1828 / 101 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

schwornen uͤbergab dem Coroner ein Verdict, dahin lautend: daß sie einstimmig der Meinung waͤren, die bei dem Unfalle getödteten Personen seien eines zufaͤlligen Todes gestorben, veranlaßt durch den Einsturz eines eisernen Daches und der daran befestigt gewesenen Gegenstaͤnde; daß dieses beklagens⸗ werthe Ereigniß dadurch herbeigefuͤhrt worden sei, daß un⸗ anngemessenerweise schwere Lasten an das eiserne Dach gehaͤngt woorden; daß Letzteres auf Befehl der Eigenthuͤmer gesche⸗ hen; daß dieselben wiederholt gewarnt, und namentlich Hr. Carruthers (einer der Eigenthuͤmer) hinreichende Kenntniß von dem Anzeichen der vorhandenen Gefahr gehabt habe, um einen vorsichtigen Menschen zu veranlassen das Theater zu schließen, bis gehoͤrige Maaßregeln gegen die drohende efahr ergriffen worden waͤren. Als dieses Verdict publi⸗ eirt wurde gab der Architekt des Theaters Herr Whitwell seine ungemeine Zufriedenheit uͤber diesen Ausgang zu er⸗ kennen, und fuͤgte hinzu, daß er aus Ruͤcksicht fuͤr die Eigen⸗ thuͤmer einen Umstand verborgen habe, den er jetzt bekannt machen zu koͤnnen glaube; den naͤmlich, daß seine Verbin⸗ dung mit denselben schon vor der Eroͤffnung des Theaters geendigt habe. Als Beweis fuͤhrte er an, daß Herr Carru⸗ ers ihm ein Freibillet zum Eroͤffnungstage verweigert habe, und daß er, wie er durch einen Zeugen bewies, genoͤthigt worden sei, sein Billet zu bezahlen. Vorgestern wurde unter dem Vorsitze Sr. Koͤnigl. Ho⸗ Herzogs von Susser der zwanzigste Jahrestag der Stiftung des hiesigen Judenhospitals gefeiert. Der Zweck desselben ist, alten und gebrechlichen Personen juͤdischer Kon⸗ fession eine Zufluchtsstaͤtte zu gewaͤhren, und Kindern dessel⸗ ben Glaubens zu Handwerkern auszubilden. Die Gruͤnder dieser Stiftung sind die nunmehr verstorbenen Benjamin und Abraham Goldschmidt, denen Se. Koͤnigl. Hoheit bel dieser Gelegenheit, wegen ihrer thaͤtigen Naͤchstenliebe das schoͤnste Lob spendeten. Seitdem das Institut besteht, sind 225 Per⸗ sonen darin aufgenommen worden; und jetzt erhaͤlt es 12 Greise; und 47 Knaben und 27 Maͤdchen werden dort er⸗ zogen, und zu gewerblicher Thaͤtigkeit ausgebildet. Zu be⸗ dauern ist es, daß das Institut mehrere wohlhabende Be⸗ foͤrderer durch den Tod verloren, und daß in Folge dessen die jaͤhrlichen Beitraͤge bedeutend abgenommen haben. Bekanntlich wandern recht arme Leute nach Amerika aus, die nicht einmal die Mittel besitzen, ihre Ueberfahrt zu bezahlen. Gewoöͤhnlich treffen sie alsdann mit dem Schiffs⸗ kapitain, der sie mitnimmt, das Abkommen, daß er das Recht hat, sie, um sich fuͤr die Ueberfahrt bezahlt zu machen, auf eine Reihe von Jahren zu verkaufen. Ein hiesiges Blatt erzaͤhlt nun, daß die fuͤr die Auswanderer in Amerika erlang⸗ ten Preise, jenaͤchdem sie zu dieser oder zu jener Nation ge⸗ hoͤren, in folgendem Verhaͤltniß stehen: fuͤr einen Deutschen 20 bis 30 Pfd. St., fuͤr einen Franzosen hoͤchstens 15, fuͤr einen Englaͤnder oder Schotten 12; fuͤr einen Irlaͤnder 8 bis 9 Pfd. St.; daß aber endlich fuͤr einen Spanier oder Portugiesen zu keinem Pele ein Kaͤufer zu finden ist. Nach Inhalt von Briefen aus Manilla ist von der La⸗ dung des auf der Reise von Hamburg nach China unterge⸗ gangenen Schiffs Asia wohl ein Drittel und der groͤßte Theil der Maunschaft gerettet worden. Das Schiff selbst aber ging in den Grund. 9 Senee dan e bs Aus dem Haag meldet man das am 12ten d. M. er⸗ folgte Ableben des Finanz Ministers Appelius. Er doe an einer Krankheit 89 dles * er schon laͤngere Zeit gelitten hatte. Seine per bet che Eigenschaften wurden eben so sehr geachtet, als seine erannte Rechtschaffenheit noch lange der Gegenstand dankbaren Andenkens sein wird. Er starb ohne Vermoͤgen zu hinterlassen. Im Jahre 1767 in Middelburg geboren, wo sein Vater reformirter Prediger war, trieb er, in den Staatsdienst trat, das G 2 . ehe er in 88g . eschaͤft eines Advo⸗ katen. Die politische Laufbahn begann er als Mitglied der National Versammlung der Batavischen Republik. Mit der Verwandlung des Freistaats * eine Monarchie unter Louis Napoleon ward er Minister⸗ Staats Sekretair und ging nach der Vereinigung des ganzen taats mit Frankreich nach Pa⸗ ris in der Kualitaͤt eines Staatsraths, 1814, da die Nie⸗ derlande sich wieder von Frankrelch getrennt hatten, kehrte er nach seinem Vaterlande zuruͤck, wo er zuerst zum Staats⸗ rath fuͤr die Provinz Seeland ernannt wurde. Hierauf er⸗ hielt er die Ober⸗Aufsicht uͤber die Finanzen in den fuͤdlichen Provinzen, 1813 aber, da der Finanzplan der suͤdlichen und ernannte Se. Maj. i zuerst zum General⸗Direktor der indi au2 2* Fimanz/Minister. An sei direkten Abgaben und

na⸗2 eine Stelle wird der bis⸗ herige außerordentliche Staatsrath, Herr Cannemann ein⸗ reten,.

hoͤrt hatte, wird wieder lebhafter werden, seitdem England

welche keine andere

Der Handel der Niederlaͤndischen Provinzen mit Salz, insbesondere mit Steinsalz nach England, der fruͤher bedeu⸗ tend gewesen war, in der letztern Zeit aber fast ganz aufge⸗

die Abgabe von 1 Pfd. 13 Shill. 4 P. auf die Tonne, irkung, als ein ausdruͤckliches Verbot, gethan haben wuͤrde, hervorbrachte, aufgehoben hat. Von nun an geht das Steinsalz ganz frei nach England und man glaubt, daß dies uͤberhaupt die Veranlassung zu einem leb⸗ haftern Verkehr beider Staaten werden koͤnne.

Ein mit Steinkohlen befrachtetes Fahrzeug ist nicht weit von Wetteren in Ostflandern mitten in der Schelde gestrandet.

Die beiden Dampfschiffe, die von nun an den Paket⸗ Transport zwischen Ostende und England uͤbernehmen sollen, sind nun zu Dovre angelangt. 1 8 In der Zeitung von Arnheim wird gemeldet, daß am zten d. M. um 9 Uhr des Morgens, waͤhrend des Gottes⸗ dienstes, die katholische Kirche zu Appeltere, eines zwischen der Maaß und Waal gelegenen Ortes, voͤllig eingest 9 ist. Nicht wenige Personen sind dabei, wie man leicht 2 kann, beschaͤdigt worden; unter andern wurde einer bejahr⸗ ten Wittwe der Kopf gespalten, und einem Andern der Arm zerschmettert.

Ueber den neu zu errichtenden Kanal von Luxemburg wird in einem Schreiben aus Diekirch vom 7ten d. M. folgendes Naͤhere angegeben: Die noͤthigen Werkzeuge sind nun alle vorhanden; die Steinbruͤche zu Bettendorf und zu Colmar sind in voller Thaͤtigkeit und die Steine, welche man insbesondere zu den Schleusen verwenden will, haben eine un⸗ geheure Groͤße. An der Nivellirung des Kanals wird eben⸗ falls auf's thaͤtigste gearbeitet. Das bei Diekirch zu er⸗ 8en Bassin soll 200 Ellen Laͤnge und 60 Ellen Breite haben.

Nach dem neuesten Berichte aus Batavia vom 20sten December ward der Oberst Nahuys, der, durch eine falsche Nachricht verleitet, sich einem Haͤuptlinge der Eingebornen, Sobro Dilogo, allzusehr genaͤhert hatte, genoͤthigt, sich mit Verlust zuruͤckzuziehen.

In einem Schreiben aus Antwerpen wird gesagt, daß die in Folge politischer Verhaͤltnisse seit langer Zeit ge⸗ schlossene Plantinsche Buchdruckerei daselbst im Laufe des kuͤnftigen Monats wieder geoͤffnet werden und unter der Leitung des Herrn Albert Moretus stehen soll. Man werde, heißt es, die Setzer und Drucker aus den geschicktesten Ar⸗ beitern ihres Faches auswaͤhlen und es düescen dann aus jener Officin Arbeiten hervorgehen, die eben sowohl den Ausgaben des Manucius als denen der Elzevire, des Bas⸗ kerville und des Rang streitig machen koͤnnten.

u ßland.

St. Petersburg, 2 April. Se. Koͤnigl. Hohelt der Prinz von Oranien ist hier eingetroffen.

Mittels eines, unterm 5ten d. M. an den dirigirenden Senat ergangenen Kaiserlichen Ukas ist der wirkliche Ge⸗ heime Rath und Chef des Ministeriums der auswaͤrtigen Angelegenheiten, Graf von Nesselrode, zum Vice⸗Kanzler ernannt worden.

Durch Allerhoͤchste Rescripte vom 24. Maͤrz (5. April) haben folgende hohe Beamte nachbenannte Orden und an⸗ dere Gnadenbezeigungen erhalten: Der Praͤsident des Reichs⸗ raths, Wirkliche Geheimerath, Graf Kotschubei und der 2 Minister des Kaiserlichen Hauses, General⸗Adjutant, Fuͤrit Wolkonski die diamantenen Insignien des St. Andreas⸗Or-⸗:;

dens, der Hofmarschall Naryschkin eine Tabatiere mit im Portrait Sr. Majestaͤt, der Hofstallmeister, Fuͤrst Dolgva⸗⸗ ruckt, das Portralt Sr. Majestaͤt, der Wirkliche Geheime, rath Tatolmin, Mitglied des Reichsraths, das Großkreuz des St. Wladimir⸗Ordens 1ster Klasse, der Wirkliche Etatsrath und Staats⸗Secretair D. Daschkow, College des Ministers des Innern und der Wirkliche Etatsrath Beklemischew, stele vertretender Stallmeister, den St. Annen⸗Orden ister Klasseal, der Geheimerath Rodofinikin, Direktor des Asiatischen De: partements im Reichs⸗Kollegium der auswaͤrtigen Angelegen⸗ 8 3 heiten, das Großkreuz des Ee. Wladimir⸗Ordens 2ter Klasse und der General⸗Major Zacharshewski, Ober⸗Direktor der 28 Pallast⸗-Verwaltung zu Zarskoje⸗Selo eine Bril 1 lant⸗Dose mit dem Kaiserlichen Namenszuge. 1“ Durch Tages⸗Befehl vom 6ten d. M. haben Se. Maj. 27 Obersten zu General⸗Majors befoͤrdert. Der General⸗Adjutant Sr. Maj., Fuͤrst Menzikoff, ist * zum Contre⸗Admiral ernannt und mit den Geschaͤften eines Chefs des Marine⸗Generalstaabes beauftragt worden. Der, dem Chef der zwanzigsten Infanterie⸗Division beik--— gegebene General⸗Major Nabokoff II. erhäͤlt das Kommanzso * der Brigade des dritten Bataillons des isten Infanterie-⸗⸗

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