1828 / 162 p. 7 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Die Organisation im Innern ge

beschaͤftigt, doch mit vieler Ordnung und⸗ Ruhe. Der Kapudan⸗ Pascha liegt bereits mit 15 Kriegsschiffen an dem noͤrtlichen Eingang des Bosporus. Hussein⸗Pascha und Halib⸗Pascha sind in Begleitung von 15 Generalen nach Adrianopel abgereist. Ersterem ist es vor seiner Abreise gelungen, den Sultan zu vermögen, daß er der Verfolgung der Armenier Einhalt that, indem dies alle Maͤchte der Christenheit der Pforte ent⸗ fremden muͤsse. Der Sultan gab seinen Bitten nach, und die Verfolgung hat ein Ende. Ein zweiter noch wichtigerer Schritt zur Annäherung, wenigstens mit England und Frank⸗ reich, ist seitdem geschehen, indem die Annahme der Conven⸗ tion vom 6. Jull, so zu sagen, beschlossen ist. Die Aeuße⸗ rungen der Tuͤrkischen Staatsmaͤnner lassen daran nicht mehr ifeln. If Feear., gszasptl⸗ 31. Mai. (Durch außerordentliche Gelegenheit.) Die Pforte hat so eben erklart, daß sie die Anwesenheit der Franzoͤsischen und Englischen Botschafter wuͤnsche, um auf dem Grunde der Convention vom 6. Juli uͤber die Griechische Angelegenheit zu unterhandeln. er Reis⸗Efendi hat die Einladungs⸗Schreiben an diese Bot⸗ schafter dem Niederländischen Gesandten zugesendet. Uebri⸗ gens herrscht die groͤßte Ruhe, und man erwartet stuͤndlich die Bekanntmachung einer Antwort der Pforte auf das Rus⸗ sische Kriegs⸗Manifest; der Entwurf hiezu liegt bereits beim Mufti. Dasselbe Blatt enthaäͤlt ferner Nachstehendes aus Aegina vom 29. April: Unser Präͤsident, Graf Capodistrias, befindet sich seit dem 19ten d. M. wieder in Nauplia. Als er dahin abging, folgten ihm bloß die beiden Russischen Kriegsschiffe, die Fregatte Helene und die Brigg Reval. Der Warspite und die Juno blieben hier, da der Praͤsident ihnen die Wahl frei stellte und ihn zu erwarten rieth. Erst gestern segelte der Warspite von hier nach Nauplia ab; diesmal nur um die Isis dahin zu begleiten, und Sir Thomas Staines, den Nachfolger Hamilton’s auf der Station der Levante, bei dem Praͤsidenten einzufuͤhren. in dem Tone und der Stimmung dieses Letztern ist seit 2 Wochen eine bedeutende Aenderung eingetreten, die ihren Grund nur in der vorgeschrirtenen Entwickelung der Stellung Rußlands gegen die Pforte haben kann. Jetzt sind alle Kraͤfte des Grafen Capodistrias nur auf zwei Ziele gerichtet: Ausdehnung der Graͤnze im Norden und Or⸗ ganisation des Landes. Von Vertraͤgniß mit den Tuͤrken ist gar nicht mehr die Rede. Man weiß kaum und kuͤmmert sich auch nicht darum, ob die Griechischen Bischöͤfe zu Arta ange⸗ kommen sind oder nicht. Man hat das volle Bewußtsein, das die Tuͤrken nicht im Stande sind waͤhrend dieses Feldzugs angriffsweise vorzugehen, und egt die feste Zuversicht, daß sie nicht einmal die Kraft haben, einem ernsthaften Angriffe zu widerstehen. Deshalb fuͤhrt man den Krieg auf die Weise, welche wenig Laͤrm macht, und im gegebenen Falle gewiß die eckmäßigste ist; man wirkt naͤmlich auf die Communicationen. eshalb blokirt Sachturis die Aegyptier, steht Church in West⸗ und Ppsilanti in Ost⸗Griechenland, belde unthaͤtig, aber so unfaͤhige Leute sie auch sein doch nicht unwirksam. e t langsam; aber sie geht doch

vorwärts. Nun, da die Rumelioten aus Morea fort sind (die letzten sind aus Korinth ausgezogen), arbeitet Graf Capo⸗ distrias daran, sich dort Einkuͤnfte zu schaffen, indem er soge⸗ nanntes National⸗Eigenthum verpachtet, und nach Beschaffen⸗ heit auch verkauft. Die Inseln versprechen das Doppelte des verflossenen Jahres. Die National, Bank hat an 80, 00 Colon⸗ nati zusammengebracht, hier zu Lande eine betraͤchtliche Summe. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich der Praͤsident mit den ihm jetzt zu Gebote stehenden Geldmitteln, selbst ohne die von den Alürren angesprochene Geldhüͤlfe bis Ende des Jah⸗ res behelfen kann, und dann werden sich die Elemente, durch Gewohnheit, Handel und Beispiel einigermaaßen geordnet und befestiget haben. Die Aegyptische Armee in Morea ist fortwährend zwischen den beiden Hauptpläͤtzen (Navarin und Modon) conzentrirt; der Wunsch nach Hause zu gehen beseelt Jedermann vom Tamhour bis zum Pascha; aber die⸗ ser wird nicht gehen, ohne ausdruͤcklichen Befehl dazu von der Pforte oder von seinem Vater, und kann von seinen Magazinen und von den Zufuhren, auf welche er auch trotz der Blokade rechnen darf, etwa bis Julius leben. Absicht⸗ lich, um den Alllrten keinen Stoff zu neuen Klagen zu ge⸗ ben, und sich die Ressourcen des Landes ungeschmaͤlert zu sichern, sind alle Incursionen nach dem Innern unterlassen, und duͤrften es dleiben bis die Erndtezeit gekommen ist. Wenn die Magazine leer sein werden, wird sich Ibrahim wahrscheinlich in das Innere des Landes werfen, dort noch ein Paar Monate leben, und wenn bis dahin nicht anders uͤber ihn entschieden ist, üͤber den Isthmus gehen. Die Alli⸗

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irten scheinen Alles aufbieten zu wollen, um Ibrahim zur Raͤu⸗ mung von Morea zu zwingen. Mehrere ihrer Schiffe hal⸗ ten vereint mit den Griechischen die Haͤfen Messentens blo⸗ kirt, der Trident hat vor wenigen Tagen die Blokade ver⸗ staͤrkt und Admiral de Rigny soll diesem Linienschiffe die Wei⸗ sung ertheilt haben, die durch den Ungehorsam der Garnisonvon Koron sich darbietende Gelegenheit, den Platz den Griechen in die Haͤnde zu spielen, nach Moͤglichkeit zu benutzen. Die Türken in Rumelten thun so viel als gar nichts und koͤn⸗ nen wohl nicht Vieles thun. Sie halten sich in Missolunghi und Athen und werden sich darin halten, so lange sie Le⸗ bensmittel haben, was nicht bis uͤber diesen Herbst hinaus reichen duͤrsfte. Sie sammlu sich in diesem Augenblick in den Engpaͤssen von Attika. Die Türkische Flotille bedroht, sagt man hier, Samos. Admiral de Rigny kam deshalb hierher, und nach einer Zusammenkunft mit Sir W. Par⸗ ker, Conte Viaro Capodistrias und Fabvier, am 25sten fruͤh soll er an den Grafen Capodistrias nach Nauplia geschrie⸗ ben haben: er setze Samos nicht in die Kathegorie von Scio, indem jene Insel seit Anfang der Insurrection jedem An⸗ griffe der Tuͤrken widerstanden habe, und kein Tüͤrke sich auf ihrem Boden befinde. Samos besitze demnach das Recht, an den Vortheilen des Londoner Vertrages und der Conven⸗ tion vom 14. September Theil zu nehmen. Er werde sich jetzt dahin begeben, und die Tuͤrken, wenn diese einen An⸗ griff beabsichtigen solletn, zuruͤckweisen. Er habe sich auch mit Commodore Parker daruͤber einverstanden, daß der War⸗ spite und die Juno im Falle er es fuͤr noͤthig halte, ihm nach Samos folgen. Was ubrigens die Entschluͤsse der Sa⸗ mioten, in welcher Beziehung es sei, angehe, so werde er darauf durchaus keinen Einfluß uͤben. nicht in der Absicht des Grafen Capodistrias zu liegen, Sa⸗ mos bei einer kuͤnftigen Constitulrung Griechenlands zu die⸗ sem Staate zu schlagen; nichts desto weniger aber diese Insel vor der Hand dem Besitz der Griechen nicht ent⸗ gehen lassen, um sie dereinst als ein Object des Austausches gegen irgend ein anderes fuͤr Griechenland gelegenes Gebiet gebrauchen zu koͤnnen.

Die Griechische Biene giebt folgenden Auszug aus der Naturalisations⸗Acte des Herrn Viaro Capodistrias:

Wir Primaten der Insel Hydra, von dem patriotischen Eifer, den Tugenden und den gruͤndlichen Kenntnissen des Herrn Viaro Capodistrias, so wie von den Vortheilen, welcht die demselben zu ertheilenden Praͤrogative den Angelegenheiten Griechenlands, und besonders der so wuͤnschenswerthen mo⸗ ralischen Reform den Hellenen bringen werden, uͤberzeugt, wuͤnschen uns so eng als moͤglich mit diesem gelehrten und tugendhaften Manne zu verbinden, um unserer Insel recht bald alle Vortheile der Civilisation genießen zu lassen, und haben deshalb einstimmig beschlossen, dem Herrn Viaro Ca⸗ podistrias das Hydrlotische Buͤrgerrecht zu ertheilen ꝛc.

Hydra, den 10. April 1828.

Folgendes ist (nach dem vorgenannten Blatte) die von v. Capodistrias den Primaten der Insel Hydra ertheilte

utwort:

Meine Herren! Sie duͤrfen sich uͤberzeugt halten, da die Akte vom 10ten d. M., durch velche Sne mich 1 8* rem Mitbuͤrger erklaͤren, mich eben so ehrt, als ich beim Empfang und bei Lesung derselben von Dankbarkeit durch⸗ drungen war. Ja, gewiß! Hydra hat Maͤnner hervorge⸗ bracht, die mit maͤchtigem Arm die Nation gegen die Bar⸗ baren beschüͤtzt haben Dies macht Ihre Ertheilung des Hydriotischen Buͤrgerrechts um so ehrenvoller fuͤr mich. Es betruͤbt mich uͤbrigens von Herzen, daß sie durch diese Akte nicht so viel erlangen, als ich selbst; denn die Erwartungen, die Sie in Bezug auf mich aussprechen, sind nur Wirkung Ihrer persoͤnlichen Gesinnungen gegen mich. Die morali⸗ sche Reform, welche Sie fuͤr noͤthig erachten und welche Sie wuͤnschen, ist allein das Werk der Griechen selbst, und sie sind es auch, welche die Fruͤchte davon erndten werden. Ich bin von einem freudigen Gefuͤhl durchdrungen, und ich denke, ich taͤusche mich nicht, wenn ich glaube, daß der Eifer, den Sie an den Tag legen, von der ganzen Nation getheilt wird. Wollte der Himmel, daß meine persoͤnlichen Fähig⸗ keiten in dem Maaße groß waͤren, als meine Bereitwillig⸗ keit, Ihre gute Meinung durch nuͤtzliche Handlungen zu rechtfertigen. In diesem Falle duͤrften Sie gewiß darauf

rechmen, daß ich solche alle in Bewegung setzen wuͤrde, um

Ihnen zu beweisen, wie sehr mir das Gluͤck der Herzen liegt, und wie dankbar ich die wohlwollenden Gesin⸗ nungen meiner neuen Mithuͤrger zu schaͤtzen weiß. Leider bin ich nicht so gluͤcklich; wie dem aber auch sei, so werde ich

Zeit meines Lebens sein 1 hr Mitbuͤrger

Nation am

Es scheint uͤbrigens

2 * Capodistriac.

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