1907 / 91 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 15 Apr 1907 18:00:01 GMT) scan diff

Für China blieb die Hauptbezugsquelle des Bernsteins Birma, pon wo aus er fehr früh eingeführt wurde. In den Annalen der späteren Handynastie wird erwähnt, daß aus At lao (Birma) Bern⸗ stein zuskmrmen mit Kupfer, Gold. Silber, Perlen usw. üher

ünnan nach Ching gelangte, nach Laufer schon im ersten in als die Chinesen mit Vünnan näher in Berüh ung amen. Der früheste Bericht über den, birmanischen Bern⸗ stein stammt von dem portugiestschen Jesulten Alvarez Semedo, der 1643 in Rom ein Buch über China veröffentlichte, in dem er erzählt, daß der Bernstein in Birma aus der Erde gegraben werde; er sel röter als der unsrige und werde gegen Katarrhe , Aber die nähere Kunde verdanken wir erst der oben erwähnten b⸗ handlung von Noetling im Globus“. Er wies den Ort Maingkhwan im Shanlande als Urfprungesquelle nach, w der Bernstein gewonnen und im rohen Zustande über Mogung von Chinesen nach Yunnan ge⸗ bracht wird. Das geschab nach chinefischen Quellen schon im Lrsten Jahrhundert. Im Mihtelalter würte dann für Ching eng neue Bern⸗ sseinquesle durch die türkischen Stämme in Zentralasien eröffnet. eln ckiegenl Beweife us ken zehnten Jahrhundert vor,. aber Turkeftan selbff keinen Bernftein, besitzt, so mußte er dorthin (Samar⸗ Kn, ötdr iw.) aug dem Weslen gelangt seln. Dafür spricht ein perstschez Wert des Cddin Mohamed Uft aus dem 13. Jahrhundert, in derm er won dem Handel der Ghinesen, nach Chorassan berichtet; dort ist auch die Rede van gelbem Bernstein, der aus dem Lande der Slawen stamme und dort ham Meere ausgeworfen werde. .

Heute ist der Bedarf Chinas an Bernstein sehr groß. Zunãächst brachken ihn die Portugiesen dorthin, jetzt kommt er unmittelbar aus Ventschland, wie die inesischen Zollisten beweisen. Selbst in Birma äaberwiegt der deutsche Bernstein den einheimischen. Die Chinesen verstehen es jetzt auch, ihn aus Glas, Kopal und anderen Harzen zu

fälschen.

Wertvolle vorgeschichtliche Funde sind, wie der Täg lichen Rundschau. geschrleben wird, in dem Dorfe Ehringedorf bei Weimar gemacht worden. Dort find in jwei Kalftuffsteinbrüchen Reste eines vorgeschichtlichen Sumpf, und Waldgebiete aufgedeckt worden. Prächtig erhaltene Schilfhalme und andere Sumpf gragarten, kleine Baumstämme und Abdrücke von Linden und

Haselnußblättern kommen täglich bei den Brucharbelten zu⸗ tage. Auch Eier von Sumpf- und Waldvögeln, die in der Schale gut erhalten sind, und. Knochen.

refte von den Tieren, die damals in großen Mengen in dieser Gegend gelebt haben müssen, wie z. B. Geweihe vom Urhirsch und Zähne dom Mammut wurden gefunden. Die besten Stücke sind dem natur. r n, Museum! in Weimar überwiesen worden, in dem sich auch der größte Teil des berühmten Taubacher Fundes befindet. Der ö der sich in Weimar durch Erinnerungen an unsern größten

schter und Berker erbauen will, ahnt in der Regel nicht, welch reiche Schätze das naturwissenschaftlich: Museum birgt. Die niedergelegten Funde aus den Dörfern Taubach und Süßenborn, die übrigeng in Inmiftelbarer Nähe von Shringsdorf igen, die mächtigen Schädel des Üürftiercs, die gewaltigen Feste des Mammutg, Nashorns, Ur= kirsches, Höhlenlswen und Höhlenbären geben, ein Bild von der Mannigfaltigkeit der Tierwelt, die einst in Mitteldeutschland iebte, und der Größe ihrer Vertreter. Diese Tiere, die, nach diesen Funden zu schließen, in großer Menge auf⸗ getreten sind und die, zum größten Teil rien fe. waren, bedurften natürlich zu ihrer Ernährung einer reichen

flanzenwelt, für deren Vorhandensein der Ehringsdorfer Fund der r. Bewels ist. Leider sind von den damals lebenden Menschen keine Knochenrefte erhalten geblieben aber in den angeklohlten Knochen- resten von Tieren und in einfachen Feuersteinwerkzeugen, die in Tau⸗ bach mitgefunden wurden, haben wir sichere Spuren menschlicher Tätigkeit, und aller Wahrscheinlichkeit nach sind sämtliche Funde e ef von erlegten Tieren.

Im Schutze des Eiffelturms, der sich auf seinen vier gespreizten Riesenfüßen mit dünnem Halse so kühn in die weiße Frühlingesonne reckt, hat sich am Quai de la Gonférence die erste größere Kunst⸗ ausftellung dieses Jahres aufgetan. Zwei große eiserne Hallen be⸗ Herbergen die „SSei gts des Artistes indépendants-, die jetzt bereits zum 23. Male allen Känstlern und denen. die ss sich zu fein einbilden, das Recht gibt, ihre Werke vor die Deffenllichkeit zu bringen. Man bezahlt 25 Franken für den Platz, das ist alles. Die Idee ist gewiß auf den ersten Au enbliẽ bestechend. Kein Fartelisches FRichterkollegium, keine Auszeichnungen, keine Meyaillen. Allein der Geschmack des Laien und des etwaigen Käufers soll ent. schelden. 506 Nummern führt demzufolge der Kgtalog auf, bis auf den letzten Platz sind beide Hallen ausgenutzt. Sofort bei dem Be⸗ kreten der Räume ist leider alle Illuston über die gute Grundidee der Veranstaltung dahin, und je weiter man in das wilde Labyrinth von Können und Richtkönnen, von Kunst ganz zu schweigen, eindringt, um so mehr lernt man an diesem Musterbeispiel, wie zwingend nötig eine Jury, und zwar elne strenge ist, die Spreu vom Weinen sondert. Man sieht ferner, daß durch daz enge Auf. einanderpferchen der Bilder die wenigen guten überhaupt, nicht zur Geltung kommen; das dilettantische Gestammel, die oft geradezu dreffte und zügellose Willkür beherrschen das Feld vollständig. Auge und Geist sind einfach außerstande, sich plötzlich wie ein Maschinenhebel umzustellen, wenn endlich einmal etwas leidlich Gutes vor sie tritt. Dritteng aber lehrt ung diese Ausstellung, daß wir uns in erschreckender Weise von dem, was Kunst heißt, entfernt haben. Wenn wir diefe Mlle, Landschaften, Porträts und Slilleben betrachten, so staunt man über die Kühnheit der Leute, die es wagen, Dinge dem Publitum als Kunft anzubieten, die ahne jedes Können und Verständnis, ohne jedes Gefühl

gder Malerische, ohne die geringste Liebe und feinere Durch,

andwerklicke, die Techn ie Farbenbehandlun = achtet. Wild malt jeder darauf lh.

Da hängen in eh, oder

biijarren Rahmen kl die nur mit einem fndigöfarkisen Antfinton

ganz drin gi inf he g sind, möglichst groh, möglichst falsch und

möglichst gemein. Natärlich! herrscht der welbliche Alt bor: Dirnen und halbwäch sige Mädel be 1 oder in dreister Pose auf einen schmutzigen Bidan hingeräkelt, der Körper mit den tollsten Ver⸗ zelchnungen, das Flelsch in allen Tönen des Malkastens, Allein das brutal Sinnlsche drückt solch Machwerk aus, nichts versöhnt uns mit dem Motiv, keln großer Zug, kein raffiniertes Können,;

Nach moderner Auffaffung soll heute das Gegenständliche in der Kunst Rebenfache sein. Vlese Ansicht scheint man hier ganz und gar nicht zu keilen. Die Genremalcrel Ist in ihren verschiedenen Stoff⸗ kreisen recht fark vertreten. Aer wie bei bem Figütlichen das Sinn⸗ liche und' Niedrige im Vordergrund steht, so bier das Mystische, Soßiale und der schauerlichfte Hintertreppenroman. Mit einer Stuüͤmperhaft igkeit . en finden wir da 4. B. folgende Szene aus dem russtschen Gefaͤngnisleben dargestellt: In einem Kerker ist ein nacktes Weib gefeffelt, zigarettenrauchende Sffütsere sitzen dabei und schauen gemltlich zu, wie ein Scherge die Aermste mit der Knute trattleit, Lebhast wird man an die Reuruppiner Bilderhogen oder an die grufeligen Mordgeschichten der herumztehenden Leierkastenmänner erinnert Auf einem anderen Gemälde sehen wir ein Kind auf der ge siegen, das eben von einem davonjagenden Automobil über⸗ fahren jf. Hier schildert einer einen Ueberfall von Räubern; knallrot geht hinten die Sonne zur Neige, vorn wimmelt es von furchtbaren Ge/ Flinten, Säbeln und Pistolen. Von diesem Genre gibt Seine ganze Reihe ähnlicher Werke; man bedauert das liefe geistige Nivean ihrer Schöpfer. Roch ein Bild. das sich ganz besonderk in ner Umgebung hervortut, verdient erwähnt zu werden. Es löst die⸗ 1 e Wirkung aus, als oh ein trauriges Dorftheater Wallensteins 8 huffuͤhrte. Alles ist feierlich ernst gemelnt und doch wird auch Er Melancholischste zum Lachen Eine i Unter rotem Baldachin steht ein hageres Weib, Frankreich vorfelsend, die ihren langen Arm über eine dier, von Männern in Frack und Uniformen ausstredt, unter denen verschiedene entfernte Aehnlichkeit

stalten, von

mit regierenden

für das Zeichnerische

ben. Hinten tanzen Kinder um einen . dle ö ö. ö ö tärkten, steifen Fahnen reihenwelse, ge— . . . 1 36 . auf, und doch hatte unser Maler etwas bie eres in seinem stolzen n einli izian oder Paolo Veronese, an Er dachte wahrscheinlich an Tina n JJ

e und andere werden bis zur Unerträg⸗ Puvis de Chavannez, Segantini un e. k ih.

kopiert haben, genau so. as dabei ist, läßt sich mit Worten nicht beschrelben ö ö. wird die Far eter

Ausstellungswesen.

In der Deutschen Armee-, Marine und Kolonial⸗ , in Berlin ist das Hauptgebäude, nachdem die Maschinenhalle, die Kolonialhalle und die Marinehalle fertig errichtet sind, nunmehr auch so weit gediehen, daß das Richtefest hat stattfinden können, fodaß, wie vorhergefehen, am 15. Mal, Mittags 12 Uhr, die feierliche Eröffnung der AÄusstellung wird erfolgen können. Die Haupthalle mit ihrem großen Kuppelbau, dessen Spannweite 32 m be⸗ trägt, hat 200 m Fronktlänge und einen Flãcheninhalt von 12 000 qm.

Verkehrsanstalten.

In Agome⸗Klossu, Agome⸗Sewa, Awewe und Toipli in Togo sind am 5. April Reichstelegraphenanstglten für den internationalen Verkehr eröffnet worden. Die Orte liegen sämtlich am Monufluß und sind mit Anecho durch eine gemeinsame Linie ver⸗ bunden. Bie Worttaxe ist dieselbe wie im Verkehr mit Some.

In Tfevle (Togo) ist eine Posta gentur mit Telegraphen⸗ betrleb eingerichket worden, deren Tätigkeit sich auf die Annahme und Ausgabe von gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefsendungen erstreckt. Die Worttaxe für Telegramme nach Tsevie ist dieselbe wie für die übrigen Anstalten des Schutzgebiets. ;

; Theater und Musik.

Königliches Opernhaus. Das vorgestrige letzte Gastspiel der Fürstlichen Oper von Monte Carko, dem wiederum Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiferin mit Allerhöchstihrem Gaste, Seiner Durchlaucht

dem Fürsten von Monaco, sowie Ihre Kaiserlichen und König⸗

lichen Hohelten der Kronprin und die Kronprinjessin und Seine . Hohelt der Prinz Oskar beiwohnten, hatte noch mehr als dle borangegangenen den Charakter einer Festvorstellung; es gestaltete sich zu einem Ehrengbend ohnegleichen für die anwesenden hervorragenden französischen Tondichter Saint Sasngs und Mafsenet und zu einer überaus herzlichen Abschieds⸗ fler für die scheidenden Künstler. In je einem Akt der Opern „Samson et Dajilae von Saint, Sasng, Hsrodiaden von Massenet und „U Barbiere di Siviglia von Roffini hatten die letzteren Gelegenheit, sich noch einmal, und zwar in durchweg dankbaren, ihnen zusagenden Aufgaben den Zuschauern, unter denen die Berliner Kunst⸗ welt zahlreich vertreten war, zu zeigen. In Saint Sasns Werke, dessen erster Akt, mit seinen oratorien 36. Chorgesängen und der Begegnung Dalilaß und Samsons, gegeben wurde, lagen die Hauptrollen in den Händen der Frau Héglon und dez Herrn Rousselière. Die erstere hatte stimmlich leider gegen eine starke Indisposition anzukämpfen, be⸗ währte sich aber wieder als treffliche Darstellerin. Herrn Roufsellöres strahlende Tenorftimme schwehte sieghaft über den Tonmassen Starker Befall lohnte ihnen, der sich noch verdoppelte, als man des Kom⸗ ponisten ansichtig geworden war, der von seinem Platz im ersten Range fich dankend bernelgte. Dieselbe Huldigung erfuhr Massenet nach bein dritten Akt selner hier unbekannten Oper Hörodiader, in dem Ren gu dt hochentwickelte Gesangskunst Triumphe feierte. Neben diesem hatten feine Kollegen bon der Parlser Großen Oper, Herr

h i d Fräulein Grandjean, die sich hier erst ,, ö. nicht unvorteilhaft einführte, keinen leichten Stand. Ueber Massenetz den Salomestoff auf feine Weise behandelnde Werk kann man sich nach dieser

starischen Aufführung kein Urteil bilden. Sein Sinn für en. n , . ö Manon. und anderen seiner bekannteren Mrbesten Forwaltet, sprach fich auch in den vorgeführten Sienen aus, Eber in ihren einen allzabreiten Raum einnehmenden Opferzeremonien und Masfenguflügen flotte daz dramatische Leben. Der, zwelte Att von Rosstuis stalienlsch gefungenem Barbier von Sevillg, oder richtiger gesagt eine Folge der darin vorlommengen Arien und Fnsenötefttz, unter Hinwelaffung des Dialog und, Ginfügung der Autrittzariz des Figaro aus dem ersten Alt, gab dem Ahend, der spät in ber zwölften Stunde endete, einen heiteren und hoch befriedigenden Abschluß. In Herrn Titta⸗Ruffo lernte man einen jener ge— horrnenbVertrele? des Figaro kennen, wie man sig nur in Itallen findet. Er entwickelte ein, stimmliche und zrperliche Heschmeidigkeit., die elbft d' Andrades seinerzeit so hewunderten Barbier in den Schatten stellte. räulenn Storchio war eine muntere und anmutige Rosine. Ihr esang wurde diesmal nicht durch das Tremolo beeinträchtigt, das am Abend ihres ersten Auftretens störend aufgefallen war; bel den sauber gefungenen Koloratren zeigte it eine bemerkenswerte Kehlfertigkeit. Ein feinkomischer Bartolo war der von früheren Gastspielen her be—⸗ kannte, kleine rundliche Pini Cori, zu dem der lange, hagere Basilio Ehaliapines in Maske und Wesen freilich zu über⸗ trieben in witksamem Gegensatz stgnd, Hoch gingen zuletzt die Wogen des Beifall, an dem sich die Allerhöchsten und Höchsten Herr- schaften sebhaft beteiligten, und erst sypät in der zwölften Stunde schloß ber gefellschafllich wie känstlerisch gleich bedeutsame Abend. Königliches Schauspielhaus.

Nach langjähriger Pause trat Ernst van Wildenbruch am Sonnabend im Königlichen Schauspiel hause wieder vor das gte Sein neues vieraktiges Schauspiel nennt sich Die Rabensteinerin⸗ und führt den Zuschauer in daz 16. Jahrhundert, Der Ritter von Rabenstein lebt auf dem Waldstein zwischen Nürnberg und Augsburg mit Schwester, Tochter und wenigen Mannen vom Stegreif. Der junge Welser aus , der selner ihm noch unbekannten Braut, der Melberin, entgegenzieht, wird von dem vermummten Raubrstter überfallen, beide kommen tödlich verwundet auf die Waldburg. Der Raubritter erliegt selnen Verletzungen, der junge Welser werd bon Bersabe, des Rabensteiners Tochter, gerettet und der Verlobten über- eben, die den Kranken nach Augsburg zurückführen läßt. Bartolome

elser hat, auf kurze e . aus seiner Ohnmacht erwachend, die un. Rabensteinerin erblickt; genesend glaubt er seine Braut geschaut zu haben. Ihm steht der mutige Sinn nach der Eroberung der neuen Besitzungen des Vater in Amerika und er erlangt des Vaters Zusage

zu diesem Zug, wenn seine Verlobte bereit sein werde, ihn zu be— leiten, und wenn es ihm vorher gelungen, das Raubnest, den Wald⸗ i. zu zerstören. Da tritt die Melberin vor ihn, kalt, berechnend und eitel. Er sieht, sie ist nicht das mutige Mädchen, das ihn au

der Raubburg . gepflegt hat. Doch das Geschick führt ö diese herbei. Der sterbende Raubritter hatte seiner Schwester einen kostbaren Schmuck anvertraut, den er dem jungen Welser abgenommen, den Braulschmuck für die Melberin, mit dem sollte si⸗ der Berfabe den Eintrltt in ein Augsburger Kloster ebnen. Der Schmuck wird zum Verräter, und es kommt an den Tag, daß der Rabenfteiner den jungen Welser überfallen und von diesem erschlagen sei. Die Ver—⸗ fuche, die junge Rabenstelnerin in Augsburg zu halten, mißlingen,

sie kehrt zu ihren Mannen auf. den Waldstein zurück, der nun vom jungen Welser gestürmt wird. Die Melberin will diesem grausamen Zerstörungtzwerk beiwohnen. Bersabe sieht sie an der Seite des Geliebten und hört ihr Höhnen.

In rasender Eifersucht und in wildem Zorn erschießt fie die Ka herzige; in Augsburg soll sie deshalb dem Tode . en. ieh, steht sie auf dem Schafott, als der junge Welser für sie eintritt, sie dem Henker abverlangt und sie zum Ehegemahl begehrt. Nach Augs⸗ burger Recht ist Bersabe gerettet. Es ut noch den alten Welser umzustimmen; das gelingt, und die glücklich Vereinigten ziehen aus, der Welser Besitzungen in Amerika zu sichern. Man sieht, es ist ein romantisches Ritterstück, das Wildenbruch 3 aber das Stück ist so voll von echtem dramatischen Leben, o durchdrungen von Frische und Warmherzigkeit, und das altertüm⸗ liche Gewand steht ihm so natürlich, daß der lebhafte Belfall, der nach jedem Akt einsetzte und der den Dichter wiederholt vor die Rampe rief, echt und vollberechtigt war. Das Schauspiel hat sicher seine schwachen Stellen; so ist vor allem die Notwendigkeit des Konflikts nicht jwingend, nachdem bekannt geworden, daß der Raben⸗ steiner zwar den jungen Welser ,,. und fast getötet hat, daß er aber bei dem Kampf selbst ums Leben gekommen 9 und die junge Rabensteinerin dem todwunden Patriniersohn das Leben gerettet habe. Dieser Mangel kommt dem Zuhörer aber kaum zum Bewußtfein, denn gerade der zweite Akt, in dem er sich findet, ist so voll drama—⸗ tischen Lebens und so prächtig in der Charaktertstik aller in ihm Auf= tretenden, so vorüglich in der Steigerung, daß er gewaltsam mit si fortreißt. So ist es hocherfreulich, feststellen zu können, da das neue Stück wohl das dramatisch wirksamste und dichte⸗ risch vollendetste ist, das wir Wildenbruch verdanken. Bas Königliche Schauspielhaus hat sich mit der Einstudierung ein künstlerisches Verdienst erworben und mit der Raben⸗ steinerin⸗ bei weitem die wertvollste Gabe dieser Spielzeit gebracht. Gespielt wurde ausgezeichnet, sowohl von Herrn Matkowgty, der den alten Rabensteiner gab, als auch von Frau Willig, die die herzhafte, tapfere und dann ebenso liebevolle Bersabe mit reifer Charakterisierungt⸗— kunst ausgestaltete. Die Herren Kraußneck und Zeller boten in der Darstellung der beiden alten Brüder Welser fieine Kabinettstücke, nicht minder Frau Butze, die die mütterlich⸗sorgende Frau Welser gab. risch, natürlich und gut charakteristert spielte Serr Staegemann en jungen Welser, so gut, daß man oh sagen darf, die Rolle gehört zu seinen hesten. err Nesper gestaltete die kleine Rolle des Stadtvogts von Augsburg sehr wirkungsvoll und Herr Pohl schuf aus dem Nunnenmacher, dem einen der Knechte des Raubrittert, eine Charakterrolle. Fräulein von Mayburg betonte die vom Dichter schon recht stark und einseitig gezeichneten, Unllebenswürdig= kelten der Melberin vielleicht etwas zu stark. Die Ausstattung war sehr stimmungs und U, Alles in allem, war es eine Auf⸗ führung, an der man in jeder Beziehung seine Freude haben konnte.

Neues Königliches Operntheater.

Das Gastspiel von Beerbohm Tree mit den Mitgliedern der von ihm geleiteten Bühne „His Majesty's Theatre“ in London wurde am Sonnabend und am gestrigen Sonntag fortgesetzt. Die vorgestrige Aufführung von Phe twelfth night“ (.Was Ihr wollt⸗) gestaltete sich für die Zuschauer wiederum zu einem a anten Erlebnis. Die Versuchung liegt ja hier sehr nahe, die Vorstellung mit der jüngst erfolgten. Neueinstudierung dieses Lustspiels im Königlichen Schauspielhause zu vergleichen, aber man täte, um mit Richard Wagner zu sprechen, den Göästen unrecht, wollte man nach Regeln messen, was nicht nach unserer Regel geht. Die Aufführungen der Engländer wollen aus ihrem Stil 3 ihrem Volks⸗ empfinden heraus verstanden werden, aus jener nationalen Gigenart in der Shakespeares Kunst, auch wenn f. wei darnber hinaus. wuchz, doch schließlich wurzelte. Die Aufführung von Wag Ihr wollt! war vor allem breiter, im Humor kibe e. an⸗ gelegt als bei ung. Pomphaft und pathetisch in den ernften Szenen in glänzendem äußeren Rahmen, durch viel Mustk unterstützt, gewann das tolle Spiel eine charakteristische Färhung, die den Geist der Bichtung in ihrer Art nicht unwirksam fur Geltung brachte; durch bie vielen lustigen Extempores wurde sie eher noch gehoben als ge⸗ stört. Dem künstlerischen Wesen des Hauptgastes scheint der Mal⸗ volio zuzusagen. Jedenfalls verlieh das Pathetische feiner Darstellung der Figur einen neuen, ihr nicht Übel anstehenden Zug. Fräulein Viola Tree war eine sehr anmutige Viola, die in ihrer Verkleidung als Cäfarlo scheue Unsicherhelt mit gezwungener Unverfrorenheit und auch mit Humor sehr anziehend zu verbinden wußle. Herr Freh Lewis war ein lustiger, dabei künstlerisch durchaus taktvoller Sir Toby, der in Herrn Quartermatne alg Aguecheek einen manchmal etwag farblosen Begleiter hatte. Auch die Leistung des Herrn Pounds gls Narr, der sich Lesonders auch durch feinen Gesang des berühmten Liedes Beifall 0 ist zu loben. Sprudelnd vor Nebermnt war die Marig. ber Miß Cieely Richards; eine sehr ympalhische und charakteristische kleine Leistüng war ferner der Antonio des Mr. Fisher White. Schöz und ideal, als rechter Märchenprinz, erschlen der Orsino dez Herrn Gill, Die begleitende Musik, deren Verfasser Andrew Levey ist, paßte sich recht gut dem Ton des Ganzen an.

Nicht minder interessant war der gestrige dritte Gaftspielabend, der uns die Bekanntschaft mit der berühmten Aufführung von „Antony and Cleopatra, vermittelte, die in London so viel Aufsehen erregt hat. Der Vorstellung wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, Seins Kaiserliche und Köntgliche Hoheit der Kronprini und andere Fürstliche Gäfte bei. Diefes Trauerspiel zählt nach landläufiger Auffafsung zu den schwächeren Dramen Shakespegreg, und die deutschen Thegter verhalten sich ihm gegenüber recht spröde. In Berlin ist es j. B. seit mehreren Jahrzehnten auf keiner Hühne erschienen. Der große Erfol Beerbohm Trees mit diesem Stücke beruht, darüber käͤuscht er fh wohl selbst am aller⸗ , der verschwenderischen Pracht der Auzstattung, die er

teil werden lassen; aber er hat doch damit erzielt, daß

sein Theater stark besucht wird und daß 1 fer 9 nsofern hat der Zweck die

ittel geheiligt das Intere ĩł 9 breitere Schichten des Volkes zu . hien . eschmack wird ja der Ausstaltungskunst hier zu vlel Raum ,.

regt aber die in vielen Einzelheiten auch darstellerisch beacht . dazu an, daß die hiesigen 3 . 5 z n gnius und Kleopatra! wieder annehmen, fo wirb fie uns dauern. . Gewinn gebracht haben. Den Antoniut spielte Herr , tee selbst etwas zu kühl verständig für diefen an feiner unheslvollen!

Liebegleidenschast zu Grunde gehenden Helben. Temperamenthosser

war die schlangenhaft geschmeidige Kleopatra des Fräuleins Constanee Collier, die nach 6. , Siene, in der sie den Boten aus Rom empfängt, mit Recht Durch

starken Beifall uad Hervorrufe ausgezeichnet wurde, ger e, che Römergestalten 6. 9. Sha . waren die Herren Basil . (Oetavlus) und XCstrange ene, und Herr Lyn Harding; ö. ncht minder stattliche Gn ha cblis, bfrachte be ende, ; 1 trockenen umor seiner Rolle wirksam zum ugdrud.

räulein Allce CFrawford, die Herren Duartermaine und White Iten hon den Inhabern dei zahlrelchen kleinerfn Rollen für ihre guten

istungen herborgehohen. Baß Haus war völlig ö und der ö erreichte nach dem Akts⸗ uffe und dem sehr . luß der Vorstellung eine r g. he, sodaß die J. sschen Säfte mit de' ihnen Hier bereiteten Aufnahme wohl jufrieden sein dürfen.