1915 / 296 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 16 Dec 1915 18:00:01 GMT) scan diff

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I Gine Krankenkasse kann von dem Versicherten eine ju Unrecht gezahlte 9 nar durch Klage im ordentlichen Rechtzweg zurũdcoer en.

2) In er Sache, in der die Revision nach s 1685 der Reichs. versicher nano gordnung ausgeschlossen ist, ist sie zulãssia⸗ soweit dag Dberdersicherunggamt eine Ennchcidung getroffen bat, die aberbauyt . eines Urteilg des Oberversicherungsamis bilden

n 21

Die Jeit des früberen Bezugs einer Krankenrente und der sie ablösender Ind lidenrente kann nach Ss 1309, 394 Abs. 2 der Reichs ver sicherunge ordnung insgesamt nur dis zur Dauer eines Jahies

angerechnet werden 12113

Der einem Ausländer auf Grund des 5 1316 der Relchaversiche · rungtordnung erteilte Kapital abfindungsbescheid hat rechte begründende (konstituriveJ Kraft; den Erben stebt' also ein selbstãndiger Anspruch auf Kapitalabsi⸗adung nicht zu 2114

Vile in der R. visto gentscheidung 1714 (Amtliche Nachrlchten des RB. 1913 S. Sia) ausgesprechenen Grundsätze (Inrechnung frei⸗ wilsiger Betiräge aur abgelaufene Anwartschang'rtsten trotz Angabe spät · rer Entwertungstage) gelten auch unter der Herrschaft der Reichs; dersicherungsordnung 12112

Ist der Träger der Unfallversicherung nach 8 1524 der Reich versicherungsorde ung der Versicherungsan alt ersatzpflichtig für die Koen eines Heilver fahrens, so kann die Veisicherus gsanstalt Eisatz auch für den Ünterbalt im Kranken baus und für das Hauegeld aus den allgemeinen Mitteln des Versicherungsträgers beanspruchen. Die Vorschrijt des 5 18903 der Reiche versicherunge ordnung, doß für die Kosten des Unierbalt« im Krankenhaus Eisgtz nur aus der Un allrente beansprucht werden kann, findet auf den Grsatzanspruch aus S 1624 a. a. D. ie A wendung 121161 .

Der GErsatzkasse sieht ein Grjatzanspruch noch 5 1828 der Reichs versicherunggordnung nur zu, wenn tas unte stützte persich v ungs⸗· pflichtige M etglied von dem Rechte des § 517 Abs. 1 a. a. D. Ge⸗ brauch gemacht hat 12117); .

Treffen gleichberechtigte Eis tzansprüche mehrerer Arm nverbande auf eine Inhaltdenrente für die gleiche Zeit zusammen (88 1331, 1536, 1505 Abs. 1 der Reichsv isicherundsordnung), so tritt ene Teilung des halben Betragtz der Nente nach Verhälinig der Höbe der Aufwendungen ein. Ist bei der Teilung em Airmenoerband bet iligt, dem nach 5 1506 Abs. 2 der Reiche ver sicherunge ordnung ein Ersatz⸗ anspruch auf den vollen Bettag der Rente zusteht, so gebührt ihm der haibe Betrag der Rente ungeteilt, während er an der andeien Hälste nach dem im eisten Satze bezeichneten Verhältnis teilnimmt. Dierbei bat er sich aber auf den Betrag seiner Aufwendungen den vo weg erhaltenen halben Betrag der Rente antechnen zu lassen 12118;

Die Entscheidungen der Beschlußsenate 2119 bis 2A R stellen folgende Grund sätze auf:

Versicherungsf eih it nach 8 169 der Reichs oer sicherunge ordnung tritt ein, sobald einer der in § 169 der R ichsversicherungsordnung bezeichneten Amsprücke gewährlether ist. Die Gewährleistung eines solchen Anspruchs von (inem in der Vergangenheit liegenden Zeit⸗ punkt ab bewirkt nicht Versicherungsfreibeit für den bereits ver⸗ flossen⸗ Zeittaum 121191

JI Eine Kranfentésse, die für einen Versicherten zu Unrecht Beiträge erhoben hat, darf die durch die Anmel ung des Versicherten verursachten Aufwendungen (Meldegebühren, Arzthonorar) nicht ohne weitereg von der zurückzueist ittenden Beitragés mme abllehen.

2) Zar Gatscheidung darüber, ot eine Krankenkasse von einem Arbellgeber wegen Verlstzung der Meldevorschriften Schadens ersatz nach 5 823 des Bürgerlichen Gesetzhuchs perl ingen kann, sind die Instanzen der Reiche veisicherung ach dann n cht zustandig, wenn der Schadengerfatzanspruch im Wege der Aufrechnung gegen, die Forderung auf Rückerstattung der Beit äge geltend g macht wird (21201;

1) Streitigkeiten aus Anlaß von Anträgen auf Grund des 5 hl7 Abs. j der Rchsvansicherungsordnung sind im Verfahren des 5 405 Abs. 2 der Reich versicherungsordnung zu erledigen.

27 Mitalieder eingesch ebener Hiltekassen, die erst noch dem 1. Januar 1914 als Ersatzfassen zugel. ssen find, hatten die Vorschrift des § 19 AbJ. H des Krantenbersicherungegesetzes zu beobachten, wenn sie breitsö vor dem L. Januar 1914 einer Rrankentasse angehörten und von der Verrflichtung, ihr weiter anzugehören, mit Wilkung vom 1 Januar 1914 ab befreit sein wollten (21211;

Di⸗ Vorschrift des 5 519 Abs. 1 der R ichs versichrungsordnung gllt enispreche d auch für Versi Kerunsspfl chtige, die beim Inkraft⸗ treten dieser Vorschtift bereits Mitglieder einer Kreankenkasse waren (2122;

Andere Entscheidungen:

Die Zahl der Spruchsachen im Sinne des 80 Abs. 2 der Reicht versicherung ordnung enispricht im allgemeinen der Zahl der bei dem Oberversicherungsamt eingelegten Berufungen. Die Art der Grledigung der Berufung ist für die Verpflichtung zur Zahlung dez Pauschbetraas nach 5 80 Abs. 2 a. a. O. in der Regel be⸗ deutungelos 2123]; 6 ;

Berechnung der Zahl der Pauschbeträge müfssen grundsätzlich alle Berufungen, die durch Urteil des Oberversicherungsamts erledigt worden sind, gezählt werden; auf die Rechtmäßigkeit der Entscheidung, die im Beichwerdeversahren wegen Festietzung des Pauschbetrages vom Reichs ver sicherungsamt nicht nachgeprüst werden kann, kommt eg hier⸗ bet nicht an 2124; .

Beim Vorltegen mehrerer zeitlich und inhaltlich abweichender Berufungçanträge in der gleichen Streitsache sind mehrere Spruch sachen im Sinne des 5 80 Abs. 2 der Reichs versichrungsordnung ge⸗ geben; dies gilt auch dann, wenn das Oberversicherungsamt über die Berufungen in einem Urteil entschleden hat (21251 .

1) Zu den Spruchsachen im Sinne des § 80 Abs. 2 der Reichs. versicherungt ordnung gebören nicht nur die im Feststellunge verfahten, sondern auch die bet Streit nach den §S§ 1771 ff. im Sptuchverfahren zu eiledigenden anderen Spruch sachen. ö U

2) Beteiligt an einer Spruchsache ist im Sinne des 5 80 Abs. 2 a. a. D. nur ein Versicherungsiräger, der an dem Spꝛiuch⸗ verfahren selbst prozessual teilgenommen hat 12126);

Bei Beteiligung mehrerer V rsscherungtzträger an einem Spruch- verfahren hat jeder Bersicherungsträs er einen en tsprechenden Teilbetrag des Pauschbetrags zu zablen, der auf das Versicherungsgebiet entfällt, dem der Ve sicherungsträger angehört 121271

Eine Versicherangsanstalt, die nach 3 1523 der Reiche versiche⸗ rungs ordnung die Feststellung der Unfallrente betreibt, ist im Sinne des 5 80 Abs. 2 der Reichs versicherungsordnung an der Spruchsache beteiligt 2128;

Die dem unterliegenden Telle in Spruchsachen der Krankenver⸗ sicherung vom Oberversicherungsamt nach S 1803 der Reicheversiche⸗˖ rungzorbnung auferlegte Gehäühr mindert nicht den Pauschbetrag nach 5 80 Abs. 2 a. a. O. 2129); ; .

§ 44 der Kaiserlichen BHerordnung vom 24. Dezember 1911 ũber Geschäftsgang und Verfahren der Oberversicherungsämter ist auf Be⸗ schwerden der Versicherungatrã ger wegen Festsetzung des Pausch—⸗ betrags nach 5 80 Abs. 2 der Reichversicherungs ordnung nicht anmu⸗ wenden [2130]; .

Ein nach 5 1234 der Reicht versicherungg ordnung versicherungs⸗ freier Gemeindeheamter ist zur Sel stoersicherung nach 5 1243 Abs. 1 Hr.? Ter Reich sdersicherungs ordnung berechtigt, wenn er neben seinem Anme etwa in gleichem Umfang als landwirischastlicher Betriebs- unternebmer tätig ist 12131 .

Reifekosten, die daduich entsteben, daß ein Versicherungs amt von einem nicht reisefähigen Rentenbe werber an dessen außerhalb gelegenen Wohnort einen formularmäßigen Antrag nach 5 1613 der Reichaversicherunge ordnung aufnebmen läßt, sind mindenens dann nicht gemäß 8 59 Abs. 2 der Reichs versichetun Sordnung zu erstatten, wenn vorher äb⸗rbaupt noch keine Giagabe vorgelegen hat, die als

antrag gelten könnte 21532].

Den Schluß bilden die Uebersichten über Zahlungen aus Invallden⸗ Kranken, Alters und Zusatzrenten und über Ver⸗

̃sicherungsleistungen der 31 Versicherungsanstalten an Hinter⸗

bliebene im Monat September 1915, sowie über den Erlõs aus Beitragsmarken im Oktober 1915.

Der heutigen Nummer des „Reichs⸗ und Staatsanzeigers / liegt die Ausgabe 833 der Deutschen Verlustlisten bei. Sie enthält die 406. Verlustliste der preußischen Armee, die DY7. Verlustliste der sächsischen Armee und die 321. und 722. Verlusiliste der württembergischen Armee.

Ihre Majestäten der König und die Königin haben gestern vormittag im Wittelsbacher Palais in München im Beisein des kleinen Dienstes den neuernannten Kardinal Pronuntius Dr. Frühwirth empfangen, der den zur Ka dinalfeier aus Rom nach München beorderten Nobel⸗ gardisten Grafen Colacicchi vorstellte. Im Anschluß hieran wurde der päpstliche Ablegat Monsignore Schioppa empfangen, der das päpstliche Breve überreichte.

Seine Majestät der König hat mit einer Ent⸗ schließung vom 11. Dezember über die Einstellung von Arbeitssoldaten in die Feldtruppen laut Meldung des „W. T. B.“ folgende Bestimmungen erlassen:

1) den stellvertretenden tommanditreaden Generalen wird die Be⸗ fugnis erteilt, während des Kriege zustandes, abw ichend von den Be— stimmungen in der Dlenstvorjchrijt für die Ärbeiterabteilang, die kriegs⸗ verwendung fähigen Arbetissoldaten ohne vorangeg inge g Rehabili⸗ tierung, jedoch nach P récͤfung der Wardigkeit in jedem Falle wider⸗ ruflich in die Feldtruz pen einjustellen, damit auch sie der Ehre teil haftig werden können, mit der Waffe für das Vaterland einzutreten.

3) Arbeitsfoldaten, die früher der Marine angehört haben, sind auf Anforderung des Chefs der Marinestation der Osisee oder der Rordsee zur Ginstellung in die Martne freizugeben.

Oe sterreich⸗ Ungarn.

Der Minister des Aeußern Baron Burian hat an den amerikanischen Botschafter in Wien Penfield unterm 14. De⸗ zember laut Meldung detz „W. T. B.“ in der Angelegenheit ber Versenkung des italienischen Dampfers „An⸗ cona“ nachstehende Note gerichtet:

Zu der sehr geschätzten Note Nr. 4167, die Selße Exzellenz, der Herr Außerordentliche und RKevoll mächtigte Boischaster der Ver einigten Staaten von Amerika C. Frederik Penfield namens der am rikanischen Regierung ihn der Angelegenheit der Versenkung des sialt'nischen Dampters . Ancona“ unterm 9. Dezember an ibn ge⸗ richtet hat, beehnn sich der Unterzeichnete vorläufig und unbeschadet einer eingebenden merüorischen Behandlung der Reklamation zu be- merken, daß die Schärfe, mit der die Bundesregierung den Fomman— danten des an der Sache beteiligten Unterseebots tadeln zu sollen ger mesnt, und die Enischiedenheit, mit der die an die Adresse der öster⸗ reichisch⸗ungarlschen Regierung gerichteten Forderungen vorgebracht er⸗ scheinen, wohl hätten erwarten lassen, daß die Regierung der Union die taisächlichen Unstände des Falles, auf welchen sie sich stützt, genau angebe. Wie unschwer zu erlennen ist, läßt die in der besagten Note entballene Darstellung des Sachoerhaits zahlreichen Zweifeln Raum und gewährt, selbst wenn sie in allen Pankten zuträfe und der Beurieilung des Falles die rigoroseste Rechtsauffassung zugrunde gelegt würde, durchaus keine genügende Handhabe, um dem Komman⸗ danten des Krlegsschiffes oder der osterreichisch ungartschen Regte rung ein Verschulden zur Last zu legen. Die Bundesregierung hat es auch unterlassen, die Perionen zu bezeichnen, auf deren Aussagen sie sich beruft und welchen sie augenschemmlich einen höheren Giad von Glaub⸗ würdigkeit zujuerkennen zu dürfen glaubt, als dem Kommando der Kaiser⸗ lichen und Königlichen Flotten. Auch was Zahl, Namen und näheres Sch cklal der amertkanischen Bürger anlangt, die im kritischen Augen hiick an Bord des genannten Dampfer weilten, läßt die Note jeg⸗ lichen Aufschluß vermissen. Dle brterreichisch⸗ ungarische Regierung ist gleichwohl im Pinblick darauf, daß das Washingtoner Kabineit nun— mehr eine vosttive Erklärung des Inhalts abgegeben hat, es seien bel dem fraglichen Vorfalle Angehörige der Vereinigten Staaten von Amerika zu Schaden gekommen, im Prinzip bereit, in der Angelegen⸗ beit in einen Gedankenaustausch mit der Bundes regierung einzutreten. Sie muß aber zunächst die Frage aufwerfen, weßhalb diese Regte⸗ rung davon abgeseben hat, die in ihrer Note aufgestellien Forde⸗ rungen unter Bedachtnahme auf die von ihr selbst hervorgebobenen besonderen Umstände des inkriminterten Vorganges jurinisch zu begründen un an die Stelle einer solchen Begründung den Hinweis auf den Schriftenwechsel gesetzt hat, den sie in anderen An⸗ gelegenheiten mit einer anderen Regiernng geführt hatte. Die öster, reichisch ungarische Regierung vermag dem Washingiener Kabinett auf Die sem ungewöhnlichen Wege um so weniger zu folgen, als sie keines ˖ wegs authenusche Kenntnis von allen einschlägigen Korrespondenzen der Bundegregserung besitzt, und sie ist auch nicht der Ansicht, daß ihr diefe Kenntnis im vorliegenden Falle genügen könnte, der, soweit ihre Informationen reichen, in wesentlichen Punkten anders geartet ist als der Fall oder die Fälle, auf welche die Regierung der Unton anzuspielen schelat. Die zsterreichisch ungarlsche Regierung darf sohin dem Washlngtoner Kabinett anheim geben, die einzelnen Rechts- sätze zu formulieren, gegen weiche der Kommandant des Untersee⸗ beotes anläßlich der Versenkung der Ancona; verstoßen haben soll. Die Regierung der Union hat auch geglaubt, auf die Haltung ver⸗ weisen zu sollen, welche das Berliner Kabinett in dern erwähnten Schriftenwechsel eingenommen bat. Die österreichisch ungarische Re⸗ glerung findet in der sehr geschätzten Note keinerlei Anhaltspunkte dafür, welcher Absicht dieser Din weis entspringt. Sollte jedoch die Bundegregierung damit bezweckt hahen, eine Meinung in der Richtung zu äußern, als wäre der stehenden Angelegenheit ein Präjudiz irgend- welcher Art gegeben, so muß die Regierung, um etwalgen Mißverständnissen zuporzukommen, erklären, daß sie sich selbstoerständlich volle Freiheit wahrt, bei Grörterung des Falles der . Ancona“ ihre eigene Rechtgauffassung geltend zu machen. Indem der Unterzeichnete die Ehre hat, die Ge— sälltgkeit Seiner Exsellen; des Herrn Boischafters der Vereinigten Staten von Amerika mit der ergehenen Bitte in Anspruch zu nehmen, das Vorstehende der amerxikanischen Regierung mitteilen und bei rieser Gelegenheit zum Ausdruck bringen zu wollen, daß die österreichisch. ungarlsche Regierung das Schicksal der unschuldigen Opfer des be⸗ wußten Vorfaheg nicht weniger als die amertkanische Regierung und unter allen Umständen au richtig beklagt, benützt er zugleich auch diesen Anlaß, um Seiner Exellenz dem Herrn Botschafter den Aug—

druck seiner ausgezeichneten Hochachtung zu erneuern. Burian m. p.

Der Oberkommandant, Feldmarschall Erzherzog Frie⸗ drich ist nach mehrtägiger Abwesenheit wieder im Standort des K. u. K. Armee⸗Oberkommandos eingetroffen. Sein Besuch galt, wie aus dem Kriegspressequartier berichtet wird, dies mal den in Ostgalizien stehenden tapferen verbündeten Truppen, die ihre unter bem bewährten Oberbefehl des Generals der Infanterie Grafen von Bothmer bereits in den siegreichen Karpathenkämpfen erprobte Tüchtigkeit bei den letzten von starken Kräften angesetzten Durchbruchsverfuchen des Feindes neuerdings bewiesen haben. Durch persönliche Rücksprache mit dem Kommandanten und vielen Truppenführern, dann durch eigenen Augenschein konnte sich daher der Erzherzog auch auf diesem heiß umstrittenen

Boden die Ueberzeugung von der unerschütterlichen Haltung

und sieges gewissen Stimmung unserer treuen Wacht im Osten verschaffen, deren eherne Wälle allen Angriffsgelüsten des Gegners Troß bieten. Die nach den grimmigkalten Novembertagen 8 warme Witterung hat die verkehrsstörenden großen Schnee⸗ massen befeitigt und ermöglichte hiernach die Besichtigung aller auch in den vorderen Linien stehenden Truppen, deren stramme Haltung, vorzügliches Aussehen und tadellose Ausrüstung das vollste Lob des Erzherzogs fand. Auch den hinter der Front getroffenen, auf die Bedürfnisse und das Wohl der Truppen abzielenden umfangreichen vorzüglichen Vorkehrungen und den hier geleisteten großen Arbeiten zollle der Erzherzog seine höchste Anerkennung.

Die deutsche Arbeiterpartei hat der Wiener „Parlamentarischen Korrespondenz“ zufolge eine Kundgebung für eine engere Wirtschafts gemeinschaft mit dem Deutschen Reich beschlossen, in der die Notwendigkeit der Schaffung eines gemeinsamen Zollgebiets mit dem Deutschen Reich beiont wird und hierfür die Grundsätze festgelegt werden. Ferner wird in ihr verlangt, daß bei der Regelung der zukünftigen handelspolitischen Beziehungen zwischen dem Deuischen Reich und Desterreich Ungarn die Verbände der Angestellten und Arbeiter sämtlicher Richtungen hinzugezogen werden.

Großbritannien und Irland.

Das Unterhaus hat die Bill, durch die die Legislatu r⸗ periode des gegenwärtigen Parlaments verlängert wird, in zweiter Lesung angenommen.

In der Debatte beantrta, te der Abg. Cowan (liberal) laut Bericht des . W. T. B.“ die Ablehnung der Vorlage. Die einzige verfiffungs mäßige Lösung selen Neuwahlen; Selbst wenn die Re⸗ gierung durch die Krigsfübrung bewiesen hätt', daß sie des Ver⸗ trauens der Nation würdig sei, würde er den verfassunge mãßigen Stand⸗ punkt vertreten. Der Abg Amer y (Unionist) unterstützte den Antrag, bie Bill abzulehnen. Seine Gründe, die Bill nicht ohne Protest durchgehen zu lassen, beruhlen auf der gesamten Kriegsleitung. Es sei leicht, die Regierung zu kritisieren. Sie besäße kein Haupt, das entscheide und herrsche. Der gegenwärtige Zustand werde vermullich fortdauern, wenn nicht etwas einttäte, was die Nation zr Ent⸗ scheidung zwange. Neuwahlen hätten einen groben Nachteil. aber es wäre besser, daß die Nation entscheide, welche Regterung sie haben wolle und wie der Krieg in, den schicksals schweren Monaten des Frühjahrs geführt werden solle. Der Abg. Pease (liberal) sagte, die Bill sollie einstimmig angenommen werden. Es sei jetzt keine Zeit, Vorlagen der Regierung abzulebnen. Wenn Ab⸗ geordaete kein Vertrauen zur Neglerung hätten, so sollten sie einen PVeißtrauengontrag einbringen. Der Abg. Hemmerde (libenah er= klärte, die Idee, Neuwahlen im Januar vornehmen zu lassen, um Stimmung gegen die Megterung ju machen, sei ein voli scher Skandal. Der Übg. Chaplin (Unionist) sagte, die uniontflische Partei ei be= reits dusch das Homerulegesetz und das Wallfen Kirchengesetz geschäbigt, sie solle jetzt auch durch die Bill über plurales Wadlricht geschädigt werben. Die Regierung bätte diese Streitfrage aus der neuen Bill aueschalten sollen. Der Staatssekretãr des Kolonialamts Bongr Law rechtfertigte sich, daß er als Führer der unslonistischen Partei die Bill im Hause vertreie. Die Bill sci ein Kompromiß, das er selbst vorgeschlaen habe. Ste halte lediglich die Rechte der liberalen Partel aufrecht. Bonar Law sagte, es sei denkbar, daß er unter Um⸗ ständen aug der Regierung austräte, aber er wärde es nicht wegen Parteifragen tun. Viele Unionisten“, fuhr der Redner fert, baben gegen die gegenwättige Regierung ein n womöglich noch größeren Widerwillen als gegen die früheig. Aber sie sollten bedenken, doß die unlonistischen Minister nicht halb innerhalb und halb außer⸗ halb des Kabineits stehen lönnen, Sie traien in die Regierung nicht mit verbun enen Augen ein und überlegten die Nachteile für ibre Putei. Ste wußten, daß ein großer Erfolg nicht bald eintreten könnte und daß sie die wachsen ne Unpopularität der Regierung würden teilen müssen. Ich würde nicht Muglied des Kabinettf bleiben, wenn ich das Vertrauen der Partei derlöre“. Der Abg. Du te (Unionist) sagte, die NUaionisten wären mit dem Paragraphen der Bill über daz Pluralwahlrecht unzuftieden, da er zeige, daß leine wirkliche Koalition bestehe. Es sei aber undenkbar, daß sie den Rücktritt Bonar Laws wünschten, Aber die Regierung be⸗ dürfe der Voraussicht, der Bereitschast und der Entschlossen⸗ beit zur Fortführung des Krieges, die hr zu fehlen scheinen. Der Ridner fand die Verlängerung der Legislatun periode um zwölf Mo⸗ nate viel zu lang. Der Premierminister As guith erklärte sich be⸗ reit, einer kürzeren Perlode zujustimmen. Barauf wurde die Bill, wie oben gemeldet, in zwester Lesung angenommen.

Vorher wurden verschiedene Anfragen erledigt.

Der Premierminister Asquith sagte in Beantwortung einer Frage, man sei im Begriff, in den Kommandostellen des britischen Heeres einige Aenderungen vorzunehmen, die als⸗ bald bekannt gemacht werden würden und nichtes mit der Ernennung Joff les zum Obeibefehlshaber ju lun bätten. Lord RBeres⸗ sord fragte, ob von irgendeinem neuttalen Staate eine Anfrage wegen der vorzugsweisen Bebandkung einiger dänischer Firmen gemäß dem kürlich getroffenen Uebereinkom men eingelaufen keien. Lord Robert Cecil autwortere verneinend. Der Ahgrordnete Gornwall fragte, ob der Premierminister bald autzsühr liche Mit⸗ teilungen über die politische und milttärische Lage be⸗ züglich des Krieges zu machen beabsichtige. Asqutth erwizerte, er werde sehr gern eine Eiklärung abgeben, jobald es mit den öffent⸗ lichen Interessen und den strategischen und diplomatischen Erfordernissen vereinbar wäre. Eine nur partielle Grklärung abzugeben, wäre sehr unbefriedigend und könnte schaden. Er werde aber sorgfältigst über, legen, ob er der Anregung folgen könne. Der Arg. Cowan (liberal fragte, ob der Premlerminister des guten Belsplels halber Schritte tun werde, daß die Gehälter der Minister, Abgeordneten und aller Staatsbeamten um 25 Prozent herabgesetzt würden. Asquith erwiderte verneluend und sagte auf weilere Fragen, er nehme sein

Gehalt und werde es weiter tun.

Einer Meldung des „Reuterschen Bureaus“ zufolge hat die Regierung einen ergänzenden Kredit für noch eine Millidn Soldaten gefordert, wodurch die ganze Heeres⸗

stärke auf vier Millionen Mann gebracht werden soll.

Das Kriegsamt gibt, wie W. T. B.“ meldet, be⸗ kannt, daß Sir Douglas Haig zum Nachfolger des Feldmarschalls French als Befehlshaber in Frank, reich und Flandern und French, der auf eigenes An⸗ suchen seines Postens enthoben ist, zum kom mandierenden Feldmarschall der Truppen des Vereinigten König; reichs ernannt worden ist. Ferner gibt das Kriegsamt bekannt:

Seit Beginn des Krieges befehligte Feldmarschall French 6 Mo⸗ nate lang in ununterbrochener angestrengter Tätigkeit unsere men in Frankreich und 538. mit dern größten Geschick. Er hat 1 auf eigenen Wunsch Kommando nledergelegt. Die Regierung ba jhn in voller Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste und zum Hank dafür, bie Stelle eines Oberstkommandlerenden Fel dmarscha der Trupben des Vereinigten Königreichs anzunehmen; die Steile andenommen. Der König hat ihm die Würde count verliehen.

Die letzte Verlustliste nennt 16 Offiziere und 500 Mann.

Frankreich. . ö Die Deputiertenkammer erörterte gestern die Geher, vorlage, betreffend die Eröffnung von vorläufigen Kr

piten für das erste Vierteljahr des Rechnun gs jahres

1916 und die Ermächtigung. Steuern und öffentliche Einkünfte während desselben Zeitraums zu erheben. Im nf der atung forderte, wie die „Agence Havas“ meldet, der Abgeordnete Accambrahy unerwartet, daß die Kammer sich als Geheimkomitee bilde, um die Regierung über die Amtsbefug⸗ nisse des Oberkommandos zu befragen. Der Ministerpräsident Briand, der nicht vorher in Kenntnis gesetzt war, war nicht anwesend, weshalb der Finanzminister Ribot Einspruch erhob. Der Vorschlag wurde mit 327 gegen 154 Stimmen abgelehnt.

Rußland.

Nach finnischen Blättern tritt der Landtag in Finn⸗ land ebenso wie die Duma nicht zusammen, und die Tagung wird wie bei der Duma auf unbestimmte Zeit

ausgesetzt. Schweiz.

Bei Besprechung des Voranschlages der schweizerischen Bundesbahnen erklärte der Bundesrat Forrer, der Chef des Eisenbahndepartements, laut Bericht des „W. T. B.“, daß die Entscheidung über das bei der Elektrisierung der Gott⸗ hardbahn anzuwendende System binnen kurzem erfolgen werde. Nach den bei der Loetschbergbahn gemachten Er⸗ fahrungen werden sich die zuständigen Behörden voraussichtlich für das Einphasen⸗Wechselstrom⸗System enischeiden. Mit dem Ban der notwendigen Wasserwerke werde dann sofort be⸗ gonnen werden.

Norwegen.

Durch vorläufige Verordnung ist vorgestern, wie, W. T. B.“ meldet, bestimmt worden, daß norwegische Staatsbürger oder norwegische Gesellschaften vorläufig nicht ohne Erlaubnis des Ministeriums des Aeußern ausländische Schiffe von registrierungspflichtiger Größe, die über 15 Jahre alt sind, kaufen dürfen. Solange eine Erlaubnis zum Erwerb nicht er⸗ teilt ist, dürfen die Schiffe nicht in das Schiffsregister ein⸗ getragen werden. Auch darf keine vorläufige oder endgültige Nationalitätsurkunde ausgestellt werden. Diese Verordnung tritt sofort in Kraft.

Türkei.

Die Kammer hat laut Meldung des „W. T. B.“ die am 1. Mai bezw. 20. April 1915 mit den Regierungen Desterreich⸗ Ungarns und Deutschlands abgeschlossenen Ver⸗ träge. betreffend die der Türkei gewährten Vorschüsse im Betrage von 47 230 000 Kronen in Gold bezw. im Betrage von 80 Millionen Mark, genehmigt, ferner das provisorische Gesetz vom 15. April 1915, durch das die Regierung er⸗ mächtigt wird, auf Grund dieser bei der Verwaltung der osmanischen Staatsschuldenkasse vollständig in Gold hinterlegten Vorschüsse Kassenscheine im Betrage von 6583 09 türkischen Pfund, rückzahlbar in Konstantinopel sechs Monate nach Beendi⸗ gung des Krieges, mit. Zwangskurs in der ganzen Türkei be, ere, Die Kassenscheine sind bereits seit dem Sommer im Umlauf.

Bulgarien.

Nachdem die bulgarischen Armeen durch die Einnahme von Monastir und Resna in die Nähe der griechischen Grenze gelangt waren, hat die bulgarische Regierung, von dem Wunsche geleitet jede Möglichkeit von 1 zwischen den Vorposten der bulgarischen Urmeen und den geriechischen Grenzwachen auszu— schalten, laut Meldung der „Bulgarischen Telegraphenagentur“ der griechischen Regierung den Vorschlag gemacht, eine neutrale Zone dadurch zu errichten, daß die Truppen je zwei Kilometer von der Grenzlinie zurückgezogen werden. Seitens der hellenischen Regierung ist die Antwort eingetroffen, daß sie den bulgarischen Vorschlag annehme und der Kriegsminister den hellenischen Behörden die nötigen Befehle erteilt habe, sich mit den bulgarischen Offizieren wegen Errichtung einer neutralen Zone ins Einvernehmen zu setzen.

Die „Armeezeitung“ veröffentlicht eine eingehende Schilde⸗ rung der von den französischen Truppen in Maze—⸗ do nien angerichteten Verwüstungen. Die mazedonische Bevölkerung ist jetzt der ärgsten Not ausgesetzt, da ihre ge⸗ samten Vieh⸗ und Geflügelbestände und ihre Lebensmittelvorräte von den Franzosen vernichtet oder verschleppt worden sind. Die französischen Truppen plünderten Dörfer buchstäblich unter den flehenden Blicken der unglücklichen Landleute und verschonten nicht einmal deren Frauen und Mädchen. Fälle von Ver⸗ gewaltigungen sind in den Gegenden, die die französischen Truppen besetzt gehalten oder durchzogen hatten, ungemein zahlreich.

Amerika.

Nach einer Meldung des „Reuterschen Bureaus“ aus Washington ist der britische Botschafter ermächtigt worden, den deutschen Attachéss Boy⸗Ed und von Papen ein be⸗ din gun g sloses freies Geleit einzuräumen. Die beiden Attachss beabsichtigen, am Dienstag mit dem Dampfer „Noordham“ abzureisen.

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Kriegsnachrichten. Wien, 15. Dezember. (W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die von Pleylje aus vordringenden österreichisch⸗- ungarischen Streitkräfte des Generals von Koeveß haben gestern auch ie montenegrinischen Stellungen südlich der Vrang Gora in ganzer Breite genommen. Eine Kolonne drang in der Verfolgung bis an die Tara-Schlucht vor und zersprengte bei Glibaci ein feindliches Bataillon, andere ruppen kamen bis Grab. Auf den Höhen unmittelbar östlich von Berane stehen nebst unseren Abteilungen auch Moslims ö Albaner gegen die Montenegriner im Kampf. Die Zahl * gestern eingebrachten Gefangenen: 340 Soldaten und O0 Wehrpflichtige. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Hoefer, Feldmarschalleumañ.

Sofia, 15. Dezember. (B. T. B. Die amtliche Mitteilung über die Operationen am 14. Dezember lautet. Die Engländer und die amg sind auf griechisches Gebiet zurückgeworfen. Unsere Truppen befinden sich an der griechischen Grenze, nachdem sie vor⸗ läufig die Verfolgung des Feindes eingestellt haben. An der ganzen Front herrscht Ruhe. Wir haben dem Feinde 1234 Gefangene, darunter 18 Offiziere, 14 Geschütze, 62 Munitions wagen, 10 zweispännige Sanitätskarren und viel anderes Kriegs material genommen. Von nun an wird der Generalstab Berichte nur an jenen Tagen zur Ver⸗

öffentlichung bringen, an denen bedeutende Operationen zu melden sein werden. r

Der Krieg der Türkei gegen den Vierverband.

Konstantinopel, 15. Dezember. (W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Irakfront wurden die letzten auf dem rechten Ufer des Tigris befindlichen Häuser von K utel Amara am 13. Dezember erstürmt. Von zwei feind⸗ lichen Monitoren, die in östlicher Richtung zu fliehen versuchten, wurde einer durch unsere Artillerie versenkt, der andere kehrte auf seinen alten Platz zurück. An der Kaukasusfront hat sich nichts ereignet.

An der Dardanellenfront örtliche Feuergefechte aller Art, besonders mit Bomben und Lufttorpedos. Unsere Artillerie zwang feindliche Schiffe, die in der Bucht vom Kimikli⸗ liman Schutz suchen wollten, zur Flucht. Bei Ari Burun zerstörten zwei von uns auf dem rechten Flügel zur Explosion gebrachte Minen zwei feindliche Gegenminen. Ein feindlicher Kreuzer beschoß wirkungslos unsere Stellungen in diesem Ab⸗ schnitte und zog sich dann zurück. Unsere Artillerie zwang einen feindlichen Kreuzer sowie ein feindliches Torpedoboot, die sich der Küste näherten, um unseren linken Flügel zu he⸗ schießen, sich zu entfernen, und brachte einige feindliche Batterien zum Schweigen. .

Parlamentarische Nachrichten.

In der gestrigen Sitzung des verstärkten Haushalt ausschusses des Reichstags fand eine vertrauliche Besprechung der Frage statt, ob die stagtsrechtliche Stellung E! saß⸗ Lothringens innerhalb des Deutschen Reichs anders als bisher zu gestal ten sein werde. Bei Beginn der Verhandlungen gab, wie .W. T. B berichtet, der Stellvertreter des Reichskanzlers solgende Erklärung ab: „Es ist bekannt, daß die Entwicklung der Verhältnisse in Eisaß Lothringen Zweifel darüber hat entstehen lassen, ob der bisherige staatgrechtliche Zustand in den Retchslanden nach dem Frieden auftecht zu erhalten sei. Diese Frage ist auch in der Presse schon wiederholt erörtert. Auch in Besprechungen, die der Herr Reichskanzler aus anderen Anlässen mit den leitenden Ministern einzelner Bundesstaaten gehabt hat, ist diese Frage berührt. Diese gespräcksweise Behand⸗ lung derselben hat indessen zu einem bestimmten Programm nicht ge⸗ führt. Auch die Regierung des führen den Bundesstaates ist zu einer Gntscheidung darüber, ob vnd in welcher Weise dieses Problem in Angriff genommen werden solle, noch nicht gelangt. Der Bundes rat ist mit dieser Frage überhaupt noch nicht befaßt worden. Ich bin daher nicht in der Lage, zu dieser Frage namens des Herrn Reichekanzlertz oder der verbündeten Regierungen Stellung zu nehmen.“

Wohlfahrtspflege.

Zur Unterstützung der Gemeinden und Gemeindeverbände kel der Fürsorge für solche Angestellte und Arbeiter, die in Be⸗ nieben der Textilindustrie infolge von Arbeitsb schränkungen erwerbslos geworden, sind vom Reiche seit dem 1 Oktober 1915 besondere Mättel bereltgenellt worden, aus denen den Gemeinden und Gemeindeverbänden wenigstens die Hälfte der Aufwendungen für er- werbslos gewordene Angestellte und Arbeiter der Textilindustrie erstattet werden wird. Neben dem Reiche wird auch der Staat helfend ein⸗ treten, indem er den Gemeinden und Gemeindeverbänden seinerselts regelmäßig ein Drittel der fraglichen Aufwendungen ersetzen wird, sodaß Ihnen böchstens in Sechstel zu eigenen Lasten verbleibt. Durch diese Hilfsaktion von Reich und Staat werden die Gemeinden in die Lage gesetzt, den erwerbslos gewordenen Angestellten und Arbeitern der Textilinousttie ihre Fürsorge in einem dem Bedürfnis ent- sprechenden Maße zu widmen.

w Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen ist von den Oberschlesischen Koks— werken und chemischen Fabriken die Summe von 100 000 4 überwiesen worden.

Nach einer Meldung von W. T. B. aus Zürich fand unter dem Vorsitz von Professor Arnold Meyer, dem Präsidenten des dortigen deutschen Hilfsvereins, eine don sechzia Personen besuchte Versammlung zur Gründung eines Hilfsbundes für deutsche Kriegerfürsorge statt. Ter Bund bezweckt, die deutsche reiche gesetzliche Fürsorge sür Krlegsteilnehmer und, deren Fa⸗ milien zu ergänzen Und auch solchen Kriegsteilnebmern Hilfe zu gewähren, die sonst keinerlei ausreichende Fürsorge ge⸗ nießen. Sitz des Bundes ist Zürich. Geschästsstelle das Bureau deg deutschen Hilfsvereing. Der Bund wird seine Hilfe jn erster Linie den aus dem Krieg zurückkehrenden, in der Schwetz

wohnhaften stellenlosen oder kranken und invaliden Landsleuten zuteil

werben lassen. Der Gründungsversammlung wohnte auch der deutsche Generalkonful von Faber du Faur bel. Der veutsche Gesandte Freiherr von Romberg in Bern sandte telegraphisch seine Grüße.

Literatur.

Heidelberg und die deut sche Dichtung von Pbilipv Witkop, Profeffor an der Universität Freiburg i. B. (Verlag von B. G. Teubner in Lelvzig; 3,60 ο, in Leinen 4 , in Pergament D20 M)) Der Verfasser, der, che. er einem Ruf nach Freiburg folgte, an der Herdelberger Universität Literaturgeschichte lehrte, bietet in der vorliegenden Schrift eine reizvolle Darstellung der reichen Be⸗ ziehungen, die die alte, schöne Neckarstadt Jett der Zeit der Humanisten zur deutschen Literatur unterhalten hat. Mit Recht hebt er in der Einleitung zu seiner Darstellugg hervor, daß uns Heiselberg zum Symbol der Poesie geworden ist, aus der wunde baren Einheit von Geschichte und Kunst und Wissenschaft und Jugend und Natur herauzs, Wie die deutschen Humanisten an der dortigen Universität einen Wirkungskreis fanden, jog die Schönheit der romantfschen Landschaft später die Dichter gewaltig an und bot manchem von ihnen ein neues Erwachen sciner Kunst, einen neuen Liederfrähling. Ein Literarhistoriker von . hat dies Buch geschrieben, und eingehende Kenntnis des be—

mdelten Stoffkreisea, der sich über die deursche Litergiur mehrerer Jah hunderte erstreckt, spricht aus seinen Blättern; aber die Darstellung sst fret von gelebrtem Ballast und l bendig und anschaulich Die An⸗ ordnung ist naturgemäß die der geschichtlichen Folge. Nach einer Be⸗ trachtung der in Heidelberg wirkenden Oumanktsten wird den Bente hungen von Opstz und Fulius Wilbelm Iinegraf ju Heidelberg nachgegangen; in einem welteren Kapitel werden die der Stürmer und Diänger! zur Neckarstadt dargelegt. Dann wird uns lebensvoll in Erinnerung

gebracht, waz ein Matthison, was Goethe, Hölderln, die Remantiler,

was nfendorf, Jean Paul, Lenau, Hebbel, Gottfried Keller und Scheffel, anderer nicht zu gedenken, Heidelberg an poettchen An- regungen verdanken. In den Tert sist ein Teil der in Heidel · berg entstandenen Dichtungen seibst verwoben; so Ter reiche Kranz Goethischer Dichtung aus dem West⸗ gsilichen Divan, der in wenigen fruchibaren September⸗ und Dkiobertagen d. J. 1814 in Heldelberg entstand; ferner Clemens Bientanos Lied von eines Studenten Ankanft in Heidelberg (18056), 9 Gedichte Eichendoꝛrffs, 2. Schenkendoꝛffs, Lĩnaug . Schilflieder. und Gewitternacht !.) Ge⸗ dichte Hebbels, 4 Kellers sowie Sceffels Alt, Heidelberg und Widmung jum Gaudeamus- Zablreich mitgeteilte Briefe geben weilere Belege von dem Eindruck Heidelbergs auf diese Dichter und ven dem Einfluß, den ihr dortiger Aafenthalt auf ihr dichterisches Schaffen ausgeübt bat. Der Ltterarhistortker findet in Fußnoten reichhaltige Liieraturangaben zu weiterem Forschen. Der Tert wird durch Bilderiafein, Silhouetten und sonstigen Buchsch nuck geschmack⸗ voll geziert und bel bt.

G. T. H. Hoffmanns Tagebücher und literarische Entwürfe. Mit Erläuterungen und ausführlichen Verzelchnissen berausgegeben von Hans von Müller. (Grster Band, enthaltend die Texte der Tagebücher und ein Verzeichnis der darin genannten Werke Hoffmanns) Verlag der Gebrüder Paeiel in Berlin (geh. 10 ½, auf Büttenpapier 20 Æ, auf Japanpapier 49 4). Der Literaturfreund, der sich für Hoffmanns rätselbafte Persönlichkeit interessiert, wat bis vor kuizm auf HitzigsZs Kompilation . Aus Hoff= manng Leben und Nachlak“ angewiesen, di- kurz nach des Dichters Tode 1823 eischlen und 18141 wieder gedruckt wurde. Erst in diesem Jahrhundert gelang Hang von Müllers rästlosen Gem bungen der Nachweis, taß Hitz g nahezu jedes von Hoffmann jwischen 1807 und 1841 geschrlebene Blatt beseffen und aufbewahrt hat. Dies verschollene Voffmann⸗Archio gelang es ihm dann in den Jabren 1901 = 1909 voll⸗ ständig wieder aufzufinden, und er legt es nunmehr in Buch'orm dem Viterakucf / eunde vor. Neben dem berenßs veröffentlichten Brieswech el Hoffmanns muß die in dem vorliegenden Bande begognene Publikat on als Fundgrube ersten Ranges für jeden gellen, der sich mit dem Charakter dez seltsamen Menschen und phautantschen Dichters näher bekannt machen will. Dem Literaturforscher ein unerläßliches Que llwerk, dem Psychologen eine Uifundensammlung von un⸗ schätzharem Wert, dürften diese Tagebucher auch dazu hei⸗ tragen, das Interesse an Hoffmanns Dichtungen wieder neu zu be⸗ leben. Die Publikatlon beginnt mit dem Tagebuch, das Hoffmann, noch in völltger Ungewißbeit über die Art seiner Begabung, im Winter 1803 04 als preußischer Richter in Plock in Polen geführt hat; daran schließen sich Aufzeichnungen des frelen Künstless in Bromberg aus dem Jahre 1809 an, die Hoffmann als ruhig schaffenden Komponisten zeigen. Aehnlich berühren die Berliner Aufzeichnungen aus dem Jahre 1815, in denen Hoffmann als Novellist tätig war, und die das Buch abschließen. Zwischen diesen jwei Ruhepunkten aber liegen die Aufzeichnungen aus den sür Hoffmann wildbewegten Jadbren 1811—14, in denen er seine letzten großen Komposttionen Aurora“ und „Undine“ schuf, zugleich aber dem inneren Zwang zur Dicht- kanst' nachgab und seine reichsten Werk (Don Juaga, Goldener Topf, Elexier des Teufels) schritb Jahre schweren Kampfes zwischen den,. beiden Begabungen und zugleich bitterer seelischer Enttäuschungen und des Kampfes gegen eine hoff nungß⸗ lose Liebe. In diese Zeit det Kampfes fallen auch die Kriegzerlebnisse des Jahres 1813 im ekkupierten Sachsen und Sorgen um eine völlig ungewisse Zukunft. Sind die Tagebücher überreich an piychologuchen Einblicken, so bieten sie dem Forscher zu⸗ gleich feste Hrundlagen für die Zeiffolge von Hoffmanns musikalischen und dichterischen Hauptwerken; auch erhält der Musikfreund Kunde von einer Reibe bie her unbekangter Kompositionen des Dichter⸗ Musiters. Das Gesamtbild. Hoffmanns endlich erfährt gegenüber den unzuverlässigen Tagebuchaus ügen Hitzigs manche einschneidende Korrektur.

Professor Dr. Georg Wegner hat die Gelebnisse, die er als Krleasberichterstatter an der Westfront aufgezeichnet hat, und die er bereits in einer kleinen Sammlung „Der Wall von Eisen und Feuer“ veröffentlichte, nunmehr in einem ssatttichen, mit zahlreichen Ahhildungen versebenen Hande unter demselben Titel erscheinen lassen (Verlag von F. A. Bioq haus, Leipzig; 8 M, geb. 19 46). Auf die Vorzüge der Wegnerschen Varstellungsweise und auf den Jahalt seiner Schilderung ist beim Eischeinen der kleinen Ausgabe seiner Erleknisse an der W stfront bereits hingewiesen worden. Es genügt daber, hier nochmals kurz hervorzuheben, daß Wegner die gesamte Weßfront vom Meer bis zu den Vogesen be⸗ teisen, u. a. die Kampfstätten auf der Lorettohöhe, bei Ypern, Souchez und Antweipen, in der Champagne, den Argonnen und Vogesen besichtigen und das Leben in und hinter Ler Front genau kennen lernen durfte. Auch sei nochmals betont, daß seine Tar⸗ stellungsweise anschaulich und fesselnd in, sodaß sein Kriegsbuch zu den hesten gerechnet werden muß, die wir den Federn unserer Krtegt⸗ berichterstatter verdanken. Die guten, an Ort und Stelle auf⸗ genommenen Bilder tragen noch zur Belebung des Textes bei.

Wilhelm Bölfche hat seinem vielgelesenen Bändchen Stunden im All! eine neue Sammlung naturwissenschaftlicher Plaudereien unter dem Titel Von Wundern und Tigren“ solgen lassen (Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart und Berlin; 3 Je, geb. 4 M). Die Schilderungskunst Bölsches ist ja in weiten Kreisen bekannt. Er vereint in sich scharfe Beobachtung mit der Gabe dichterischen Schauens. Diese Vereinigung verleiht seinen Schriften einen besonderen Reiz, der auch gegenüber einem schemmbar gering⸗ sügigen oder spröden Stoff nie veisagt. Ob seine Beobachtungen in jedem Fall bis in alle Einzelheiten ber kritischen Wissenschaft Stand hait'n, das mögen die Naturforscher vom Fach ausmachen. Zweifellos versteht er, durch seine Schilderungen Interesse und Liebe für die Natur, wie in ihren erhabenen, gewaltigen Erscheinunge formen, so auch in ihren unscheinbaren Lebenkäußerungen wachzurufen und den Blick auch des Laien für die großen Zasammenhänge des Naturgeschehens zu schärfen. Die se Kunst fesseln der Vaistellung bewährt der Ver⸗ fasser auch in dem vorliegenden Büchlein, das auz einer Reihe kleiner Eimelaufsätze besteht. In einigen schildert er Leben und Wesen von allerlel selssamem Getier, aber auch an uns bekannten Vertretern der Tierwelt weiß er neue und interessante Züge aufzudecken. Selbst die gewaltige Gegenwart läßt Bölsche in seine Schilde⸗ rungen hineinklingen, so in den Aufätzen üßer „Tiere als Schützen,, Unterseeische Schiffeangriffe durch Tieren, Das älteste Festunge tor“. So führt dies kleine Bilderbuch, wie er es selbst in der Vorrere nennt, hin zum Großen uad Ewigen, das zu erkennen ein Bild und Wunder zu klein sein kann, und wäre es auch nur das Summen einer Mücke oꝛer das leise Geigen eines Heimchens hinter dem Herd daheim, für dessen Friedens flamme unsere Helden draußen streiten‘.

Der Verlag ven W. Spemann in Stuttgart hat wiederum einen (den 15.) Band seines großen Welt Panorama herauß—= gegeben (6 —). Gleich den voraufgegangenen Bänden enthält auch der vorliegende eine reiche Fülle von kleinen Erzählungen und Auf—⸗ sätzen, die, der Unterhall ung und der Belehrung in gleicher 6 dienend, von Reisen, Abenteuern, Naturwundern, Entdeckungen und Kulturtaten berichten. Die erzählenden Beiträge, besonders die ein- leitende Haupterzählung, steben erklärlicherweise unter dem Einfluß des Welifrieges, auch die belehrenden Aufsätze behandeln zum Teil mili⸗ tärische Dinge. Im übrigen wird in großer Mannigfaltigkeit allerlei Anregendet und Belehrendes aus den verschtedensten Gebieten geboten. So schreibt zur Länder und Völkerkunde u. 3. Professor Dr. Brenner über die Wiege der südamerikanischen Kultur, Dr. Drever über eine Dolomiten⸗ fahrt, Dr. R. Naumann über Stena, Dr. Welten über die Vulkane auf Jada Äuf dem Gebiet der Hümnmelt kunde berichtet H. Bürgel über die Welt des Saturn und über Kometen. Unter den Auflätzen aus dem Tierleben eien hervorgehoben solche von Dr. Welten über die Wanderweike der Autstepfkunst und über die Rätsel des Pola. 1 . n . n,, aus der Pflanzen elt u aus anderen Gebieten der Naturku Experimente u. a. m. n ,,

zahlrelchen Abbildungen ausgestattet.

Der gegen bo0 Seiten starke Band ist it

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