1848 / 96 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Falle vermieden werden. Deswegen sprechen wir uns dafür aus, daß das Fundament der neuen organischen Gesetzgebung ein auf brei- tester Basis beruhendes Wahlgesetz nicht ohne den Beirath des Vereinigten Landtages erlassen werden darf. Zugleich aber auch kön⸗ nen wir nicht umhin, an diesen Landtag die bestimmte und entschie⸗ dene Foerderung auszusprechen, daß er sich auf die Begutach⸗ tung des ihm vorzulegenden Wahlgesetzes lediglich zu beschränken hat, und nach der möglichst zu beschleunigenden Been⸗ digung seiner Berathungen bei seinem Auseinandergehen dem auf eine baldige Erledigung der allgemeinen Verfassungsfragen mit Ungeduld harrenden Volke die unzweifelhafte Gewißheit zurückläßt, daß die Ausschreibung der auf Grund des neuen Wahlgesetzes vor— zunehmenden Wahlen sofort erfolgen und alsdann binnen kürze⸗ ster Frist die Einberufung der allgemeinen Landes-Repräsentation veranlaßt werden wird. Elbing, den 30. März 1848. Der Ma⸗ gistrat und die Stadtverordneten.“

Deutsche Gundesstaaten.

Königreich Bayern. (N. K.) Nürnberg, 1. April. Gestern Nachmittag kam das Infanterie⸗Regiment „Albert Pappen⸗ heim“ von Amberg auf dem Marsch nach Speyer hier an. Auf der ersten Station Hersbruck hatte dasselbe durch einen Courier die Wei⸗ sung erhalten, den Weg in Eilmärschen Gwei gewöhnliche Märsche des Tages) fortzusetzen. In Folge davon wurde sämmtliche Mann schaft auf Wagm gesetzt und gestern hierher befördert, Auf gleiche Weise wird es heute von Fürth dem gestrigen Nachtlager) bis Würzburg gebracht werden. Auch das hiesige Infanterie Negiment „Erbgroßherzog von Hessen“ hat Ordre, sich in Marschbereitschaft zu halten. Für das Chevauxlegers⸗ Regiment sieht man diesem Befehl täglich entgegen.

Großherzogthum Mecklenburg⸗Schwerin. (H. C.) Se. Königl. Hoheit der Großherzog hat angeordnet, daß die Civil und Militair-Behörden statt der bisherigen mecklenburgischen Kokarde sortan eine mecklenburgische Kokarde, auf deren Mitte eine deutsche National⸗Kokarde sich befindet, anzulegen haben.

Herzogthum Sach sen⸗Altenburg. (D. A. 3.) Der Herzog hat dem Geheimen Rath und Minister von Wüstemann bis zu Ende März 1849 Urlaub zu einem Aufenhalt im Ausland unter Entbindung von allen Dienstgeschäften ertheilt. Herr von Lindenau hat bis jetzt seine Entlassung als Landschafts-Präsident noch nicht erhalten. Auch ist es allgemeiner Wunsch, daß er sein wichtiges Amt fortführen möge.

Herzogthum Holstein. (Alt. u. Ham b. Bl. Rends⸗ burg, 31. März. Die provisorische Regierung hat folgende An sprache an die dänische Nation in dänischer und deutscher Sprache erlassen:

„Dänen! Das Volk in Kopenhagen hat Euren König, unseren Her— zog, gezwungen, die Einverleibung Schleswigs in das Königreich Däne— mark, seine Herabsetzung zu einer dänischen Provinz, zu erklären, und schon ziehen dänische Truppen in das Herzogthum Schleswig ein, um diesen Macht spruch durch Gewalt der Waffen auszuführen! Die provisorische Regierung der Herzogthümer Schleswig⸗Holstein hat den Entschluß gefaßt, die Rechte der Herzogthümer, wie die Nechte unseres Herzogs, gegen fremden Einfluß zu sichern und fühlt sich stark durch das Necht, welches sie vertheidigt, und durch den Beistand des ganzen deutschen Volks! Dänen! Die staatliche Selbststän—⸗ digkeit des Herzogthums Schleswig beruht auf festen Verträgen! Die ge— waltsame Umwandlung seiner Stellung in eine dänische Provinz ist Bruch des Vertrages! Die Herzogthümer haben Euch oft beigestanden als treue Bundesgenossen in Tagen der Gefahr! Ihr thut doppelt Unrecht, wenn Ihr jetzt unsere Rechte zu brechen und zu veinichten strebt! Wir wollen nur unfere Nationalität schützen, nicht fremde Nationalität angreifen! Mag der Norden Schleswigs sich demnächst frei erklären, ob er als Provinz dem dänischen Staate einverleibt oder dem deutschen Vaterlande folgen wolle wir werden seinem Willen keinen Zwang anthun! Wir bieten Euch ehrli ches Bündniß und personelle Gemeinschast des Landesherrn, so lange der Mannsstamm in Dänemark herrscht, wollen uns aber einer unbeikommen⸗ den Weiberherrschaft nicht fügen! Dänen! Bedenkt, was Ihr thut! Was das Recht verlangt, was Euch zum wahren Nutzen dient das hie⸗ ten wir Euch freiwillig! Mehr könnt Ihr nicht erhalten wohl aber Alles verlieren, wenn Ihr fortfahrt, auf dem Wege der Gewalt das Bestehen Fes dänischen Reiches selbst steht dann in Frage! Sieget Ihr im Waffen lampfe und dies wird nicht geschehen, so lange deutsche Herzen schlagen was Anderes habt Ihr dann, als ein verödetes, feindlich gesinntes Land, unerträgliche Schuldenlast und zerstörten Handel und Gewerbe! Siegen wir, wer wird uns dann hindern, Bedingungen zu stellen, die uns Siche rung geben gegen jeglichen Uebergriff für die Folge! Noch ist es Zeit! noch stehen die Heere einander gegenüber, noch hat der Kampf, die Zerstö rung nicht begonnen, noch bieten wir Euch Frieden ohne Kampf!

Rendsburg, den 31. März 1848.

Die provisorische Regierung.“ (Folgen die Unterschriften.)

Die provisorische Regierung hat verfügt, daß bis auf Weiteres die preußischen und anderen nach dem 144 Thalerfuß ausgeprägten Thalerstücke zu 40 Schillingen schleswigholsteinisch Courant bei allen landesherrlichen Kassen in den Herzogthümern Schleswig⸗Holstein an⸗ genommen werden sollen, dagegen sind die Zettel der dänischen Na fionalbank bei den landesherrlichen Kassen ferner nicht mehr anzu⸗— nehmen.

Ferner ist nachstehende Bekanntmachung in Betreff der Frei⸗ Ceérps erschienen:

„1) Die Freicorps werden von dem General- Kommando aus den angemeldeten Freiwilligen organisirt und konstituirt. 2) Sie bil den einen Theil des schleswig-holsteinischen Heeres und theilen die Rechte und Ehren desselben. 3) Sie stehen unter militairischem Ge⸗ setz. 4) Sie werden vom Staate bewaffnet und besoldet. 5) Sie sind den Befehlen der Militair- Behörden, unterworfen und schulden denselben, so wie ihren Vorgesetzten, militairischen Gehorsam. 6) Sie dienen bis zur Beendigung des Krieges gegen Dänemark. 7) Die Offiziere und Unteroffiziere werden vom Staate, Letztere auf Vorschlag ernannt. 8) Alle Freicorps, mit Ausnahme der kieler Studenten und der kieler Turner, stehen unter Oberleitung eines gemeinschaftlichen Chefs, des Advokaten Oberst⸗Lieutenants von Koch.“

Gestern Nachmittag ist die Vorhut unserer Armee, gebildet durch das Fste Jäger Corps, welchem bekanntlich die Studenten und kieler Turner zugetheilt sind, in Apenrade unter ungeheurem Jubel aller Einwohner eingerückt. Bevor das Corps, unter den Befehlen des Masor Michelsen, die Stadt erreichte, hatte es von einer dänischen Kriegsbrigg, die eine Stunde früher im Hafen angekommen war, ein heftiges Feuer auszuhalten. Die Brigg bestrich den Strandweg, welcher von Süden in die Stadt führt, mit unausgesetzten Kartät⸗ schenschüssen; indessen wußte Major Michelsen seine Leute solche Dek⸗ fung nehinen zu lassen, daß er ohne Aufenthalt und ohne den ge ringsten Verlust die Stadt erreichte. .

Altona, 30. März. Am Donnerstage traf hier eine aus 30 Braunschweigern bestehende geordnete Freischaar ein, geführt, von ih⸗ rem Hauptmann Stellfeldt; sie hatte aus eigenen Mitteln die Reise⸗ fosten auf der Hannoverschen Eisenbahn bestreiten müssen. Mehrere Bürger, welche die zur Vertheidigung unseres Landes herbeieilende Schaar gewahrten, nahmen sich ihrer mit brüderlicher Herzlichkeit an, während die Behörde für Quartier sorgte. Da bei dem schleunigen

Ausmarsch des Corps Mehrere nicht Zeit gefunden hatten, sich mit der Abhülfe dieses

den nothwendigsten Reisebedürfnissen zu versehen, ; Mangels durch Beihülfe aus der städtischen Kasse aber Hindernisse

830 oder doch Verzögerung entgegenzutreten schienen, so traten sogleich mehrere Ehrenmänner aufs bereitwilligste zusammen, um das Nothwendige auf eigene Kosten herbeizuschaffen; dieselben verzich teten auf jeden Ersatz, als der Anführer des Zuges sich zur Vergit tung der Auslagen erbot. Am Morgen darauf zog die Freischaar nach Rendsburg.

Eine Anzahl hiesiger junger Leute aus dem Kaufmannsstande hat sich zur Errichtung eines Scharfschützen⸗-Corps auf eigene Nosten erboten; von dem Bewaffnungs Comité“ ist am Donnerstag Abend bewilligt worden, daß dieses Corps sich organisire, sobald 66 Theil— nehmer sich gemeldet haben, daß aber nicht über 119 angenommen werden, daß ferner die vorläusige Equipirung, Bewaffnung und das Exercitium in diesem besonderen Waffendienst für eigene Rechnung beschafft werde, und daß sich das Corps später gänzlich den Anord. nungen des Comité's rücksichtlich der Uniformirung 2c. unterwerfe.

Kiel, 31. März. Der hier heute Morgen eingegangene Bericht eines bei der Vorhut besindlichen höheren schleswig⸗holsteinischen Of— siziers meldet, daß die in Hadersleben eingerückte dänische Macht stärker sei, als die schleswig-holsteinische. In der schleswig-holsteini schen Armee sind jetzt zehn schleswig-holsteinische Prinzen, wovon vier in auswärtigen Diensten stehen und nun zum jetzigen Kampfe her geeilt sind. Ein hierher gekommenes Gerücht, als ob die Dänen bei Howacht (Lütjenburg) gelandet seien, sindet keinen Glauben. Der polnische Oberst, Baron von Lesfi, welcher in der Nähe Hamburgs auf dem Lande lebte, hat sich dem kom;mandirenden General der schleswig⸗holsteinischen Armee zur Disposition gestellt und wird, siche rem Vernehmen nach, verwandt werden. Dieser ausgezeichnete Ka⸗ vallerie- Offizier hat sich im polnischen Freiheitskriege mit Ruhm be deckt. Er war theils Adjutant bei dem Ober-General Skrynezki, theils kommandirte er das zweite Krakusen⸗-Regiment.

Kiel, 2. April. Leute aus hiesiger Umgegend wollen gestern wiederum Kanonenschüsse vernommen haben. Zwischen unserer Küste und den dänischen Inseln soll jedoch kein dänisches Schiff in Sicht gewesen sein.

Neumünster, 31. März. Der Bauernstand sordert jetzt aufs dringendste die augenblickliche Rufhebung des Jagd ⸗-Regals, das der Privaten wie das des Staates. Schon wird vielfach von Selbsthülfe gesprochen. Man will das Wild eigenmächtig niederschießen. In Erwägung dieser Umstände trat hier heute eine Versammlung von Bevollmächtigten aus schleswig-holsteinischen Bauern-Distrikten zusam⸗ men und beschloß eine Eingabe an die provisorische Regierung. Eine Deputa⸗ tion von zwölf Bauern wurde erwählt, welche die Eingabe im Namen der Versammlung unterschrieben und mit dem Nachmittags⸗-Zuge sofort nach Rendsburg abgehen sollen, um sie der Regierung zu überreichen. Es wur— den darauf in der Versammlung die allgemeinen Landes- Angelegen— heiten zur Sprache gebracht. Alle waren darin einverstanden, daß die Rüstungen und der Krieg gegen Dänemark, so weit derselbe noth—⸗ wendig sei, mit aller Energie zu betreiben, daß aber auch gleichzeitig mit aller Kraft für die Begründung der inneren Freiheit zu streben sei; der jetzige Augenblick dürfe nicht ungenutzt verstreichen, sondern gerade jetzt und aufs schleunigste müßten die Bürger und Bauern mit Einheit und Entschiedenheit für ihre Interessen handelnd auftre— ten. Einmüthig erklärte man darauf, daß man für die nächste Zeit die Volks-Interessen gewahrt halte, wenn die jetzige provisorische Re⸗ gierung, durch den Advokaten Claussen aus Kiel verstärkt und zur schließlichen Ordnung unserer sämmtlichen inneren und äußeren Ver— hältnisse eine neue, nach einem freien Wahlgesetze gewählte Volks— vertretung berufen werde.

Fürstenthum Hohenzollern⸗Hechingen. Das Ver— ordnungs-Blatt enthält eine landesherrliche Verordnung in Be— treff der Wahlen von Gemeinde-Deputirten zur Vereinigung der durch die Ereignisse vom 11. März entstandenen Aenderungen im Staats⸗ Haushalle. Die Wahlen sollen in folgender Weise vollzogen und bis spätestens den J. April d. J. beendigt werden. Es haben die Stadt Hechingen 4, die Marktflecken Burladingen, Grosselsingen und Ran⸗ gendingen je 3, die übrigen Ortschaften je 2 und Hermannsdorf einen Deputirten zu wählen.

Freie Stadt Frankfurt. (Frankf. Bl.) Frankfurt, 2. April. In dem zweiten Theil der gestrigen zweiten vorberathen— den Versammlung zum deutschen Parlament lag zunächst die Frage zur Entscheidung vor, wann die konstituirende National-Versammlung zusammentrele, und wie dieselbe berusen werden solle. Der Antrag des Präsidenten, der auch im nachherigen Verlauf der Debatte mit Stinimeneinhelligkeit zum Beschlusse der Versammlung erhoben wurde, lautete dahin, daß die konstituirende National-Versammlung nächsten Montag über vier Wochen (also am 1. Mai) in Frankfurt zusam⸗ mentreten müsse. Lebhafte und lange Verhandlungen veranlaßten nun die Frage, wie es in der Zwischenzeit gehalten werden solle. Zwei Hauptansichten machten sich in der Versammlung geltend: die eine von Wesendonk in einen Antrag formulirte und von vielen Rednerm unterstützte, es solle aus der Versammlung ein permanenter Ausschuß von funfzig Männern, gewählt wer den, die zweite, namentlich von Hecker befürwortete, die ganze Versammlung möge sich bis zum Zusammentritt der konstitui renden National-Versammlung unbedingt für permanent erklären. Auch dieser Antrag fand vielsellige Unterstützung; beide Anträge aber suchte von Itzstein durch einen dritten zu vermitteln, die Versamm⸗ lung möge sich für moralisch permanent erklären und einen Ausschuß von 50 Männern wählen, an dessen Berathungen denn auch die eben hier bleibenden Mitglieder der Versammlung theilnehmen möchten. Aber auch dieser Antrag führte zu keiner Einigung; die Meinungen gingen namentlich in dem Punkt aus einander, welche Stellung der permanente Ausschuß neben oder der Bundes-Versammlung gegenüber einnehmen solle. Da stellte und motivirte von Gagern aus Darm stadt folgenden Antrag: 1) Einen Ausschuß von 0 Mitgliedern zu wäh— len. ) Den Ausschuß zu beauftragen, die Bundes-Versammlung zur Wah rung der Interessen der Nation und bei Verwaltung der Bundes- Angelegenheiten bis zur nahen Berufung der konstituirenden Ver⸗ sanmlung zu berathen- und selbstständige Anträge an dieselbe zu stellen. 3) Die Bundes- Versammlung einzuladen, bezüglich der Bundes Ange legenheiten bis zum Zusammentritt der konstituirenden Versammlung mit dem Ausschuß als Männern des Vertrauens des Volkes in Be nehmen zu treten. 4) Den Ausschuß zu beauftragen, im Falle der Gefahr die gegenwärtige Versamnilung wieder einzuberufen. Lauter Beifall begrlßte diesen Antrag, und von vielen Seiten ließ sich, der Ruf nach Abstimmung vernehmen. Nach einer kurzen Debatte über die Reihenfolge und Fragestellung, wie die Anträge zur Abstimmung gelangen sollten, wurde zuerst der Antrag auf unbedingte Permanenz der Versammlung bei der durch Namens- Aufruf erfolgten Abstimmung mit 68 Stimmen gegen 143 verworfen; eben so der früher vorgelegte Antrag, die Permanenz der berathenden Versammlung bis zum Ein— tritt der fonstituirenden zu bestimmen und die gegenwärtige Versamm⸗ lung mittlerweile mit berathenden Mitgliedern von Oesterreich und Preußen baltmöglichst beschicken zu lassei. Damit diese Permanenz möglich werde, könne der Präsident auf Begehren der Mitglieder bis zum Minimum von 0 derselben Urlaub ertheilen, und bleibe somit immer noch ein vertrauungsvoller Ausschuß von wenigstens 50 Mit⸗ gliedern beisammen. Auch der von Itzsteinsche Antrag wurde, nicht angenommen. Dagegen wuhrde der Tntrag von Gagern's bei Ab—

stimmung durch Aufstehen und Sitzenbleiben mit weitaus überwiegen⸗ der Mehrheit von der Versammlung zum Beschluß erhoben. ;

In der heutigen Sitzung der Versammlung wurde folgender An— trag gestellt:

„Die Unterzeichneten beantragen, die Versammlung solle erklären: be vor die Bundes-Versammlung die Angelegenheiten der Begründung einer konstituirenden Versammlung in die Hand nehmen kann, muß sich dieselbe ven den verfassungswidrigen Ausnahme-Beschlüssen lossagen und die Män— ner aus ihrem Schoße entsernen, die zur Hervorrufung und Ausführung derselben mitgewirkt haben.“ (Folgen die Namen.) Nachdem dieser Antrag von Zitz entwickelt war, beantragte Bassermann, indem er dem Antrage der Sache nach vollständig beitrat, nur in sofern eine Modification desselben, als er wünschte, daß nicht die Betreibung der Angelegenheit der lonstituirenden Versammlung von einem vorausgegangenen Personen— Wechsel im Bundestage abhängig gemacht und dadurch verzögert werde. Er schlug daher folgende Fassung vor: „Die Untetzeichneten beantragen, daß die Versammlung verlange: Indem die Bun— des-Versammlung die Angelegenheit der Begründung einer „konstituirenden Versammlung in die Hand nimmt, muß sich dieselbe 1c.“ Ein Theil der Urheber und Vertheidiger des ursprünglichen Antrags erklärte sich mit dieser Abänderung einverstanden, ein anderer Theil bestand jedoch auf der ur sprünglichen Fassung. Nach längerer Verhandlung ward der ursprüngliche Antrag mit großer Mehrheit verworfen, dagegen derselbe mit der Basser— mannschen Abänderung angenommen. Ein Theil der überstimmten Mino rität nahm an dieser zweiten Abstimmung nicht Theil, sondern verließ den Saal; ein anderer Theil erklärte jedoch, daß er sich der Majorität unter werfe und auch an den ferneren Arbeiten der Versammlung theilnehmen werde. Die ausgetretene Minorität hat in einer gedruckten Erklärung ge sagt: sie habe durch den Zitzschen Antrag ein Glaubensbekenntniß des Bun— destags vermitteln wollen, wodurch dessen fortwährender Wirtsamkeit und dem volksthümlichen Ansehen des Ausschusses einiges Vertrauen erzeugt werden sollte, und man sei fortgegangen, weil die Versammlung auch diesen Versuch durch ihre Abstimmung vereitelt hahe.

Der vieljährige Vertreter Holsteins und Lauenburgs beim Bun destage, Freiherr von Pechlin, ein Schleswiger, hat, auf die erste Kunde von der Vereinigung Schleswigs mit Dänemark, sofort um seine Entlassung gebeten.

Freie Stadt Hamburg. (D. C. Hamburg, 2. März. Mit dem zweiten Bahnzuge von Kiel ist heute Abend die Nachricht eingegangen, daß eine Abtheilung von 1809 Mann dänischer Trup pen gestern früh die Stadt Apenrade ohne Widerstand besetzt haben, nachdem die dort postirten Studenten und Jäger sich auf Bau, zwei Stunden von Flensburg, zurückgezogen hatten, wo das Gros des schleswig-holsteinischen Armee⸗Corps sich konzentriren sollte.

Aus guter Quelle vernimmt man, daß der Prinz Friedrich von Hessen in diesen Tagen inkognito durch Hamburg mit einer Spezial Mission nach England gegangen ist. Man setzt nämlich in Kopen— hagen seine letzte Hoffnung auf diese Macht als Vermittlerin, da man überzeugt ist, England wolle keine Schwächung Dänemarks, indem es dasselbe als Bollwerk und Vorposten gegen Rußland ansehe.

Freie Stadt Lübeck. (H. E.) Durch Beschluß vom 29sten d. hat der Senat die Farben des deutschen Reichs paniers schwarz, roth, gold angenommen und zugleich verfügt, sowohl das Bundes-Kontingent, als auch die Bürgergarde mit der deutschen Ko karde zu versehen. Die desfallsige Bekanntmachung schließt mit fol. genden Worten: „Indem der Senat durch Annahme dieses äußeren Zeichens der oft bewährten deutschen Gesinnung seiner, Mitbürger entgegenkommt, erfüllt ihn die feste Zuversicht, daß, mit ihm vereint, Lübecks Angehörige nicht zögern werden, dem Ruf des Vaterlandes zu folgen, wenn es Opfer und thätige Mitwirkung gilt, um das freie, einige Deutschland im Innern, wie auch nach außen, zu sichern und zu schirmen.“ KJ

Das vorgestern mit 120 Passagieren (xgrößtentheils Deutschen) von Kopenhagen in Travemünde eingetroffene dänische Post⸗ Dampf schiff „Skirner“ ist heute wieder zurückgegangen. Seine Herkunft galt zunächst der Anknüpfung einer regelmäßigen Postverbindung über Lübeck. Bei der großen Wichtigkeit derselben, namentlich für den ge sammten Handel nach dem Norden, wird dieser Postverbindung natür lich hierorts kein Hinderniß entgegentreten.

Der gegenwärtig der 2 ürgerschaft vorliegende Verfassungs- Ent wurf hat bereits von 11 Kollegien 9 für sich. Oesterreichische Monarchie.

Wien, 2. April. Die Wiener Ztg. enthält in ihrem Blatte vom heutigen Tage Nachstehendes: Die ernste Wendung, welche in Folge der beklagenswerthen Ereignisse, deren Schauplatz gegenwärtig das lombardisch-venetianische Königreich ist, die Verhältnssse zwischen Oesterreich und dem Königreich Sardinien plötzlich genommen haben, macht es nothwendig, über die Lage der Dinge die folgenden Auf klärungen zu geben:

In einer offiziellen Note, welche der sardinische Staats Secretair für die auswärtigen Angelegenheiten am 8. Februar l. J. an den Kaiserl. Gesandten in Turin richtete, um ihm bekannt zu geben, daß der König beschlossen habe, seinen Staaten eine Constitution zu er— theilen, befindet sich wörtlich folgende Stelle:

„Der König wünscht außerdem, daß Se. Majestät der Kaiser von Lesterreich hier die Versicherung empfange, daß die Heilighaltung der Verträge wie bisher, so auch in Zukunft, die Grundlage semer Politik bilden wird, und daß er die lebhafte Hoffnung hegt, daß die Mitwirkung seiner Unterthanen zu dem schweren Werke der inneren Verwaltung, weit entfernt, den guten Beziehungen zu den fremden Mächten zu schaden, vielmehr dazu beitragen werde, noch mehr die Freundschaftsbande zu befestigen, welche bisher zwischen den beiden Staaten bestanden haben, und welche der König von nun an noch enger geknüpft zu sehen sich schmeichelt.“

Die offiziellen Erklärungen, welche die Königl. sardinische Re gierung bei verschiedenen anderen Gelegenheiten abgab, trugen das Gepräge der nämlichen freundnachbarlichen Gesinnungen— Auffallend war es jedoch, daß der sardinischen Presse von der Königl. Censur gestattet wurde, nicht nur täglich die heftigsten Ausfälle gegen Oester reich zu veröffentlichen, sondern auch die im lombardisch-venetianischen Königreiche herrschende Aufregung der Gemüther Lurch die verwerf— lichsten Reizmittel zu erhöhen und die dortige Bevölferung, mehr, oder weniger offen, zur Empörung außufordern. Die diesfälligen wieder⸗ holten Reclamationen der Kaserl. Regierung hatten keine andere Folge, als den Ausdruck unfruchtbaren Bedauerns, neüle. Freundschaftsver sicherungen und Entschuldigungen, welche sich auf die Schwierigkeit der Lage und den Trang der Zeitumstände stützten. ;

Unterdessen mußten die fortgesetzten Nüstungen Sardiniens unsere Aufmerksamkeit um so mehr erregen, als die Rt. Negierung, bei Ge⸗ legenheit der nach dem lombardisch=venetianischen Königreiche entsen⸗ deten Truppen - Verstärkungen, den! turiner Hofe mit dem offensten Vertrauen genügende Aufklärungen über die rein defensi ve Natur die ser Maßregel gegeben, hatte, Ueber den Zweck ihrer Rüstungen amt lich befragt, erklärte die sardinische Regierung, daß dieselben nur durch die in ganz Italien und folglich auch im eigenen Lande herrschende Gährung veranlaßt seien, und daß dabei jeder Gedanke einer Offen—

ĩ ern liege. 4 83 den die Dinge, als, in Folge des am 18. März in Mai land ausgebrochenen Aufstandes, zu Turin die Bildung von Freiwilli⸗ gen-Corps beschlossen wurde, in welchen auch Fremde aufgenommen werden sollten.

Der Kaiserl. Gesandte zu Turin hielt es für seine Pflicht, auf der Stelle Aufklärungen darüber zu verlangen, inwiefern diese An⸗ werbung auch auf die Unterthanen Sr. Majestät des Kagisers ausge⸗ dehnt werden würde. Aus der ausweichenden und unbefriedigenden Antwort, welche der sardinische Staats-Secretair, Marchese Pareto, auf die Note des Grafen Buol ertheilte, heben wir nur den Schluß⸗ satz hervor. Er lautet, wie folgt:

Indem der Unterzeichnete es sich zur Pflicht macht, durch diese Aufklärungen die Note des Herrn Grafen Buol zu beantworten, be⸗ eilt er sich, die Versicherung seines Wunsches hinzuzufügen, Alles zu befördern, was die Verhältnisse der Freundschaft und guten Nachbar schaft zwischen den beiden Staaten zu sichern vermag.. ö

So lautete die Sprache des ofsiziellen Organs der sardinischen Regierung am 22. März.

Am folgenden Tage, am 23sten, erschien zu Turin ein Manifest des Königs nachstehenden Inhalts:

„Völker der Lombardei und Venedigs! l

„Die Geschicke Italiens gehen der Reife entgegen; ein glückli⸗ cheres Loos lächelt den unerschrockenen Vertheidigern von Rechten, die mit Füßen getreten waren. Die Liebe zum Vaterlande, das Ver⸗ ständniß der Zeit, die Gemeinsamkeit der Wünsche bewogen Uns, zu⸗ erst der allgemeinen Bewunderung, die Italien Euch zollt, Uns zuzu gesellen. Völker der Lombardei und Venedigs! Unsere Truppen, die schon an Eurer Gränze sich sammelten, als Ihr mit der Befreiung der glorreichen Stadt Mailand voraneiltet, kommen jetzt, um in den ferneren Kämpfen Euch den Beistand zu leisten, den der Bruder vom Bru⸗— der, der Freund vom Freunde erwattet. Wir werden Eure gerechten Wünsche fördern, im Vertrauen auf den Beistand des Gottes, der sichtlich mit uns ist, des Gottes, der Italien Pius 1X. geschenkt, des Gottes, der durch so wunderbare Anregungen Italien fähig machte, selbstständig zu handeln. Und um noch mehr durch äußere Zeichen das Gefühl der italienischen Einigung zu bethätigen, wollen Wir, daß Unsere Truppen bei ihrem Eintritte in das Gebiet der Lombardei und Venedigs über der dreifarbigen italienischen Fahne das savoyische Wap pen führen.“

Dieses Dokument bedarf keines Kom]mmentacs. Es geht daraus unr zu deutlich hervor, daß die sardinische Regierung der Sache der Empörung in einem befreundeten, mit ihr in tiefem Frieden lebenden Nachbarstaate ihre thätige Unterstützung zugewendet hatte, während ihre offizielle Sprache bis zum letzten Augenblicke, wo sie endlich die Maske fallen ließ, Freundschaft heuchelte und Vertrauen zu erwecken suchte. Welchen Namen eine solche Handlungsweise verdiene, dieses auszusprechen überlassen wir dem Urtheile der Zeitgenossen und dem Zeugnisse der unparteisschen Geschichte. Nach der Bekanntmachung des obenstehenden Aufrufs hat der Kaiserliche Gesandte auf der Stelle seine Pässe gefordert und erhalten.

Nach Einlangen der diesfälligen Berichte sind dem Königl. sar⸗ dinischen, bei deim Kaiserl. Hofe beglaubigten Gesandten gleichfalls seine Pässe zugefertigt worden.

Nach offiziellen Berichten aus Genua vom 23. März hat da⸗ selbst ein Volkshaufe am nämlichen Tage von dem Kaiserl. Konsulat das österreichische Wappen herabgerissen und durch die Straßen ge schleift, ohne daß die Behörden diefes sträfliche Beginnen gehindert hätten. Der Kaiserl. General-Konsulats-Verweser hat hierauf seine Pässe gefordert.

Se. Majestät der Kaiser hat Se. Kaiserl. Hoheit den Herrn Erzherzog Albrecht auf dessen wiederholtes Ansuchen von dem nie⸗ derösterreichischen General-Kommando entbunden.

Bei der gestern unter dem Vorsitze des Minister Präsidenten, Grafen von Kolowrat, stattgehabten Versammlung des Ministerrathes wurden die Maßregeln zur Sicherheit und Pacifizirung des lombar— disch- venetianischen Königreiches und die Bestimmungen wegen Er— gänzung des Ministerrathes selbst, so wie wegen Bestellung der Lan— des- Verwaltung Böhmens, beschlossen. .

Aus Klaufenburg wird vom 21. März gemeldet, daß die Stu direnden im Vereine mit der Bürgerschaft eine Petition um Einver leibung Siebenbürgens mit Ungarn an das Gubernium gebracht ha ben, welche von diesem günstig aufgenommen worden sein soll.

Preßburg, 29. März. (D. A. 3.) Der Erzherzog Palatin, welcher bereits gestern erwartet wurde, kam heute aus Wien und brachte eine Königliche Resolution mit, in welcher anstatt der gehoff⸗ ten Königlichen Sanction für den reichstäglichen Gesetz⸗ Entwurf über das unabhängige verantwortliche ungarische Ministerium eine Verwerfung der wesentlichsten Punkte desselben niedergelegt war. Kaum verlautete etwas von solcher Verwerfung, als die ganze Stadt in höchster Aufregung war. Die National-Garde rückte vor das Landhaus, die Läden wurden geschlossen, und das Militair ward in den Kasernen konsignirt. Nach Verlesung der Königlichen Resolution in der gemischten Sitzung der Magnaten= und der Ständetafel er— hob sich der Conseils-Präsident, Graf Batthyanyi und erklärte in seinem und seiner Kollegen Namen, daß die Nation diese Resolution nicht annehmen könne, und daß sie daher ihre Stellen niederlegen. Der Erzherzog beschwor die Minister, auf ihren Posten zu bleiben, und verpfändete sein Wort, daß er bei dem Kaiser Alles auswirken wolle, wenn ihm aber dies nicht gelänge, er selbst ebenfalls abdanken werde. Die Minister und die Verfammlung waren dadurch beschwich tigt. Der Erzherzog ist sogleich wieder nach Wien gereist.

Innsbruck, 29. März. Das Schicksal der österreichisch-ita lienischen Provinzen scheint entschieden zu sein; Feldmarschall Nadetzky ist auf dem Rückzug aus Mailand nach Verona, unter dessen Mauern sich das zweite Armee-Corps unter Feldmarschall-Lieutenant d' Aspre sammelt. Beide Armee-Corps zusammen zählen, nach dem Abfall der k Truppen und den erlittenen Verlusten, noch etwa 60,000 Mann.

. Mailand, 25. März. Das Kriegs⸗Comité hat ein Mani fest erlassen, welches auf die Nothwendigkeit hinweist, die Folgen des errungenen Sieges zu sichern und eine Armee der Alpen zu bilden, während ein anderer Theil der Patrioten die Städte besetze. Das Manifest schließt mit dem Rufe: „Es lebe das Heer der Alpen! Es lebe die Bürger⸗-Garde!“ Die Oesterieicher hatten siebzehn angesehene Mailänder als Geißel mitgenommen. Sie sollen sich, meint die Mailänder Ztg., in den Festungen sammeln wollen. In Modena waren einige Tausend Mann Bolognesen eingerückt. Die Allg. Ztg. theilt aus einem Privat-Briefe aus Mai⸗ land vom 24., Abends, von einem Lombarden Folgendes mit: „Ich schreibe Ihnen“, heißt es in jenem, „in aller Eile einige wenige Zeilen, um zu melden, daß letzten Mittwoch Abends die Stadt Mai land nach fünftägigem Kampfe endlich von den Feinden befreit wurde. Mit der Einnahme der Porta Comasina durch die Brianzolen und die Leute von Lecco und mit dem Brande der Porta Tosa, wo die meisten Kämpfer Bergamasken waren, war der Fall Oesterreichs in Italien entschieden. An der Porta Comasina, wo ich kommandirte und, mich glücklich schätze, an der Spitze meiner Leute das Thor erstümt zu haben, dauerte der Kampf bis Morgens um 2 Uhr und wurde mit großem Muth geführt. Sogar Weiber und Knaben nahmen daran Theil. Der Enthusiasmus unse⸗ . Leute und der Bevölkerung jenes Stadttheils war un— eschreiblich. Wir wurden mit einein solchen Jubel empfangen, daß

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überall die Luft davon ertönte. Gegen 11 Uhr begann der Zug der fliehenden Wagen an uns vorbei.“

Pavia, 22. März. Der QOberst Benedeck hat von dem Mar— schall Radetzfꝰ Befehl erhalten, die., Stadt zu verlassen und sich so⸗ fort nach Mantua zu begeben. Die Bürger haben gleich nach Ab⸗ zug der Truppen die Stadt besetzt.

Nach der Eidgen. 3tg. vom 31. März zogen am 25sten in Mailand 5000 Mann Piemontesen mit Kavallerie und Artillerie ein und wollten nach einer Rast von wenig Stunden wieder weg⸗ ziehen, um die österreichischen Truppen zu verfolgen. Radetztky war angeblich in Como und ein Theil seines Heeres, das in voller Auf⸗ lösung sein soll, in Lodi. Unter den Geißeln, die Radetzky in seiner Gewalt hat, soll sich auch ein Sohn des berühmten Dichters Man⸗ zoni befinden. Es heißt, die Zahl der in Mailand auf Seiten des Volks Gefallenen sei verhältnißmäßig gering.

Krakau, 1. April. Die Gazeta Krakowska berichtet: „Am vorigen Sonnabend begrüßte Krakau in seinen Mauern einige dreißig politische Gefangene, die aus Brünn kamen und in Folge der Amnestie ihre Freiheit wieder erlangt hatten. Ein großer Theil der krakauer Einwohnerschaft hatte sie im Bahnhofe erwartet und mit

Sonntag Abends hatte sich eine noch größere Menge auf dem Bahnhofe versammelt, um die übrigen Staatsgefangönen aus Brünn zu erwarten. Mit Ungeduld harrten die Verfammelten der Ankunft des Zuges, bis er endlich um 10 Uhr die Erwarteten brachte. Allgemeines Freudengeschrei wurde ihnen

C

großem Jubel bewillkommnet.

den, daß ein und derselbe Schuß die Kammern, den Thron, die ie

zum Willkommen, und bis spät in die Nacht machte die Menge auf

der Straße ihrer Freude Luft. Die Stadt war am Sonntag Abend zur Bewillkommnung der freigelassenen Gefangenen erleuchtet.“

XC Teplitz, 30. März. Die in dem Kaiserstaate Oesterreich proklamirte Constitution, deren Feier schon am 17. März in der Badestadt Teplitz festlich begangen worden, hat dieser Thermenstadt den Ausdruck eines vermehrten Glanzes gegeben, und die Bewohner, die Bürger dieser Stadt, haben ihren alten Ruf der Ehrenhaftigkeit und der Loyalität neuerlich in dem glänzendsten Lichte bewährt. Kaum war die Bewilligung zur Errichtung der National⸗Garde er⸗ schollen, als auch schon in der schönsten Harmonie die Bürger zu— sammentraten und sich in Compagnieen einreihten. Es gewährt einen neuen interessanten Anblick, so ruhig gesinnte ordnungsliebende Männer mit einem Eifer militairische Exercitien und Evolutionen in Reih und Glied einüben zu sehen, als ob ein Feind vor der Stadt stände. Und doch giebt es nicht leicht eine ruhigere, stillere und weniger bedrohte Stadt, als gerade die Badestadt Teplitz. Da, wo sich die Freiheit mit so vielem Takte, mit so schönem Geiste der öffentlichen Ordnung und Ruhe paart, kann nur Heil und Segen erwachsen, und die Thermen der Badestadt Teplitz werden nur einem erhöhten Rufe entgegen gehen. Alles räumt und putzt die Häuser zum Empfange der Kur gäste, von denen schon mehrere hier anwesend sind. Das bürgerliche Schießhaus wird in einem grandiosen Style neu umgebaut und soll Ende Mai schon vollendet sein. .

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Paris, 31. März. Das Central-Comitèé für die allgemeinen Wahlen hat vorgestern die 34 Kandidaten gewählt, welche den Bür gern des Seine-Departements für die National-Versammlung vorge⸗ schlagen werden sollen. Man bemerkt darunter neben den sämmtli⸗ chen 11 Mitgliedern der provisorischen Regierung fünf Arbeiter, wo⸗ von zwei Arbeiter -Journale redigiren: ferner Beranger, Lamennais, Thomas, Direktor des National, Audry de Puyraveau, d'Alton Shee und General Courtais.

General Cavaignac hat das Kriegs- Ministerium abgelehnt und die Regierung sofort dasselbe dem General Changarnier angeboten, der davon hoffentlich noch vor seiner Einschiffung nach Algien Kennt niß erhalten wird. Cavaignac bleibt General-Gouverneur.

Die Union sagt: „Drei Lager, welche sich gegenseitig stützen und in ihrer Gesammtheit einen verfügbaren Effektivstand von unge fähr 100,000 Mann bilden, werden ganz bestimmt zu Dijon, Lyon und Grenoble errichtet werden. Im Falle eines Krieges und eines Marsches nach dem Königreich Sardinien wird das Hauptquartier der französischen Armee zu Lyon aufgeschlagen werden, damit von diesem Punkte aus die erste Richtung der militairischen Unternehmun gen geleitet werden kann. Vas Vertheidigungs-Conseil beschäftigt sich gegenwärtig damit, in umfassendem Maßstabe eine rasche und leichte militairische Organisationsweise für die Corps der Freiwilligen und der mobilen Nativnal-Garde festzustellen, deren Berufung zu den Waffen die politischen Ereignisse Europa's von einem Tage zum an deren auf den verschiedenen Punkten des französischen Gebiets nöthig machen können.“

Die provisorische Regierung hat so eben wieder zwei Procla— mationen, die eine an die Würger von Paris, die andere an die Armee, erlassen. Die Ersteren werden aufgefordert, die Regierung in ihren Bemühungen zum Aufrechthalten der Ruhe und Ordnung kräftig zu unterstützen; die Truppen werden zu Mannszucht und Ordnung vermahnt.

Die Zahl der Staatsräthe ist, auf den Vorschlag Cormenin's, des Staatsraths-Präsidenten, von 30 auf 25 herabgesetzt worden; hierdurch und mittelst einer anderen Einschränkung in demselben De partement gedenkt man jährlich 80,000 Fr. zu ersparen.

In den letzten Tagen haben eine große Anzahl von Gewerken Geldschenkungen an die provisorische Regierung gemacht, um die außerordentlichen Ausgaben der Republik zu decken.

Die Abgabe, welche von den Einnahmen der pariser Theater zu Gunsten der Hospitäler erhoben wird, ist, mit Rücksicht auf die be drängte Lage der Theater-Directionen, für die Zeit vom 1. März bis zum 1. Oktober auf 1 pCt. herabgesetzt worden.

Die Lokal-Behörden von Loon haben im Einverständniß mit dem Regierungs-Kommissar beschlossen, daß die nicht aus der Stadt ge⸗ bürtigen Arbeiter gegen die Angriffe, welche sie zu bestehen haben, geschützt werden sollen.

Herr Olivier Dufresne, General-Inspektor der Gefängnisse des Seine-Departements, ist auf Befehl des Ministers des Innern ent lassen worden.

Der National äußert über die beiden Dekrete, welche die Be⸗ fugnisse der Departements - Kommissare gebührend begränzen: „Die Schranke ist gesetzt, und sie wird nicht mehr überschritten werden. Die Kommissare wissen fortan, wie weit sie gehen dürfen, und wo sie Halt machen müssen, wie viel die Central Gewalt ihrer Initiative anvertraut, und was sie sich selbst vorbehält. Das Publikum wird es ebenfalls wissen, und Niemand, dies hoffen wir wenigstens, wird sich ferner den unbegründeten Besorgnissen hingeben, welche das Uebel wollen erweckt und verbreitet, um sie auszubeuten.“

Das Journal des Debats spricht folgende Worte der Be— ruhigung: „Weshalb sich ohne Maß erschrecken und sich entmuthi⸗ gen? Man würdigt das unerhörte Schauspiel nicht genügend, welches Frauk— reich in diesem Augenblicke darbietet. Hätte man uns vor sechs Wo⸗ chen gesagt, daß alle Stützen, auf welchen gewöhnlich die geregelten Staatsgesellschaften beruhen, zu gleicher Zeit zusammenstürzen wür—

Charte ve rschwinden machen, daß bewaffnete Macht sich zerstreuen und daß es für die ganze Regierung nur noch eine Gewalt geben werde, der man einzig deshalb gehorcht, weil man ihr gern gehor⸗ chen will hätten wir wohl geglaubt, daß ein solcher Fi der Dinge 24 Stunden fortbestehen könne, ohne daß Frankreich in die entsetzlichste der Anarchieen verfalle? Er dauert aber bereits fünf Wochen, dieser Zustand der Dinge. Er dauert, und keine Gewaltthat, keine allgemeine Unordnung hat ihm ein trauriges Merkzeichen aufgeprägt. Die Personen und das Eigenthum sind mit sehr wenigen Ausnahmen geachtet worden, und es wäre gewaltig ungerecht, wenn man bich Ausnahmen den Massen schuldgeben wollte. Sogar diejenigen Leute, welche in Besorgniß sind, müssen dem milden Verhalten der Bevölkerung Anerkennung, zollen. Zu keiner Zeit, in keinem Lande, wir sagen es unbedenklich, hat man etwas Aehnliches gesehen; zu keiner Zeit, in keinem Lande hätte eine Gesellschaft von 35 Millionen Menschen mit so wenig Nachtheil sich selbst überlassen werden können. Frankreich geht ganz allein; es hält sich aufrecht durch den Fortschritt seiner Sitten und seiner Auf⸗ klärung; es schöpft aus sich selbst die Ordnung, welche jetzt besteht. Ist diese verhältnißmäßige Ruhe der Gegenwart nicht ein Pfand für die Zukunft? Wozu sich in Furcht versenken vor dem, was nicht ist.

wenn das, was ist, keine Aehnlichkeit mit den Erzessen der Vergan⸗ genheit darbieten? Man wird plündern, ermorden! Man plündert

man ermordet aber nicht. Ihr geht, Ihr kehrt heim; Niemand be⸗ unruhigt, Niemand bedroht Euch. Aber es giebt keine Regierung! Ach! Die Erfahrung hat uns nur zu sehr gelehrt, daß man auf die Regierungen, welche die stärksten scheinen, nicht zählen darf! Setzen wir mehr Vertrauen auf uns selbst, auf Frankreich, auf die allgemeine

Vernunft, auf die Beweise von Menschlichkeit, Gerechtigkeit und ge—⸗

tes in die Industrie sei abgeschmackt.

sundem Verstande, welche die ganze Bevölkerung uns seit sechs Wo⸗ chen vor Augen stellt!“

. Die Zahl der vom 15. bis 25. März verfallenen Wechsel, welche die Bank von Frankreich am Montage protestiren ließ, übersteigt 1000.

Köln, 3. April. (Tel. Dep.) Am FTten wollen Anführer der deutschen Demokratie in Straßburg sein, diese selbst rücken am Iten und Ften von Paris aus. Jedes französische Infanterie⸗Regi⸗ ment wird um 3 Compagnieen und jedes Kavallerie⸗Regiment um 1 Eskadron verstärkt. Das Hauptquartier der drei Lager zu Lyon, Dijon und Grenoble wird in Lyon sein. Freiwillige werden auf 2 Jahre angenommen.

Sroßbritanien und Irland.

London, 30. März. Ihre Majestät die Königin ist nach ihrem Wochenbette so weit wieder hergestellt, daß sie vorgestern den Prinzen von Preußen empfangen konnte, als derselbe bei dem Prin⸗ zen Albrecht im Buckingham-Palast dinirte. Bei dem gestrigen diplo⸗ natischen Lever, welches der Prinz von Preußen im preußischen Ge⸗ sandtschafts Hotel hielt, waren fast alle fremden Gesandten erschienen; nur die französische Republik war nicht vertreten.

Die gestrige Mittags-Sitzung des U nterhauses bot kein er⸗ hebliches Interesse. Herr Hawes mußte auf den Antrag des Herrn Goulburn aus dem Hause austreten, weil ein Formfehler bei sei⸗ ner Vereidigung vorgefallen war, und ein Ausschuß wurde ernannt, um zu unkersuͤchen, ob er mit Recht im Hause seinen Sitz habe.

Ueber einen Antrag des Herrn Halford auf Verbesse⸗ rung der Lage einer bestimmten Klasse Lon Webern entspann sich eine längere Debatte, wobei Herr Hume sich gegen die Lehre aussprach, daß der Staat für die Beschäftigung aller Ar⸗ beiter, der fleißigen wie der trägen, einzustehen habe. Wenn die Sache in Frankreich so fortgehe, wie jetzt, so werde nach einigen Jah⸗ ren dort alle Industrie ruinirt sein, und jede Einmischung des Staa⸗ ö Der Antrag wurde verworfen. Zum Schluß ward eine Bill zum erstenmale verlesen, welche die Ab⸗ setzbarkeit der Schulmeister in Schottland ausspricht, wenn sie sich

Grausamkeiten zu Schulden kommen lassen oder unfähig sind.

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schmerzlich

Weshalb nur die schlimmen Möglichkeiten ins Auge fassen? /

wodurch die Katastrophe eines solchen Kampfes,

So sicher sich die besitzenden Klassen in England auch fühlen, so können sie doch die Wirkungen der französischen Umwälzung bei sich nicht ganz abweisen. Die Sprache der unteren Klassen wird immer drohender, und die Chartisten haben in Nottingham eine ungeheure Versammlung gehalten, um einen Abgeordneten zu wählen für ihre Anfangs April nach London ausgeschriebene „Con⸗ vention.“ Das für die Versammlung eingeräumte Rathhaus war viel zu klein, um Alle zu fassen. Die Versammlung begab sich auf den Markt; die Sprecher standen auf den Stufen, und Lichter wurden um sie herum gehalten. Die heftigsten Reden wurden geführt. „Ich fordere Euch nicht zum Kampfe auf“, sagte ein Redner, „denn dies würde in den Augen des Gesetzes Aufruhr sein, aber wir verstehen uns!“ Julian Harney ward zum Abgeordneten erklärt und ihm aufgetragen, der Convention zu erklären, dies werde das letztemal sein, daß die Chartisten Schwarz auf Weiß petitioniren wollten. Auch in Irland sieht es sehr drohend aus. Von hier ist das 39ste Regiment eiligst nach Manchester marschirt, wo die Gährung ebenfalls groß ist.

Die Times erklärt sich in einem Artikel über die Lage Irlands folgendermaßen:

„Wir können es schwer mit dem Gefühle unserer Pflicht ver⸗ einigen, die Gefahr, welche uns von Irland her droht, zu gering anzuschlagen. Irland ist in einem Zustande der Aufregung, welcher hinreicht, zwar nicht eine Furcht, wohl aber eine heilsame und vorsichtige Besorgniß zu rechtfertigen. Es steht zwar nicht an dem Abgrunde eines Bürgerkrieges; aber wenn nicht kräftige und verständige Maßregeln ergriffen und ausgeführt werden, können Dublin und zwei oder drei der wichtigsten Städte da⸗ selbst in sehr unglückliche, vielleicht in sehr blutige Unruhen ge⸗ stürzt werden. Ueber den Erfolg eines Kampfes zwischen den Auftührern und den Behörden kann kein verständiger, Mensch in England, und wir sollten glauben, auch kein verständiger Mensch in Irland nur den geringsten Zweifel hegen. Der Ausgang eines solchen Kampfes, wenn derselbe zu einem gräßlicheren Aeußersten ge⸗ trieben wird, als wir jetzt denken mögen, ist gewiß und klar genug. Aber es ist die Pflicht der Regierung, für alle Maßregeln zu sorgen,

. der für die Sieger und für die Besiegten ho ff nungs los verderblich sein muß, Wunsch jedes guten und redlichen Un⸗

verhütet werde, und es ist der ö Maßregeln zu unterstützen und ihnen

terthanen des Königreichs, solche

Kraft zu verleihen.“ . r t ft Franklin, die Gattin Sir John Franklin's, hat eine Be⸗

lohnung von 2000 Pfd. St. ausgeboten, um einen Wallfischfänger zu bewegen, in der Davis-Straße oder Baffins⸗Bai nach dem ver⸗ mißten Entdecker zu suchen. ö z 61

Die englischen Blätter äußern sich heute, über die Ereignisse und Bewegungen auf dem Kontinent, aber es geht aus ihren Bemerkun⸗ gen nicht klar hervor, welche Stellung England zu denselben ein⸗ hehmen wird. Nach den Aeußerungen des Globe und der Mor—= ning Chroniele scheint die Ansicht, zu überwiegen, daß es gut wäre, wenn England neutral bleiben lönnte. Der Globe zweifelt an der Möglichkeit, daß Deutschland im Innern sich ordnen werde; es erscheint ihm Alles zu radikal. „Die inneren Erzesse politischer