1828 / 112 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

an die Stelle des Herrn Dupin des Aeltern, der libe⸗

rale Candidat Herr Camille Pörier;

4) in dem Bezirks⸗Wahl⸗Collegium zu Luͤneville (Meurthe), an die Stelle des Barons Louis, der liberale Can⸗ didat General⸗Lieutenant Graf von Lobau;

5) in dem Bezirks⸗Wahl⸗Collegium zu Melun (Seine und Marne), an die Stelle des Herrn Royer⸗Collard, der liberale Candidat Herr Ballliot.

Das Leichenbegängniß des Herzogs von Rivière hat

vorgestern mit den, dem Range des Verstorbenen gebuͤhren⸗

den Ehrenbezeugungen, Statt gefunden. Die vier Ipfel des Leichentuches hielten der Herzog von Polignac, der Her⸗ zog von Damas, der General⸗Lieutenant Graf Clapareèͤde und der Graf von Mesnard. Die ersten Militair⸗ und Ci⸗ vil⸗Behoͤrden, so wie das gesammte diplomatische Corps solgren dem Zuge, dem sich auch eine große Anzahl von

rmen angeschlossen hatte. Die Leiche ist vorlaͤufig und bis zur Abfuͤhrung derselben nach einem Gute, welches der Ver⸗ storbene bei Bourges im Dept. des Cher hatte, in der Kirche von Saint⸗Germain⸗l'Auxerrois beigesetzt worden. Der

Minister⸗Rath, welcher an diesem Tage Statt finden sollte,

war auf Befehl Sr. Maj. abbestellt worden.

Die Gesetz⸗Sammlung enthält fuͤnf Koͤnigliche Verord⸗ nungen, wodurch den vorigen Ministern Grafen von Villele v. Peyronnet, v. Corbière, v. Chabrol, und Abbé Frayssinous, einem Jeden eine Pension von 12,000 Franken ausgesetzt wird.

Der Courrier frangais will wissen, daß der bisherige Botschafter am Sardinischen Hofe, Marquis von la Tour du Pin, von seinem Posten abberufen worden sei und daß derselbe den Ex⸗Marine⸗Minister Grafen von Chabrol zum Nachfolger erhalten werde.

Der Constitutionel enthaͤlt unter der Rubrik: Politik des Englischen Mintsteriums, einen Aufsatz, worin es unter Andern heißt: „Es ist von jeher das System der Bri⸗ tischen Regierung gewesen, eine Politik zu befolgen, die mit der Politik Frankreichs im grellsten Widerspruch steht. Als wir unter der Verwaltung des Hrn. v. Villèle so schmerz⸗ lich litten; als Jeder, der nur mit einigem Scharfsinn be⸗ gabt ist, mit ziemlicher Gewißheit den Zeitpunkt voraus⸗ sehen konnte, wo die gaͤnzliche Vernichtung der Verfassung erfolgen wuͤrde, wurde das Cabinet von St. James von einem Staatsmanne von uͤberwiegendem Talente und edlem Karakter geleitet, welcher das Panier der buͤrgerlichen und religoͤsen Freiheit mit starkem Arme aufrecht hielt und auf solche Weise eine moralische Kraft gewann, wie sie damals ihres Gleichen nirgends fand. So lange wir von einer Parthei beherrscht waren, die nicht aufgehört hat und nie aufhoͤren wird, sich gegen die Repraͤsentativ⸗Verfassung zu verschwoͤren, erklaͤrte sich England fuͤr dieselbe; es beschuͤtzte sie in Amerika und in Portugal, es bot seinen Beistand zur Unab⸗ haͤngigkeit Griechenlands und bemuͤhte sich, seine Popularitaͤt in beiden Welttheilen zu vermehren. Bald aber aͤnderte sich die Lage der Dinge in Frankreich, und das Resultat der neuen Wahlen bewies, daß die Nation nur 1 eine Gele⸗ genheit warte, um ihre Mißbilligung uͤber die Minister und ihren gerechten Abschen vor der Parthei, von der sie zu al⸗ len ihren heftigen Maaßregeln verleitet worden waren, laut und auf eine gesetzliche Weise zu erkennen zu geben. Nach⸗ dem der Koͤnig das Beste seines Volkes erkannt hatte, siel

das Ministertum, die Besorgnisse schwanden, und das Ver⸗

trauen kehrte zuruͤck. Was aber traͤgt sich unterdessen in England zu? Herr Canning wird seinem erhabenen Berufe entrissen; dieser kuͤhne Geist, der uͤber alle seine Zeitgenossen so siegreich herrschte, dieses schoͤne Herz, welches so viele edel⸗ muͤthige Gefuͤhle verbarg; sie werden eine Beute des Todes⸗ Stirbt aber mit ihnen zugleich auch das System des gro⸗ ßen Staatsmannes? O nein; waͤhrend in Frankreich die

Freiheit erwacht, regt sich in England der Absolutismus;

der Freund Lord Castlereagh's tritt an die Spitze der Ver⸗ waltung, das künftige Loos Griechenlands erscheint von Neuem zweifelhaft, das constitutlonnelle Portugal wird der

achsucht einer unversoͤhnlichen Parthei uͤberiassen und den fuͤhrerdruͤckern Frankreichs werden neue Hoffnungen zur Aus⸗ erwa, .ses abscheulichen Plaͤne gemacht. Oder glaubt man Lords d Frankreich sich uͤber den Zweck der Anwesenheit des Verbindungenderry in Paris taͤusche, daß es dessen genaue Englands Iüigance den einden des Landes nicht kenne? maͤzige System ie g tet vor Allem, daß das verfassungs⸗

b vankreich so tiefe Wurzeln schlage, daß es nicht mehr möglich wird, en auszurotten; r die

Einigkeit aller guten Buͤrger, weil isse denzera., ee roß g 8 8 8 e E e t der Staaten ausmacht; ja, es füͤrchene e n

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gung, und darum tritt es den Absichten und Hoffnungen der Contre⸗Revolution bei.“ . Hoffnung Großbritanien und Irland. Parlaments⸗Verhandlungen. In der Sitzung des Oberhauses vom 2üsten nahm der Herzog v. Cum⸗ berland seinen Sitz ein. Es wurden hierauf zuvoͤrderst mehrere Bittschriften fuͤr und wider die Katholiken und die Test⸗ und Corporations⸗Acte eingereicht, desgleichen eine von einem Juden, Namens J. L. Goldsmid, worin er darstellte, daß die in die, anstatt des Test⸗Eides Erklaͤrung eingeschalteten Worte: „Als ein wahrer Christ“ die Juden in eine viel uͤblere Lage als die jetzige setzen wuͤrden, wes⸗ halb er bitte dafuͤr Sorge zu tragen, daß den Rechten, welche sie bisher genossen haͤtten, nicht Eintrag geschehen moͤchte. Die Petition wurde verlesen, und man schritt zur weitern Bexathung uͤber die Bill wegen Aufhebung der Test⸗ und Corporations⸗Acte. Graf Eldon sagte, er habe einige Amendments vorzuschlagen, bemerkte aber zugleich, daß er sich, dieselben moͤchten nun angenommeh wer⸗ den, oder nicht, dadurch des Rechts nicht begeben wolle, dennoch gegen die dritte Lesung der Bill uͤberhaupt zu stimmen. Seiner Ansicht nach sei die gegenwaͤrtige Bill geeignet, die Forderungen der Katholiken zu befördern; er wuͤnsche demnach, daß in derselben die Unantastbarkeit und ewige Guͤltigkeit der Lehre, Disciplin und Regierung der Englischen und der Schottischen Kirche und aller zur Zeit der Union mit Schottland Fültigen und zur Erhaltung der Kirche Englands dienenden Acten ausdruͤcklich ausgesprochen werden, imgleichen, daß die oft erwaͤhnte Erklaͤrung eine Clau⸗ sel enthalten möge, wodurch Jeder, der sie abgebe, bekenne, daß er ein Protestant sei. Der Graf von Carnarvon be⸗ merkte hierauf: er begriffe nicht, warum der edle Lord sich die Muͤhe gebe, Amendments zu einer Bill vorzuschlagen, gegen die er uͤberhaupt opponire. Auch der Herzog v. Welling⸗ ton widersprach dem Vorschlage des Grafen Eldon, der 12 gans unnüͤtz scheine, da die vorliegende Bill auf die Katho⸗ iken gar keinen Bezug habe. Lord Holland sagte, daß die katholische Frage durch die vorliegende Bill gar nicht be⸗ ruͤhrt werde, wohl aber sei der Vorschlag des edlen Grafen eentweder ganz unnuͤtz oder den Katholiken nachtheilig, und er muͤsse sich demselben deshalb unbedingt widersetzen. Das erste Amendment des Grafen Eldon wurde hierauf mit 71 Stimmen gegen 31 verworfen und die weitere Berathung auf b. Ta m Unterhause brachte Hr. Taylor, seiner fruͤl Ankuͤndigung gemäaͤß, die Verbesserung der dene iahs Canzlei⸗Gericht zur Sprache, und schlug die Resolution vor: „daß es dem Hause dringend nothwendig scheine, daß geeig⸗ nete Maaßregeln eagristen wuͤrden, um eine schnellere Erle⸗ digung der vor dem Canzlei⸗Gericht schwebenden Prozesse herbeizufuͤhren.”“% Er sagte, der Fehler liege keinesweges in den Personen, sondern in dem Systeme, welches die nach⸗ theilige Folge erzeuge, daß eine zahllose Menge Sachen uͤber⸗ maͤßig verzoͤgert wuͤrden. Auch bemerkte er am Schlusse seines Vortrages, daß ihm die Appellation vom Lord⸗Canz⸗ ler an das Oberhaus, wo derselbe Lord⸗Canzler mit einem schnarchenden Bischofe und irgend einem Schottischen Pair üͤber Appellationen gegen seine eigenen fruͤhern Entscheidungen zu Gerscht sitze, ein Unsinn scheine. (Gelaͤchter.) Hr. Twiss⸗ der sich ausfuͤhrlich uͤber diesen Gegenstand ausließ, sagte, seiner Ansicht nach sei es durchaus noͤthig, noch einen vier⸗ ten Richter im Canzlei⸗Gericht anzustellen. Hiermit wollte sich der General⸗Anwald nicht einverstanden erklaͤren, indem ihm drei Richter genug schienen. Hr. Harvey druͤckte sich sehr bitter uͤber das Ganze aus. Der gelehrte err, welcher zuletzt gesprochen hat, ist, sagte er ein tögli⸗ er Zeuge der Maͤngel des Canzlei⸗ Gerichtshofes, und sie sind ihm reichlich zu Statten gekommen; uͤberhaupt ist es eine anerkannte Sache, daß die Juristen selbst jede Abstel⸗ lung dieser Maͤngel hintertrelben. (Beifall.) Die Schmach, welche auf der Ausuͤbung der Rechtswissenschaft ruht, wird⸗ nicht eher verwischt werden, als bis daß wir uns jene ver⸗ wickelten Formen und lange Reden vom Halse schaffen welche die Juristen reich und die Partheien arm machen⸗ denn wie die Sache jetzt steht, so ist sie ein Fluch fuͤr das Land. Hr. Sugdden erklaͤrte seine hoͤchliche Entruͤstung, daß der geehrte Herr das Canzlei⸗Gericht einen Fluch fuͤr das Land nenne (großer Beifall von der Oppositionsseite); noch mehr muͤsse er sich aber wundern, daß Leute, die so hoch in der Gesellschaft stuͤnden als die Mitglieder dieses Hauses, sol⸗ chen Ausdruͤcken Beifall zollten (lauter und dauernder Beifall der jedoch Hrn. Harvey und nicht Hrn. Sug⸗ den galt). Der Redner fuhr fort, das Canzlei⸗Gericht zu vertheidigen, er wurde aber von der Opposition häͤufig un⸗