bat sich der Reverz von vornhereln ulcht alt ein Verbot sozlal demokratischer Bekundung dargestellt, sondern er war k
gegen den Arbeiterausftand gerichtet. Baden.
In der gestrigen Sitzung der Zweiten Kammer legte der Finanzminister Dr. Rheinboldt den Sta atsvor⸗ anschlag für 19816 17 vor, der laut Meldung des, W. T. B.“ mit einem Fehlbetrag von rund 17. Millionen Mart abschließt. Zu desen teilweiser Deckung wird eine 20prozentige Erhöhung der Eintommensteuer vorgeschlagen, wodurch die Einnahmen um 8 Millionen Mark gesteigert werden. Die kleinen Ein⸗ kommen bis zu 1600 6 bleiben frei. Für den Fall, daß die vorgesehenen Mittel nicht ausreichen, ersucht die Regierung um die Ermächtigung, weitere Mittel bis zum Betrage von D Millionen Mark im Wege des Kredits zu beschaffen. Der seit Beginn des Krieges für Familienunterstützungen aufgewendete Betrag dürfte bis zum Jahresschluß 43 Millionen Mark er⸗ reichen. Der Minister betonte, wie dringend notwendig es ge⸗ wesen sei, daß im Reiche seinerzeit mit den Finanzplänen nicht Wege eingeschlagen worden seien, die in das einzig dem Bundes⸗ staat noch verbliebene Steuergebiet, das der direkten Steuern, einführten. Für das Reich bestünden noch genug Möglich⸗ keiten. seinen Geldbedarf, mag er auch noch so hoch sein, ohne Beschränkung der bundesstaatlichen Steuerhoheit und ohne Er⸗ höhung der Matrikularbeitragslasten zu befriedigen. Die Zweite Kammer hat das bisherige Präsidium durch Zuruf wieder⸗ gewählt. Aus dem Hause ist eine große Reihe von Anträgen eingelaufen, die sich haupisächlich auf den Lebensmittelmarkt
beziehen.
Großbritannien und Irland.
Der Munitionsminister Lloyd George beriet vorgestern den ganzen Tag mit den Vertretern der französischen,
italienischen und russischen Regierung.
— Der Gesetzentwurf, durch den die Legislaturperiode des Parlaments verlängert werden soll, ist dem „Nieuwe Rotterdamschen Courant“ zufolge vorgestern nicht eingebracht worden, wie Asquith seinerzeit angekündigt hatte, da sich im
letzten Augenblick Schwierigkeiten eingestellt haben.
. Unterhaus teilte der Staatssekretär des Aus⸗ wärtigen Amts Grey mit, daß alles mögliche getan werde, um die Serben vor Hunger zu schützen. Die briütische Regie⸗ rung suche im Verein mit ihren Verbündeten so schnell wie möglich genügende Mengen Nahrungsmittel her beizuschaffen. Der Kanzler des Schatzamts Mac Kenna machte über die Einzahlungen der kleinen Sparer bei der letzten
Kriegsanleihe folgende Mitteilung: Die Emzahlungen der tleinen Sparer, die bis zum 1. Dezember
fortdauemin sollten, hätten einen Gesamtbetrag von nur 5 Millionen Pfund Sterling erreicht. Das sei angtsichts dr hoben Löhne, von denen viel gespart werden könnte, keineswegs so viel, als man erwartet
hätte. Die Erfahrung lepre, daß die Urbeiteikiasse Wertpapiere,
deren Bewertung Schwankungen unterworfen set, abweise und ihr Geld lieber aur die Sparkassen trage, daß es aßfer auch an einer
orggnisierten Beemflussung des Voltes, die gebotenen Vorteile aus⸗ zunützen, fehlte. Me Kenna teilte mit, es sei die Ausgabe fünf⸗ prozentlger Ginpfund. Bonds geplant.
J 3 ĩ ö
Italien. ;
Zur Befriedigung der außerordentlichen Bedürfnisse werden durch einen Königlichen Erlaß verschiedene finanzielle Maß⸗ nahmen angeordnet. Wie die „Agenzia Ei gan. mitteilt, befinden sich darunter Abgaben auf den Handel mit Lebens⸗ mitteln in Höhe von 1 Prozent, Abgaben auf alle von den direkten Steuern betroffenen Einkünfte und ferner Steuern auf Kriegsgewinne. Vorgesehen ist ferner eine Aenderung des Stempelgesetzes sowie schließlich Aenderungen in der Salz⸗ besteuerung und im Inlandsposttarifi.
— Der „Secolo“ erfährt aus Syrakus, daß durch Dekret des Statthalters die Beschlagnahme der 36 in italienischen Häfen liegenden deutschen Dampfer verfügt worden und daß jetzt die Maschinen von sechs im Hafen von Syrakus liegenden Dampfern geprüft worden seien. Dabei sei festgestellt worden, daß alle Maschinen durch die Kapitäne der Dampfer verdorben wären. Man habe aber bei den Nachsuchungen auf den Dampfern fast alle an den Maschinen fehlenden Teile wieder⸗ gefunden, die im Kielraum der Schiffe versteckt gewesen seien. Da man jedoch befürchtete, daß die Maschinen unterminiert seien, habe man jetzt begonnen, alle Maschmen abzumontieren, was um so richtiger sei, als einer der Dampfer, die „Sigmaringen“, unter anderem 11 t Dynamit an Bord ge⸗ habt habe, das eines Tages in mysteriöser Weise verschwunden sei. Der Kapitän der „Sigmaringen“ habe erklärt, er sei in⸗ folge eines an Bord ausgebrochenen leichten Brandes ge⸗ zwungen gewesen, sich der gefährlichen Ladung auf hoher See zu entledigen.
Türkei.
Der Senat hat die Adresse in Beantwortung der Thronrede angenommen. Diese Adresse gibt dem Dank des Senats an den Allmächtigen für die Ereignisse in den letzten zehn Monaten Ausdruck, die den Osmanen und der islamitischen Welt die Ueberzeugung von dem endgültigen Siege eingeflößt aben. Sie hebt die Tapferkeit der türtischen Armee an den Dardanellen hervor, deren Leistungen gezeigt haben, daß der Halbmond ein nie untergehendes Gestirn sei. Es wird weiter erklärt, daß die ununterbrochenen Siege der Türkei, Oester⸗ reich⸗ Ungarns und Denscchlands den Sieg des Rechts und der Gerechtigkeit gesichert haben. Der Versuch der Feinde, den Krieg durch seine Ueberiragung auf den Balkan zu entscheiden, sei dank der weisen Politik der Türkei gescheitert, durch die Bulgarjen bestimmt wurde, dem Bündnis beizutreten. Schließ⸗ lich erklärt die Adresse, der Senat teile voll und ganz die Auf⸗ faffung des Herrschers. daß der Krieg so lange dauern müsse, bis die verbündeten Armeen einen vorteilhaften Frieden ge⸗
sichert hãtten. Griechenland.
Die gemeinsame Note des Vierverbandes, die der „Agence Havas“ zufolge von der griechischen Regierung die Bestätigung der schon fräher aegehenen Zusicherungen, betreffend die Lage der Truppen der Verbündeten in Griechenland, ver⸗ langt, enthält keine Frist, bittet aber um eine möglichst rasche Antwort. Sofort nach dem Besuch der Gesandten fand ein Ministerrat statt.
Der Ministerpräsident Skuludis erklärte dem Athener Korrespondenten des „Petit Parisien“, daß Griechenland trotz alles Druckes, woher er auch kommen möge, neutral bleiben werde. Diese Neutralität werde gegenüber den Ver⸗
bündelen und besonders gegenüber Frankreich einen wohl⸗ wollenden 2 — — * 7 *
— Bier Transportdampfer mit Truppen sind obiger Quelle zufolge vorgestern vormittag in Saloniki an⸗ gekommen. Fünf andere mit Munition, Flugzeugen und Die Beförderung großer Mengen
Kraftwagen sollen folgen. Monastir für die serbische
von Munition und Geschützen nach Armee hat vorgestern begonnen.
Einer amtlichen Meldung zufolge hat die englische chen mit Getreide und J Dampfer, die in Malta zurück⸗ gehalten wurden, gestattet. Auch die Beförderung von Depeschen über Malta ist zugelassen worden.
Regierung die Abfahrt der griech is
anderen Waren beladenen
Kriegsnahhrichten. Großes Hauptquartier, 24. November. (W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse.
Der englische Oberbefehlshaber hat versucht, die amtliche deutsche Richtigstellung, daß alle bei den Kämpfen Loos am 8. Oktober beteiligten deutschen Truppen nicht, von englischer Seite behauptet, verloren haben, Unterfangen nichts zu erwidern.
Oestlicher Kriegs schauplatz.
des Generalfeldmarschalls von denbh on Rig a fielen bei einem Vorstoß auf Bersemünde, der die Russen vorübergehend aus dem Orte vertrieb, 6 Offiziere 700 Mann gefangen in unsere Hand, 2 Maschinengewehre wurden erbeutet. Ein vorgeschobener Posten in Janopol nördlich von Illuxt) mußte sich vor einem russischen Angriff zurückziehen; durch Gegenangriff wurde das Gehöft wieder genommen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Die Lage ist unverändert.
Linsingen.
= S000, sondern 763 Mann
anzuzweifeln. Wir haben auf ein solches
Heeres gruppe
Hindenburg. Südöstlich v
Leopold von Bayern.
Heeresgruppe des Generals von Vorstöße russischer Abteilungen nordöstlich von Czar— torysk und bei Du biszeze (nördlich der Eisenbahn Kowel Rowno) wurden abgewiesen; 50 Gefangene und 3 Maschinen⸗
gewehre wurden eingebracht.
Balkankriegs schauplatz.
von österreichisch- ungarischen,
Truppen genommen. ;
Bristina über die Sitnica Oberste Heeresleitung.
Mitro vica Pristina von deutschen Serben sind westlich von zurückgeworfen.
Großes Hauptquartier, 25. November. (W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Es hat sich nichts von Bedeutung ereignet.
Deñtliche y Kriegs schauplat. ü pße des Geeterah' feldmarschalls von Bersemünde ist fest in unserer H Die Zahl der Gefangenen hat sich auf 9 Offiziere
Mann, die Beute auf 3 Maschinengewehre erhöht. Bei den Heeresgruppen des Generalfeldmarschalls
Prinz Leopold von Bayern und des Generals von Linsingen ist die Lage unverändert.
Balkan⸗Kriegsschaupl az. . Mitrovicg wurden von Truppen der Armee etwa 109000 Serben 19 Geschütze erbeutet. und an der
Heeresgru Hindenburg.
efangen genommen, ämpfen um Pristing 7400 Gefangene und
Sitnica fielen Die Beute am Kriegs—
6 Geschütze in un sere Hand. gerät und Vorräten ist erheblich. , berste Heeresl eitung.
Wien, 21. November. (W. T. B) Amtlich wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Der Görzer Brückenkopf stand zwar auch gestern unter
lebhastem Geschütz und Minenwerferfeuer. In Infanterie⸗ kämpfen trat jedoch eine Pause ein, da die Italiener nicht an⸗ Um so erbitterter wurde beiderseits des Monte San Michele gerungen. Nördlich des Berges dremgen italienische Kräfte Nachmittags Steierische Infanterie angriff und warfen Nahkämpfen vollständig zurück. den Monte San Michele selbst und im Raume von San Martino wurden unter schwersten Verlusten der Italiener abgewiesen, Stellungen auf dem euer erstickt. Gegen egner schwere Minenwerferbomben, die An der Tiroler Südfront wurde der Ba und der alte Stadtteil von Riva wieder beschossen. . Flieger belegte Baracken und Magazine von Ala mit Bomben.
unsere Stellingen und Honveds schritten zum Gegen⸗ den Feind nach wechselvollen wütenden Mehrere Angriffe auf
Angriffs versuche te dei Sei Bu si sofort durch dle Straßensperre bei Zagora warf der giftige Gase ent⸗
Südöstlicher Kriegsschauplatz. An der oberen Drina verlief der Tag ruhig. Priboj haben sich unsere Truppen
den Uebergang auf das Südufer des Lim erkämpft.
Südwärts von Novi⸗ K und K. Streitkrafte gegen die montenegri⸗ Die durch das Ibar⸗-Tal vorgehenden schen Truppen warfen unter heftigen eind aus feinen Stellung en nordöäöstlich von Mitrovica und rückten in diese Stadt ein. nahmen 7090 Mann, unter ihnen vier Offiziere, gefangen. Auch Prist ina ist den Serben en deutsche Kolonne drang von Norden her ein, folgte von Osten.
Der Stellvertreter des Chefs von Hoefer, Feldma
pazar dringen nische Grenze vor. österreichisch ungari Kämpfen den
ntrissen worden. eine bulgarische
8s. Generalstabes. alleutnant.
Wien, 21. November. (B. T. B) Aus dem Kriegs= pressequartier wird über die letzten Kämpfe an der Strypa gemeldet:
Wie aus den Berichten der verbündeten Gereralstãbe bervor· gebt, bildete Anfang November das Tal der mittleren Strypa den Schauplaß beitiger Kämpfe. Es sind dort van Nord nach Sũd die Forser Vonatkom ce, Siemikomce, Bianiawa, Rocowif. Sosnom an. einandergereibt. Von ibnen liegen Bonatkowm cz und Bianiaa östlich der breit n versumpsten Strypa · Niederung, alle übrigen westlich der⸗ selten. Die jwei ersigenannten Orte sind in unsere Verteidigung. slellung nicht einberogen grwesen. Am 31. Oktober Nachmittags setzte gegen unser⸗. Stellungen bel Sognow und gegen die deutschen inlen bel Siemikom ct und an den Teichen Pöidlich Navon bestiess Arnillerieseuet ein. In den Abendstunden griffen russische Krãste in Starke von mindestens jwei Diwisionen auf schmalem Raume Stem fowee an. Das Dorf und die Stellungen beidersells mußten nach erbitterten Kämpfen geräumt werden. Die Verteidiger gingen auf die westlichen Höhen zurück. Andern Morgens ver suchien die Russen zu⸗ nächst in gewohnter Welse die Einbruchsfront zu erweitern. Diese
icht wurde durch einen kühnen Flankenstoß verejtelt, den das onvedinfanterleregiment Nr. 308 von Racowiec her gegen, den äirfiügel der bei Siemtkomce kämpfenden Russen führte. Gleich zeitig schritten die Verbündeten an rie Wiedergewinnung der alten Stellungen. Tagsüber wurden Neserven der Nachbargrupven, ein sflerreichisch . ungarisches und deutsches Bataillon, ing Gefecht ge⸗ worfen. Abends raf die ven Nordwest kerangeführte Sleben⸗ bürger Honveddivision auf dem Schlacht selde ein, aber auch der eind, dessen Hauptkraft aus sibirsschen Schützen diwisionen bestand, ßzte don Stunde ju Stunde neue Verftärfungen, ein sodaß sich das erhältnis zwischen ihm und den Verdündeten auf zwel zu eins, nicht selten aber noch mehr zu seinem Vorteil stellte, Den Brennvunkt des Kampfes bildete, wie erianerlich, das belßumstrittene Doenf Siemi⸗ kowce, von dem zwischen dem J. und 5. Nobember jedes Gehöft so und so oft den Besitzer wechselte, bis endlich am 5. früh die Ru ssen aus den letzten Häusern getrieben waren. Der Feind ließ 80 Offiziere und äber 6oo0 Mann in' der Hand der Verbündeten. Seine Ver luste an Toten und Verwundäten waren um ein vlelfachs größer. Diese Zahlen und der Verlauf des einwöchigen Kampfes ließen ohne weiteres den sicheren Rückschluß zu, daß die Russen mit ihrem Angriff größere Ziele im Auge hatten als das, einen ört- lichen Erfolg zu erringen, und daß demnach auch der Sieg unserer Truppen mehr bedeutet als die Wiedergewinnung eines vorübergebend verlorenen Grabenffücks. In der Tot wurde, wie aus iussischen Dokumenten und aus Aussagen von Gefangenen nachträglich hervorgeht, auf feindlicher Seite die Unternebmungen gegen unsere Stiypa⸗ Stellung in einer Art eingeleitet, die bemerlenswert genug war. Feld pepen schrütten tagszuvor in festlichem Ornat von Schützengraben zu Schätzengraben, um den geplanten Angriff anzukündigen, und er⸗ eilten den? Soldaten ibren Segen ju dem blutigen Werk. Das Duͤnaburgische Infanterleregiment Nr. 61, das im Rufe be onderer Tapferkeit und Ausdauer steht, wurde zu⸗ Vorhut bestimmt. Einen befonderen Charakter erbielt die russijche Aktion dadurch, daß sich einige Tage zuvor der Zar, begleitet vom Zirewitsch, im Bereiche der um Tarnopol stehenden 11. Armee elngefunden hatte.
—
Sofia, 21. November. (B. T. B) Amtlicher Bericht über die Operationen vom 22. d. M.: Die Kämpfe dauern in der Ebene von Kossopo an. Wir erbeuteten 6 Schnell⸗ feuerhaubitzen und 2 Schnellseuerfeldgeschütze sowie eine Menge Munition und Kriegsmaterial und machten eine große Anzahl Gefangene. Auf den übrigen Fronten keine Veränderung. Französische Gefangene erzählen, Hffiziere hätten ihnen Zer— sichert, daß sich in der bulgarischen Armee aus Menschenfressern zufammengesetzte Truppen befänden, Am 19. d. M. brachten unsere Truppen von drei Feredschik überfliegenden feindlichen Wasserflugzeugen eins zum Absturz, das wischen den Armeen der unteren Maritza niederfiel, wo es verbrannte.
Der Krieg der Türkei gegen den Vierverband.
Konstantinopel, 24. November. (W. T. B.) Das Hauptquartier meldet: Auf der Darda nellenfront außer
e, Artillerie und Bombenkämpfen nichts Wichtiges. on den übrigen Fronten ist nichts zu melden.
ᷣ Der Krieg zur See.
Amst erdam, 24. November. (W. T. B.) Wie das „Handelsblad“ aus Ymuiden meldet, glaubt man, daß der Fischdampfer „Hibernia“ mit Besatzung verloren ge⸗ gangen ist.
Nr. 47 der Versffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsam ls? vom 21. November 1813 bat, folgenden Inhalt: Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten. — Zellweilige Maßtegeln gegen ansteceende Kranthelten. — Deegl. gegen Cholera. — Saniatebericht über die Preußisch⸗ Armee ꝛc. 1911/13. — Gesetz gebung ufw. (Deutsches Reich.) Kartoffel ver sorgung. = Dele uud Fette — (Sichsen.) Vertretung von Aersten, Zell⸗ weillge Maßregeln gegen Tieren chen, (Dreußf Reg.⸗Bezirke Königs⸗ bers, Gumbinnen.) — Vermischtes. (Peru) Pest, 1. Halbjahr 1915. = Wöchentabelle über die Sterbefälle in deutschen Orten mit 40 000 und mehr Einwohnern. — Degal. in ie en Städten des Aus⸗ landeg. — Gikrankungen in Krankenhäusern deutscher Gtoßstãdte. = Desgl. in deurschen Stadt und Landbertrken. Witterung. — B sage: Gerichtliche Entscheldungen auf dem Gebiete der offentlichen Gesundheitspflege (¶ Aerzte).
Etatistik und Volkswirtschaft.
Staatliche Maßnahmen zur Regelung der Volksernährung. :
Der Zwang, die grundsätzliche Organisatlon unserer Verkehrt⸗ wirtichast unter den obwaltenden Umständen — Sperrung von der ausländichen Zufuhr — in einer Weise zu regeln, daß di Volks⸗ ernährung geflchert ist und fein Hindernis für unsern Willen zum Durchhalten bietet, hat eine Fülle von Maßnahmen settens des Staats nötig gemacht. Jetzt, wo gangbare Wege zur Lösung der kritischen Fragen gefunden worden sind, ist es an der Zeit, zurückzuschauen und m kurzen Strichen das Bild festjubalten, das heute unsere Nahrungẽ⸗ mittelversorung und ihre Organisation bietet, die Fülle der gesetz⸗ sichen Anordnungen knapp und für jeden verstãndlich zu fkijzieren.
I. Maßnahmen, betreffend die Sicherung der Brot⸗ ernährung (Getreide, Mehh.
Einige Zablen beleuchten die Lage auf diesem Gebiete. Der Roggenertrag 1912,13 betrug rund 119 Me nien e, davon für den Konsum verfügbar 8,1 Millionen Tonnen. ö ele Menge überstien unleren Bedarf, fodaß wir einen Aut fubrübenschuß von O. 53 Milllon Tonnen baten. Anders liegt die Sache bei . einer Erleugung von 4 Mißionen Tonnen 191213, wavon 3 73 Millignen für menschiichen Konfum freistehen, steht 5 , . von 165 Mrlltoken Tonnen gegenüber. Dieses Minug kann durch Sperrung rer Roggenausfuühr nicht behoben werden; es bleibt noch ein relani beträchtlicher Ausfall an Brotgetreide, wenn die aut⸗ ländische Zufuhr unterbunden ist.
An diesen Tatsachenjusammenhang knüpft die Regelung unserer ot ea,, an: die belden nãchstliegenden — * Mah⸗ mn. Ausfubrverbote (31. Juli 191) und Ginfubr« l d ern , (. August), wurden obne Vermug ergriffen; als wamsende Maßnabmen traten binzu am 214. Ottober 1915 die Gin. ang von Ausnabmetartfen zu Zweden der besseren und Uigeren Vertellung der vorhandenen Geireidevorräte über daz In. md, beliebunggweise der Erleichterung der Zufuhr von den Grenjen . Giner bon vielen Seiten befürworteien Anregung, die Ver— dung don Roggen zur Branntweinvrodukttion zu verbieten, warde bt siattgegeben, weil dadurch doch nur ein geringer Prozentsatz a der Ernte) erspart werde, Nur somet die Kärsung des harchschnittsbrandes die Produktion der Kornbrennereien ein- hränkte, wurde Regeen für den Konsum relerviert (O, 11 Million znnen). Welt wichtiger war das Verbot, Brotgetrelde und Mehl s Futtermittel an das Vieh ju ver fütiern; denn hier bandelte sih um bedeutende Mengen: ungefähr ein Viertel, der deuischen soggenernte und ein Zehntel der Welienernte fiel 191213 dieser Ver. kung anheim. An diese Maßnahmen schlossen sich solche zur ztreckung des Getreides. Eine Steigerung der fär den nfum ftelste henden Brotgetreidemengen wurde erstrebt durch die zetimmung, schärfer auszumahlen. Laut Verfügung vom 28. Oktober 4 sollte Roggen auf 720 /. Weizen auf 75 69 ausgemahlen baden. Nur für besondere Verwendung konnte Weizenauzzugs. ucbl in feinerer Ausmahlung durch die Landesbehärden gestatiet erden. Unter demselben Datum erging eine wätere He alf zur Erreckung der Vorräte: Allem Weisenbrot müssen mindestens 10 0/0 soꝛgenmebl zugesetzt werden; alles Roggenbrot muß mit mindesteng dao' Rartoffelflocken, Waljmebl oder Starkemebl berw. mit mindestens Föhn arquetschten oder geriebenen Kartoffeln persetzt sein. Mä diesen Rahßnahmen war schon ein bedeutender Bruchteil des Brotgetreide⸗ muefallg ersetzt. Freilich fär die absolute Sicherung genügten die bis öerigen , noch nicht; solange eine genaue sortlaufende hebersicht über den Vorrat und eine Kontrolle der Verwendung feblte, n in der Bedarfsversorgung ein unbekannter Faktor, Sta tistische Bestandgaufnabmen waren nötig als Grundlage für nluelle neue. Maßnabmen (Bekanntmachung vom 29. Ok ber 1914 über die Bestandsaufaahme an Brotgetreite und nebl)h. Bel all dem aber blieb besoraniserregend der hobe Stand der Brotgetreidepreise, verursackt durch den Druck des Verbrauchs und de Üngewißbeit der Händler und Produzenten über die künftige Marktlage. Hier griff die Regierung ein mit der Festsetzung von boch stpreisen am 28 Oktober. BDiese Höchstvreise wurden später n o * für die Tonne gesteigert im Anschluz an die sich ein⸗ kirgernde Handelsgewohnheit, sie als Preoduzentenböchstvreise zu be⸗ achten. Eine weitere unweseniliche Aenderung der Höchsipreis- normierung wurde am 23. Juli 1915 verfügt.
Es stellte sich bald beraus, daß die Vorräte an Brotgetreide kotz der getroffenen Naßnahmen zusammenschmolzen, teils durch weitere Verfütterung, teils durch Konsumsteigerung. Demgegenüber perfchärfte man teilwelse die alten Beßimmungen, teils ergänzte man die Politik der kleinen Mittel durch ganz neue, tiefgreifende Maßregeln. Die Bekanntmachung vom 5. Januar 1915 ordnete eine stärfere Ausmahlung dez Brotgetreides an; Weizen bis zu mindestens shon und Roggen bis zu mindestens 82 0/9. Das Verfütterungs⸗ reibot wurde nochmals nachdrücklichst wiederholt und weiter ausge behnt. Unter demselben Datum wurde aageorynnet, daß alles Weizen. srot mindestens 30 9/0 Roggenmehlzusatz enthalsen muß, dos K-Brot hmuide zwangeweise e ngeiührt und 1060 an Kartoffelvrodukt bezw. anderen Surrogatvrodutten (Gerstenmehl, Hafermebl usw.) als Mindestzufatz fesigelegt. Eine Reibe kleinerer Marnahmen wurde alassen jum gleichen Zweck der Streckung der Vorräte bejm. der Ginschränkung des Konsums (Berbat der Verwendung von Mehl für iechnische Zwecke 22. Dezember 1914, bejw. 18 Februar 1916.
Die grundlegenden neuen Maßaahmen bestanden in der Ueber nahme der Getreidevorräte auf die Allgemeinbeit und in der straffen Regelung des Brot- und Mm eh lverbrauchs his zum einzelnen Verbraucher (Bekanntmachung vom 25. Ji⸗ nuar' 1915). Die schwierige Organisationsfrage wurde prmz piell dahin gelöst: die allgemelne Leitung liegt bei einer zentralen Reichs vertekkungsstelle. Sie hat die Vorräte p anmäßig für das Reich umz ilegen. Das Herausziehen der Vorräte und die Bearbeitung ist der Kröegsgetreidegesellschaft zu überlassen, die, als privates hnternehmen nach kaufmänntschen Gesichtspunkten geleitet, dazu alle nötigen Voraugsetzungen besitzt. Als letztes Organisationsglied schließen sich an sie die Kommsunalverbande, die die effettive Verteilung an die Bäcker und von dort zum Konsumenten in der 6. haben. Grundsaͤtzlich hält man wegen der Einfachheit und der ostenersparung daran fen, daß Selbstoersorgung da stattbaben soll, ro fie obne Gefährdung der ganzen Altion und ihres Zweckes statt⸗ haben kann. Tas ist der Fall beireffs des Eigen verbrauchs der Landwirte und betreffs des Eigenverbrauchs der Felbst⸗ virtschaftenden Kommunen; diese können aus den in ihr m Rereich befindlichen Getreide⸗ und Meblvorräten die auf si⸗ entfallende Quote unmittelbar übernehmen. Die Kriegsgetreideges⸗lschaft bekam ein tatsächliches Getreidemonovol, am J. Fehruar wer alles Biot⸗ getreide zu ihren Gunsten beschlagnahmt. Die Reiche verteilungsstell setzi dann am 9 Februar 1915 den Satz von 225 9 Mehl pio Kopf der Bepölkerung sest, mußte aber schon im Mär diesen Bettag berunter⸗ setzen auf 200 g, freilich bei Räckstellung einer erheblich n Reserve als Sicherung für alle Fälle. Das Getreidemonopol wurde ergänit durch das Mehlmonopol, das in Preußen den Kommunalverbänden, in Bayern den Bezükgämtern übertragen wurde, mit dem Recht der zestsetzung von Höchstpreisen. Am 1. Februar unterfiel alles im Bereich Fer betreffenden Verbände befindliche Mehl diesen, Ueber sbüsse über die im Verhältnis ibrer Bevölkerung ihnen zustehende Menge hat auf Verlangen dle Kriegsgetretneges⸗llschaft selbst zu über- nehmen bezw. sich um ihren Verkauf zu bemühen, Die Richtsform der Aneignung der Vorräte war freibändiger Verkauf bezw. Enteignung auf Grund der Höchsspreigbestimmungen. Es hat sich sehr bewäbrt, daß die mit den öttlichen Verhältnissen vertrauten Kommunen die Veriellung an die Bäcker und die Regelung des Konsums selb⸗ sändig öberwiesen bekamen. In kleinen Gemrinden und einfachen Verbältnissen bot es wenig Schwierigkeit, daß jeder Kor sument nur die ihm zustebende Höchstmenge an Brot oder Mehl erbielt: wo die Verhältniffe komplinterter lagen, ergab sich allgemein als bester Aus⸗ weg die Zuwelsung festhestimmier Bezugsrechte in Form von Bor karten. Mit diesen Maßnahmen war im wesentlichen die Brot getreidepolstik der Regierung abgeschlossen. Sie erreichte elne sichere und zweckmäßige Regelung der Brorernährung.
111
— —
Entwicklung des Beschäftigungsgrades und Arbeits marktes in Groß Berlin in der Zeit vom 6. bis 13. November 1915.
Nach der vergleichenden Darstellung des gewerblichen und industrlellen Beschäftigunge grades in Groß Berlin am 6. und 13. No- vember, die vas Statistische Amt der Siadt Berlin reröffentlicht, zeigt für die Zeit zwischen dlesen beiben Stichtagen die Gesamtzabl der versicherungspfiichttgen Mitglieder don 238 Fran ten lassen Groß Berling eine Erköbung von 1128295 auf 1132249, belknun? 316 oder Oaoo/ o, das Ergebnis einer Abnabme der männ. lichen Veificherungepflichtigen um S537 oder One olo und einer Zu nahme der weiblichen um 4033 oder On * . ö
Bei den 28 allgemeinen Drtetrankenkgisen, sraibt sich jwar bei den Männern ein allerdings nur schwacher Rüdaang der Versicherten zahl: um 494 oder Ces oso, doch stebt dem eine dn, n der Zahl der welblichen Beschäftigten um 2188 oder O 800 / 9a. äber? fodaß es bier zu einer Gelamtunahmf, um 16d oder 3 fo kam. Bei der Berliner allgemeinen O tetranken kasse sind die Ver⸗ änderungen in der Berichtzwoche nur Jermgfüqgig, beide . jusammen weisen ein Mebt von 730 Beschastigten oꝛer O9 s 96
Die berichtenden 207 gewerblich geeliederten Kran . kas fen zeigen diesmal eine Zunahme um 1528 Versicherungepflichige
oder Oan osg, als Au des 203 oder O Yso betragenden Wengert bein mãännl Ges und eines Mehrg von 17285 oder 10 bei den ungspffichtigen Frauen. Von den Gewerbegrurven mit einer Zunahme der Zabl der Beschäftigten seien u. a. erwähnt: die Metall und Maschinenindussrie mit 4 1998 (M Cο, das Ver. lebrsgewerhe mit 2437 (Os oο) und die Waren und Kaufhäuser mit 202 aso/o). Die größte Abnahme — um 219 (n — ist beim Baugewerbe festzustellen.
Die Zabl der bei 33 Fachverbänden der freien Ge veikschaften ermittelten Arbeits losen stigg in der Woch- vom 8. bis zaum 15. November von 2112 auf 2271, d. . um 159 oder 379. Die Zunahme ist in der Dauptsache auf das 109 betragende Mebr beim Verbande der Buchbinder zurßcksuführen, bei dem es sich um Ent lassungen der schon im vorwöchigen Bericht erwähnten weiblichen Aue hilfen handelt. Die übrigen Verbände lassen keine nennengwerten Veränderungen erkennen.
Nach dem Bericht des Verbandes märkischer Arbeitsnachweise machte sich in der Woche vom 6. bis 13. November ein geringer Rückgang der Zahl der offenen Stellen für männliche Arbeltskräste bemerkbar; doch nahm die Zahl der Stellensuchenden gleichfalls ab. Der in der Verwoche gemeldele Rückgang guf dem Arbeits markte für weibliches Personal dauerte an; das Verhältnis der gemeldeten offenen Stellen zu den Stellensuchenden blieb wie in der Vor⸗ woche ungefähr 1 2. Gefucht wurden unter andern hesonders Arbeiter für Spedition, Tiefbau und. Eisenkonst ultion, und auch in der chemischen Industrie blieb, der Mangel an geübtem Personal beste hen. In der Automobilindustrie, die dauernd mit großen Heeree aufträgen beschäftigt ist, macht sich sogar ein Mangel an ungelernten Arbeitern füblbar, sodaß teilw:ise Ueber⸗ arbelt notwendig wurde. In anderen Zweigen der Metallindustrie, K. B. in der Aktumulatorenindustrie, wurde zum Teil der Mangel an Arbeitskräften durch Cinstellung von Frauen zu heben varsucht. Auch im Baugewerbe machte sich eine Knavphelt an männlichen Arbeite ktãften bemerkbar. In der Holsindustrie waren durch erneute Einberufungen zum Deere gelernte und ungelernte Arbeiter knopp, obaleich die Lage in der Induntrie unbefriedigend war. Im ganzen betrug bei den öffentlichen Arbeits nachwelsen von Groß Berlin die Zahl der ver⸗ mittelien männlichen Arbeitskräfte 260 (in der Vorweche 3304), die der weiblichen 2739 (B7üD). . An effenen Stellen waren für män nliche Arbeiter 772 (4234), für Frauen 3021 (2831) vorhanden. Die Zahl der männlichen Arbeit suchenden stellte sich auf 3823 (4362), die der weiblichen auf 5040 (3817.
Zur Arbeiterbewegung.
Nach einer von der Frlf. Ztg.“ wiedergegebenen Havasmeldung aus London sind 3500 Bergarbeiter aus Süd Waleges in den Ausst and getreten, weil jahlreiche in das Heer eingestellte Berg⸗ arbeiter durch nichtorgantsierte Arbeiter in militardienstfählgem Alter aus anderen Gegenden ersegt worden seien.
Kunft und Wißssenschaft.
Im jüngsten „Jahresbericht des Karlęverelns für die Restauration des Uachener? Münsfers werden über die Nach forschungen nach dem Grabe Karls des Großen folgende interessante Mit teilungen gemacht, die wir dem „Korrespondenzblatt des Gesamt⸗ pereins der deutschen Geschichtz⸗ und Altertums pereine? entnehmen; Das Grab Karls des Großen ist im Laufe des 19. Jahrhunderts Gegenstand eingehender Foischungen gewesen. Gegen Ende des 18. zu Anfang des vorigen Jahrhunderts und darüber hir aus hate sich die Ueberzeugung, berausgebildet, daß Veutschlands eister Kaiser im Münter zu Aachen inmitien des Oitogons unter dem großen Barbarossa⸗Kronleuchier beigesetzt worden sei. Für diese Annahme fehlie es jedoch an wissenschaftlichen Unterlagen. Bischof Bertoölet ließ, diejer Annahme ohne weitere Prüfung folgend, die dortbin verlegte Steinplatie mit der vom Innitut de France festgestellten Jaschtist Carolo Magnor ven sehen. Auf Anregung des Heneraldirektors der Maseen, Geheimen Reglerungßrtats von Dlfert, wurde im Jahre 1843 eine grundsätzliche Durchforschung des Münster⸗ unterbodens keschlosseg und auch in Angriff genommen. Das Er⸗ gebnis beschränkte sich jedech auf die Aufdeckung von zwei Blei⸗ saͤrcen, wesche die Ueberbleibsel des von Otto 1II. um das Jahr 1000 nach Aachen übergeführten und im Münster beigesetzten heiligen Leopardus und der heiligen Corona emihielten. Die Hoffnung, auf das Grab Karls des Großen zu stoßen, blieb unerfüllt. Am 2. Sep. sember 1851 wurden, wiederum auf Drängen und unter Mit⸗ wirkung des Geheimen Regierungsrats von Olfers, nochmals Aus⸗ grabungen vorgenommen. Die Durchforschung wandie sich zunächst dem Innenraum des alten Karolingischen in seiner äußeren Abschluß⸗ mauer damals festgestellten Chors zu. Auch der Oktogonraum unter dem großen Kronkeuchter wurde in die Forschung einbeiogen. Das erboffte Ergebnis blieb jedoch aus. Seitden ist eine Reihe wissen⸗ schartlicher Arbeiten über den Ort der Beise zung des großen Katlers veröffenllicht worden. Ueber Mutmaßungen, die auf mehrt oder minder starken Wahbrscheinlichkeitegründen sußten, sind sie nicht binaus— getommen. Im Jahre 1810 wurde gelegentlich des damals beschlossenen Neubelags des Münsters auf Anregung und unter Oberleitung des G hesmen Regierungsrats Prof. Dr. Clemen eine wiederholte und deses Mal erschöpfende Durchforschung des Münsteroktogons und Chors in Angriff genommen. Auch dieses Mal wurde die Etwartung, das Grab Karls des Großen zu entdecken, nicht verwirtlicht. Wohl aber wurde außer Zweifel gestellt, daß ei e Beisetzung des grzßen Ralsers inmitten des Oktogons unter der Platte mit der Aufschrift Garolo Magno“ unmöglich erfolgt sein konnte. Die Platte bedeckte gewachsenen, unberührt gebliebenen Boden. Am 10. und 11. Oktober 910 wurde im Chor vor den Stufen des Hauptaltarz das duich die Inschrift des Decksteins als solches bezeich te Grab Onoz 1II. ge- Fff net. Deckstein und Inschrift stammten aus dem Jahre 1834. Nach näheren Fessstellungen des Befundes sowohl des vorgefundenen Steinsarkophags wie seines Jahalts wurde die Grabstätte am JJ. Oltober in feierlichen Akt geschlossen. Dieses Grab bildet ren Gegenstand einer eingehenden wissenschaftlichen Studie des Vereinzoorsitzenden, des Landgecichtspräsizenten, Geh. Oberjustizrats Ludwig Schmltz. Et fühit an der 3. urkundlicher Belege den Nachwels, daß das damals geöffnete Grab, entgegen der bisherigen, früber auch schon von ihm selbst geteilten Annahme, nicht das Grab Ottos III. gewesen uit. Das Grab Ottos III., ein Hochgrab, hat der fran zösische Bijchf Beidelet am 11. Oktober 1803, unter Außeracht⸗ laffung der natürlichen Pietät, vollständig beseitigen lassen. Dafür ließ er vor dem Münstereingang im Atriumraum seinem be⸗ sonderen Gönner, dem damaligen ersten Konsul Napoleon, ine bem Mänster⸗ Innern entnommene Säule pen kostbarem weißen Marmor errichten, die das Brustblld Napoleons mit der Inschrift trug: Heroi Bonaparte, primo rei publicae consuli, spiscopus aquisgranus elgrusqdus, posuerunt Dieses Dentmal, pon deutsch fuhlenden Aachener Bürgein üner Nacht heseitigt, ist verschwunden und verschwunden geblieben. Das Grab Ottos 111. so sagt der Tandgerichtspräsident Schmitz am Schlusse seiner Studie, kann das am 16. vnd 11. Oktober 1910 in dem Gewölbe vor dem Hochaltar offengelegte Grab nach den bisherigen Ausführungen nicht ein... Bie nun offene Frage, wessen sterbliche Ueberreste der in bem Gewölberdum unter dem Standorte des früheren Hochgrabes Dttos III. gefundene Steinsarg birgt, möchte ich dahin beantworten, daß es sich höchst wahrscheinlich um die Grabstätte Karls des Großen handelt. Die bier ausgesprochene Meinung wid in der wissenschaftlichen Welt überraschen, Die, Aus. gan f, im Münsterinnern und in der Münsterumgebung bilden in bbren Eäigebnissen das Schlußkapitel des Berichlz. Durch eine riesem vorgehestete, om Regie rungs baumei ler Erich Schmidt entworfene arte wird über die Grundrit gest iltung des Ausgrahungeergebnisses m Bereich der einsigen Kalserpfalß Karls des Großen (ine will · kommene Uebersicht geboten. Die Uufdeckungen biben Mauerwerk bloßgelegt, das der römischen, fränkischen, karolingischen, romanischen. gotlschen und Barockzeit angehört. Mehrere römische Badeanlagen
haben sich in der Mänsterumgebung vorgefunden. Die ble ber auf⸗· gewandten Kosten berlffern sich auf 38 000 *. Var on bat aufge˖ bracht die Prorinz 28 466, der Karlederein 4000, die Star Aachen 2695, das Fultusministerium 10 000, der Fonds für Erforschung der deutschen Kaiserpfaljen 1000 .
Literatur.
Der unlautere Wettbewerb. Darstellung des Wett⸗ bewerbsreckig von Joser Kobler. XI und 222 Seiten. Vetlag von Dr. Walter Rolhschild, Berlin. Wilmersdorf. Geb. 14 14. — Robleig rantloser Schaff nakeafi, die bei seiner Univzrsalität die melsten Gebiete der Nechtewinsenschaft durch werwwolle Arbeiten be reicherte, hat eines derselben ganz besondere Förderung ju verdanken: das umfassende Gebiet des pilhaten Industtrierechte, namentlich das des gewerblichen Rechtsschutzes, auf dem eine Arbeiten nicht nur unbesteitten den ersten Platz einnehmen, sondern in manchen Be⸗ zlehungen für eine wissenschaftliche Bebandlung der einschlägigen Fragen überhaupt erst den Grund gelegt haben. Die Lehren von den Immaterialgũterrechlen und dem Persönlichkeiterecht bat er schon in Den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgestellt und selt⸗ dem in zadlreichen Schriften und Ab zandlungen, von denen nament · lich sein rund 1000 Seiten starkes Handhach des deutschen Patent · rechts in rechts vergleichender Darstellung' als eine unübertroffene Arbeit gilt, mit stets wachsendem Etfolge vertreten. Nach dem 19165 auch von felnem echt des Markenschutzes mit Be, rücksichligung ausländischer Gesetzgebungen?, in dem Kohler vor drei Jahr zebnten die wissen chaftliche Grundlage für das deutsche Markemecht geschaffen batte, eine Neubearbeijung unter dem Titel ‚Warenzeichen⸗ recht“ erschienen itt, soll cie vorliegende Darste lung des Weribewerbs · rechts den Umkreis des privaten Industrierechts ( Immatertalgũter · und Persönlichkeltarechts) beschließen und daz letzte Glied an die Kette fügen. Naben das Immaterialgũterrecht trltt das Persönlichkeiterecht, und dieses ist es, welches im priwaten Wenbewerbsiecht waltet. In geistreichen und scharfsinnigen Ausführungen wird es nach allen Seiten bin versolgt und werden die verschiedenen Einzelbestimm ungen der dettbewerdsgesetze auf die Grundgedanken zurückgeführt. Der Ver- fasser begnügt sich nicht damlt, das geltende deutsche Recht darzu stellen, sondein zeigt auch überall den Zusammenhang des posit ven Recht; mit seiner Entwicklung und mit den Bedürfnissen des Lebens, berücksichtigt in reichem Maße die Rechtgübung des Auslan zes und gibt seine Ansicht de legs ferenda kund. Wie Kohler schon fn seinem Warenzeichenrecht? darauf hingewiesen bat, daß die durch das Gesetz jum Schutze der Warenbezeichnungen vom 127. Mal 1892 somle durch doz Gejetz zur Bekämpfung des unlauteren Weslbewerbz erfolgte Ausgestaltung des deutschen Industrierechts zu einem Recht des guten Glaubens und der Lauterkeit des Verkehrs von dem Geiste getragen ist, den die erste Auflage dieses Werkes bekundet hat, so stellt er in der jest vorliegenden Datstellung des Werlbewerbsrecktg mit Genugtuung fest, daß „die heutigen Ent⸗ schelzungen in Deutschland völlig der Richtung zunreben, die er vor 36 Jahren (ia jeinem „Rechte des Markenschutzes ) vorgezeichnet bat? Der Schwerpunkt liegt in dem diüten Teile des Buches, in dem die in ein geistoolles Spstem gebrachten Formen des un- sauleren Wettbewerbs auf Grund reicher Erfahrung und unter Be⸗ rücksichtigung der gesamten Rechtsprechung bebandelt werzen. Ihnen ist, nachdem im ersten und jweiten Teile interessante philo⸗ sophische, geschichtliche und rechts vergleichende Betrachiungen über soatssoziale und monovolistijsche Wirtschasts formen und über fresen Wettbewerb und Weltbewerbtrecht! vorausgeschickt sind, die größere Välste des Werkes gewidmet. Der Verfasser unterscheidet zwei Grüppen von Fotmen unlauteren Wertbewerbs: „Irceleitungen und „Feindseligteiten !. Erstere sind subjektive; Täuschungen, wenn sie insbesondere Namen, Firma, Etablissementsbezeichaung, Waren zeichen, Ausstatjungen, Buch. und Zeitungetitel beireffen; oder sie siad objektiver Täuschungen, bei dernen eingehender rech lsvergleichender Betrachtung zunächst die fallch Ankündigung und Reklame im allgemeinen und sodann die falschen Ankündiqungen im einzelnen (Täuschungen in bezug auf Qualitat, Qaanütät, Preislage, Geschäfts jage, falsche Herkunstsbezeich ungen, us verkauf und Ausvertaufs täuschung, Prelgmedaille und Medaillentäuschung) behandelt werden. Von besonderem Interesse dürften die Aue führungen über das nicht gerlnge Schwierigkeiten für die Rechtsprechung in Wettbewerbs sachen bletende Ausverkaufswesen (58 6 bis 10 des Wettbewerbsgesetz es), in denen u. a. die Konzelsionterung befürwortet wird, und die gründlich Darstellang des Reichtz der Preismedaille sein. In der zweiten Hauptgruppe von Formen unlauteren Wettbeweibs — als „Feindseligkelten — werden u a, Anschwärzung, Geheimnleberrat, Bestẽchung behandelt. Während vielfach ein Unter⸗= schied zwischen Betciebs und Geschäftsgebeimnissen (8 17 des Wett- bewerbègesetzes) nicht anerkannt wird, unterscheidet Kobler drei Arten von Geheimnissen, die Gegenstand eines Verrats im Geschäftsdemkehr fein können: 1) Geheimnisse der Industrie (Betriebs. oder Her= stellungsgeheimnisse), 2 Gebeimnisse der Erkundungstechnik (Ent⸗ deckungen) und 3 Geheimnisse des Geschäfts lebens. Nach den Formen des unlauteren Wettbewerbs gelangt im vierten Teil des Buches die „Reaktion des Rechts zur Darstellung, die eine zwilrechtliche, eine straftechtliche, eine verwaltung. und polizeirechtliche sein kann, namentlich in Ansprüchen auf Schadengersotz und, soweit die Ge- fahr der Fortsetzung gegeben ist“, auf Unterlassung beleht. In der letzteren Frage vertritt Kobler die Ansicht, daß die Gefahr der Fortsetzung, sofern die Tätigkeit als Aeuß-rung des gewerblichen Betriebs eischeint, regelmäßig anzunehmen ist und temner besonderen Begründung bedarf“, und daß der An spruch auf Unterlassung nur dann entfaäͤllt, „wenn die Umstände sich so gestaltet haben, daß eine weitere Zuwiderhandlung unmöglich oder doch untunlich ist .. Mit einem kurzen fünften Teil über zwisch nftaatlices Recht schließt Fie verdtenstyolle Darstellung des für das Verkehrzsleben so wichtigen Wettbewerbsrechts. Wie in anderen Koblerschen Werten fesselt auch in ihr den Leser eine Fülle voa Gedanken, die Zeugnis davon ab⸗ legen, von welch hober Warte der Verfasser Röchte bildung und Rechts auslegung betrachtet. Das Studium des Buches, dem auch ein außführliches Sachregister beigegeben, ist für jeden, der in das Wett⸗ bewerbsrecht tiefer eint ringen will, unerläßlich. ; Der Vertrieb pharmazeurischer und kos metischer Spesialitäten in Deursch land. Von Ernst Rosenberg. (Einzelwirtschaftliche Abhandlungen, herausgegeben von Friedrich Leiner, Professor der Handelswissenschaft an der Handelsbochschule zu Berlin, Dest L.) 1V und 80 Seiten. Berlag von Georg Reimer, Berlin. Prels 1,75 Æ. — Zu den deutschen Industrien, die ihren Siegeszug durch die Welt zem kräftigen und sicheren deutschen ge⸗ werbischen Rechteschutze, irsbesondere dem Patent⸗ und Markenschutze miszuperdanten haben, gehört auch die chemische Industeie und nicht zuletzt der pharmazeutische Zweig derselben. Mit diesem und dem kosmetischen Jweig der chemüchen Industrie beschäftigt sich der Ver- faffer der bier angezeigten Schrift. Er gibt zunächst ein Blld von der Entwickelung der schnell vorwärts strebenden deutschen pharmazentischen Industrie, innerbalb deren gegen Ausgang der sher Jahre des 19. Jahrhunderts eine neue Art von Fabriken, die sozenannte Präparatenindustrie, entstand, die die moderne pharmazeutische Spez alitãt geschaffen hat, d. b., gebrauche fertige Medikamente jeglicher Arn die die Fabꝛikationsstätte in Konsumpackungen mit dem Warenieichen und dem Namen der fee verlaffen und für deren Abia die Fabrik durch eine umfaffende Propaganda sorgt. Dann schildert er ebenso die Ent⸗ wicklung der deut ichen kogmetlschen Industrie, der Fabrikation von Tollettenseifen und Parfümerteartskeln, die neuerdings bäufig an Fabriken pharmazeuthscher Spezialitäten angegliedert ist. In weiteren Abschnütten werden die Prinnpien, die in der Art des Vertriebes der harmazeutischen und kosmetnchen Spezialitäten, ine besondere in der , und in der propagandinischen Konsumentenbearbeitung, hren Lutdruck finden, ringebend behandelt, die einschlägigen Be⸗ simmungen des Reichz. und des Landetzrechts, die Lage der pezialitäten-= Großhandlungen, der Verkehr der Grossisten mit dem Fabrikanten und mit
dem Detallhandel (Ipothele, Drogerie) und schließlich die den Betriebe