1828 / 165 p. 7 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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baut darauf alle ihre Hoffaungen. Der Niederlaͤndische Ge⸗ sandte hat es indessen fuͤr seine Pflicht gehalten, die ihm anvertrauten Briefe nach Korfu zu senden, er soll aber auch zugleich die Pforte zu überzeugen gesucht haben, daß von dieser Communication schwerlich ein Resultat zu erwarten stehe, und daß die Pforte hiebei in großem Irr⸗ thume schwebe, wenn sie auf eine zu Smyrna zwischen dem Admiral Rigny und dem dortigen Gouverneur Hassan⸗Pa⸗ scha statt gefundene Unterredung ein großes Gewicht lege, und glaube, die Anwesenhelt der Botschafter zu Korsu be⸗ weise, daß die Cabinerte von London und Paris eine An⸗ näherung aufs lebhafteste wuͤnschten, und daß sie jede Ge⸗ legenheit, sie zu bewerkstelligen, ergreifen wuͤrden. Eine An⸗ naͤherung von Seiten der Maͤchte, soll der Niederlaͤndische Gesandte hinzugefuͤgt haben, koͤnne nur durch Anerkennung des Tractats vom 6. Juli erreicht werden, was auch Admiral Rigny gemeint habe, aber dabel von der Pforte mißverstanden wor⸗ den sei. Man ist hier sehr auf den Erfolg dieses Schrittes der Pfor⸗ te gespannt, und sieht mit Neugierde der Antwort der Botschaf⸗ ter entgegen. Die meisten Diplomaten sind indessen uͤber die Unzulänglichkeit gedachten Schrittes einverstanden, und sehen darin nichts als eine Erneuerung der vielfach muͤndlich Aeußerungen des Reis⸗ Effendi, die niemals ein esultat nach sich zogen. Die Kriegsruͤstungen zu Wasser und zu Lande werden fortgesetzt. Hussein⸗Pascha ist in der Richtung nach Schumla, Halll⸗Pascha nach Silistria aufge⸗ brochen. Im Publikum behauptet man, daß beide mit In⸗ structionen von dem Großsultan versehen seien, um unter gewissen Umstaͤnden mit den Russen zu unterhandeln. Uns daͤucht dieses nicht wahrscheinlich. Der Kapudan⸗Pascha ist nach der Bal von Bujukdere mit 3 Lnienschiffen und 7 Fre⸗ gatten Flagür Tahir⸗Pascha wurde mit einigen Brandern und 3 Brisgs nach den Dardanellen geschickt, um den Grie,⸗ chischen Admiral Miaulis, der in diesen Gewaͤssern kreuzt, und im Angesichte der Schloͤsser mehrere reich befrachtete Tuͤrkische Fahrzeuge weggenommen hat, zu vertreiben. Folgendes ist das, in vorstehendem Briefe erwaͤhnte Schrei⸗ ben Sr. Excellenz des Reis⸗Effendi an den Herrn Grafen v. Guilleminot, Botschafter Frankreichs, und an den Herrn Stratford⸗Canning, Botschafter Großbritanlens bei der hohen Pforte: „Konstantinopel, 28. Mal 1828. Da dle Befesti⸗ gung der Bande der Freundschaft und des guten Einverstaͤnd⸗ nisses, die seit so langer Zeit die Pforte mit den Hoͤfen von Frankreich und England verbinden, der Gegenstand bestäͤndi⸗ ger Bestrebungen dieser Reiche ist, so war die Abreise der Gesandtschaften von Konstantinopel weder zulaäͤssig noch pas⸗ send, und wenn diese Ahreise nach den Willen des Geschicks von Seiten unserer Freundschaft besonderes Bedauern erweckte, so hat uns die Verlaͤngerung dieser Entfernung nicht gerin⸗ eres Leid verursacht. Inzwischen beweistt die Lage der ng. offenbar, daß in Erwiderung der guten Gesinnungen und der guͤnstigen Absichten, von denen die hohe Pforte zu seder Zeit beseelt war, der Franzoͤsische und Englische Hof ihrerseits immer aufrichtig die Beibehaltung der gluͤcklichsten Eintracht gewuͤnscht haben. Die Nachricht von der Ruͤck⸗ kehr der Botschafter nach Korfu galt als ein sicherer Beweis und als ein wahres 19. der Freundschaft, und wir wa⸗ ren daruͤber höͤchst erfreut. Dieses Ereigniß fordert, daß wir den ersten Schritt thun, die Bahn der Unter handlungen, der guten Eintracht gemaͤß, zu eroͤffnen, und die Verhaͤltnisse des Klcklichen Einverständnisses wieder anzuknuͤpfen, nachdem Les sowohl fruͤher als spaͤter erlassenen Erklaͤrungen bewie⸗ sen haben, daß der erste und letzte Wunsch Frankreichs und Englands, und ihr höchst loyaler Zweck nur darauf gerichtet ist, die Wuͤrde und Wo ffahrt ihrer alten Freundin, der ho⸗ hen Pforte aufrecht zu erhalten, und ihre Souverainttaͤt und Macht zu bewahren. Da guch das System und Betragen der hohen Pforte zu jeder Zeit auf Recht und Gerechtigkelt begründet war, und da es weltkundig ist, daß sie beständig heine treue Verbuündete gewesen, indem sie alle ihre Angele⸗ enheiten nach dem hellgen Gesetze geordnet, und niemals i Bezug auf ihre Freunde einen Eingriff in die Klauseln der Traktate und der Vorschriften einer aufrichtigen Freund⸗ schaft gebulder hat, so ward in der That diese Trennung als den freundschaftlichen Verhaͤltnissen der beiden Hoͤfe nicht ganz angemessen erachtet. Da gleichwohl dieser Zwi⸗ schenvorfall die zwischen ihnen herrschende alte und loyale Freundschaft nicht beeintraͤchtigen kann, und da uͤberdies das Vergnuͤgen ves Wiedersehens, das Freunde nach einer Trennung fühlen, zu jeder Zeit zur Wieder⸗Anknuͤpfung ihrer Anhaͤnglichkeit und Befestigung ihrer Verbindung beigetragen hat; da ferner der erste und letzte Wunsch und die reine Absicht der hohen Pforte dahin gehen, die

Bahn des Gute 8” ber Uübcsiirke zu verfolgen, und die nn“] TEA1I1I1“ 8 4 8 1. 3 2

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allgemeine Ruhe ihrer Unterthanen zu erhalten, lich die wohlwollenden und billigen Absichten der beiden Hoͤfe, die die alten und anhaͤnglichen Freunde der Ottomanischen Regierung sind, sich dasselbe Ziel gesetzt haben, so ist es in dem Falle, daß die Botschafter nach Konstantlnopel üruͤck⸗ kommen wuͤrden, um diejenigen Angelegenheiten durch freund⸗ schaftliche Unterredungen und aufrichtiges Einverstaͤndniß zu einem gluͤcklichen Ende zu bringen, die zwischen uns nach den reinen Absichten und den guͤnstigen Gesinnungen der ge⸗ genseitigen Reiche eroͤrtert worden sind, keinem Zweifel un⸗ terworfen, daß sie daselbst von Seite der hohen Pforte alle Arten von Ehrenbezeugungen und Ruͤcksichten empfangen wuͤrden. Dieser Darstellung zufolge erwarten wir mit der aufrichtigsten Ungeduld die Ruͤckkehr Ew. Exc. in die Haupt⸗ stadt. Wir schreiben dieses, um Ew. Exc. davon zu benach⸗ richtigen, und die besondere Hochachtung auszudruͤcken, die wir fuͤr Site hegen. Ihr Freund hofft, daß wenn Ew. Exc. nach dem Willen Gottes dieses Schreiben erhalten, und des⸗ sen Inhalt erwogen haben, Sie allen Ihren wohlwollenden Eifer darauf verwenden werden, das Gebaͤude des guten Einverstaͤndnisses, dem obigen Inhalte gemaͤß, zu befestigen.“

In einem andern Schreiben aus Konstantinopel vom 31. Mai (in der obengenannten Zeitung) heißt es: Der Reis⸗Effendi, dem gerathen wurde einen aͤhnlichen An⸗ trag *) auch an den Russischen Botschafter in Korfu zu rich⸗ ten, antwortete, die Pforte wuͤnsche allerdings mit allen Maͤchten, so wie fruͤher, in Eintracht und Frieden zu leben. Aus diesen, so wie aus manchen andern Umstaͤnden geht deutlich hervor, daß die Pforte auf alle Weise eine Aus⸗ gleichung mit den christlichen Maͤchten herbeizufuͤhren entschlos⸗ sen ist. Als ein merkwürdiger Beweis der toleranten Denkungsart des jetzigen Sultans mag folgender Vorfall dienen. Der Griechische Patriarch erhielt den Befehl, mit seiner Synode 40 Messen zu lesen, um Segen von dem Gott der Christen (die doch in den Augen der echten Mos⸗ lims Ghaurs sind) fuͤr die Ottomanischen Waffen zu erflehen. Man koͤnnte glauben, der Großherr habe damit sein Souve⸗ rainit aͤtsrecht uͤber die Griechen feierlich constatiren und erneuern wollen, allein da dem Armenischen Patriarchen ein aͤhnlicher Befehl zukam, so bteibt derselbe eine in den Otto⸗ manischen Annalen unerhoͤrte Neuerung. Das Manifest der Pforte zur Beantwortung des Russischen liegt in der Canzlei des Großwessiers, mit dem noͤthigen Fetwa versehen, zur Publication bereit. Man nennt den Reis⸗Effendi und elnen im Dienste der Pforte ergrauten Dragoman als die Verfasser.

Nach Inhalt eines vierten (gleichfalls von der Allgem. Zeitung mitgetheilten) Schreibens aus Konstantinopel vom 31. Mat, hat der Niederlaͤndische Minister van Zuilen die Ein⸗ ladungsbriefe des Reis⸗Effendi an die Botschafter von Eng⸗ land und Frankreich sogleich uͤber Smyrna nach Corfu, mit

nachdem end⸗

elnem von ihm selbst verfaßten confidentiellen Memorandum abgeschickt. Der Reis⸗Effendt hatte, ehe er diese Briefe er⸗ ließ, dem Hrn. van Zuilen vier Fragen, die Convention vom 6. Jul. und den Einbruch der Russen in das Türkische Ge⸗ biet betreffend, vorgelegt, durch welche er die Verhaͤltuisse Frankreichs und Englands zu Rußland, nach Ausbruch eines Krieges zwischen der Pforte und einer der, zu Gunsten Grie⸗ chenlands paciscirenden Partheien, genauer kennen lernen wollte. Der Gesandte erwiederte schriftlich, der Russische Krieg sei eine von der Paeisication ganz getrennte Angele⸗ genheit, an der England und Frankreich keinen Theil nähmenz; aber diese Maͤchte beharrten, im Einverstaändnisse mit Rußland, unabaͤnderlich auf Anerkennung der Convention vom 6. Jul.

als Basis aller Unterhandlungen. Nach diesen Erläuterun⸗

gen und mehreren Conferenzen mit den Dragomans mehree⸗ rer Europaͤischen Maͤchte, entschloß sich der Reis⸗Effendi zu jenen Einladungsschreiben. In der Hauptstadt hat sich 2 nichts veraͤndert. Der Hattischerif des Sultans zur allge⸗, meinen Bewaffnung, welcher in die Provinzen abging, ist sehr kurz, ein ausfuͤhrliches Manifest soll naͤchstens folgen. Nach einer hier cirkulirenden Uebersicht der Tüͤrkischen Streit, kräfte waͤre die Donau⸗Armee, mit Inbegriff der Besatzun,.

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gen der Donau⸗Festungen, 72,000 Mann stark. Als Halill Bei, vom Sultan reichlich beschenkt, auezcg, begleitete ihn ei der Trennung:

Se. Hoh. eine Strecke weit, und he. „Rechne auf mich. Im Nothfall folge ich Dir.“ der Hand ist beschlossen, daß der Sultan mit, ungefähr 25,000 Mann disciplinirter Truppen zur Deckung der Haupt⸗ stadt hier bleibt, was als ein Gluͤck fuͤr die Franken zu be⸗ trachten ist, da seine Anwesenheit viel zur Aufrechthaltung

der Sicherheit beitragen wird. Uebrigens werden die Kriegs⸗

Vor

*) Wie den an den Französischen und Englischen Gesandten.