1844 / 37 p. 1 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Schnell seine Entlassung ein. Dieser, Professor des vaterländischen Rechts und Haupt⸗Redackeur unserer Gesetzbücher, steht im Verdachte, mit seinen Verwandten von Burgdorf das eigentliche Triebrad der Revolution von 1831 gewesen zu 3 Endlich ist auch sein Tag ge⸗ kommen, da er der 89 gegen ihn und seine nun gefallene Partei müde, das Katheder mit dem Privatleben zu vertauschen sich genöthigt sah; allem Anscheine nach wird er, obwohl mehr Routinier als geistreicher Dozent, doch schwer zu ersetzen sein. Sieht man auf das Verhältniß der Universität zu Land und Regierung, so kann man sich nicht bergen, daß sie auf schwanker Grundlage beruht; ein einzi⸗ ger krästiger Anstoß würde zu ihrem Umsturz hinreichen und uns dem vor 10 Jahren vorgeschwebten Ziele der Einigung um vleles näher bringen. Dies wird auch von Riemandem verkannt, daher die besse⸗ ren Lehrer, welchen anderwärts eine Wirksamkeit offen steht, ihren hie⸗ sigen Aufenthalt selten anders als wie eine Probezeit betrachten. Was aber die „deutsche Emigration“ betrifft, so hat sie in letzter Zeit viel an Einfluß verloren und dürfte sich allmälig zu einer ganz passiven Stellung verdammt sehen. Im folgenden wenden wir uns zur Volksschule.

Portugal.

A Lissabon, 17. Jan. In der Sitzung der Pairs⸗Kammer am 13ten gab der Präsident des Minister⸗Rathes, Herzog von Ter- ceira, unter Anderem interessante Aufschlüsse über die Umstände, welche die Berufung des Herrn Costa Cabral ins Ministerium nach dem Aufstande von Porto vor 2 Jahren, der mit Wiederherstellung der constitutionellen Charte endete, begleitet hatten. Der Vicomte Sa da Bandeira hatte nämlich dem Minister des Innern zum Vor⸗ wurfe gemacht, derselbe habe sich an die Spitze einer Rebellion

estellt, seiner Souverainin das Gesetz vorgeschrieben, das Mini⸗ 5. so zu sagen, mit Sturm genommen und die Herren Mou sinho und Loureiro aus ihren Plätzen vertrieben. Darauf erwiederte nun der Herzog von Terceira: .

„Niemanden komme es besser zu, über diesen Punkt zu sprechen, als ihm, denn er habe damals an der Spitze der Verwaltung gestanden. Er habe zu jener Zeit den Herren Mousinho und Loureiro seine Ueberzeugung von der Nothwendigkeit ausgesprochen, welche obwalte, den Herrn Costa Cabral ins Ministerlum zu ziehen, der damals abwesend war. Seine Kol— legen hätten ihm freimüthig geantwortet, sie erachteten den Eintritt dieses Herrn ins Kabinet nicht fuͤr wünschenswerth, obgleich sie Beide in einer sehr vortheilhasten Weise für denselben sich aussprachen, und erllärten, sie . diese Meinung (ihm lein Portefeuille zu geben), ohne suigend .

ntipathie gegen denselben zu haben; es sei ganz einfach ihr, in ihn nicht als gelen neben sich im Ministerium zu haben. 5 mehrten darauf folgenden Kabinets-Räthen, noch vor der Ankunft des Herrn r Cabral zu Lissabon, hätten dann seine Kollegen in Anerkennung der ö ; wendigkest der Vervollständigung des Ministeriums, und als sie e, . er an gr seiner Ansicht von der Jweckmäßigleit der Aufnahme des Hernn Costa Cabral in dasselbe beharrte, offen erklärt, sie winden eher , ,, nie⸗ derlegen, als ihre Zustimmung dazu geben, daß Herrn Costa vLabral ligend eines der verschiedenen Regierungs⸗Departements übergeben werde. Dar. auf wurde eine Naths-Versammlung in dem Amte des Staats Secretairs des Innern gehalten, wozu Graf de Labradio beigezogen ward, um ihn zum Eintritte in die Verwaltung zu veimögen; allein auch dieser erklärte,

*

IIgemeiner Anzeiger.

230 an keinem Ministerium theilnehmen zu wellen, unter dessen 9 Herm Costa Cabral sich befände. Da nun seine (des Herzogs von , Kollegen fein Verbleiben im Kabinct damals für wünschenswerlh en und sahen, daß er dabei beharrte, Hermn Costa Cabral in 2 zu 2 fen, so legten sie ihre Stellen nieder. Niemand habe auf . seine . sichien und Entschlüsse irgend einen Einfluß geübt, er habe i h nr. *. nen besten Ueberzeugung gehandelt, in welcher er sich er. 3 , möge nach 9. Ainsicht Anderer; er aber sei auch jetzt noch überzeugt, woh ethan zu haben. . . 97) him be , aus dieser Erklärung des greisen Herzogs 42 . ceira, daß das gute Einverständniß zwischen ihm und dem Minis . des Innern wieder vollkommen hergestellt ist, sonst würde er woh schwerlich so energisch für denselben, als er den Angriffen der Oppo⸗ sitionsmänner ausgesetzt war, Partei genommen haben. .

Daß die Adresse der Pairs-Kammer mit einer Majorität von 26 Stimmen unverändert durchgegangen ist, habe ich allein noch hin—⸗ zuzufügen.

hien.

Bon der türkischen Gränze, 18. Jͤan. (A. 3.) In den letzten Tagen haben ein paar Tollköpfe in Serbien von der Par⸗ tei Obrenowitsch im semendriaer Bezirk neuerdings versucht, einen Aufstand zu erregen. Sie fanden nirgends Anklang, und flüchteten zuletzt in die türkische Citadelle von Semendria. Tie serbische Re⸗ gierung forderte deren Auslieferung, die auch gewährt wurde. Es besindet sich darunter ein ehemaliger Bezirks-Capitain unter der Obre⸗ nowitschschen Regierung, der mit dem Fürsten Michael sich nach Oester⸗ reich geflüchtet hatte und später amnestirt zurückgekehrt war.

Aegypten. . Alexandrien, 6. Jan. (Oest err. Lloyd.) . ist am 24. Dezember in Kahira eingetroffen, woö . ,, verbringen gedenkt. Er scheint für jetzt ein . . ö. e, e wässerungs anal zwischen den Ratarakten . = beshs fei 'aeben, dagegen aber die Erbauung eines Nildamme esch sse e, , , . die General-Direction des französischen Brücken⸗ ö. ö, . , . keinen Erfolg davon verheißt, sondern 6 ,. daß aus einem solchen Damme Gefahr für das Land ,,. müßte, weil das Meerwasser durch die Ableitung des Nils von seinem alten Bette alsdann den nahen sumpsigen Boden mit Salztheilen schwängern und unfähig zur Kultur machen würde. Meh⸗— med Ali ist aber von seinem Bauplane so sehr eingenommen, daß er wohl nur allmälig davon abzubringen sein dürfte. Man hofft indeß, er werde alsdann seine ganze Aufmerksamkeit dem Durchstich des Isthmus von Suez zuwenden. Die Zweckmäßigkeit, ja sogar die Nothwendigkeit dieses letzteren stellt sich immer entschiedener heraus. Der Waarenzug durch Aegypten kommt ungeachtet der willkürlichen Erhöhung der Fahrpreise von Seiten der ägyptischen Transit⸗Gesellschaft immer mehr in Gang. Passagiere, welche sür die Reise von Suez nach Alexandrien unter der Leitung des Herrn Hill 4 Lst., und anfangs unter jener der gegenwärtigen Gesellschaft 8Lst. zahlten, müssen jetz 12st. entrichten, während die Fracht für Waaren von 29 bis 3 *st.

auf 5 Lst. erhöht wurde. Wenn nun die Zahl der Reisenden und

ux K

Waaren sich dessenungeachtet von Monat zu Monat vermehrt, so ist wohl leicht zu ermessen, welchen Äufschwung der Verkehr ohne diese Hindernisse nehmen müßte. r ü.

Man hat den Werth der Geldposten, Kostbarkeiten und, Waar en, welche hier transitirt werden könnten, auf 10 bis 15 Millionen Pf. St. jährlich angeschlagen. Diese Annahme ist keinesweges übertrieben und würde sich auch als richtig herausstellen, wenn es um den Trans⸗ port besser beschaffen wäre; jetzt aber muß es sogar befremden. daß der Werth der auf diesem Wege beförderten Waaren J Million erreicht.

Solche Verhältnisse stellen also die Nothwendigkeit des fragli⸗ chen Kanals dar, indem wir nur durch ihn von dem bedeutenden bei der gegenwärtigen Transportweise verursachten Kosten- und Zeit⸗ Aufwande befreit werden könnten. Ein mit Ladung vom rothen Meere eintreffendes Schiff würde in 7 bis 8 Stunden den, Kanal zurücklegen und könnte unmittelbar nach Ankunft auf dem mittellän⸗ dischen Meere, ohne Zeitverlust und die mit der Umladung der Waa⸗ ren verknüpften Beschwerden und lästigen Spesen, seine Fahrt nach dem Bestimmungsorte fortsetzen, während eine solche Ladung setzt zum Transport durch die Wüste von Suez nach KRahira, und von hier auf dem Nil nach Alexandrien einen Aufwand von 40 bis 50 Tagen erfordert, wozu noch der Umstand kommt, daß der Mangel in Suez an allen Transport- und Lebensmitteln, ja sogar an Trinkwassen, den längeren Aufenthalt von vielen Schiffen ohnehin nicht gestattet und daß deshalb ö jetzt an . bedeutende Zunahme der Sen—

; ! ni edacht werden kann. ö dung g , n , , ungeachtet seiner Erklärung am 15. Schewal v. J. eine Partie Baumwolle im Privatwege veräußert; Allein er annüllirte dieses Geschäft auf die energische Vorstellung der General⸗ Konsuln der Großmächte in Uebereinstimmung mit dem Käufer und die bereits eingeschiffte Waare wurde neuerdings in die Speicher der Regierung gebracht, um nach getroffener Abkunft versteigert zu werden. ö .

Die vorjährigen Cerealien und Hülsenfrüchte sind nun verkauft und der Vorrath beschränkt sich nur noch auf das sür den inneren Bedarf und zur Aussaat nöthige Quantum. Die letzten Versteige⸗ rungen hatten einen günstigen Erfolg. Der Handelsstand äußert jedoch seine Unzufriedenheit wegen der Konkurrenz der Bank⸗Direkto⸗ ren, welche nicht gleich den übrigen Kaufleuten ihre Zahlungen in der festgesetzten kurzen Frist zu leisten brauchen und daher diesen ge— genüber in bedeutendem Vortheile sind. ; Es herrscht hier jetzt ein fühlbarer Geldmangel, der sich aus den seit der Abreise Mehmed Ali's stattgehabten Versteigerungen von s0,000 Ardeb Cerealien erklärt, welche nicht zeitig genug vorher an⸗ gekündigt wurden, um die nöthigen Geldmittel aus Europa herbei⸗ schaffen zu können. So aber waren die Käufer genöthigt, ihre, Wech⸗ sel den Direktoren der Bank zu geben, welche sie nach Willkür dis kontirten. Diesem Uebelstand wird aber künftig dadurch begegnet, daß Mehmed Ali, durch die General-Konsuln der Großmächte veranlaßt, beschlossen hat, die vorzunehmenden Versteigerungen 50 Tage vorher in dem in Alexandrien erscheinenden Journal anzukündigen.

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Allgemeine

Preußische Zeitung.

Alle Post-Anstalten des An- und Auslandes nehmen Sesilellung auf dieses glatt an, für Berlin die Expedition der Allg. Preuss. Zeitung: TFriedrichsstrasse Nr. 72.

Berlin, Dienst ag den Gin Februar

1844.

Anhalt.

Autlicher Theil.

Inland. Berlin. Inhalt der Gesetz Sammlung. Zur Auftlärung über Ordens Verleihungen.

Deutsche Bundesstaaten. Bavern. München. Hof -Nachrichten. Württemberg. Heidenheim. Fortgesetzte Nachgrabung nach den Verschütteten. Kurhessen. Kassel. Stände-Verhandlungen über die Eisenbahn-Angelegenheit.

Nußland und Polen. St. Petersb urg. Vermählungen der Groß fürstinnen Alexandra und Elisabeth. ;

Frankreich. Deputirten-⸗Kammer. Blin de Bourdon's Entlas⸗ sungsschreiben. Pensions - Antrag für die Tochter des Marschall Drouet. Dampfbootdienst. Verträge über die Fischereien. Ver— gleich der französischen und deutschen Verwaltungs -Organisation. Paris. Anrede des spanischen Botschafters an den König und Beant— wortung derselben. Bevorstehende Abreise der Königin Christine. Salvandy's Entlassungs -Gesuch als Botschafter. Vermischtes. Briefe aus Paris. (Die ausgetretenen Legitimisten und ihre Wähler; Graf Salvando und die von ihm eingereichte Entlassung. Naͤhere Aufflärungen darüber.) . ;

Großbritanien und Irland. London. Hof Nachricht. Nähere Analyse der Rede des Herrn Shiel für die angeklagten Repealer.

Niederlande. Aus dem Hagg, Bericht der Central-Sectjon über den

Kesetz. Entwurf in Betreff der Anleihe und Vermögens Steuer.

Spanien. Schreiben aus Madrid. (Näheres über die Unruhen zu

Saragossa; General Concha; Ernennungen; Vermischtes.)

Eisenbahnen. Schreiben aus Kottbus. (Anlage einer Pferdebahn.) Töln. Eröffnung der Bonn-Kölner Eisenbahn. Bom Nit derrh ein Paris. Unglücksfall. Schreiben aus Paris. (Neue Berathungen

über das Eisenbahn-Problem.) .

Handels- und Börsen-Nachrichten. Berlin. Börse.

Letztes Konzert von Franz Servais. Deutscher Verein für Heiswissenschaft. Versteigerungen von Kunstsachen in Paris.

Beilage.

Amtlicher Theil.

8e anni m a hun g Durch den in Folge der Verordnung vom 24. April 1824

Ordre (d. d. Charlottenburg, 15. Dezember), welche, nach dem Be— schlusse des im Jahre 1841 versammelt gewesenen General- Landtages der ostpreußischen Landschaft, die Herabsetzung der von den Pfand— briefschuldnern der genannten Landschaft zu zahlenden Beiträge von 45 pCt. auf 4 pCt., vom Johannis-Termine d. J. an, mit der Maß⸗ gabe genehmigt, daß das nach Berichtigung der Zinsen übrig blei bende pCt., so weit dieses zur Bestreitüng der Ad ministrations⸗ kosten nicht erforderlich ist, zur Bildung eines eigenthümlichen Fonds der Landschaft so lange verwendet werde, bis solcher den Betrag von It,) Rthlr., durch dessen Zinsen die Administrationskosten voll⸗ ständig gedeckt werden können, erreicht haben wird. Von diesem Zeitpunkte an, welcher nach angelegter Berechnung mit dem Ende des Jahres 1856 eintreten wirb, soll das alsdann zur vollen Disposition verbleibende 7 pCt. nach den zu seiner Zeit zu erlassenden näheren Bestimmungen zur Amortisation der Pfandbriefe verwendet werden.

2. Eine Allerhöchste Kabinets-Srdre vom 29. Dezember v. J., welche einige Ergänzungen der unterm 24. Oktober 1840 ergangenen Tarife, nach welchen die Gebühren der Lootsen in den Gewaͤssern zwischen P:äumern und Rügen und auf den Binnengewässern zwischen Stettin und den Mündungen der Swine und Peene zu entrichten sind, genehmigt. ;

3. Eine Allerhöchste Declaration (d. d. 24. Januar), welche zur Beseitigung entstandener Zweifel erklärt, daß die Juden auch in den⸗ jenigen neu- und wieder erworbenen Landestheilen, in welchen das Allgemeine Landrecht Gesetzeskraft hat, aber weder das Edikt vom 1. März 1812 noch die vorläusige Verordnung wegen des Juden⸗ wesens im Großherzogthum Posen vom J. Jun 1833 eingeführt ist, erst mit dem vollendeten vierundzwanzigsten Lebensjahre die Volljäh rigkeit erlangen. Jedoch sollen in denjenigen Gerichts-Bezirken, in welchen bisher von dem ordentlichen persönlichen Richter das vollen dete zwanzigste Lebensjahr als der Majorennitäts-Termin der Juden angenommen worden ist, diejenigen Juden, welche bei Publication der gegenwärtigen Declaration bereits das zwanzigste Jahr zurückgelegt haben, auch fernerhin in allen ihren Verhältnissen als groß jährig an— gesehen werden. ;

4. Eine Verordnung l. d. 24. Januar) trifft zur Ergänzung der bestehenden Vorschriften über die Festsetzurg und den Erfatz' der bei Kassen und anderen Verwaltungen vorkommenden Defekte eine Reihe für den ganzen Umfang der Monarchie gültiger Bestimmun⸗ gen, welche 21 Paragraphen umfassen. .

Ausland.

Deutsche Bundesstaaten.

Bavern. München, 31. Jan. Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin, der gestern am Königl. Hof zu Mittag speiste, wird, wie es heißt, noch einige Tage hier verwei⸗ len. . Die Abreise Sr. Kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Albrecht

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von Oesterreich dürfte noch in dieser Woche erfolgen.

Württemberg. Heidenheim, 30. Jan. (S. M.) Heute Vormittags 9 Uhr war der neue Schacht auf dem Zahnberge bei Königsbronn in eine Tiefe von 116 Fuß gelangt; der Boden besteht, seitdem man durch das schwierige Gestein gedrungen, wieder aus Töpferthon, der aber bei seiner Dichtigkeit und Festigkeit auch nur langsam ausgegraben und heraufgeschafft werden kann, wobei man sihrigens auch hin und wieder auf Schichten von Sand stößt, welche leichter zu bearbeiten sind. Die Hoffnung, daß man schon gestern werde zu den Verschütteten gelangt sein, hat sich also leider nicht erfüllt, und schwerlich wird vor Donnerstag Abends das Grab der Unglücklichen geöffnet sein. Noch immer thut die von den Berg- und Hüt⸗ tenbeamten von Wasseralfingen und Königsbronn geleitete und beaufsich⸗ tigte Bergmannschaft Tag und Nacht ihre Pflicht mit unverdrossenem Eifer. Der Erdbohrer ist erst anf eine Tiefe von 65 Schuh eingedrungen, indem während der Arbeit verschiedene Reparaturen an ihm vorgenommen werden mußten, und er mehr auf Sand, eine für seine Anwendung ungün⸗ stigere Bodenart, gestoßen ist., Üleberhaupt ist die Gebirgsmasse des Zahnhergs keineswegs regelmäßig geschichtet, sondern Sand, Thon und Gestein liegen in demselben ziemlich durcheinander. Derselbe be⸗ sindet sich rechts an der Straße von Königsbronn nach Oberkochen und Aalen, nicht ganz eine Viertelstunde von dem ersten Orte ent⸗ fernt, und hängt östlich mit dem sogenannten Heerdtfelde, das größ⸗ tentheils zu dem Oberamt Neersheim gehört, zusammen. Der Berg ist an seinen Abhängen und theilweise auf der Höhe mit Wald be? wachsen, an dessen östlichem Rande die Gruben sich befinden. In der ersten Woche nach dem Unglücksfall, namentlich während noch die allgemeine Hoffnung auf Rettung an den ersten Schacht sich knüpfte, strömte aus den umliegenden Orten eine Menge Menschen, die sich hin und wieder auf mehr als 1000 belaufen mochte, auf dem Platze zusammen; seit jedoch an dem zweiten Schachte die voraussichtlich

langsamer fortschreitende Arbeit begonnen werden mußte und üblere

Bekanntmachungen.

liz den Grevcschen Miörchwnen, gehörende, im Grimmer Kreise belegene Gut Kirchbaggendorf soll, nach nachgesuchtem und ertheiltem decreio de alienande, meistbietend verkauft und zu solchem Zwecke in terminis

den 19. Februar, den 4. und 18. März d. J., Morgens 10 Uhr, vor dem K Hofgericht aufge⸗ boten werden. Kaufliebhabern steht die Besichtigung des Gutes, nach vorgängiger Meldung auf dem dorti⸗ en Hose, frei, und können die Verkaufs-Bedingungen owohl in der Hofgerichts-⸗ Kanzlei, als bei dem Profu— rator, Assessor Haenisch in Greifswald, inspirirt werden. Greifswald, den 27. Januar 1844. Königl. preuß. Hofgericht von Pk mmern und Rügen. L. 8.) (gez.) v. Möller, Praeses.

ol. Bekanntmachung.

Der Bestimmung §. 23. der Statuten gemäß, wird die diesjährige ordentliche General⸗Versammlung am 21. Februar d. J., Nachmittags 4 Uhr, in unserem Empfanghause, auf dem Bahnhofe eine Treppe hoch, stattfinden. Wir laden dazu die Herren Actionaire mit dem Ersuchen ein, nach Vorschrift des §. 26. der Sta— tuten unter Vorzeigung ihrer Actien oder des daselbst erwähnten Htugh et in den Tagen vom 1. bis 7. Februar, Vormittags von 9 bis 12uhr, in dem Gesellschasts-Büregu auf dem Bahnhofe bei dem Herrn Nendanten Plahn sich einschreiben zu lassen und die Bescheinigung der Direction über die erfolgte Einschreibung entgegen zu nehmen. Nur die mit einer solchen Bescheinigung versehenen Actionaire dürfen ki General Versammlung zugelassen werden, und n. ie selbige vor dem Eintritt in das Versamm— ungs-Lokal vorzuzeigen. Wegen der Stellvertretung wird auf §. 25. der Statuten ünd auf §. 2. des Nach= lags vom 25. März 1810 (Amtsblatt von 1810 S. 265) verwiesen.

Der, Jahresbericht der Direction, das Namens-Ver— zeichniß der zut General Versammlung berechtigten und wählbaren Actionaire, so wie die Stimmzettel zur Wahl neuer Direltoren, Nepräsentanten und deren Stellver⸗ treter, werden zeitig vorher mitgetheilt werden.

Berlin, am 18. Januar 1841.

Die Repräsentanten der Berlin- Potsdamer Eisenbahn⸗Gesellschafi.

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Dire Heute vorgenommene rämien Vertheilung auf . , . des . Monats 6 sich 1 ? * on als unvollständig ausgewiesen, indem loosun . n schlen. Rummem , ,, Ver⸗ hn 2 die bei dem Umdrehen während der

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er im S J sd wre , . ᷣ— . pochlbbl. Polizei · prã⸗ n,, nenn nnr 12 Uhr Mittags, en 6ten d. M., um liel. pyãsi en erf e des Kionigi. Po⸗ 86 n . Februar iz. ** er Vorstand von Berling *; grie vii nder Wen e ae; h ur ö

[101 s Altong - Kieler Eisenbahn. In Uebereinstimmung mit dem S. 146. des Statuts wird ein fernerer Einschuß von 20 56 auf die Eisen— bahn⸗Actien hierdurch eingefordert.

Die Actionaire werden demnach aufgefordert, ihren Einschuß von 20 Stück Species per Actie nach ihrer onvenienz

in Altona im Geschäfts-Büreau, Breitestr. 77,

„Kiel bei dem Geschäftsführer Herrn Christ. Kruse,

„Kopenhagen bei den Herren F. C E. Gotschalk,

„Leipzig bei den Herren Dufour Gebr. C Co. zu leisten, wo diese Zahlungen bis zum 31. März ent gegengenommen und die bisherigen Actien gegen auf S0 6 lautende umgetauscht werden.

Von denjenigen Actien, die bereits am 1. Juli 1843 mit 60 7h einbezahlt waren, werden bei der jetzigen Ein zahlung die Zinsen bis zum 1. April 1844 mit it Spe— cies per Actie, und von denjenigen, die am 1. Sktober auf 60 96 kompletirt sind, mit 143 Species per Actie bei der Einzahlung vergütet oder in Abzug gebracht.

Die durch diese Einzahlung auf 80 56 gebrachten Actien genießen die Zinfen vom 1. April d. J. an. Altona, den 27. Januar 1844.

Die ire rn n

C. Th. Arnem ann. Joh. C. Semper.

Zu Vereinfachung der Nechnung in Preußen und Sachsen sind wir ermächtigt, den Schl. Holst. Species bei den Einzahlungen zu 13 Thlr. preuß. Cour. ohne weitere Anlegung zu bewahren. Leipzig, den 1. Februar 1844.

Dufour Gebr. C Co.

Titerarische Anzeigen. Wichtige Schrift für Aeltern, Lehrer und Erzieher.

So eben ist bei G. Basse in Quedlinburg erschie— nen und in allen Buchhandlungen zu haben, in Ber— lin (Stechbahn 3), Posen und Bromberg bei E. S. Mittler:

110 Der Weg zum Paradies. Oder:

Die einzigen und wahren Mittel das phösische und moralische Elend unserer Zeit im Keim zu ersticken und auszurotten.

Ein Aufruf an Erzieher und Lehrer, an edle Väter

und Mütter, an Jünglinge und Jungfrauen, an Kranke

und Gesunde. Von Zimmermann. s. Geheftet. Preis: 125 Sgr.

Der Titel dieser Schrift ist zwar etwas hochllingend, hätte dieselbe jedoch bloß den Zweck zu zeigen, wie die Gesundheit zu erhalten und das Leben zu verlängern sei. dann wäre auch sie, wie viele ähnliche, überslüüssig. „Ihr müßt von Neuem geboren werden“, sonst ist auch der Eingang zur irdischen Glückseligkeit nicht zu finden! Wie dies ohne Entbehrungen möglich sei, wie das Gedeihen an Wohlsein und Kraft bis zu möglichster Vollkommenheit gefördert, wie Herzensreinheit, Seelen= güte, Gemüths⸗ und Körper⸗Gesundheit, Unabhängig und Selbstständigkeit, Zeit- und . Leben z⸗

. glück und Lebensdauer, wie ein leibli geistiger Nor- mal - Zustand wiedergewonnen werden iönne, das sind

die Geheimnisse, zu welchen dieses Büchlein die längst gesuchten Schlüssel geben will.

108 . ß Vorräthig in allen soliden Buchhandlungen, Berlin

(Stechbahn 3), Posen und Bromberg bei E. S. Mittler Liesching: ; ö. ö Dr. W. B. Mönnich, Reltor der Handelsschule in Nürnberg, Das Turnen u. der Kriegsdienst.

gr. 8. Drei Bogen f. Velin. Geh. 75 Sgr.

Diese beachtenswerthe Stimme eines erfahrenen Pä— dagogen empfehlen wir der ernsten Erwägung aller De— rer, welcher zur Mitwirkung in einer der wichtigsten Angelegenheiten des Vaterlandes berufen sind; die Betrachtungsweise des Herrn Verfassers ist neu und eigenthümlich, seine Anforderungen durchgreifend.

Im Januar 1844.

Stuttgart, Verlag von S. G.

100 61

An die Besitzer Rheinischer Eisenbahn⸗-Actien.

Die gegenwärtigen Verhältnisse der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft machen es mehr als sonst für die Actionaire nöthig, ihre Interessen in den zu Köln abzuhaltenden General ⸗Versammlungen vertreten zu lassen. Nach den bestehenden Statu— ten kann dieses jedoch nur für solche Actionaire geschehen, welche 14 Tage vor der Einberufung ihre Actien in die Register der Gesellschaft haben eintragen lassen. Da nun im Laufe dieses Mo— nats wieder eine General-Versammlung einberufen wird, so laden wir die Inhaber Rheinischer Ei⸗ senbahn - Actien in ihrem Interesse hiermit ein,

schleunigst ihre Actien in unserem Comwir, Unter den Linden Nr., 23, vorzuzeigen resp. anzu— melden und solche Behufs der Legitimation zu künf— liger Vertretung, ein für alle mal, in die Register der Gesellschaft eintragen zu lassen. Kosten werden den Interessenten nicht zur Last gestellt. Berlin, den 2. Februar 1844. / A. H. Hevm ann C Co.

Verkauf einer großen Gast— liorny wirthschaft.

Eine in einer höchst romantischen Gegend und in einem besuchten Bade belegene Gastwirthschaft, welche auf der einen Seite unmittelbar an den Bahnhof einer Eisenbahn und auf der anderen Seite an eine frequente Chaussee gränzt, soll aus freier Hand verkauft werden und giebt auf portofreie Anfragen hierüber der Kauf⸗— mann Fischer in Magdeburg, Breiteweg Nr. 185, nähere Auskunft.

Die Nähe von 8 großen Städten, deren entfernteste,

vermöge der Eisenbahn-Verbindung, nur 1 Meile ent⸗= fernt ist, läßt das Geschäft um so gewinnreicher er— scheinen, als die Lage in einer reichen, wohlhabenden Gegend und, auf gewöhnlicher Chaussee, nur Meile von einer großen Stadt entfernt, auch in den Winter⸗ monaten eine angemessene Einnahme sichert. . Uebrigens werden sür das anzulegende Kapital sünf Prozent jährliche Zinsen selbst für den Fall, daß die Gastwirthschaft verpachtet wird, garantirt.

(991) Eine privilegirte Apotheke

mit circa 4000 Thlr. reinem Medizinal— Geschäft, seit einer langen Reihe von Jahren in unveränder— tem Besitze, ist zu einem soliden Preise zu ver- kaufen. Ernste Käuser, welche über mindestens 10,000 Thlr. disponiren, belieben ihre Adressen sub D. 121 bald im Intelligenz-Comtoir abzugeben.

105 Mineralien Sammlung.

Eine Sammlung der in krostallographischer, chemi⸗ scher und ökonomischer Hinsicht wichtigsten Müinera— lien die jedoch vorzugsweise schön kroöstallisirt sein müssen wird billig zu kaufen gesucht und franco Offerten durch das Intelligenz-Comtoir unter K. 121. entgegengenommen.

9061 . ö Verkaufs⸗Anzeige und Kapital-Gesuch, J. In einer Haupt- und Residenzstadt im Königreich

Preußen ist . ; eine große Mode- und Schnitt—

waarenhandlung, die seit 30 Jahren bereits besteht, einen bedeuten den Umsatz hat und am besten Platze gelegen, wegen herannahenden Alters des Besitzers, unter sehr annehmlichen Bedingungen, zu verkaufen.

II. 300090 Thlr. werden à 4 I auf eine Herrschaft im Königreich Polen, an der schlesischen Gränze gelegen, die hinlängliche Pupillar - Sicherheit gewähren, verlangt. Auf pünktliche Zinsenzahlung ist zu rechnen, und können solche bei einem hiesi gen Banquierhause erhoben werden. .

III. Mehrere Dominialgüter und einige in. girte Apotheken sind zu soliden Preisen nach zuweisen. 5 36

Breslau, im . , Dirt an (im alten Rathhause).

07 . in, dem pharmgzeutisch-chemischen Insti— tue zu Jeng beginnen, wie gewöhnlich, auch bald nach Ostern 1844 die Vorlesungen und praktischen Uebungen für das Sommer-Halbjahr. Der te Bericht (im Archiv der Pharmazie, im Verlag der Hahnschen Hofbuchhdl. Januar 1811) enthält das Nähere über die Einrichtung dieser mit der hiesigen Universität in unmittelbarer Verbindung stehenden Lehr-Anstalt, an welcher seit 15 Jahren gegen 200 Pharmazeuten als ordentliche Mitglieder Theil genommen haben. Im Tgenwärtigen Semester zählt das Institut zwanzig

heilnehmer. Anmeldungen zum Eintritt in das In stitut sind möglich zeitig zu richten an den unterzeichne— ten Direktor der Lehr⸗-Anstalt.

Jena, Dr. H. Wackenroder,

im Januar 1844. Hofrath u. Professor.

(Gesetz- Sammlung Nr. 860) gebildeten Fonds zur Tilgung der Schulden des ehemaligen Freistaats und der Kommune Danzig, aus der Periode vom 13. Juli 1807 bis 1. Mai 1814, sind für das Jahr 1843 aus den Beiträgen

3 . 240,837 Rthlr. 22 Sgr. 8 Pf. b. der Stadt und Kom]mune Danzig 62,849 5 w, überhaupt ... . . 303, 687 Rthlr. J Sgr. 7 Ff.

in verisizirten danziger Obligationen und Anerkenntnissen eingelöst und diese Dokumente, nach erfolgter Löschung in den Stammbüschern und bewirkter Cassation, der Königlichen Regierung zu Danzig üibersendet worden, um durch den dortigen Magistrat öffentlich vernichtet zu werden. . Berlin, den 29. Januar 1844. Haupt-Verwaltung der Staats-Schulden. Rother. von Berger. Natan. Koehler. Knoblauch. Angekommen; Der Kaiserl. russische Staatsrath, außeror— dentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister am Kaiserl. brasilia⸗ nischen Hofe, Lomonosoff, von Posen.

Ilichtamtlicher Theil.

Inland.

Berlin, 5. Febr. Die heute ausgegebene Nummer (5) der Gesetz⸗Sammlung enthält zuvörderst eine Allerhöchste Kabinets

Berlin, 1. JFebr. In Nr. 26 des Hamburgischen unpar— teiischen Korrespondenten besinbet sich ein Artikel aus Berlin vom 27. Januar, der scheele Blicke auf Srdens-Verleihungen an Gelehrte wirft, die wir mit Stolz die unsrigen nennen. Schelling, dessen Namen in der Geschichte der Philosophie schon fast ein halbes Jahrhundert glänzt, ist ausdrücklich genannt. Außer ihm können nur noch Jakob Grimm und Pertz gemeint sein, Männer, die durch ihre allgemein bekannten wissenschaftlichen Leistungen der Nation ebenfalls zum Ruhme gereichen. Sie zählen hier in der That nur Freunde und Perehrer, Eine Mißgunst, wie sie der Artikel andeutet, ist hier

in Berlin überhaupt etwas Fremdartiges, der Verfasser des⸗ selben dürfte daher auch wohl kein Preuße sein. Wenigstens

ist er mit den Dingen, von welchen er spricht, nicht bekannt. Er wirft die Bemerkung hin, „daß Herr von Schelling gegen allen früheren Gebrauch, ohne die Stufen des Rothen Adlers Oibens, wie alle Uebrigen, durchzumachen, sogleich den Orden zweiter Klasse er⸗ halten habe.“ Jedermann in Berlin und überhaupt in Preußen, der mit, dem Ordenswesen nur einigermaßen bekannt ist, weiß, daß es bestimmte Fälle giebt, wo die erste, zweite oder dritte Klasse des Ordens verliehen wird, ohne daß die früheren Stufen vorhergegangen. Bei Jubilaren eines gewissen Ranges und bel besonders ausgezcich́ neten Männern, die in späteren Jahren in preußische Dienste kommen oder zu höheren Stellen befördert werden, pflegt die dritte Klasse ohne Schleife, die zweite ohne Eichenlaub verliehen zu werden. Leß— teres ist bei Herrn von Schelling geschehen. .

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Witterung eintrat, hat dieser Zulauf sich sehr bedeutend vermindert. Dagegen hat die allgemeine Theilnahme an dem schrecklichen Schick⸗ sale der Unglücklichen und ihrer Hinterbliebenen, nachdem sie anders sich nicht mehr bethätigen konnte, bereits in zahlreichen Beisteuern, die für die Letzteren in den benachbarten Ortschaften ersammelt wur⸗ den, sich kundgegeben, und eben so sind schon von weiter her die theilnehmendsten Erkundigungen, zum Theil von ansehnlichen Beiträgen begleitet, eingelaufen. .

Kuürhessen. Kassel, 2. Jebt. (K. A. 3.) In der Sitzung der Stände-Versammlung vom 2bsten v. M. ergriff nach Herrn Buttlar Herr Arnold das Wort: Vor einigen Jahren konnte es allerdings noch zweifelhaft sein, ob die Eisenbahnen eine allgemeinere Ausdehnung erhalten würden; ein Theil des größeren Publikums habe sie früher nämlich blos als gewinnbringende Unternehmungen betrach⸗ tet, und erst allmälig habe man eingesehen, daß nicht die hohe Divi⸗ dende der Haupt-Vortheil sei, vielmehr die Eisenbahnen da, wo sie zu Stande gekommen, eine vorher nicht gekannte erhöhte Lebendigkeit und Regsamfeit hervorgerufen hätten. Immer mehr sei der staats⸗ wirthschaftliche Vortheil der Eisenbahnen hervorgetreten, und dieser Gesichtspunkt habe die allgemeine Ausbreitung der Eisenbahnen ent⸗ schieden; so seien sie mehr und mehr eine dem gesammten Deutsch⸗ land gewordene Aufgabe geworden, und die Frage könne bei uns nur die sein, ob diese allgemeinen Andeutungen auch für Kur⸗ hessen Anwendung finden. Der Herr Redner bejaht diese Frage auf das entschiedenste und fährt fort: „Was aber von an⸗ deren deutschen Staaten von ziemlich gleicher politischer Be⸗ deutung und Lage gilt, muß auch für Kurhessen Anwendung finden;

Letztes Konzert von Franz Servais.

In dem dritten und letzten Konzerte, das Herr Servais am 4ten d. im Saale der Sing Akademie gab, stellte sich das Resultat seiner aus= gezeichneten Leistungen wo möglich noch günstiger als in den beiden ersten von ihm veranstalteken heraus, insofern nämlich sein Instrument hier weit sreier und voller auszutönen Gelegenheit hatte, als im Konzertsaale des Königlichen Schauspielhauses, wo die Musik durch die stattgehabte Umwand“ lung desselben zur Schaubühne jetzt nicht besonders vorthelhaft, im Gegen⸗ theil ziemlich bedeckt klingt. Der Konzertgeber führte das schon neulich von ihm gespielte dritte Konzert eigener Composition wiederum mit dem sein Spiel bezeichnenden, zarten, fast elegischen Ausdruck in den getragenen Gesangstellen und mit belebendem, inneren Feuer in den Passagen so meisterhaft aus, daß ihm sämmiliche anwesende Zu⸗— hörer, von seinem Vortrage erwärmt, wahrhaft enthusiastischen Beffall spendeten. Fast noch mehr steigerte sich der Antheil bei den folgenden von ihm vorgetragenen und komßoönirten, mehk fürs große Publikim be? rechneten Musitstücken, einer Phantasie „Souvenir de SpmFYPM nuw einer Phantasie⸗Kaprice über Themas aus dem „Barbier von Sevilla.“ Iu diesen dankbaren, höchst geistreich zusammengestellten und interessant in⸗ strumentirten Salonstücken entfaltete er die ganze Kunst seines Spiels, die wenn auch nicht in Entwickelung großer Kraft und Energie, vornehm lich in dem Herausziehen eines edlen, schönen Tons, spielender Ueberwin— 0 der größten Schwierigkeiten und in einem fast unerreichbaren, auf das feinste nüancirten, manchmal vielleicht zi zarten, graziösen Vortrage zu suchen ist. Von Interesse wird es sein, nach diesem genialen vollendeten Meister auch einmal wieder unseren einheimischen ersten Violoncell⸗ BVirtuosen, den geschätzten Herrn Moritz Ganz, zu hören, der, wie ver= lautet, nächstens ein eigenes Konzert zu geben beabsichtigt. Dile. Krah⸗— mer, die, Einzige, welche außer dem Orchester den Konzertgeber unterstützte zeigte in eincn Arie aus „Semiramis“ und in einer anderen aus dem „Barbier von Se villa“ eine nicht grade volle, aber hübsche, sehr biegsame Stimme; die höchsten Kopftöne kommen jedoch eiwas gedrückt und nicht edel genug heraus,

fertigkeit und musikalischer Sicherheit gelungen und unter großem Beifall des Publikums vor, nur hätte sie in der letzteren aus dem „Barbier“ das Ralentando etwas seltener anbtingen müssen. Frau von Faßmann, die laut dem Programme zwei Lieder von Julius Weiß und eine Arie ingen wollte, wurde durch Unpäßlichkeit daran verhindert; zum Ersatz spielte Herr, Ser vais noch die „Romanesca“. Eine Ouvertüre von Eh ru“ bini und die zur „Zauberflöte“ wurden unter der sicheren und umsichtigen Leitung des Herrn Konzertmeisters Leopold Ganz mit selten gehörter Präzision und letzteres Musitstück auch nicht zu lebhaft im Tempo, wie dies häusig vorkommt, von der Königlichen Kapelle exekutirt.

Deutscher Verein für Heilwissenschaft.

. Berlin. In der Janugrs-Sitzung des Vereins hielt Heir Böhm einen Vortrag über die verschiedenen krankhaften Zustände im schielenden Auge und die Wirkung des operativen (tenotomischen) Verfahrens gegen den Fehler des Schielens. Herr Böhm eiwies, daß die gewöhnliche An nahme: daß schielende Augen kurzsichtig seien und durch die Operation weit— sichtig gemacht würden, auf einem Irrihum beruhe, und daß vielmehr das Gegentheil stattfände, indem vielmehr das schielende Auge weitsichtig sei und durch die Tenotomie kurzsichtiger werde. Es müsse hierbei nur der Un⸗ terschied zwischen vitaler und phoösikalischer Kurzsichtigleit festgehalten werden, welcher begründet ward und woran sich allgemeine Regeln über den Ge? brauch der Augengläser knüpften. Es entspann sich über die angeregten physitalischen Fragen eine Diskussion, an welcher die Herren B öhm, Link und Ish. lter Theil nahmen.

Versteigerungen von Kunstsachen in Paris. 2 Paris, im Jan. Die Versteigerungen von Kunstsachen haben

weshalb eine Anwendung derselben zu vermeiden wäre. Uebrigens trug si * * * 1 ( * * 3 . ö e die beiden, sehr schwierigen, brillant verzierten Arien mit Iden .

Riesen Winter leinen rechten Jug und Juhguf. Der Verkauf der Gemälde⸗

Sammlung des Kardinal Fesch scheint die fremden Liebhaber und die engli—

schen Kunsthändler nach Nom gezogen zu haben; hier wenigstens werden sie ganz vermistt, und die wirklichen Dauptkäufer sind hier ansässige Brocan= teurs, die, von ihren gefährlichsten Mitbewerbern erlöst, vortheilhafte Ein- läufe machen. Von hiesigen Sammlern und Liebhabern, die dem Gange der Versteigerungen mit kauflustigem Interesse folgen, sieht man nur eine kleine Anzahl; die Marquis von Herford und Biencourt, die Grafen Espagnae und Saint-Aignan, die Herren Girour, Bertrand, Bourgeois sind die einzigen, welche keinen Auctionstag versäumen; was meisteng' die er⸗ steigerungssäle füllt, ist zusehendes und die Preise eifrig anmerfendes Publi- kum. Seitdem Aguado gestorben, hofft man immer, daß sich wieder einer oder der andere von den Matadoren der Stockbörse zum Mäcen aufwersen und die Course der Kunstbörse in die Höhe bringen soll. Allein der neue Geldadel, der gegenwärtig den Ton angiebt, ist mehr pracht · als kunstlie⸗ bend und hat mehr Freude an Bankbbillets und Renten- Coupons, als an Gemälden und Handzeichnungen. In dem wohlhabenden Mittelstande sind rohe Gleichgültigleit und schlechter Geschmack durchwe eingebürgert, Kunst= sinn und ästhetisches Gefallen an Weiken bildender w hingegen äußerst selten und nur ausnahmsweise bei einigen wenigen Liebhabern zu finden deren sehr gewählte Sammlungen die feinste Kennerschaft und den geläutert⸗ sten Geschmach verrathen. Die Kunst bedarf aber zu ihrem Gedeihen einer mehr oder weniger allgemein verbreiteten Empfänglichkeit für das Schöne weil sie nicht von einzelnen Privatgeschmäcken, sondern von einem ass emei! nen Schwung des Kunstsinnes im Volke lebt. Diesem Umstande 1 vor zugsweise das starke Fallen der Bilder, wie überhaupt aller Kunstgegen⸗ stände zuzuschreiben, die ihr Publikum nicht auf Jahrmärkten suchen. Da nun einmal die habe und selbstsüchtigen Sitten der Neuzeit die bildenden Künste aus dem öffentlichen Leben ins Allerheiligste des Privatlebens ver⸗= wiesen haben, wäre es nicht mehr als billig, daß sie dort wenigstens allge⸗ mein Schutz und liebevolle Pflege fänden. In unseren Tagen, wo der häusliche Lurus gegen sonst so ungemein zugenommen hat, und wo die Straßen von Paris, anstatt einiger prächtiger Herrenhöfe unter elenden Baracken, zwei Neihen netter, zierlicher , darbie ten, müßte jeder bemittelte Bürger den sinnigen Schmuck seiner Wohnung den bildenden und zeichnen den Künsten abverlangen. Denn seitdem ein lnickeriger Gemeingeist in öffentlichen Hallen und Sitzungs- Sälen sich mit den öden Wänden be=