1828 / 219 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Garde zuruͤck. Wie es scheint ist dieser Ruͤckzug mit Eilfer⸗ tigkeit geschehen, denn an vielen Orten hat er die Waffen und Mundvorraͤthe im Stiche gelassen. 1

Gestern besetzte unsere Avantgarde Jenibazar. Der Feind bezeigte anfangs Lust, sich dort zu halten, sah sich aber durch einige Kanonenschuͤsse und das Vordringen der Kosa⸗

ken gezwungen, dieses Dorf zu räumen. Auf den Anhoͤhen

rings umher manoeuvrirte die neue regulaire Reiterei der Tuͤrken in guter Ordnung und mit ziemlicher Akkuratesse, ließ sich jedoch in kein Gefecht ein. 1

Heute vereinigten sich unsere saͤmmtlichen Truppen. Mor⸗ gen hoffen wir unsere Bewegung auf Schumla fortzusetzen,

um die Stellung der Tuͤrken zu reeognosciren und ihre Streit⸗

kräfte genau zu erfahren. Auf unserm linken Fluͤgel besetzte der General⸗Adjutant

Benkendorf II. Prawody; der General⸗Adjutant Duchtelen

aber, der sich Varna naͤherte und einige Ausfälle der Gar⸗

nison, die noch Verstaͤrkung von regulairen Truppen erwar⸗

ecete, zuruͤckschlug, nahm die Position vor dieser Stadt ein.

Die Operationen gegen dieselbe nehmen ihren Anfang, so⸗

ald zu dem Detaschement des Grafen Suchtelen einerseits

die, von dem General Uschakow commandirte Brigade hin⸗ zustoͤßt⸗), welche Tultscha eroberte, andererseits die Flotte unter Befehl des Admiral Greigh in Varna anlangt. Die

8 tiefe und gefahrlose Rhede von Kovarna ist mit Schiffen

bedeckt, die uns Lebensmittel zufuͤhren, und die Linie unserer

Verproviantirung abkuͤrzen, welche das zweite Echelon bildet. In den Gegenden von Gjurgewo und Kalafat haben

die Tuͤrkischen Garnisonen, bei ihren Versuchen, die große

und kleine Wallachei zu beunruhigen, bedeutende Verluste erlitten. Vor der erstgenannten Festung wurde der General

Kornilow, der sie beobachtete, am 21. Juni (3. Juli) von eeinem 6000 Mann starken Corps attaquirt, das aus den Guarnisonen von Gjurjewo und Rustschuck bestand. sich ein hitziges Gefecht, das von zwei bis eilf Uhr waͤhrte.

Es

Der Feind hatte im Sinne, den General Korni⸗ low aus seiner Position zu verdrängen und sich, mit seinen Partheien, nach der Wallachei ungehindert Bahn zu brechen.

Allein aller ihrer Anstrengungen ungeachtet, wurden die Tuͤr⸗

ken auf allen Punkten geschlagen und nach Gjurgewo hinein

2 Pese⸗ wobei sie achtzig Todte auf dem Platze zurüͤckließen.

iese Affaire kostet uns zwanzig Mann, die in der Fronte Als der General Baron Geismar in der kleinen

mangeln. 8 1 . erfuhr, daß die Tuͤrken der Garnisonen in

Wallachei

Widdin und Kalafat uͤber die Donau gegangen seyen,

in den benachbarten Doͤrfern pluͤnderten, und sich so⸗

gar anschickten, ihn zu uͤberfallen, ruͤckte er gegen sie unnd erreichte sie am 265. Juni (8. Juli) unweit Ka⸗

lafat. Sie hatten viertausend Mann Infanterie, fünftau⸗

send Reiter und zehn Feldstucke mit sich, und waren außer⸗

dem durch die Artillerie der Retranchements, die Kalafat

umgeben, gedeckt. Der General Geismar ruͤckte mit einem

Detaschement von viertausend Mann auf den Feind los.

u Den Choc der Ottomanischen Reiterei abwartend, warf er

* 8 sie, und nachdem er alle Versuche der Tuͤrken, seinen linken

.

F .

Fluͤgel zu umzingeln, vereitelt hatte, schlug er sie total und

erieb sie nach Kalafat zuruͤck, wo sie schon nicht mehr wa⸗

gen, sich blicken zu lassen. Die Resultate dieses Gefechtes,

in dem die Tuͤrken 400 Mann an Todten, Verwundeten

uüund Gefangenen einbuͤßten, waͤhrend unser Verlust fast

nichts bedeutend war, bestehen in der Hemmung ihrer Ein⸗

fäͤlle und der Sicherstellung der fruchtbarsten Kreise der klei⸗

nen Wallachei.

Der Gesundheitszustand unserer Truppen ist hoͤchst be⸗

Friedigend.

Im bager vor Schumla, vom 8. (20.) Jult 1828, um 10 Uhr Abends. Die allgemeine Bewegung deren in dem gestrigen Schrei⸗ ben erwähnt wurde, ging heute vor sich. Um 5 Uhr Mor⸗ gens zog sich das 7te d.dg, das unter den Befehl des Chefe vom Generalstabe, Grafen Diebitsch, gestellt ist, die Berge entlang auf der linken Seite des Balkan, wo Schumla negt. Um 5 Uhr marschirten unsere afte unter höͤchsteigener Anfuͤhrung Sr. Majestaͤt des isers, nach folgender Ordnung vorwärts: drei Brigaden der 9ten Divi⸗ ston in Echelons, mit ihrer Artillerie, bildeten die Avant⸗

arde unter Commando des Generals der Infanterie Rudzemiesch, indem sie den linken Fl in das Detasche⸗ ment des Grafen Diebitsch lehnten und rechten vor dem Feinde verbeckten. Hinter dem zweiten Echelon der Avant⸗

.

—y9 Nach den von ung mitgetheilten neueren Nachrichten ist dies bereits geschehen. Bergl. Nr. 89 der Staats⸗Zeitung.

garde zogen, bereit das Quarré mit 12 Kanonen zu bilden, das 15te und 16te Jägerregiment, befehligt von dem Gene⸗ ral⸗Adjutanten Alexander Benkendorf. An ihrer Spitze war der Kaiser Selbst. Zur Rechten dieser beiden Regimenter befanden sich drei Husarenregimenter von der Division des Generals Ruͤdiger; das 4te, Prinz von Oranien, war zur Verstaͤrkung der linken Flanke des 7ten Corps beordert. einiger Entfernung von der Brigade, die die Person Kaiserl. Majestaͤt bewahrte, ging die ganze Reserve⸗Artille⸗ rie mit 4 Bataillonen der 8. Division; rechts von dieser Ar⸗ tillerie aber befand sich die Division der reitenden Jäger un⸗ ter Anfuͤhrung des General⸗Adjutanten, Grafen Orlow.

Bei dem Ausmarsche aus Jenibazar um 6 Uhr Morgens

gingen unsere Truppen in obenerwaͤhnter bis 11 Uhr, unbehindert, auf einem Boden, der von ziemlich tiefen Rissen durchschnitten war. Die feindlichen Vorposten retirirten in dem Maaße, als wir vorruͤckten. Nachdem wir 10 bis 12 Werst zuruͤckgelegt und die Anhoͤhe erreicht hatten, auf der das Doͤrfchen Buchailik liegt, erblickten wir jenseits des schlammigen Baches, der den Fuß dieses Berges bespuͤlt, die Türkische Reiterei in einigen Linien aufgestellt. Der Feind hatte, allem Anscheine nach, an zehntausend Reiter, die in sechs Echelons aufgestellt waren. Seinen rechten Fluͤgel ver⸗ barg er, aus Furcht, das Corps des Grafen Diebitsch möͤchte ihn werfen; seine Artillerie war in den Gebuͤschen aufge⸗ stellt, die das Centrum seiner Position verdeckten, sein uvnbe Fluͤgel aber reichte weiter, als unser rechter. Ottomanische

nfanterle zeigte sich nirgends; die erwähnte Reiterei aber bestand augenscheinlich aus regulairen Truppen. In dem Augenblicke, als wir des Feindes ansichtig wurden, war die Bewegung des Grafen Deebitsch auf unserem linken Fluͤgel noch nicht zu Stande gebracht. Deshalb hieß Se. Majestaͤt die ganze Infanterie⸗Colonne Halt machen, und befahl der reitenden Jäger⸗Diviston des Grafen Orlow, sich zur An⸗ schließung an den rechten Fluͤgel des Geueral⸗Lieutenants Ruͤdiger fertig zu halten, und die Tuürkische Cavallerie zu werfen, im Fall sie sich's beikommen ließe, uns zu umgehen. Um ½ 12 Uhr entspann sich ein unbedeutendes Geplaͤnkel

Schlachtordnung

zwischen den Kosacken unter dem Commando des General⸗

Majors Kirsanow, und einer Abtheilung der seindlichen Ca⸗ vallerte. Um Mittags⸗Zeit, als der Graf Diebitsch die e Flanke des Feindes völlig cotoyirt hatte, begann in unserem Centrum der Angriff durch zunaͤchst stehenden Reihen der feindlichen Cavallerie. Sie zogen sich sogleich Colonnenweise auf die Hoͤhen der Berge zuruͤck, wo ihre Reserven standen. Zu eben der Zeit passirte der General Rudzewitsch den Bach in Buchanlik, mit zwei

Brigaden, durch zwei Batterien der Reserve⸗Artillerie ver⸗

strkt, welche auf den Befehl Sr. Masestaͤt ihm zu Huͤlfe PSense waren. Von der andern Seite ruͤckte der Graf jebitsch gleichfalls vor, und eroͤffnete den Angriff mit einer Kanonade, welche den rechten Fluͤgel des Feindes noͤthigte, die von ihm besetzten Anhoͤhen zu verlassen. ndlich attaquirte noch auf unserem rechten Fluͤgel der General⸗Lieutenant Räͤ⸗ diger die Tuͤrken, die im Walde im Hinterhalt lagen, und warf sie, waͤhrend das Feuer der reitenden Artillerie des Grafen Orlow die Verwirrung in ihren Relhen vollendete. Da ruͤckte unsere anze Linie im Schnellschritt in die fruͤher vom Feinde be⸗ auptete Position. Indessen versuchten die Türken, die Schlacht zu erneuern: richteten einiges Geschüͤ gegen das 7te Corps, schossen aus Kanonen auf das 868 cheme des Generals von der Infanterie, Rudzewitsch, erd ten eine Batterie gegen unsere linke Flanke und ver ten uns mit Kavallerie anzugreifen. Doch ihr Fe⸗ war nicht von langer Dauer, und die Attaquen keinen Erfolg. Auf allen Punkten geschlagen, wichen e unter die Mauern von Schumla. Schon um 4 Uhr bes⸗ ten wir die Plätze, auf denen wir sie angetroffen hatt und die außerste linke Flanke des Grasen Dieditsch occupi den Weg, der aus Schumla durch Eskl⸗Stambul nach K stantinopel fuüͤhrt. In dieser tion brachten Se. Maje der Kalser und Ihre Armee diese Nacht auf den Bivouac s Alle Evolutionen in diesem Gefechte gingen mit mu hafter Ordnung und Pünktlichkeit vor sich. Es schien, machten die Truppen ein einfaches Manoeuvre. Noch wi wir nicht mit Genauigkeit den Verlust des Feindes oder unsrigen aͤnzugeben. Letzterer ist übrigens sehr geringzäͤhll im Ganzen kann man annehmen, daß 150 Mana in ——2 fehlen. Doch unter der kleinen Zahl der Getödteten be⸗ t sich leider der Fluͤgel⸗Adjutant Sr. Kaiserl. Masestär, Oberst Read. Auf dem Unken Fluͤgel sank er, getrossen ven einer Kanonenkugel, unweit von dem Grafen Dleditsch. Verlust dieses Offiziers, der sich 4 Tapferkeit wie durch einen edlen TCharakter auszeichnete, hat Se. Mazestat den

eine Kanonade gegen die uns