1828 / 114 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

rungs⸗Bezirke keine Leschenhaͤuser, obgleich das Beduͤrfniß (‚deireser Communal⸗Polizei⸗Anstalten, hesonders in den groͤßern KSrlaͤdten vielfaͤltig in Anregung gebracht wurde. Im lau⸗ fenden Jahre wird nun an dem großen Gottesacker der DStadt Duͤsseldorf das erste, und auf dem neuen Gottesacker 8 der Stadt Crefeld das zweite Leichenhaus erbaut und ein⸗ gerichtet. Zu dem erstern hat eine staͤdtische Collekte, und die Veraͤußerung von Familten⸗Gruften, zu dem andern ein Vermaͤchtniß des verstorbenen Freiherrn von der Leyen den Fonds hauptsaͤchlich geliefert. 8 Koln. Der Bau der hoͤhern Buͤrgerschule hieselbst geht seiner Vollendung entgegen. Diese Anstalt, die Erste von einem groͤßern Umfange und voͤllig geschiedenem Zwecke in den Rheinprovinzen, wird im Laufe dieses Zahres eroͤff⸗ naet werden. In Errichtung von Industrie⸗Schulen sind ddeas hiesige Waisenhaus und einige Pfarr⸗Bezirke, nament⸗ lich die evangelische Gemeinde bereits mit einem guten Bei⸗ sbpiele vorangegangen. 8 Unter den Armen⸗Schulen des hiesigen Regierungs⸗ Bezirks zeichnet sich die, der Stadt Bonn sehr vortheilhaft 2a2us. Die Anstalt hat bisher 340 Kindern nicht allein freien Unterricht, sondern auch groͤßtentheils Kleidung gewaͤhrt. Minden. Die Communal⸗Wege⸗Baue und Bruͤcken⸗ Bauten sind in allen Kreisen des hiesigen Regierungs⸗Be⸗

8* Arks unter verfassungsmaͤßiger Beihuͤlfe der Gemeinden und bhiriger Einwirkung der Verwaltungs⸗Behoͤrden mit Eifer uum Vorliebe betrieben. Die nach dem Beispiel der aͤlteren

Pravinzen auch hier mit dem vorigen Jahre angeordneten Dter⸗Wege⸗Commissarien haben sich uͤberall nuͤtzlich bewaͤhrt, um die gemeinschaftlichen Wege⸗Vereisungen der Kreis⸗ Landraͤthe mit den Bau⸗Beamten haben dazu beigetragen, den entdeckten Mangeln an Ort und Stelle abzuhelfen. Au⸗ ßer den umfassenden Reparaturen an der Weser⸗Bruͤcke bei Minden und an der Werra⸗Brücke bei Rehme, ist eine neu uͤber die Lippe bei Sande im Krelse Paderborn erbaut worten. Was die Wege⸗Instandsetzungen betrifft, so 8 im vorigen Jahre im Ganzen beinahe 2 Meilen (3792 then) in diesem Regterungs⸗Bezirke chaussirt worden. diesem Jahre wird die Cdauffen von Minden nach Osna⸗ Hruͤck auf eine Laͤnge von 7720 Ruthen, wovon nur noch g9s8s in den Zwischenstrecken zu chaussiren sind, vollendet, und der Chaussee⸗Bau von Bielefeld nach Paderborn auf eine Laͤnge von 9000 Ruthen und von Minden und Todten⸗ hausen auf 1000 in Betrieb gesetzt werden. Die

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rk betkaͤgt 61, 67 Ruthen mithin uͤber 30 Meilen, auf wel⸗ cchen im verflossenen Jahre eine Brutto⸗Einnahme von 31,00) Rthlr. an Chaussee Geld eingekommen ist. yMünster So wie die Theilung der Gemeinheiten fVortschreitet, so wird auch in holzarmen Gegenden mit der Anlegung von Holzpflanzungen der Anfang gemacht. Im Warendorfer Kreise wurden viele sterile 1283öG durch Tannen⸗Besamung in Cultur gesetzt, nachdem die Einge⸗ sesfenen die Ueberzeugung von der Eintraͤglichkeit dieser sonst dorrt gering geachteten Holzart gewonnen haben 1 In der Gemeinde Oelde, Kreis Beckum, nimmt der LTabacks⸗Bau guren Fortgang und es fangen dort einzelne Preoducenten schon an, selbst gebauten Taback zu consumi⸗ reu, ein erfreuliches Beispiel, welches immer mehr zur MNachahmung reizt.

1 Vermischte Nachrichten. Zweiter Bericht des Herrn Jacob uͤber Getreide⸗

Bau und Getreide⸗Handel. „Wir theilen aus dieser interressanten Schrift, mit Be⸗ zug auf die bereits gegebenen Auszuͤge, nachtraͤglich Folgen⸗

des mit: 1 8

Hr. Jacob erwaͤhnt zuerst den Zustand der Landstraßen in den von ihm bereis'ten Laͤndern. 1 Koͤnigreichs der Niederlande, namentlich von Deventer bis zur Graͤnze sind die Landstraßen im Natur⸗Zustande, d. h.

geschehen wäͤre; der Boden wird jenseits der Hannoͤverschen Graͤnze gebundener und jenseits der Ems ist er schon fester Lehm; aber auch hier sind die Straßen der Willkuͤhr der Elemente Preis gegeben; hei nasser Witterung sind sie kaum fahrbar und bei trockener höolprig und voll Loͤcher. Im Mecklenburgischen ist es vicht desser; und da der beste Wei⸗ zen⸗ und Roggen⸗Boden gewoͤhnlich ziemlich weit von Ein⸗ schiffungs⸗Ptäͤtzen liegt, so ist die Beschaffenheit der Straßen außerst wichtig. Auf den Danischen In eln sind die Haupt⸗ straßen sehr gut, in den Provinzen des Festlaudes ök1A1A2A“

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32 Duͤsseldorf. Bisher gab es in dem hiesigen Regie⸗

e Laͤnge der chaussirten Straßen im hiesigen Reglerungs⸗

tiefen Seebuchten begrenzt; im oͤstlichen Theile des⸗

tiefer Sand, ohne daß zu deren Verbesserung irgend Etwas⸗

Juüͤtland,

Schleswig, Holstein und Lauenburg sind sie aber äͤußerst ver⸗ nachlaͤßigt, und selbst beim guͤnstigsten Wetter nicht gut. Die fruchtbare Provinz Holstein liefert das meiste Getreide zur Ausfuhr. Die Theile desselben, welche von der See und von der Elbe am entferntesten liegen, enthalten ausgedehnte Strecken vortrefflichen Bodens, von denen aber das treide bis zu den Verschiffungs⸗Orten auf schlechten Lan straßen 40 bis 50 (Engl.) Meilen *)9hund oft weiter, ver fuͤhrt werden muß, da die an der Ostsee näher liegenden Gegenden ihr Getreide oft lieber nach Hamburg bringen, m sie einen bessern Markt wie in Kiel und Luͤbeck sinden. Ein G besitzer, dessen schoͤnes Gut 20 Meilen von Kiel, 30 Luͤbeck und 6) von Hamburg liegt, versicherte, daß er un mehrere seiner Nachbarn ihr Getreide dennoch vorzugsw nach Hamburg schickten. Dieser Markt ist dort hauptse lich darum besser, weil die Fracht und Versicherungs⸗Praͤm hier billiger sind, und weil dieser Hafen besser gelegen ist, um das lagernde Getreide mit dem geringsten Zeitverlust, nach jedem auswaͤrtigen Hafen zu verladen, der sich vielleicht nur auf kurze Zeit zur Einfuhr aufthnn moͤchte. Der schlechte Zustand der Landstraßen verdient bei der Berechnung der Productions⸗Kosten die groͤßte Beruͤcksichtigung, und zwa nicht sowohl wegen der Langsamkeit, womit der Transp von Statten geht, als wegen der geringeren Quanti welche eine gegebene Anzahl Pferde oder anderes Zug fortbringen kann. So wiegt z. B. in England die gewoö liche Ladung elnes vierspaͤnnigen Wagens (aus 10 uarters Weitzen bestehend) 4800 Pfund, in jenen Laͤndern aber nur die Haͤlfte. Nach einer (in Mecklenburg) angelegten sorg⸗— faältigen Berechnung betragen diese Kosten bei einer Roggen⸗ Ladung in einer Eutfernung von 5 Deutschen oder 2.-TSng⸗ lischen Meilen 13 pCt. vom Verkaufs⸗Preise der Ladung. Je weiter das Getreide gefuͤhrt wird, um so mehr nimmt der Netto⸗Ertrag ab, und bei einer Entfernung von 48.9 Deutschen Meilen absorbiren die Transport⸗Kosten den gan⸗ zen Werth*). 3

Nach dieser Einleitung uͤber den Zustand der Wege und Landstraßen geht Hr. Jacob zur Betrachtung der Pro tionsfaͤhigkeit der einzelnen Laͤnder uͤber.

In den Niederlanden werden bekanntlich gegenwaäͤ sehr ausgedehnte Strecken, welche fruͤher Unland waren, Cultur gesetzt, und zwar weniger in der Hoffnung eines 1 nenden Ertrages, als um die Armen zu beschäftigen; da aber nicht geeignet sind, binnen einer geraumen Zelt el Ueberschuß an Getreide zu gewahren, so koͤnnen sie kaum in Anschlag gebracht werden. Die Provinz Groͤningen fuͤhrt viel Butter und Käͤse, und nur selten Getreide aus, höͤchstens etwas Hafer und Buchweitzen; wohl aber eine. große Quantitaͤt Raps⸗Saamen, Oel und⸗Kuchen. Over⸗Pssel erzeugt ebenfalls nur seinen eigenen Bedarf an Getresde; Butter und eine geringe Sorte Kaͤse werden ausgefuͤhrt. Deventer erzeugt selten so viel Getreide als es braucht, wo bei die Kartoffel das Hauptnahrungsmittel ist. Die Haupt⸗ industrie dieser Provinz ist der Torfstich und die Verschiffung dieses Brennmaterials auf den vielen das Land durchkreuzen⸗ den Canaͤlen, nach den reichern Provinzen. Da ich mich, sagt Hr. Jacob, bald uͤberzeugte, daß diese Provinzen keine getreideausfuͤhrende Lander sind, so hielt ich mich nicht lange dort auf. Ich bemerke nur noch als ein merkwürdiges Mo⸗ ment, daß in der Getreide und Heu⸗Erndte Handarbeiter schaarenweise aus Westphalen dahin stroͤmen, und daß ohne 1 diesen Beistand die groͤßern Gutsbesitzer außer Stande waͤ⸗ ren, ihre Erndte zur gehoͤrigen Zeit unterzubringen. 4

Ostfriesland, fruͤher Preußisch jetzt Hannoͤverisch, ist eine für den vorliegenden Gegenstand wichtige Gegend, weil ein starker Haferbau dort betrieben und viel ausgekührt wird.

er Umfang dieser Provinz beträgt ungefähr 700,900 Acres; sie ist öͤstlich, noͤrdllch und westlich von der Ser und von diese ausgedehnte Wassergrenze wird durch Däͤmme geschuͤtzt, deren Unterhaltungskosten von den an der Kuͤste liegenden Laͤndern Lungefaͤhr ein Drittheil des Ganzen) getragen werden; diese Landesstrecke ist die Fruchtharste, wegen der großen Deichkosten steht aber im Gan⸗ 8 das Land ig einem verhältnißmäaßig geringen Preise. Der

beil, welcher zunaͤchst an diesen Streil graͤnzt, euthaͤlt mei⸗

8 c. Jacoh rechnet 44½. Englische auf eine Dautsche Mreilg 9 di im Leege angefühcten Meilen⸗Zahlen sind im⸗ mer Englische, wir rheilen ste unveraͤndert mit

In dieser eean liegr eine Taͤuschung; denn mwenn man Getreide 143 Meilen weit zu Lande verfüͤhrte, so⸗ ase es nur bei großem Getreide⸗Mangel, und folglich um um erhaͤlt⸗ nimaͤßig here Preise zu erlangen .

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