1828 / 15 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Kein Kanonier, kein Matrose ruͤckte waͤhrend des vierstuͤn⸗ digen Kampfes von seinem Platz. Menschen, von denen der größte Theil noch nicht im Feuer gewesen war, und welche den Artillerie⸗Dienst nur aus den Uebungen waͤhrend der Uebersahrt kannten, feuerten keine Kugel ab, welche nicht ge⸗ troffen haͤtte und ladeten stets wieder mit einem Eifer, wel⸗ chen die Offiziere kaum zuruͤckhalten konnten. Ermuͤdet von der Hitze und vom Durst geplagt, erfrischten sie sich, indem ste ihre Lippen an die Kugeln brachten. Die oftmaligen und schrecklichen Explostonen der feindlichen Schiffe schuͤchterten sie keineswegs ein, sondern feuerten ihren Muth nur noch mehr an und Hurrah⸗Geschrei begleitete jedes tuͤrk. Schiff in die Luͤfte. Ungeachtet der Anzahl von Todten und Verwundeten hoͤrte man keine Klage. Mehrere Brave, welche auf den Mastkoͤrben des Azow verwundet wurden, ließen sich unter Hurrahschreien verbinden. Der Unteroffizier Tourkine ver⸗ dient unter diesen tapfern Kriegern genannt zu werden. Auf dem Mastkorb des Hauptmastes ward ihm von einer Kugel der rechte Arm zerschmettert. Nachdem er seine Kamera⸗ den zur Erfuͤllung der Pflicht ermuntert hatte, stieg er fe⸗ sten Schrittes herunter und unterwarf sich einer der schmerz haftesten Operationen, indem er nur das Bedauern verneh⸗ men licß, den rechten Arm verloren zu haben, womit er ge⸗ hofft das Kreuz zu schlagen und den Himmel fuͤr den Sieg uͤber die Christen⸗Feinde zu danken. Der Lieutenant Ba⸗ ranoff zeichnete sich gleichfalls durch einen Zug von kaltem

lute aus. Ein Stuͤck Eisen schlug ihm das Mundstuͤck des Sprachrohrs aus der Hand, wesches er hielt. Augen⸗ blicklich er⸗ riff. er mit der andern Hand ein anderes Sprach⸗ rohr und serle das Kommando fort, ungeachtet der heftigen Schmerzen durch die Contusion. Waͤhrend der Nacht, welche der Schlacht folgte, dachte kein Individuung der Mannschaft daran, seinen Posten zu verlassen, indem Solda⸗ ten und Offiziere sich getrost bei ihren Kanonen niederlegten, mit denen sie ho⸗ den Feind andern Tages noch zu be⸗ ruͤßen. Rach der Hitze des Kampfes folgte die Arbeit des lusbesserns der sehr beschäͤdigten 59. Der Eifer der Matrosen beendigte diese beschwerliche Arbeit in 5 Tagen, so daß, wie die russischen Schiffe den Hafen von Navarin verließen, sie dasselbe gute Ansehn wie beim Einlaufen in denselben hatten, und eben so gut manoͤvrirten.

Muͤnchen, 10. Januar. Der seit dem Abgange des K. K. Oesterreichischen Gesandten Hrn. Grafen von Trautt⸗ mannsdorff⸗Weinsberg als dessen Nachfolger in dem Ge⸗ sandtschafts⸗Posten an dem hiesigen Koͤnigl. Hofe bezeichnete K. K. Kämmerer und wirkliche Hofrath, Hr. Graf v. Spie⸗ gel zum Diesenberg und Hauxleden, hat gestern Mittag um 1 Uhr die Ehre gehabt, Sr. Majestaͤt dem Koͤnige, in einer Privat⸗Audienz, sein Beglaubigungs⸗Schreiben als außeror⸗ dentlicher Gesandter und bevollmaͤchtigter Minister Sr. M. des Kaisers von Oesterreich zu uͤberreichen.

Triest, 5. Januar. Der Osservatore Triestino vom heutigen Tage enthält nachstehende Auszuͤge aus Briefen von Syra vom 15. November und 11. Dezember v. J.:

1 „Syra, 15. November 1827.“

„Nachrichten von Naxia vom 11. d. M., die gestern eingegangen sind, melden, daß eine franzoͤsische Kriegs⸗Kor⸗ vette einer Piraten⸗Goeletrte begegnet sei, die von einem Can⸗ dioten Namens Theodosi Sideni befehligt wurde; da diese Goelette keine von der griechischen Regierung ausgestellten Papiere vorweisen konnte, ließ der Kommandant der franzö⸗ sischen Goelette die ganze aus Griechen bestehende Mann⸗ schaft zu sich an Bord bringen, wogegen er einen seiner Of⸗

iere mit 15 Mann auf die Goelette legte, und solche nach sandte. Auf der Fahrt dahin wurde die Goelette von einem Sturm uͤberfallen, der sie nach der Insel. Astropaglia verschlug, wo sie Anker warf. Hier wurde sie unversehens von zwei Piraten⸗Misticks angegriffen, welche die Franzosen unmenschlicherweise zu ermorden anfingen; der franzoͤsische cbeer hieb mit seinem Pallasch einen der Piraten nieder, dete hierauf die Pulverkammer an, so daß er sammt

waten in die Luft flog. Von den Seeraͤubern kamen

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62 ums Leben, zwei von den Franzosen retteten sich auf ei⸗ nem Brette. Ferner ist hier die englische Brigantine St. Frankis, Capt. Math. Podich, aus Syrien und Pathmos am⸗ ekommen. Dieselbe hatte zu Sur (Tyrus) in Syrien ihre Ladung eingenommen, und war nebst andern Kauffahrern un⸗ ter Convoi zweier aͤgyptischen Kriegsbriggs nach Alexandria abgegangen. Auf der Fahrt dahin begegneten sie zweien spez⸗ ziotischen Briggs, welche einige Schiffe von diesem Convoi wegzunehmen suchten; waͤhrend des Gefechtes, das sich zwi⸗ schen den Seeraͤubern und den convoyirenden Briggs ent⸗ spann, gelang es den Piraten, gedachte englische Brigantine wegzufuͤhren, und nach Pathmos aufzubringen, wo sie rein ausgeleert, und bloß dem Capitain die Fracht in Taback be⸗

zahlt wurde.“

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„Syra, den 11. Dezember 1827.

„Als Nachtrag zu meinem vorigen, vom 15. Novem⸗ ber, melde ich Ihnen, daß aus Aegina die Nachricht einge⸗ gangen ist, eine englische Kriegsbrigg habe dort Vergutung fuͤr den, mehreren Schiffen ihrer Nation zugefuͤgten Scha⸗ den verlangt und erhalten. Um von der griechischen Regie⸗ rung diese Verguͤtung auszuwirken, blockirte sie jene Insel mehrere Tage hindurch, und drohte die Haͤuser in Brand zu stecken. Eine franzoͤsische Korvette und eine franzoͤsische Goe⸗ lette haben sich desselben Mittels und derselben Drohung mit Erfolg bedient, um 60,000 Thaler Verguͤtung fuͤr die Waae ren zu erhalten, welche zwei Handelsschiffen ihrer Nation, die von Cypern kamen, von griechischen Piraten geraubt worden waren. In dem dortigen Hafen lag eine neapolita⸗ nische Martigana, die auf der Fahrt von Scopelo nach Smyrna von einem hydriotischen Korsaren weggenommen, und dahin gebracht worden war. Der Kommandant der K. K. Brigg il Veneto, die durch widrigen Wind im hie⸗ sigen Hafen zuruͤckgehalten wurde, erfuhr, daß sich an Bord einer griechischen Goelette, welche im Begriff abzusegeln stand, der Raubgenosse des Korsaren befinde, weicher die Ca⸗ pitaine Astolfi und Tarabachia ausgeraubt hatte; er schickte sogleich seine bewaffnete Schaluppe nach besagter Goelette, und ließ dieses Individuum verhaften, das auch auf der Stelle von dem Capitain Astolfi, als der Pirat erkannt wurde, der ihn beraubt hatte. Er wurde an Bord des Ve⸗ neto zuruͤckbehalten, welcher am 7. d. M. nach Milo abge⸗ gangen ist, um den Capitain Astolft dahin zu escortiren, und dann von dort einen Convoy nach Smyrna zu gelciten.“

Madrid, 31. Dezember. Der Rath von Castilien hat den 27. und 28. über den ihm vorgelegten Amnestieplan deliberirt. Die Debatten waren aͤußerst lebhaft und dauer⸗ ten ziemlich lange. Beim Votiren am 27. waren 9 Mit⸗ glieder fuͤr und 7 wider die Amnestie; da aber der Dekan des Raths, Riega, und der Corregidor von Madrid, Don Tadeo Gil, der Sitzung nicht beigewohnt hatte, so wurde die Beschlußnahme auf den folgenden Tag verschoben. Der Corregidor sprach mit viel Kraft und Klugheit fuͤr die Am⸗ nestie, und die Abstimmung ergab eine groͤßere Mehrheit fuͤr diese Maaßregel, so daß der Beschluß in diesem Sinne ab⸗ gefaßt und nach Barcelona abgefertigt wurde. Die Majori⸗ taͤt bestand zum großen Theil aus neuernannten Mitgliedern. Es heißt, der Beschluß gehe dahin, daß eine vollstaͤndige Amnestie allen seit 1808 entstandenen Partheien bewlligt werde; von der Wiedereinsetzung in die eingebuͤßten Stellen und Ehrenämter ist jedoch, wie man glaubt, nicht die Rede. Die allgemeine Meinung ist, daß der Koͤnig das Gutachten auch dem Staatsrath zur Aeußerung wird vorlegen lassen, und daß sich bei diesen Behoͤrden groͤßere Hindernisse zeigen werden.

Der Pater Cyrillus soll sich bei Sr. M. zu Gunsten des P. Pugnal verwendet, und der Koͤnig hierauf letztern begnadigt und verfuͤgt haben, daß das Todesurtheil in eine Galeerenstrafe auf einige Jahre verwandelt werden solle.

Barcelona, 1. Januar. Seit zwei Tagen hat der Anfall von Podagra, woran der Koͤnig litt, nachgelassen und S. M. haben wieder ausgehehn koͤnnen.

Die Politik des Ministers Colomarde soll sich, seitdem