1828 / 215 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

ö1“ Eq“ daß sobald die Unterhandlungen zu Korfu angefangen haͤtten, die Pforte nicht beruͤcksichtigt werden wuͤrde und daß ihr keins von den Rechten vorbehalten werden sollte, welches sie durch die Weigerung, sich zu gehöriger Zeit in die Bedin⸗ gungen des Ultimatums der verbüͤndeten Maͤchte zu fuͤgen, verloren habe. Für den Sultan, glaubt man, soll: kein Tri⸗ but, keine Schadloshaltung, kein Investitur⸗ kein Sanctions⸗ Recht stipulirt werden. Griechenland solle unter dem Schutze der großen Europaͤischen Maͤchte einen unabhaͤngen Staat bilden. Es solle ein noch groͤßeres Gebiet erhalten, als das was es bis jetzt erobert habe. Diese Bläͤtter täuschen sich aber, wenn sie meinen, die Pforte werde nicht beruͤcksichtigt werden, wofern sie nur ihre voreilige und unüuͤberlegte Poli⸗ tik verläßt und auf der Basis des Londoner Traktats unter⸗ handeln will.

Dasselbe Blatt erhebt sich sehr lebhaft gegen die Rai⸗ sonnements der Franzoͤsischen Journale uͤber die Proroga⸗ tions⸗Rede; es sey besonders unpassend, sagt es, daß man die Sprache der Rede furchtsam genannt habe, da Furcht⸗ samkeit gerade dem Charakter derselben entgegengesetzt sey; sie sey klar, maͤnnlich und offen sie besitze alle Eigenschaf⸗ ten, welche das politische Verfahren des Premier⸗Ministers wuͤrdig bezeichneten. L

Der Courier tritt anch gegen den (letzthin von uns mit⸗ getheilten) Artikel der Morning⸗Chronicle auf, in welchem dieses Blatt auf das Aufbluͤhen der Franzöͤsischen See⸗ macht und auf das verhältnißmäßige Stehenbleiben der Englischen Marine aufmerksam macht. Die Anordnungen des Franzöͤsischen See⸗Ministers, meint der Courier, seyen nicht so gar furchtbar, und der Schreiber jenes Artikels scheine wenig von der Seemacht zu verstehen, weshalb es ihm wohlmeinend rathe, kuüͤnftig daruͤber zu schweigen.

Dasselbe Blatt fährt fort, die Katholiken, ihre Associa⸗ tion und Herrn O'Tonnell mit Heftigkeit anzugreifen. Aller⸗ dings fallen immer neue Unruhen in Irland vor. Vor Kur⸗ zem stellte sich ein herumschweifender Balladen⸗Saͤnger zu Toomarara, als dort gerade Markttag war, vor das Polizei⸗ Amt und sang Parthei⸗Lieder, wobel ihn von allen Seiten der Pöͤbel, mit dem Rufe „O Connell“ umringte. Als die Polizei ihn entfernte, ward sie von dem Volke angegriffen und einem ihrer Mitglieder der Schaͤdel mit einem Steine eingeschlagen. Zwar feuerte man auf die Angreifer und einer derselden ward getödtet, allein auch sie fuͤhrten zum Theil Feuergewehre und rissen die Haͤuser mehrerer Protestanten ein; in andern zerbrachen sie alle Möbeln. Der Pfarrer be⸗ müͤhte sich vergebens die Aufregung zu unterdrücken. Erst der verstärkten Macht der Pollzei gelang dies Man ist bereits mit der Untersuchung dieses traurigen Vorfalls beschäͤftigt. Auch zu zu Cappawhite war neulich das Militair genoͤrhigt, auf den aufrüͤhrerischen Pöbel zu feuern. Zu Clare ward am Sonntag Adend das Haus eines Protestanten, Namens Cotton, angegriffen, die Fenster zerbrochen, und das üͤber seiner Thür hängende Zeichen König Georgs IV. herabge⸗ rissen und mit Füßen getreten. Der Priester in New⸗ market ermahnt seine Pfarrkinder, nicht in jenem Orte, son⸗ dern in Ennis Arzneimittel zu kaufen, bloß aus dem Grunde, weil der Apotheker zu Newmarket ein Protestant ist. Man wird sich erinnern, daß ein Priester zu Ennis seine Gemeine anfeuerte, für Herrn V. Fitzgerald zu stimmen. Die uͤbrigen Geistlichen mischten sich spaͤter in die Sache und haben des armen Mannes Ruin zu Wege gebracht. Hr. O'Gorman Mahon stattet folgenden Bericht uͤber die gegen ihn bewirkte Verfolgung ab: „Das Volk hat Herrn James Coffey sein Vertrauen entzogen und am letzten Sonn⸗ tage ward er von seiner Gemeinde verahschiedet und als ein abtrünniger Priester in der Pfarr⸗Capelle zu Kildysart von ihr verlassen. Sie stieß ihn aus ihrer Mitte, und jetzt ist er ohne Lebens⸗Unterhalt und Pfarre.“

In Newcastle, in der Grafschaft Limerick, bi Volk täglich sehr zahlreiche Versammlungen, welche 84 d⸗ ftusse der katholischen Association zugeschrieben werden.

Die Untersuchung zu Fermoy ist jetzt beendigt. Das Endurtheil wegen der bei den dortigen Unruhen vorgefallenen

ödtung lautete weder auf Todschlag noch Mord, jedoch dadei betheiligte Polizei⸗Person gerichtlich belangt

Die „Rebellen“ zu Ballinamore sind verhoͤrt, einer ist los gesprochen, die übrigen zu einmonatlicher Gefaͤngnißstrase verurtheilt worden. Man hat sie nicht des Hochverraths,

nicht einmal des Aufruhrs, sondern nur eines ungefetzmaͤhi⸗ gen Auflaufes sur schuldig befunden. Der Lord Lieute⸗ nant und seine Rathgeber benehmen sich in Irland auf eine

chst lobenswerthe Weise, indem sie alle die Uebertr hnn⸗

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gen zu vermeiden suchen, durch welch e Partheien gewoͤhnlich 8 zu politischer Aufregung getrieben werden

So lange, außert die Times, als man in Irland ver⸗ geblich nach der Emancipation strebt, so lange wird die Herrschaft der Volksredner, die Unterdrüͤckung des Eigen⸗ thums und die Souverainitaͤt O' Connell's dauern. Und dies ist noch nicht Alles. Woher wissen wir, daß nicht ohne einen einzigen Act physischer Gewalt von den Katholiken in ihrer gegenwärtigen Organisation ein Plan befolgt werden koͤnnte, um auf einmal die protestantische Geistlichkeit zu vertreiben und die Land⸗Eigenthuͤmer an den Bettelstab zu bringen? Gesetzt, die katholischen Bauern und geringeren Paͤchter * sagten alle: „Wir wollen keine Geld⸗Zehnten bezahlen; der Pfarrer moͤge sie in Naturalien nehmen;“ wer wuͤrde da der Geistlichkeit helfen koͤnnen? Oder gesetzt, sie gingen noch 2 weiter: „Wir wollen gar keine Abgaben mehr bezahlen,"“ wer wuͤrde die Bevöoͤlkerung eines ganzen Koͤnigreiches ver⸗ treiben koͤnnen? Solche Beschluͤsse koͤnnten eben so leicht ausgefuüͤhrt werden, als O' Connell fuͤr Clare erwaͤhlt ward. Die Regierung möge sehen, was um sie vorgeht

Lord Beresford ist zu 2* angekommen, um nach seinen Guͤtern in Carlow zu gehen. . 8

Zu Wexford in Irland dut man den Entschluß Pfaßt, einen liberalen Clubb zu bilden, um die kuͤnftigen 9, ments⸗Wahlen zu leiten und sich der Verwaltung des Her⸗ zogs von Wellington und Hrn. Peel's zu widersetzen. Mgt will besonders bei einer kuͤnftigen Wahl⸗Concurrenz die Er-x.— waͤhlung des Lord Stopford hintertreiben. -

Ein Dubliner Blatt euthält eine hoͤchst interessante Correspondenz zwischen dem Grafen von Shrewsbury und Lord Rossmore. Sie bezieht sich auf das Anerbieten eines Sitzes im Unterhause, welches Lord Shrewsbury seinem edlen Freunde machte, der es aber ablehnte, um nicht „die furchtharen Eide“ ablegen zu müssen.

Georg Burrard, Esg., ist an der Stelle des verstorbe⸗ nen Herrn Thomas Divett zum Parlaments⸗Mitgliede fuüͤr Lymington erwählt-worden.

Der Graf von Liverpool ist sehr unwohl.

Am dritten predigte der neue Bischof von London, Dr. Blomfield, in der mit Zuhoͤrern unglaublich gefuͤllten St. Botolph's⸗Kirche zu Rishopsgate, von welcher Pfarre er noch Rector st. Da er jetzt die Pfarre verlassen muß, so haben die Mitglieder derselben beschlossen, ihm ihre Erkeuntlichkeit durch Danksagungen, und durch ein Geschenk, fuͤr welches schon uüͤber 200 Guineen eingegangen sind, zu bezeugen.

Die Nachrichten aus Schottland üͤber die Erndte lauten sehr unguͤnstig. 2

Man glaubt, daß die Fregatte Dublin zu Plymouth unverzuͤglich fuͤr den fremden Dienst ausgeruͤstet werden soll.

Das Schiff Clara aus Sierra Leone hat die Nacheicht 4 von dem Tode des Gouverneurs jener Colonie gebracht.

General Boyer hat bei der Eroͤffnung der Handelz⸗ ⸗«, kammer zu Port au Prince erklärt, daß vom Jahre 1830 an der Handel aller Nationen auf St. Domingo auf einen vollstaͤndig gleichen Fuß gesetzt werden solle.

Die Haͤfen von Van⸗Diemens Land und New⸗Suͤd⸗ Wales sind zu Freihaͤfen erklaͤrt worden. *

Niederlande. e

Bruͤssel, 7. August. Der Prinz von Oranten Köänigl.

Hoheit ist, unter dem Namen eines Grafen von glandern 8

reisend, nebst Gefolge am 5ten d. M. von Soetsdyk nach . 2

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Cleve abgegangen.

Die Niederlandische Bibel⸗Gesellschaft in. Am hat am 30. Juli ihre vierzehnte General⸗Versammlung ge⸗ halten. Die mitgetheilten Berichte bewiesen das wachsende Gedeihen der Gesellschaft.

Der Maler Hanselaer ist nach einer zwölfjaͤhrigen Ab⸗ wesenheit am 5ten d. M. von Neapel in seine Vaterstadt Gent zuruͤckgekehrt. Seine Ankunft wurde von den Buͤr⸗ gern des Stadtviertels, in welchem er wohnt, durch Erleuch⸗ tung und Aushaͤngung von Teppichen gefeiert. Das beruͤhmte Gemäͤhlde, Susanne im Bade vorstellend, dem die Italleni⸗ schen Blaͤtter ein so ausgezeichnetes Lob ertheilt haben, soll sich unter den von Herrn Hanselaer gemalten Bildern befink⸗ den, welche auf dem Wege nach Gent sind und dort in Kur⸗ zem erwartet werden.

Deutschland.

Vom Main, 9. August. Se. Maj. der Koͤnig vo Baiern sind am isten d. M. Abends um halb 7 Uhr in Bad Bruͤck⸗ꝛnau angekommen, und erfreuen Sich des besten Wohlseyns. Der Aufenthalt duͤrfte aber von kurzer Dau: seyn. Wie verlautet, werden Se. Maj. bis zum 21sten d. hier Sich aufhalten, am 22sten zu Galdach einem Feste, ver an teltet von dem Reichsrathe, Grafen v. Schöndorn, bei⸗

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