1828 / 205 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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die Summe zu den von der Stadt vorzunehmenden Verschöͤne⸗ rungen (2,230,000 Fr.) nicht namhaft gemacht, sondern am Schlusse des Artikels nur gesagt werde, die Abtretung ge⸗ schehe unter der Bedingung, daß innerhalb fuͤnf Jahren dieseni⸗ gen Verschönerungen, worüber die Regierung und die Stadt naͤ⸗ her uͤbereinkommen wuͤrden, vorgenommen werden. Um 32½ Uhr trat die Versammlung in einen geheimen Ausschuß zusommen, um sich mit ihrem besonderen Budger zu beschaͤftigen. (S. unten.)

Paris, 28. Juli. Die bisherigen Mittheilungen uͤber die Expedition nach Morea werden heute durch nachstehenden Artikel des Moniteurs bestätigt: Die seit einigen Monaten angekuüͤndigte Expedition nach Morea ist nun definitiv abge⸗ ordnet worden. Der Koͤnig hat den Ober⸗Befehl derselben dem General Lieutenant Marquis Maison, Pair von Frank⸗ reich, anvettraut. Die General⸗Lieutenants Tiburce Seba⸗ stiankt, Baron Higonet und Schneider werden unter seinen Befehlen stehen. Der General Baron Durieu ist zum Chef und der Oberst Trezel zum Unter⸗Chef des Genecral⸗Staabes ernannt. Die Artillerie wird der Oberst Vicomte de la Hitte, das Genie⸗Cerps der Oberst⸗Lieutenant Audoy befehligen. Der Militair⸗Intendant Baron Volland ist mit der Leitung aller Verwaltungs⸗Angelegenheiten beauftragt. 4

Einem andern Blatte (der Quotidienne) zufolge, sollen alle zur Expedition bestimmte Truppen am 5. August in Tou⸗ lon versammelt seyn und am 15ten desselben Monats von dort aus unter Segel gehen. 8.

Der Hof hat von heute an auf 11 Tage die Trauer für den Herzog von Penthièvre angelegt.

Am Lasten d. M. empfing der Koͤnig in einer Privat⸗ Audienz den Baron von Mareuil, welcher Ihm von seiner Mission am Lissaboner Hofe Bericht erstattete. Se. Maj. geruheten, demselben uͤber die Art und Weise, wie er sich seines Auftrags entledigt, Ihre volle Zufriedenheit zu erken⸗ nen zu geben. .

In dem oben erwaͤhnten geheimen Ausschusse der De⸗ putirten⸗Kammer am Schlusse der vorgestrigen Sitzung fand, wie man vermimmt, ein sehr stuͤrmischer Auftritt statt. Der Graf von Saint⸗Aulaire hatte es naäͤmlich übernommen, die Bittschrift eines ehemaligen Beamten der Kammer, Namens Gleizal, vorzulegen und zu unterstuͤtzen. Dieser Gleizal hatte in Jahre 1814 eine Pension von 4000 Fr. untet der Be⸗ dingung erhalten, daß er die seit zwanzig Jahren von ihm bekleidete Stelle eines Secretair⸗Redacteurs des gesetzgeben⸗ den Körpers niederlege. Gleizal war Conpents⸗Mitglied ge⸗ wesen, und hatte in dem Prozesse Ludwigs XVI für Auf⸗ schub gestimmt; er bezog die odige Pension bis zum Jahre 1823, wo sie ihm von der Kammer gestrichen wurde. Herr von Saint⸗Aulaire verlangte nunmehr im Namen des Bitt⸗ stellers, daß die Pension demselben nachtraͤglich und auch noch ferner gezahlt werde. Herr Syrieys de Mayrinhac be⸗ stieg die Rednerd hue mit einem Bande des Moniteurs, woraus er Votum Gleizals bei dem Prozesse des Koͤnigs vorlesen wol e: Wäͤhrend Einige ihn dazu aufmunterten, riefen Andere, daß er die Verfassung verletze; namentlich stuͤrzte Hr. Dupergier de Hauraune zur Tribune, und erinnerte Hrn. Syrieys an den 11. Artikel der C d eeee rre, wonach keinem Franzosen irgend eine 8 Votum aus der Zeit vor der Wiederher⸗

28 narchie nachgetragen werden duͤrfe. Die dachte Stelle aus dem Moniteur wurde b * verlesen, aber Hr. Syrien würde hierauf zwar nicht

. yprieys widersetzte sich nichts desto weni⸗ 8 veszablung der Pension, indem er demertkte, . 5 ter di ¹ seiner Rede war aber die ganze Ve nmußten. Waͤhrend b ganze Versammlung in Bewe⸗ gung, so daß der Redner kaum sein eignes Wort konnte. Waͤhrend dieses Tumults bestieg Hr. H 8.Sbn ville, in seiner Eigenschaft als Deputirter, die Redn es. und erklärte, daß er im Jahre 1815 der Erste gew üübg der die Verbannung derjenigen Königsmoͤrder 88 . an den hundert Tagen Theil genommen, verlangt habe: am folgenden Tage habe sich indessen ein Mann ba ihm gemeldet und durch seine Vermittelung die Großmuth des Königs für sich in Anspruch genommen. Ta 2

t; jetzt mußte ich als Christ handeln. Ich legte die Vitte des Unglücklichen zu den Fuͤtzeen des Thrones nieder und er⸗ wirkte für denselben von dem Koͤnige eine Unterstuͤtzung, die 1 auch in seiner 2qb zu Theil wurde. Feine

rren, wenn wir zu der in Rede stehenden Pension ver⸗ ichtet sind, so muͤssen wir sie auch zahlen: die Kammer

muß eben so gerecht seyn, als der Koͤnig barmherzig war.“ Di efe

de schien einen Augenblick die Kammer

beruhigen, aber hald begann der Tumult auss Neue. 888,90,

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Bettes bedienen muͤssen.

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24 - 8 schriften Commission zuzustellen, und unter der größten Unx,. ordnung gelang es endlich dem Prasidenten, diesen Vorschag zur Abstimmung zu bringen, welcher schließlich angenommen wurde. n . 22

Herr von Superviel, Bischof des Missouri⸗Gebiets, ein 2. Franzose von Geburt, ist auf dem Schiffe „Carl und Vie⸗ tor’ von Havana in Hapre de Grace angekommen. Man glaubt, daß er nach uͤberstandener Auarantaine hieher kom, men und in der Kirche zu U. L. F. die Messe verrichten n werde.

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Großbritanien und Irland. London, 26. Juli. In die Stelle des Bischofs von London, welcher zum Erzbischof von Canterbury gewählt werden wird, tritt, dem Globe zufolge, der Bischof von Lincoln, und an die des letzteren der Bischof von Chester. b Die Irischen Blaͤtter vom Montage enthielten kein Wort uͤber den Aufruhr zu Ballinamore. Dies Gehein-⸗ niß, welches man uͤber jene Begebenheit deckte, machte wE,] selbe nur noch beunruhlgender. Einige protestantische Blaͤt⸗ ter hatten behauptet, es sey eine ganz neue Art von 1 gewehr erfunden worden, mit welchem man vorhabe, alle Protestanten in Irland auszurotten. Es ist jedoch derglei⸗ chen noch nicht entdeckt worden. Die katholische Abzab⸗ betrug in der letzteren Woche ungefahr 1130 Pfund. Eine Summe von 182 Pfund ist aus Philadelphia geschickt worden. * 2 Es wird allgemein bemerkt, daß das Herbeistroͤmen Iri⸗ 8 scher Arbeiter nach England in dieser Jahreszeit geringer ist 8 als gewoͤhnlich. Der Grund ist, weil die Armen in ihrem eignen Lande so wohlfeile und hinreichende Nahrungsmittel finden, daß sie nicht noͤthig haben, außerhalb dafuͤr zu 1“ beiten. Kartoffeln werden in den Staͤdten zu einem Pence fuͤr 14 Pfund Gewicht verkauft und in den entfernten Be⸗ b. zirken geden sie die Pächter denen, welche sich die Muͤhe 8 nehmen, sie aus den Gruben hervorzuholen umsonst. Jedes Lebensmittel ist um 20 bis 30 pCt. wohlfeilerals in England. u Dublin sind vor einigen Tagen in Gegenwart des Lord Lieutenants und zur Belustigung einer unzaͤhlbaren * Menge von Zuschauern mehrere glaͤnzende Schiffs⸗Wettren⸗ nen gehalten worden. 1 8 Der aus einem Ueberflusse an Bevölkerung entstehende Mangel an Beschaͤfigung zwingt Hunderte der armeren Schotten auf der westlichen Kuͤste, ihr Vaterland zu lassen und nach Nord⸗America zu gehn. Die Weise, auf welche sie ihre Reise ins Werk setzen, ist folgende: Eine Person, genannt der Emigranten⸗Agent, geht umher un ersucht die Leute, ein Paplier zu unrerzeichnen, wodurch sie sich verpflichten, in seinem Schiffe abzusegeln. Diejenigen welche nicht Geld genug haben, um die Kosten der Reise zu decken, geben dem Agenten Alles was sie besitzen, 8 auf diese Art werden Kuͤhe, Schafe, Pferde und andere bewegliche Sachen in Geld verwandelt. Sobald der Agent eine hinreichende Anzahl von Personen zusammen hat, miethet er ein Fahrzeug, welches ganz voll Menschen ge⸗ pfropft wird, so daß fuͤnf Erwachsene sich eines einzigen Der Preis fuͤr die Ueberfahrt nach Auehec, Picton oder Miramichi ist drei Guineen, die Nahrung nicht mitgerechnet, fuͤr alle Personen uͤber 14 Jahr. Zwei Kinder von 7 bis 14 Jahren und 3 unter 7 Jahren werden für eine Person gerechnet. Wenn jedoch das Schiff auch den Mundvorrath liefert, so werden 4 Guinee bezahlt. Von dem Elend und Ungluͤck, welches diese Auswanderungen veranlassen, von der Angst, welche die Trennung der Familien und das Zerreißen aller Bande alter Liebe und Freundschaft begleitet, ist es unmöglich eine Beschreibung zu liefern. Ein Jeder, welcher ein Emi⸗ granten⸗Schiff die Anker lichten gesehn, oder eine Hoch ländische Familie von ihren heimischen Fluren mit dem er habenen Gaelischen Liede: „Cha till mi tuille“ (wir kehre nimmer wieder) Abschied nehmen gehoöͤrt hat, muß aufrich rig bedauern, daß Umstaͤnde des Unglüͤcks und der Politik unsere armen Landsleute von den Kuͤsten vertreiben, an

welche sie eine so starke Liebe fesselt. EE16 Neine vor Kurzem gedruckte parlamentarische Schrift in 8 Betreff unserer Handels⸗Verhältnisse mit Ostindien, liefert

einen Beweis von der Zunahme und Wichtigkeit unseres Astatischen Handels. Nach derselben liefen in einem Jahre (bis zum 5. Januar 1824) von Ostindien in Großbritaniens Haͤfen 89 Schiffe mit einer Last von 49,378 Tonnen ein; es gingen dahin ab 102 Schiffe, enthaltend 50,016 Tonnen. In dem mit dem 5. Jan. 1828 zu Ende gegangenen Jahre kamen 140 Schiffe mit 61,270 Tonnen an, und gingen 176 Schiffe mit 73,890 Tonnen aus. Der in den 5 Jahren vor

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