1828 / 226 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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konnten, die sieben Werst einnahm, gerechnet von dem Lan⸗ dungsplatze wo das Lager und die Flotte ihren Beruͤh⸗ rungs⸗Punkt hatten, bis zu der letzten Redoute jenseits der Festung. Graf Gudowitsch hatte den Platz von der Feld⸗ seite attakirt, wo die Mauer minder hoch, und der Graben nicht so tief ist, als weiterhin. Auch jetzt soll man diese Fage fuͤr die ersteiglichste angesehen haben; Fuͤrst Menschikow aber der Meinung gewesen seyn, daß der Winkel welchen jene Fage mit der Seeseite gegen Norden bildet, wiewohl mit vieler Sorg⸗ falt befestigt, dennoch zum Angriff geeigneter waͤre, indem die Belagerer, sobald sie nach Demontirung der Kanonen der beiden Ecken⸗Bastionen, sich der Festung naͤherten, durch diese Bastionen selbst gegen das Feuer der uͤbrigen geschirmt seyn wuͤrden. Der Erfolg rechtfertigte diese Ansicht. Die Demontir⸗Batterie, die etwas uͤber zweihundert Faden vom Festungs⸗Graben anfgefuͤhrt wurde und sich dem Feuer von sechs feindlichen Bastionen aussetzte, richtete fast alle ihre Schuüͤsse auf die beiden Eck⸗Bastionen. Diese wurden bald zum Schweigen gebracht, worauf man, etwa 100 Faden vom Graben eine Bresch⸗Batterie errichtete, die am 6. (18.) ZJuni ihr Feuer gegen die Courtine eröͤffnete, die zwischen den beiden zertruͤmmerten Bastionen lag. Der Feind konnte die zerstoͤrende Wirkung jener Batterie nur ansehen, aber nicht hindern, da ihm zur Beschießung ihrer Embrasuren, bloß noch zwei Bastionen zu Gebote standen. Von dieser Bresch⸗Batterie wurde eine Transchee nach der zerschossenen Courtine angelegt, und in Kurzem waren unsere Arbeiter voͤllig außerhalb der Schußrichtung der feindlichen Kanonen. Um auch das Gewehrfeuer der Verthebdiger von ihnen ab⸗ zulenken, bediente sich der Fuͤrst Menschikow eines neuen Mittels. Es wurden nämlich, unweit der Festung, in Ver⸗ tiefungen, die fruͤher den Tuͤrken zu ihren Contre⸗Approschen gedient hatten, Moͤrser aufgepflanzt und aus selbigen unauf⸗ hoͤrlich kleine Steine auf die Belagerten geschossen, wodurch sie verhindert waren, ruhlg auf unsere Arbeitsleute zu zielen. t Am 9. (21.) Juni erreichte die Transchee den Kamm des Glasis, und die Bresche in der Mauer war schon so groß, daß, bei Einnahme der Festung, die Kosaken bequem durchreiten konnten. Am 10ten (22sten) zog der Admiral Greigh die Flagge auf dem Schiffe Paris auf und sendete einen Parlamentair in die Festung. Hierauf hatten die Tuͤrken nur gewartet. Die Unterhandlungen währten bis zum 12ten (24sten); doch keine der unpassenden Forderungen des Feindes fand auch nur das mindeste Gehor, und die Garnison ergab sich kriegsgefangen. Um Mittagszeit mar⸗ schirten unsere Truppen durch die Bresche in die Festung, und die Flagge des Chefs vom Marinestabe wurde auf einer der Bastionen nach der Seeseite, aufgezogen, um der Flotte das Zeichen zu geben, daß Anapa sich dem Russischen Kaiser unterworfen habe. Die Flotte begruüßte die Flagge des Chefs vom Marinestaabe, die seit ihrer Stiftung zum ersten Male wehete, und die Festung erwiederte den Gruß der Flotte mit einer gleichen Salve. In der Festung befan⸗ den sich 4000 Mann Besatzung, 83 Kanonen, 2000 Pud Pulver, 25,000 Patronen, 3000 Flinten und eine Menge anderer Waffen. Die Stadt bletet den Anblick eines Rul⸗ nenhaufens dar, der die Spuren unserer Bomben und Brand⸗ kugeln hin und wieder an sich traͤgt. 8 Unter den Hes 4 besonders Sepher⸗Bey die Aufmerksamkeit auf sich. Als Knce Russische Gefangenschaft gerathen, lernte er 1an, Sgeßtang im Lyceum zu Odessa; allein der Europaͤlschen Lebensart bald uͤberdrüͤßig, entfloh er in seine Gebirge zuruck Der Zufall brachte ihn spaͤter nach Konstantinopel, wo er ir die Dienste des Sultans tratk. Seine natuͤrlichen Jean a. einige Bildung, die er sich in Rußland angeeignet hatte vühne⸗ ten ihn bald in den Augen der Türkischen Regierung ach⸗ Sie bedienten sich seiner zum Agenten, nicht nur unter den Ber voͤl⸗ kern, sondern sogar in Aegypten und Algier. Hier in Ana en er die Seele des Ganzen und der erste Rath des Pascha⸗ eines ehrwuͤrdigen, aber gebrechlichen Greises. Der Katser hat 88 888⸗ erlaubt nach Anatolien zuruͤckzukehren, allein Sepher⸗ wird, wie es heißt, in das Hauptquartier abgefertigt

werden. Rußland.

2 St Perersbarg, 16. August. Am Sonntag, den

der Tscherkeß

0. M.⸗ hatte Hr. von Campuzano, Attaché d b 58 Gesandtschaft, die Ehre, Ihrer Majestär ner ohe

Ihrer Sommerresidenz zu Pawlowoty vorgesteült g.

Am 28. Juli (o. August) feierte die Bibelgesell —3 (Finnland) ihre zehnte feierliche Zufanzesenfhast 2 5 Seeen e Aus dem Jahresbericht ging hervor, daß e. Sefe schaft seit ihrer Sülftung 3037 Bib in und 2502

Neue Testamente in der Finnischen und S is⸗ che, 1- F 65 verschenkt hat. Owedischen Eyra on Astrachan wird unterm 29. Mai gemeldet:

starke im vorlgen Winter gefallene Scnee veranfezte her Fruͤhjahr das Austreten aller Fluͤsse, die bei uns eine be⸗ deutende Ueberschwemmung zur Folge hatte, welche noch durch einen heftigen Suͤdostwind vergroͤßert ward, der die Fluthen des Meeres in die Wolga jagte. Noch nie trat dieser Strom so sehr aus als dieses Jahr, denn vom 6ten April bis zum 23. Mai hielt sich das Wasser auf 13 Fuß 2 Zoll uͤber seinen gewoͤhnlichen Stand. Durch gehoͤrige Vorsichtsmgaßregeln ward indessen allem Ungluück vorgebeugt, so daß diese Erscheinung von keinen nachtheiligen Folgen begleitet worden ist. 170 auf der Ebene belegene Haͤuser wurden zwar in der Nacht vom 20. d. M. uüͤberschwemmt; ihre Bewohner hatten aber Zeit genug gehabt sie zu ver⸗ lassen und ihre Habseligkeiten zu retten.

Odessa, 2. August. Ihre Majestaͤt die Kaiserin setzen den Gebrauch der Seebaͤder auf dem Landhause des 828 Raynaud fort, und erfreuen Sich des erwuͤnschtesten Wohl⸗ eyns. 8. Vom 16ten bis 25sten v. M. war das Examen im ade⸗ ligen Fraͤuleinstifte hieselbst, in der Religion, Arithmetik, Ge⸗ schichte, Geographie, der Russischen, Italienischen und Fran⸗ zoͤsischen Sprache. Die Zoͤglinge uͤberraschten durch ihre Fort⸗ schritte alle Anwesenden. Dieses Institut wurde im Jahre 1806 durch Hrn. Volsey gegruͤndet, anfangs als Privat⸗ Anstalt in der Folge nahm der Herzog Richelieu dasselbe un⸗ ter seinen Schutz; allein erst 1821 wurden, auf Fuͤrbitte des Hrn. Grafen v. Langeron, einige Eleven durch Allerhoͤchsten Befehl, auf Kosten der Krone, dort abgegeben, deren An⸗ zahl im Jahre 1824 sich vergroͤßerte. Zuletzt verliehen Se. Kaiserl. Majestaͤt eine betraͤchtliche Summe dazu und eine neue Organisation brachte die Anstalt schnell zum Flor. Ge⸗ genwaͤrtig ruht die Verwaltung derselben in den Haeeh,

einer Commission unter der Ober⸗Aufsicht des Hrn. Generall Gouverneurs. Odessa, 6. August. Das heutige Journal meldet: Das Dampfschiff Odessa war am 3ten d. M. zum ersten Male von hier nach der Krimm abgegangen; es hatte viele Passagiere, worunter sich der General⸗Lieutenant Witt be⸗ fand, und außerdem eine Menge von Effecten und Waaren an Vord; es war jedoch kaum aus dem Hafen ausgelaufen, als die Magschine schwaͤcher zu wirken anfing, und dann ploͤtzlich stille stand, so daß man nicht weiter fahren konnte, und das Schiff mit Segeln in den Hafen zuruͤckkehren mußte. Irgend eine Srtoͤrung in einer der Roͤhren, die zum Luftzuge dienen, scheint die Ursache dieses Unfalls gewesen zu seyn. Man ist gegenwaͤrtig damit beschaͤftigt, einen Theil der Maschinerie auseinander zu legen, um der Ursache des Uebels auf den Grund zu kommen, und die erforderlichen Reparaturen, so schnell als moͤglich, zu bewerkstelligen. Wir hoffen, daß dieses nuͤtzliche Unternehmen in drei bis vier Tagen wieder im Gange seyn wird. 1 Tiflis, 25. Juni. Heute empfing der Kriegs⸗Gouver⸗ neur von Tiflis, General⸗Adjutant Sipaͤgin mit einem Schreiben des Hrn. Ministers des Kalserlichen Hofes, die von J J M. M. den Kaiserinnen Höͤchsteigenhaͤndig gestick⸗ ten, kostbaren Bekleidungen fuͤr den Altar, den Opfertisch und drei ausgezeichnet schoͤne Baldachine der neu erbaute Kirche in Erivan, die auch unverzuͤglich an den dorti gen stellvertretenden Befehlshaber der Provinz, Herr 88 General⸗Major Fuͤrsten Tschawtschavadze abgehen, als eir * P re. J. J. M. M. fuͤr jene Gegend, deren Wohlstand unter dem Schutze isers von Rußland emporbluͤht. ve b Tiflis, 7. Juli. Das Geburtsfest Sr. Kalserl. Maj. wurde in Tiflis auf das Feierlichste begangen. Abends zu vor war die Nachricht von der Einnahme von Anapa hier eingegangen, die so wichtig fuͤr die Ruhe Kaukastens ist, da dort bisher die Vergraͤuber sich Pulver und Waffen holten und ihren Menschenhandel trieben. v An eben diesem Tage geschah die Eröffnung der Schule fuͤr die Geißeln, welche die asiatischen Voͤlkerschaften alz Unterpfand ihres guten Benehmens stellen. Diese Geißeln werden in Zukunft aus der heranwachsenden Jugend ge⸗ waͤhlt. Bei ihrer Ruͤckkehr in den Schooß ihrer Famillen bringen sie alsdann das Beispiel einer milden Gesittung mit, und die kommenden Geschlechter werden die Pächte EIu“ wohlthätigen Vorsorge der Regierung erkennen. 2 jese Ein. 8* richtung besteht unter der eigenen Aufsicht des Muschtaida, Aga⸗Mir⸗Feti, Obervorstehers der Sekte Ali’s, der zum Haupte der Bekenner Mahomets in Rußland, Allerhoͤchst ernannt ist, und bei Eroͤffnung der Anstalt, seinen eigenen