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II. Zur Anstellung als Lehrerinnen an Elementar und Bürgerschulen:
h Mathilde Gerhardt aus Julich,
2 Selma Preis aus Jarmen,
3 Marie Bauer aus ilhelmsthal
Hh Olga de Convenent aus Pyritz,
55 Gertrud Farne aus Mickrow,
6 Bertha Heine aus Demmin,
7 Ida Knauf aus Liegnitz ;
8 Ferdinande Kniffler aus Trier,
99 Minna Müller aus örnsheim,
106 Elise Palzow aus Colberg, .
11 Hedwig Riem asch aus Fürstenwalde in O. Pr., 123 Helene Schultz aus Flatow, . 13 Agnes von Bodungen aus Mühlhausen in Thüringen, 14 Minna Grun aus Arnswalde, 15 Frieda Krohn aus Stralsund, 16 Anna Pioletti aus Jülich und 17 Emma Wartze aus Roßla.
Ueber die Qualification dieser Kandidatinnen für bestimmte Stellen im öffentlichen und Privat -Schuldienst ist der Seminar Direktor Kritzinger in Droyßig bereit, nähere Auskunft zu geben.
Berlin, den 6. August 1864.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts ⸗ und Medizinal⸗· Angelegenheiten.
In Vertretung: Lehnert.
Finanz ⸗Ministerium.
Bei der heute angefangenen Ziehung der 2. Klasse 130. König⸗ licher Klassen ⸗‚ Lotterie fiel der Hauptgewinn von 10000 Thlr. auf Nr. 12,183. 1 Gewinn von A000 Thlr, auf Nr. S7 568. 2 Ge⸗
winne zu 2000 Thlr. fielen auf Nr. 7586 und 39,963. 3 Gewinne zu 200 Thlr. auf Nr. 4380. 46294 und 77,926, und 1 Gewinn von 100 Thlr. fiel auf Nr. 26,524.
Berlin, den 9. August 1864.
Königliche General. Lotterie Direction.
Nichtamtliches.
Preußen. Torgau, 5. August. Der am 3. d. M. hier abgehaltene Kreistag hat nicht den gewünschten Ausgang gehabt. Die Stände haben jeden Beitrag zum Baue der Frankfurt-Leipziger Chaussee, so weit sie den hiesigen Kreis berührt, dem Vernehmen nach, wenn auch mit geringer Stimmenmehrheit, abgelehnt.
(Magd. C.)
Aus Swinemünde, 7. August, wird der »Ostsee⸗Ztg.“ be— richtet: Das dänische Geschwader (7 Schiffe) lag gestern in der Höhe von Arcona vor Anker. Vermuthlich, bemerkt das erwähnte Blatt, ist das Geschwader dazu bestimmt, in Swinemünde die nach dem J auszuliefernden Gefangenen an Bord zu nehmen.
Frankreich. Paris, 8. August. Der Kaiser, welcher Vichy gestern früh um 8 Uhr verließ, traf um 11 Uhr in Mont⸗ lugon ein, wo er die Hauptfabriken in Augenschein nahm, und langte um 9g Uhr Abends wieder in Saint Eloud an.
Spanien. »El Spiritu publico« sagt, die Reise des Königs von Spanien werde für nächsten Herbst einen Besuch Napoleons III. am Hofe der Königin zur Folge haben. — Wie der Pueblo ver⸗ sichert, glaubt man in wohlunterrichteten politischen Kreisen, daß die Auflösung der Cortes kaum noch über einen Monat hinaus aufgeschoben werden könne.
Italien. Turin, 3. August. Einer Korrespondenz der „»Tricst. Ztg.“ entnehmen wir Folgendes: Es ist in letzterer Zeit mehrfach aufgefallen, daß der Minister⸗Präsident Minghetti mit den Häuptern der sogenannten Altliberalen und der Friedenspartei und namentlich mit den Herren Massimo d'Azeglio, Revel und Lanza konferirte, welche alle drei auch vom Könige empfangen wurden. Nun stellt es sich heraus, daß das Ministerium sich der Partei dieser Herren versichert hat, um eine neue friedlichere Politik zu inauguriren. Von der beinahe fest beschlossenen Auflösung der Kammer ist nun weiter keine Rede mehr, nachdem das Ministerium sich so eine Ma—
jrität gesichert hat, und man spricht im Gegentheile stark vom Ein⸗ sritte Lanza's in das Ministerium Minghetti. Mit der Inaugu. rirung dieser Friedenspolitik steht auch die Sendung des Generals Menabrea, welcher selbst zur Partei der Altliberalen gebört, nach Paris und die Berufung der drei ersten Generale Italiens, Lamar. mora, Fanti und Eialdini, zu einem vom Könige präsidirten Kriegs. rathe zusammen. Als ganz positiv können wir mittheilen, daß in diesem Kriegsrathe die Verminderung des Armeestandes um 40,000 Mann beschlossen wurde, und daß bereits an die Militair-Kommanden der alten Provinzen, dann der Lombardei, der Emilia und der Ro— magna die Weisung abging, alles zur Vornahme bedeutender Be. urlaubungen von Mannschaft ihrer Truppen einzurichten. Lamar. mora und Cialdini haben dem Könige, welcher nicht sehr für die Reduzirung eingenommen war, dazu und zur Inaugurirung einer friedlichen Politik gerathen, um die sich täglich dringender heraus. stellende Organisirung und Purifizirung der Armee vornehmen zu können. Bei dem nächsten Zusammentritte der Kammer wird der Fi⸗ nanzminister und Ministerpräsident Minghetti die Kammer mit der Mit⸗ theilung überraschen, daß die beabsichtigten Reduzirungen das Budget um 36 Millionen Lire entlasten.
Nach den neuesten Erhebungen können in den alten Provinzen und in der Lombardei 161 Männer und 574 Weiber von tausend, in den Marken, Umbrien und Toscana 641 Männer und 750 Weiber von tausend, in Neapel und Sicilien S832 Männer und, 938 Weiber von tausend weder schreiben noch lesen. Von den 15,011 Gemein—⸗ den des Reiches besitzen 7290 keine Schulen. Unter allen Provin⸗ zen zählt die Lombardei die meisten mit Schulen versehenen Gemein den und es ist dort der Volksunterricht am verbreitetsten.
Rußland und Polen. Warschau, 5. August. Der »Dziennik« veröffentlicht das Urtheil des Kriegsgerichts gegen meh— rere Verhaftete, welche der Theilnahme an der National⸗ Regierung beschuldigt waren. Wir entnehmen dem Urtheil nachstehende Dar—
stellung:
Zu Anfang des laufenden Jahres wurden in Folge der von militairi⸗ schen Untersuchungs-⸗Kommissionen gemachten Entdeckungen und der vermehr ken Thätigkeit der Warschauer Polizei eine Reihe von Arretirungen verschie . dener Personen ausgeführt, welche zur insurrectionellen Organisation gehörten, und zugleich: vurde die ausgebreitete Korrespondenz der Revolutionaire mit Be⸗ schlag belegt. Nachdem die gefundenen Papiere durchgesehen und die arretirten Personen vernommen worden waren, wurde zur Arretirung weiterer Mitglieder der Organisation geschritten, welche, die Geständnisse der vorher Inhaftirten vemvollständigend, es möglich machten, Schritt für Schritt den hauptsächlich ˖ sten Persönlichkeiten der Organisation auf die Spur zu kommen, welche den ganzen Aufstand leiteten. Die Untersuchung verbreitete Licht über die wich⸗ tigsten Einzelheiten der Organisation und über das Verfahren der an der Spitze des Aufruhrs stehenden geheimen Gesellschaft, der sogenannten Na⸗ tional-Regierung. Diese Behörde, welche die ganze Bewegung leitete, handelte vermittelst einer besonderen Organisation, welche sich theilte in eine Central-Organisation in Warschau und in eine Lokal-Organi— sation in den acht Wojewodschaften, in welche die Aufrührer das Königreich Polen getheilt hatten. Eigentlich war die Nationalregie⸗˖ rung bis zum 10. Sftober 1863 eine Rathsversammlung, die aus mehreren Personen bestand. Das Personal und die Einrichtung derselben wurden im tiefsten Geheimnisse gehalten. Vom 19. Oktober 1863 an wurde die Ein⸗ richtung der Regierung einer vollständigen Umänderung unterworfen und es kam ein Chef der Natioͤnalregierung auf als unmittelbarer und unabhängiger Führer der revolutionairen Organisation. Dieser Regierungs Chef war der dimissionirte Oberst Lieutenant Romuald Traugutt, Gutsbesitzer im Kreise Kobryn, Gouvernements Grodno, welcher vorher in Litthauen eine Insurgentenbande geführt hatte, nach deren Versprengung er nach Krakau entflohen und von? dort unter dem Namen Michael Czarnicki, Bevoll— mächtigter eines Lemberger Handelshauses, nach Warschau gekommen war.
Die Centralorganisation in Warschau, das nächste Organ der revolutionairen Regierung, war aus sogenannten Abtheilungen (wydzial)) unter Leitung von Direktoren zusammengesetzt. Solcher Abtheilungen gab es sechs . nämlich: 1) für die inneren Angelegenheiten, 2) für das Finanz- wesen, 3) für das Kriegswesen. 4) für die auswärtigen Angelegenheiten, 5) für die Presse, 6) für Polizeiwesen. Außerdem gehörte noch zum Gesammtbestande der Centralorganisation die Stadthauptmannschaft Warschau. Jede Abtheilung hatte außer ihrem Direktor eine bestimmte Anzahl untergeordneter Beamten und einen Secretair. — Nach dem bei der Einrichtung der ganzen Organisation angenommenen Grundsatze sollte das Personal derselbeu Geheimniß sein, sogar für die Abtheilungs⸗ Direk⸗ toren, welche größtentheils einander seibst nicht bekannt waren. Die Lokal⸗ organisation in den Wojewodschaften, deren Bestand aus den öffentlich ver⸗ breiteten Dekreten bekannt und nicht wie die Centralorganisation geheim gehalten war, bestand: a) aus bevollmächtigten Kommissarien, b) aus den Civilchefs der einzelnen Wojewodschaften, R aus den Vorständen der Kreise, Städte, Pfarreien u. s. w. Um diese Organisation an Ort und Stelle aufzudecken, hatte man schon im Jahre 1863 zahlreiche Indicien und wur— den schon damals Mittel ergriffen, dieselben vollständig aufzuheben. Die drei Zweige der revolutionairen Organisation (Nationalregierung, Central- und Lokalorganisation) wirkten Jede in ihrer Sphäre und standen mit ein- ander in folgender Weise in Verbindung: Die Natioaalregierung setzte sich ins Einvernehmen mit der Central - Organisation durch Ver⸗ mittelung des Staats Secretairs und der Abtheilungs— Secretaire. Vermittler zwischen der Central. und der Lokal Organisation war ein besonderes Bureau unter dem Namen der Expeditur, welches eben= falls seinen Vorstand, seinen Secretair und seine Beamte hatte. Zur Ueber-
mittelung von Nachrichten nach Orten außerhalb des Königreichs Polen
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waren besondere Secretaire für die Angelegenheiten Rutheniens und Lit . thauens bestellt, welche mit dem Kaiserreich (Rußland) in Verbindung stan · den und ein Eommunications Commissar für die Korrespondenz mit dem Auslande. Alle Erlasse der Regierung gingen durch die Hände des Staats. SZecretairs, welcher dieselben den Secresairen der betreffenden Abtheilungen entweder persoönlich oder durch seine Bevollmächtigten übermittelte. Um diese Mittheilungen zu erleichtern, kamen sämmtliche Secretgire tãglich im Gebäude der Hoch schule in einem vom Professor Dybows ki zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellten Hörsaale zusammen. Auf hiesen Versammlungen, die das Secretariat genannt wurden, aben die Secretaire die mitgebrachten Papiere dem Betreffenden al, die an die Regierungen gerichteten dem Staats · Secretair oder seinen Gehülfen, die für die anderen Abtheilungen bestimmten den Seeretairen der betreffenden Sectionen. Die Bescheide auf die in dieser Weise eingereichten Schriften wurden vom Staatssecretair oder seinen Gehülfen auf den nächsten Sitzun. gen in Empfang genommen und in den einzelnen Abtheilungen unter den Augen der Direktoren in Ausführung gebracht. Alle Verordnungen der Regierung, eben so die revolutionairen Plakate, Broschüren, Zeitungen, welche zur Versendung auf die Provinz bestimmt waren, wurden im Secre. fariat durch den expedirenden Sceretair in Empfang genommen und an die Betreffenden befördert, entweder vermittelst der Staats · Postanstalt und Eisen bahn oder durch die Posten der Insurrection, welche im ganzen Königreich eingerichtet waren; in besonders wichtigen Fällen aber durch besondere Couriere, als welche meistens Frauen functionirten. Da manche Post⸗ und Eisenbahnbeamte dabei Unterstützung leisteten, so gelangten die Korrespon · denzen der Revolutiongire meistens pünktlich an ihren Bestimmungsort, manchmal sogar vor den Erlassen der legitimen Regie rung.“
Dieser Zustand dauerte bis zum 10. Oktober 1863, d. h. bis zur Uebernahme der Leitung der revolutionairen Bewegung seitens des obengenannten Romuald Traugutt. Von diesem Zeitpunkt an begannen einige der Abtheilungs ⸗ Direktoren sich mit dem Chef persönlich in Verbindung zu setzen, indem sie ihn in seiner Wohnung besuchten, die derselbe bei der Edeldame Helene Kir kor auf der Smolna⸗Straße genommen hatte, In einzelnen Fällen suchte auch Traugutt behufs persönlicher Verständigung die Direktoren auf, Nach⸗ dem im Februar l. J. viele Mitglieder der höheren Organisation verhaftet waren, hörten die Zusammenkünfte der Direktoren auf. Seitdem wurde die Verbindung zwischen den Abtheilungen und die übrigen Communicationen durch Frauen unterhalten, welche zu die ˖ sem Behuf in zwei Lokalen zusammenkamen; in der von Muklano⸗ wicz gepachteten Apotheke auf der Marschallstraße und im Laden des Pfefferküchlers Wroblewwski auf der Kapitulunstraße, dessen Tochter mit den Revolutionairen in Beziehungen stand. .
Als Hauptpersonen in dieser ganzen Organisation werden 23 Na—⸗ men von Männern aufgezählt, von denen? flüchtig sind, darunter der Chef der Abtheilung des Krieges, der russische Offizier Golko⸗ witsch. Außerdem sind vier Damen genannt. Alle diese Personen sind vom Kriegsgerichte zum Tode verurtheilt, welches Urtheil aber nur bei 5. bestätigt wurde. Die Uebrigen sind Inicki, Beamter in der Bank, 50 Jahre alt, zu 15 Jahren schwerer Arbeit in den Berg— werken, Professor Dybowski, der die Aula zu Zusammenkünften überlassen hatte, zu 12 Jahren ebenfalls schwerer Bergwerksarbeit, die anderen männlichen Angeklagten zu zehnjähriger Festungs strafe nach Sibirien verurtheilt. Ferner sind 3 Damen sowie der Apo⸗ theker, bei dem die Zusammenkünfte stattfanden zu mehrjähriger schwerer Arbeit in den Straffabriken, und eine Dame zur Depor⸗ tation nach Sibirien verurtheilt worden. Allen di esen Bestraften ist außerdem ihr bewegliches und unbewegliches Vermögen konfiszirt
und sie selbst aller Civilrechte verlustig erklärt worden.
Schweden und Norwegen. Stockholm, 4. August. Der König ist gestern wieder von Bekaskog in Schonen abgereist, traf heute Nacht um 13 Uhr in Jönköping ein, und wird heute Nachmittag um 57 Uhr mit dem gewöhnlichen Schnellzuge hier
eintreffen.
Dänemark. Kopenhagen, 5— August. In der gestrigen Sitzung des Reichsraths - Volksthings kam die früher angedeutete Interpellation des Capitain⸗Lieutenants Roep storff an den Ma⸗ Tine⸗-Minister, betreffend die früheren und jetzigen Zustände der Or⸗ logsmarine, zur Sprache. Außer dem Interpellanten und dem Marineminister, Orlogs⸗ Capitain Lütken, sprachen Pastor Viborg, Konsul A. Hage, Redacteur Bille und Aktuar Steenstrup, die letztern vier Redner namentlich den Umstand tadelnd, daß der Orlogs - Capitain Suenson am 9g. Mai d. R. in dem Gewässer von Helgoland nicht die besiegten () österreichischen Kriegsschiffe verfolgt und erobert. Der Interpellant legte dagegen das größte Gewicht auf den Verlust der schleswigschen Westsee · Inseln und meinte, daß es abseiten der Königlichen Regierung unverantwortlich gewesen, wenn diese den kriegsgefangenen Capitain ⸗ Lieutenant Hammer nicht bloß ohne genügende Verstärkung, sondern sogar ohne zweckmäßiges Lazarethwesen gelassen, worauf der Marine Minister im Wesentlichen entgegnete: Die dänische Flotte sei im Ganzen genommen unzu. reichend gewesen. Zunächst habe nach dem Rückzug der Armee das ganze Küstenterrain von Neustadt in Holstein bis nach Haders⸗ leben hinauf bewacht werden müssen, damit nicht etwa im Rücken
der dänischen Armee ein Angriff habe ausgeführt werden können.
m Ferneren fei rücksichtlich der Insel Rügen dieselbe Pflicht vor, a, , da die Preußen dort über eine Stärke von 20
Dampf ⸗Kanonenböten, 2 Dampf -⸗Fregatten und 1 Korvette verfügten. Hätte man nun nicht vor Rügen die vorhandenen vier Ausmün-⸗ dungen auf das Sorgsamste und Strengste überwacht, so wäre mit nur zu großer Sicherheit eine feindliche Landung auf den dänischen Ostsee⸗Insein zu befürchten gewesen. Und endllch habe Dänemark sehr wohl die Elbe blokiren können, als noch keine preußisch öster⸗ reichischen Kriegsschiffe in der Nordsee anwesend; als aber diese erschienen, habe es von Seiten des Marine ⸗Ministe⸗ riums fast eine übernatürliche Anstrengung erfordert die drei bei Helgoland engagirten Kriegsschiffe: die Fregatten Niels Juel« und »Iylland., so wie die Korvette Heimdal dorthin zu entsenden, Jleichwie die Fregatte „Niels Juel⸗ sich später nur gegen die Anordnung des Marineministeriums in den englischen Kanal begeben habe, um die dänische Handelsmarine zu beschützen. Andererselts erklärte der Marineminister mit Beziehung auf die ver- meintlich mangelhafte Vertheilung von Orden und Ehrenzeichen unter die Offiziere und Mannschaften der Flotte, daß nicht Jeder, der in dem Rapport belobt worden, eine Ordens ⸗Decoration erlangen könne, so wie daß in solcher Hinsicht in der Regel die die Verantwortlichkeit für die Ausbildung der Mannschaften tragenden ältesten Offiziere zu bevorzugen wären.
Pastor Birkedal hat im Volksthing die mitgetheilte Inter⸗ pellatlon an den Minister-Präsidenten zurückgezogen, indessen sofort eine neue Interpellation angekündigt, welche folgenden Wortlaut hat: Verhandelt das Ministerium auf Grundlage der Abtretung ganz Süd-Jütlands (Schleswigs) mit dem Feinde über den Frie⸗ den? Beaösichtigt dasselbe dem jetzt versammelten Reichsrathe vor der Auswechselung der Ratificationen die Friedensgrundlage zur Be⸗ stätigung zu unterbreiten Hat das Ministerium Rekruten permittirt und überhaupt solche militairische Anordnungen getroffen, welche von dem Abschlusse des Friedens abhängig sind?
— 6. August, Abends. Heute Nachmittag wurde der Reichs⸗ tag durch den König eröffnet. Ueber den Thron war der Hermelin ausgebreitet, zur Rechten desselben stand ein Tabouret für den Kronprinzen. Die drei silbernen Löwen vom Rosenburger Schlosse standen vor den Stufen zum Thron. Der Zuschauerraum war dicht gedrängt voll, desgleichen die Damengallerie. In der Diplo⸗ maten Loge sah man das diplomatische Corps in Galla, voran den greisen französischen Gesandten, Dotezac. Kurz nach 12 Uhr, nachdem der Reichstag eine Predigt in der Schloßkirche angehört hatte, sammelten sich beide Thinge im Folkethings⸗ Saal. Bald darauf wurden die nach dem Korridor zu den Königlichen Gemächern führenden Thüren geöffnet und der Königliche Zug erschien, eröffnet von den Hofkavalieren mit Gefolge nebst Marschällen mit Marschallstäben, dann der König und der Kronprinz und die Minister, letztere stellten sich zur Rechten des Thrones auf, die Hofkavaliere zur Linken. Der Minister des In⸗ nern, Tillisch, überreichte dem König, welcher, den Kronprinzen neben sich, auf der Thron - Estrade stand, die Thronrede. Darauf las der König die (telegraphisch bereits gemeldete) Thronrede vor. Sie lautet vollständig folgendermaßen:
»Unser treuer dänischer Reichstag empfange Unseren Königlichen Gruß! Obgleich die Session, zu welcher Wir in Uebereinstimmung mit §. 2 des Grundgesetzes nun Unseren treuen Reichstag zusammenberufen baben, in Folge der Verhältnisse sofort wieder vertagt werden muß haben Wir uns doch gedrungen gefunden, diesen Reichstag selbst zu eröffnen und Uns mit Euch, den Erwählten Unseres Volkes, zu versammeln. Ungeachtet des Muthes und der Ausdauer, mit welcher unser tapferes Heer und Flotte ge⸗ kämpft haben, um Dänemarks Recht und Ehre zu schützen, und ungeachtet der Bereitwilligkeit, mit der das ganze Volk jedes Opfer zur Rettung des Vaterlandes gebracht hat, wird doch der Krieg, welchen ein übermächtiger Feind gegen Uns geführt hat, Uns und Unser Volk zu den schwersten und schmerzlichsten Konzessionen zwingen; denn da gan; Europa Uns ohne Hilfe gelassen hat, haben Wir Uns genöthigt gesehen, der Uebermacht nach⸗ zugeben und zu versuchen, dem Kriege Einhalt zu thun, dessen Fortsetzung unter den obwaltenden Umständen Unserem geliebten Volke und Lande nur größeren Verlust und größeres Unglück bereiten würde, ohne die Aussicht auf irgend eine Verbesserung Unserer Stellung zu eröffnen. Doch wollen Wir in vollem Vertrauen auf unser getreues dänisches Volk mit Zuversicht der Zukunft entgegensehen, in der festen Hoffnung, daß hellere Tage nicht ausbleiben werden, wenn König und Volk sich einträchtig verbinden, um die tiefen Wunden zu heilen, welche Unserem theuren Vaterlande geschlagen worden sind. Auf Euch, die Erwählten des Volkes, bauen Wir besonders, daß Ihr getreulich mit Uns zu des Vaterlandes Wohl arbeiten werdet und Wir wünschen Euch des Himmels Segen zu Eurem Thun, wenn Ihr Euch wieder versammeln werdet. 6.
Nach einem »Hoch« für den König, welches von den Mitglie⸗ dern mit einem neunmaligen kräftigen Hurrah beantwortet wurde, verließ Se. Majestät und der Kronprinz mit Gefolge den Saal. Der Minister des Innern forderte darauf beide Thinge dazu auf, sich unter ihren Asterspräsidenten zu konstituiren. .
Bei seiner heutigen Konstituirung wählte das Folkething den Etatsrath Bregendahl, das Landsthing M. P. Bruun zu ihren resp. Präsidenten. (Beide gehören zur gemäßigt liberalen Partei.)
Die Protokolle über die in Wien geführten Unterhandlungen sind in der gestern erschienenen offiziellen Departements · Tidende / im französischen Originaltent und in dänischer Uebersetzung veröffentlicht, und gleichzeitig dem Reichsrathe mitgetheilt worden. Außer diesen