1911 / 52 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 01 Mar 1911 18:00:01 GMT) scan diff

Dr; Aereboe: Allgemeiner Acker und Pflanzenbau, 2. Teil: Be— wässerung des Bodens, einschließlich Wiefenbau und Düngerlehre. Landwirtschaftliche Buchführung mit Uebungen. Privatdozent Dr. Bornemann: Spezieller Acker- und Pflanzenbau, 2. Teil: Anbau der Wurzel-! und Knollengewächse. Uebungen in landwirtschaftlichem Rechnen. Lebenzgeschichte der wichtigsten Unkräuter und die Methoden ihrer Bekämpfung. Geh. Reg.⸗Rat, Prof. Dr. Lehm ann: Pferdezucht. Schweinezucht. Molkereiwesen. Landwirtschaftliches Seminar, Abteilung: Tierzucht. Uebungen in zootechnischen Untersuchungen; a. Kleiner Kursus, p. Großer Kursus für Fortgeschrittenere. Privatdozent Dr. Völtz: Repetitorium der landwirtschaftlichen Fütterungslehre. Ueber die Bedeutung der Ver⸗ erbungstheorien für die landwirtschaftliche Tierzucht. Privatdozent Dr. Müller: Beurteilung, Züchtung und n des Rindes. Prof. Dr. Lemm erm ann: Büngerlehre. Bakteriologische Uebungen für Anfänger. Uebungen in der Untersuchung und Beurteilung landwirtschaftlich wichtiger Stoffe (Düngemsttel, Futtermittel, Boden usw.) kleines Praktikum —. Arbeiten in der land wirtschaftlichen (agrikultur - chemischen) Versuchsstatlon für Fort⸗ geschtittenere welche das kleine Praktikum absolpiert haben großes Praktikum Einführung in die Tätigkeit landwirtschafilicher (agri⸗ kultur⸗chemischer) Versuchsstationen für Fortgeschrittenere mit ab⸗ geschlossener Vorbildung. Wirklicher Geh. Oberreg. R., Prof. Dr. Fleischer: Ausgewählte Kapitel der Moorkultur. Prof. Dr. Fischer: Ausgewählte Kapitel aus dem landwirtschaftlichen Maschinen⸗ wesen. Maschinen und bauliche Anlagen für industrielle Nebenbetriebe der Landwirtschaft, 2. Teil. Maschinentechnische Uebungen und De— monstrationen. Feldmessen und Nipellieren für Landwirte; Vortrag und praktische Uebungen. Grundlagen der Maschinentechnik der Zucker fabrikation. Gartenbaudirektor, Oekon.R. Echtermeyer:

emüsebau. Forstmeister Kottmeter: Waldbau. Forstliche Be⸗ triebs lehre. Forstliche Exkursionen. Zoologe rigen: Geflügel⸗ zucht. Privatdozent Dr. Hil lmann: Die Landwirtschaft der deutschen Kolonien.

Naturwissenschaften.

und Meteorologie. Geh. Reg.⸗R., Prof. Dr. Börnstein: Experimentalphysik, 2. Teil: Licht, Elektrizität.

ioptrik. Hydraulik. Physikalische Uebungen. Physikalisches Praktikum. Privatdozent, Prof. Dr. Leß: Ueber die jeweiligen Witterungsvorgänge. Meteorologische Uebungen. Einführung in die Klimatologie.

Chemie und Technologie. Prof. Dr. Meisenheimer: Ueberblick der organischen Experimentalchemie. Theorie der Gärung mit Experimenten. Chemische Uebungen. Großes chemisches Praktikum. Kleines chemisches Praktikum. Geh. Reg.⸗R., Prof. Dr. Gruner: Grundzüge der anorganischen Chemie. Dr. Resenscheck: Repetitorium der Chemie. Prof. Dr. Herzfeld: Rübenbau und Zuckerfabrikation. .

Mineralogie, Geologie und Bodenkunde. Geh. Reg. R., Prof. Dr. Gruner; Grundzüge der Geologie. Die wichtigsten Bodenarten mit Berücksichtigung ihrer rationellsten Kultur. Geokogie mit Bezug auf die Aufsuchung, Beschaffenheit und Brauchbarkeit r Wassers. Demonstratisner inn M dem Gesamtgebiete praktische Bodenunter

Botanik und J e n r. Pfla⸗

anzenpathologie. Inti. rde eg, Botanik, mi⸗ Gräser un? Pflanzen. Privatd⸗

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Physik

. äbarbrgenitg Piys. TY. Caspari: Phyhilogie der Crnährung. Prof. Ir. Neu berg: Tierchemische Uebungen. Privatdozent Dr. Cronheim: Ernährung der Teichfische. Tierheilkunde. Geh. Reg-R., Prof. Dr. Fröhner: Innere Krankheiten der Haustiere. Prof. Dr. Eberlein: Aeußere Krankheiten der Haus— tiere. Geh. Reg. ⸗R., Prof. Dr. Schmaltz: Geburtskunde der Vaustiere. Oberstabsveterinär a. D. Küttner: Hufbeschlagslehre. Rechts- und Staatswissenschaft. Prof. Dr. Auhagen: Agrarpolitik. Volkswirtschaftliche Uebungen im staatswissenschaftlichen Seminar. Prof. Dr. Faßbender: Ber Dandwirt als Kaufmann, oder Handelskunde in ihrer Anwendung auf den Landwirtschaftsbetrieb. Die Anwendungsformen des Gensssen schaftswesens in der Landwirtschaft nach Theorie, Geschichte und Praxis. Exkursionen zu beiden Vorlesungen. .

Kulturtechnik.

Geh. Oberbaurat von Münstermann: Kulturtechnik. Ent⸗ werfen kulturtechnischer Anlagen. Geh. Oberbaurat Rokda'; Bau⸗ konstruktionslehre, Erdhau. Wasserbau. Entwerfen von Bauwerken des Wege⸗ und Brückenbaues.

Geodäsie und Mathematik.

Geh. Reg.⸗R., Prof. Dr. Vogler: Praktische Geometrie. Geodã tische Rechenuͤbungen. Ausgleichungsrechnung. Prof. Hegeman n Geographische Ortsbestimmung. Uebungen im Ausgleichen. Zeichen übungen. Vogler und Hegemann: Meßübungen. Geh. Reg. R., Prof. Dr. Reichel: Analytische Geymetrike und höhere Analysis. Algebraische Analysis. Trigonometrie. Uebungen zur Analysis. Mathematische Uebungen. Uebungen zur analytischen Geometrie und Elementarmathemakik. ö

Beginn der Immatrikulation am 20. April; der Beginn der Vorlesungen wird feitens der Dozenten durch Anschlag am schwarzen Brett bekannt gemacht. Programme sind durch das Sekretariat zu erhalten.

Berlin, den 28. Februar 1911.

Der Rektor. Wittmack.

Bekanntmachung.

Nach Vorschrift des Gesetzes vom 10. April 1872 (Gesetz 7. S. 357) sind bekannt 3 f ; . a , 1 der Allerhöchste Erlaß vom 19. Dezember 1910, betreffend die

landesherrliche Genehmigung der von dem außerordentlichen 50. Generallandtage der Ostpreußischen Landschaft beschlossenen Aenderungen des Statuts der Lebengversicherungsanstalt der Ost⸗ Preußischen Landschaft, durch die Amtsblätter der Königlichen Reglerung zu Königsberg Nr. 2 aus⸗ gegeben am 12. Januar 1911, der Königlichen Regierung zu Gumbinnen Nr. 2 S. 13, gegeben am 11. Januar 1911, der Königlichen Regierung zu Allenstein Nr. 2 S. 9, gegeben am 11. Januar 1911, und

S. 33,

2 das am 22. Dezember 1910 Allerhöchst vollzogene Statut für die Wiesengenossenschaft Remmesweiler in Remmegweiler im Kreise St. Wendel durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Trier Nr. 3 S. 16, ausgegeben am 21. Januar 1911;

3) das aim 22. Desember 1916 Allerhöchst vollzogene Statut für die Entwässerungsgenossenschaft Rosenau in Rosenau im Kreise Mogllno durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Brom— berg Nr. 3 S. 25, ausgegeben am 19. Januar 1911; .

4) das am 29. Dezember 1910 Allerhöchst vollzogene Statut für die Drainagegenossenschast Dorf in Dorf im Kreise Wittlich durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Trier Nr. 3 S. 19, ausgegeben am 21. Januar 1911; ,

3) das am 22. Dezember 1910 Allerhöchst vollzogene Statut für die Bleckmoor⸗Weldegenossenschaft in Wulsbüttel im Kreise Geeste⸗ münde durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Stade Nr. 3 S. 17, ausgegeben am 20. Januar 191133.

6) das am 28. Dezember 1910 Allerhöchst vollzogene Statut für die Entwässerungsgenossenschaft Stolheim in Stockheim im Kreise Friedland durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Königs— berg Nr. 3 S. 52, ausgegeben am 19. Januar 1911;

7) das am 16. Januar 1911 Allerhöchst vollzogene Statut für die Brodde⸗Sedskenbach⸗Genossenschaft in Wendisch Silkow im Kreise Stolp durch das Amtsblett der Königlichen Regierung zu Köslin Nr. 6 S. 35, ausgegeben am 9. Februar 1911;

8) das am 16. Janugr 1911 Allerhöchst vollzogene Statut für die Drainagegenossenschaft Walsrode in Walsrode im Kreise Fallingbostel durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Lüneburg Nr. H Beilage, ausgegeben am 3. Februar 1911;

9) das am 16. Janiar 1911 Allerhöchst vollzogene Statut für den Ent⸗ und Bewässeruigsverband Pr. Rosengart 11 im Elbinger Deichverbande zu Pr. . im Kreise Marienburg durch das Amtsblatt der Königlichen Rgierung zu Danzig Nr. 6 S. 49, aus— gegeben am 11. Februar 191;

10) das am 16. Januar 1911 Allerhöchst vollzogene Statut für die Drainagegenossenschaft Winsheim IV in Weinsheim im Kreise Prüm durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Trier Nr. 6 S. 40, ausgegeben am 11. Februar 1911;

11) der Allerhöchste Erla vom 21. Januar 1911, betreffend die Verleihung des Enteignungsrecks an die Landgemeinde Seifershau im Kreise Hirschberg für den Bar einer Chaussee von Seifershau über die Kolonie Jungseifershau bit zur Kreischaussee Altkemnitz —Herms— dorf, durch das Amtsblatt de Königlichen Regierung zu Liegnitz Nr. 6 S. 41, ausgegeben am 1. Februar 1911.

Aichtuntliches. Deutsches Reich. Preußen.

zerlin, 1. März.

Absa dh / Leer uöglicht, Stoffe der H̃iffer 3 (Laugen) auch in bedeckten Wagen zu befirdern, wenn sie in starke, dichte Eisen— fässer, die höchstens bis d ihres Fassungsraums gefüllt sein dürfen, verpackt sind. Die Absender sind hierdurch in der Lage, die Laugen während der kalten Jahreszeit vor dem Gefrieren zu schützen. Das Nähere geht tus der Bekanntmachung in Nr. 8 Reichsgesetzblattes vom 24. d. M. hervor. .

des

Der Königlich ruminische Gesandte Beldiman hat Berlin 3.

verlassen. Während seiner Abwesenheit führt der Legationsrat Bilciuresco die Geschäfte der Gesandtschaft.

Sachsen⸗Coburg⸗Gotha.

Seine Majestät der König von Bulgarien ist, W. T. B.“ zufolge, gesern zum Besuch Ihrer Kaoͤ nig lichen Hoheiten des Herzogs und der Herzogin in Gotha ein— getroffen und hat von dort die Rückreise nach Sofia angetreten.

Desterreich⸗Ungarn.

Die Oesterreichische Delegation hat, wie ö meldet, gestern den bosnifchen Kredit sowie die Resolution des Fürsten Schwarzenberg, betreffend Ausgestaltung der Verfassung Bosniens und der Herzegowina, angenommen; desgleichen die von dem Heeresausschuß vorgeschlagene Resolution, zu der das Verhalten des Marinekommandanten Grafen Montecuccoli Veranlassung gegeben hatte, und in der gegen die Folgerungen Verwahrung eingelegt wird, die sich aus den ohne Wissen und Zustimmung der Oesterreichischen Delegation getroffenen Ab— machungen oder Zusagen hinsichtlich militärischer Lieferungen ergeben könnten. . Im Laufe der Beratung über den bognischen Kredit erklärte der Finanzminister Baron Burkan, die Reglerung beschränke keineswegs die Rechte des boenischen Landtags, sie müsse ihn aber manchmal daran erinnern die, Grenzen seines Wirkungskreifes einzuhalten. Die Bevölkerung Bosniens betrachte die We fen, als eine brauchbare Einrichtung; zu ihrer Ausgestaltung könne man erst schreiten, nachdem man Erfahrungen gesammelt habe. Der Minister drückte seine wärmste Sympathie für den Wunsch des Fürften Schwarzenberg aus daß das bosnische Problem in völligem Einvernehmen aller betelligten Faktoren gelöst werden möge.

Die Ungarische Delegation hat das Marine— budget . den außerordentlichen Kredit für den Bau der ‚—

Schlachtschiffe angenommen und dem Marinekommandanten ihr Vertrauen aus gesprochen.

der Königlichen Regierung zu Marienwerder Nr. 2 S. 2 gegeben am 12. Januar 1911;

Einer Meldung des W. T. B.“ zufolge sprach gestern

Arbeiter der Staatsbahn bei dem Staatsbahndirektor vor

ihrer wirtschaftlichen Lage. Die Deputation wurde durch den Bescheid des Staatsbahndirektors zufriedengestellt.

Großbbritannien und Irland.

In der gestrigen Sitzung des Unterhauses richtete der Liberale Noel Buxton an den Staatssekretär des Aus— wärtigen Amts Grey die Anfrage, ob er in Anbetracht der Verantwortung, die Großbritannien als eine der Signatar— mächte des Berliner Vertrages für die Wohlfahrt der europäi— schen Provinzen der Türkei trage, die Äufmerksamkeit der bulgarischen Regierung auf die Ruhestörungen lenken wolle, die in diesen Provinzen durch Einfälle bewaffneter Banden aus Bulgarien hervorgerufen worden seien. Wie „W. T. B.“ meldet, erwiderte Sir Edward Grey:

Er habe keinen Grund anzunehmen, daß die anderen Signatar— mächte des Berliner Vertrages geneigt sein würden, sich einer Er— hebung von Vorstellungen entweder in Sofig oder in Konstantinopel anzuschließen, und unter den gegenwärtigen Umständen würde er Vor— stellungen weder für opportun noch für nützlich halten. Er habe bereits seinem Bedauern über die behördlichen Aus— schreitungen Ausdruck gegeben und ebenso der Hoffnung, daß die türkische Reglerung in Mazedonien eine ebenfo gerechte wie feste, Haltung einnehmen werde. Er möchte ebenso seiner Mißbillignng uber die Einfälle bewaffneter Banden Ausdruck geben, die notwendigerweise die Aufgabe einer guten Re— gierung schwierig oder unausführbar machen müßten. Die beiden Uebel müßten aufeinander zurückwirken, und es sei in gleicher Weise wünschengwert, daß beiden von denen, die die Autorität oder den Einfluß besäßen, Einhalt getan werde.

Darauf fragte Noel Buxton den Staatssekretär Sir Edward Grey, ob er in Anbetracht des in der Türkei herrschenden Eindrucks, daß die britische Regierung dem jung— türkischen Regime nicht freundlich gesinnt sei, Schritte tun wolle, um der türkischen Regierung den aufrichtigen Wunsch der britischen Regierung auszudrücken, bei der Förderung der Wohlfahrt des ottomanischen Reiches zu helfen. Sir Edward Grey erwiderte:

Es existiere kein Anlaß für den Eindruck, der in der Türkei herrschen solle, nämlich, daß die britische Regierung dem neuen Regime nicht freundlich gesinnt sei. Es sei wahr, daß es während der Entwaffnung in Mazedonien zu Ausschreitungen gekommen sei und daß diese im Parlament besprochen worden seien. Sie seien im türkischen Parlament einer noch schärferen Kritik unterzogen worden, und die türkische Regierung habe Erhebungen angestellt, um eine unparteiische Abhilfe herbeizuführen. Die britische Regierung hege die ernste Zupersicht, daß diese jede Erneuerung der Ausschreitungen

. ; . eine Deputation der Trie ster Beamten, Unterbeamten und

verhindern werde. Denn eine friedliche Lage in Mazedonien, die nur Durch eine sowohl gerechte als auch feste Regierung gesichert werden 140

ung

Ischt habe,

dränge sich ge—

. —änbe, wo die gewaltigsten

und diplomatische Aufgabe

von beängstigender Schwierigkeit das Parlament beschäfüigten,

könne er sich einer neuen Richtung der Politik nicht anschließen

Die Verhandlungen zwischen dem scherifischen Minister

des Aeußern und der französischen Regierung wegen der marokkanischen Anleihe sind zum Abschluß gelangt.

Rußland.

Der in St. Petersburg tagende Kongreß der Ver— treter des russischen Adels hat, „W. T. B.“ zufolge, gestern eine Resolution angenommen, in der der bedingungslose Ausschluß der Juden, selbst wenn sie die Konfession ge wechselt haben, von allen Staatsämtern, von der ge⸗ setzgeberischen Tätigkeit sowie von dem Militärdienst gefordert wird. Der Antrag, die Juden als Ausländer anzu⸗ sehen, wurde abgelehnt.

Die zuständige Kommission der Reichs duma hat gegen die Stimmen der Opposition und eines Teiles der Oktobristen beschlossen, alle Interpellationen wegen des Verbots von Studenten- versammlungen sowie über die Gründe der Studentenunruhen und der Maßregelung der Studenten abzulehnen.

Griechenland.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ gab der Minister⸗ präsident Venizelos gestern in der Kammer die Erklärung ab, daß das Kabinett zurücktreten werde, wenn die Kammer die von der Verfassungskommission vorgenommenen Abände⸗ rungen an dem von der Regierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Revision der Verfafsung annehmen 'sollte.

Serbien.

In der gestrigen Sitzung der Skupschtina, in der das Haus die Beratung des Nachtragskredils für die Be⸗ schaffung von Gebirgsbatterien 1 ergriff der Kriegsminister, Oberst Goskowitsch bas Wort, um auf einzelne Angriffe oppositioneller Abgeordneter gegen die Heeres verwaltung zu erwidern, und erklärte, W. T. BH.“ zufolge: Er sei zu der Ueberzeugung gelangt, daß es am günstigsten wäre, die Annahme des Nachtragskredits zu vertagen und für die gha i der. Gehirgsbatterien eine neue Llusschreibung vorzunehmen. In diesem Augenblicke, so schloß der Kriegsminister, „gebe ich meine Demission“.

Während seitens der Opposition gegen die Ausführungen des Kriegsministers lebhaft protestiert wurde, verließ dieser den Saal, und der Vorsitzende unterbrach die Sitzung. Nach ihrer Wiederaufnahme erklärte der Ministerpräsident Paschitsch, daß die Regierung mit Riscksich!l auf den Umstand, daß der Kriegsminister wegen des Wider— standes seine Demission gegeben habe, auf den die von ihm eingebrachte Gesetzvorlage gestoßen fei, diese Vorlage zurück ziehe. Nach einzelnen Protesten oppositioneller Abgeordneter

e h er letzte Rede des Kriegsministers wurde die Sitzung

und unterhreitets ihm aufs neue die Bitte um Verbesserung

Amerika. Einer Depesche des „W. T. B.“ zufolge haben mexika⸗ nische Aufständische gestern nach einem Kampf die Stadt Fronteras eingenommen.

Parlamentarische Machrichten.

Die Schlußberichte über die gestrigen Sitzungen des Reichs⸗ tags und des Hauses der Abgeordneten befinden sich in der Ersten und Zweiten Beilage.

Der Reichstag setzte in der heutigen (138) Sitzung, welcher der Kriegsminister, General der Infanterie von Heeringen beiwohnte, die Spezialdiskussion des Militär⸗ etats im Ordinarium der Ausgaben beim Kapitel „Bekleidung und Ausrüstung der Truppen“ fort.

Der Abg. Irl Gentr.) beantragt:

den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß bei Anfertigung von Bedarfsartikeln, namentlich bei Anfertigung von Bekleidungsstücken für die Heeresverwaltung, die selbständigen Handwerksmeister, die Handwerkergenossenschaften und Innungen besonders berücksichtigt werden.

Der Abg. Wiedeberg (Zentr.) beantragt:

den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß die Heereßverwaltung bei Vergebung der Lieferungen oder Her⸗ stellung von Bedarfsartikelmn, namentlich von Bekleidungsstücken, soweit Heimarbeiter dabei beschäftigt werden, tunlichst die Ver⸗ einigungen von Heimarbeitern bezw., solche gemeinnützigen Komitees, welche die Vermittlung von Arbeiten an Heimarbeiter sich zur Aufgabe stellen, bevorzugt.

Abg. Pauly⸗Cochem (Zentr.) lenkt die Aufmerksamkeit der Militärverwaltung auf die Abnahme des Eichenschälwaldes und auf die Notwendigkeit, ihn im nationalen Interesse zu erhalten. Die Militär⸗ verwaltung habe daran das größte Interesse, weil von einer guten Lohe die Gute des für die Fußbekleidung der Truppen zu ver— wendenden Leders abhänge. Leider haben die mit , ,. dungen bestandenen Flächen im Süden immer mehr abgenommen. zu nur das Heer, sondern auch die Landwirtschaft hat ein großes Interesse an dem Bezuge lohgegerbten Leders. Er bitte den Kriegs⸗ minister, den Lohgerbern sein Interesse und seine Sympathie zu be⸗

wahren.

Abg. Albrecht (Soz.): In einer Denkschrift im Etat über die Bekleidungsämter wird gesagt, daß man bei einigen Bekleidungs— ämtern einen Offizier weniger halten, also sparen wolle. Es wird über die viele Reglementiererei und Kom mandiererei in den Beklei⸗ dungsämtern geklagt. Wenn wirklich, wie die Denkschrift sagt, die Offiziere fachlich vorgebildet wären,. dann könnte es nicht vor— kommen, daß ein Hauptmann befiehlt, das Abfallleder zu ver— kaufen. Es mußte dafür dann Leder gekauft werden, und es entstand dadurch ein Schaden von 37 6 für 100 kg. Solche Fälle sind mehrfach vorgekommen. Es müssen mehr Fachleute in den Bekleidungs⸗ ämtern angestellt werden; nach der Denkschrift will man aber auch an den Stellen der Handwerksmeister sparen. Zu einem Bekleidungs⸗ amt, in dem ungefähr 200 Schneider und Schneiderinnen, 30 bis 40 Schuhmacher, 12 bis 15 Tagelöhner, 100 Heimarbeiter, insgesamt also etwa 350 Arbeitskräfte beschäftigt sind, gehören 3 Stabs— offiziere, 5 Hauptleute, 1 Intendant, 5 Inspektoren, 1 Unter⸗ inspektor und 17 Unterbeamte sowie 17 Handwerksmeister, es entfallen also auf 350 Arbeiter circa 60 beamtete Personen. Der Stabkoffizier hat eine tägliche Arbeits zeit von 5 Stunden, die Hauptleute von 6 Stunden, die Inspektoren, der Intendant und der Unterinspektor von 7 Stunden, die Handwerksmeister und Arbeiter aber von 9 Stunden. Der Apparat arbeitet so ungeheuer teuer, weil zu viel Aufsichtspersonal da ist. Es könnte gespart werden, wenn man die Arbeitszeit der höheren Beamten erhöhen würde. Ist es überhaupt notwendig, daß an der Spitze eines Bekleidungsamts ein Stabsoffizier im Range eines Regimentskommandeurs mit 7800 und 2 Stabsoffiziere mit 65600 Gehalt und Nebenbezügen stehen?

(Schluß des Blattes.)

Bei der am A. Februar erfolgten Reichstagsersatz⸗ wahl im Wahlkreise Königsberg 9 (jetzt Allenstein 2) sind, den vorläufigen amtlichen Ermittlungen zufolge, insgesamt 18436 Stimmen abgegeben worden. Davon haben erhalten der Rittergutsbesitzer Or low ski⸗-Kutzborn (Zentrum) 10504, der Pfarrer Barczewski⸗Braunswalde (Pole) 7519 und der Rechtsanwalt Haase⸗Königsberg (Soz.) 319 Stimmen. 64 Stimmen waren zersplittert.

Das Mitglied des Herrenhauses von Diest, Wirklicher Geheimer Rat, Regierungspräsident a. D., ist, wie hiesige Blätter berichten, am 28. Februar in Merseburg gestorben.

Statistik und Volkswirtschaft.

Die Gesellschaft für Soziale Reform, Ortsgruppe Berlin, ladet zu einer öffentlichen Versammlung auf Mittwoch, den 8. d. M., Abends 8 Uhr, im Bürgersaale des Berliner Rathauses (Königstraße) ein, in der der Staatsminister Freiherr von Berlepfch über das Thema Reichseinig ungsamt sprechen wird.

(Weltere ‚Statistische Nachrichten s. i. d. Zweiten Beilage.)

sKunft und Wissenschaft.

„Die Archäologische Gesellschaft zu Berlin erledigte in ihrer Janugrsitzung, in der an Stelle des von Berlin zeitweilig ab— wesenden Geheimrats Professor Dr. von Kekule Professor Dr. Tren— delenburg den Vorsitz führte, zunächst die der ersten Sitzung des Jahres vorbehaltenen geschäftlichen Angelegenheiten, so vor allem den Jahres; und Kassenbericht und die Vorstandswahl. Da eines der bisherigen Vorstandsmitglieder Professor Dr. Freiherr Hiller von Gaertringen, wegen andermeitiger Verpflichtungen zurücktrat, wurde auf die früher üblich gewe fene Vierzahl des Vorstandes zurück= gegriffen. Somit besteht der durch Zuruf wiedergewählte Vor— stand für das Jahr 1911 aus den Herren Geheimrat Professor Dr. Kekule von ,, Sy mnasialdirektor Professor Dr. Tren⸗ delenburg, Professor Dr. Brueckner und Professor Dr. Schiff. Ünter den zahlreichen literarischen Neuigkeiten, die zur Vorlage gelangten, erwegtte die soeben in 9. Auflage herausgekommene Hun ige bh chte des Altertums“ von Adolf Michaelis (Band ! des bekannten Springerschen Handbuchs der Kunstgeschichte) als letzte Gabe des am 12. August v. J. im 76. Lebensjahre gestorbenen Altmeisters der klassischen Archäologie wehmütiges Interesse. Michaelis hat bis in die letzten Tage seines Lebens hinein dem weit verbreiteten Hand— buch seine Kraft und Arbeit gewidmet, und es ist ihm vergönnt ge— wesen, auch noch die 9. Auflage mit der ihm eigenen Sorgfalt zu überarbeiten und bis ins kleinste dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft anjupassen, sodaß dem Herausgeber, Direktorialassistent Dr. Köster, nur die Aufgabe blieb, den Druck zu überwachen. Eine

Reihe kleinerer wissenschaftlicher Mitteilungen folgte. Professor Dr. Conze gab als Nachtrag zu seinem am 9. Dezember v. J. ig der Winckelmannssitzung gehaltenen Festvortrage über die neuesten Arbeiten in und bei Pergamon eine durch vorzügliche Lichtbilder unterstützte Schilderung der Reste des von ihm und dem Schweizer Architekten Schaz⸗ mann auf dem Mamurt⸗Kaleh (eine Tagereise von Pergamon entfernt) entdeckten und ausgegrabenen Tempels der Göttermutter, den der Gründer der Attalidendynastie Philetatros, des Attalos Sohn, erbaut hat. Geheimrat Professor Dr. Hallat berichtete im Anschluß an einen früher von ihm in der Gesellschaft gehaltenen Vortrag über einige neue, von amerikanischen Archäologen aufgespürte Fragmente der Skulpturenfriese, mit denen das Erechtheion in Athen geschmückt war. Wichtig ist namentlich ein Kopf, der an ein vorhandenes Stück anpaßt. Professor Dr. Oehler besprach zwei interessante Funde aus Nordafrika, deren Veröffentlichung dem n zösischen Archäologen Merlin, dem Leiter der Direction des antiquités et arts in Tunis, verdankt wird. Ein punisches Felsengrab bei Ksour⸗ es ⸗Saf lieferte außer dem ersten vollständigen Holzsarge einen Brustpanzer aus Bronze von aus— gezeichneter Arbeit und ungewöhnlich guter Erhaltung. In seiner Form erinnert er an den bekannten 40ιοéνάdοιεs des Polybios: drei im Dreieck angeordnete kreisförmige Erhöhungen, deren unterste die Gestalt eines . Athena⸗Kopfes en face hat. Der der Wende des 3. Jahrhunderts v. Chr. zuzuweisende Fund ist um so bemerkens— werter, als Waffen in punischen Gräbern eine Seltenheit sind. Der zweite Fund betrifft ein in der Nähe von Siagu (Ksar⸗es⸗-Zit) zu Beginn unserer Zeitrechnung von Eingeborenen gebautes Heiligtum des Baal⸗Saturnus und der Tanit⸗Caelestis, das ein außerordentlich kompliziertes Ganzes bildet. In seinen zahlreichen, getrennt neben— einander liegenden Kapellen hat es die zugehörigen Götterbilder, wenn auch in Trümmern, bewahrt; unter ihnen sind neben Baal und Tanit noch Atargatis und Athena zu nennen.

Den Hauptvortrag des Abends hielt Professor Dr. A. Bru eckner über die letztjährigen Tusgrabungen vor dem Heiligen Tore zu Athen, die er, vom Königlich preußischen Kultusministerium als Oberlehrer beurlaubt, im Auftrage der Griechischen Archäologischen Gesellschaft geleitet hat, unterstützt vom Ephoros Dr. G. DOikonomos und dem Architekten A. Orlandos. In warmen Worten dankte der Vor⸗ tragende beim Beginn seiner Ausführungen für die Förderung, die das Unternehmen von den Vertretern der Griechischen Archäologischen Gesellschaft erfahren hat, vor allem von ihrem ehrwürdigen Prä— sidenten Professor G. Mistriotis, dem Nestor der Athenischen Uni⸗ versität, und ihrem Schriftführer Professor Chr. Tsuntas. In der gegenwärtigen Entwicklung der politischen Verhältnisse Griechen⸗ lands muß das Streben derjenigen griechischen Gelehrten und Staatsmänner besonders dankenswert sein, die an der Ueberlieferung festhalten, daß die Sorge für die Denkmäler des Altertums zu den das griechische Staatswesen auszeichnenden Aufgaben ge⸗ höre. Sie verpflichten damit nicht nur den engeren Kreis der Hellenen, sondern auch den weiteren der Hellenenfreunde. Nach⸗ dem 1909 die Gräberstraße von ihrem Zugang an der heutigen Piräusstraße bis zum Denkmal des Dexileos ausgeräumt war (und zwar bis auf die Tiefe ihrer Anlage etwa um 406 v. Chr.), galt es nunmehr, der Gräberstraße weiter in der Richtung auf die Stadt⸗ mauer hin zu folgen. Der Platz bot hier seit den ersten Grabungen in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts den Anblick einer ebenen, ruinenlosen Fläche. Aber eine frühere Stichgrabung Brueckners hatte bewiesen, daß etwa einen Meter tiefer der Boden des H. vorchristlichen Jahrhunderts erst noch zu säubern war. Drei Dinge waren hier zu suchen: zunächst die bis dahin nur zu vermutende Gabelung der nach Eleusis führenden Heiligen Straße und der Gräberstraße, zweitens die Grenze der Grabanlagen gegen die Stadt hin und drittens die Spuren des Eridanos-⸗Baches und der mit ihm zusammenhängenden Kanäle, die an dieser tiefsten Stelle Athens be⸗ sonders zahlreich auftreten. Die Gabelung der Eleusinischen Straße und der Gräberstraße wurde durch die Aufdeckung eines ummauerten heiligen Bezirkes der Tritopatren, eines Dreivereins attischer Ur⸗ Väter, bestimmt. An seinen Ecken stehen noch die Grenzsteine mit der Inschrift aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert: „Grenze des Heiligtums der Tritopatren. Betreten verboten. Die Breite der beiden Land⸗ straßen an den Seiten des Heiligtums betrug je 64 m. Im schmalen Zwischenraum zwischen den beiden sich gabelnden Straßen waren noch andere Heiligtümer einfachster Art angelegt. Dicht darum her, nach Süden und Westen, beginnen die Grabanlagen. Ein Graben, der in den an der Westseite des Tritopatreion anstehenden Hügel geführt wurde, auf dem heute die Kapelle der Heiligen Dreieinigkeit steht, lehrte, daß in ihm (ee großer Geabhüge. Sas vorthe nstokleischer Zeit steckt. Dem Marmorfriedhof des 4. Jahrhunderts ist, so zeigt sich an diesen und anderen Resten, an gleicher Stelle ein Friedhof mit großen Erdmalen in älterer Zeit voran— gegangen. Für den Lauf des Eridanos ergaben die Untersuchungen, daß seine Ufer anschließend an des Themistokles Stadtmauerbau in Mauern gefaßt worden sind, deren Sohle 8 m unter dem heutigen Erdboden liegt; ein oder zwei Jahrhunderte später lag beim Bau einer neuen Ufermauer die Sohle des Baches 1,40 m hüßer In der linken Ufermauer hat ein groß angelegtes System von verschließ⸗ baren Kanälen seinen Anfang, welche das Wasser auf dle Gärten und Felder auf der linken Seite des Unterlaufes des Eridanos verteilten. Zum Teil sind diese Kanäle an den Landstraßen entlang geleitet, zum Teil in Felsstollen durch die Aus— läufer der Randhöͤhen geführt. Alles in allem liefern diese topo⸗ graphischen Untersuchungen an einem Ausschnitte den Beweis, daß sich die Grundlinien der antiken Besiedelung vor den Nordwesttoren Athens in weit größerer Schärfe, als man bisher annehmen durfte, noch werden gewinnen lassen, wofern sich Mittel und Wege finden, dem Ausbau der modernen Stadt zuvorzukommen. Unter den vielerlei Einzelfunden, die in einem kleinen Museum beim Dipylon vereinigt worden sind, verdient der Fund von 44 Stimm⸗ scherben (0rιυ ) eines Scherbengerichts (0eMr⸗ ) Hervorhebung. Sie lagen in einem alten Schutthaufen dicht bei einander: 11 tragen eingekratzt den Namen des Thukydides, Sohnes des Melesias, 26 den des Kleippides, Sohnes des Deinias; bei 5. Scherben ist es der Er⸗ haltung nach unklar, wem von beiden sie zuzuzählen sind. Offenbar sind diese beiden einmal Gegner im Scherbengericht gewesen. Thuky⸗ dides, des Melesias Sohn, ist bekannt als Gegner des Perikles; 442 v. Chr. gegen diesen ostrakisiert, war er, aus der Ver⸗ bannung heimgekehrt, von 432— 25 wieder in Athen tätig. Von Kleippides ist überliefert, daß er 428 die Flotte nach Lesbos geführt hat, aber nach kurzer Zeit im Oberbefehl ab— gelöst wurde. Von zwei zersplitterten Stimmen lautet die eine auf Teisandros, den Sohn des Epilykos, d. i. der Schwiegervater des aältesten Sohnes des Perikles, die andere auf einen unbekannten Eucharides. Das Fehlen des Namens des Perikles spricht für die Zeit nach seinem Tode, das Fehlen des Namens des Kleon für die Zeit, bevor dieser mächtig wurde. Somit wird diese Sammlung von Scherben als eine Ergänzung zur Ueberlieferung über die Partei⸗ verhältnisse unmittelbar nach Perikles' Tode zu betrachten sein. Zum Schluß führte der Vortragende die Gräberstraße, wie sie jetzt nach der Ausgrabung sich zeigt, in Lichtbildern vor Augen. Ihre Aus—⸗ räumung bringt die stattlichen Terrassenmauern, die den ursprüng⸗ lichen Hohlweg einfaßten, zur Erscheinung und Wirkung. Darüber ragen die marmornen Denkmäler vor dem Hintergrunde des freien Himmels auf. Aber an einigen , . stätten waren schon im Altertum, als der Hohlweg zu⸗ geschüttet war, die oberen Schichten der Randmauern ab⸗ getragen, an anderen war die Krönung der Mauern angegriffen; manche dekorativen Skulpturen waren 3 ihrer Auffindung, ehe man sich über ihre Verwendung klar geworden war, vom Platze weg ins Museum verbracht worden. Für einige Wiederherstellungen stellten dankbare deutsche Besucher Mittel zur Verfügung. Der Minister⸗ präsident Herr Dragumis genehmigte namens der griechischen Regierung ihre Verwendung; und, beraten von dem Architekten des griechischen Unterrichtsministeriums Herrn Balanos, hat damit der Vortragende zu beiden Seiten der Straße die Ergänzung und Sicherung der Grab⸗ bezirke zweier herakleotischer Brüder, der Hegeso und einiger anderer

ausführen können. Damit ist ein Anfang gemacht, dieses einzigartige Muster einer attischen Gräberstätte entsprechend ihrer erweiterten Auf⸗ deckung wiederherzustellen.

Der auf Anregung des Vorsitzenden unter dem Eindrucke des Vortrags gefaßte Beschluß, der Griechischen Archäologischen Gesell⸗ schaft die herzlichsten Glückwünsche der Berliner Archäologischen Ge⸗ sellschaft zu den bisherigen Erfolgen und ihre dankbaren Empfin⸗ dungen für die der Altertumswissenschaft durch diese Grabung ge⸗ leisteten Dienste auszusprechen, bildete den Schluß der anregenden und inhaltreichen Sitzung.

Die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin hält eine Allgemeine Sitzung am 4. d. M., Abends 7 Uhr, im großen Saal des Architektenhauses, Wilhelmstraße 92, in der der Professor Dr. Leonhard Schultze aus Jena (als Gast) einen vorläufigen Bericht über die deutsche Grenzexpedition in Neu⸗Guineg erstatten und der Königliche Baurat Friedrich Müller über die Geschichte und Natur der Schelde Mündungen in der niederländischen Provinz Zeeland sprechen wird.

Literatur.

Karl Blechen von G. J. Kern. Mit 110 Abbildungen,

Verlag Bruno Cassirer in Berlin, 1911. Unter den deutschen Künstlern aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die auf der unvergeßlichen Berliner Jahrhundertausstellung von 1906 verdiente Auferstehung feierten, steht nicht an letzter Stelle der Landschafter Karl Blechen. Der bis dahin nur ganz wenigen Bekannte offenbarte sich damals als der bedeutendste Landschaftsmaler des vormärzlichen Berlin und als ein genialer Vorahner moderner Landschaftskunst. Als Sohn eines Steuerbeamten 1798 zu Kottbus geboren, kam Blechen mit sechzehn Jahren nach Berlin, wo er nach längerer kaufmännischer Tätigkeit Anschluß an die Akademie fand. Die Unterweisung der jungen Landschafter bewegte sich in den ausgefahrenen Gleisen der Hackertschen Vedutenmalerei. Stärkere künstlerische Anregungen vermittelte Blechen ein kurzer Aufenthalt in Dresden im Jahre 1823. Caspar David Friedrich und der Norweger Christian Claußen Dahl erschlossen ihm den Sinn für das landschaft— liche Stimmungsbild. 1824 nahm Blechen eine Stelle als Dekorations⸗ maler bei dem Königstädtischen Theater in Berlin an, in der er bis 1827 verblieb. Das schob den jungen Künstler in völlig neue Rahmen. Im Spätherbst 1828 trat er nach wiederholtem Besuch in Dresden die lang ersehnte Reise nach dem gelobten Lande der Kunst, nach Italien, an. Nach dreizehn Monaten kehrte er nach Berlin zurück, wurde 1831 Lehrer der Landschaftsmalerei an der Akademie der Künste und 1835 Mitglied der Akademie. Schon bald darauf be⸗— gannen die Anzeichen eines schweren Gemütsleidens. Vergeblich be— mühte sich Bettina von Arnim um die Heilung des Künstlers, worüker Kern einen höchst lebendigen Brief Bettinas an den Bonner Professor, späteren Minister von Bethmann Hollweg, mitteilt. Am 23. Juli 1840 wurde Blechen durch den Tod von seinem Leiden er⸗ löst. Ein an Entbehrungen reiches, an Anerkennung und Erfolgen armes Künstlerleben. In G. J. Kern hat Blechen einen trefflichen Biographen gefunden. Mit gewissenhaftem historischen Sinn und feinem ästhetischen Verständnis ist Kern den fast verwehten Spuren des Künstlers nachgegangen. Wir danken ihm ein anschauliches, nach vielen Richtungen abschließendes Bild der menschlichen und künstlerischen Entwicklung Blechens, über dessen Werke ein sorgfältiger Katalog im einzelnen Aufschluß gibt. Treffend hebt Kern die eigenartige Mischung von scharfem Wirklichkeitsgefühl und romantischer Phantastik in Blechen hervor. Die mehrjährige Tätigkeit als Dekorafionsmaler hatte den ohnedies leicht erregbaren Sinn des Künstlers überreich mit phantastischen Vorstellungen erfüllt. Die Einflüsse der Dresdner Maler Friedrich und Dahl äußerten sich in dem späteren Uebergang Blechens von Schöpfungen elegischen und phantastischen Inhalts zu landschaft⸗ lichen Stimmungsbildern und in der meisterhaften Behandlung des Lichts. Auch der italienische Aufenthalt Blechens war hierfür von größter Bedeutung gewesen. Er vermittelte dem Künstler auch die Bekanntschaft mit den Werken Turners. Die in Italien entstandenen Arbeiten Blechens lassen an malerischer Qualität alles hinter sich zurück, was von deutschen Künstlern bis 1830 geschaffen worden ist. Schüler von Rang sind Blechen nicht beschieden gewesen. Erst in Menzel fand er einen ebenbürtigen Nachfolger. Dieser führte aber nur die malerische Seite seiner Kunst weiter. Die andere, die romantische, hat Böcklin fortgesetzt. Mit Ausnahme von Caspar David Friedrich, so bemerkt Kern, gibt es in der deutschen Kunst vom Anfange des vorigen Jahrhunderts wohl keinen Maler, in dessen Schaffen so viele Möglichkeiten einer künftigen Entwicklung liegen, wie sie im Werke Blechens enthalten sind. „Er nimmt die Errungenschaften der deutschen Landschaftsmalerei auf Jahrzehnte voraus: nach der Seite des Naturverständnisses und der Fähigkeit, die Natur malerisch zu deuten ebensowohl wie nach der Seite der dichterisch⸗schöpferischen Gestaltungsgabe. Der Verlag hat dem schönen Buch eine mustergültige Gestalt gegeben. Die in großer Zahl beigegebenen Abbildungen sind mit künstlerischer Sorgfalt ausgeführt. Möge das nach Inhalt und Form gleich ansprechende Werk dazu beitragen, dem hochbegabten Blechen die verdiente späte Würdigung zu sichern. Märchenbuch von August Geigenberger. Verlag von Jos. Kösel in Kempten und München. Eine liebenswürdige Gabe für die Kinder und für die Großen, in deren Gemüt sich noch etwas von märchenfreundlichem Kindersinn erhalten hat, ist in dem auf künstlerischem Gebiet rührigen Köselschen Verlage jüngst erschienen. Der 1909 in jugendlichem Alter verstorbene vielversprechende Münchener Maler August Geigenberger hat dies Märchenbuch verfaßt und illustriert. Sein 1910 in München ausgestellter Nachlaß hatte durch den feinen Humor und die gesunde herzliche Fröhlich— keit des Künstlers entzückt. Das Märchenbuch läßt den frühen Heimgang dieses begabten Karikaturisten erneut lebhaft bedauern. In der Erzählung des „tapferen Ingobert“ hat der Künstler den naiv⸗kindlichen Ton des Märchens glücklich zu treffen genug, Aus seinen lustig⸗grotesken Zeichnungen und den übermütigen Drolerien an den Zeilenrändern spricht der geborene Märchenmaler. Es sind zwei Ausgaben dieses eigenartigen und künstlerisch einheitlichen Märchenbuchs erschienen. Eine für die Jugend und eine Liebhaber⸗ ausgabe für Künstler und Kunstfreunde mit getreuer Wiedergabe des vom Künstler gezeichneten Textes und den Textverzierungen. Beide Ausgaben sind auf dickes, mattes Kunstdruckpapier gedruckt. Der bekannte Schulmann Dr. Georg Kerschensteiner in München hat das Märchenbuch mit einem Geleitwort versehen.

Land⸗ und Forstwirtschaft.

Getreidemarkt in Italien während des Monats Januar 1911.

Weichweizen. Auch in diesem Monat war der italienische Markt sehr ruhig und ausländischen Einflüssen nicht unterworfen, so⸗ daß die Käufer fast ausnahmslos in ihrer bisherigen abwartenden Stellung verharrten. Sie glaubten, dies umsomehr tun zu können, als sie noch mit Ware versehen sind und nach den Berichten aus Rußland und von der Donau sich in den Ausfuhrhäfen viel Ware ansammelt, die bei Beginn der milderen Jahreszeit auf den Markt drücken wird. Dieser allgemein verbreiteten Meinung, daß das Frühjahr billigere Preise bringen wird, geben einige der größeren italienischen Mühlen dadurch Ausdruck, daß sie ihre Produkte für entferntere Termine zu Preisen verkaufen, die einen wesentlichen Rückgang der jetzigen Welzenpreise voraussetzen. Die genannten Exportländer halten allerdings bis jetzt fest auf Preise und erhöhen bei der leisesten Andeutung verstärkter Nachfrage ihre Forde⸗ rungen. Dies gilt auch von Argentinien, von wo die erhofften zahlreichen Offerten zu ermäßigten Preisen ausgeblieben sind. Die PHreise der oberitalienischen Weizen sind unverändert geblieben.

artweizen. Bei sehr geringen Umsätzen und einer dem Weichweizenmarkte ähnlichen Lage haben sich die Preise annähernd auf der Höhe des letzten Monats gehalten.