1894 / 58 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 08 Mar 1894 18:00:01 GMT) scan diff

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über die Reliktenfürsorge und Pensionsfürsorge der Lehrer an den sogenannten mittleren Schulen berücksichtigt; und das wird in diesem Moment das wesentlichste sein, worauf wir uns werden zu beschränken haben.

Diesen Schulen generell das Recht zu verleihen, eine Prüfung für die Berechtigung zum einjährig-⸗freiwilligen Dienst abzuhalten, ist einfach unmöglich; denn sie müßten sich dann zu sechsklassigen Schulen entwickeln, sie müßten zwei fremde Sprachen lehren und müßten im wesentlichen den Lehrplan der Realschule haben und erfüllen. Wenn das diese Schulen wollen, und soweit die betreffenden Kommunen dazu bereit sind, das zu thun, treten sie in die Kategorie ein, der wir auch zu Hilfe kommen können aus öffentlichen Fonds; und da werden wir es mit der größten Bereitwilligkeit thun, wo wir es irgend können. Aber darüber hinaus, glaube ich, kann ich bei den heutigen Etatsverhältnissen und bei der ganzen Einrichtung unseres höheren Schulwesens nicht gehen.

Abg. Dr. v. Jazdzewski 6. wünscht eine Vermehrung der Zahl der Schulräthe im Provinzial⸗Schulkollegium in Posen und beschwert sich über Beschränkungen der externen Schüler am Mariengymnasium in Posen, wodurch die Katholiken benachtheiligt würden.

Wirklicher Geheimer Ober⸗Regierungs⸗Rath Dr. Stauder hält zwei Schulräthe in Posen für ausreichend. Das Marien⸗Gymnasium und auch das Friedrich Wilhelms. Gymnasium feien überfüllt und müßten doch zunächst die einheimischen Schüler berücksichtigen. Der Minister habe aber den Wünschen der katholischen und polnischen Eltern dadurch Rechnung getragen, daß er verfügt habe, daß folchen Schülern, welche Verwandtschaften oder sonstige Beziehungen in Posen haben, die Auf⸗ nahme vor allen übrigen gewährt werden solle.

Abg. von Eynern (nl) bedauert, daß für die Schulräthe eine Ge— haltsaufbesserung in absehbarer Zeit nicht zu erhoffen sei. Die Schulräthe bezögen jetzt ein geringeres Gehalt als die Gymnafial— Direktoren, und gerade aus den letzteren gingen die Schulräͤthe hervor. Es müßte also den Schulräthen doch wenigstens dasselbe Gehalt ge⸗ währt werden wie den Gymngsial⸗Direktoren.

Geheimer Ober-⸗Finanz-⸗Rath Germar bemerkt, daß die Finanz⸗ verwaltung ganz allgemein dafür sorgen werde, daß den Beamten beim Uebertritt in ein höheres Amk ihre Bezüge nicht verkürzt werden sollten.

Abg. Krawinkel (ul.) dankt dem Minister für seine entgegen⸗ kommende Erklärung hinsichtlich der gehobenen Stadtschulen; er habe nicht allen diesen Schulen, sondern nur den besonders qualifizierten die Berechtigung zum einjährigen Dienst zuwenden wollen

Abg. Dr. Kropat scheck (kons.) möchte die jetzt zu einem gewissen Stillstand gelangte Schulreform durch neue Pläne, wie die Abschaffung der Gymnasialmaturitätsprüfung und eine größere Begünstigung der gehobenen Schulen, nicht wieder in Fluß bringen. Die Gehälter der . seien erst vor einigen Jahren einigermaßen erhöht worden.

Abg. von Eynern (nl) weist darauf hin, daß die Unterstützung und Förderung der gehobenen Stadtschulen mit der Schulreform gar nichts zu thun habe, aber für weite Kreise, besonders den Westen, höchst wünschenswerth .

Das Kapitel wird genehmigt.

Die Ausgaben für die Prüfung skommissionen werden ohne Debatte genehmigt.

An Staatszuschuß für die Landes-Universitäten und die Akademie zu Münster sowie das Lyzeum zu Braunsberg sind 8 17I 359 6, 67 256 MS mehr als im Vorjahre, ausge⸗ worfen. Vom 1. April 1874 ab sollen den Beamten der Universitäts⸗Bibliotheken (mit Ausnahme der Vorsteher der— selben und dessenigen der Königlichen Landesbibliothek) Dienst⸗ alterszulagen nach dem für die wissenschaftlichen Lehrer an den höheren Unterrichtsanstalten aufgestellten Normal-Etat ge⸗ währt werden, desgleichen den Garten⸗Inspektoren bei den Universitätsgärten, sowie dem betreffenden Beamten beim Bo⸗ tanischen Garten in Berlin nach Erledigung dieser Stelle.

Abg. Böttinger (nl. macht darauf aufmerksam, daß bei der rapiden Entwickelung der chemischen Industrie in Deutschland die Gefahr näher rücke, daß auch das Studium der Chemie auf unseren Universitäten sich zu sehr in Spezialitäten zersplittere und das solide

unpament der allgemeinen chemischen Bildung verloren gehe. Das eutige Diplom des Dr. phil. sei kein Prüfstein für die gründliche Durchbildung unserer jungen Chemiker: viele nicht graduierte Chemiker besäßen eine weit mehr in sich abgeschlossene Kenntniß namentlich auf dem Gebiete der chemischen Technologie. Es müsse für die Chemiker auch auf den Universitäten ein besonderes Diplomeramen abgehalten werden, wie es auf den Technischen Hochschulen bestehe. Diese Chemiker müßten ganz besonders auf dem Gebiete der organischen Chemie, dann aber auch in den anderen Naturwissenschaften weit gründlichere Kennt⸗ nisse erwerben. Mit den hervorragenderen Leistungen der Chemiker nach einer solchen Reform des Lehrwesens werde dann auch dem Vater⸗ lande und der gesammten heimischen Industrie ein großer Dienst ge⸗ leistet werden. Zur Zeit seien nur einige Profesforen von der Noth⸗ wendigkeit einer solchen Reform durchdrungen; helfen könne aber nur eine einheitliche Ordnung des Unterrichtsganges und des Prüfungs⸗ wesens auf allen Universitäten. Dazu gehöre natürlich auch die . legung eines Zwischenexamens, nach welchem erst der Studierende sich der Chemie als Spezialstudium zuwenden dürfe.

Der Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten Dr. Bosse:

Meine Herren! Die schönen und klaren Ausführungen des Herrn Vorredners über die Bedeutung und die Wichtigkeit der chemischen Industrie sind auch für mich von großem Interesse gewes en und wer⸗ den es auch noch weiter sein. Ich zweifle auch nicht, daß die Klagen über die gegenwärtige Ausbildung der Chemiker ihre Berech⸗ tigung haben. Soweit es sich um die Nahrungsmittel⸗ Chemiker handelt, ist ja jetzt durch die Initiative, die im Reich ergriffen worden ist, eine Abhilfe in Aussicht ge⸗ nommen; für die anderen Chemiker, die überhaupt staatliche Auf⸗ gaben zunächst nicht haben, wird es sehr viel schwerer sein, in dem weiten Umfang, den der Herr Vorredner ins Auge gefaßt hat, hier eine Reform, eine staatliche Prüfung eintreten zu lassen. Ich gebe mich aber der Hoffnung hin, daß namentlich an unseren Universitäten durch die von mir ins Auge gefaßte Reform des Doktorexamens und der Doktorpromotion schon diejenigen wesentlichen Verbesserungen in Bezug auch auf die chemischen Examina und auf die Ablegung der chemischen Doktorprüfung herbeigeführt werden können, die der Herr Vorredner wünscht.

Abg. Dr. Friedberg (nl. behandelt im Anschluß hieran die nnr der Reformbedürftigkeit der Doktorpromotion. Heidelberg, eipzig, Jena und Erlangen gewährten noch heute unzulässige Erleichte rungen betreffs der Dissertatlon; sie verzichteten entweder ganz auf die⸗ selbe oder doch auf deren Drucklegung. Die juristischen Fakultäten einer oder der anderen dieser Universitäten begnügten sich mit der Referendararbeit, infolge wovon spegziell preis Referendare mit Vorliebe auf den genannten Universitäten promovierten. Es sei bedauerlich. da der preußische Justiz⸗-Minister nicht dem Beispiel des Kultus- Ministers Falk gefolgt fei, der die Führung des Doktortitel nur dann gestattete, wenn er unter denselben Bedin⸗ ungen, wie an einer preußischen Universität, erworben war. Es aufe hier auch ein Geldinteresse mit unter; Berlin habe nur 17 000 MS an Prüfungsgebühren für solche Doktorpromotionen ver⸗ einnahmt, Leipzig und Heidelberg je über 206 000 A0, i, sei Abhilfe dringend 1 Weiter sei der Unfug der Erwerbung und

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Führung von im ande erworbenen ärztlichen Doktortiteln noch

immer im Schwange, trotz aller behördlichen Gegenmaßnahmen. Die bestehende Geseggebung reiche hier nicht aus.

Regierungs⸗ Rath Dr. S chmidt ? Die Staatsregierung erkennt die bestehenden Mißstände an. Die Prüfung der zur Ver—⸗ fügung stehenden Abwehrmittel ergiebt ein ungünstiges Resustat. Die 6 des Titels kann allgemein nicht verfagt werden, sondern nur die, „unbefugte! Führung. Hierüber bestehen nun landesgesetzliche Vorschriften nicht. Bas Ober⸗Tribunal' hat in einem Spezialfall einen Barbier und Heilgehilfen, der für 300 in Philadelphia den Doktorgrad erworben hatte, nicht als Uebertreter angesehen. Die Reformbedürftigkeit dieses Zustandes hat den Kultus⸗ Minister Dr. Falk 1877 zu seinem Erlaß bewogen; der Justiz⸗Minister konnte diesem Beispiel aus anderen Gründen nicht folgen. Es werden aber gegenwärtig zwischen beiden Ressorts wiederum Verhandlungen gepflogen, die diese Frage zu einer hoffentlich befriedigenden Löfung führen werden. ;

Abg. Dr. Kropatsch eck (kons.): Auch in Preußen ist nicht alles bezüglich der Doktorpromotion so gut und schön, wie feiner Zeit der Kultus,Minister von Goßler gemeint hat; Beweis dafür sind u. a. zahlreiche medizinische Dissertationen, deren Werthlofigkeit ganz allge⸗= mein anerkannt wird. Die Besserung der Verhältnisse der Bibllo— thekare und Kustoden können wir nur mit Freuden begrüßen und müssen dafür dem verdienten obersten Leiter der Landesbibliothek unsere Anerkennung aussprechen. Im, übrigen befürwortet Redner größere Berücksichtigung der Universität Greifswald. Es fehle dort den mit der Erforschung der Diphtherie seit langem beschäftigten Professoren Löffler und Sktrübing an passenden fin i Räumen, und die Universitätsbibliothek sei, namentlich für Theologie und Ge— schichte, völlig unzulänglich. .

Abg. Dr. Virchow (frs. Vp: Nach keiner Seite wird die gegenwärtige schwierige Finanzlage so schwer empfunden als bei den Universitäten. Der Kultus ⸗Minister begegnet bei seinem Streben für die Hochschulen geradezu der Antipathie des Finanz⸗ Ministers und auch die Landesbertretung verhält sich nur zu kühl. Die Unterbeamten, besonders die Pedelle, sind bei der Gehalts⸗ aufbesserung sehr schlecht weggekommen; fie rangieren jetzt in einer Klasse mit den Hausdienern und Kalefaktoren mit einem überhaupt nur zwischen 10900 und 1500 46 oscillierenden Gehalt. Dabei werden die Pedelle aus den höheren Klassen der Militäranwärter entnommen. Eine Trennung der beiden Kategorien wäre daher fehr angezeigt. Die Verbesserung der Bibliothekstellen ist mit Recht gelobt worden; aber man sollte doch darüber die Bibliotheken nicht vergessen. Die Berliner Universitätsbibliothek befindet sich mit ihren oberen, dem Dache sich nähernden Räumen in geradezu unglaublichen Verhältnissen. Der Garteninspektor für den Berliner Universitätsgarten hat nur den Titel; er ist Universitäts⸗ gärtner und weiter nichts; daß der Titel eine Bedeutung für den Etat hätte, ist uns nicht bekannt. Allerdings schüttet ja jetzt die Universitätsverwaltung neue Titulaturen verschwenderisch auf ihre Beamten auß. Die vom Abg. Friedberg geforderte Neuordnung . doch eine gewisse Gleichmäßtgkeit der Behandlung der Sache auf allen deutschen Universitäten voraus. Die . ist sehr stark finanziell gefärbt; vor zehn Jahren haben sich die deutschen Universitäten geradezu gegenseitig in der Bemessung' der Gebühren unterboten. Sehr kümmerlich ist das Gehalt der Assistenten an den Kliniken und Laboratorien; dieser Umstand wirkt auf den Nachwuchs auf diesem Gebiete sehr ungünstig ein. Geradezu bejammerntwerhh aber seien die Zustände der Charité; es sei die höchste Zeit, den Widerstand des Finanz⸗Ministers gegen einen Neubau zu brechen; vielleicht gelinge es schon in der nächstfolgenden Etatsperiode, an den Neubau zu . mit Reparaturen sei nicht mehr zu helfen.

Geheimer Ober⸗Regierungs⸗Rath Dr. Althoff: Wir haben durch— weg dieselben Wünsche, wie der Vorredner; aber die Differenz fängt sofort bei der Finanzfrage an, wenn ich auch der Behauptung, daß die Universitäten beim Finanz⸗Minister auf Abneigung . nicht beipflichten kann. Für die Pedelle läßt sich bei aller Vere rung und Anerkennung keine besondere Kategorie begründen. Für die Biblio— theken ist doch, wie der Abg. Virchow wissen muß, in den letzten Jahren außerordentlich viel geschehen. Die Königliche Bibliothek läßt baulich viel mehr zu wünschen übrig, als die Bibliothek der Universität Berlin. Der Mißstand der Charité ist allerdings beklagenswerth; die Lösung der Schwierigkeit ist aber um so schwerer, als wir' eine Anstalt brauchen, die für 100 Jahre augreichen foll. Die Vorarbeiten sind so weit gefördert, daß man auch bald zu Thaten kommen wird. Für, die 142 Bibliothekbeamten liest man in den Zeitungen täglich Artikel in solcher Menge, als wenn es sich mindestens um eine Legion handelte. Die Einführung der Alterszulagen ist ein großer Schritt auf dem Wege der Besserung der Verhäͤltnisse dieser Be⸗ amten; ob, dieselben ung dafür so dankbar sein werden, wie wir dem Finanz⸗Minister, will ich hoffen.

Abg. Dr. Porsch (Zentr.) tritt den Ausführungen der Abgg. Friedberg und Kropatscheck wegen der Frage der Doktorpromotion und der Führung des Doktortitels bei. Es müsse doch auch bei aller Schonung der Rechte der anderen deutschen Staaten möglich sein, eine gleichmäßige Regulierung dieser Verhältnisse durch ganz Deutschland herbeizuführen. Die Dozenten, die in großem Umfange zwischen preußischen und nichtpreußischen deutschen Hochschulen ausge⸗ tauscht würden, hätten doch das größte Interesse an einer solchen einheitlichen Regulierung.

Abg. Spahn (Zentr. bittet den Minister, die zu Stipendien und Unterstützungen für Studierende aus Posen und Westpreußen etatsmäßig ausgeworfenen 100 000 S6, falls die von den' Polen beantragte Verschmelzung mit dem allgemeinen Stipendienfonds von 68 000 ½ abgelehnt werden sollte, aus eigenem Ermessen nicht mehr in den späteren Etats besonders erscheinen zu ,. und ersucht zugleich um die Vorlegung einer genauen Statistik über die Verwen⸗ dung dieses Titels, der „für Studierende deutscher Herkunft zum Zwecke späterer Verwendung derselben in den Provinzen Westpreußen und Posen, sowie für Studierende aus dem Regierungsbezirk Sppeln“ bestimmt ist. Redner bemängelt ferner die Vertheilung der Stipendien⸗ fonds und behauptet eine Bengchtheiligung namentlich der Angehörigen der katholischtheologischen Fakultäten bei der Verwendung; auch hätten die katholischen Theologen nicht den ihnen zukommenden Antheil an den Ergebnissen der Kollekten. Der bezügliche Beschluß der Universität Bonn sei ein Verstoß gegen die Univerfitäͤtsftatuten. Außerdem plaidiert Redner für eine gründlichere Vorbildung und Aus⸗ bildung der Juristen auf dem Gebiet der eigentlichen Rechtswissen⸗ schaft, nicht bloß der praktischen Thätigkeit in der Rechtspflege.

Regierungs⸗Rath Dr. Schmidt: Es hat in Bonn lange Jahre eine Imparität auf dem Gebiet des Stipendienwesens zu Ungunsten der evangelischttheologischen Fakultät bestanden; darum hat das Prä— zipuum für die ö Theologen aufgehoben werden müssen. Außer den Stipendien, die wie diejenigen des Stipendien⸗ und Kollekten⸗ an, ganz ohne Rücksicht auf die Konfession vertheilt werden müssen, nd im letzten Jahre speziell für die katholischen Theologen noch 5 = 60900 MS bewilligt worden. Die „Germania“ selbst hat an= e nn i, bei der Verwendung der Summen eine Imparität nicht platzgreift.

Abg. Dr. Sattler (ul): Das glänzende Bild unserer Bibliotheks⸗ karrisre, wie es Herr Althoff entrollt, wird doch durch manchen Schatten noch entstellt. Die Volontäre haben gar keinen Anspruch auf Gehalt, ihre ganze Arbeitskraft, wird aber von den Bibliotheken aufgebraucht. Es sind 39 Beamte, die also auch nicht einmal remuneratorisch be— soldet werden. Unter ihnen befinden sich Beamte, die sieben Jahre im Amte sind und sich mit 4. bis 500 S begnügen müssen. Dieses schlechte Verhältniß gleicht auch der neue Etat noch nicht aus.

Abg. Spahn (Zentr.) ist mit der Erklärung des Kommissars nicht zufrieden; die Einziehung des Präzipuums sei unberechtigt, weil die Leistung desselben e. gesetzlichem Anspruch beruhe. Der Artikel der „Germania“ könne ihn nicht rühren.

Regierungs⸗Rath Dr. Schmidt bleibt bei seinen vorherigen Ausführungen stehen.

Geheimer Ober⸗Regierungs⸗Rath Dr. Althoff tritt dem Abg. Sattler entgegen. Die Volontäre habe er nicht en, . Gi Beamten befänden sich in derselben Stellung wie die Referendare

und hätten prinzipiell ohne Entschädigung zu arbeiten, bekämen aber zum Unterschied bon jenen schen jetzt 28 von 35 aus au er. ordentlichen Bibliotheksfonds Remunerationen. Er müsse dat ge bete er . draußen nicht alles geglaubt werde, was man hier im Hause sage.

Abg. Dr. Sattler (nl): Der Kommissar bestätigt lediglich, was ich gesagt ö Die Sachlage verändert sich eben sehr, wenn man berücksichtigt, daß auch diefe Exspektanten noch da find. Die Ver⸗ in kommt in die übelste Lage, wenn sie diese ohne Einschrãnkung zuläßt.

Geheimer Ober⸗Regierungs⸗Rath Dr. Althoff: Die Zulassung von Exspektanten ist gerade durch Erlaß des Ministers eingeschränkt; in . einzelnen Falle wird jetzt darüber von der Zentralinstanz ent⸗

ieden.

Damit schließt die Diskussion. . .

Tit. 1, „Zuschuß für die Universität Königsberg SI 7 030 MM“, wird bewilligt.

Um 4 Uhr wird die Fortsetzung der Berathung des Kultus-Etats auf Donnerstag 11 Uhr vertagt.

Nr. 10 der Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts“ vom 7. März hat, folgenden Inhalt: Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten (Cholera, In— fluenza u. s. w.). Gesundheitsstand und Sterbefälle, Januar. Zeitweilige Maßregeln gegen Cholera 2ꝛc. Desgl. gegen Pocken. Aus dem egyptischen Sanitätsberichte 1899. Gesetzgebung u. f. w. (Deutsches Reich). Rücksendung deutscher Ausstellungsgüter aus Rom. Mecklenburg Schwerin). Medizinalbezirke. (Ungarn). Kunst⸗ weine. (Rußland . Desinfektion bei Viehbeförderungen auf Eisen⸗ bahnen. Gang der Thierseuchen. Maul⸗ und Klauenseuche in Dänemark. Thierseuchen in Serbien, 4. Oktober bis 31. Dezember. Desgl. in Belgien, viertes Vierteljahr. Desgl. in Italien, 1. Oktober bis 30. Dezember. Zeitweilige Maßregeln gegen Thier seuchen. (Preuß. Reg.-Bez. Trier, Elsaß⸗ Lothringen.) Recht⸗ sprechung. rr u. Ober⸗Verwaltungsgericht). Fischg aus cholera— verseuchten Orten. Verhandlungen von gesetzge enden Körper— schaften, Vereinen, Kongressen u. s. w. XI. internationaler medizinischer Kongreß. (Schluß). (Preußen). Staatshaushalte—⸗ Clare ish hz, Echtuß). Hefen). Flelsch Cn tuferfesef, Hh Monatstabelle über die Sterbefälle in deutschen Orten mit 15 0 und mehr Einwohnern, Januar. Desgl. in größeren Orten des Auslandes. Wochentabelle über die Sterbefälle in deutschen Städten mit 40 000 und mehr Einwohnern. Desgl. in größeren Städten des Auslandes. Erkrankungen in Krankenhäusern deutscher Groß— städte. Desgl. in deutschen Stadt- und Landbezirken. Witterung.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Ab sperrungs⸗ Maßregeln. ß über die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche

in Preußen im Ausgang der Monate Januar und Februar 1894. Die Seuche herrschte in ⸗. ; S Gemeinde S Gemeinde Angabe Regierung · (Guts⸗ ) S (Guts⸗ der Thiergattung, 8 9 , 8 8 ö bezirk 8 86 * . welche von der Seuche J befallen ist.

Januar Februar 1894 1894

2

1 6 ö

Laufende Nr.

Königsberg

.

Rinder, Schafe, Schweine. Rinder, Schafe. Rinder.

Rinder, Schweine.

2 Gumbinnen

3 Danzig Marienwerder Potsdam . Rinder.

3 Frankfurt a. O. Rinder, Schweine. Berlin 1 . ; G ; - . Köslin ; 2 ! Rinder. Stralsund ... . ; ; J ; Rinder.

2 Bromberg. Rinder, Schafe.

3 Breslau... Rinder.

Liegnitz ; , 3 Schweine. inder.

Magdeburg. Merseburg .. Rinder, Schafe, Schweine. ö Schleswig .. Hannover.. Hildesheim Lüneburg , Osnabrück. r .. Münster .. Minden... Arnsberg.. , Wiesbaden. , ,, 3 Düsseldorf .. . Aachen Sigmaringen.

Summa 385 52 72

K

8

*

9 4

Rinder. Rinder. Rinder.

Rinder, Schweine.

Egypten.

Zufolge Beschlusses des internationalen Gesundheitsraths in Alexandrien vom 21. v. M. sind die gegen Palermo angeordneten Quarantäne Maßregeln von dem genannten Tage an aufgehoben worden. Vergl. „Reichs⸗Anzeiger! Nr. 254 vom 23. Oktober 1893.)

Cholera.

Rußland. Vem 10, bis 16. Februar (n. St) wurden den. Ver öffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitzamts“ zufolge die nach stehend aufgeführten Erkrankungen und Todesfälle amtlich angezeigt: In Warschau (Stadt) vom 30. Januar bis 2. Februar 16 erkr., gest.; in Warschau, (Ionst im Gouvernement) vom 21. bis 25. Janngr

bezw. 2; in Kowno vom 28. Januar bis 3. e . 27 bezw. I3 in St. Petersburg (Stadt) vom 9. bis 15. Februar 10 bejw,. 4; in St. Petersburg (sonst im Gouvernement) vom 4. bis 16. Februar 5 bezw. 0; in Kurgk vom 21. Januar bis 3. Februar 26 bezw. 9.

Ost indien. Kalkutta. Vom 21. bis 27. Januar find nach demselben Blatt 63 Personen der Cholera erlegen.

Rio de Janeiro, 7. März. . W. T. B. meldet: Die Zahl der Erkrankungen am gelUben F . wächst.

n 58.

Zweite Beilage zum Deutschen Reichs⸗Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

Berlin, Donnerstag, den 8. März

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Klima und Gesundheitsverhältnisse Dentsch⸗Ostafrikas. (Aus dem „Deutschen Kolonialblatt“.)

In dem Klima Deutsch⸗Ostafrikas besteht ein durchgreifender Unterschied zwischen der Küste und dem flachen unmittelbaren Hinter⸗ lande einerseits und dem weiteren Innern auf der anderen Seite.

Dass Küstenklima kennzeichnet sich durch eine schwüle feuchte Tropenhitze, geringe Tagesschwankungen in der Temperatur eine konstante hohe relative Feuchtigkeit und eine periodische Regelmäßigkeit der Niederschläge; erträglich wird diese feuchte Hitze durch den beständig mehr oder weniger stark wehenden Seewind. Tief eindringende Meeretcreeks und Flußmündungen geben in den flachen Niederungen vielfach Veranlassung zu Sumpfbildungen. .

Im weiteren Innern des Schutzgebietes ist das Klima entsprechend den weiten wasserarmen Steppen und den mächtigen Gebirgszügen und hochgelegenen Plateaus zwar auch ein heißes, aber doch mehr trockenes. An Stelle der gleichmäßigen Treibhaustemperatur im Küstengebiet herrschen hier beträchtliche Tagesschwankungen in der Temperatur und Feuchtigkeit, besonders starke Abkühlungen in der Nacht.

Die Gebirge sind infolge vieler wenig regelmäßiger Niederschläge reich an Wasser. Sümpfe finden sich nur spärlich am Fuße der Berge, wenn die Gebirgsbäche im Steppensande versiegen.

Es bestehen demnach im Innern unzweifelhaft weit bessere klima— tische Verhältnisse als an der Küste, und wenn trotzdem im ver— flossenen Jahre die Gesundheitsverhältnisse an der Küste günstiger als im Innern waren, so liegen die Gründe dafür auf anderem Gebiete, und zwar sind es in erster Linie die an der Küste weit besseren Er— nährungs⸗ und Wohnungsverhältnisse, welchen dieses Ergebniß zu ver—⸗ danken ist. Es wird sich auch jedem Laien als Thatsache aufdrängen, daß der Europäer das Tropenklima desto besser erträgt, je besser er wohnt und je besser er sich nährt. Beides ist an der Küste in weit höherem Maße möglich, als im Innern. Durch Aufwendung großer Mittel haben sich im verflossenen Jahre die Wohnungsverhältnisse an der Küste außerordentlich gebessert. Namentlich Dar⸗es Salam bietet mit seinen neuen hohen luftigen Beamtenhäusern, die in dem letzten Jahre den meisten, leider noch nicht allen Gouvernementsangehörigen zur Wohnung angewiesen werden konnten, so günstige Verhältnisse, wie sie besser kaum gewünscht werden können. Auch auf den anderen Küstenstationen ist in ähnlicher Weise, wenn auch nicht in demselben Maße für Verbesserung der Wohnungen vieles geschehen.

An der Küste ist ferner viel geschehen durch Austrocknung von Sümpfen, Zuschütten der kleineren und Anpflanzung von größeren sumpfigen Flächen mit begierig wasseranziehenden Pflanzen, wozu sich die Koko palme recht gut eignet. .

In Dar⸗es⸗Salam selbst ist durch Korrektion und Planierung von Straßen und Plätzen, Chaussierung und Bepflanzung, Wasser— zufuhr und Ableitung, Anlage neuer Brunnen u. s. w. manches zur Besserung der gesundheitlichen Verhältnisse gethan.

Anders gestalten sich die Dinge im Innern. Hier sind die Wohnungsverhältnisse und Ernährungsbedingungen weit ungünstiger. In den inneren Stationen wohnen die Europäer mit ihren Soldaten eng zusammengedrängt; die Häuser sind nach Art der Wohnungen der Eingeborenen zum großen Theil aus Fachwerk, mit Lehmwänden er— richtet und mit Gras oder ähnlichem Material gedeckt; schützen nur unvollkommen vor den Unbilden der Witterung und den Ausdünstungen des Bodens und entbehren meist einer auch nur anspruchslosen Ein— richtung. Hiezu kommt, daß die Stationen im Innern reine Militär— stationen sind, von denen aus vielfach militärische Expeditionen unter— nommen werden, welch . die Europäer mit ihren Soldaten zwingen, viele Nächte, selbst Wochen und Monate lang zu biwakieren, während sie auf den Märschen selbst allen Witterungseinflüssen schutz⸗= los preisgegeben sind. Die Ernährung ist sehr viel kostspieliger wie an der Küste, da manches zur Ernährung des Europäers erforderliche Material durch theure Karawanen auf dem Kopfe des Negers pon der Küste heraufgeschleppt werden muß. Fleisch ist infolge der Viehseuchen, welche in den letzten Jahren in Ostafrika gewüthet haben, häufig schwer und nur mit unverhältnißmäßig hohen Kosten zu erlangen.

Es muß auf den inneren Stationen für bessere Wohnungen ent— schieden mehr geschehen, als es bisher der Fall gewesen ist. Es würde sich empfehlen, solide Häuser daselbst mit hohen luftigen Räumen auf— zuführen; nur leider würden die Kosten dafür sehr , sein, da es oft an dem nöthigsten Material, Kalk, vielfach auch an Steinen und be— sonders an Wellblech zum Decken der Dächer fehlt und alles dieses auf wochenlangen Märschen durch Träger hinauf— befördert werden muß. Ein Anfang ist in dieser Be⸗ ziehung in dem letzten Jahre bereits dadurch gemacht, daß vielfach die fehlenden Materialien ins Innere tranzportiert worden sind. Auch hat sich das Gouvernement mehrfach dadurch geholfen, daß es transportable Doecker'sche Baracken ins Innere brachte, welche bis, zur Verbesserung der Wohnungsverhaͤltnisse den Europäern eine einigermaßen gesunde Wohnung gewähren.

Unter den Krankheiten, die dem Schutzgebiet eigen sind, steht an erster Stelle die Malaria. Sie ist überall verbreitet, besonders stark an der Küste, doch kommen auch im Innern wegen der ungün⸗ stigen sanitären Verhältnisse immer viel Erkrankungen an Malaria bor. Am gesündesten sind in dieser Beziehung die Hochplateaus Usambara, Kilimandjaro u. f. w), welche in ihren außerordentlich fruchtbaren, an Wasser überreichen Kultivationszonen wenn nicht ganz und gar, so doch nahezu fieberfrei sind. Von den wenigen Mala—⸗ rig⸗Anfällen, die dort vorkommen, ist es sogar noch zweifelhaft, ob sie nicht durch Märsche in der Ebene mit heraufgebracht sind. Im übrigen ist die Malaria, welche auf diesen e pier ens beobachtet wird, meist leichterer Natur und die Hoffnung ist nicht unberechtigt, daß auf diesen fruchtbaren Hochlanden selbst deutsche Bauern ö. ihren Lebensunterhalt erwerben können, wenn einmakb durch Eisen⸗ bahnen oder fahrbare Straßen eine gute und bequeme Verbindung mit der Küste hergestellt werden sollte. Perniziöse Fieberfälle, die in der Ebene und an der Küste zuweilen vorkommen und dann in einer großen Anzahl der Fälle tödtlich verlaufen, sind im Gebirge auf den Vochplategus eine außerordentliche Seltenheit. Die Todesfaͤlle, welche im verflossenen Jahre an der Küste zu beklagen waren, sind meist durch die pernizizfe nn der Malaria herbeigeführt gewesen.

An zweiter Stelle ist es die Sysenterie, welche befondere Ver⸗ breitung besitzt. Sie ist mehr eine Krankheit des Innern und hat wohl in dem schlechten Wasfer, das dortselbst auf Expeditionen viel⸗ fach getrunken werden muß, und in der unzweckmäßigen und unge⸗ , , Ernährung, wie sie im Innern häufig stattfindet, ihre Ver⸗ anlassung, Trotzdem kommt sie auch an der Küͤste nicht so ganz selten dor und hat sogar im vergangenen Jahre, beispielswelse in Dar-es—= Salam, fich zu einer kleinen Gpidemie entwickelt, die haupffächlich unter den Schwarzen grgfsierte und hier auch eine Reihe von Todes⸗ fällen zur Folge hatte. Won den wenigen Weißen, bie an Bysenterie erkrankten, ist nur einer gestorben und auch wohl nur qe daß er im Innern, fern von jeder sachgemäßen . von der Krankheit befallen wurde. „6. Eine weitere Geißel Ost Afrikas sind die Pocken, die jahraus jahrein an den e , m, Punkten, namentlich an den Karawanen⸗ traßen er und infolge deg Karawanenverkehrs durchs ganze Wand verschleppt werden. Leber ist es bisher nur möglich gewesen, die

duhernementsbeamten und Soldaten einigermaßen gegen die Seuche zu schützen durch arenen, welche in den Wintermonaten vor⸗ genommen warden sind, während die Bevölkerung der Seuche schutzlos preisgegeben ist, da gerade in den Sommermonaten, in denen, wie ge⸗

sagt, infolge des Karawanenverkehrs die Pocken eine große Ausdehnung anzunehmen pflegen und in denen man allein durch Impfungen sämmt— licher an der Küste eintreffenden Karawanenleute das 466 an der Wurzel a hen könnte, es bisher nicht gelungen ist, wirksame Lymphe nach Ostafrika zu bringen.

Krankheiten, die vorzugsweise im Innern, seltener an der Küste herrschen, sind Rheumatismen und Kafarrhe ber Luftwege, verursacht durch die großen Temperaturunterschiede, welche dort zwischen Tag und Nacht herrschen. Im verflossenen Jahre hat fich die Schutztruppe infolge dessen veranlaßt gesehen, den Soldaten der inneren Stationen zweite Decken auszugeben und den Posten Wachmäntel zu gewähren.

Der Sandfloh, der seit einiger Zeit von der Gegend des Viktoria⸗ sees her in Ost⸗Afrika eingerückt ist und allmählich, aber stetig nach Osten vordringend, bereits Taborg erreicht hat, auch in Bagamoyo schon bei Karawanenträgern beobachtet worden ist, vermag Europäer und Schwarze nicht unerheblich zu belästigen, da er die Haut durch⸗ dringt und, wenn er nicht frühzeitig mechanisch entfernt wird, unan⸗ genehme, schwer heilende Geschwüre verursacht. Bei Aufmerksamkeit und Reinlichkeit können diese üblen Folgen durch rechtzeitige Ent⸗ fernung des Sandflohes fast stets vermieden werden.

Gegenüber diesen schweren Feinden der Gesundheit besitzt Deutsch-Ostafrika auch eine Lichtseite, insofern nämlich eine Reihe Krankheiten, die in Europa die Bevölkerung dezimieren Tuberkulose, Unterleibstyphus, Scharlach, Diphtheritis und viele andere), theils nur selten, theils wohl gar nicht vorkommen.

Für die Pflege und Behandlung der Kranken standen in Ost— Afrika im letzten Jahre durchschnittlich 10 Aerzte zur Verfügung. Da diese wegen der ungünstigeren sanitären Verhältnisse und wegen der vielfachen kriegerischen Expeditionen hauptsächlich auf den inneren Stationen verwendet werden mußten, war es nicht möglich, fämmt— liche Küstenstationen, wie es gewünscht werden muß, mit Aerzten zu besetzen.

An Lazarethen standen zur Verfügung:

1. Das Gouvernementslazareth in Bagamoyo, das im allgemeinen seinen Zweck wohl erfüllt hat, jedoch mit der Zeit so baufällig geworden ist, daß für die Unterbringung der Kranken anderweitig Sorge getragen werden muß. Es war zur Zeit des Reichs kommissariats aus einem verfallenen Araberhause nothdürftig umgebaut worden und hat früher als Kaserne gedient.

2. Das Gouvernementslazareth Kilwa in einem auf dem Stations—⸗ hofe gelegenen, ebenfalls aus einem alten Araberhaufe herausgeflickten Bau bestehend. Dasselbe war früher, als die Station Kilwa stark belegt war, ein Bedürfniß, konnte aber im vorigen Jahre aufgehoben werden, da sich die Anzahl der Europäer dort verringert hatte und ein jeder ein eigenes Zimmer bewohnte, in dem er auch in Krank— heitsfällen verbleiben konnte.

Das epangelische Missionshospital in Dar⸗es. Salam.

Für die Behandlung der schwarzen Soldaten bestehen an der Küste auf jeder Station besondere, im Stile der Eingeborenenhäufer gus Lehmwänden mit Palmblatt⸗ bezw. Grasdächern hergestellte Baracken, die im allgemeinen ihren Zweck erfüllen. In Verbindung mit diesen sogenannten Ischwarzen Lazarethen“ befinden sich auf allen Küstenstationen Polikliniken für die einheimische Bevölkerung, welche sich an manchen Plätzen eines großen Besuches erfreuen. Auf einzelnen inneren Stationen hat man begonnen, nunmehr ebenfalls derartige Baracken für die schwarzen Soldaten zu errichten, während auf anderen Stationen wiederum für die Pflege schwerkranker Schwarzer absolut keine besonderen Räume zur , stehen, dieselben vielmehr auch in Krankheitsfällen in ihren Lehmhütten verbleiben müssen.

Sanatorien fehlen in Ostafrika ganz, sind vor der Hand aber auch kein Bedürfniß, da das Gouvernement sich dadurch helfen kann, daß es den erholungsbedürftigen Rekonvaleszenten Seereisen auf den Küstendampfern der deutschen Ost⸗Afrikalinie gewährt.

Für längere Erholung können Seereisen auf den Hauptdampfern der genannten Linie nach Natal in Frag kommen, oder aber es müssen Beurlaubungen nach den Seychellen, Mauritius, Egypten und selbst nach Europa ins Auge gefaßt werden.

Statistik und Volkswirthschaft.

Zum deutsch-russischen Handelsvertrag.

Das Syndikat elsässischer Industrieller hat, wie der „Köln. Z. aus Straßburg geschrieben wird, an die Abgeordneten des Reichslandes ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: Der Ent— wurf des deutsch⸗russischen Vertrages bietet zweifellos für die deutsche Industrie schwerwiegende Vergünstigungen und ist ins besondere für diejenigen Zweige unserer elsässischen Industrie, welche hauptsächlich an der Ausfuhr nach Rußland betheiligt sind und daher unter dem Zollkriege sehr empfindlich zu leiden haben, durchaus vor⸗ theilhaft. Wir haben die Ueberzeugung, daß die deutsche Land⸗ wirthschaft durch den Abschluß des Vertrages in keiner Weise ge⸗ schädigt werden kann. Andererseits aber wäre es für verschiedene Zweige unserer Landesindustrie ein unschätzbarer Vortheil, binnen kurzer Frist unter dem Schutze eines günstigen Vertrages von langjähriger Gültig⸗ keit die wichtige Geschäftsverbindung mit Rußland wieder n n f können; die Fortdauer der gegenwärtigen unglücklichen Verhältnisse wäre für sie ein schwerer Schlag, dessen Folgen unvermeidlich für das ganze Land sich bald fühlbar machen müßten. .... Die Adressaten werden dann gebeten, für den Handelsvertrag zu stimmen.

Der Verwaltungzbexicht des Magistrats der König lichen Haupt- und Residenzstadt Breslau über die drei Etatsjahre vom 1. April 1839 bis zum 31. März 1892 ist soeben erschienen. Er schließt sich dem im September 1890 ausge gebenen Verwaltungsberichte für die drei Etatsjahre 1886 bis 1889 an, ist aber in mehrfacher Beziehung umgestaltet und erweitert worden. Als die wesentlichste Aenderung kann die Neueintheilung des, Stoffs gelten, die unter allgemeinen Ueberschriften eine möglichst weitgehende sachliche Gliederung des Stoffs vornimmt. In dem Abschnitt 1 des ersten Theils des eigentlichen n ,. sind die hauptsächlichsten lokalstatistischen Daten fortgeführt, Abschnitt II bringt zum ersten Mal Nachrichten über die Organisation und Geschäftsführung der Stadtverordneten ⸗Versammlung, eine Uebersicht über sämmtliche Deputationen, Kommissionen 2c. ꝛc Der Abschnitt III behandelt die Finanzen und ist durch Mittheilungen über die Finanzverwaltung, den städtischen Haushalt und das Schulden⸗ wesen gegen früher sehr erweitert worden. Im Abschnitt IV werden neben den Nachrichten über Armen, und Krankenpflege erstmalig solche über die öffentliche Wohlthätigkeit gegeben und diele Frequenz= übersichten hinzugefügt.! Der Abschnitt 9 über das Schulwesen ist u. a. durch gu n ü n gen über die Altersverhältnisse der Schüler nach Klassen, die Schulgebäude und Klassenräume, die Gesund⸗ heitsverhältnisse und besondere Einrichtungen für das Wohl der Schulkinder bereichert worden. Ebenso ist der Inhalt der Ab— chnitte V Kirchenwesen), VII 13. und Militär⸗Angelegen⸗ . VII (Beurkundung des Personenstandes) ö städtische Werke und Anlagen, XI ginn,, XII (Verkehrs⸗ und Marktwesen) und XIII (Bank⸗Versicherungs⸗ und , , bervollständigt und zweckentsprechender umgestaltet worden. Der Ab— schnitt X. der das Gesundheitzwesen behandelt, ist neu gebildet worden. Der zweite Theil umfaßt sodann die Uebersichten über den Finanzzustand und die Rechnungsergebnisse der Stadtgemeinde.

Dem Bericht entnehmen wir die folgenden Angaben: Was die Bevölterungsverhältnisse Breslaus anbetrifft, fo ist die Einwohnerzahl von 320 869 am Schlusse des CGtatsjahres 1888/89 auf 329 876 zu Ende des Berichtsjahres 1889/90, 337 258 zu Ende 1890/9 und 343 359 zu Ende des Jahres 1891/92 gestiegen, dabei ging die Volkszahl der inneren Stadt, die sich bereits von 1571 bis 1880 vermindert hatte, dann aber wieder etwas zugenommen hatte, in der Zählperiode 1885,99 ganz erheblich jurück. Die Bevölkerungs. dichtigkeit der ganzen Stadt betrug nach der Zählung von 1580 110 Einwohner auf 1 ha, Am größten war sie im westlicheu Theil der inneren Stadt mit 465 und im östlichen Theil derselben mit 407 Einwohnern, am geringsten im südlichen Theil der Schweidnitzer Vorstadt mit 80 und in der Sandvorstadt mit 70 Einwohnern pro Hektar. . des Alters der Breslauer Bevölkerung ergab die im Jahre 189890 vorgenommene Volkszählung, daß bei beiden Geschlechtern die Altersklassen bis zu 25 Jahren die größten Antheile an der be⸗ treffenden Gesammtbevölkerung hatten, und zwar bildeten die männ⸗ lichen Personen dieser Altersstufe 54 0/9, die weiblichen 4809 der be⸗ treffenden Bevölkerung. Auf das Alter von 25 bis 30 Jahren ent⸗ fiel bei beiden Geschlechtern ein gleicher Antheil der Bevölkerung, während von da ab bis zum höchsten Lebensalter in jeder Altersklasse verhältnißmäßig mehr Frauen als Männer vorhanden waren. Den sogenannten produktiven Altersklassen, d. h. denjenigen zwischen 15 bis 70 Jahren, gehörten 102 112 (60,4 0ͤ) männliche und 127086 ( 70, O R weibliche, zusammen 229 198 (68,4 06) der Gesammtbevõölke⸗ rung), den unproduktiven Altersklassen (unter 15 und über 70 Jahre) im ganzen 105 9388 Personen (31,6 0/0 der Gesammtbevölkerung) an. Unter den letzteren befanden sich 49156 (14,7 0 der Gesammtbevölkerung) im schulpflichtigen Alter, davon waren 24 438 Knaben oder 16, 206o der männlichen und 24 698 Mädchen oder 13,6 0/0 der weiblichen Be⸗ völkerung. Unter der gesammten Bevölkerung befanden 6) am 1. Dezember 1890 599 5/0 Ledige, 323 0,0 Ver heirat he te, I3 0so Verwittwete und Ho Geschieden e. Der Antheil der Kon fessionen war folgender; 190 761 Evangelische, 125 483 Katho⸗ lische, 17 754 Juden und 1188 sonstigen Konfessionen Angehörige. Nach ihrer politischen Zugehörigkeit befanden sich unter den Einwohnern 332 299 Reichsangehörige und 1886 Reichsausländer, von denen 61 nicht europäischen Stagten angehörten. Aus der Stadt selbst gebürtig waren 427 960 0 der Bevölkerung, aus dem übrigen Schlesien 472 60, aus dem Übrigen König⸗ reich Preußen 79 0so, aus anderen Bundesstaaten 1000, aus dem Reichsausland 120j0, unbekannt 14 Personen. ie Zahl der Eheschließungen blieb in den drei Berichtsjahren nahezu die gleiche, sie betrug 1889 3138, 1890 3146 und 1891 3193. Die Zahl der Lebendgeborenen stieg von 11452 in 1889 auf 11 801 in 1890 und 12299 in 1891. Die Zahl der Gestorbenen betrug auf 10 009 der betr. mittleren Bevölkerung einschließlich der Orts—⸗ fremden: in 1889 286, 1890 279, 1891 292, ausschließlich der Orts⸗ fremden bezw. 274, 265 und 289. Die Zahl der Ortsfremden, die jährlich zwischen 4 und 5Hoso sämmtlicher Gestorbenen betrug, be⸗ einflußte mithin merklich die Sterblichkeitsziffer der Stadt. Ein großer Theil derselben stirbt in den öffentlichen Krankheitsanstalten, und zwar waren gestorben in den 6 (1891: 7) allgemeinen Krankenanstalten überhaupt 383, davon Ortsfremde 260, in den Universitätskliniken 54, davon Ortsfremde 24, und in den drei städtischen Kranken häusern 1171, davon 66 Ortsfremde. Die Zahl der bewohnten Woh nungen be⸗ trug am 1. Dezember 1890 77 174 mit 320 174 Bewohnern. Da die Stadt im ganzen 335 186 Einwohner zählte, so entfielen 15 012 Ein⸗ wohner auf Anstalten, Schiffe und Wagen. Unter den Wohnungen befanden sich 118 oder 2 ο ohne heizbares Zimmer und 41 962 oder 544 0/0 mit nur einem heizbaren Zimmer. Uebervölkert, d. h. mit sechs oder mehr Bewohnern auf ein Zimmer und mehr als zehn Bewohnern auf zwei Zimmer, waren 3 Wohnungen ohne heizbares Zimmer, 4908 mit einem heizbaren Zimmer, 2615 mit einem heizbaren und einem nicht heizbaren Zimmer und 347 mit zwei heizbaren Zimmern. Die durch⸗ schnittliche Miethe für ein heizbarez Zimmer stellte sich auf 266 M Was die Einkommensverhältnisse anbetrifft, so ergeben sich für 138990 23 804 Steuerpflichtige mit einem Einkommen von 960 bis 3000 M und 7682 mit einem solchen von über 3000 , für 1890/91 stellten sich die Zahlen auf bez. 25 786 und 7949, für 1891/92 auf bez. 26 842 und 8178. Steuerfrei waren 1889390 56 720 Personen mit Einkommen bis 420 M und 53 883 mit einem solchen von 420 bis 900 6, 1890,ũ91 bez. 56 720 und 57 385, 1891/92 bez. 57 370 und 9 495. Zieht man bei den Steuerverhältnissen die Konfession in Betracht, so ergiebt sich, daß im Jahre 1891,92 überhaupt veranlagt waren 94515 Personen, darunter 53 567 Cvangelische,

34 420 Katholiken und 6067 Juden. Steuerpflichtig waren überhaupt 35 9209, davon 20 389 Evangelische, 9699 Katho⸗ liken und 421 Juden. Sind die Veranlagten, d. h. die Personen mit einem Einkommen von mehr als 420 6, unter der katholischen Bevölkerung noch annähernd in derselben Quote vertreten, wie in der evangelischen, so bleibt der Prozentsatz der katholischen Steuer⸗ zahler, d. h. der auf mehr als 900 M Einkommen Veranlagten, bedeutend hinter dem der evangelischen zurück, da ersterer 7,7, letzterer 107 be⸗ trägt. Diesen beiden Zahlen steht bei der jüdischen Bevölkerung die verhältnißmäßig hohe Zahl von 26,6 gegenüber. Von der . Bevölkerung war durchschnittlich jede dreizehnte, von der evangelischen jede achte, von der jüdischen iede vierte Person steuerpflichtig mit einem Einkommen von über 900 S Die Gemeindesteuern be—⸗ standen aus direkten und indirekten. u den ersteren ge⸗ hörten: 1) die Gemeinde⸗Einkommensteuer, die im Jahre 1888 / S9 nach dem Kommunal ⸗Einkommensteuer⸗Regulativ vom 4. Juli“ / 6. November 1874, in den Jahren 1889/90 und 1890/91 nach dem Regulativ vom 19. Oktober / 3. Dezember 1889 erhoben wurde. Letzteres rückte unter anderem die untere Grenje des steuerpflichtigen Finkommeng von 300 auf 420 ς herauf. Die Steuer wurde in der Weise jährlich festgesetzt, daß entsprechend den . des Stadthaushalts die Anzahl der im Jahre zu erhebenden Einheiten des nach dem Tarif etatierten monatlichen Steuersolls festgesetzt wurde. In den Berichtsjahren wurden jedesmal 15 der genannten Einheiten er⸗ hoben. Die Einheit betrug 1889/90 und 1890/91 je 193 500 , 1891/'92 205 000 M. Seit dem 1. April 1892 wird die Gemeinde Einkommensteuer in einem prozentualen Zuschlag zur Staats⸗Einkommen⸗ steuer festgesetzt, der für 1393/93 11080 , Der Ertrag der Ge⸗ meinde ⸗Cinkommensteuer belief sich in den Berichtsjahren auf bez. 3 159 983 ½, 3 184 735 und 3 182 873 S, 2) der Gebäudesteuer⸗ zuschlag, der bez. 567 982 6, 166 und 598 497 „6 brachte, 3) der Grundsteuerzuschlag mit einem Ertrage von bez. 3367 M, 3828 und 3761 M, 4) die Hundesteuer und der Erlös für Hundesteuer⸗ Marken mit einer Einnahme von bez, 59 479 , 49 909 6 und 48 585 S, 5) die n, . mit Erträgen don bez. 50 4, 1009 M und 500 M, 6) die Abgaben für öffentliche Lustbarkeiten, die bez. 56 492 S6, 59 761 und 58 257 S6 brachten. Von den indirekten Steuern brachte die etz bez. 1281 968 , 1223 0659 6 und 1 327 766 4, die Wildsteuer bez. 32 056 M6, 40 895 M. und 33 bat , die Biersteuer hej. S5 Sah , 63 s e und 69 7g Re, der Braumalzsteuerzuschlag bej. 186 486 SS, 191 93 6 und 183 184 ½ In Prozenten von der gesammten an, Steuer⸗ einnahme kamen in den drei Berichte ja ren auf die Einkommensteuer bez. 58, h3 o, 58,99 / und 57, l o, auf die Gebäudesteuer bez. 10 340;é9, 10,66 /g und 10, 87 , . die Grundsteuer bej. O O7 Go, O, O7 o/ und O, O7 o, auf die Hundesteuer bez. O93 υίο., O, 92 Jo und