1828 / 205 p. 8 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

wird ans den folgenden 5 Stuͤcken gebildet gebildet, nämlich aus Guatemala, Honduras, St. Salvador, Nicaragua und Costa Rica. Der wichtigste Staat ist Guatemala und zwar seiner großen Bevöoͤlkerung wegen, die hoͤchst wahrscheinlich den dritten Theil der Bevoͤlkerung aller Staaten zusammen⸗ genommen ausmacht, und sich durch Kenntnisse, Reichthum,

Handel und Ackerbau auszeichnet. Wichtig ist in den noͤrdlichen Gewaͤssern der Hafen Onoa, der fuͤr den Schluͤssel der diesseitigen

Besitzungen der Republik angesehen wird. Die Hauptstadt glei⸗ ches Namens zaͤhlt 35,000 Einwohner. Dem Range nach der Zweite ist St. Salvador am Stillen Meere belegen, mit der im Innern liegenden ebenso genannten Hauptstadt und seinem von 12,000 Menschen bewohnten vorzüglichsten Hafen Sonsonate. Reich an Zucker, Indigo, Reis, Baum⸗ wolle und mehreren anderen tropischen Erzeugnissen, bieten die Verbindungen seiner vorzüglichsten Städte mit benach⸗ barten guten Haͤfen ihm die beste Gelegenheit zum auswär⸗ tigen Handel am Stillen Meere dar, die Guatimala ent⸗ behrt. Leider aber liegt in Sela⸗ des Buürgerkrieges jetzt al⸗ les darnieder. Dann kommt Nicaragua von der Narur auf das Hoͤchste beguͤnstigt und zu jeder Art von Production ge⸗ eignet, aber leider auch durch den Factions⸗Geist in einem so elenden Zustand versetzt, daß es wenig oder nichts mehr an Indigo und Zucker hervorbringt und sogar sein Beduͤrf⸗ niß an Baumwolle von Außen bezieht. Politisch ist es mit San Salvador verbunden, dem es aber weder mit Geld noch mit Menschen beistehen kann, also nichts nuͤtzt. Seine Be⸗ wohner zeichnen sich durch Faulheit, Rohheit und alle moͤg⸗ liche Laster aus. Costa Rica liegt am suͤdlichsten und ist der kleinste aber nicht der uninteressanteste Staat. Gutartige Bewohner, ein herrliches Clima, der schöͤnste Boden den man sich denken kann, und sehr reiche Gold⸗ und Silber⸗ Minen (die aber nicht benutzt werden) gehoͤren zu seinen Haupt⸗Vorzügen. Jetzt beschränkt sich die ganze Thäͤtigkeit des Volkes auf Ackerbau. Politisch schließt es sich an Guatemala, verhält sich aber, mit seinem bescheidenen Loose zufrieden, ganz passiv. Honduras müßte seiner Ausdeh⸗ nung wegen vor Costa Rica angefuͤhrt werden, doch ist seine Bevölkerung nur geringe und sehr zerstreut. Seiner Neigung zur Foͤderation mußte es, gezwungen durch St. Salvadors Truppen, die jetzt seine Hauptstadt Comayagua in Besitz haben, entsagen. Bergwerke, Ackerbau und Hau⸗ del liegen gäͤnzlich darnieder und der ganze Staat ist im Sinken. Nach dieser kurzen Uebersicht existirt also eigentlich keine sogenannte Republik mehr, obgleich Guatemala sich immer den Anschein giebt, als ob es fuͤr sie kaͤmpfe; es fuͤhrt in diesem Augenblick nur Krieg mit St. Salvador, das Alles aufbietet um die Oberhand zu erringen. Ohne Unterstuͤtzung von den Staaten die sich zu ihm neigen, mit zerruͤtteten Fi⸗ nanzen, mit Mangel an Credit, und belastet mit dem Unter⸗ halt einer stehenden Armee von ungefähr 4000 Mann befin⸗ det es sich in einer sehr bedenklichen und entmuthigenden Lage. Die urspruͤngliche Veranlassung zu den gegenwaͤrtigen ungluͤcklichen Verhältnissen der sogenannten Republik duͤrfte wohl mit ziemlicher Zuverlässigkeit in dem Benehmen der Parthei von Guatemala während des Congresses der zur ns der Praͤsidentenwahl Statt gefunden, zu suchen seyn. ach der Constitution bestimmt die Stimmenmehrheit die constitutionelle Wahl des Praͤsidenten. Am letzten Wahltage empfing man ein Paket, dessen Eröffnung wäͤhrend des Stimmensammelns von der Guatelama⸗Parthei nicht zuge⸗ geben ward. Die andere Parthei behauptete damals und behauptet es noch, daß mehreren Personen der Guatemala⸗ Parthei der Inhalt des Pakets als ihren Wahlplänen ent⸗ gegen, bekannt gewesen wäre, und daß diese sich der Eroͤff⸗ nung desselben unter dem Vorwande widersetzt hätten, daß es nicht zur rechten Zeit eingereicht worden sey. Die hier⸗ auf vorgenommene Wahl siel ihren Wuͤnschen gemäß auf den General Arce. Die Deputirten von St. Salvador aber protestirten dagegen und erkloͤrten das ganze Verfahren fuüͤr inconstitutionell und fuͤr einen vöͤlligen Bruch von Treu und Glau Die Partheien geriethen heftig anetnander und

bald vergroͤßerte ein anderer Vorfall das Mißvergnuügen

dessen vielleicht eine Zeit wo sich Guate

der Deputirten von St. Salvador. Der General Arce ließ, ohne dafuͤr Gruͤnde anzugeben, den Gouverneur von Guatemala arretiren und 2 Monate im Gefängniß sitzen. Diese Willkuͤhr erregte die allgemeine Unzufriedenheit in so hohem Grade, daß sich der Congreß auflöͤste und der Präͤsi⸗ dent genoͤthigt war, einen zweiten zusammen zu berufen, den aber die alte Opposition, Hrn. Salvador an der Spitze, fuͤr unconstitutionel erklaͤrte; sie wollte der Versammlung nicht beiwohnen und machte Bedingungen, auf die die andere Parthei sich nicht einlassen wollte. General Arce war auf 4 Jahre gewählt worden; 3 Jahre hat er sein Amt beklei⸗ det, seit einigen Wochen aber sich von den Geschäften zurück⸗ gezogen, ohne jedoch vollkommen resignirt zu haben. Den Vorwurf, den man ihm vielleicht machen koͤnnte, ist seine zu große Anhaͤnglichkeit an gewisse große Familien in der Hauptstadt, die unter dem Einfluß der, allen liberalen Grund sätzen abholden Geistlichkeit stehen. Kurz die alte Aristokratie existirt noch immer, wenn auch unter anderem Namen. Von dem Vice⸗Praͤsidenten hat man eine sehr gute Meinung; er leitet jetzt die Geschaͤfte. General Arce sieht sich von seiner Parthei verlassen. Welche Huͤlfsquellen die gegenseitigen Partheien zu ihren Operationen benutzen können, ist oden angedeutet worden. 3000 Mann von Guatemala stehen bei der Hauptstadt St. Salvador, und die übrigen 1000 sind an verschiedenen Orten vertheilt. Diese Truppen sind gut; es fehlen ihnen aber geschickte Offiziere, da sich

mehrere Englische und andere Offiziere aus mancherlei Gruün⸗

den zuruͤckgezogen haben. Der ganze Krieg ist eigentlich

nichts mehr als ein fortwährendes Scharmutztren. n der

letzten Zeit scheint man indessen doch mit etwas mehr Energie

zu Werke gehen zu wollen; es werden unter andern starke

Geldbeitraͤge, und zwar mit Strenge eingetrieben. St. Sal⸗

vador haͤngt von seiner Miliz ab, und wenn es auch fuͤr den

Augenblick seiner Huͤlfsquellen nicht so gewiß ist, so moͤchte

es auf die Lange doch wohl mit Guatemala aushalten.

Es haben seit einigen Tagen mehrere Gefechte statt ge⸗ funden, worüber die Nachrichten aber sehr widersprechend lauten; Bedeutendes ist nicht vorgefallen. Vor einigen Ta⸗ gen ward in der gesetzgebenden Versammlung der Vorschlag gemacht, ob Guatemala sich von der Union lossagen solle oder nicht, fand aber allgemeine Opposition. A im⸗ mala inen wird von der Union ausgeschlossen sehen.

1* Konigliche Schausplele.

Montag, 4. August. Im Schauspielhause. Zum Er⸗ stenmale wiederholt: Der Wunderschrank, Original⸗Lustspiel in 4 Abtheilungen, von F. v. Holbein Zwischen dem ersten und zweiten Akte: Duett aus der Oper Jessonda, gesungen von Mad. Ganzel und Hrn. Bader; und zwischen dem zwei⸗ ten und dritten Akte: Arie gesungen von Mad. Ganzel.

Der Anfang dieser Vorstellung ist um 7 Uhr.

Konigsstädtsches Theater. Montag, 4. August. Der Lieferant und der Hund. Hierauf: Der Teufelsstein in Mödlingen, oder: Die Zau⸗ berrose. Komische Zauber⸗Oper in 3 Akten.

Auswortige Börsen.

Amsterdam, 29. Juli. Oesterr. 5pCt. Metalliq. 90 V ½. Bank-Acdien 12923 Loose 100 Fl. 183. Partial Obligat. 370 Ruzs. Engl. Anl. 85⁄. Anl. Hamb. Certf. 83 ¼.

bet Hamburg, 4 Aug. Oesterr. Sp Ct. Metalliqucs 93¼. ,8. Eaugl. Anl. Hamburg Certisic. 888. 8

Si. Peterszburg. 25. Juli. Hamburg. 3 Mon. 9 ½ 6. Süber- Rubel 371x2. 5p I. lasecrips

Wien, 29. Juli.

öproc. Merall. 93⁄.

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2 Gedrucht bei Hah

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