1828 / 156 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

den sei, worin Letzterer sich verpflichtet habe, die Citadellen von Alessandria und Bramant den Oesterreichern einzuraͤu⸗ men. Wir sind ermaͤchtigt, diese Nachricht, die durchaus falsch und ohne den mindesten Grund ist, auf das vollstaͤn⸗ digste zu widerlegen.“

Ueber das von den liberalen Blaͤttern verbreitete und mit jener Nachricht in Verbindung gebrachte Geruͤcht (siehe das gestrige Blatt dieser Zeitung), daß dagegen auch die Gar⸗ nison von Grenoble bedeutend werde verstaͤrkt werden, sagt der Messager des Chambres: „Die Besatzung dieser Festung besteht in der Regel aus zwei Regimentern. Seitdem aber das 62ste Linien⸗Regiment eine andere Bestimmung erhalten hatte, betrug dieselbe nur noch die Haͤlfte. Dieses Regiment ist nunmehr durch das aus Spanien zuruͤckgekehrte Schwei⸗ er⸗Regiment Bleuler ersetzt worden. Diese Thatsache reicht din, um die Vermuthungen, die man in mehreren Zeitungen

uͤber jene hoͤchst unwichtigen und uͤbrigens schon vor mehre⸗

ren Wochen bewerkstelligten Truppen⸗Bewegungen aufgestellt hatte, auf ihren richtigen Werth zuruͤckzufuͤhren.“”“ 1 Der hiesige Portugiesische Geschäftstraͤger Ritter von Barbosa ist dem Beispiele des Portugiesischen Gesandten in London Marquis von Palmella gefolgt, und hat unterm 5ten d. M. dem Grafen v. la Ferronays die nachstehende Note uͤbergeben: „Der unterzeichnete Geschaͤftstraͤger Sr. Allergetreusten Majestaät sieht sich genoͤthigt Sr. Excellenz dem Grafen v. la Ferronays, Minister⸗Staats⸗Secretalr fuͤr die auswärtigen Angelegenheiten Sr. Allerchristlichsten Maj, folgende Erklaͤrung zu machen. Nach den notorischen That⸗ achen, die in neuerer Zeit in Lissabon gegen die Autoritaät Sr. Maj. des Koͤnigs Dom Pedro IV., seine rechtmäaͤßigen Nachfolger, und die von diesem Monarchen der Portugiesi⸗ schen Nation verwilligte Verfassungs⸗Urkunde statt gefunden haben, sieht der Unterzeichnete sich gezwungen, alle seine Ver⸗ bindungen mit der Regierung, die gegenwärtig in Portugal herrscht, aufzugeben. Er sieht indessen dadurch die Voll⸗ machten, die ihm von der gesetzlichen Behoͤrde ertheilt wor⸗ den sind, nicht fuͤr erloschen an; vielmehr betrachtet er sich

ferner als den Geschaͤftstraͤger Sr. Allergetreusten Majestät

und wird in dieser Eigenschaft so lange in seinen Functio⸗ nen fortfahren, als dieser Souverain oder seine rechtmäßi⸗ gen Repraͤsentanten in dieser Beziehung nicht andere Maaß⸗ regeln treffen werden. Der Unterzeichnete hält sich um so mehr verpflichtet, diesen 1o auf die in der Diplomatie fuͤr ahnliche Fälle allgemein an⸗ genommenen Prinzipien gegruͤndet ist, und als er durch ein solches Verfahren nicht aufhoͤrt, uͤber die Interessen der, ihrem rechtmaͤßigen Koͤnige tren⸗ gebliebenen Portuglesen zu wachen. Indem der Unterzeichnete diese Erkläͤrung abgiebt, wagt er zu hoffen, daß die Regierung Sr. Allerchristlichsten Majestaͤt die Gesinnungen zu wuͤrdigen geruhen werde, die ihn bewogen haben, solchergestalt einen unzweideutigen Be⸗ weis seiner Loyalität gegen seinen Monarchen und seiner Anhaͤnglichkeit an die von der Autorität Sr. Allergetreusten Majestaͤt ausgegangene Verfassung zu geben. Der Unter⸗ zeichtiete hat die Ehre ꝛc. ꝛc. (gez.) Der Ritter von Barbosa.“

Der Courrier francais behauptet, daß die Buchstaben J. . §. in dem Sinne der jesultischen Parthei nicht Jesus hominum Salvator, sondern Jesus humilis societas heiße, und daß sonach die obige Vemerkung des Hrn. Dupin nicht voͤllig ohne Grund sei.

Die Gazette, de France behauptet in einem Aufsatze, der von dem Britischen Ministerium handelt, daß die Torys blos deshalb in England den Sieg davon trügen, weil in Frankreich die Revolution wieder erwachte; den alten Eng⸗ lischen Patrioten sei der Schatten des großen Pitt erschie⸗ nen, und sie waren sonach auf ihr Heil bedacht gewesen.

Niederlande.

Brüssel, 10. Juni. Die jährliche Feier des 18. Juni 1814 wird auch in diesem Jahre durch Gottesdienst und feierliches Te Deum in den Hauptkirchen der Städte vollzo⸗ gen werden. Die bürgerlichen und geistlichen Behoͤrden sind bereits zur Theilnahme an der Feier eingeladen.

Wie es heißt, soll bei dem Finanz⸗Ministerium im Haag eine Commission Behufs der Revision unseres Abgabenwesens gebildet werden.

Ein seltsamer Diebstahl wurde in der Racht vom 29sten

zum 30. Mai in der Gemeinde Junglinster (Luxemburg) be⸗ . gangen. Es war nemlich gewissen Dieben nicht zu beschwer⸗ llsich, eine Glocke vom Thurme herunterzuholen und mit sich 1u nehmen. * Die öoͤkonomische Gesellschaft zu Haarlem beging den 3ten d. M. mit vieler Feierlichkeit und unter großem Zu⸗

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Weg einzuschlagen, als derseibe

p.“

sammenflusse der Bewohner benachbarter Staͤdte ihr 50 jäh⸗, riges Jubilaͤum. . 222 2

Von Amsterdam meldet man, daß die Geschaͤfte in Ge⸗-⸗ treide daselbst bedeutend gehen. 8188

Das Koͤnigl. Dampfboot la Fuͤrie hat am Sonnabende die Fahrt von Ostende nach Margate (Englische Kuͤste) mit dem Felleisen in 6 ½. Stunden gemacht.

Schweden und Norwegen.

Stokholm, 6. Juni. Se. Maj. der Köͤnig werden dem Vernehmen nach, Christiania vor dem 20sten d. verlas⸗ sen und vielleicht auf der Ruͤckkehr noch eine Reise nach Scho⸗ nen unternehmen. 5

Die Brigg Twä Broͤdre, welche Mitte dieses Monats nach dem Mittellaͤndischen Meere abgeht, um unsre dortige Escadre mit Lebensmitteln zu versehen, wird auf ihrer Ruͤck⸗ reise verschiedene, für Se. Maj. den Koͤnig⸗ Se. Koͤnigl. Hoheit den Kronprinzen, und die Universität Upsala vom Professor Bystroͤm verfertigte Marmorarbeiten aus Italien mitbringen. Unter diesen befindet sich auch eine Buͤste von Limaeus.

Christiania, 2. Jun.“ Die am 28sten v. M durch den Staatsrath Krogh übergebene K. Proposition uͤber die Wehrpflicht und das Sessions⸗Wesen enthaͤlt 143 Paragra⸗ phen. Es heißt darin: „Se. Maj. haben nicht uͤbersehen, daß ein, das allgemeine Vertheidigungs⸗Wesen des Koͤnig⸗ reiches betreffendes Gesetz, welches Bestimmungen von der höͤchsten Wichtigkeit fuͤr jeden Staats⸗Buͤrger enthalten und in alle buͤrgerlichen Verhaͤltnisse eingreifen muß, nothwendig eine ziemlich lange Zeit, um gruͤndlich behandelt zu werden, fordert. Sollte es sich also zutragen, daß die Behandlung aller uͤbrigen K. Propositionen beendigt waͤre und das Stor⸗ thing bloß um dieser Willen noch laänger beisammen bleiben muͤßte, so waͤren Se. Maj. in Betracht der gegenwärtigen Festigkeit unserer politischen Verbindungen und daß es schon ein, wiewohl unvollstaͤndiges Gesetz uͤber diesen Gegenstand giebt, der Meinung, daß, wenn nur Ihre Principien hierin bekannt geworden, kein wesentlicher Schade fuͤr das Koͤnig⸗ reich entstehen koͤnnte, wenn diese Sache bis zum nächsten Storthinge ausgesetzt wuͤrde. Es wuͤrde das auch die nülz⸗ liche Folge haben, welche die K. Sorge fuͤr das allgemeine Wohl nicht aus den Augen verlieren konnte, daß dieser Ent⸗ wuͤrf zur öffentlichen Kenntniß und Erwaäͤgung, welcher Ver⸗ besserungen derselbe faͤhig sein koͤnnte, kommen wüñrde. Die Repraͤsentanten der Nation wuͤrden Naͤheres uͤber die oͤffent⸗ liche Meinung veruehmen koͤnnen, um im Vereine mit Sr. Maj. beurtheilen zu koͤnnen, was am dienlichsten fuͤr das Wohl des Landes ist.“

Man sprach hier dieser Tage von einer zu erwartenden sehr schleunigen Aufhebung des Storthings.

Vom 4. Juni. Gestern wurde der A Bericht über Abhelfung des Geldmangels zum Ersten im Stor⸗ thinge verlesen. Der Ausschuß raͤth zu einer Auleihe im Auslande ven 300,000 Silber⸗Species auf 30 Jahre zu 4 pCt. Zinsen, auf Hypothek der Zoll⸗Einkuͤnfte. Der im Verfammlungs⸗Zimmer des Storthings niedergelegte Han⸗ dels Tractat zwischen den vereinigten Koͤnigreichen und den vereinigten Staaten, welcher ohne begleltendes Schreiben mit dem Siegel des Staats⸗Secretariats eingesandt worden war, gab zu verschiedenen Bemerkungen Anlaß.

Im Odelstinge wurde der Entwurf des Ausschusses zu

einem Wahl⸗Gesetze zum Zweitenmale verlesen. Desterreicch. 8

Am 5. Jun. wurden zu Innsbruck die diesjährigen Ver⸗ handlungen des staͤdtischen Ausschuß⸗Congresses, welche seit dem 14gten v. M. ununterbrochen gedauert hatten, geschlossen.

Schweiz.

Bern, 3. Jun. Das Bernersche Reformationsfest ist mit Wuͤrde und allgemeiner Theilnahme begangen worden. Das Vorbereitungs⸗Gebet den 31. Mai um 3 Uhr von Hrn. Friher Baggesen wurde mit Choral⸗Gesaͤngen aus Händels Messias eroͤffnet und besprochen. Auch der Vorabend machte tiefen Eindruck, da beim Einbruch der Nacht 30 Blas⸗In⸗ strumente und Posaunen, auf dem Muͤnsterthurm Psalmen und Festlieder splelten, die bis auf eine Stunde von der Stadt gehöͤrt wurden; die Beleuchtung des Thurmes bot einen herrlichen Anblick an. Das feierliche Gelaͤute aller Glocken in allen Kirchen zu Stadt und Land weckte alles Volk zu festlicher Freude. Schaaren stroͤmten von allen Seiten der Stadt dem großen Muͤnster zu, wo um 6 Uhr der Pfarrer Stierling uͤber Offenbarung 1. 183 um 9 Uhr der Ober⸗Decan Studer uͤber Sprichwoͤrter 23. 23, und um 3 Uhr der Helfer Koöͤnig uͤber 1. Cor. 15. 57, 58 pre⸗

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