1828 / 233 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

59 I

sehr streng; bei dden Seiten dieses Gestirns leuchtende Strahlen, die man in Sibirien die Sonnen⸗Ohren nennt; um 10 Uhr Morgens dverwandelke sich diese in glanzende Neben⸗Sonnen. Ein unermeßlicher weißer Lichtstreif ging wie ein Kometen⸗Schweif von der Sonne aus, die sich bereits zu einer betraͤchtlichen Hoͤhe erhoben hatte, und nahm seine Richtung nach Peshen. Darauf bildete sich auf dem ganzen Umfang der Athmo⸗ spbaͤre ein regelmäßiger Kreis um sieben blasse strahlenlose ZEb die in gleichem Abstande von einander und von der wahren Sonne, sichtbar wurden. Diese letztere spiegelte in der Athmosphare vier große weiße Kreise, die durch ihre Stellung eine Pyramide abgaben, und von denen zwei von dem obenerwaͤhnten Kreise umgeben waren; die zwei andern aber in dem der Sonne entgegengesetzten Theile des Horizonts sich befanden. Man bemerkte, daß dort 4 Zirkel in dem großen seyn mußten, doch war einer derselben durch das Licht der Sonne uͤberstrahlt, und man erblickte nur die Haͤlfte des andern, leuchtend von lebhaften Iris⸗ Farben. Schade daß dieses Phaͤnomen, das bis Nachmit⸗ maag waͤhrte, nicht von Sachverstaͤndigen beobachtet worden ist. Kiew, 29. Juli. Vom 18. Juni bis zum 6. Juli mar, schirten hier folgende Garden Sr. Kaiserl. Majestar durch: die Pawlowsche, die Ismailowsche, die Garde⸗Artillerie zu Fuße und zu Pferde, die Leib⸗Grenadiere, die Semenowsche, Meskowische und Preobrashenskische Leib⸗Garde und die Com⸗ pagnie der Congrevschen Raketen. Sie wurden unweit die⸗ ser ehemaligen Hauptstadt Rußlands, am Dnepr, von der uͤrger⸗Garde, die ihnen mit ihrem Befehlshaber an der pitze, in der alterthͤmlichen Ruͤstung mit ihren Fahnen, ntgegenritt, feierlich empfangen, und durch die Stadt ge⸗ leitet, die mit den Gefuͤhlen der innigsten Freude und Ve⸗ wpunderung die tapfern Vertheidiger des Vaterlandes be⸗ grruͤßte. Feste reiheten sich an Feste; und alle Soldaten wurden von der Buͤrgerschaft bewirthet. EFiflis, 2. August. Am 17. v. M. traf der Russische bevollmaͤchtigte Minister am Persischen Hofe, Etatsrath Gri⸗ bojedow aus St. Petersburg hier ein. Das zusammengezogene Leibgarde⸗Regiment, welches sich seit 1826 in Grusien befand und gegenwäͤrtig auf Allerhoͤch⸗ sten Befehl nach St. Petershurg zuruͤckkehrt, ruͤckte am 19. Juli aus Tiflis und lagerte sich 3 Werste vor der Stadt in der Gegend von Saburtano am Flusse Wäͤra zur Vollzie⸗ hlung eines feierlichen Gebetes, worauf der hochwuͤrdige Erxarch des Landes, Metropolit Jonas, die ruhmbedeckten Krieger zum weitern Marsche einsegnete. Am folgenben Tage um 3 Uhr Morgens brachen die Truppen ihr Lager ab und machten sich auf den Weg. Der Feldzug dieses Garde⸗Regiments in Persien, das, aus der Kalserstadt des Nordens angelangt, zugleich mit den sieggekroͤnten Truppen des Kaukasischen Corps in die Hauptstadt von Ardebeidshan einruͤckte, die Ehrenwache bei dem Erben des Thrones von Iran hatte, und Persiens Gold nach der Hauptstadt von Grusien geleitete, ist ein Ereigniß, das die Geschichte auf⸗ zeichnet. Dieses Regiment zieht jetzt heim mit den Trophaͤen, —88 die Russischen Waffen im Verlaufe des letzten Krie⸗

1

8 88

2 *

ees errungen haben, und unter denen sich der Thron des Abbas Mirza befindet, der von Seiner Majestät dem Kaiser zur Aufstellung in der Waffenpfalz zu Moskwa bestimmt ist; fer⸗ ner 7 Kanonen, von Persischen Meistern, während der Rus⸗ sischen Verwaltung der Provinz Adzerbeidshan, im Stuüͤck⸗ hofe zu Tauris gegossen, und zwei Gemäͤlde aus dem Schlosse Udshansk mit der Darstellung der Siege des Abbas Mirza. Der kostbarste aber aller dort gewonnenen Schätze ist wohl fuͤr die gelehrte Welt die Bibliothek von Ardehil, welche der Graf Suchtelen bei der Einnahme jener Stadt erbeutete. Sie wurde 1013 nach der Hedschra zuerst begruüͤndet. Der dazumal regierende Schach Abbas I. deponirte die von ihm gesammelten Manuscripte in einer Moschee, die er zum An⸗ denken seines Großvaters Scheikh Sopht an eben dem Platze errichtete, wo dieser Stammherr der Dynastie der Sophis begraben liegt. Die Perser⸗Schachs werden in Ardebil ekröͤnt. 8

1 Am 5. Jult reiste der Patriarch von Armenien, Ephralm, aus Tislis nach dem Kloster Etschmiadzin im Ararat, ab. Dieser 85sährige Greis verließ 1821, um den Bedraͤngungen ter Glaubens⸗Fremdlinge zu entgehen, seinen Patriarchen⸗ stuhl, damals innerhalb der Graͤnzen Persiens im Chanat von Erivan belegen, und suchte eine Zuflucht im Agnat⸗Klo⸗ ster in dem Gebiete von schalinsk, von wo er 1826, waͤhrend der Unruhen des beginnenden Krieges, sich vor den Verfolgungen des Feindes nach Tiftis fluͤchtete. Gegenwär⸗ tig erfreut sich die Geistlichkeit von Erschmiadzin, beschirmt

3 rusitrünt .222 einer freien und ruhigen Aus⸗

I

u.—“ Aufgang der Sonne bemerkte man zu bei⸗

11u“

1 8 8

übung ihrer Gebraͤuche, und das Haupt der Armenischen

Confession kehrt nach Armenien zuruͤck. Unbeschreiblich ruͤh⸗ rend war der Abschied des reisenden Patriarchen von Tiflis. Einige Tage nach einander draͤngte sich das Volk vor seiner Zelle, und jeder sehnte sich, seinen Segen zu erhalten. Die dargebrachten Opfer fuͤr den Altar in Etschmiadzin überstei⸗ gen jede Vorstellung.

Der Commandeur des abgesonderten Kaukasischen Corps, Graf Paskewitsch von Erivan, hat am 10. Juli eine Behoͤrde zur einstweiligen Verwaltung des Paschaliks von Kars errichtet, und den Obrist des Grenadier⸗Regiments Cherson, Fuͤrst Bekowitsch⸗Tscherkaskji, zum Präsidenten und Chef der in der Festung Kars befindlichen Truppen er⸗ nannt. Die Garnison der Festung besteht aus dem Infan⸗ terie⸗Regiment Krim, dem 2ten Bataillon des 3osten Jäger⸗ Regunents und 2 Hunderten des Kosacken⸗Regiments Is⸗ walsow. Zur Reparatur der den Tuͤrken abgenommenen Kanonen werden die wirksamsten Maaßregeln ergriffen. Das active Haupt⸗Detaschement hat sein Lager vor Kars

aufgeschlagen. Frankreich.

Paris, 25 August. Der gestrige Moniteur enthält die Verordnung, welche der Koͤnig unterm 20sten v. M. uͤber die Instruction der Criminal⸗Prozesse in Guiana, vor⸗ laͤufig und bis daß das peinliche Gesetzbuch den Französischen Colonieen in Amerika angepaßt seyn wird, erlassen hat. Folgendes ist der Haupt⸗Inhalt derselben: Alle peinlich an⸗ geschuldigte freie Einwohner von Guiana sind befugt, sich einen Defensor zu wählen; den Selaven wird ein solcher ex officio gestellt. Der Defensor hat das Recht, sich mit sei⸗ nen Clienten zu besprechen. Weder im Laufe der Instruc⸗ tion, noch vor dem versammelten Gerichte, soll von den Ar⸗ geschuldigten irgend ein Eid verlangt werden. Die Sitzun⸗ gen sind oͤffentlich; der Angeschuldigte und sein Advokat sind dabei zugegen und haben stets das letzte Wort. Haben sie zu ihrer Vertheidigung nichts mehr hinzuzufuͤgen, so entfer⸗ nen sich sofort die Richter zur Berathschlagung, und das Urtheil erfolgt auf der Stelle. Ist die Oeffentlichkeit ge⸗ fährlich fuͤr die Ordnung und die guten Sitten, so kann die Sitzung auch bei verschlossenen Thuͤren statt finden, in wel⸗ chem Falle aber der Gouverneur der Colonie zuvor davon benachrichtigt werden muß. Innerhalb dreier Tage nach er⸗ folgtem Urtheile kann auf Cassation angetragen werden. Der condemnirte Theil hat zugleich die Prozeß⸗Kosten zu tragen. Ist es aber ein Sclave, so fallen die Kosten der Colonial⸗Kasse zur Last. Die Herzogin von Berry ist am 16ten Nachmittags in Tarbes angelangt. Am folgenden Tage Morgens um 8 Uhr begaben J. K. H. sch nach dem zu dem Pferderen⸗ nen bestimmten Platze, wo ein geschmackvoll verziertes Zelt zu Hoͤchst Ihrem Empfange aufgeschlagen war. Ueder 10,000 Zuschauer aus dem Orte selbst und der ganzen Um⸗ gegend hatten sich zu dem Feste versammelt. as Pferde⸗ rennen dauerte 2½¾ Stunden, und die Prinzessin vertheilte selbst die Preise. Gegen Mittag setzten J. K. H. die Reise nach Auch fort, wo Sie um 6 Uhr anlangten, daselbst uͤbernachteten, Sich am folgenden Tage nach Agen begaben und nach einem 855 Aufenthalte daselbst über Nerac und Condom nach St. Sauveur zurüuͤckkehrten.

Man hat berechnet, daß bei guͤnstigem Winde die Eype⸗ dition nach Morea gegen Ende nses Monats an den Kuͤsten des Peloponneses anlangen kann; die Nachricht von ihrer Ankunft läßt sich sonach nicht vor dem 10. bis 15. Septem⸗ ber erwarten. Fuüͤr den Fall, daß die Schiffe sich einander aus dem Gesichte verlieren sollten, sind ihnen die Saptenza⸗ Inseln bei Modon zum Vereinigungs⸗Punkte 2

worden. Aus Marseille wird unterm 18ten d. M. gemeldet, daß b der Befehl daselbst eingegangen sey, Alles zur Einschiffung von 500 Pferden vorzubereiten. Da keine disponiblen Fran⸗ zoͤsischen Transport⸗Fahrzeuge mehr auf der Rhede vorhan⸗ den waren, so vermuthete man, daß die Einschiffung auf Englischen Schiffen, welche binnen 2 in Toulon oder Marseille erwartet wurden, geschehen wuͤrde.

„Der oberste Kriegs⸗Rath,“ sagt der Courrier⸗frangais, „fährt fort, sich mit vieler Thätigken mit der Reorganisatton der Armee zu beschoͤftigen. Die Haupt⸗Grundsagen des neuen Systems scheinen bereits desinitiv festgestellt zu seyn; wir würden danach, nach dem Beispiele Preußens und mehre⸗ rer anderen Europälschen Maͤchte, eine active und eine Re⸗ serve⸗Armee haben; in belden wuͤrde die Dienstzeit auf drei Jahre festgesetzt werden; die verschiedenen Corps, woraus die Reserve gebildet wird, würden nach den Landes⸗Bezirken

vertheilt werden, und sich alljaͤhrtich nur einmal auf .