1828 / 261 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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bereisen, um sich von dem Zustande des Handels und Ge⸗ werbfleißes dieser Provinz naͤher zu unterrichten und ihm daruͤber einen ausfuͤhrlichen Bericht abzustatten. Jener Beamte ist bereits in Pau angelangt. 1

Der bei der hiesigen Neapolitanischen Gesandtschaft angestellte Baron Antonini ist von Sr. Neapolitanischen Majestaͤt zum Geschaͤftstraͤger am Brasilianischen Hofe er⸗ nannt worden.

Der Messager des Chambres spricht sich heute in 8 gender Art uͤber den Russisch⸗Tuͤrkischen Feldzug aus. „Wir vermögen nicht, in die Zukunft zu schauen, und wollen da⸗ her auch nicht prophetisch entscheiden, was das Resultat des gegenwaͤrtigen Krieges zwischen Rußland und der Pforte seyn wird. Die öffentlichen Blaͤtter hegen seit einigen Ta⸗ gen eine Menge Vermuthungen uͤber den Kriegs⸗Schauplatz. Mit mehr oder weniger Kenntniß der Thatsachen, vernuͤnf⸗ teln sie uͤber die Bewegungen des Russischen Heeres, und einige Verzögerung in den militairischen Operationen, die sich durch das im Werke begriffene Concentriren der Streitkraͤfte erklaͤren läßt, giebt ihnen zu der Ankuͤndigung Anlaß, daß der Kaiser Nikolaus seinen Siegeslauf durch große Hinder⸗ nisse gehemmt sehe; so groß ist im Allgemeinen die Ge⸗ wohnheit des Publikums, sich die Ereignisse des Tages groͤ⸗ zer vorzustellen, als sie sind, und aus den einfachsten That⸗ sachen die uͤbertriebensten Folgerungen zu ziehen. Da wir von dem Kriegs⸗Schauplatze weit entfernt sind, so ist es uns unmoöͤglich, die verschiedenen Geruͤchte, womit man si herumtraͤgt, einzeln zu widerlegen. Wir koͤnnten, wie einige andere Blaͤtter, uͤber die Kriegskunst aburtheilen, die ver⸗ schiedenen Streitkräfte zaͤhlen und jeden Tag einen Armee⸗ Bericht auf unsere Manier machen; wir glauben aber, daß es besser sey, amtliche Nachrichten abzuwarten, die uns bin⸗ nen Kurzem zugehen muüssen. Die Ankunft des Kaisers Nikolaus im Hauptquartier, die Annaͤherung der gro⸗ ßen Russischen Reserven werden entscheidende Schlaͤge zur Folge haben, und wir sind in den Stand gesetzt, das Publikum sofort auf eine amtliche. tigsten Begebenheiten des Feldzuges in Kenntniß setzen zu koͤnnen. Es muß uns Wunder nehmen, daß aufgeklaͤrte Koͤpfe uͤber den Ausgang des Kampfes zwischen einer unge⸗ heueren disciplinirten Armee und den Tuͤrkischen und Astati⸗ schen Horden nur einen Augenblick zweifelhaft seyn koͤnnen. Wir haben uns gewiß nie die Schwlerigkeiten des Feldzuges verhehlt, und als dieselben Zeitungen, die heute diese Schwie⸗ rigkeiten uͤbertreiben, uns von einem militatrischen Spatzier⸗ gange des Kaisers Nikolaus nach Konstantinopel sprachen, so waren wir die ersten, welche bewiesen, daß die Bergketten des Balkan und die öeh Widerstand leisten wuͤr⸗ den, und daß ein ganzes Reich sich nicht so leicht zerstoͤren lasse, als man einen Armee⸗Bericht aufsetze. Es wuͤrde aber ein Irrthum seyn, wollte man von einem Extreme in das andere verfallen. Das Russische Heer hat genug Beweise der Tapferkeit gegeben; es ist zu zahlreich, und der Fuͤrst, welcher es anfuͤhrt, zu brav, als daß man den Feldzug als beendigt ansehen duͤrfte. Greifen wir daher, um uns aus⸗ zusprechen, nicht den Thatsachen vor; machen wir wenig Buͤl⸗ etins und erwarten wir dieselben lieber von den Kriegs⸗Be⸗ gebenheiten.“

Der Courrier⸗frangais benutzt die Ruͤckkehr des Koͤnigs, um in einem besonderen Aufsatze abermals die Nothwendig⸗ keit einer Reform in der Landes⸗Verwaltung darzuthun. „Wenn,“ meine derselbe, „in Folge einer Veraͤnderung in dem politischen S e eine Veraͤnderung des Ministeriums vor sich geht, so n auch alle die Maͤnner, die zu dem vorigen Systeme gehoͤrt haben, sich zuruͤckziehen. Man wirft uns vor, daß wir sonach Absetzungen in Masse verlangen. Allerdings, und wir raͤumen ein, daß dies eine traurige Noth⸗ wendigkeit ist; allein wenn man fruͤher nicht Absetzungen in

asse vorgenommen haͤtte, um die der Verfassung ergebenen

änner von der Verwaltung zu entfernen, so wuͤrde man jetzt nicht genoͤthigt seyn, zu demselben Mittel seine Zuflucht zu nehmen, um jene Maͤnner wieder in die Verwaltung zu⸗ ruͤckzuführen. Sonach ist auch diese Nothwendigkeit nichts als eine Frucht der Maaßregeln des Villele schen Ministe⸗ riums. Das Gehaͤssigste in dem Systeme dieses Ministerinms war, daß es unter der Maske der Scheinheiligkeit stets anders handelte, als es sprach. Das jetzige Ministerium hat dieses nicht noͤthig; es darf seine Absichten frei eingestehen, denn diese sind die Aufrechthaltung der Charte und der ge⸗ setzlichen Ordnung. So lange indessen Hr. v. Martignac seine Vorliebe fuͤr die Agenten der vorigen Verwaltung nicht

aufgiebt, werden jene Absichten immer in Zweifel grzogen

werden und der Argwohn wird fortbestehen, denn die erste

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Weise von den wich⸗

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Bedingung einer guten Landes⸗Verwaltung ist, daß sie Ver⸗ 8 trauen einfloͤße.“ 8423 1 Das Journal von Toulouse zeigt an, daß die geistlichen

Lehrer, welche von der Akademie zu Toulouse ressortiren, von

dem Cardinal⸗Erzbischof von Clermont⸗Tonnerre, welcher be⸗

kanntlich die Denkschrift der Bischöͤfe an den Koͤnig unter,

zeichnet hatte, ermaͤchtigt worden sind, dem Rundschreiben des

Ministers des öͤffentlichen Unterrichts zu genuͤgen, und dem-⸗,

zufolge die in der Verordnung vom 16. Junt verlangte Er⸗

klaͤrung, daß sie keiner gesetzwidrigen religioͤsen Corporation 28 angehoͤren, abzugeben. Dasselbe Blatt enthaͤlt dagegen Fol⸗ gendes: „Man versichert, daß mehrere Btschoͤfe lich von dem Minister der geistlichen Angelegenheiten ein

vertrauliches Schreiben erhalten haben, worin derselbe ihnen

meldet, daß die Verordnung wegen der kleinen Seminarien wichtige Modificationen erleiden werde.“ Der Constitution⸗ nel bemerkt, daß er diesem Geruͤchte unmoͤglich Glauben schenken koͤnne. 2

Die Gazette de France enthält in ihrem neuesten Blatte eine woͤrtliche Uebersetzung des (in Nr. 250. der Staats⸗ Zeitung unter Wien enthaltenen) Artikels aus dem Oesterrei⸗ chischen Beobachter uͤber die Franzoͤsischen Journale, und na-⸗ mentlich auch uͤber den Messager des Chambres Dieses Journal findet sich veranlaßt, in dieser 89 des zu bemerken: „Der Oesterreichische Beobachter wirft Uns vor, unter der Rubrik Odessa eine Reihe von Nachrichten gegeben zu haben, die er als ungenaue bezeichnet. Die Deutsche Zeitung hat ganz uͤbersehen, daß diese Nachrichten nicht unser Werk sind, und daß wir sie vielmehr aus der

Augsburger Allgemeinen Zeitung entlehnt haben. Man muß

im Messager des Chambres die eigenen Artikel desselben wohl von denen unterschelden, die er aus andern Blaͤttern ent⸗ lehnt, und fuͤr die er nicht verantwortlich seyn kann. Wir geben dergleichen oft, nicht sowohl als, üͤber allen Zweifel er⸗ habene, Thatsachen, sondern mehr nur in der Bild von dem Geiste gewisser Deutschen Zeitungen zu liefern.“

Der Constitutionnel, welcher bisher das tiefste Still⸗ schweigen in der Gall'schen Angelegenheit beobachtet hat, er⸗ hebt jetzt ebenfalls seine Stimme zu Gunsten dieses beruͤhm⸗ ten Mannes. Die politischen Interessen, sagt er, denen unser Jourual hauptsaͤchlich gewidmet ist, haben uns bisher ver⸗ hindert, unsre Aufmerksamkeit Privat⸗Gegenstaͤnden zu wid⸗ men. Dies war der einzige Grund unsers bisherigen Still⸗ schweigens uͤber die schamlosen Angriffe auf das Andenken des gelehrten Dr. Gall, zu welchen sich zwei angeblich“ka⸗ tholische Blaͤtter haben verleiten lassen. Diese gehaͤssigen Verlaͤumdungen sind zum Vorwande fuͤr neue Umtriebe ge⸗ gen die Wissenschaften, die man des Atheismus beschuld igt, geworden. Das Denkmal, welches Freundschaft und Be⸗ wundernng den Ueberresten des Dr. Gall bereiten, wird sich erheben, um jener Verlaͤumdung in den Weg zu treten. Welchen Irrthuͤmern wuͤrde man ausgesetzt seyn, wenn man dem Genie, bei Strafe, des Atheismus angeklagt zu wer⸗ den, verbieten wollte, die Geheimnisse der Natur in Bezie⸗ hung auf die moralischen Erscheinungen zu untersuchen? Wuͤrde ein solches Verbot nicht eine furchtbare Aehnlichkeit mit dem Veefahren jener Fanatiker einer fruͤheren Periode haben, weiche fuͤr jeden schoͤpferischen Geist Scheiterhaufen errichteten, welche die Philosophen verbrannten, um sie nicht verstehen zu muͤssen, und welche den großen Maͤnnern statt eines Tempels ein Gefaͤngniß, statt einer Bildsaäͤule ein Schaf⸗ fot anwtesen?

Großbritanien und Irland.

London, 20. Sept. In einer vor Kurzem gehaltenen Orange⸗Versammlung zu Dublin, ward ein langes Schrei⸗ ben vom Herzog von Cumberland vorgelesen, welcher das Amt eines Großmeisters der Orange⸗Maͤnner in dem Ver⸗ einigten Koͤnigreiche angenommen hat. nee

In Dublin hat es großes Aufsehen erregt, daß ein Pro⸗ testant Namens Richelson, ein sehr beguͤterter Mann, der vor einigen Jahren Ober⸗Sherif der Grafschaft Meath war und der Schwiegersohn des protestantischen Bischofs von Meath ist, 5 Pf. Sterling zur katholischen Steuer beigetragen hat. Fuͤr den katholischen Verein ist das Beispiel eines solchen Mannes von nicht zu berechnendem Werth. Welches üͤbri⸗ gens der Zustand von Irland ist, zeigt nichts besser als fol⸗ gender Vorfall, der sich kürzlich in Cork zutrug. Ein Eng⸗ laͤnder war daselbst auf einem Dampfschiffe angekommen in der Absicht die Seen von Killarney zu besuchen. Er trat in einem Gasthofe ab, und als er daselbst zu Mittag speiste und friedlich seinen Wein trank, fragte ihn einer der anwe⸗

senden Gaͤste: ob er ein Fremder sey, was er bejabte Irlaͤnder sagte sodann: .. jahete. Der loyalen Toa

sode „Zum Zeitvertreib will ich einen ausbringen, und sie werden ewiß nichts da-⸗. 2

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