— Der Central Verein für Hebung der deutschen Fluß⸗ und Kanalschiffabrt hält Mütwech, 20 September, Abends Uhr im Courszimmer des Börsengebãudes (Neue Friedrichsstraße Nr. OI 1 Treppe) eine Ausschußsizung. Auf der Tagesordnung stehen Referate über: Nadelwehre (Regierungs Nath Wernekinck); ein Projekt zur Ersetzung des Pferdezuzs durch Drahtseiltransmissionen (Hr. Lüderg Görlitz; ein ueues Prinzip der Herren Gebrüder Benja—⸗ min, Frankfurt a. M., zur Fortbewegung von Schiffen.
Trie st, 15. September. Der Lloyddampfer Diana“ ist um 14 Uhr Nachts mit der ostindischen Ueberlandpoft aus Alexandrien hier eingetroffen.
Sonthampton, 13. September. Das Postdampfschiff des Nordd. Llovd ‚Main“, welches am 2. September von New. Jork abgegangen war, ist gestern wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Pot und Ladung Die Reise nach Bremen fortgesetzt. Der Main“ überbringt 254 Passagiere und volle Ladung.
Aus dem Wolffschen Telegraphen⸗Bureau.
London, Freitag, 15. September, Morgens. Durch ein hier eingegangenes Telegramm des diesseitigen Botschafters in onstantinopel, Elliot, wird bestätigt, daß die nach Bulgarien gesandten außerordentlichen Kammissare der Pforte ihren Bericht über die Aus schreitungen türkischer Truppen in Bulgarien er⸗ stattet haben und daß in Folge dessen die Hauptführer der Baschibozuks sofort verhaftet worden find und unverzüglich zur Aburtheilung vor die Gerichte gestellt werden sollen. Der Gou⸗ verneur von Adrianopel ist seines Postens entsetzt worden, weil der⸗ selbe die allgemeine Bewaffnung der Muselmänner angeordnet hatte und diese Anordnung auch noch aufrecht erhalten hatte, als dieselbe bereits nicht mehr nothwendig geworden war. — Der englische General Kemball hat dem englischen Botschafter in Konstanti⸗ nopel angezeigt, daß die irregulären türkischen Truppen zahl⸗ reiche Plünderungen und VBerwüsftungen in Serbien begangen
haben, und daß er gegen dieselben energisch protestirt habe. Indeß sei ihm kein Fall einer Gewaltthätigkeit gegen —— oder einer Verflümmelung von Verwundeten zur Kenntniß ge⸗ kommen. Der englische Botschafter hat din Protest bei der Pforte energisch unterstützt und sind in Folge dessen von der türkischen Regierung strenge Instruktionen an den Fomman⸗ danten der turkischen Truppen in Serbien erlassen worden.
stonstantin opel, Freitag, 15. September. Nach einem
von dem Dr. Zoeros, Direktor des Sanitätsdienstes bei der Armee von Podgorizza, dem Kommandirenden dieser Armee er⸗ statteten Bericht, befindet sich unter den in den letzten Gefechten Verwundeten, welche in das Centralhospital und in die Ambu⸗ lanzen übergeführt waren, eine Anzahl Soldaten, welche von den Montenegrinern durch Abschneiden der Nasen, Ohren und Lippen in furchtbarer Weise verstũmmelt sind.
Berlin, den 15. September 1876.
Brüssel, 14. September. (W. T. B.) Die internatio- nale geographische Konferenz hat heute ihre Arbeiten been⸗ det, nachdem in allen Punkten ein vollständiges Einverständniß erzielt worden war. Am Schlusse der Sitzung richtete der en, g. Ad⸗ miral de la Roncière le Noury eine Ansprache an den König und dankte demjelben, daß er zur Erreichung von humanitären und eivili⸗ sarorischen Zwecken die Initiative ergriffen habe. Der König erwiderte mit Dankesworten dafur, daß die Mitglieder der Konferenz seiner Einladung Folge gegeben hätten.
Ueber das Ergebniß der internationalen geographischen Kon—⸗ ferenz verlautet, daß ein förmliches Programm für die Erforschung Afrikas entworfen und daß die Nothwendigkeit der Errichtung einer Station, von wo aus die Reisenden mit den zu ihrem Unterhalte noth wendigen Mitteln versehen werden, anerkannt worden ist. Außer einem intechaticnalen Comits sollen noch besendere Comités der ein zelnen Staaten errichtet werden. Zu Mitgliedern des internationalen Exekutipcomités wurden Sir Bartle Frere, Dr. Nachtigal und Quatre fages einannt. Die Präsidentschaft führt während des ersten Jahres der König von Belgien, später soll der Vorsitz an die Ver— treter der brigen bei der Konferenz betheiligten Staaten übergehen.
Die 30. Hauptversammlung des Gesammtverbandes des Gustav Adolf⸗Vereins ist am 13. September in Erfurt zusammengetreten. Nach vorausgegangener feierlicher Begrüßung wurde die erste öffentliche berathende Versammlung nach dem Gesange des Chorals „Macht weit die Pforten in der Welt!! um II Uhr durch den Versitzenden Prof. Fricke (Leipzig mit einem kurzen Rück— blick auf die dreißigjährige Geschichte des Gustav. Adolf ⸗Vereins er offnet. Der Verein konnte bis jetzt nicht weniger als 12,735,554 M für die exangelischen Gemeinden verwenden, und zwar an 2558 Gemeinden.
. Die Praäsenzliste wies ca. 150 Deputirte nach aus allen deutschen Lindern, ferner aus Oesterreich, Italien, der Schweiz. Madrid ꝛc. Ac. Grüße waren eingegangen vom französisch deutschen Comité in Paris, aus Algier 2c. ꝛc. Ober -Konsistorial Rath Nes! überbrachte die Grüße und Segenswünsche des evangelichen Ober -Kirchenraths; daran reihten sich die Grüße des Konsistorial-Raths Schott im Namen des Konsistoriums der Provinz Sachsen, des Konsistorial⸗Raths Bieck Na—⸗ men der Königlichen Regierung 2c.
Nach. dem Berichte des Rendanten über die Thätigkeit des Gesammtvereins im verflossenen Jahre betiugin die Einnahmen der Centralkasse 371,608 M 5 3, die Ausgaben 357, 801 6 26 8, so daß ein Saldo ven 13,806 ½ 79 verblieb. Unterstützt wurden im letzten Jahre 1165 Gemeinden mit 697,527 M. 8. so daß seit dem Bestehen des Vereins 2553 Gemeinden mit 12. 735,554 M. 51 3 unterstützt worden sind. Dem Centralvorstande sind 11, den Zweigvereinen 55 Legate zugefallen. Die 43 Haupt vereine setzen sich zusammen aus 1053 Zweigvereinen, 366 Frauen— vereinen, 7 studentischen Vereinen. Aufzelöft haben sich nur 2 Männer- und 2 Frauenvereine, neu hinzugekommen sind dagegen 17 Zweigvereine, J studentischer Verein und 14 Frauenvereine.
Die zweite öffentticke Versammlung begann am 14. Sep⸗ tember früh um. 8 Uhr. Die Berathung begann mit der diesmaligen Vertheilung des „Liebeswerkes“, welches für die be— dürftitsten Gemeindea gesammelt wird und zwar sind vorläufig ge— sammelt für die siegende Gemeinde 16,783 6, für die unterliegenden Gemeinden 3350 M½ Hierauf wurden die Ansprachen der theilwelse aus weiter Ferre herbeigekommenen Abgeordneten fortgesetzt und in ihnen nicht nur die Grüße der fernen Glaubensbrüder, sondern auch die häuslichen Ver⸗ hältnisse und Bittgesuche der einzelnen Gemeinden zum Ausdruck gebracht. Alsdann wurden die Erzänzungswahlen zum Centralvorstand vorge— nommen. Endlich beschlofß die Versammlung auf die dringende Ein- ladung der Stadt Frankfurt a. M., dieselbe zum Festort für das nächte Jahr zu wählen. Damit war die Tagesordnung erledigt. Mit dem Gesange des Chorals „Nun danket alle Gott“ schloß die 30. Hauptversammlung des evangelischen Gustav. Adolf ⸗Vereins. Ihr schloß sich Nachmittags ein gemeinschaftlicher Besuch der Gartenhau— . und am Freitag ein Ausflug nach Eisenach und der Wart— urg an.
Der ornithologische Kongreß beschäftigte sich in der a Freitag im Restaurant. Zennig unter . ö., E. * 6m meyer abgehalteren Sitzung vorwiegend mit geschäftlichen An gelegen. heiten. Mit dem Prässdium wurde für die nächsten vier Jahre E. v. He miyer hetraut, dem Dr. Golz als Vize ⸗Prästdent, Dr. Cabanis als General. Sekretär und die Herren DDr. Brehm und R. Blasius als Beig cordnete zur Seite stehen werden. Es erfolgte Bericht Über die Kassenlage und dest. der beiden älteren Vereinigungen, durch deren Verschmelzung zu Beginn dieses Jahres die allgemeine deutsche ornit hologische Gesellschaft begründet wurde. Den übrigen Theil der Tagesordnung bildeten wissenschaftliche Vorträge. Auch die morgen staitfindende, Sitzung im zoologischen Museum wird ausschließlich wiffenschaftlichen Vorträgen gewidmet sein. j
Stuttgart, 7. September. Die, wie schon gemeldet, seit gestern hier tagende Generalversammlung des deutschen Apotheker⸗ Vereins hat eine Resolution gefaßt, der zufolge das Direktorium beauftragt wird, in Berlin an höchfter Stelle vorstellig werden zu wellen, daß eine sogenannte ständige Pharmacopöe⸗Kommission ins Leben gerufen werden möchte, die in der langen Zeit, welche zwischen der Emendation der verschiedenen Pharmacopöe⸗Ansgaben zu liegen pflegt, diejenigen Gegenstände, welche die neuere Medizin in regel⸗ mäßigen Gebrauch zieht, vorzüglich wern dieselben zur Klasse der Separanden gehören, zur Feststellung der Kennzeichen ihrer Güte genau zu studiren und das Ergebniß ihrer Forschung durch die amtlichen Organe zu veröffentlichen hätte, und daß in gleicher Weise durch diese Kommission eine mit den Fortschritten der Wissenschaft nicht weniger als mit den Verände⸗ rungen des Arzencimittel⸗Marktes Hand in Hand gehende unausgesetzte Revision der Pharmacopoea Germaniea stattfände, deren wichtigere Ergebnisse dann ebenfalls durch sofortige amtliche Publikation zur gesetzlichen Geltung gebracht würden. Bezüglich des Gesetzentwurfs über die Errichtung und Verlegung von Apotheken wurde nach eingehender Diskussion der Antrag angenommen, das Direktorium und den Ausschuß zu beauftragen, im Sinne der verkäuflichen Kon— zesston zu wirken. Damit jedoch der Beschluß nicht mißdeutet werde ward augesprochen, daß derselbe nicht im Sinne der unbeschr un kten Niederlassungsfreiheit, gegen welche die Versammlung sich ausspricht sondern der durch die Beduͤrfnißfrage beschränkten Apothekenzahl in Ver⸗ bindung mit dem Kenzesstons Prinzip zu verstehen sei. Es ward diese Veraussetzung beinahe einstimmig ausgesprochen. Weiter wur. den folgende Resolutionen gefaßt: Die Generalversammlung wolle das Direktorium ermächtigen, mit den jährlich stattfindenden General⸗ versammlungen pharmacentiscke Fachausstellungen zu ver— binden und die erforderlichen Mittel hierzu zu bewilligen. Die Ver⸗
zu unterstützen. Die Gencralversammlung wolle heschließen, das Direktorium des deutschen Apothekervereins sei zu beauftragen, an den Ausschuß des deutschen Aerzte Tages sowohl, als an jenen des Vereins für öffentliche Gesundheitspflege die Einladung ergehen zu lassen, gemeinschaftliche Schritte gegen den immer- mehr überhand nehmenden Geheim mittel ⸗ Schwindel anzu- bahnen.“ Zu diesem Antrag wurde außerdem ein Amendement an⸗ genommen, das darauf hinausgeht, entweder einseitig vom Apotheker⸗ verein aus, oder in Verbindung mit den obigen Vereinen, aber sobald als möglich, eine Angabe an das Reichekanzler-⸗Amt zu richten, damit von diesem aus dem Geheimmittelschwindel gesteuert werde, Ein An⸗ trag des Bezirks der Provinz Sachsen: an maßgebender Stelle (Bun—= desrath, Reichs kanzler⸗Amt, Reichstag) dahin vorstellig zu werden: daß durch Schaffung rein pharmgceutischer Mrofessuren und phar— maceutiicher Inflitute an den deutschen Universitäten dem offenbaren Rückgang in der pharmaceutischen Ausbildung der Apetheker entgegen gewirkt werde, wurde als einfache Resolution, die dem Bundesrath und den einzelnen Regierungen mitzutheilen wäre, angenommen. Als nächster Versammlungsort wurde Leipzig gewählt.
Die allgemeine deutsche Gartenbau ⸗Ausstellung in Erfurt, welche bei dem schönen Wetter jetzt eines sehr großen Besuchs sich er— ö. wird, wie die Thür. Korr.“ hört, um einige Tage verläugert
erden.
Das in Erfurt ausgestellte mosaikartig von getrockneten Blumen ge⸗ arbeitete, Kaiserboug4gnet“ des Königlichen Hoflieferanten J. C. Schmidt ist nach der Beschreibung der Thüringer Zeitung“ ein Riesen⸗ bonquet von überraschenden Dimenstonen. Der Duichmesser desselben be⸗ trägt 38 Meter, die Quadratfläche über 7 Meter und der Umfang 9 Meter. Das Centrum des Bouguets im Durchmesser von ca. 80 Etm. stellt den aus himmelblauen Blumen künstlerisch gefertigten Namenszug des Kaisers dar, umgeben von einem prächtigen Lorbeerkranz, welch letz- terer wiederum von Atlasbändern durchwunden ift, auf welchem in Gold- druck die Schlachtentage des letzten großen Krieges verzeichnet stehen. Oberhalb des Namenszuges befindet sich die Krene und unterhalb hängt das Kreuz des Schwarzen Adler Ordens. Um den Kranz zie⸗ hen sich kreisförmig in buntester Reihe die Wappenschilder sämmt— licher Staaten des Deutschen Reiches, ditse letzteren sind getreue Ko— pien und in einer Farbenpracht zehalten, wie solche wohl noch auf keiner Ausstellung geglänzt haben; die Wappen sind von zierlichen kleinen immortellenartigen Blumen mit größtem Geschick zusammen⸗ gestellt. Der Untergrund des ganzen Bouquets ist aus der pracht⸗ vollen seitenen silberslänzenden Blume „Helichrysum restitum vom Kap der guten Hoffnung gearbeitet. Das Ganze ist, in Art der Gratulation heuquetꝭ, mit einer kostbaren Atlaé⸗Manschette vom schwersten Stoff umhüllt; dieselbe ist in den Reichsfarben gehalten und ebenfalls ein Meisterstück von Arbeit.
In der gestrigen Sitzung der St adtverordnetenversamm- lung wurde die Mittheilung gemacht, daß der Magistrat in Folge des Beschlusses der Versammlung den Minister des Innern gebeten habe, die Polizeiverondnung vom 18. Juli, betreffend die Einführung der Hausbücher, bis auf Weiteres zu suspendiren. Er behalte sich vor, eine Vorlage einzubringer, um die Angele⸗ genheit in gemischter Deputation zu berathen. Der Stadt- verordnete Dr. Stryck berichtete über die Berathungen des Ausschusses für die Vorlage, betreffend den Bau eines neuen Arbeitshauses. Der Antrag des Auschusses geht im Allgemeinen dahin: Das Arbeits. haus für 401 Häuslinge, 209 Obdachlose und A0 Hospitaliten auf dem vom Magiftrat vorgeschlagezen Terrain bei Rummeltzburg zu er— bauen, aber nicht nach dem Pavillonsystem, sondem als einen großen, vieretagigen, ein offenes Vierech bildenden Gebäudekomplex, und dar— nach das vorliegende Bauprejekt so schleunig umärdern zu lassen, daß noch in diesem Herbste mit den Erdarbeiten begonnen werden kann. Dieser Antrag wurde angenommen. Ein Antrag des Magistrats, den bevo stehenden Geburtstag Ihrer Maj stät der Kgiserin—= Königin in sämmtlichen staͤdtischen Wohlthätigkeits-Anstalten durch festliche Speisung der Hospitaliten resp. Turch Gewährung von Geldspenden zu feiern, gelangte ohne Debatte zur An— nahme. Die Stadtverordneten Lissauer und Genofsen beantragten:
»Die gleichzeitigen Pflasterungs- Arbeiten zur Her— stellung der Kanalisation und der Pferdebahn, — zu denen oft noch diejenigen der Gas., Wasser und Telegraphenleitungen hinzukommen, wirken auf den Straßenverkehr ganz außerordentlich fiörend. Sie verursachen aber auch dadurch, daß sie nicht nach einem einheitlichen System ausgeführt werden, sehr bedeutende Mehrkosten, indem viele dieser Pflasterungen doppelt ausgeführt werden müßsen. Eine schleu—⸗ nige Abhülfe erscheint dringend nothwendig. — Die Versammlung wolle daher beschließen: den Magistrat um baldigsten Erlaß solcher Anordnungen zu ersuchen, die diesen Uebelständen abhelfen.“
Dazu hatten die Stadtverordneten Misch, Seibert und Eger den Abänderungsantrat eingebracht, dem Magistrat zur Erwägung zu geben, ob es nicht möglich sei, mit den betreffenden Behörden und Verwaltungen ein Abkommen dahin zu treffen, daß dieselben von e nn, . . . der sFädtischen Bau—⸗ ey t nzeige machen und der letzteren die Wi
desselben 5 ⸗ GJ Der Stadtverordnete Lissauer zog seinen Antrag zu Gunsten Misch'schen zurück. Der letztere wurde ,, . ö . Die Stadtverordneten Jacobs und Genossen haben den dring— lichen Antrag eingebracht: „Aeußerem Vernehmen nach ist von der neuen Stadtanieihe von 30 Millionen Mark, welche nach Be— schluß vom 17. Juli er. aufgenommen werden soll, bereits ein Posten von 15 Millionen Mark begeben, ohne daß die Finanzdeputation ihre Genehmigung dazu ertheilt bätte. Der Magsftrat wind um Aus— kunft darüber gebeten. Die Versammlung nahm diesen Antrag an.
In Marien au (Kreis Ohlau) fand am 3. d. M. die feier⸗ liche Enihüllung eines Sieges denkmals statt, dessen Errichtung 3 freiwillige Beiträge der hiesigen Gemeindemitglieder ermöglicht worden war, Das Denkmal, eine sehr gelungene Arbeit aus der Werkstatt des Bildhauers Wenzel in Brieg, ist eine Zierde des hiesigen Ortez und wird dauernd von dem patriotischen Sinne der Stifter zeugen.
Am 22. d. M werden es 50 Jahre, daß Johann Peter Hebel der allemannische Dichter, in Schwingen siarb. Dr, 4 in dieser Stadt Veranstaltungen getroffen, den Tag in entsprechenter kö . 61 in i anderen . wird gleiche
eben, so wind namentlich auch in Cassel, der E = stadt Hebels, eine Gedenkfeier vorbereitet. ö ĩ .
Das für Westminfter bestimmle Broncestandbild Si Robert Peels, eines der letzten Werke des verstorbenen Ei hauers Matthew Noble, ist in den letzten Tagen im Guß vollendet worden. Die Aufstellung desselben wird voraussichtlich gegen Ende
sammlung erklärt sich bereit, die Ausfiellungen, wenn nöthig, finanziell
dieses Jahres stattfinden.
Die größten Glocken Deutschlands folgen dem Gewichte nach auf einander? Cölner Kaiserglecke 500 Ctr, 16 7 275 Ctr. Magdeburg. Dom 256 Fir, Shin. Dom 34 Cf, Titsabeihtirche. Brezlau 220 Ctr., Petri-Paulkirche⸗ Görlitz 217 Ctr., Hildes heim und Halberstadt Dom 170 Ctr., Danzig Marienkirche 121 Ctr.
In den 94 Tagen, vom 10. Mai bis 29. August, an wel
die Centennial ⸗-Ausstellung zu n cr ge gebffnet .
82 dieselbe . 3 5 . von denen 1,B 100, 015 nhaher von Freikarten waren. Die Einnahmen belie wi
zum 29. v. M. auf Doll. 221,896. 50. ö , .
Gotha, 14. September Die Stadtverordneten haben nun entsprechend dem Antrag des Stadtrathes beschlossen, die vom ieh. Leichenverbrsnnungsverein zum Zweck der Anschaffung eines Siemensschen Verbrenrungsofens zur Verfügung gestellten 15.000 60 anzunehmen und den Apparat guf dem neuen Friedhofe aufrichten zu lassen; ebeuso ward das vom Stadtrath, vorbehaltlich der Zustimmung des Ministeriums, aufgestellte Statut genehmigt. Das Statut knüpft die Zulässigkeit der Leichenverbrennung an verschiedene Bedingungen; zunächst muß Seitens des Verstorbenen eine letztwillige Verfügung in dieser Hinsicht vorliegen, oder von denjenigen, welche für die Be⸗ lattung zu sorgen haben, diese Art gewählt werden; weiter muß Seitens des Stabtphystkus festgestellt werden, daß der Verdacht einer Tötung durch die verbrecherische Thätigkeit eines Dritten nicht vor= liegt, sowie, daß über eine den Rüdsichten der Pietät entsprechende Behandlung der Asche eines verbrannten Leichnams vor dem Akte 3 . der Ortspolizeibehörde genügende Sicherheit ge⸗ oten wird.
Kopenhagen, 14. Seytember. W. T. B) Na ier ein⸗ eingegangenen telegraphiscken Meldungen hat am 2 9. ift n Orkan die Inseln St. Themas und St. Croix heimgesucht. Bei demselben hat die Mannschaft von zwei amerikanischen Schiffen den 61 in ö . . Verluste von Menschenleben ren ni ekannt, au er am Eigenthum angerichtete S stellte sich vorläufig als ein nur mäßiger heraus. .
Theater.
In Folge der im Viktoriatheater stattgehabten — reichen Proben zu den „Irrfahrten des n. . Direktor Hahn erkrankt. Die erste Vorstellung wird demnach erst im Laufe der kommenden Woche stattfinden. Sämmtliche Dekorationen und Maschinerien sind eingetroffen, und erfolgt die Einrichtung unter persõn licher Leitung des Kaiserlichen Chef Maschinisten Hrn. Kautzky ö 2 . . einen mehrtägigen Schluß de eaters, so daß am nächsten Sonntag di = fühꝛung . ö . , ,. . — Im Sta eater geht am Sonntag eine Novität v C. A. Görner in Scene, „Buchholz benarnt, welche kae . veränderten Titel Ein billiger Mann“ am Hoftheater zu Dresden und am Thaliatheater zu Hamburg mit großem Erfolge be⸗ reits zur Darstellung gelangte. — Der bekannte Autor erklärt dies Stück als seine beste Arbeit. Die durchweg vortreffliche Besetzung der Hauptrollen mit den Damen Herrlinger, Savany, Heller, Walter 4 n 8 ö. . ., 2c. 2c. läßt einen durch⸗ agenden Erfolg erwarten, um so mehr, als zahlrei Aufführung vorangegangen. ; ,,
Bäder · Statistik. 6 3 5 3 JJ Baden bis 11. September leinschl. der Durchreisenden) . 35398 Berka bis 30. Auguft . 54 . ö ö , ö . 5 en n,, nee,, 825 Böoltenhegen n, n, mut . w , Ghgrlottenbrunn his h. September 9983690 e / J 4100 ihn nnz, . 845 Elmen bei Gre Salze bis 2. September.. . 1745 ,,, 4500 k Friedrichsrcda und Reichardtsbrunn bis 28. Auguft ... 3621 ,, / nh,, Grund (Braunschweig) bis 28. August.. 1395 Homhurg v. d. w . tember 8210 Ilmenau bit 2. September. J dnnn d M k w Landeck bis 3. September (einsckl. der Durchreisenden) .. 4791 Langenschwalbach bis 3. Stptembeer .. .. 3555 ö , nrg fi, e MJ . ,,, Rauheim bis 7. Scptemberr... .. KJ Neuenahr ä Niederbronn in wilß l n, iii enn, e Heynhansen hi mn, r 139 Pyrmont hiß 1. September. J ./ e,, ö w Rothenfelde (Oldenburg) bis 31. August..... 1859 Galßhrnnn n, e Snlzung nl ce Schandan big R Mugutttt.. . . tn , ne e Teplitz hieß 1. Septem ker . 30120 de denn, n n, uncle Warmbrunn bis 5. September (einschl. der Durchreisenden) . 6598 Wiesbaden bis 9. September leinschl. der Durchreisenden) 51146 Wildungen bis 1. September 1
16003
Redacteur: F. Prehm. Verlag der Crpeditien (RKessel). Druck: W. El ener,
Drei Beilagen
Berlin:
leinschließlich Börsen · Beilage).
zum Deutschen Reichs⸗Anzeiger und Königlich
—
Deutsches Reich. Bekanntmachung.
Die en,, zwischen Ham burg und Helgoland, welche während der diesjährigen Badezeit durch das Fer Hamhurg. Amerikanischen Dacketfahrt⸗ Aktien · Gesellschaft gehörige Dampfschiff „Cuxhaven“ unterhalten wird, geftaltet sich in der Zeit vom 16. Sep⸗ lember bis einschließlich 9. Oktober, wie folgt: .
Von Hamburg! IN in der Zeit vom 16. bis einschließlich 30. September: jeden Donnerstag und Sonnabend um 8 Uhr Vormittag; Y letzte Fahrt: Sonnabend, den 7. Oktober, um 8 Uhr Vormittag.
Von Helgoland: 1) in der Zeit vom 16. September bis ein⸗ schließlich J. Oktober: jeden Montag und Freitag in den Morgen ⸗· 2 Y letzte Fahrt: Montag, den 9. Oktober, in den Morgen⸗
unden.
Mit dem genannten Dampfschiffe erhalten sämmtliche für Hel= goland bestimmte Postsendungen Beförderung, welche am Abend ver dem Abgange des Schiffes in Hamburg zur Post eingeliefert oder von weiterher eingetroffen sind, sowie die am Morgen des Abgangẽtags hier eingelieferten und die mit den Kurierzügen von Berlin, Hannover und Osnabrück (Cöln) nach Hamburg gelangenden Briefsendun gen.
Hamburg, den 11. September 1876.
Kaiserliche Ober⸗Postdirektion.
Berlin, 15. September.
Die Eisenb ahn-Techniker, welche Seitens des preußi⸗ schn Handels⸗Ministers zur Weltaus stellung nach Philadelphia entsendet worden sind, haben nunmehr nach 21 Monaten ihre Mission beendet. Dieselben haben sich ungefähr sechs Wochen in den Monaten Juli und August in Amerika aufgehalten und etwa die Hälfte dieser Zeit zur Be⸗ fichtigung der Ausstellung in Philadelphia sowie der Eisenbahn⸗ anlagen in der Nähe Rew⸗Jorks verwendet, die übrige Zeit aber zu Reisen in das Innere des Landes benutzt, um sich über die Verhältnisse des nordamerikanischen Eisenbahnwesens im Allgemeinen zu unterrichten. Die Vertreter des nordamerika⸗ nischen Ingenieur⸗Vereins zu Philadelphia sowohl, als auch die Oberbeamten der verschiedenen Eisenbahnen haben durch freundliches Entgegenkommen sich bemüht, die Zwecke der Kom⸗ missäre nach Moglichkeit zu fördern. Die Reisen in das Innere des Landes dehnten sich auf die Städte Baltimore, Washington, Cincinnati, St. Louis, Chicago, Pittsburg, Columbus, Erie, Buffalo, Albann und die Oelregionen aus, ein Weg, welcher eine Länge von 6300 Kilometer erreichte. — Zur allgemeinen Drientirung ist Folgendes berichtet:
„Das gesammte Eisenbahnnetz der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat nach „Poors Railroad Manual pro 1876 eine Gesammtlänge von etwa 120 000 Kilometern. Der Bau der Eisenbahnen begann im Jahre 1830 und ist die Hälfte des Ge⸗ sammtnetzes in den 37 Jahren von 1830 bis 1866 ausgebaut worden, bagegen hat die zweite Hälfte nur 9 Jahre, von 186 bis 1875 erfordert. Die größte Leistung im Eisenbahnbau weist das Jahr 1871 mit 12000 Kilometern nach, eine Länge, welche dem zehnten Theile des Gesammtnetzes gleichkommt und der Ausdehnung des ganzen preußischen Eisenbahnnetzes vom Jahre 1871 entspricht.
Das Anlagekapital der 120 090 Kilometer Eisenbahnen be⸗ trägt etwa 17 Milliarden Mark oder pro Kilometer circa 146000 66 (gegen 250, 009 S bei den preußischen Eisenbahnen), wobei zu berücksichtigen ist, daß Grund und Boden, sowie Holz billig sind und viele Bahngesellschaften sich der äußer⸗ sten Einfachheit befleißigt haben. Das Gesammt⸗ Anlage⸗ Kapital vertheilt sich auf etwa 1000 Privat⸗-Eisenbahngesell⸗ schaften, von denen ca. der zehnte Theil keine Dividende zahlt, während bei den übrigen die Dividende 1, bis 10 Proz, beträgt. Gesellschaften, die über 1000 Kilometer Eisenbahn betreiben, sind nur wenige, wie die Pennsylvania⸗, Erie⸗, New⸗gork⸗Central⸗ Baltimore⸗Ohio⸗, Union⸗ und Central⸗Pacifie⸗Eisenbahngesell⸗ schaft, die dann auch die Haupt⸗Verkehrsrouten inne haben.
Die Konstruktion der Eisenbahnen in den Vereinigten Staaten ist ohne Zugrundelegung eines allgemeinen Plans oder Systems, und ohne irgend eine Beeinflussung der Projekte oder des Ausbaues Seitens der einzelnen Staaten vor sich gegangen. Eine Staatsunterstützung hat nur die zuletzt erbaute Pacisie Railroad erhalten. Das Kon⸗ zessionswesen ist in den verschiedenen Staaten durch allgemeine Gesetze geregelt. Die Aufsicht, welche die einzelnen Staaten über die Eisenbahnen durch Eisenbahnkommissare ausüben lassen, beschränkt fich auf die Sammlung und Rapportirung statistischen Materials, sowie der Klagen und Beschwerden des Publikums. Nach deren Rapporten ist die Zahl der Unfälle keine bedeutende. So war z. B. auf der Erie⸗Eisenbahn, welche als weniger gut bewirthschaftet erachtet wird, im Jahre 1873 an Rei⸗ senden i Todter und 7 Verwundete auf 3.922, 000 be⸗ förderte Reisende. (In Preußen im selbigen Jahre auf 9. 000, 000 Reisende eine Tödtung, auf 780, 000 eine Verletzung. Wenn häufig Unfälle zur Sprache kommen, so ist dabei zu erwägen, daß die Länge der nordamerikanischen Eisenbahnen der Länge aller übrigen Bahnen des Erdballs gleichkommt.
Bei der Freiheit der Bewegung und der großen Zahl der Eisenbahngesellschaften ist erklärlich, daß nach Zeit und Um⸗ ständen in sehr verschiedener Art und mit mehr oder weniger Sorgfalt konstruirt worden ist, und man vielfach der Zukunft Ergaͤnzungen, Verbesserungen und Erneuerungen überlassen hat. Die Verschiedenheit erstreckte sich sogar Anfangs auf die Spur⸗ weite, so daß es oft nicht möglich war, Wagen von einer Bahn auf die andere übergehen zu lassen. Das Bedürfniß und das Interesse haben im Laufe der Zeit auf die Beseitigung dieser Verschieden⸗ heiten hingewirkt. Die älteren Bahnen, die die Hauptverkehrs⸗ wege beherrschen, sind bereits zu größeren Bahnkomplexen mit kleineren Nachbar und Zweigbahnen vereinigt, und zeigen in der Fonstruktion, in der Unterhaltung und den Betriebseinrich⸗ tungen jene Sorgfalt und Solidität, welche man bei uns auf
den gut verwalteten Bahnen zu sehen gewohnt ist. Ihre Ver⸗ waltung wird als eine vorzügliche erachtet mit Ausnahme der früheren Verwaltung der Eriebahn, welche durch übermäßige und zwecklose Vermehrung des Anlagekapitals die Dividende und den Verkehr ganz bedeutend zurückgebracht hat. Beim Reisen auf amerikanischen Bahnen fallen mehrere charakteristische Einzelheiten auf, die theils durch die Natur des
zielle und Verkehrslage der Bahn begründet sein mögen. Die
Erste Beilage
Berlin, Freitag den 15. September
Begrenzung und Bewährung des Terrains gegen die Nachbar⸗ grundstüͤcke wird oft vermißt. Es scheint oft auf eine genaue Grenzregulirung nicht anzukommen, die Bewährungen gehören meist den anschließenden Grundstücken an. Der Bahnkörper ist oft nicht regelmäßig gestaltet und entwässert, sondern nur auf die Lagerung des Geleises Bedacht genommen. Hohe Dämme sind meist vermieden und dafür Holzgerüste an⸗ geordnet, die billiger herzustellen waren. Auch auf frucht⸗ baren Terrains sieht man die Geleise auf Pfahlreihen liegen. Die Wege kreuzen die Bahn meist im Niveau ohne irgend welche Barriére oder Aufsicht. Es steht daselbst nur eine Tafel mit der Aufschrift: „Eisenbahn⸗reuzung“ (railroad crossing) oder auch „look out for the locomotives-. In Jersey⸗City führt eine städtische Straße über 14 Geleise des Bahnhofes und es ist den Fuhrwerken überlassen zur geeigneten Zeit zu passiren, wo⸗ bei in der Regel von beiden Selten vernünftig verfahren wird. In einigen Städten liegen die Eisenbahngeleise in den Straßen wie die Pferdebahnen. Die Züge fahren langsam und die Loko⸗ motiven lassen die Glocke ertönen. Man weicht überall willig aus. Dagegen find auch die Bahnhöfe vielfach offen und die Eisen⸗ bahnen werden zwischen den Ortschaften als Verkehrswege für Fußgänger benutzt. Es muß jeder vorsichtig sein und die Ge⸗ fahr kennen, denn es wird Niemand behindert, sich in Gefahr zu begeben. In derselben Weise ist auch die nicht fahrplanmaͤßige Bewegung der Lokomotiven und Zuͤge dem vernünftigen Er⸗ messen der Führer anvertraut, die nach wenigen allgemeinen Regeln verfahren. Es ist indessen nicht zu verkennen, daß die Niveau⸗Uebergänge in dieser Weise nur so lange zu erdulden sind, als der Straßenverkehr ein geringer ist. In Chicago, wo die Eisenbahnen mit den Straßen im Niveau liegen, fängt die Störung bereits an so lästig zu werden, daß eine Ermittelung der Verpflichteten von allen Seiten ernstlich betrieben wird. j
Eine Bewachung der Bahn, so wie optische Signale, welche die Fahrbarkeit oder Nichtfahrbarkeit anzeigen, wurden nur auf den frequenteren Routen bemerkt, woselbst auch bereits vollstän⸗ dige Blocksignale für Kreuzungen und Abzweigungen eingeführt sind. Die Brücken sind bei den älteren Bahnen in Holz nach den bekannten Systemen konstruirt, werden aber gegenwärtig in Eisen umgebaut. Bei der Eisenkonstruktion ist vorzugsweise die Bolzenverbindung in den Knotenpunkten in Gebrauch, unter Anwendung gußeiserner Knotenstücke, indessen be⸗ merkt man bei den neueren Brückenbauten die Ten⸗ denz, das Gußeisen zu vermeiden, wobei das bei uns gebräuch⸗ liche Nietverfahren mehr und mehr Eingang findet. In Bezug auf leichteres Aufstellen der Brücken und in ästhetischer Beziehung hat die Bolzenverbindung Vorzüge; der losere Zusammenhang der Theile macht sich indessen durch langsame Schwingungen und Schwenkungen unangenehm bemerkbar und drängt auf vor⸗ sichtiges Befahren hin.
Die Schienen der Geleise sind in der Regel leichter und niedriger, als die unsrigen, dagegen sind die hölzernen Quer⸗ schwellen näher an einander gerückt.
Das Bettungsmaterial der Schwellen ist zuweilen sehr mangelhaft, namentlich in Gegenden geringen Verkehrs und theuren Steinmaterials, und auch die Entwässerung läßt zu wünschen übrig, wobei dann die Geleise nicht im guten Zustande erhalten werden können. Durch vorsichtiges und lang⸗ sames Fahren wird indessen auch auf unebenen Geleisen der Betrieb ohne Unfälle gefördert.
Die Geschwindigkeit der Züge ist im Allgemeinen geringer als bei uns. Für gewöhnliche Personenzüge 20 bis 30 Kilo⸗ meter pro Stunde, für Schnellzüge 30 bis 40 Kilometer pro Stunde. In einzelnen Fällen fahren jedoch auch Konkurrenz⸗ züge mit 50 und mehr Kilometer Geschwindigkeit. An gefähr⸗ lichen Stellen, Bahnkreuzungen, Straßenkreuzungen und in den Straßen der Städte wird besanders langsam gefahren, um unter Umständen sofort halten zu können. Für viele eiserne Brücken ist eine bestimmte geringere Geschwindigkeit vorge⸗ schrieben.
Die Personenwagen der amerikanischen Eisenbahnen haben nominell nur eine ersle Klasse. Es sind große luftige Omnibusse mit 15 bis 17 Sitzreihen hintereinander, die in der Mitte durch einen Gang von O7 M. Breite in zwei Theile getheilt sind. Zu jeder Seite am Fenster befinden sich zwei Sitze nebenein⸗ ander von zusammen ein Meter Breite und ein Meter Tiefe zwischen den Rückenlehnen. Letztere sind zum Umlegen eingerichtet, so daß sich je 4 Personen gegenüber sitzen können. Das Einstei⸗ gen geschieht von den Plattformen an den Enden aus. Das elbst sind auch Retraiten abgegrenzt und Oefen aufgestellt. Jeder Wagen ent⸗ hält einen Trinkwasserbehälter zum beliebigen Gebrauch. Ta bei dieser Einrichtung ein Durchwandern des ganzen Zuges möglich ist, so bietet sie für den Betrieb viele Annehmlichkeiten. Die Billetcontrole geschieht meistens während der Fahrt und ebenfo die Verhandlungen wegen des Gepäcktransportes auf der Endstation. Auch werden ab und zu den Reisenden Erfrischungen, Zeitungen, Bücher und andere Gegenstände zum Kauf ange⸗ boten. Er selbst kann seinen Platz verlassen und sich Bewe⸗ gung machen. Für Raucher sind besondere Wagen hinter bem Packwagen bezeichnet, welche gleichsan eine Art zweiter Wagenklasse bllden und von den Negern viel benutzt werden. Die Sitze sind im Allgemeinen etwas eng und unbequem und für größere Touren und Nachtreisen fast unleidlich. Das Bedürfniß einer größeren Beguemlichkeit ist demnach auch durch besondere Gesellschaften befriedigt worden, welche durchgehende Wagen in die Zuge einstellen, die mit be⸗ sonderem Luxus ausgestattet sind. Einige für die Reisen bei Tage (palace- car, parlour- car, drawing-rom, car) enthalten be⸗ sondere drehbare Polstersessel im gemeinschaftlichen Raume, oder auch besondere getrennte Abtheilungen für Gesellschaften und Familien nebst Wasch⸗ und Toiletten⸗Einrichtungen getrennt für Herren und Damen, andere für die Nacht Pullman's steeping- car) können zu gesonderten Schlafstätten mit Leichtigkeit umge⸗ baut werden, und haben an den Enden besondere Kabinette für alle Bedürfnisse der Reise. Die Benutzung dieser Wagen wird mit 1 Dollar (4 M6) für den Tag und 13 Dollar für die Nacht an den Wagenaufseher extra bezahlt. In einige durchgehende Züge sind sogar besondere Küchenwagen und Speisesalonwagen eingestellt, in denen zu gewissen Tageszeiten breakfast, lunch
Landes, theils durch die sozialen Verhältnisse oder die finan⸗
und dinner in ortzüblicher Weise während der Fahrt gegen Er⸗
3 Preußischen Staats⸗Anzeiger
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stattung von je 75 Cents (3 S) eingenommen werden kann. Diese Einrichtungen fallen dem fremden Reisenden in Sommer⸗ tagen bei 100 Grad Fahrenheit Mitteltemperatur besonders angenehm auf. Sie hãngen zufammen mit dem eigenthümlichen Konstruktions⸗ System der amerikanischen Wagen. Die großen langen Wagen⸗ kasten (20 M.) erfordern 8 Räder, die in zwei Gruppen von je 4 Rädern zu besonderen Wagengestellen (trucks) vereinigt sind. Bei den großen Sleeping-cars kommen sogar Trucks vor, die 6 und auch 8 Räder erhalten haben, so daß ein solcher Wagen durch 12 und resp. 16 Räder unterstützt wird. Auf der Mitte der Trucks ruht der große Wagenkasten mit seinen Enden und ist mittelst Bolzen drehbar befestigt. Die Wagen können bei dieser Einrichtung trotz ihrer Länge kleinere Kurven der Bahn an⸗ standslos vpasstren, da der Radstand der gewöhn⸗ lichen Trucks nur etwa 1,K,3 Meter betragt und jeder Truck sich dem Geleise anbequemt. Indessen sind größere Seiten⸗ schwankungen der Wagenkasten bei unebenem schlecht unterhaltenen Geleise unvermeidlich, da die Trucks sich unabhängig von ein⸗ ander bewegen, und der Wagenkasten sich bald an den einen bald an den anderen anlehnt. Während bei unserem Wagensystem in den Zügen die festen weist eisernen Wagengestelle mit ihren Rädern, Doppelpuffern und elastischen Zug⸗ und Spannvor⸗ richtungen eine zusammenhängende elastische Kette bilden, auf der die Wagenkasten jeder vom andern getrennt befestigt sind, bilden bei der amerikanischen Einrichtung die hölzernen Wagen⸗ kasten die Glieder der zusammenhängende Kette, sind an den Plattformen durch einfache Kuppelringe mit Bolzen ver⸗ bunden und stoßen mit einfachen, in der Mitte liegenden guß⸗ eisernen, wenig nachgebenden Fufferscheiben gegen einander. Die Radgestelle der Trucks sind nur am Fußboden des Wagen⸗ kastens durch Drehbolzen befestigt und tragen zur Festigkeit des Zuges nach der Länge Nichts bei. Bei Zusammenstößen von Zügen, die glücklicher Weise selten vorkommen, schieben sich die Waͤgenkasten, die nur an den Enden Querwände haben, in ein⸗ ander (they telescope), während die einzelnen Trucks sich iso⸗ liren. Während bei unseren Zügen eine durchgehende Zugstange die Zugkraft vermittelt, an der die einzelnen Wagengestelle elastisch befestigt sind und nur beim Drücken die Wagengestelle die Ver⸗ mittelung übernehmen, wird bei dem amerikanischen System Zug und Druck durch die Fußbodenbalken der Wagenkasten von einem zum andern übermittelt. Doch die Geschicklichkeit der Lokomotioführer im sanften Anziehen des Zuges und in der gleichzeitigen Bremsung sämmtlicher Wagen macht diese Eigenschaft unschädlich. Die Einführung der von der Loko⸗ motive aus zu handhabenden einheitlichen Bremsvorrichtung . deren Ausbildung war daher für diese Züge besonders geboten.
Auch bei den meisten Güterwagen ist das System der vierrädrigen Trucks festgehalten. Die Wagenkasten sind daher größer und je nach den zu transportirenden Gütern wie bei uns besonders ausgebildet. Zum Theil gehören sie großen Transportgesellschaften, die auf eine besonders bequeme Gestaltung fur ihre Spezialzwecke besonders spekuliren. Namentlich sind die Petroleumwagen auffallend, die aus einem eisernen, genieteten, cylindrischen Kessel, durch zwei Trucks unterstützt, bestehen, der durch Schläuche gefüllt und ent⸗ leert wird und einen besonderen eylindrischen Aufsatz hat, der die freie Oberfläche des Inhalts einschränkt. Die Kohlenwagen find mit Seiten- oder Bodenklappen zum schnellen Entladen versehen. Die großen achträdrigen enthalten 12 Tons Ladung, kleine vierrädrige Wagen zu 5 Tons Ladung waren indessen auch in Gebrauch. Die Stoß- und Kuppelvorrichtungen sind meist von Gußeisen und sehr mafsiv, da diese Theile die ziemlich un⸗ elastischen Stöße von einem Wagen zum andern zu übertragen haben. Die Räder sind fast alle aus Gußeisen mit Hartgußlauf⸗ flachen, und werden mit äußerster Sorgfalt gegossen, damit beim Erkalten innere Spannungen vermieden werden. Die verschiede⸗ nen Detailskonstruktionen sind sehr bemerkenswerth.
Die Lokomotiven sind meist Srädrig, wobei die 4 Vorder räder einen Truck bilden, der die Führung übernimmt. Die 4 Hinterräder hängen mit Kessel und Maschine zusammen und sind Treibräder. In ihrer äußeren Erscheinung zeichnen sich die Lokomo⸗ tiven durch eine konische Schornsteinhuͤlle aus, die den Zweck hat, die zahlreichen Funken des Heizmaterials aufzufangen. Die zahlreichen Spuren von Wald⸗ und Haidebränden neben den Bahnen zeigen indessen, daß der Zweck nicht vollkommen erreicht ist. Am vordern Theile der Lokomotive befindet sich ein schneepflugartiger Kuhfänger (cow catcher), der die Bahn von zufälligen Hindernissen befreien soll und vielfach bewährt gefunden worden ist.
Die Bahnhöfe für Personen sind meist sehr einfach. Er⸗ höhte Perrons sind wegen der Treppen an den Plattformen der Wagen nicht erforderlich. Eine Dielung zwischen und neben den Geleisen reicht aus. Oft beschränkt sich die Anlage auf diese. Indessen findet man meistens Empfangsgebäude, die ein Vestibül mit Sitzbänken, Billetverkauf, Zeitungstisch, Wasser⸗ und Wascheinrichtungen enthalten und zu beiden Seiten dessel⸗ ben einen Warteraum für Damen, einen für Herren, ein Speise⸗ zimmer, ein Getränkezimmer und die erforderlichen Klosets. Räume für Gepäck und Post liegen neben den durch offene Hallen mit dem Empfangsgebäude verbundenen und überdeckten Perrons und können durch Fuhrwerk erreicht werden. Das Empfangs⸗ gebaude hat häufig eine zweite Etage mit Wohnungen und Dienstraͤu⸗ men. Das neue Empfangsgebäude in Chicago ist sogar unserm Ostbahnhofe in Berlin sehr ähnlich, nur daß der Korridor nach außen hin offen ist. Die Personenbillets können vorher auf dem Bahnhofe und auch in gewissen Bureaus in der Stadt gekauft werden, und gelten fur irgend einen Zug gleicher Art in irgend einer Richtung selbst bei Unterbrechung der Fahrt. Das Cooksche Reifebureau verkaufte in der Ausstellung zu Philadelphia Touristenbillets für die meisten Bahnen einzeln oder zusammen⸗ hängend zu ermäßigten Preisen (etwa 2 Cents pro Meile oder
5 Markpfennige pro Kilometer) und zur Benutzung mit Unter⸗
brechung und in beliebiger Richtung. Auch konnen die nicht benutzten Billets gegen 19 Prozent Verlust in New⸗Hork wieder zurückgegeben werden. Der Fahrpreis ist ühbri⸗ gens auf den Billets nicht vermerkt und scheint überhaupt kein bestimmter zu sein, sondern sich nach der Konkurrenz und nach Rachfrage und Angebot zu richten.
Man kann im Allgemeinen 5 bis 8 Markpfennige pro Ki⸗
lometer annehmen. Für lange Touren, wie von New⸗Jork nach