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Abschrift einzusenden.
; 5 jmen Gunsten erfolgt. Nach einer zweimaligen Sus. 2 w * —— verwirkt wäre, stets auf Verlust e, enschaft als Advokat und Anwalt zu erlennen. Der rechtskräftige 3 2 kes Verlustes der Eigenschaft als Advokat oder Anwalt wird — Her gung des General⸗-Prokurators am Appellationsgerichtshofe durch kn Ani blätier der rheinischen Negierungen bekannt gemacht und durch Mas sreichung aus der Advotaten Matrilel vollstreckt. :
§. 12. Von jedem Dis ziplinar-Beschlusse hat der Vorsteher binnen acht Tagen eine von sämmtlichen Mitgliedern des Disziplinar, Naths vollzogene . dem öffentlichen Ministerium einzureichen. Der Vorstcher des Dis- ziplinar - Raths zu Köln überreicht sie dem General-Prokurator.
§. 13. Bei denjenigen Landgerichten, bei welchen nach s. 2 wegen Mangels einer hinreichenden Zabl von Advokaten ein Die ziplinar · Nath nicht gebildet werden kann, versieht dessen Stelle bei dem Disziplinar= Strafverfahren eine aus fünf Mitgliedern bestehende Civil⸗Kammer, unter Müiwirkung des öffentlichen Ministeriums. ö .
§. 14. Gegen die erlassenen Dis ziplinar · Veschlüsse ist nur die BVeru⸗ fung und zwar binnen Monatsfrist zulässig. Für den Verurtheilten läuft biest Frist vom Tage der auf Betreihen des öffentlichen Ministeriums be= wirlten Zustellung des Beschlusses; für das öffentliche Ministerium von dem Tage, wo dasselbe die im 8. 12 bestimmte Abschrift erhal- ten hat, und im Falle des §. 13 von dem Tage, an welchem der Beschluß verkündet worden ist. Die Berufung wird durch einen Gerichts⸗ vollzleher Alt eingelegt. Appellitt der Verurtheilte, so wird der Berufungs⸗ Aft, wenn die Verurtheilung durch den Disziplinar⸗-Rath zu Köln geschehen ist, dem dortigen General-⸗Profuratar, sonst dem Ober- Prokurator des ber treffenden Landgerichts zugestellt. Nach Maßgabe dieses Unterschiedes steht auch die Berufung selbst eniweder dem General-Prokurator oder dem Ober⸗ hrokurator zu. ö 9. 2 . ueber die eingelegte Berufung erkennt ein, aus zwei Civil= Senaten gebildeter Disziplinar-⸗Senat des Appellationsgerichtshofes, unter dem Vorsitze des Ersten Präsidenten, in der Naths. Kammer nach Anhörung des General ⸗Prokurators, so wie des Beschuldigten, wenn dieser auf die an ihn ergangene Vorladung erschienen . :
§s7 16. Der gegen. Disziplinar-Beschlüsse zweiter Instanz unter Aus- schluß der Opposition allein zulässige Cassationsrekurs ist in der für Civil⸗ sachen vorgeschriebenen Frist und Form einzulegen. Die Zustellung der Rekursschrist geschieht, wenn der Verurtheilte den Rekurs einlegt, an den General Prokurator beim Appellationsgerichtshofe, welcher, wenn er eine
Erwiederung darauf für nöthig erachtet, die Eiwiederungsschrift dem Cassa⸗-
nonskläger zustellen läßt und solche hiernächst nebst der Zustellungs⸗ Urkunde an das Sejrelariat des Revisions- und Cassationshofes übersendet.
§. 17. Von allen Disziplinar-Beschlüssen wider Advolaten und An⸗ walte ist durch das öffentliche Ministerim Unserem Justiz-Minister eine Alle dieser Verordnung entgegenstehende Bestimmun= gen, insbesondere der Beschluß vom 4. Dezember 18650 (13. Frimaire X.), bie Artifel 102 und 103 des Dekrets vom 30. März 1808 und die Artifel
19 = 32 des Dekrets vom 14. Dezember 1810 werden hierdurch aufgehoben.
Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beige⸗ drucktem Königlichen Insiegel. Gegeben Charlottenburg, den 7. Juni 1844.
(1. 8.) Friedrich Wilhelm. Prinz von Preußen. v. Bo ven. Mühler. Gr. v. Alvensleben. Eichhorn. v. Thile. v. Savigny. Fib. v. Bülow. v. Bodel schwingh. Gr. zu Stolberg. Gr. v. Arnim.
NRhein⸗Provinz. Das naturhistorische Museum zu Bonn at durch ein bei dem Dorfe Rott am Siegengebirge aufgefundenes . kleines Säugethier aus der Gattung der Moschusthiere eine interessante Bereicherung erhalten. Das zierliche Thierchen, welches also einmal in den rheinischen Gegenden heimisch gewesen sein muß, sommt mit dem auf Java lebenden Zwerg⸗Moschusthier am meisten überein. — Die mit der Abendpost am 24. Juli aus London ab- gegangenen Briefe und Abendblätter langten, in Folge der jetzt ein⸗ getretenen beschleunigten Dampspaketboot⸗ Verbindung, schon am 26. Junt um 97 Ühr Morgens zu, Köln an; folglich ist jetzt zwischen beiden Stäkten eine Communication im Zeitraum von anderthalb Tagen möglich.
Ausland.
Deutsche Bundesstaaten.
Königreich Bayern. Der Nürnb, Korresp. giebt in seinem Blatie vom 28. Juni ausführliche Nachrichten über die unru⸗ higen Auftritte im Landgerichte Feuchtwangen, in Bezug auf den Bau einer Landstraße resp. bei dem Termine am 12ten d. M., der die Akford⸗Verhandlungen zum Gegenstande hatte. Es fand sich an diesem Tage vor dem Landgerichts Gebäude ein Haufe von 6— 700 Landleuten ein, drang gewaltsam in den Vorplatz und wußte durch seine drohende Stellung bei der Unzulänglichkeit der zur Aufrechthal⸗
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tung der Ordnung verwendbaren Mittel den Termin durch Einschüch⸗ terung der Akkordlustigen abermals zu vereiteln; allen wohlmeinenden Abmahnungen ebenso, wie den im Namen des Gesetzes und unter Eröffnung der Folgen eines solchen verbrecherischen Beginnens an ihn 6 ernstlichen Aufforderungen nur frechen Hohn entgegensetzend.
inem solchen gesetzlosen Treiben gegenüber erschien es als heilige Pflicht der Behörden, dem Gesetze Gehorsam, der gestörten öffentlichen Ordnung Genugthuung, dem amtlichen Ansehen Folgeleistung in eben so ruhi⸗ ger und gemäßigter, als fester Weise zu verschaffen; es wurde daher der zum zweitenmale vereitelte Termin abermals anberaumt, und unter Zuziehung der zum Schutze der Behörden erforderlichen bewaffneten Macht abgehalten. Der Erfolg hat bewiesen, wie nothwendig letztere Maßregel war, da wieder eine Anzahl von 11 bis 1200 Landleuten sich versammelt hatte, und bedenkliche Zusammenrottungen theilweise nur durch die eben so feste als ruhige Haltung des Militairs, übri- gens ohne Beschädigung der Exzedenten, zerstreut werden konnten, nachdem den gesetzlichen Aufforderungen keine Folge geleistet worden war. Die Untersuchung wegen des Tumults vom 12. Juni ist im Gange, und der geseßlichen Ahndung werden die Schuldigen nicht entgehen.
Kurfürstenthum Hessen. Das Kurfürstliche Justiz-Mi⸗ nisterium hat durch ein Kommunikat vom 7. Juni d. J. die Ober⸗ Gerichte angewiesen, sämmtlichen Advokaten zu eröffnen, eine Theilnahme derselben an der mainzer Advokaten-Versammlung solle als eine Zuwiderhandlung gegen die Verordnung vom 21. Juli 1832 Nr. 2 (den Beschluß aus der 24sten Sitzung des Bundestags vom Jahre 1832) angesehen und deshalb gegen die Theilnehmer nach Maßgabe dieser ge, ein Strafverfahren eingeleitet werden. Jener Ministerial-Erlaß erklärt, der Zweck der Advokaten⸗Versamm⸗ lung zu Mainz, als auf eine Abänderung bestehender Staats-Einrich⸗ tungen gerichtet, sei ein politischer.
t Luxemburg, 23. Juni. Mit dem gestrigen Tage schlossen die diessährigen Sitzungen der Landstände. Die meisten zur Bera— thung gekommenen Gegenstände betrafen Lokal-Interessen, wobei der GesetzVorschlag über allgemeine Feuer⸗-Assekuranz viele und lebhafte Debatten veranlaßte; da man sich über die Grundsätze desselben nicht
einigen konnte, so ist er zurückgelegt und wird daher erst in den
Sitzungen des nächsten Jahres wieder zur Sprache kommen. Das
Gesetz über die Personalsteuer ist zwar mit Abänderungen angenom⸗ men worden, befriedigt aber selbst in der jetzigen Form noch nicht all⸗
gemein; gleiches gilt von dem Gesetz-Vorschlag über die Gemeinde⸗ wege, in welchem man eine Beeinträchtigung der Armen sehen will. Das Post⸗-Gesetz ist den allgemeinen Wr ihr entsprechend ange⸗ nommen.
Daß im Primär-Unterricht das Deutschthum den Sieg davon trug, ist der thätigen Mitwirkung des Herrn Ober ⸗Gerichtsrathes Eyschen vorzugsweise zu verdanken, einem Manne von erprobter Recht⸗ lichkeit und tüchtiger Gesinnung, der sich mit Feuereifer der deutschen Sache annimmt. Indessen verdient auch die ÜUnterstützung des Gou— verneurs Herrn de la Fontaine lobend erwähnt zu werden. Auffal⸗ lend war es, daß der Direktor des Athenäums, der sich zur Zeit offen für die deutsche Sache aussprach, seiner damaligen Gesinnung widersprechende Ansichten entwickelte, was wohl einem Mangel an Selbstständigkeit zuzuschreiben sein dürfte. Charakterfestigkeit und Gesinnung sind jedoch Attribute, die besonders dem Vorsteher einer
Lehranstait niemals fehlen sollten. Während es wünschenswerth ge— wesen wäre, die Mängel des Friedemannschen Schulplanes abzu= schaffen, unterliegt es keinem Zweifel, daß man nur deshalb seit Jahren damit unging, ihn gänzlich zu beseitigen, weil er auf das deutsche Element basirt ist. Dieses zu lähmen, scheint sich zwar das ehemalige Luxemburger Journal, das sich jetzt Courrier du Grand-Duché nennt, zur Hauptaufgabe gemacht zu haben, indem sich die Redaction durch zwei Häupter der Anti⸗-Deutschen verstarkt hat, da sich dieses Blatt jedoch, im Parteigeiste geschrieben, über einen nur sehr beschränkten Leserkreis ausdehnt und vom Volke ganz ignorirt wird, so ist der Einfluß desselben minder schädlich. Hierin liegt aber auch der Grund der Abneigung gegen deutsche Blätter. Während es selbst im wahren Sinne des Wortes eine exotische Pflanze ist, bezeichnet es die neue luxemburger Zeitung nur deshalb mit dem Ausdruck eines fremden Erzeugnisses, weil diese in der deut⸗ schen Sprache auftritt. Es ist unglaublich, zu welchen Abgeschmackt⸗ heiten sich die Leidenschast hinreißen lassen kann, wenn sie im Be⸗ wußtsein des Unrechts auftritt. — Se. Majestät der König Groß⸗ herzog wird Mitte Juli in Walferdingen eintreffen.
Frankreich.
Paris, 26. Juni. Die Debatten über die Eisenbahnen schei⸗ nen mit dem sonderbaren Schicksal des Rumillyschen Amendements, welches halb angenommen, halb verworfen wurde, ihren Gipfelpunkt erreicht zu haben. Der Widerspruch, in welchen die Deputirten⸗Kam⸗ mer hier, was man auch sagen mag, mit sich selbst gerathen ist, in= dem sie einen abstrakten Grundsatz aufstellte, vor dessen praktischer Ausführung sie gleich darauf wieder zurücktrat, hat ihr vielleicht diese Verhandlungen etwas verleidet; jedenfalls ist sie gestern mit zwei Eisenbahn- Projekten eben so schnell verfahren, wie sie die früheren Diskussionen in die Länge dehnte. In einer einzigen Sitzung wurde sie mit den Gesetzentwürfen über die Bahnen von Tours nach Nantes und von Paris nach Rennes fertig und genehmigte beide ganz nach dem im Jahre 182 angenommenen System. Vorher hatte sie auch noch über das Ganze des Entwurfs für die Bahn nach Lyon abge⸗ stimmt und denselben mit den bekannten, in den einzelnen Artikeln vorgenommenen Veränderungen gutgeheißen. Endlich fand sie am Schluß noch Zeit zum Beginn der allgemeinen Diskussion über die Bahn nach der belgischen Gränze, worüber heute weiter berathen wird. Hier hat die Kommission felbst vorgeschlagen, daß der Staat die Schienenlegung übernehme. Die Kammer wird also zum dritten⸗ male über diese Frage zu entscheiden haben. 2 ;
Es ist gestern von Haussuchungen bei zwei legitimistischen Pairs gemeldet worden. Auch von Verhaftungen war in einigen Blättern bie Rede. Der Moniteur enthält nun hierüber folgende offizielle Erklärung: „Seit einigen Tagen waren Sapeurs der Ingenieur⸗ Abtheilung von Issy der Gegenstand wiederholter Umtriebe von Sei⸗ ten zweier Individuen, welche dieselben anzuwerben suchten, indem sie ihnen theils von Plänen der karlistischen Partei sprachen und von Unternehmungen, die nächstens stattfinden sollten, theils Broschüren, autographische Schreiben und Medaillen mit dem Bildniß des Her⸗ zogs von Bordeaux zeigten und unter sie vertheilen wollten. Diese Militairs aber gaben bei dieser Gelegenheit eine neue Probe von ihrer Treue gegen die Fahne und von ihrer Anhänglichkeit an ihre Pflichten. Sie machten von jenen Umtrieben ihren Offizieren An⸗ zeige, und diese unterrichteten ihrerseits ihre Oberen davon. In Folge dieser Aufschlüsse und mehrtägigen Wachsamleit wurden ver⸗ haftet: Toutain, ehemaliger politischer Verurtheilter in der Sache der Rue des Prouvaires, Eauchard-Desmares, Literat, und Herr von Lespinois, ehemaliger Unter-Präfekt zur Zeit der Restauration und Direktor des St. Ludwig Vereins. Nach den Aufklärungen, welche die vorläufige Instruction lieferte, sind kraft gerichtlicher Mandate bei dem Fürsten von Montmorency Robecg und bei dem Herzog von Escars Haussuchungen angestellt worden, und man hat verschiedene Pircen, so wie eine Fabrik von Büsten und Medaillons, die den Herzog von Bordeaux vorstellen, in Beschlag genommen. Die Ge⸗ richte sind mit der Instruction dieser Sache beschäftigt. .
Aus Toulon sind Nachrichten vom 22sten über den Zustand der Dinge in Afrika eingegangen, die jedoch durch die gestern publi⸗ zirte telegraphische Depesche vom folgenden Tage an Inkeresse verlie⸗ ren. Man wußte in Toulon nach Briefen aus Oran vom 16ten, daß die Antwort auf die vom Marschall Bugeaud nach Tanger ab⸗ gefertigte Mittheilung eingetroffen war, und es hieß, sie laute gün. stig, was jedoch nicht verbürgt werden konnte. Wäre dies aber auch ber Fall gewesen, so hätten die neuen Feindseligkeiten der Marollaner die Lage schon wieder verändert. Der „Vautour“, der mit der Mis⸗
sion nach Tanger beauftragt war, hatte auf der Rückkehr einige Ha⸗ darieen erlitten, die ihn nöthigten, in Gibraltar anzulaufen. Die
englische Marine stellte darauf sogleich das Paketboot „Vesuvius“ zur Verfügung des französischen Commandeurs, um dem Marschall Bu⸗ geaud die Depeschen zu überbringen.
O Paris, 26. Juni. Das vermeintliche Karlisten⸗Komplot, wovon man seit vorgestern allgemein spricht, und worüber der Mes-⸗— sager von gestern Abends nähere Aufschlüsse giebt, hat bei weitem nicht die Wichtigkeit, die man ihm anfangs beilegte. Die Regie⸗ rung hofft jedoch dabei einer weit bedeutenderen Verschwörung auf den Grund zu kommen, worüber sie bisjetzt nur mangelhafte Anzeichen besitzt, die jedoch von der Art sind, sie sehr zu beunruhigen. Es sst nolorisch, daß die nicht railliirten Legitimisten, und deren Zahl ist sehr groß, jährlich von ihren Einkünften eine bestimmte Summe abziehen, und sie in eine allgemeine Kasse niederlegen, um einen Reservefonds zur Erreichung politischer Zwecke zu bilden. Die, auf solche Art zusammengebrachten Gelder sollen bereits über 10 Millio⸗ nen Franken (?) betragen. Die Regierung weiß, daß diese Reserve⸗ Kasse existirt, aber sie hat noch nicht entdecken können, wo die frag⸗ lichen Gelder aufbewahrt werden, obwohl sie zu vermuthen scheint, daß dieselben in irgend einem Schloß der Vendée niedergelegt sind.
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vollste gedruckt und illustrirt, vor uns. Ueber den Zweck seines Unternehmens äußert sich der Herauegeber in der Einleitung dahin: „In der Umgegend von Potsdam, die Se. Majestät der König durch mannigfache Bau⸗llnter⸗ nehmungen und durch Erweiterung der bereits bestehenden Garten Anlagen unablässig zu verschönern bemüht sind, kommen in neuester Zeit häufig Umbauten von vorhandenen, theils Königlichen, theils Privat⸗Gebäuden vor, die neben einer mehrentheils bedingten Erweiterung und Ausstattung der be stehenden Näume auch den Zweck haben, das unangenehme und vernachlässigte Aeußere derselben in einen besseren und meist charakteristisch gefor- derten Baustyl umzuwandeln. Mit der Herausgabe dieses Werkes beabsichtigen wir die successive Mittheilung dieser Vauunternehmungen, die entweder gleichzeitig mit diesen oder kurz nach der Vollendung derselben er⸗ scheinen soll, damit zugleich über den Kostenpunlt und über die dabei an⸗ gewendeten beachtungswerth scheinenden technischen Hülfs mittel, Rechenschast und Aufschluß gegeben werden könne. Wir geben dabei der Hoffnung Raum, daß, durch die Aufstellung und Lösung einer Reihe der verschiedensten Auf⸗ aben dieser Art, Beispiele aufgestellt werden dürften, die den Privat- estzer aufmuntern könnten, über die Umgestaltung und Verbesserung seines Besttzthums nachzudenken, dessen innere Einrichtung seinen Bedürfnissen nicht entspricht, und dessen äußere Gestast ihm mißbehagt; welche Mãängjel er aber ertragen zu müssen vermeint, da ihm nicht glaubsich scheint, mit Beibehal⸗ tung des Bestehenden, nur mit Anwendung einer gegen einen Neubau ver- hällaißmäßig geringeren Summe, in beider Beziehung seinen längst geheg⸗ len Wünschen und seinen Bedürfnissen genügen zu können.
Herr Persius giebt sodann eine anziehend geschriebene Schilderung der Stadt Polsdam nebst einem historischen Ueberblick der Entstehung dieser Stadt und ihrer Garken-Anlagen und am Schluß derselben folgende höchst interessante Nachricht: . ;
„... Noch andere erfreuliche Unternehmungen sind bereits eingeleitet und follen successive der Vollendung entgegengeführt werden. Es betreffen diese die Verbindung und weitere Fuer nr aller um Potsdam bestehen⸗ den Garten⸗Anlagen, . die Umwandlung der 3. selbst zu einem großen Kunst-Ganzen. Friedrich der Große begnügte sich mit dem Garten von Sangsouci, den er mit Allem ausgestattet hatie, was sei⸗ nem fein gebildeten Sinne entsprach, und wohin er sich zurückzog, um sich edleren Beschästigungen hinzugeben. Aber er durfte die Gränzen desselben nicht überschtelten, wenn er nscht erinneit werden wollte, daß sein durch Kunst e dar 2 in einer Wüste lag, welche außer Sanssouci nur noch einige zerstreut liegende anzichende Punkte bot, die er schon da— mals durch Planungen aller Art heraugzuhchen bemühi war.“
„Frledrich's Nachsolger fühlte das Bedürfniß, außer Sangsouci einen eiten Garten zu besipen, der, in der Ungenirtheit des inzwischen ausge= mmenen englischen Geschmakes, Genuß Ünd Ribwechselung darböte, und
bieser Wunsch führte die Anlage des neuen Gartens herbei.
„Nachdem nun auch unter der Regierung des Königs Friedrich Wil helm III. für die Umgebung Potsdams, namentlich durch die Anlage des russischen Dorfes in der Nachbarschaft des neuen Gartens und durch die Erweiterung und Ausbildung der Garten-Anlagen auf der Pfauen, Insel Vieles gethan worden; nachdem des Prinzen Karl Königl. Hoheit das schöne Besitzthum Glienicke durch rastloses Schaffen zu einer Berühmtheit erhoben haben; nachdem Se. Majestät schon als Kronprinz das in der Rachbarschaft von Sangsollcl gelegene Charlottenhof zu einem llassischen Tomplement' der Schöpfung der erlauchten Vorfahren umgewandell und ausgebildet; und nachdem endlich des Prinzen von Preußen König! Hoheit die bewaldeten Höhen des Glienicke gegenübergelegenen Babersberges durch Bauten und Garten- Anlagen zu einem wahrhaft erfreulichen Vesstz= thum umzuschaffen noch ferner bemüht sind, mußte sich als nächste Folge der Wunsch herausstellen, alle diese schönen mehr oder weniger zerstreut lie= genden Schöpfungen, deren Reize noch durch die charalteristischen Eigen⸗ sbümlichkeiten jeder einzelnen erhöht werden, durch bequeme Wege und Garten-Anlagen zu verbinden und so, nachdem auch andere an malerischen Wasserzügen der Havel gelegene oder schöne Aussichten bietende Punkte gewählt und berücksichtig worden, die ganze In sel Potsdam in einen einzigen anziehenden Park zu verw an deln. ö Diejenigen vorhandenen Bauten, welche diesem großartigen Plane störend in den Weg treten, sollen fortan einer Umformung unterliegen und sind zum Theil schon in verschönerter Gestalt umgeschaffen worden. Namentlich ist letzteres mit dem Königlichen Civil-Kabinetshaus bei Sanssouci und mit dem Wohnhaus des Hofgärtners Sello in Sanssouci der Fall gewesen, und die ausführliche Nachweisung, wie, nach welchen Grundsaͤtzen und mit welchen Kosten dies geschehe, bildet den Inhalt der beiden ersten Bändchen der „Architektonischen Entwürfe“, denen wir auch in weiteren Kreisen die verdiente Beachtung wünschen. — u.
Eugen Sue's „Ewiger Jude.“
A Paris, 26. Juni. Gestern hat der ConstitutioWnnel endlich den Anfang des bereits vielbesprochenen Ewigen Juden“ von Eugen Sue gebracht, auf welchen die Neugier des Publikums der Lese⸗Kabinette in und außer Frank- reich seit Monaten wie auf eine leckere Beute lauert. Wir fürchten indessen gar sehr, daß diese Neugler eine Fehlrechnung gemacht haben wird. ö ersten Lieserungen des „Ewigen Juden“ versprechen wenigstens rar gen nicht, die davon gehegten Erwartungen zu befriedigen; man bemerlt 16 ö vielmehr eine gewisse Mühscligteit der Anlage, einen Mißbrauch bern Cr⸗ lichen Maschinerie des modernen Nomans, wesche auf Abspannung h ande schöpfung schließen lassen. Wir möchten jedenfalls den deutschen * n , gewarnt haben, den nenen Koman Eugen Suergz zum Gegenstan
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ger Speculationen zu machen; denn wir bezweifeln doch, daß der Geschmack der deutschen Lesewelt schon so weit verdorben ist, daß man seine Rechnung dabei finden könnte, ihm Uebersetzungen eines vielleicht ziemlich werthlosen Buches anzubieten, wenn dieselben auch einen berühmten französischen Na⸗ men tragen.
Vermischtes.
Man vernimmt aus Paris, daß der geniale Klarinettist Iwan Müller, der früher in der Kapelle Napeleon's war, nach langer Zurlckgezogenheit, während welcher er sich min der Vervolllommnung der Klarinette nit bewunderungswürdiger Geduld beschäftigle, wieder in die Welt treten und auch Deuischland berelsen wird, wo er noch zahlreiche Freunde hat. Iwan Müller ist jedenfalls ein Künstler eisten Ranges. Er hat ein Instrument, im Genre der Klarinette, welches das sogenannte Basset ersetzt, erfunden und spielt sein Instrument mit einer Vollendung des Ausdrucks, wie man es in Deutschland kaum hören kann. Wegen eines nächtlichen Anfalls, wobei ihm der Arm zerschmettert wurde, ist er genöthigt, sitzend zu spiclen. In diesem Manne athmet aber noch eine Lebensfrast, die lein Bampfwesen ist, sondern die , Energie eines ursprünglichen Geistes.
Der Theater ⸗Neubau zu Hann over ist beschlossen. Der König will die Kosten aus eigenen Mitteln bestreiten und hat für das neue Schauspiel-· haus, bas mit großer Pracht aufgeführt werden soll, einen freien Platz in en Rahe des Eisenbahnhoses gewählt. Der Bauplan ist genehmigt, in⸗ dessen werden die Arbeiten wohl nicht vor nächstem Frühjahr beginnen.
unsifteunde machen wir auf. ein bedeutendes artistisches Werk auf⸗ merksam, das unter den Auspizien Ihrer Majestät der Herzogin von Parma erscheinen wird. Da nämlich die Freskogemälde Correggiot s immer mehr ihrer Zerstörung durch die Einflüsse der Zeit entgegengehen, so hat die Her- zogin Kluftrag gegeben, von allen Fresken Correggio's, welche sich zu Parma besinden, und eben so von einigen Gemälden arm igianino's, welche ebenfalls dem Verderben nahe sind, genaue Kopieren zu entwerfen. Diese Arbeit haben Herr Paul Toschi mit seinen Schülern und Professor
allegari übernommen, und es wurde bereits unter Toschi's ihätigtm Antheil und persönlicher . der Kupferstich nach diesen Zeichnungen begonnen. Das große Werk erscheint in Lieferungen mit erklärendem Text und ist Ihrer Majestät der Herzogin von Parma gewidmet. Zu seiner Vollendung wird ein Zeitraum von zehn Jahren erforderlich sein.
Von Berthold Auerbach, dem Verf. der „Dorfgeschichten“, erscheint zu Stuttgart für 1845 ein Vollskalender unter dem Titel „Der Gevatiers= mann“. Er wird sich in Ton und Auffassung dem Volle aneignen und in Format, Preis und Umfang den gangbaren gleich und mit ban nnn ausgestane sein.
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Herr Lespinois, gewesener Unter-Präfekt während der Restauration, und zu gleicher Zeit Verwalter der geistlichen Brüderschaft des heili⸗ gen Ludwig, scheint einer der Mitverwalter jener Kasse zu sein, wor⸗ über der Prinz von Montmorency und der Herzog d'Escars die Auf⸗ sicht führen sollen. So erklärte mir wenigstens ein ministerieller De⸗ putirter die von der Polizei unternommene Haussuchung bei den bei⸗ den Letzteren und die Verhaftung des Herrn de Lespinois. Unter den Papieren des Letzteren sollen offenbare Beweise vorgefunden worden sein, daß die Legitimisten mit einer Fraction der Radikalen in Verbin⸗ dung stehen, und Letzteren eine regelmäßige Subvention aus der Reserve⸗Kasse verabreichen lassen. Moutain und Couchard⸗Desmares, welche ebenfalls arretirt worden sind und zu den geheimen Gesell⸗ schaften gehören, waren die Vermittler zwischen Herrn Lespinois und den übrigen Radikalen.
Großbritanien und Irland.
Oberhaus. Sitzung vom 25. Juni. Die gestrige De⸗ batte im Unterhause über die Verletzung des Briefgeheimnisses fand heute bei den Lords ihren Wiederhall. Graf Radnor beantragte die Vorlegung sämmtlicher an das General-Postamt seit 1. Januar 1841 erlassener Befehle des Ministers des Innern zur Erbrechung von Briefen. Als den Grund seines Antrags gab der edle Lord seine Ueberzeugung an, daß der Minister seine Befugniß überschritten und seine gesetzlich ihm zustehende Gewalt gemißbraucht habe; denn nur eine England selbst oder dessen Souverainin drohende Gefahr könne die Anwendung einer solchen Gewaltmaßregel rechtfertigen. Mazzini, der Italiener, sei ein Mann von eminenten wissenschaft— lichen Verdiensten, welchen Alle, die ihn kennen, lieben und bewundern, und der Hauptmann Stolzberg habe das einzige Verbrechen began gen, daß er der Freiheit gehuldigt. Daraus laͤsse sich mit Gewißheit entnehmen, daß beide Individuen nicht verrätherische Pläne gegen England und dessen Königin im Sinne führen. Das Verfahren aber gegen sie von Seiten der Regierung habe die öffentliche Meinung im Lande gegen sich, und er müsse bekennen, daß er dasselbe in der That für eine Schmach und eine Schande (a feeling of shame and dis- grace) halte, die dem Lande damit angethan seien. Er glaube, daß wenigstens der Herzog von Wellington das Verfahren nicht billigen werde, der so Vieles gethan habe, um den Charakter Englands zu he⸗ ben, und der wegen seiner Geradheit und Offenheit so hoch geachtet sei. Der Herzog von Wellington sagte: „Mylords, ich muß dem edlen Grafen für diese Lobeserhebungen dankbar sein, mit denen er mich in so schönen Ausdrücken überhäuft, und ich kann ihm ver— sichern, daß mir in der That die Ehre meines Landes sehr am Her— zen liegt. Mylords, ich habe eine Pflicht in diesem Hause zu ver— richten, die Pflicht, Ew. Herrlichkeiten hinsichtlich des gestellten An⸗ trages denjenigen Weg zu empfehlen, welcher mit den öffentlichen Interessen und der öffentlichen Sicherheit am vereinbarsten ist. My⸗ lords, das Parlament hat für gut befunden, den Minister des Innern mit einer gewissen Gewalt zu bekleiden, welche ihn berechtigt, Befehle zur Erbrechung von Briefen auf dem Post-Amte zu erlassen. Wie ich schon neulich bemerkte, ist diese Gewalt schon lange in diesem
Lande ausgeübt worden. Es ist also kein Zweifel darüber, daß sie wirklich besteht. Unter solchen Umständen halte, ich es für rathsam, daß das Haus zuvörderst sich davon über—
zeugt, ob diese Gewalt auch wirklich gemißbraucht worden ist, ehe es einen Antrag zu Untersuchung dieses Mißbrauchs zuläßt. Es ist schon so viel über diesen Gegenstand gesprochen worden, aber man hat noch keinen einzigen Beweis vorgebracht, daß wirklich ein Mißbrauch der ministeriellen Gewalt stattgefunden hat. Ich ersuche Ew. Herrlich⸗ keiten deshalb, dem Antrage des edlen Lord nicht beizupflichten.“ Der Graf von Tankerville berief sich zur Entschuldigung des Ver⸗ fahrens der Regierung darauf, daß in früherer Zeit sogar einmal der Befehl erlasfen worden sei, die Briefe aller fremden Gesandten, zu erbrechen und bald darauf die Briefe des durch seine Machinatio⸗ nen gegen die Katholiken bekannten, halbwahnsinnigen Lord George Gordon. Der Marquis von Clanricarde dagegen bewies gerade aus diesen Beispielen, daß die den Ministern ertheilte Befugniß nur in der höchsten Noth und nur in unmittelbarem Interesse Englands selbst ausgeübt werden dürfe, wenn sie Entschuldigung sinden wolle; denn der erst erwähnte von dem älteren Pitt ausgegangene Befehl, sei zu einer Zeit erlassen worden, wo fast die ganze Welt gegen England unter den Waffen stand, und dessen Existenz in ihren Grund⸗ vesten bedroht war, nämlich zur Zeit des amerikanischen Krieges, und was den zweiten Befehl betreffe, so sei er zu einer Zeit zur Aus⸗ führung gebracht worden, wo ein fanatisirter Pöbel das Land in einen Zustand allgemeinen Aufruhrs zu versetzen drohte. In, den vor⸗ liegenden Fällen dagegen handle es sich um die Briefgeheimnisse von Ausländern, welche unter dem Schutze der britischen Gesetze leben und nichts gegen die Regierung oder das Land unternommen haben, das sie dieses Schutzes unwürdig machen könnte. Graf, von Haddington, der erste Lord der Admiralität, erklärte persönlich von den näheren Umständen der vorliegenden Fälle nicht unterrichtet zu sein, beschränkte sich indeß nicht darauf, wie der Herzog von Wellington, die Aus⸗ übung der dem Minister ertheilten Befugniß nur auf die gesetzmäßige Existenz dieser Befugniß zu begründen, sondern deutete darauf hin, daß es auch wohl im Interesse Englands liegen könne, Pläne zu hintertreiben, welche zwar zunächst nicht gegen England selbst zur Ausführung gebracht werden sollten, die aber den allgemeinen Frie⸗ den Europa's und daher auch die Ruhe Englands bedrohen. Lord Campbell, Lord Denman, der Lord-Oberrichtser von England, endlich auch selbst Lord Brougham, trotz seiner Neigung zu dem
Antrag zurück.
Unterhaus. . brachte die maroklanischen Angelegenheiten zur Sprache und verlangte nähere Aufklärung über die zwischen Frankreich und Marokko ausge⸗ brochenen Feindseligkeiten. Ohne Zweifel werde die Regierung sich von dem französischen Kabinette Aufklärung über den n . der⸗ selben und darüber ausgebeten haben, wie weit man französischerseits den Krieg zu treiben beabsichtige. Möglicherweise auch habe die franzö⸗ sische Regierung, wie das wohl zu geschehen pflege, der britischen die In⸗ structionen mitgetheilt, welche der an die marokkanische Küste abge⸗ sandte Admiral erhalten habe, und diese Instructionen zu kennen, müsse um so wichtiger sein, da dieser Admiral bekanntlich der Prinz von Joinville sei, dessen Name allein hinreiche, vor neuen Verwicke⸗ lungen, welche die britischen Interessen afsiziren könnten, besorgt zu machen. Sir Robert Peel erklärte, daß die französische Regie⸗ rung der britischen die ausführlichsten und rückhaltlosesten Erklä⸗ rungen über ihre Verhältnisse zu Marokko und zugleich die Ver⸗ sicherung ertheilt habe, daß es den Feindseligkeiten gegen dasselbe möglichst aus dem Wege zu gehen versucht, und daß die freund⸗ schaftlichen Beziehungen zu demselben 9. dann unterbrochen worden seien, als Abd el Kader nicht nur eine Zuflucht auf marokkanischem Boden, sondern auch entweder bei dem Kaiser direkt oder doch we⸗ nigstens bei dessen Unterthanen Unterstützung zur Reorganisation und Ergänzung seiner Streitkräfte gefunden habe. Was die stattgehabten ger r rein betreffe, so sei mit Grund anzunehmen, daß der erste
Sitzung vom 26. Juni. Lord J. Ru sell
sind dem englischen Volke sehr neu und überraschend.
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Angriff auf den General Lamoricidre nicht auf Befehl des Kaisers stattgefunden, sondern in der Indisziplin der marolkanischen Truppen seinen Grund habe; über den zweiten Angriff wisse er nichts, als was die telegraphische Depesche berichte. Wie derselbe aber auch entstan⸗ den sein möge, so könne er (Sir Robert Peel) doch nur erklären, daß die von der französischen Regierung ertheilte Auskunft über die An⸗ forderungen, welche sie an Marolko zu richten beabsichtige, so wie die diesen Mittheilungen beigegebene Instruction des Prinzen Joinville das britische Kabinet vollkommen zufriedengestellt haben, wenngleich es begreiflicherwelse nicht im Stande sei, sich darüber weiter auszu⸗ lassen. Lord John Russell, durch diese Erwiederung für jetzt befrie⸗ digt, behielt sich weitere Anfragen vor.
Eine längere Debatte über die, Korngesetze in Folge eines An⸗ trags des Herrn Villiers auf gänzliche Abschaffung derselben wurde verklagt. Wir kommen morgen darauf zurück.
X London, 25. Juni. Die Frage über das Oeffnen ver⸗ dächtiger Briefe auf der Post unter Verantwortlichkeit des Staats⸗ Secretairs wurde gestern Abend abermals vor das Unterhaus ge⸗ bracht, und wenngleich es der Regierung gelang, den gestellten Antrag auf Ernennung eines Untersuchungs-Comité's, durch eine Majorität von 144 Stimmen verwerfen zu lassen, so dürfte sich dennoch die statt⸗ gehabte Diskussion von nicht geringem Nachtheil für sie erweisen. Sir James Graham antwortete richtig und vernünftig, daß die Be⸗ fugniß, Briefe zu öffnen, in alten und neuen Parlaments-Akten von der Legislatur des Landes feierlich anerkannt und von allen seinen Vorgän⸗ gern stets nach eigenem Ermessen ausgeübt worden sei. Man kann auch in der That nicht leugnen, daß namentlich bei Kriminal⸗Untersuchungen, wie bei dem vorjährigen Prozeß wegen Fälschung der Schatzkammer— Scheine oder in diesem Jahre bei den Testaments-Verfälschungen, der Minister des Innern nicht unpassend mit einer solchen Gewalt be⸗— traut ist, da seine Pflicht ihm vorschreibt, die Schuldigen
zur Bestrafung zu ziehen und das Gemeinwohl zu schützen. Im gegenwärtigen Falle stellt sich die eigentliche Frage da⸗
hin, ob diese außerordentliche ministerielle Befugniß mit Verstand und Vorsicht ausgeübt worden sei oder nicht. Sir James Graham muß bei all' seiner vollendeten Geschicklichkeit und Entschlossenheit als Mitverwalter öffentlicher Angelegenheiten einen ungewöhnlichen Grad von Unpopularität erfahren, und der jetzige Fall, so unbedeu⸗ tend er scheinen mag, da das Ueberschreiten gesetzlicher Vollmacht oder ministerieller Befugniß gar nicht einmal behauptet wird, dürfte auf lange Zeit das Volk dieses Landes gegen ihn einnehmen. Auch stehen gewiß mit den einzelnen zur Sprache gebrachten Fällen noch Umstände in Verbindung, welche die gereizte Stimmung im Volke noch steigern können. Die Männer, deren Briefe man geöffnet hat, sind fremde Flüchtlinge; die Maßregel gegen sie wurde nicht zur Entdeckung irgend eines Civil⸗Vergehens oder zum Schutze des Staates getroffen, sondern auf Ansuchen fremder Gesand— ten. Ich erwähnte bereits vor einigen Monaten, daß die be⸗ kannten Umtriebe der geheimen politischen Gesellschaften italienischer Flüchtlinge in London und Paris die Besorgnisse der italienischen Regierung rege gemacht hätten. Dieselben wurden durch den Grafen Pollon, den sardinischen Gesandten am hiesigen Hofe, dem Grafen Aberdeen in einer Note mitgetheilt, welche den Zustand Italiens als sehr beunruhigend darstellte und besonders den Einfluß hervorhob, welchen Mazzini, das Haupt der italienischen Demokraten in London, dort ausübte. Lord Aberdeen's Antwort gab dem österreichischen und sardinischen Kabinette große Genugthuung, obschon sie von einer nach⸗ drücklichen Mahnung begleitet war, die päpstliche Regierung zu ver— anlassen, nicht zu Maßregeln der Unterdrückung, sondern vielmehr der
ersöhnung und Reform ihre Zuflucht zu nehmen. Mazzini ward ndeß unter polizeiliche Aufsicht gestellt, und die Mailänder Zei⸗ tung erwähnte dies kürzlich vielleicht zur Unzeit. All diese Dinge Ich wage zu behaupten, daß neun Zehntel des Unterhauses oder des Volkes, das der Regierung wirklich zugethan ist, die Möglichkeit solcher Vorgänge in unserem Lande geradezu geleugnet haben würden, hätte man ihnen früher davon Etwas erzählt. Das aber macht die ganze Sache nur schlimmer.
Derartige Diskussionen sind nun keinesweges geeignet, die Stel⸗ lung des Kabinets zu verbessern, da überdies noch nichts geschehen ist, was die tieferen und schwärenden Wunden aus der letzten Woche heilen könnte. Ueberblickt man die Liste der 38 konservativen Mit⸗ glieder des Unterhauses, welche bei der neulichen Abstimmung über die Zucker-Zölle gegen die Regierung stimmten, so begegnet man freilich nur Namen von Männern, welche weder durch Einfluß noch Charak⸗ ter ausgezeichnet sind, aber die Unzufriedenheit mit Sir R. Peel, welche diese an sich unbedeutenden Organe an den Tag legen, geht weit tie⸗ fer und erstreckt sich über die Lebens- Elemente der Partei. Im Ka⸗ binet, heißt es, doch ich weiß nicht, wie viel davon wahr ist, herrsche eine Meinungs⸗Verschiedenheit über die Frage, ob man unter solchen gefährlichen Symptomen sogleich oder wenigstens bei der nächsten Niederlage resigniren, oder aber es vorziehen solle, trotz aller kallen Freunde und heftigen Opponenten die Regie⸗ rung zu behaupten. Sir R. Peel, Lord Aberdeen und Lord Wharn⸗ eliffe, mehr bekümmert um die Erhaltung ihres politischen Charakters als um den Besitz der Gewalt und ihrer Emolumente, dürften meiner
Ansicht nach es vorziehen, ihr Amt niederzulegen, als es unter un⸗ vortheilhaften Verhältnissen fortzuführen; aber die jüngeren und älte⸗ ren Männer, der Lord-Kanzler Lord Lyndhurst und der Herzog, so wie Graham und der ungestüme Stanley klammern sich an ihre Ministerium Peel, sprachen sich gegen das Verfahren der Regierung aus, bezeichneten dasselbe als gehässig und eine strengere Beaufsich⸗ tigung für unerläßlich. Graf Radnor nahm hierauf vorläufig seinen
Aemter mit der Hartnäckigkeit, welche das Alter giebt, oder mit dem Muthe einer rüstigeren Zeit des Lebens. Das Resultat wird wahr⸗ scheinlich sein, daß das Peel-Kabinet bis zum Schlusse der Session sich halten und seine Fortdauer bis zur nächsten ausdehnen wird; aber es ist sehr die Frage, ob es jemals die Einigkeit seiner ersten Berathungen und die Stärke seiner ersten Maßregeln wieder erlan⸗ gen wird.
nieder lande.
Aus dem Haag, 26. Juni. Heute fand eine gemeinschaft⸗ liche Sitzung beider Kammern statt, in welcher der Minister des In⸗ nern die diesjährige Session der Generalstaaten im Namen des Kö⸗ nigs für geschlossen erklärte.
8 c weiz.
Kanton Luzern. Am 25. Juni wurde die außerordentliche Tag⸗ satzung eröffnet. Der Präsident Siegwart⸗Müller sucht in seiner Rede das Benehmen der Staats⸗Behörden des Kantons Wallis und des ober⸗ walliser Landsturms bei den jüngsten Ereignissen zu rechtfertigen, er bezeichnet die Unterwalliser als Ruhestörer, Rebellen und Meuterer, die schon seit Jahren Gesetze und Ordnung mißachtet, Gott und al⸗ les Heilige mit frevelnder Zunge gehöhnt und durch das endliche , ee Einschreiten der schon seit langer Jeit allzu nach⸗ sichtigen Regierung den verdienten Lohn empfangen hätten.
Bei Verlesung der Kreditive der Gesandtschaften erhob Basel⸗ land Einsprache gegen die der walliser, weil die durch den Bund ga⸗ rantirte Verfassung des Kantons verletzt sei; der Antrag auf Aus⸗ schließung dieser Gesandtschaft wird jeboch nur von Aargau unter⸗ stützt und mithin verworfen.
Nachdem die gewöhnliche Beeidigung erg, begann die Be⸗ rathung über die Angelegenheiten des Kantons Wallis; zuerst wur- den die bekannten Kreieschreiben der Regierung von Wallis und des Vororts, sodann der Bericht des eidgenösstschen Kommissariats im Kanton Wallis an den Vorort verlesen. Bern verlangte, daß auch die übrigen auf diese Angelegenheit bezüglichen Akltenstücke den Stän= den mitgetheilt würden.
Bei der Umfrage an diejenigen Stände, welche die Einberufung einer außerordentlichen Tagsatzung verlangt hatten, erklärten dieselben, daß sie lediglich durch die traurigen Ereignisse in Wallis dazu bestimmt worden seien. Hierauf stellte der Präsident noch den Antrag, ob in dieser Angelegenheit im Allgemeinen jetzt schon einzuschreiten oder zu⸗ vor die Frage zu erledigen sei, ob bei den jetzigen Zuständen in Wallis noch eine eidgenössische Intervention stattsinden könne und solle. Die n. entschied sich einstimmig für das Letztere und trennte sich odann.
Spanien.
3 Madrid, 20. Juni. Die in meinem vorgestrigen Briefe besprochenen Erklärungen Sir Robert Peel's haben hier großes Auf- sehen erregt, und der Heraldo nennt sie „das wichtigste Ereigniß für Spanien nach dem Quadrupel⸗Allianz⸗Traktat und der Beendi⸗ gung des Bürgerkrieges.“ Es dürfte daher Ihnen nicht unerwünscht sein, die Stimmen der hiesigen Tagespresse über diese Angelegenheit zu vernehmen. )
Der Heraldo, der bisher sich jeder Aeußerung in Bezug auf die Vermählungs-Frage enthielt, erklärt heute in einem längeren Ar⸗ tikel die Vermählung der Königin Isabella mit einem Sohne des Don Carlos für unmöglich und zwecklos. Für unmöglich, weil es sich nicht blos um eine dynastische Frage handle, sondern um andere sich widerstreitende und unvereinbare Prinzipien. Für zwecklos, weil am Tage nach der Vermählung der alte Haß mit neuer Wuth wie⸗ der ausbrechen würde. Trotz aller inneren Zwiste unter Moderirten und Exaltirten wäre, so meint der Heraldo, doch ein Punkt nie⸗ mals angefochten worden:
„Die nothwendige Aechtung (la proscripeion fornoza) einer die öf⸗ , Ruhe beeinträchtigenden und mit den Institutionen unvereinbaren
amilie.
„Der Einfluß des mit der Königin zu vermählenden Prinzen“, sagt der Heraldo ferner, „läßt sich nicht ableugnen; es genüge, daß er mit Vorsicht und ohne die Rechte des Landes zu beeinträchtigen geltend gemacht werde. Dieses dürfen wit von keinem Mitgliede der Familie des Don Carlos erke arten .... Die erste Folge einer solchen Vermählung würde die Bildung zweier Parteien sein; die Partei des Königs und die Partei der Königin, die sich vergeblich auf die rechte Seite des Thrones setzen würde, sobald diejenigen, welche aus ihrem Gemahl ein Werkzeug ihrer Herrschsucht machen wollen, alte Ansprüche auf die Obergewalt zu erneuern anfangen (und dies würde ohne Verzug geschehen). Man bedenke die Fol-
en einer so wahrscheinlichen Entwickelung, und man erwäge, ob nicht in ihr 3 der Keim zu einem Bürgerkriege für ein halbes Jahrhundert ent- halten ist.“
Ein anderes sich konservativ nennendes Blatt, das erst seit vor⸗— gestern erscheint, der Globo, äußert sich in gleichem Sinne. Aus den von Sir Rob. Peel gemachten Mittheilungen zieht dieses Blatt den Schluß, „daß Don Carlos, über seine früheren Mißgriffe ent⸗ täuscht, nunmehr, obwohl zu spät, sich mit seinen Gegnern auszu⸗ gleichen wünsche.“
„Es ist bekannt“, so heißt es weiter, „daß die große Mehrheit der kar⸗— listischen Partei diese Art von Ausgleichung wünscht, und daß ihre Wünsche vollständig erfüllt würden, wenn sie den Erstgeborenen ihres vorgeblichen Königs auf den Thron an die Seite Isabella's II. gesetzt erblickten. . . ... Vielleicht fehlt es auch nicht an Einigen, die zwar nicht seine Parteigänger waren, jedoch von falschen Ansichten über unsere inneren Zwistigkeiten ge⸗ leitet, aufrichtig der Meinung sind, das wirfsamste Mittel, diese zu beendi⸗ gen, bestehe in der Vereinigung der liberalen mit der karlistischen Partei vermöge der vorgeschlagenen Vermählung.“
Dem Globo zufolge, irren sich Beide, und die karlistische Partei, als solche, bestände nicht mehr. „Wohl aber“, sagt dieses Blatt, „giebt es in Spanien eine ab solutistische Partei, die mit Vergnügen den Sohn des Don Carlos und die Königin Isabella selbst regieren sehen würde, wenn sie der Repräsentativ⸗ Regierung ein Ende machten und mit kräftiger Hand das ganze Werk der Re⸗— volution vernichteten.“ Diese Absolutisten erblickten nämlich in der den Söhnen des Don Carlos durch Jesuiten ertheilten Erziehung das zur Verwirklichung ihrer Wünsche nothwendige Element. Denn in Spanien handle es sich nicht um eine dynastische Frage, sondern um die Aufstellung der absoluten oder der constitutionellen Monarchie. Diese zwei einander gegenüberstehenden Systeme könnten unmöglich 9 eine Heirath ausgeglichen werden. Eines von beiden müsse obsiegen.
Der Globo sieht endlose Reactionen und Revolutionen voraus, für den Fall, daß der Sohn des Don Carlos sich mit der Königin Isabella vermähle, und schließt mit folgenden Worten: „Frankreich wird, unsrer Ansicht nach, eine solche Verbindung nicht unkterstützen. England, obwohl die Tories am Ruder sind, betrachtet sie als zweck⸗ los und unwahrscheinlich, und in Spanien hält man sie für unvor⸗ theilhaft und unmöglich. Wir setzen voraus, daß das Ministerium dieses als Antwort auf die Note (') des Don Carlos ertheilt habe.“
Der Castellamo, ein konservatives Blatt, verwirft ebenfalls den Vermählungsplan als unausführbar und die Ruhe des Landes beeinträchtigend. Dieses Blatt drückt sich noch stärker aus, als die bereits erwähnten. „Weder die Königin, noch die Nation“, sagt der Castellano, „wollen die Vermählung mit dem Sohne des Don Carlos, und weder der einen noch der anderen kann sie als zweck⸗ mäßig erscheinen.“
Das vierte konservative Blatt, der Tiem po, schweigt bei dieser Gelegenheit.
Die Blätter der progressistischen Partei beobachten bis jetzt eben⸗ falls Stillschweigen. Nur das Eco del Comercio sagt, die Kö- nigin wäre viel zu jung, als daß jetzt von ihrer Vermählung die Rede sein könnte.
Die hier zurückgebliebenen vier Minister sollen diesen Abend nach Barcelona abreisen. Der englische Gesandte läßt Bauten in seinem hiesigen Hotel vornehmen und einen Theil seiner Mobilien nach Bar- celona kommen. Die Bank von S. Fernando hat, wie es heißt, der Regierung drei Millionen Piaster für die Bedürfnisse des nächsten Monats vorgeschossen.
Am 12ten kam der Gouverneur von Gibraltar in Ceuta an, besprach sich mit den dortigen Behörden und begab sich dann in das Lager der Marokkaner, wo er mit großen Ehrenbezeugungen empfan⸗
en wurde. z In Sevilla scheint eine Verschwörung entdeckt worden zu sein. Einige Offiziere der Besatzung sind verhaftet worden.
Vorgestern versammelten sich etwa 60 „Patrioten“ in einem Gasthofe zu einem Mittagsmahl, um die Jahresfeier der Constitution zu begehen. Als die Köpfe sich erhitzt hatten, wurden mit großem Geräusch „patriotische Gesundheiten“ ausgebracht. Dieser Umstand und das Anstimmen der Hymne Esparteros hatte einen Wortwechsel mit einigen in demselben Gasthofe anwesenden Offizieren zur Folge, der endlich in Thätlichkeiten ausartete.
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