1887 / 32 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 07 Feb 1887 18:00:01 GMT) scan diff

von M. Ernst in München erschienene Flugblatt mit der Ueberschrist: „An die Reichstagswähler des Wahl⸗ kreises Landshut! Wähler des arbeitenden Volkes! Bürger! Arbeiter! Handwerker!“ verboten. Landshut, den 4 Februar 1887. Königliche Regierung von Niederbayern. Kammer des Innern. von Lipows ky.

Aichtauitsiches.

Deu tsches Reich.

Preußen. Berlin, J. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute die Vorträge des Chefs des Civilkabinets und des Vize-Präsidenten des Staats— Ministeriums, von Puttkamer. ; .

Am Vormittage nahmen Se. Majestät die Meldung des Korvetten⸗Kapitäns und Flügel- Adjutanten Freiherrn von Seckendorff entgegen.

Ihre Majestät die Kaiserin und Königin wohnte gestern Vormittag dem Gottesdienst in der Kapelle des Augusta⸗Hospitals bei.

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz nahm am Sonnabend Vormittag 11½ Uhr militärische Meldungen entgegen. .

Gestern Vormittag um 19 Uhr begab Sich Höchstderselbe zum Gottesdienst in die St. Nicolai⸗Kirche. .

Um 1 Uhr fuhren Ihre Kaiserlichen Hoheiten die Kron— prinzlichen Herrschaften mit den Prinzessinnen-Töchtern Victoria und Margarethe, Königlichen Hoheiten, nach Potsdam und ö mit dem um 4, Uhr von dort abgehenden Zuge hierher zurück. J

Abends 7 Uhr begab Sich Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz nach dem Victoria-Theater.

Der Schluß bericht über die vorgestrige Sitzung des Hauses der Abgeordneten und die Reden des Ministers der öffentlichen Arbeiten, Maybach, befinden sich in der Ersten Beilage.

In Bezug auf die Bestimmung des §. 210 Z. 1 der Konkursordnung: „Schuldner . . . . werden wegen einfachen Bankerutts ... bestraft, wenn sie 1) durch Aufwand, Spiel oder Differenzhandel mit Waaren oder Börsen— papieren übermäßige Summen verbraucht haben oder schuldig geworden sind ꝛc.“ hat das Reichsgericht, III. Strafsenat, durch Urtheil vom 13. 20. Dezember v. J. ausgesprochen, daß unter „Differenzhandel“ nur die auf Zeit abgeschlossenen Geschäfte, nicht aber effektive Kassageschäfte rein spekulativer Tendenz zu rechnen sind. Auch fallen Börsenspekulationen (sog. Börsenspiel) nicht unter den Begriff des „Spiels“ in der oben erwähnten Bestimmung.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Kaiserliche Unter-Staatssekretär von Puttkamer ist von Straßburg i. E. hier eingetroffen.

Der General-Lieutenant Bronsart von Schellen— dorff II., Commandeur der 17. Division, hat Berlin nach Abstattung persönlicher Meldungen wieder verlassen.

Der General-Lieutenant von Melchior, bisher Commandeur der 56. Infanterie-Brigade, ist aus Anlaß seiner Beförderung und Ernennung zum Eommandeur der 1. Divi— ion zur Abstattung persönlicher Meldungen hier angekommen.

Hamburg, 5. Februar (W. T. B.) Heute Vormittag wurde das seit Anfang des Monats bereits im Betriebe befind— liche neue Postgebäude am Stephansplatz feierlich eingeweiht. Vom Reichs-Postamt waren hierzu er⸗ schienen- der Staatssekretär Dr. von Stephan, die Direk— toren Hake und Dr. Fischer sowie der Geheime Ober— Regierungs-Rath Kind. An der Feier nahmen außerdem Theil; der Senat, Vertreter der Burgerschaft, der öffentlichen Anstalten, der Wissenschaft, Kunst, des Handels und Gewerbes u. s. w. Der Staatssekretär Pr. von Stephan dankte in einer Ansprache dem Senat und der Bürger⸗ schaft für die Mitwirkung sowie der Bauleitung für die liebe— volle Arbeit und schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und den Senat. Senator Petersen sprach seinen Dank aus und brachte ein Hoch auf den starken Schirm⸗ herrn des Baues, den Fürsten Bismarck, aus, in welches die Versammelten begeistert einstimmten. Ober⸗Postdirektor Letz forderte die Beamten zum pflichttreuen Mitwirken im Werke der Kultur und der Verkehrsinteressen auf und schloß mit einem Hoch auf den Staatssekretär Dr. von Stephan. Nach einem Rundgange durch das Gebäude wurde ein Frühstück in den oberen Räumen eingenommen. Nachmittags findet ein offizielles Diner statt.

Oesterreich⸗ Ungarn. Wien, H. Februar. (W. T. B.) Im Abgeordnetenhause erklärte heute, in Beantwortung der gestern von dem Abg. Mauthner über die auswärtige Lage eingebrachten Interpellation, der Minister Ziemialkowski, in Vertretung des durch Unwohlsein am Erscheinen verhinderten Minister-Präsidenten: Die Be— . der Monarchie seien zu allen auswärtigen Mächten

efriedigende, und es sei namentlich in der letzten Zeit

keinerlei dem Frieden nachtheilige Aenderung eingetreten. Trotz der Unsicherheit und des Ernstes der allgemeinen poli⸗ tischen Lage Europas halte die Regierung an der Hoffnung fest, daß es gelingen werde, den Frieden aufrecht zu erhalten, da dies den wiederholt betonten Wünschen aller Regierungen und namentlich dem der Kaiserlichen Regierung entspreche. Wenn nichtsdestoweniger Seitens der militärischen Verwaltungen ge— wisse Anschaffungen für nöthig befunden wurden, so enspreche dies jenen Erfordernissen der Vorsicht und Vorsorge für die Sicherheit und Machtstellung des Reichs, welche die Regie⸗ rung als eine ihrer wichtigsten Pflichten ansehe. Es könne hierin ebensowenig ein kriegerisches Symptom erblickt werden, als in der seiner Zeit erfolgten Einholung der verfassungs⸗ mäßigen Zustimmung zu jenen als nöthig anerkannten mlli— tärischen Vorsichtsmaßregeln.

Pest, 4. Februar. (Pr.) Der Referent der unga⸗ rischen Quoten-Deputation, Dr. Falk, hat bereits das

Uuntium fertiggestellt. Der persönliche Verkehr beider Quoten⸗Deputationen mußte m, hinausgeschoben werden, weil die Ungarn vorher die Berathungen zwischen der ungarischen und der lroatischen Regnikolar⸗Deputation erledigen wollen, nachdem die Kroaten dem am 15. d. M. zu eröffnenden kroatischen Landtage über die Nesultate referiren wollen. Die Kroaten hielten heute eine Berathung ab, in welcher der Referent Miskatovics betraut wurde, die Forderung, be— treffend die Errichtung respektive Ergänzung der Sektionen, zu formuliren.

Belgien. Brüssel, 6. Februar. (W. T. 3 Heute fand bei der Zeitung Le peu ple“ eine Haus fuchung statt, bei welcher das Blatt „L. Conserit?, dessen erste Nummer gestern erschienen war, be schlagnahmt wurde.

Großbritannien und Irland. London, 86. Februar. (W. T. B.) Der Prinz von Wales ist heute Abend über Paris nach Cannes abgereist.

(A. C.) In Dundee fand am Donnerstag Abend eine , zu Gunsten des Homerule für Schottland statt, der etwa 3000 Personen beiwohnten. Die Verhandlungen gipfelten in der Annahme einer Res olution, welche erklärt, daß die Regelung aller ausschließlich schottischen Angelegenheiten in die Hände des schottischen Volkes gelegt werden sollte. Eine Abschrift der Resolution wurde dem 6 von Salisbury und Hrn. Gladstone über— mittelt.

Frankreich. Paris, 5. Februar. (Köln. Ztg.) Der heutige Ministerrath beschloß, der Kammer keinen Vor⸗ schlag zur Aenderung der Tagesordnung in dem Sinne zu machen, daß das Militärgesetz vor der Getreidezoll⸗ frage berathen werde, vielmehr der Kammer selbst die Be— stimmung über diese Angelegenheit zu überlassen. Bezüglich der Erhöhung des Getreidezolls wurde der Ackerbau-Minister ermächtigt, seine persönliche Meinung zu vertreten, da hier— über im Ministerium gleichwie in der Kammer getheilte An— sichten bestehen.

6. Februar. (W. T. B.) Ein Telegramm des General-Residenten Bihourd in Hue, von gestern, meldet: die Truppenabtheilung des in Thanhoa operirenden Abersten Brissagud habe am 2. d. M. die stark befestigte Stellung von Hasenvuilsii E) besetzt. Mak ao (? sei von den Chinesen und Annamiten, die sich dort in ziemlich starker Anzahl festgesetzt hatten, geräumt. Der Widerstand des Feindes sei ein ernster gewesen; die französischen Truppen hätten 8 Verwundete, darunter 2 Offiziere, gehabt.

Italien. Rom. H. Februar. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Senats brachte der Minister-Prä— sident Depretis die von der Deputirtenkammer angenommene Vorlage, betreffend die Bewilligung eines außerordent— lichen Kredits von 5. Millionen, ein. Der Senat beschloß die sofortige Berathung und nahm den Gesetzentwurf ohne Debatte einstimmig an.

6. Februar. (W. T. B.) In einem Bericht eines Schiffs kommandanten aus Massovah, vom 22. Ja⸗ nuar, an den Marine-Minister heißt es: Ras Alula ließ den Ober -⸗Befehlshaber der italienischen Truppen, General Gensé, durch Vermittelung des in Ketten gefangen gehaltenen Grafen Salimbeni auffordern, die vorgeschobenen Forts zu räumen und sich allein auf, die Occupation von Massovah zu beschränken. Graf Salimbeni bat, dieser Aufforderung nachzukommen, da er mit dem Tode bedroht werde. General Gené antwortete, daß er der Aufforderung nicht Folge leisten könnte. Die bezeichneten Forts dienten zum Schutz der Karavanen. Er sei bereit, die Drohungen der Abyssinier zurückzuweisen.

Griechenland. Athen, 5. Februar. (W. T. B.) Die Rekruten-Einstellung soll bis zum Juni verschoben worden sein.

Amerika. Washington, 4 Februar. (R. B.) Der Präsident Cleveland hat die Bill über den Verkehr zwischen den Staaten der Union sanktionirt und die Bill über die Zählung der Wahlstimmen unterzeichnet sowie die Demission des Schatzamts-Sekretärs Manning und des Schatzmeisters der Vereinigten Staaten, Jordan, welche beide an die Spitze der neugegründeten Western National Bank von New-Hork treten, angenommen.

Afrika. Egypten. Kairo, 5. Februar. (R. B.) Die französische Regierung hat nunmehr eingewilligt, daß die egyptische Regierung 250 000 Pfd. Sterl. egypt. zur Abschaffung der eorvéèe (Frohnarbeit der Fellachen) verwende. Die egyptische Regierung hat daher alle zu Frohn⸗ diensten Verpflichteten aufgefordert, sich zu melden.

Zeitungsstimmen. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt:

Bei einer deutschfreisinnigen“ Versammlung in Tilsit waren 65 Personen anwesend, von denselben bekannten sich 19 als Anhänger des Septennats, und nachdem sich diese entfernt hatten, beschlossen die übrigen einstimmig, eine Zustimmungsadresse an Hrn. Richter zu senden. Von dieser „glänzenden“ Kundgebung machte die „Frei⸗ sinnige Zeitung“ bedeutendes Äufheben.

Aus Landsberg a. W., v. 3. Februar, berichtet man der „Neuen Preußischen Zeitung“: Der Kandidat der „Liberalen“, Stadtrath Richard Groß, erklärte in der allgemeinen Versammlung soeben: „Ich ftehe wohl auf dem Programm der Deutschfreisinnigen, werde aber unbedingt für das Septennat stimmen. Nimmt mich wegen dieses letzteren Umstandes die deutschfreisinnige Fraktion nicht auf, so werde ich keinesfalls zu den Nationalliberalen mich gesellen, sondern mit allen Denjenigen zusammenthun, welche aus demselben Grunde von den Deutffreisinni⸗ gen nicht aufgenommen werden.“ (Werden Freisinnige dieser Art mehrfach gewählt, so darf man sich auf eine neue Secession“ gefaßt machen.)

Der Münchener Korrespondent der „Kölnischen Zeitung“ schreibt derselben:

„Ohne voraus die Namen nennen zu dürfen, weiß ich gewiß, daß zwei weitere Centrumskandidaten dem Septennat freundlich sind, zu⸗ sammen also bisher sechs. Die Umwandlung innerhalb des Centrums ist damit noch lange nicht abgeschlossen.

Die „Post“ meldet:;

In Graudenz hat man den Staats Minister a. D. Hobrecht als den ihn en Kandidaten aller deutschen Wähler aufgestellt, ohne daß sich die Deutsch-Freisinnigen um die Wünsche ihres Parteipapstes kümmerten, wie das ja auch anderwärts oft geschehéen ist. Der Graudenzer Gelellige' begrüßt diesen Entschluß mit folgenden kräf⸗ tigen Worten: „Der Beschluß der Graudenzer liberalen Wählerversamm⸗

lung wird wahrhaft nationalgesinnte Deutsche aller Parteien unseres Wahl⸗ lreises mit aufrichtiger Freude erfüllen. Die Hetzartikelchen des sogenannten Deutschen Reichsblatfes⸗ und die Diktaforfvrache des Eugen Richter schen Organs haben sich als gänjlich einflußlos erwiefen. Partei⸗ nervosität ist bei uns in der Ostmark. dem Kampffelde zweier Na= tisnalitäten, eben nicht angebracht. Wenn die Deutschfreisinnigen des Wahlkreises für Hrn. Hobrecht stimmen, machen sie fich nicht zu Deutschen zweiter Klasse, die anderen Parteien börig sind (wie sich das Berliner sogenannte . Dentsche Reichsblatt! ausdrückt), fondern sie zeigen sich als Deutsche erster Klasse, als Deutsche, die ihr Vater⸗ land lieben und nicht blos Parteiintereffen kennen, sondern auch die Pflichten einer deutschen Partei richtig zu würdigen wissen.

Zu den Wahlen sagt die „Berliner Börsen— Zeitung“:

Ein ganz besonderes Interesse in der gegenwärtigen Wahlbewegung nehmen die Vorgänge im ultramontanen Lager in Anspruch. Die klerikalen Blätter mögen noch so viel Widerfpruch und Spott äußern, die Thatsache bleibt doch bestehen, daß in der Centrumspartei eine lebhafte Gährung und Zersetzung herrscht und daß eine höchst beachtens⸗ werthe Scheidung der Geister sich vollzieht. In Dutzenden von Wablkreisen, die als die festesten Besitzungen der Ustramontanen gelten, sind den bisherigen Abgeordneten von der ertremen antinational oppositio; nellen Richtung Kandidaten gegenüber gestellt worden, an deren gutkirch⸗ lich⸗katholischer Gesinnung nicht zu zweifeln ist, die vollkommen auf dem kirchenpolitischen Programm der Centrumspartei stehen, die aber nicht mehr einsehen, was die Interessen der katholischen Kirche mit den welfischen Bestrebungen des Hrn. Windthorst und mit der För⸗ derung aller destruktiven, reichsfeindlichen Wählereien zu thun haben. Zum nächsten Ausdruck ihrer Gesinnung verpflichten sich diese Kan— didaten förmlich auf das Septennat oder sie geben, wie auch einzelne bisherige Abgeordnete der Centrumspartei, Erklärungen ab, wonach sie sich ihre Entscheidung vorbehalten, was nach Lage der Sache auch nicht viel anders ist, als die Zufage der Bewilligung. Inwiefern diese gemäßigtere, reichsfreundlichere Gesinnung im Centrum schon bei den bevorstehenden Wahlen zum Sieg kommt, wollen wir abwarten. Aber auch wenn die ultramontanen Intransigenten noch einmal allent⸗ halben durchdringen sollten, fruchtlos wird diefe Bewegung im kleri—⸗ kalen Lager doch nicht bleiben. Die Oprosition gegen die welfisch⸗ demokratische Leitung des Centrums ist doch, und zwar gerade in den geistig und wirthschaftlich höher stehenden und unzweifelhaft gut kirchlich gesinnten Schichten des katholischen Volkes zu einem Aug— druck gekommen, der mächtig fortwirken wird, auch wenn in der parlamentarischen Vertretung zunächst noch der alte Geist überwiegen sollte, Es kracht und gährt in der Centrumsvartei an allen Ecken und Enden, und Herr Windthorst wird für seine welfisch-⸗demokratifchen Interessen nicht nur keine Reichstagsmehrheit, er wird auch seine Partei nicht mehr geschlossen hinter sich haben.

In einem „Ein neues Bild“ betitelten Aufsatz sagt der „Schwäbische Merkur“:

In früheren Reichstagswahlkämpfen nahm man es zumeist er— gebungsvoll als Schicksal hin, daß die ungefähr hundert Mann, welche sich Centrum nennen und der Führerschaft Windthorst's folgen, aus der Wahlurne wieder hervorgehen werden. Es sei da nichts oder nicht piel zu machen, hieß es; das Verhältniß sei eben als ein Unglück zu betrachten, andere Zeiten würden es vielleicht einmal ändern. Andere Zeiten? Schlechter Trost. Die Zeiten sind die Menschen. Wir dürfen die Hand nicht in den Schoß legen auch den schwierigsten äußeren Umständen gegenüber. Wenn' wir uns nicht wehren, wird sich Niemand für uns wehren. Höchstens werden die Umstände noch schlechter, wenn wir ihnen thatenlos zusehen. Aus den hundert werden dann hunderteins, hundertzwei u. f. f. Das hat sich auch wirklich bewahrheitet, mancher Wahlkreis ist dem Eentrumn noch zugefallen, weil man auch das für Schicksal nahm, auch in diesem und jenem Wahlkreise zusah, wie er vollends erobert wurde, statt jeden Zoll breit zu vertheidigen. Nicht überall ist es fo gewesen, besonders am Rhein ist vielfach mit Aufbietung der äußersten Kraft gekämpft worden, streitige Sitze sind genommen, nur nach hart— näckigstem Widerstand verloren und auch wieder gewonnen worden. Aber allerdings, das waren Erfolge der natio⸗ nalen Anstrengungen in einzelnen Fällen, der große Be⸗ stand des Centrums ist geblieben. Im jetzigen Wahlkambf aber soll endlich, wie es scheint, auch an ihn die Hand gelegt werden. Der »Thurm“ wird untergraben. Es wäre freilich ein Wunder, wenn es gelänge; aber es wäre auch des Schweißes der Edeln werth! Und an Wundern bietet ja dieser Wahlkampf noch Anderes. Sucht man doch „»deutschfreisinnige! Kandidaten und wird sie allem Anfchein nach auch finden, welche für das Septennat stimmen. Man wird eben noch merkwürdige Dinge in diesem Wahlkampfe erleben, wenn einmal dem Wähler überall die Augen aufgegangen sind, daß es sich handelt um Daus und Hof, um Weib und Kind, sie zu sichern, zu schirmen vor Feindesgefahr. Und wenn nun fromm katholifche Männer, Leuchten ihrer Konfession, von hochangesehenen Namen, wie Fürst Leopold von Hohenzollern, ein Verwandter des Kaiserhauses, aus demselben alten schwäbischen Herrscherstamme entsprossen, hervortreten und einen Auftrag als schlichte Abgeordnete des Volks anzunehmen sich bereit erklären; .. wenn das katholische Volk ... eine Anzahl von Männern, wie sie jetzt vorgeschlagen sind, so Fürst Leopold, Fürst Isenburg, der kommandirende General von Los, Freiherr von Sole— macher, wirklich wählt, und diese bilden einen Stamm, der zu Allem bereit sein wird, nur nicht welfischer Führung zu folgen; nun dann wird eben ein Loch in die Grundlage des ‚Thurmes“ gegraben, dann ändern sich eben die Zeiten

Ministerial-Blatt für die gesammte innere Verwal— tung in den Königlich preußischen Staaten. Herausgegeben im Bureau des Ministeriums des Innern. Nr. J. Inhaͤlt: Behörden und Beamte. Verzeichniß von Behörden, an welche Gesuche um An⸗ stellung Seitens der Militäranwärter zu richten sind. Unterrichts⸗ zerwaltung. Konservirung vorgefundener Ueberreste der Vorzeit, wie Stein⸗ und Erdmonumente ꝛc. Verwaltung der Kommunen, Kor⸗ porationen und Institute. Die Erfatzwahlen für den Provinzial⸗ Landtag. Verträge mit Kreis-Korvsrationen über die Erfüllung der gesetzlichen Bedingungen für den Bau von Eisenbahnen. Die mit der Staatsaufsicht verbundenen Befugnisse der sogenannten Zwangsetatisirung, der Selbstverwaltung der Provinzen, Kreise und Gemeinden gegenüber, betreffend. Verwaltung der öffentlichen Arbeiten. Praktische Ausbildung der Eleven und Regierungsbauführer des Maschinenbaufachs. Bezeichnung derjenigen Dienststellen in der allgemeinen Bauverwaltung, welche in Gemäßheit der ertheilten Vor— schrift nur auf Kündigung besetzt werden sollen.

Cisenbahn- Verordnungs⸗Blatt. Nr. 4. Inhalt: Allerhöchster Erlaß, betr. Ernennung der im Staatseisenbahndienste beschäftigten Königlichen Regierungs-⸗Baumeister des Maschinenbau⸗ fachs zu Bau-Inspektoren bei der ersten etatsmäßigen Anstellung. Vom 24. Januar 1887. Erlaß des Ministers ' der öffentlichen Arbeiten: vom 21. Januar 1887, betr. Verwendung der in den Betriebs Etats für außergewöhnliche Unterhaltung und Ergänzung“ vorgesehenen Mittel. Nachrichten.

Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 6. Inhalt: Amtliches: Personalnachrichten. Nichtamtliches: Die Berliner Stadtbahn im ersten Jahrfünft. Wohnhaus in Berlin. Der Kraftbegriff und andere in der Mechanik übtiche Ausdrücke. Selbst⸗ thätiges Wehr mit rautenförmigen Klappen. Das neue Haupt⸗ Postamt in Paris. Trockenlegung feuchter Einschnittsböschungen mittels Drainröhren. Vermischtes: Neubau eines Dienstgebaudes für das Finanz⸗Ministerium in Dresden. Besuch der technischen Hochschulen des Deutschen Reichs. Bauten und Denkmäler Bremens. Heizung der Lokomotiven und Dampfschiffe mittels Naphtas. Umgestalkung der Stadtmitte von Florenz. Entwurf eines indo⸗europäischen Kanals. Stahldraht bon besonders hoher Festigkeit. Bücherschau. Bekanntmachung.

Landtags⸗ Angelegenheiten.

Dem Herrenhau se ist der Bericht der ILE. Kommission über die Entwürfe einer Kreisordnung für die Rheinprovinz und eines Gesetzes über die Einführung der Provinzial“ ordnung vom 29. Juni 1875 in diefer Provinz, nebst den Ab anderungs Antrãgen, zugegangen.

Dem Hause der Abgeordneten ist ein Gesetzentwurf, betreffend das Theil ungs verfabren und den gerichtlichen Verkauf von Immobilien im Geltungsbereiche des Rheinischen Rechts, zugegangen, ferner ein von den Abgg. Dr. von Cuny, Greiß, Lehmann und Olzem eingebrachter Antrag auf Annahme eines Gesetzes, betreffend die Ergänzung des Gesetzes vom 20. Mai 1885 über die Veräußerung und rl erf eta mn; Belastung von Grundstücken im Gel—⸗ tungsbereich des Rheinischen Rechts.

Statiftische Rachrichten.

Die Nr. 377 der Mittheilungen der Großherzeg— lich hessischen Centralstelle für die Landesstatistik. hat folgenden Inhalt: Ergebnisse des Betriebes der Oberhessischen Eisen⸗ bahnen 1885.86. Einnahmen aus Stempelmarken 1884/85. Steuerrückvergütungen für ausgeführtes Bier 1885,84. Meteorol. Beobacht. zu Darmstadt Dezember 1885. Meteorol. Beobacht. zu Schweinsberg Dezember 1886. Meteorol. Beobacht. zu Kassel Dezember 1886. Vergl. meteorol. Beobacht. Norember 1836. Preise der gewöhnl. Verbrauchsgegenst. Dezember 1886. Sterblichkeitsverhältn. Dezember 1886. Anzeige.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Soeben erschien:; Theorie und Praris des heutigen gemeinen preußischen Piniivatrechts.“ Auf der Grundlage des Werkes von Dr. Franz Förster bearbeitet von Dr. M E. Exgcius, Geh. Ober ⸗Justiz-Rath und vortrag. Rath im Justiz⸗Ministerium. I. Band. (Die Grundbegriffe und die Grundlehren des Rechts der Schuldverhältnisse) Fünfte Auflage, (Zweite der neuen Bearbeitung.) (Verlag von Georg Reimer in Berlin sW. 116. Preis: geheftet 15 „, gebunden 17,50 M) In dem Vorwort zu dieser (65.) Auflage sagt der Verfasser: Die neue Ausgabe der Theorie und Praxis des preußischen Privatrechts bezeichnet sich als auf Grundlage des Ver kes von Dr, Franz Förster“ von mir bearbeitet. Als ich vor sieben Jahren unternahm, das Buch meines verstorbenen Freundes in vierter Auf— lage herauszugeben, war ich mir bewußt, daß die Veränderung der Gesetze und die Nothwendigkeit der Erörterung neuerdings hervor- getretener Fragen zu einer erheblichen Umgestaltung des Werkes führen werde. Aber nur der Wunsch, Förster's Buch der Praxis zu erhalten, hatte mir die Feder in die Hand gegeben und ich mußte mich deshalb bei meiner Arbeit streng an die Gedankenfolge Förster's anschließzen, durfte von den Ausführungen desselben nicht leicht etwas fortlassen und hatte Wort für Wort zu prüfen, ob ein Anlaß zu Abänderungen vorliege. Sollte sich freilich meine Arbeit als ein einheitliches und brauchbares Werk erweisen, und sollte der innere Zusammenhang der von mir selbständig bearbeiteten Abschnitte und des Ueberarbeiteten nicht vermißt werden so durfte ich nicht unterlassen, der eigenen Auf⸗ fassung, wo sie von der Förster's wesentlich abwich, bestimmten Aus— druck zu geben. Im Fortgang meiner Arbeit zeigte sich, daß die Les⸗ barkeit und Uehersichtlichkeit des Werkes bei zu strengem Festhalten dieser ursprünglich befolgten Methode, leiden würde, und ich fam des halb dazu, mehrfach nur das Wesentliche des Förster'schen Buches in die neue Bearbeitung hinüber zu nehmen. Als unmittelbar nach Vollendung meiner Arbeit das Bedürfniß nach einer neuen Auflage hervortrat, mußte ich mir sagen, daß die vierte Ausgabe nicht durch⸗ aus gleichmäßig bearbeitet sei, und, daß die ersten Abschnitte des Buches nicht überall den vollständigen Ausdruck meiner eigenen Anschauung enthielten. Ich habe deshalb geglaubt, bei der neuen Bearbeitung gegenüber dem Förster schen Werk einen freieren Stand— punkt in Anspruch nehmen zu sellen. Bei den Rechtsnachfolgern meines verewigten Freundes fand ich hierfür die vollste Zustimmung. In Uebereinstimmung mit denselben habe ich Förster's Werk als die Grundlage meiner Arbeit festgehalten, aber ich darf das, was ich biete, nicht mehr als Förster's Werk bezeichnen, wenn auch Einzelnes ohne wesentliche Aenderung übernommen ist. Festgehalten habe ich im Wesentlichen, aber nicht überall, an der Ordnung, in welcher Förster den Rechtsstoff behandelt hat, wenn ich dabei auch zuweilen einen abweichenden) systematischen Aufbau versucht habe. Infolge dessen hat in diesem Bande den einzelnen Paragraphen in ihrer früheren Zahlenbe eichnung meist im Wesent⸗ lichen derselbe Rechtsstoff wie in den früheren Ausgaben belassen werden können. Der 5. 23, welcher von der allgemeinen Natur der Beziehungen des. Subjekts zum Objekt, der Berechtigung handelte, ist in zwei Paragraphen zerlegt, die dem persönlichen und dinglichen Recht und einer allgemeinen Erörterung des Grund- buchwesens gewidmet sind. An die Stelle des mit Verfügungsfähigkeit überschriebenen 5. 2 ist, eine Auseinandersetzung über das Rechts- geschäft? getreten. In die Behandlung der Verjährung durch Nicht⸗ gebrauch (8. 57) ist die in den früheren Ausgaben davon gesonderte Erörterung der Verjährung von Entschädigungsansprüchen (6. 120 der früheren Ausgabe) hineingezogen. Die Anfechtung von Rechts⸗ handlungen durch Gläubiger, welcher Förster ihren Platz im Vertragz⸗ recht (5. 88) angewiesen hatte, ist an dieser Stelle gestrichen; die Anfechtung von Verträgen durch die Paciszenten ist in den 8§. 87 verwiesen und 5§. 88 ist zu einer zusammenfassenden Darlegung der bei Aufhebung und Anfechtung von Verträgen entstehenden Rück leistungspflicht benutzt worden. Der Vermögensverfall und das Konkurs recht, denen Förster mit Rücksicht auf die dadurch bewirkte Ver— änderung im Obligationsgegenstand ihre Stelle angewiesen hatte (68. 109 bis 116), sind in die Lebre, vom gerichtlichen Schutz der Schuld— verhältnisse, insbesondere in die der Darstellung von Klage und Ein— rede aus Schuldverhältnissen hinzugefügte Lehre vom gerichtlichen Zwang gestellt worden. An rieser Stelle hat auch im Anschluß an die das Civilrecht berührenden. Grundsäße von der, Zwangs vollstreckung (88. 111. das Anfechtungsrecht (6. 114) Erörterung gefunden. Für die Darstellung der einzelnen Lehren hahe ich den Grundgedanken Förster's, die Theorie des preußischen Rechts im Zusammenhang mit der jetzt maßgebenden Auffassung det gemeinen Rechts darzustellen, überall festgehalten. Im Uebrigen bin ich davon ausgegangen, daß die vorliegende Bearheitung meine eigene Auffassung wiedergeben soll, ich habe deshalb auch nicht wie in der vorigen Ausgabe überall sondern nur da, wo mir dieser Hinweis erheblich schien, darüber Rechenschaft gegeben, wie sich die jetzt vertretene Auffassung zu derjenigen Förster's verhält. Einen Theil der gemeinrechtlichen Auseinandersetzungen, der mir zur Illustra⸗ tion des preußischen Rechts nicht wesentlich schien, babe ich im Ver— hältniß zu den früheren Ausgaben gekürzt. Die Revision der einzelnen landrechtlichen Lehren hat mich nicht selten von dem Standpunkt Försters noch weiter, als in der vorigen Ausgabe hervortritt, ab— geführt, auch die eigenen Auseinandersetzungen der vorigen Ausgabe habe ich nicht ohne Kritik und in Folge dessen nicht überall unverändert beibehalten. Eine nicht unerhebliche Anzahl von rechtlichen Beziehungen, welche garnicht oder nur beiläufig erörtert waren, hat grundsätzlichs und eingehende Erörterung gefunden. Be— sondere Rücksicht ist selbstverständlich überall auf die Praxis des Reichs gerichts genommen. Nach meinem Dafürhalten gehört es u den wesentlichen Aufgaben einer wissenschaftlichen Erörterung des Rechts, der Fortentwicklung desselben in der Praris aufmerksam zu folgen, die Ergebnisse derselben aber nicht ohne Weiteres anzunehmen, sondern zu prüfen. Wo ich dem Reichsgericht nicht zustimmen konnte, habe ich die abweichende Ansicht zu begründen versucht !;

Prinz Kraft zu Hohen lohe-Ingelfingen (General der Infanterie) Strategische Briefe J. (E. S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung, Berlin 8W. 12, Kochstr. 68 —= 70. 7 4.5 Prinz Kraft zu Hohenlohe⸗-Ingelfingen läßt auf seine

Militärischen Briefe', die ihm schnell das gesammte militärische Publikum gewonnen haben, . Strategische Briefen folgen. Er be—⸗ stimmt die Strategie als eine Kunst, zu welcher nur gewisse Cbaraktereigenschaftzen befähigen, erhsht durch Studium und entwickelt und erprobt durch Erfahrungen im Dienste und Kriege. Da sich die Lehren der Strategie am Deutlichsten und Leichtesten aus der Betrach- tung bestimmter Feldzüge ergeben, so erörtert der Verfasser den Be— ginn des Krieges von 1805, die Eröffnung des Feldzuges von 1859 in der Lumellina bis zur Schlacht von Magenta und die des Krieges von 1870 bis zur Schlacht von St. Privat in insgesammt 20 Briefen, in welchen nicht allein dieselbe Klarheit. Gefälligkeit und Sicherheit der Darstellung, wie sie den früheren Briefen eigen war, den Leser fesselt, sondern zu aller Belehrung über die wichtigsten Fragen der Heerführung auch manche höchst werthvolle Erweiterung unserer Kennt- nisse über die Begebenheiten jener Kriege selbst geboten wird.

. Das bulgarische Festungsviereck.“ Ein Rüdcblick auf den russisch - türkischen Krieg 1877 78. (E. S. Mittler C Sohn, Tönigliche Hofbuchhandlung, Berlin, Kochstr. 55 70. C75 47) Ein mit den Ereignissen des russisch-türkischen Krieges von 1877 78 aufs gengueste vertrauter Militär macht in einer Schrift; Das bul— garische Festungsviereck' auf den oft verkannten großen Einfluß auf⸗ merksam, den dasselbe (Rustschuk Silistria Warna Schumla) auf die Operationen dennoch ausgeübt hat, und weist nach, wie es einer— seits die Russen genöthigt hat, die langen BVerbindungslinien durch Rumänien zu wählen, anderseits die Türken ihre Streitkräfte zu ver— zetteln veranlaßt hat. Ein Rückblick auf den Verlauf des Krieges ergiebt im Einzelnen, daß es für den Gang der Ereignisse von ein— greifender Wichtigkeit gewesen ist.

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Katalog TLVIII von Ludwig Rosenthal's Anti quariat in München, Hildegardstraße 16. Telegramm ˖ Adresse: Rosenthal, Antiquariat, München. Genealogie und Heraldik. II. Abtheilung: Art. officiel. Geburts-, Krönungs, Leichenfeierlich⸗ keiten u. dgl. von Mitgliedern regierender Fürstenhäuser und von Prä— laten. Stammbücher und Stammbuchblätter. Ritterorden. Duellwesen. Nachträge zu beiden Abtheilungen. (München. G. Meßner's Buchdruckerei M. Spechth.

Gewerbe und Handel.

Das ‚Deutsche Handel s-Archiv“ (Februarheft) weist in einer Mittheilung über den auswärtigen Handel Japans im Jahre 1885 darauf hin, daß Deutschland auch an der Zufuhr von Butter und kondensirter Milch, für welche Artikel in Japan eine steigende Nachfrage bei guten Preisen vorhanden sei, sich betheiligen könnte. Wie die Butter-Versandtgeschäfte jetzt die deuische Kriegs- marine zu befriedigen verstehen, so sollte es denselben unschwer ge— lingen, mit Hülfe der neuen Dampferlinien auch Japan mit Butter zu versorgen. Aus einem Artikel der genannten Zeitschrift, betreffend die Betheiligung Deutschlands an der Antwerpener Weltausstellung 1885, verdient u. A. hervorgehoben zu werden, daß von den 825 deutschen. Ausstellern, nachdem 9 der hervorragendsten derselben in ihrer Eigenschaft als Mitglieder der Jury, „hors coneurs“ ge— setzt waren, 774 Belohnungen erhielten. Auf 109 Aussteller entfielen hiernach 94 Belohnungen, während der Prozentsatz für die anderen europäischen Länder, nämlich England, Oesterreich, Belgien, Frank—⸗ reich, Italien, Rußland und die Schweiz nur bezw. 71,4, 84, 4, 70,7, Sö,l, 85,9, 86, und 804 betragen habe. . den verschiedenen Zweigen der Eisen⸗ und Stahlindustrie soll in Chile der englische Import noch vorherrschend sein. Abgesehen von einer Lieferung Stahl schienen, welche von einer deutschen Firma ausgeführt wurde, sollen Lokomotiven, Lokomobilen, landwirthschaftliche Maschinen und Werk— zeuge, Schienen, Dampfkessel und kleinere Eisen⸗ und Stahlgeräthe und Werkzeuge fast ausschließlich aus England eingeführt werden. Deutsche Waaren sollen überhaupt in Chile zu denselben Preisen wie englische nur mit äußerst geringem Gewinn zu verkaufen sein. Laut einer Mittheilung aus Venezuela hat sich die dortige Lage in letzter Zeit günstiger gestaltet. Nach langer Pause seien in Caracas und an den anderen Stapelplätzen wieder zahlreiche Käufer eingetroffen. Die bisher stattgehabten Umsätze sollen befriedigt haben Der Auf— schwung, welchen das schwedische Spritgeschäft genommen bat, erhellt daraus, daß nach dem „Deutschen Handelsarchiv“ die Einfuhr von fremdem Sprit nach Schweden von 61 200 1 im Jahre 1884 auf 22548 0001 in den ersten elf Monaten 18835, und die Ausfuhr von 182 0001 in 1884 auf 21 094 990 1 in den ersten elf Monaten 1886 gestiegen ist. Die gesammte Mehr-Einfuhr und Ausfuhr seit 1384 wird der , . Ausdehnung der Spritveredelungsfabrik in Tarlshamn zugeschrieben.

5 . Von k Pfandbrief⸗-⸗Institut sind bis Ende Januar 1857 7716900 C zeęYaige, 20 281 200 M6. 40 ige, 4553900 6ᷣé 45 0.ige und 9 457 200 0. 5 G/oige, zusammen 32979 200 S6 Pfandbriefe ausgegeben, wovon noch J Hötz 900 „60 3 ige, 17860 200 „t 40 ige, 28 499 700 66, 430ige und 4 685 500 6 5 (oige, zusammen 58 703 400 „6 Pfandbriefe Seitens der Grundstücksbesitzer verzinslich sind. Es sind zugesichert, aber noch nicht abgehoben 3352 200 „, im Laufe des Monats Januar 1887, angemeldet 1 Grundstück mit einem Feuer⸗Versicherungswerthe von 24 5 0 .

Die Vertreter der Leder-⸗Industrie Deutschlands haben im Sommer vorigen Jahres mehrfache Berathungen gehabt, um für die im Rückgang begriffenen Messen einen Ersatz zu schaffen. In einer in Frankfurt a. M. abgehaltenen Versammlung war man übereingekommen, an Stelle der Messen . Börsentage“ zu veranstalten. Diesem Beschluß zufolge haben bereits in Frankfurt a. M. und in Leipzig Börsentage stattgefunden, welche einen sehr günstigen Verlauf genommen haben. Am Sonnabend fand nun im Generalversammlungs⸗ Saale der hiesigen Fonds börse wieder ein solcher Börsentag statt und nahm einen sehr erfreulichen Verlauf. Vertreten waren beinahe alle Abtheilungen der Lederindustrie, so der Rohlederhandel, Fabrikanten aller Gattungen, Kommissionäre, Grossisten und Detailbändler, Schuh⸗ fabrikanten, Handschuhmacher, Händler in Gerbstoffen, Thran, Degras, Maschinenfabrikanten u. s. w.; der Besuch war also ein außerordent⸗ lich zahlreicher. Der Börsentag wurde durch den Vorsitzenden des Aeltestenkollegiums der Berliner Kaufmannschaft. Commerzienrath Frentzel, mit einer Ansprache eröffnet, welche mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser schloFß Der geschäftliche Verkehr entwickelte sich alsdann in umfangreicher Weise.

Nach dem Geschkäftsbericht des Aktien Bauvereins Unter den Linden pro 1886 haben sich die Verhältnisse der Ge⸗ sellschaft wieder gebessert. Von der schwebenden Schuld wurden 25 978 S und mit dem 1. Januar cr. weitere 700) Mt gezahlt, so daß dieselbe jetzt nur noch 22 654 t beträgt. Diese dürften im Laufe des Jahres aus dem Betriebe gedeckt werden. Der Ueberschuß pro 18865 beträgt 24 177 Hiervon werden 2000 ½ für Projekt⸗ skizzen abgesetzt, 10 970 * auf Grundstück abgeschrieben und der Rest von 12177 zur Verringerung der Unterbilanz verwendet. Letztere beträgt nunmehr noch 1 65357935 4

Aus dem Geschäftsbericht des Dortmunder Bank— Vereins für das Jahr 1885 sind folgende Angaben hervorzuheben: Der Gesammtumsatz hat sich gegen das Vorjahr um 4 Millionen Mark erhöht, der Bruttogewinn beträgt 171 852 ½ (4 32 109 M. Hiervon entfallen auf Zinsen und Diskont 23766 6, Prorisionen A449 M, Diverse 1183 66 Nach Abzug der Verwaltungs kosten und Steuern beträgt der Gewinn 132389 „6, der in nachstebender Weise Verwendung finden soll: zu Abschreibungen 4633 , zur Verstärkung des Reservefonds 12775 696, 6 oο Dividende auf 1509 300 90 018 4, zu statutenmäßigen Tantiemen 13742 (60, zur Bildung eines besonderen Reservefonds 11 220 6

Der Aufsichtsrath der Kom munalbank des König reichs Sachsen hat beschlossen, für das Jahr 1886 eine Dixidende von 10 9,½ wie im Vorjahr zur Vertheilung zu bringen.

Glasgow, 5. Februar. (W. T. B.) Die Vor Robeisen in den Stores belaufen sich auf 842 203 584080 Tons im vorigen Jahre. 6 der im Betrieb Hochöfen 75 gegen 94 im vorigen Jahre.

ö 3 5. Februar. W. T. B.) Der Werth der in der vergangenen Woche eingeführten Waaren betrug 8 956091 Doll.ͥ, davon 3 320 6900 Doll. für Stoffe. Der Werth der betrug 7 529 145 Doll., davon

Tak

Einfuhr in der Vorwoche 2612399 Doll. für Stoffe.

Buenos⸗Aires, 5. Februar. (W. T. B.) Wihrend Monats Januar d. J. sind hier 35 Dampfer mit 8790 Ei wanderexrn eingetroffen. Die Zolleinnahmen betrugen während desselben Monats 2922 000 Piaster für Buenos-Arres und 514000 Piaster für Rosario.

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Submissionen im Auslande.

Belgien.

I) 2. März, 114 Uhr Vormittags. Société Nationale des chemins de fer vicinaux zu Brüssel. Bureau rue de la loi Nr. 9.

Vergebung des Betriebes der Linien

Charleroi —Mont sur Marchienne,

ö Montigny le Tilleul,

w Lodelinsart (Saint Antoine). s in obigem Bureau.

9 selben Termine ebendaselbst. Vergebung des Baues der Strecke Sprimont Pont de lJ(DOurthe (1. Sektion der Linie Sprimont —Poulseur). .

3) 9. März, 115 Uhr Vormittags, ebendaselbst. Lieferung von Transvortmaterial für Linien von 1,435 m Spurweite.

4 Personenwagen 1. u. 2. Klasse gemischt, 3 desgl. 2. Klasse,

3) 6 Gepäckwagen,

6 Frachtwagen mit Seitenwänden von 10 t, 3 desgl. flache 66 ) desgl. geschlossene . iheres ebendaselbst.

Italien.

1) 12. Februar, Direzione d'Artigleria dell' Arsenale in Turin: Stahl- und Eisengeräth, als: Schrauben, Nigel, Angeln, Rahmen 2c. ö.

2) 14. Februar, 1) Uhr Vorm., Präfektur in Genua: Eiserne Brücke über den Migliarese bei Bufalla; Voranschlag 8933 Lire. .

3) 15. Februar, Mittags. Telegraphen-Direktion in Baxi: Lieferung von 11500 Stück Telegraphenstangen aus Roßkastanienholz im Verlaufe von 5 Jahren, jährlich 2390 Stück; Voranschlag 104 390 Lire.

4) 16. Februar, Mittags. Königliche Waffenfabrik in Torre Annunziata bei Neapel: 1000 kg' tleine Eisendraht-Stifte. Vor— anschlag 1000 Lire. Leder für Säbel- und Bajonett Scheiden Futter in Trapezform.

5) 17. Februar, 10 Uhr Vorm., Genio militare della Reale marina in Spezia: Installation zweier Dampfkessel und einer Dampfmaschine auf der Werft San Bartholomaeo; Voranschlag 22 000 Lire.

) 18. Februar, 1067 Uhr Vorm., Direzione Attigleria della Reale marina in Spezia: zwei gleiche Drehpressen (Torni) zu ca. 15 009 kg das Stück; Voranschlag 24 000 Lire. .

7) 18. Februar, Mittags, Direzione costruzioni navali in Neapel; 80 009 kg Mineral-Schmieröl für Maschinen; Vor— anschlag 74 0900 Lire (bereits zwei Mal vergeblich ausgeschrieben, ekr. „R. .A.“ 22. Dezember 1886). . .

89) 19. Februar, 3 Uhr Nachm.. Königliche Waffenfabrik Terni: 4000 am Pappelholz⸗Brettchen (assicellih: Voranschlag 10009 Lire.

3) 19. Februar, 19 Uhr Vorm., Direzione territoriale d Ar- tigleria in Spezia: 1330 4m Bretter verschiedener Größe aus Pappel⸗, Ulmen, Lärchen⸗ und Eichenholz. .

10 21. Februar, Direzione d'Artigleria della fonderia (Eisen- gießereih in Genua: 3000 kg aufgedrehtes Baumwollengarn; Vor— anschlag 2700 Lire.

Verkehrs ⸗Anstalten.

Nach Tanger in Marocco ist über Gibraltar eine Tele graphenverbindung hergestellt worden. Die Wortgebübr Telegramme nach Tanger beträgt für die Beförderung über Spanien, San Roque 40 3; über Schweiz, Malta 60 ; über Groß⸗ britannien 75. . . . .

(Dr. J.). Neuester Zusammenstellung zufolge betrug die Länge der sächsischen Staatsbahnen im Jahre 18386 (inkl. der gepachteten, aber exkl. der verpachteten Strecken) 2265,99 km, d. h. gegen Schluß des Vorjahres 57.76 km mehr. Hievon dienen 2233,52 km dem Personen und Güterverkehr, 32,47 km nur dem Güterverkehr. Norinalspurig sind 198,87 km, schmalspurig 157, 12 m.

Hamburg, 7. Februar. (W. T. B.). Der Postdampfer Suevia: der Hamburg ⸗Amerikanischen Packetfabrt⸗ Aktiengesellschaft hat, von New-YPork kommend, gestern 5 Uhr Nachmittags Lizard passirt. .

Triest, 6. Februar. (W T. B.) Der Llovddampfer „Euterpe“ ist mit der ostindischen Post gestern Abend aus Alexandria hier eingetroffen. .

London, 5. Februar. (A. C.) Die allgemeine Einführung unterirdischer Telegraphenleitungen in Englans scheint noch in weitem Felde zu stehen. In Erwiderung einer über den Gegenstand an ihn gerichteten Anfrage erklärte der GeneralPost⸗ meister Raikes dieser Tage, daß jetzt Berathungen stattfänden, um wenigstens die größeren englischen Städte durch unter— irdische Leitungen mit einander in Verbindung zu setzen.

London, 5. Februar. (W. T. B.) Der FCastle⸗ Dampfer „Garth Castle hat gestern auf der Ausreise Madeira passirt und der Castle⸗Dampfer Drummond Castle“ ist auf der Ausreise gestern von Darthmouth abgegangen. ö

Der Union-Dampfer Moor? ist auf der Heimreise heute in Pu mouth angekommen. . ö

Halifax, 4. Februar. (R. B.) Infolge des Strikes der New Yorker Docarbeiter war der von New-⸗Nork nach Liver⸗ pocl bestimmte Postdampfer . Wpom ing? gezwungen, zur Ein—⸗ nahme von Koblen hier anzulaufen. Es heißt, daß viele andere atlantische Dampfer genöthigt sein werden, während der ameri⸗ kanischen Arbeiter⸗-Streitigkeiten diesem Beispiel zu folgen. Der Strike unter den Grubenarbeitern in Neu⸗Schottland macht die Lage noch komplizirter.