1828 / 212 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Muünchen, 2. August.

rung, eine neue Huldigung dargebracht habe. 98

Herr von Rayneval ist vor einigen Tagen hier einge⸗ troffen. Der Courrier⸗frangais will bestimmt wissen, daß derselde waͤhrend der Abwesenheit des Grafen von la Fer⸗ ronnays die interimistische Leitung des Ministeriums der aus⸗ wärtigen Angelegenheiten uͤbernehmen, und daß mittlerweile der Graf Portalis, in seiner Eigenschaft als verantwortlicher Minister, die ctwanigen Verordnungen contrasiguiren werde.

Der Messager des Chambres sagt in Hinsicht auf Por⸗ tugal: „Was wir voraussahen, ist eingetroffen; in Lissabon wird eine Reaction bewirkt, und die von Dom Miguel aus⸗ gesprochene Amnestie, zeigt sich als illusorisch. Derselbe hat den Desembargador do Paco, Kronrichter u. s. w. Victo⸗ rino Joseph Cerveira Bostelho do Stamaral beauftragt, die Portugiesen in Perto und andern Stadten, die sich gegen seine Autoritaͤt aufgelehnt, zu verfolgen; noch zwei andere Desembargadores sollen ihn dabei unterstützen. (S. den Artikel Portugal.) Dom Miguel der in der Zeit der Ge⸗ fahr die Worte Vergessen und Gnade stammelte, beschaͤftigt sich jetzt, da er von der constitutionnellen Armee befreit ist, nur mit blutigen Proseriptionen. Der Usurpator Portugals steht mehr als jemals unter dem Einstusse selner Mutter. Was haben nicht von dieser gehässigen und rachsuͤchtigen Frau alle diejenigen zu befürchten, die sich den Absichten der⸗ selden entgegen gezeigt haden!“

Dasselbe Blatt thellt aus Havre vom isten d. M. Fol⸗ gendes mit: Das Dampfschiff Mercury hat eine kurze Zeit auf unserer Rhede vor Anker gelegen, um einige Vorrathe einzukaufen. Es gehört dem Lord Cochrane und hat in Eng⸗ land kein Geschüͤtz an Bord nehmen duͤrfen, da der Traktat der Regierung nicht erlaube, die Ruͤstung von Schiffen zu gestatten, welche an dem Kampfe im Orient Theil nehmen koͤnnten. Diese Details kommen aus dem Munde des be⸗ kannten Edw. Blacquièere, der das Schiff commandirt, und die vierte Reise fuͤr die Sache der Hellenen unternimmt.

Dem Precurseur zufolge hat die Fregatte Iphigenia, die im Touloner Hafen in Quarantaine liegt, die Nachricht

mitgebracht, daß Idrahim nach den Aufforderungen der dret Mächte, die den 8 ff 9g re

Traktat vom 6. Juli unterzeichnet haben, Morea räumen werde. Es wird hinzugefügt, daß derselbe, nach erfolgter Unterzeichnung der Convention uüber die Raͤu⸗ mung, einen Großherrlichen Ferman erhalten habe, der ihm

das Paschalik Morea bewilligt, daß er aber demungeachter

versprochen habe, seine

Verpslichtungen zu erfuͤllen Nach den neuesten 2— 1

Nachrichten von den Gränzen des Var, haben (wie der Messager des Chambres meldet) die ve sich zuruͤckgezogen und der Sanitaͤts⸗Cordon be⸗ steht nicht mehr; nur in Nizza befindet sich fortwährend eine sehr starte Garnison. Deutschland Mainz, 4. August. Gestern wurde Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestaͤt des Koͤnigs von Preußen von der Königlich Preußischen Garnison mit groͤß⸗ ter Feierlichkeit hier begangen. Schon am Vorabend dessel⸗ ben führten die Musik⸗Chöre der K. K. Oesterreichischen K. Preußischen Regimenter vor dem Gouvernements⸗Hause bei Fackelschein mehrere vorzuͤglich gut gewaͤhlte Tonstuͤcke aus Der Donner der Kanonen kuͤndigte bei Tages⸗Anbruch den hohen Festtag an. Um 190 Uhr versammelte sich die K. Preußische Garnison zu einem feierlichen Gottesdienste in der Peterskirche, welchem auch alle K. K. Oesterreichische Militair⸗ und Großherzogl. Hessische Cwil⸗Behoöͤrden, so wie die hier residirenden diplomatischen Personen beiwohnten Nach Beendigung desselben war große Parade auf dem Schloßplatze, wo der Herr Vice⸗Gouverneur, General⸗Lieu⸗ tenant von Carlowitz Excellenz, Sr.

ein dreimaliges Lebehoch unter Artillerie⸗Salven 1.2

Um 2 Uhr war große dafel bei Sr. Excellenz, wobei auf Toast ausgebracht

der Jahrestag des

as Allerhöchste Wohl Sr. Majestät ein wurde, dem ein allgemeines Lebehoch unter Geschuͤtzesdonner von den Wällen der Festung folgte.

Die Tages, Ordnung in der beutigen 10 14 en Sitzung der Kammer ver Abgeordneten war: 1) Verlesung des Resultats der gestrigen geheimen Abstim⸗ 2 üͤber die Finanz⸗Rechnungen von 18¾ ½; 2) Vortrag des Abgeordneten Grafen Jos. v. Seinsheim, Namens des fänften Ausschusses, üͤber die Beschwerde des Freiherrn von Reck, wegen Verletzung konstitutionneller Rechte; 3) Vor⸗ trag des Adgeordneten Merkel uͤber die Zoll⸗Ordnung nach den Ansichten der Kammer der Reichsraäthe. Die einzelnen Modificationen der letztern wurden von der Kammer sogleich

berathen, und thells a lenommen, theils zuruͤckgewsesen. auf folgte die Veriesung und Genehmigung des Ge⸗

tiesem wesentlichen Bestandtheile der Repraͤsentativ,Regie⸗

sammt⸗Beschlusses; 4) 8 des Abgeordneten Wanzel, Namens des dritten Ausschusses, üͤber den Antrag des Reichs⸗ raths v. Roth, das protestantische Stiftungs Vermögen in Augsburg betreffend. Nach der oͤffentlichen Sitzung wurde die geheime Abstimmung uͤber die Baireuther

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Schuld vorgenommen. panien. 3

Pariser Bläͤtter enthalten folgende Privatnachrichten aus Madrid vom 24. Juli: „Der Porrugiesische Geschaͤfts⸗ traͤger in Madrid, Hr. v. Lima, hat bei unserer Regierung eine Note eingereicht. Mit den Vollmachten Dom Pedro's und des Regenten Dom Miguel’s versehen, begehrt er zu wissen, ob die Spanische Regierung jetzt, wo letzterer seinen Verrath vollendet habe, (dies sind die eigenen Ausdruͤcke in der Note) den neuen Koͤnig anerkenne. In diesem Falle betrachte er seine Beglauvigungsschreiben als ungültig und bitte um seine Paässe; im entgegengesetzten Falle wuͤnsche er zu wissen, ob seine diplomatischen Verhältnisse fortdauern werden. So dringend auch die Ausdrücke in der Note des Hrn. v. Lima waren, so haben die Minister dennoch eine bestimmte Antwort zu vermeiden gewußt, und erst nach der Ruͤckkehr des Koͤnigs wird dieser Agent Dom Pedro's den Erfolg seines gethanen Schrittes erfahren.“

Schon aͤußern die Lissaboner Begebenheiten den unan⸗ genehmsten Einftuß auf Madrid. Die Apostolischen haben neue Energie gewonnen; mehrere Acte der Regierung bezei⸗ gen, welche Fortschritte die Fartion gemacht hat, und daß dald alle Militair⸗ und Civil⸗Aemter nur in den Händen ihrer Auhanger seyn werden. Ein Koͤniglicher Befehl ver⸗ setzt alle Offiziere in der Armee, die in erster und zwelter Instanz nicht gereinigt sind, in Ruhestand; und einer andern Koͤniglichen Verordnung zufolge, muüssen die Advocaten, die Professoren an den Universitaͤten u. s. w. von neuem schwoͤ⸗ ren, daß sie niemals einer geheimen Gesellschaft angehoͤrt drid, 24. Juli. Die am 17ten d. M. Abends durch fuͤnf außerordentliche Couriere an bie General⸗Capitains der Provinzen geschickten Depeschen sind nach einigen vom Praͤsident des Minister⸗Conseils, nach andern vom Kriegs⸗ Minister ausgefertigt. Ueber den Inhalt desselben der völ⸗ lig unbekannt ist, werden die verschiedensten Vermuthungen angestellt, Einige glauben, daß einige, wegen politischer An⸗ gelegenheiten in Untersuchung stehende Personen wichtige Aufschluͤsse gegeben haben und in deren Folge diese Depeschen den Befehl zur Verhaftung mehrerer Angeschuldigten vom vom Range enthielten, andere vermuthen, daß der Inhalt auf die in Betreff der Portugiesischen Ereignisse zu nehmen⸗ den Maaßregeln Bezug habe. Da die Portugiesischen Aus⸗ wanderer, welche gegen die Charte und die im Namen Dom Pedro's errichtete Regentschaft gefochten ⸗haben und deren Pat sich fast auf 500 % beläuft, eine wahre Last fuͤr Spa⸗ nien sind, dem sie ihre Unterhaltung mehr als 10 Millionen Realen kostet, so enthalten sene Depeschen vielleicht den Be⸗ fehl, dieselben in ihr Lank zuruͤckzuschicken. Die letzten Briefe aus Sevilla melden, daß unter den Truppen der Stadt⸗Garnison und der ganzen Provinz üͤberhaupt, eine allgemeine Bewegung herrscht; sie sind in Eile zusammenge⸗ zogen worden und haben schnell die Richtung nach Badajoz genommen. Die royallstischen Freiwilligen sind die einzige bewaffnete Macht in der Provinz. Dieselben Briefe melden daß zwischen dem General⸗Capitgin Quesada und dem Unter⸗Inspector der royalistischen Freiwilligen, Grimarest, unangenehme Reibungen vorgefallen und, indem ersterer eine von dem diesem geschickte Abtheilung der Königlichen Frei⸗ willigen nicht als seine Wache annehmen wollte. Veide Chefs, so sehr sie der Koͤniglichen Sache anhängen, sind an Charakter sehr von einander verschieden. General Quesada ist in seinem oͤffentlichen Benehmen gemäßigt, der Andere aber ein Exaltirter. Sevilla verdankt den weisen Anordnun⸗ gen des Generals⸗Capitains, seine Ruhe, seine gute Polizei, die Gesundheit der Einwohner, die Belebung seines Han⸗ dels und seines Gewerbfleißes, kurz, Sevilla ist jetzt eine der bluͤhendsten Staͤdte Spaniens und vielleicht Europas. Der Chef des Stadt⸗Magistrats, Herr Arjona, hat dabei den General Quesada thaͤtig unterstuͤtzt. Briefe aus Gallicien berichten, daß eine große Anzahl Fahrzeuge, die sich nach Westen richteten, längs der Kuͤste bemerkt worden ist, die Entfernung hinderte, die Starke und die Flagge zu erken⸗ nen. Wahrscheinlich sind es Englische Schiffe, die nach Por⸗ ugal, Gibraltar und dem Mittellaͤndischen Meere segeln.

2 Portugal.

Pariser Blaͤtter bringen folgende Privat⸗Mittheilungen aus Lissabon vom 19. Juli. Die Reglerung, nunmehr von der Angst befreit, welche ihr die constitutionnelle Armee ver⸗