1828 / 129 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

Angekommen: Se. Excellenz der General⸗Lieutenaut aͤses⸗ Inspecteur der 3ten Ingenieur⸗Inspection von oblenz.

Durchgereist: Der Kaiserl. Russische Legations⸗Se⸗ cretair, Hofrath von Lomanossow, als Courier von St. Petersburg uͤber Bruͤssel nach Paris.

Der Kaiserl. Russische Legations⸗Secretair von Kreh⸗ mer, als Courier von St. Pertersburg uͤber Hamburg nach London.

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Sa . 2 . BI1u“] Zeitungs⸗Nachrichte 2 Ausland.

Nachrichten vom. Kriegs⸗Schauplatze. . Mai. Eine Russische Division ist heute ier engetroffen. Sie hat die Leibwache des Hospodars eantwaffnet und sich dieses Fuͤrsten versichert, weil er, um sich del ihm obltegenden Rechnungslegung zu entziehen, die 1 bas zu ergreifen beabsichtigte. Er ist nach seinen Guͤtern esfarabien gebracht worden. Graf Pahlen, welcher it den Russischen Truppen angelangt ist, hat das Mani⸗ fest verchellen lassen. Er hat sich den versammelten Bo⸗ Fbean re eines Chefs der provisorischen Regie 7 1 Dem Vernehmen nach, wird der Uebergang uͤber die Donau nicht vor dem Eintreffen des Kalsers zu Ismail stattfinden. Die Tuͤrken sollen in Bulgarien und Rumelien, die Gar⸗ nisonen der festen Plaͤtze mit eingerechnet, 20,000 Mann regulairer Truppen, 20,000 Mann Leibgarden der Paschas und ungefähr 100,900 Milizen versammelt haben. rankreich. Deputirten⸗Kammer. Sitzung vom 10. Mai. Herr Calemard von Lafagyette stattete den Commissions⸗ Dericht über den Entwurf wegen Auslegung der Gesetze nach 8 Cassations⸗Gesuchen in einer und derselben Rechtssache, 1 Zusatz⸗

erathungen uͤber die⸗

zwei f die Ar 8 1f 8 d trug auf die Annahme desselben mi Venwmung 82 auf die wir bei den B 8e sen Gegenstand irveeen werden. Unter den Bittschrif⸗ en, woruber demnaͤchst Hr. v. la Peyrade berichtete, be⸗ fand sich eine, worin uͤber den Handel geklagt wurde, der mit den fuͤr die Zuschauer hestimmten Plaͤtzen in der Depu⸗ tirten⸗Kammer getrieben wird. Die betreffende Petition wurde dem Nachweis⸗Buͤreau⸗ überwiesen. Ein Einwohner des Ober⸗Rheins stellte die bedraͤngte Lage der ackerbautreiben⸗ den Klasse in diesem Departement vor, und machte Vor⸗ scchlaͤge zur Abstellung derselben; seine Eingabe wurde dem . Fmanz⸗, dem Handels⸗ Minister und der Budgets⸗Commis⸗ sion zugestellt. Ein Pariser Arzt verlangte die Aufhebung aller Sanitaͤts⸗Maaßregeln, da das gelbe Fieber nicht an⸗ teckend sei, und das Uebel, da wo es bestehe, durch jene Maaßregeln nur vermehrt werde. Der Graf von Laborde beschwerte sich bei dieser Gelegenheit uͤber die innere Ver⸗ waltung der Krankenhaäͤuser, die keiner Controlle unterworfen waͤren, und wo man sich die willkuͤhrlichsten Maaßregeln erlaube. Namentlich klagte der Redner uͤber die Anordnungen in der Quarantaine⸗Anstalt zu Marseille, wo kel . 1nas S o kein aus der Levante ankommendes Schiff sofort seine Waaren löschen und dort⸗ hin zuruͤckkehren koͤnnte, waͤhren

d dies in Lvor e und andern Häfen nicht der Fall waͤre; die dom Iecn⸗ 88 Marseille kommenden Schiffe, muͤßten daselbst eine 10tägige

Quarantaine halten, waͤhrend in Genua gar keine Anaran⸗

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Berlin, Montag den 19ten Mai.

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liche Erleichterung zu verschaffen. Die Kammer verfuͤgte

taine verlangt wuͤrde, und doch waäͤre Genua nur drei Tage⸗ reisen von Narseill entferut. Nachdem Herr von Laborde noch einige andere Maaßregeln bezeichnet hatte, die seiner Meinung nach voͤllig uͤberfluͤssig waͤren, und nur dem Euro⸗ paͤischen Handel zum Nachtheile gereichten, trug er darauf an, die gedachte Bittschrift dem Minister des Innern zuzu⸗ stellen, damit dieser das Quarantaine⸗System zu Marseille mit dem der uͤbrigen Häfen des Mittellaͤndischen Meeres in groͤßern Einklang bringe. Der Graf von Lameth ver⸗ langte auch noch die Ueberweisung an den Handels⸗Mi⸗ nister. Herr von Boisbertrand vertheidigte jenes Sy⸗ stem und citirte mehrere Gesetze und Vero⸗dnungen, worin die Verwaltung der Krankenhaͤuser besonders festgesetzt wird. Der Handels⸗Minister fand mehrere der Bemerkungen des Grafen von Laborde sehr richtig; er gestand ein, daß man einen Unterschied zwischen Schiffen aus der Levante und de⸗ nen aus Amerika machen muͤßte, und daß die Vorsichts⸗ Maaßregeln in der Quarantaine⸗Anstalt zu Marseille zu weit getrieben wuͤrden, auch haͤtte er bereits die noͤthigen Befehle ertheilt, um dem Handel in dieser Beziehung aus nur moͤg⸗

nichts desto weniger die Ueberweisung der mehrerwähnten Bittschrift an den Minister des Innern und an den Han⸗ dels⸗Minister. Die Eingabe eines Einwohners von Chalons a. d. M, worin derselbe uͤber die Art und Weise klagte, wie die außerordentlichen Steuern von den Stadt⸗Raͤthen zum Nachtheile der unbemittelten Klasse ausgeschrieben werden, gab Herrn Dupin dem Aelteren zu folgenden Bemer⸗ kungen Anlaß: „Wir legen“ aͤußerte derselbe „bei weitem nicht Werth genug auf diesen Gegenstand, und befinden uns hier, wie in vielen andern Punkten, auf einem durchaus alschen Wege. Warum? weil unsere gesellschaftliche Ord⸗ nung unvollstaͤndig ist, und weil wir immer bloß die hoͤhere Ver⸗ waltung vor Augen haben und daruͤber die untergeordneten Gegenstaͤnde ganz vergessen. Vor der Revolution war gerade das Gegentheil der Fall. Heutiges Tages haben wir eine vortreffliche Verfassung, welche unsere Regierung zu der voll⸗ kommensten macht, vorzuͤglich bei einer Dynastie, wie die jetzige, und bei den persoͤnlichen Gesinnungen unferer Fuͤrsten. Aber in Betreff der untergeordneten Gesetze irren wir noch in der Wuͤste. Die ganze Verwaltung ist in der That unr, was die Revolution und das Kaiserthum ans Ihr gemacht haben. Unser System uͤber die Ausschreibung der außerordentlichen Steuern gehoͤrt ganz dem Kaiserthume an. Wollte man SH eine solche Lokal⸗Steuer erheben, so wurde nach der Messe die Thurmglocke gelaͤutet und die saͤmmtlichen Ein⸗ wohner, den Gutsherrn an der Spitze, versammelten sich, um uͤber das Interesse der Gemeinde zu berathschlagen; heu⸗ tiges Tages aber tritt der Stadt⸗Rath zusammen und ver⸗ fuͤgt nach Willkuͤhr und oftmals auf eine hoͤchst laͤstige Weise uͤber einen Theil des Vermoͤgens der Einwohner.“ Die ge⸗ dachte Bittschrift wurde hierauf dem Minister des Innern zugestellt. Herr Lecarlier stattete demnaäͤchst Vericht uͤber die Wahl des Herrn Sapey (Isere) ab und stimmte füͤr die Vertagung, da derselbe seinen Taufschein nicht beigebracht habe; einer der Quaͤstoren meinte indessen, daß, da Herr Sapey bereits vor fuͤnf oder sechs Jahren in der Kammer gesessen haͤtte, sich nicht fuͤglich annehmen ließe, daß derselbe feitdem um so viel juͤnger geworden waͤre. Nach dieser Be⸗ merkung, die ein allgemeines Gelaͤchter erregte, erfolgte die sofortige Aufnahme des gedachten Depntirten. Der ganze Rest der Sitzung wurde mit den Berathungen über einige in Antrag gebrachte Zusatz⸗Artikel zu dem Wahl⸗Gesetze aus⸗ gefuͤllt. Der Artikel der Commission lautet, wie folgt: „Ein jeder Waͤhler muß, bevor er seine Stimme abglebt, eidlich erhaͤrten, daß er alle die Eigenschaften, welche das Gesetz von einem Waͤhler verlangt, in sich vereinige.“ Der Graf Boscal de Reats und der Marquis von Pina