihn ein neues begeistertes Lebe⸗ hoch. Seiner Einladung solgend, begaben sich dieselben in die Zimmer seiner Wohnung, wo unter dem Klange verschiedener, zum Theil vierstim— miger Lieder der Abend in harmonischer Weise schloß. e
Talent sür die Darstellung bösartiger Naturen in lünstleris.
Königliches Schauspielhaus.
Die Jäger. Gastspiel der Mad. Birch-Pfeiffer und des Herrn Löwe. Wie sehr wir auch, theils durch mächtigere Interessen bewegt, theils verwöhnt durch die neueren leichtfertigen Erzengnisse der französischen Dich⸗
ter, den gepuderten Styl und den an Moral, allzureichen Ton der Fami⸗
lienstücke einer früheren Zeit bespötteln, so dürfen wir doch nicht leugnen daß Iffland gerade in den „Jägern“, die wir am 26sten d. wiederum sahen, ebensowohl eine genaue Kenntniß des menschlichen Herzens, als eine des schlichten Land- und Jägerlebens entwickelt hat, letzteres sogar mit einem ihm sonst wahrlich nicht eigenthümlichen Ueberflug von ro mantischem Kolo? rit. Die Handlung ist spannend bis zu ihrem Ausgange, wenn sie auch hier und da, durch allzugroße Breite gehemmt, sich etwas rascher fortbewe⸗ gen dürfte. Der harmloseste Scherz wechselt mit der tiefsten Erschütterung; die Thränen der Freude werden von denen des Mitgefühls, des Schmerzes verdrängt, da Alles in so warmen, so lebensfrischen Farben geschildert ist, die erst dann recht in die Augen springen, wenn wir die Staats- und Jamilien. Verhältnisse jener sogenannten besseren Zeit berücksichtigen. Auch diesmal verfehlte das Stück seine Wirkung nicht, vielmehr wurde dieselbe durch das Spiel der beiden Gäste noch erhöht. — Mad. Birch Pfeiffer, sowohl als dramatische Dichterin, wie als Schauspielerin genugsam befannt — gab die Oberförsterin. Wenn auch manchmal, durch das Anschlagen eines allzuheroischen Tones, die einfache Natürlichkeit des von ihr darzustellenden Charakters geschmälert wurde, so entschädigte sie auf der anderen Seite wieder durch eine scharfe Zeichnung und ein tiefes Gefühl. Sie war in Ge⸗ stalt und Gebärde ganz jene alte Matrone mit allen Schwächen und Vor— zügen einer guten Mutter und Hausfrau, die selbst im höchsten Jammer die vernachlässigte Ordnung ihres Hauswesens schmerzlich bemerkt. Das Publikum nahm ihre Leistung sehr beifällig auf. Obwohl die Rolle des Anton zu sehr den übrigen Nollen des Stückes nachsteht, so wußte Herr Löwe doch auch hierin seine Wirkung zu erzielen, was um so anerkennens= werther, als der gegebene Stoff zu einer lünstlerischen Aufführung unzu⸗ länglich erscheint. Er war ganz jener wilde, aufbrausende und doch dabei so gutmüthige Waidmann; das Wiedersehen Friederile's, die durch Dlle Neumann mit Gesühl und Seele aufgefaßt war, und die Scene im Wirthshaus erregten stürmischen Applaus. Wir müssen bedauern daß die Gastspiele der Damen Schröder⸗Devrient und Birch⸗Pfeiffer und des Herrn Härtinger ein weiteres Auftreten, des Herrn Löwe verhindern. Derselbe hat uns sein bedeutendes Talent und seine künstlerische Ausbildung in fünf ver⸗ schiedenen Rollen vollkommen bewährt. Die beiden Gäste wurden am Schluß des Stücks gerufen, imgleichen die übrigen Darsteller der Hauptrollen, und unter diesen noch besonders Herr Franz, der als Amtmann ein erfreiliches * s. ; entwickelte, ein Talent, von dem wir gewiß noch schöne Frü 1 ö den. — Immermann hat die Behauptung aufgestellt, Eßlair habe in Hel-