1828 / 155 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Koͤnigl. Hoheit, in der Pfarrkirche zu Neullly aus den Hän⸗ 8* Abbé’s Guyon zum ersten Male das heilige Abend⸗ mahl. 1 Der Messager des Chambres sagt in Bezug 905.; die obige Sitzung der Deputirten Kammer: „Diese Sitzung, welche durch die Herabsetzung der bisher von den Zeitungen zu leistenden Caution, als Folge eines Amendementz des Herrn v. Chastellier, bemerkenswerth ist, zeichnete durch eine ruhige, ernste und der Wichtigkeit des Gegenstandet angemessene Discussion aus; die Majoritaͤt, welche gewisse Jeurnale schon zu verlaͤumden begonnen hatten, hat durch jenes edelmuͤthige Zugestaͤndniß bewiesen, daß sie e Presse nicht toͤdten will, wie man solches oft behauptet Haͤt. Hof⸗ fen wir ein gleiches fuͤr alle rechtmaͤßigen Interessen. Die Majoritaͤt von Frankreichs Deputirten wird, so wie sie sich als die Beschuͤtzerin der kostharsten von unseren Freiheiten gezeigt hat, auch die Gesellschaft vor den Ausschweifungen der Presse zu bewahren bedacht sein. Wir gehoͤren nicht zu denen, die bestaͤndig gegen die periodische Presse eifern; wir erkennen vielmehr die gluͤcklichen Folgen derselben an, aber Niemand wird verlangen, daß die Gesetzgebung alle Waffen von sich werfe und das allgemeine wie das Privat⸗Interesse gaͤnzlich ohne Schutz lasse.“ 8

Von dem Professor am Gymnastum Helnrichs IV., Hrn. v. Calonne, ist hier eine Brochuͤre unter dem Titel: „Die Jesuiten und die Universitaͤt“ erschienen.

Der Professor am Gymnasium Ludwigs des Großen, Herr Charpentier, hat den, von der Koͤntgl. Academie der Inschriften und schoͤnen Wissenschaften zu Toulouse fuͤr 1828 ausgesetzten Preis auf die beste Veantwortung der

rage: „Welcher Literatur, der Griechischen oder Lateini⸗

hen, hat die Franzoͤsische am meisten zu verdanken?“ in einer Denkschrift davon getragen, worin der Verfasser sich fuͤr die Griechische Literatur ausspricht.

Aus Nismes meldet man unterm 28. v. M., daß meh⸗ rere Gemeinden des Departements des Gard von dem Ha⸗ gelschlage heftig mitgenommen worden sind. Seit drei Wo⸗

en regnete es in dortiger Gegend fast täͤglich, und man fuͤrchtete daher sehr, daß die Hoffnungen auf eine gute Ge⸗ treide⸗ und Cocons⸗Erndte getaͤuscht werden wuͤrden.

Auf den Vorschlag des Ministers des Iumern und nach dem Gutachten des obersten Kriegs⸗Raths hat der König befohlen, daß le Uniform der Linien⸗Infanterie fuͤr alle 64 Regiment

soll, n blau mit rothen Aufschlägen; die Regimenter

follen sich allein durch die auf den Knöpfen befindlichen Num⸗

mern von einander unterscheiden. Der Moniteur enthaͤlt in einer besonderen Beilage die Statuten einer anonymen Gesellschaft zur Förderung der

Erze und Bearbeitung der Eisen⸗Haͤmmer und Gießerelen

von Creusot und Charenton.

Herr Agier, ehemaliges Mitglied der constituirenden Versammlung und Vater des Deputirten dieses Namens, ist zu Niort in sehr vorgeruͤcktem Alter mit Tode abgegangen.

Hr. Etienne, einer der Deputirten des Maas⸗Departe⸗ ments, hat auf das Buͤreau des Praͤsidenten eine Bittschrift des bekannten Schriftstellers Herrn Salgues niedergelegt, worin dieser auf die Ausfuͤhrung der Landes⸗Gesetze in Be⸗ tyeff der Jesuiten antraͤgt. .

Hr. J. Lafsitte hat die Reden, die er bei Gelegenheit der Berathungen uͤber die Anleihe der 80 Millionen Fr. in der Deputirten⸗Kammer gehalten hat, in Druck gegeben.

Das Lager zu St. Omer wird aus drei Divisionen, eine jede zu zwei Brigaden, im Ganzen genommen etwa 13800 Mann, unter dem Oberbefehle des General⸗Lleute⸗ nants Grafen v. Curial bestehen. Unter diesem wird der General⸗Lieutenant Baron Berthezene die erste Diviston, bestehend aus 4400 Mann, der General Lieutenant Baron Ordonneau die zweite von 4000 Mann, und der General⸗ Lieutenant Graf Meynadier die dritte ebenfalls von 4000 Mann anfuͤhren.

Der Constitutionnel will wissen, daß die Besatzung von Grenoble, welche gegenwärtig nur aus dem 30sten Linien⸗ Regimente und zwel Schweizer⸗Bataillonen besteht, eine be⸗ deutende Verstaͤrkung erhalten werde.

Es sind hier Nachrichten von dem Contre⸗Admiral Col⸗ let vom 27sten v. M. eingegangen, welche des von Engli⸗ schen Blaͤttern verbreiteten Geruͤchts, daß eine Franzoͤsische Fregatte von einem Algierischen Corsaren genommen worden sei, mit keiner Sylbe erwahnen. Dagegen war es dem Fre⸗

gatten⸗Capitain Ropert gelungen, mit der von ihm befehlig⸗ ten Brigg Adonis, die im vorigen Jahre von den Algierern

gleichmaͤßig von einer und derselben Farbe sein

Paris, 8. Juni. Am 5ten d. M. empfing der Her, gekaperte Franzoͤsische Brigg Arlequin in der Nacht vom zog von Nemours, zweiter Sohn des Herzogs von Ofleans. bsten v. M. aus dem Hafen von Oran zu befreien. Die

Algierische Mannschaft rettete sich durch Schwimmen.

Die projectirte Anlegung eines Canals zwischen Paris und Havre soll, Nachrichten aus dieser Stadt zufolge, be⸗ stimmt aufgegeben und dagegen die Anlegung elner Eisen⸗ Bahn beschlossen worden sein.

Die Wittwe Talma's hat den beruͤhmten Namen ihres verstorbenen Gatten gegen den einer Graͤfin von Chalot ver⸗ ttauscht, indem sie einen ehemaligen Cavallerie⸗Odersten die⸗ les Namens, Ritter mehrerer Orden, geheirathet hat.

Paris, den 4. Jun. In dem mittaͤglichen Frankreich soll dermalen großer Brodmangel und dadurch auch eine un⸗ gewoͤhnliche im Allgemeinen herrschen, und beide sollen ganz besonders nicht minder die armen Einsassen, als die arbeitende Klasse in den Fabrikstädten, wie Lyon und Montpellier, druͤcken. Durch die Blokade von Algier haben naͤmlich die Zufuhren aus der Barbarei aufgehoͤrt, und durch die Sperre des Bosporus diejenigen, welche seit einigen Jahren, von Odessa her, Frankreich, vorzuͤglich den mittäg⸗ lichen Theil desselben, auf's reichlichste mit Getreide versahen. Das Wetter ist hier seit mehr als vierzehn Tagen äußerst feucht, kalt, stuͤrmisch und so ungesund, daß alle Haͤuser mit Kranken angefuͤllt sind. Der König hingegen erfreut sich des besten Wohlseins; ein von Natur gesunder Koͤrper Und die viele Bewegung, welche derselbe sich in freier Luft macht, versprechen seiner Regierung eine lange Daner. Die Haus⸗ miethen sind hier, so wie der Werth der Hauser, fortwaͤh⸗ rend im Sinken. Es ist unglaublich, wesche Menge von Grundstuͤcken tagtaͤglich in den oͤffentlichen Anzeigen ausgebo⸗ ten werden. Niemand kauft; Keiner, wie es scheint, leihet auf Grundstuͤcke. Die Capitalien muͤssen daher anderswo ein ergiebigeres Unterkommen finden, denn an Gelde fehlt es in Fraukreich, besonders in Paris, nicht. In den De⸗ batten der Deputirten⸗Kammer herrscht ein welt besserer Ton als in den fruͤheren Sitzungen, wo die Berathungen biswei⸗ len gar zu dramatisch waren; besonders contrastirt die Ar⸗ tigkeit des Minssters des Innern auf eine fuͤr ihn sehr ein⸗ nehmende Weise mit der Sprache, welche dessen Vor⸗ gaͤnger in der Kammer zu fuͤhren pflegte. Die Sitzung vom 2ten, worin die Herren von Martignac und B. Constant

Lletzterer ganz unvorbereitet) sich einander an Witz und Geist

überboten, hat ganz Paris bezaubert. Hr. Labbey de Krhe. sitzt in der Versammlung wie ein schwer gelade⸗ senes und nnausgesetzt auf Hen. von Villsle gerichtetes Ge⸗ schuͤtz. Wann dasselbe losbrennen „herde, weiß man zwar nicht, aber daß jener Deputirte mit seinnswelnklage noch her⸗ vortreten werde, läßt sich, bei der eisernen Hartnaͤckigkeit des kraͤftigen 77 jaͤhrigen Mannes, kaum bFezwelfeln. 8

Wenn gleich fast von allen Seiten sich die Stimme ge⸗ gen die Jesuiten erhebt, so soll dennoch diese Gesellschaft mit ihren Congregationen Fortschritte machen. Man erwartet von einem Tage zum andern, daß, um die Gemuͤther eini⸗ germaaßen zu beschwichtigen, in dem Moniteur eine Königl. Verordnung in Betreff der kleinen geistlichen Schulen erschei⸗ nen werde. Merkwuͤrdig bleibt immer die Art, wie sich die Jesuiten in den letztern Jahren emporgeschlichen haben. Zuerst wurde ihr Dasein auf das hartnäckigste gelaͤugnet, es war ein bloßes Hirngespinnst, Luͤge der Uebelgesinnten; der Bischof v. Hermopolis wußte nur von fuͤnf unbedeutenden Seminarlen, denen Jesuiten vorständen; was er zu Gunsten dieser Letztern vorbrachte, klang kleinlaut und schuͤchtern: jetzt aber gesteht der Bischof v. Beauve t nur deren Dasein ein, sondern haͤlt sogar eine lan rede auf ihre Rechtschaffenheit und Uneigennuüͤtzigkeit. Der Director des Museums, Hr. v. Forbin, welcher in Folge anonymer Droh⸗ briefe in eine Gemuͤthskrankheit versunken war, faͤngt an, sich von seinem Schrecken allmaͤhlig zu erholen. Er sieht jetzt ein, daß die Gefahr nicht so groß war, als selne Furcht. Doctor Gall ist vom Schlage getroffen worden; man hofft indessen vollkommene Wiederherstellung.

Als Hauptursache des von dem vorigen Ministerium mit großer Hast begonnenen Krieges mit Algier wird bekannt⸗ lich ein Backenstreich angefuͤhrt, den der Dey von Algier dem Franzoͤsischen Consul mit seinem Faͤcher entweder wirklich versetzt oder zu versetzen gesucht hat. Der Dey laͤugnet weder Absicht noch That; er betheuert aber, die Ohrfeige habe nicht dem gedachten Consul als Franzoͤsischen Agenten, sondern als paͤpstlichen Geschaͤftsfuͤhrer gegolten. Seine Heillgkelt hat⸗ ten sich naͤmlich geweigert, den herkoͤmmlichen Tribut des Kirchenstaates an die Barbaresken zu zahlen. Darauf wur⸗ den paͤpstliche Schiffe gekapert; der Französische Consul reclamirte die Prisen und zwar, wie den Dey duͤnkte, mit zu viel Waͤrme und Nachdruck, und so soll diesem die Gele⸗