1828 / 233 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Monat zu den militairischen Uebungen unter ihre Fahnen sammeln; die active Armee wuͤrde, mit Ausnahme der Gen⸗ darmerie und des Veteranen⸗Corps, aus 200,000 Mann bestehen.“ m Die Gazette de France enthaͤlt uͤber die Verordnung vom 20ten d. M. in Betreff der Galeeren⸗Sclaven einen, angeblich aus Versailles eingesandten, Aufsatz, worin Hr. Hyde de Neuville wegen dieser Verordnung bitter getadelt, und letztere als eine halbe Maaßregel bezeichnet wird; ein bloßer Mimnisterial⸗Beschluß, meint der Verfasser, wuͤrde hinret⸗ chend gewesen seyn, um die Galeeren⸗Selaven, nach Maaßgabe ihrer Vergehen, von einander zu sondern und in die ver⸗ schiedenen Militaͤr⸗Haͤfen zu vertheilen; denn wer durch ein einziges telegraphisches Signal ganze Flotten in Bewegung setzen koͤnne, dürfe eben so gut einige Verbrecher von einem Punkte des Reiches nach dem andern wandern lassen; man habe sich aber in den oͤffentlichen Blaͤttern wichtig machen wollen, und doch werde mit der angenommenen Maaßregel der beabsichtigte Zweck in keiner Art erreicht werden; die Hauptsache sey, daß man erstens die Zahl der Verbrecher zu vermindern, und zweitens Diejenigen, die bereits verur⸗ theilt sind, dahin zu bringen suche, daß sie fich bessern; das erste Resultat werde unfehlbar durch eine religiöͤse Erziehung, das andere aber dadurch erzielt werden, daß man den Geist⸗ lichen recht oft Gelegenheit gebe, den Verbrechern Trost zu⸗ zusprechen und ihre Herzen fuͤr die Tugend zu gewinnen; wenn man indessen die sogenannte Priester⸗Parthel sogar bis in die öffentlichen Unterrichts⸗Anstalten verfolge, so duͤrfe man sich auch nicht wundern, wenn sie aus den Bagnos und Gefängnissen vertrieben wuͤrde. 2 An einer andern Stelle macht dasselbe Blatt (die Ga⸗ zette de France) sich in folgenden wenigen Worten gegen die Minister Luft: „Das Ministerium bezahlt, wie alle Welt weiß, zwei Zeitungen, und diese Zeitungen greifen taͤglich die Reltgion des Staars auf eine nichtswürdige Weise an.“ Hr. Royer⸗Collard, Praͤsident der Deputirten⸗Kammer, ist heute auf einige Zeit nach seinem Landsitze zu Vieur un⸗ weit Valancey abgereist. eer Doctor Gall ist am 22. d. M. Abends um 10 ¾ Uhr auf seinem Landhause zu Montrouge mit Tode ab⸗ gegangen. 48. 8 Großbritanlen und Irland. London, 23. August. Die Moruing Chronicle ent⸗ haͤlt unter der Ueberschrift: „eine wundervolle Geschichte“ einen aus Greenwich datirten Brief, dessen Verfasser sich für die Authentieität seines Inhalts verbindlich macht Er lautet wie folgt: „Ein ganz eigenthuͤmlicher Vorfall, welcher sich hier am letzten Montage zutrug, hat das hiesige v in eine noch immer anhaltende Spannung ver⸗ t. Um halb vier Uhr am Morgen jenes Tages warf ein fremder Kutter, welchen man am Tage zuvor in einer sehr verdoͤchtigen Weise hatte den Fluß hinauf gehen sehn, vor Greenwich Hospital Anker. Die Schiffsleute, welche um denselben draͤngten, wurden durch Lensen benach⸗ richtigt, daß man ihrer Huͤlfe nicht beduͤrfe, und nach einer kurzen Zeit sprangen dret in Maͤntel gehuͤllte Maͤnner, wesche wie Offiziere aussahen, und von denen einer viel Aehnlichkeit mit Dom Miguel hatte, in ein Boot und wurden von zweien der Schisssmannschaft mit unglaubli⸗ cher Schnelligkeit nach der Richtung von London zu geru⸗ rt. Das Fahrzeug selbst lichtete kurz darauf die Anker und man verklor es bald aus dem Gesicht; aber das Boot gelangte bis an den Tower, wo es eine plötzliche Wendung nach dem rechten Ufer gemacht und sich unter die große Nenge der Fahrzeuge verborgen haben foll. Hierin liegt ein Geheimniß, dessen Aufklärung dem edlen Herzog, wei⸗ cher an der Spitze der Verwaltung steht, gebuͤhrt, indem er diejenige Anskuͤnft daruͤber geben muß, die das Volk zu deslangen berechtigt ist. Geheimniß in Bezug auf eine pismarische Misston, wenn dieselbe beendet ist, ist nicht 88eg gefährlch als Oeffentlichkeit bei ihrem Anfange Rad ihrer Leitung seyn wuͤrde: die Triebfedern und das ihr Fer⸗ jeder Regterung muͤssen verborgen werden, aber sech⸗ ssserblan muß den Blicken eines freien Volkes ossen v7 Times theilt jetzt die Protestation der Französischen fe gegen die beiden Verordnungen wegen der geistli⸗ chen Seminarien mit. Sle vergleicht die FSs mit den Irischen Orangigeen, wesche sich ebenfalls üͤber Verfolgung 2 82 Uund mit Widerstand drohten, weil die Stimme der Nation ihre igennützige Intoleranz unterdruͤckte und Anspruͤche auf „das Uebergewicht“ herabstimmte; wenn, agt das genannte Blatt, die Minister und ihr Koͤniglicher

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Herr fest waͤren, so wuͤrde all dieses laͤr vo le Geschrei IIIöu.“ in Nichts aufloͤsen. . . Wo Lord Anglesea nur auf seiner gegenwärtigen Reise

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nach Irland erscheint, findet er die freundlichste Aufnahme und sein herablassendes Betragen nimmt Jedermann füͤr ihn ein. Als er durch Tipperary kam, spannten die Landleute die Pferde von seinem Wagen und zogen ihn eigenhaͤndig durch ihre Ortschaften. b

Laut Briefen aus Monte Video soll der die Blokade von Buenos⸗Ayres befehligende Brasilianische Admiral sich hoͤchst willkuͤhrlich benehmen, und besonders die Englischen Schiffe ohne alle Ruͤcksicht auf Gerechtigkeit und Billigkeit behandeln. 3

Niederlande. Bruͤssel, 26. August. Der Geburtstag Seiner Maj. des Koͤnigs wurde gestern feierlich begangen. Um 11 Uhr. versammelten sich sämmtliche Militair⸗ und Civil⸗Behoͤrden in der Kirche von St. Michael und Gudula, um dem Te Deum beizuwohnen. Um 1 Uhr hatten die Garnison⸗Trup⸗ pen große Parade. Darauf fanden die uͤblichen Spiele und Lustbarkeiten statt. Am Abend waren alle oͤffentlichen Ge- baͤude und eine große Anzahl Privathäuser erleuchtet. Deutschland. Die Neue Maynzer Zeitung (vom 27. August) enthält. folgendes Schreiben aus S. vom 24. August: „Alle von hier aulsgezogenen Akademiker mit Ausnahme von Uunge. faͤhr 150 haben sich hier wieder eingefunden, und die Wi t derangekommenen haben gestern den zu Frankenthal ausge⸗ sprochenen Verruf der Universitäͤt Heidelberg als aufgehoben erklart.“ (Da weder die Karlsruher, noch die Darmstäͤd⸗ tische, noch auch die Frankfurter Zeitungen in den neuesten Blaͤttern resp. vom 25., 26. und 27. August eine ähnliche „S. enthalten: so moͤchte sie wohl noch der Bestätigung eduͤrfen.) * Mͤnchen, 23. August. Se. Majestaͤt der Koͤnig ha ben dem Staats⸗Minister Grafen von Armansperg das Großkreuz des Civil⸗Verdlenst⸗Ordens der Bayerischen Kron 1 zur Belohnung seiner bei der nun beendigten Staͤnde⸗Ver⸗. sammlung erworbenen Verdienste zu verleihen geruhet. 2 Muͤnchen, 25. August Aus dem Bericht, den de erste Praͤsident Frhr. v. Schrenk, als staͤndischer Schulden⸗ tilgungskommissair, am 2. August in der Kammer der Ab⸗ geordneten erstattete, und welcher den Zeitpunkt vom Jahre 1825 bis Ende Juni 1827 umfaßt (zu welcher Zeit Frhr. v. Schrenk als Appellatlonsgerichtspräsident nach Amberg versetzt wurde und demnach setne Funktion als Kommissair bei der Schuldentilgungsanstalt an den Abg. Ministerlal⸗ rath Haͤcker uͤberging), ergeben sich folgende Hauptresultate: 1) Die K. Schuldentilgungsanstalt hat im Lauf der ersten Finanzperlode dem K. Staatsministerium der Finanzen, auf den Grund des Kreditvotums fuͤr den Ausfall der Einnah⸗ men an grund⸗ und zehntherrlichen Gefaͤllen des Staats, im Ganzen 6,709,411 Fl. bezahlt; 2) das Gesetz über das Staatsschuldenwesen, vom 11. Sept. 1825, hat der Schul⸗ dentilgungsanstalt neben den seither von ihr bestrittenen Pensionen auch noch die üͤbrigen auf dem Staatsärar be⸗ standenen Penstonen zugewiesen, und derselben dadurch die jaͤhrliche Entrichtung einer Penstonslast von 5 Mlillionen aufgebuͤrder, zu deren Deckung aber nur 2,700,000 Fl. aus⸗ gesetzt, wodurch die Anstalt in die Nothwendigkeit versetzt wurde, dieses anfaͤngliche Defizit durch neue Anlehen in so lange zu decken, bis der Heimfall im Laufe mehrerer Jahre das Gleichgewicht zwischen Einnahme und Aus⸗ gabe herstellen wird. Zu Erleichterung dieser neuen Last haben Se. Maj. bestimmt, daß die Schuldentilgungsan⸗ stalt von den Ersparnissen der Armee jährlich 1 Million, zur Erleichterung und Aushuͤlfe, in monatlichen Raten zu 83,333 Fl. 20 Kr. erhalten soll. 3) Die Schulden⸗ tilgungsanstalt bekam eine weitere Last, indem sie die Realisirung eines Kreditvotums zu Erfuͤllung des Dienstes der ersten Finanzpersode im Betrag von 6,400,000 Fl. in vier gleichen Jahresfristen zahlbar uͤbernehmen mußte. 4) Traf die Schuldentiigungs⸗Anstalt ein druͤckendes Ereig⸗ niß durch den Spruch des Oberappellations⸗Gerichts zu Celle als Austraͤgal⸗Gerichts in Differenz zwischen den Kronen Valern und Baden, wegen Uebernahme der Rheinpfälzischen Schuld, indem dieses Urtheil drei Fünftel jener Schuld auf die Krone Balern überbuͤrdete; diese Schuld hat ihren Ur⸗ sprung aus Rechtsriteln vor dem Jahre 1811, und mußte von Valern mit 2,160,000 Fl. an Kapltal und mit 2,763,000 Fl. Zinsruͤckstand üͤbernommen werden. Ungeachtet dieser un⸗ guͤnstigen Ergebnisse hat die Schuldentilgungs⸗Anstalt ihren Kredit erhalten, ihre Zahlungen geleistet, Schuldenbriefe in 5, und 4procentige mobllisirte Obligationen au porteur um⸗

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