1828 / 266 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

,u, . * EI1I.“ richt des, wegen der Angelegenheiten Canada's niedergesetz⸗ ten Ausschusses: Dieser Bericht ist ein werthvolles Doeu⸗ ment, und enthaͤlt Angaben, welche die Regierung in den Stand setzen werden, der Unzufriedenheit in der Provinz ein Ende zu machen. Man wird sich erinnern, daß die Hauptstreitigkeiten, wesche Unter⸗Canada beunruhigten, aus der Melnungs⸗Verschiedenheit des gesetzgebenden Rathes und des Versammlungs⸗Hauses, das heißt, aus der eines Oberhauses und eines Unterhauses hervorgegangen sind. In beiden Beziehungen ist die Nachahmung unseres Par⸗ laments in Canada mangelhaft es gab dort keine Ari⸗ stocratie, keine Maͤnner mit Grundeigenthum und bestän⸗ digem Einflusse, von denen man ein Oberhaus haͤtte bilden können, und das Verfammlungshaus oder Unterhaus wurde von dem Volke selbst erwaͤhlt und fuͤhlte die Macht, welche Abgeordneten oder wirklichen Repraͤsentanten des Volkes beiwohnt. In Unter⸗Canada giebt es 27 Maͤnner, welche im gesetzgebenden Rathe sitzen. 18 von ihnen bekleiden Aemter, die von der Krone abhängig sind und ihr ganzer Einfluß, sogar ihr Einkommen haͤngt von jenen Aemtern ab. Sle⸗ ben von den am Wentgsten abhaͤngigen Mitgliedern sind nicht zugegen. Mit diesem gesetzgebenden Rathe haben sich die Gouverneure von Zeit zu Zeit verbunden ganz na⸗ tuͤrlich, da sie nicht nur fanden, daß den denselben bilden⸗ den Mitgliedern die wichtigsten Stellen anvertraut waren, sondern da dieselben von allen Bewohnern der Colonie auch die meiste Bildung besaßen. Allein die natuͤrliche Folge davon ist, daß sich die, welche wissen, eine wie sehr sie die democrarische Macht der Provinz in ihrer Gewalt haben, höoͤchlich beleidigt fuͤhlen. In ihrem Wirkungskreise gestoͤrt, von ihrem Schutzrechte ausgeschlossen, vermuthlich auch oft von der Ausfuͤhrnug nüuͤtzlicher Plaͤne zuruͤckgehalten, haben sie die Unzufriedenheit hervorgerufen und unterhalten, wozu ein Complott von bloßen Beamten nicht hinreichen konnte. Die Trennung des Versammlungs⸗Hauses von der Regierung wurde viellelcht in derselben Art von dem Rathe unterhalten, welcher die Gunst der Regierung in einem engeren Kreise festzuhalten strebte. Es ist klar, daß dies System durch wel⸗ ches eine Koͤrperschaft mit rein democratischer Macht ausge⸗ ruͤstet wurde, waͤhrend eine andere mit keinem reellen Einflusse be⸗ gabt, sich zwischen jene und die Krone draͤngte, alle Gunst der ausfuͤhrenden Gewalt fuͤr sich allein in Anspruch nahm und die Fuͤhrer des Volks erbitterte, wenn man es laͤn⸗ ger befolgt, eine Trennung Canada's von England bewirken muß, und zwar ohne daß das Volk selbst wirklichen Grund hat, Beschwerde zu fuͤhren.

Die Mauritius⸗Gazette vom 10. Mai enthält eine Pro⸗ clamation des Gouverneurs, Sir G. Lowry Cole, worin ein strenger Tadel uͤber das Betragen von Individuen ausge⸗ sprochen wird, welche einige Tage vorher Sir Hudson Lowe offentlich beschimpft hatten. Der Gouverneur betrachtet die zugefügten Beleidigungen nicht geringer, als wenn sie der Person des Koͤnigs angethan worden waͤren, da Sir Hud⸗ son die vollständige Generals⸗Uniform trug. Obgleich die Mauritius⸗Gazette über den Vorfall nichts berichter, so laͤßt sich doch aus der Sprache der Proclamatton schließen, daß

die Haupt⸗Anstifter Fremde und Auswanderer gewesen seyen.

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Sie werden daher benachrichtigt, daß sie durch den Miß⸗

brauch des ihnen bewilligten Englischen Schutzes alle An⸗ spruͤche auf fernere Duldung von Seiten Sr. Excellenz ver⸗ wirkt haben.

Die zu Gibraltar herrschende Krankheit ist wirklich das gelbe Fleber, und zwar von sehr boͤsartiger Natur.

Der verstorbene Sir James Tillard hat von seinem Vermoöͤgen uͤber 100,000 Pfd. an Anstalten fuͤr kirchliche und milde Zwecke vermacht. 2

In unsern Indischen Besitzungen herrscht der sehr ver⸗ derbliche Gebrauch, den Soldaten und deren Weibern taͤglich unmäßige Quantitäten Brandtwein zu geben. Dies wirkt viel schädlicher als das Schwerdt der Feinde oder das Klima

er Birmanen. 3 .

Das Denque⸗Fieber hat sich zu New⸗Providence gezeigt. Vice⸗Admiral Fleming und seine Gemahlin waren ebenfalls angegriffen worden, sind aber bereits in der Besse⸗ rung be iffen. b

e. glaubte man laut Nachrichten vom 5. Au⸗ gust, die kürzlich von Spanien aus gekommenen 2500 Mann seyen bestimmt, einen Angriff auf Mexico zu machen.

Es defindet sich auf Jamaica ein Neger⸗Sclave, welcher aus einer der herrschenden Familien von Timbuctoo stammt. 2* Vater war Gouverneur von Gava, einer der drei be⸗ rühmten Städte im Innern Afrika's.

Neulich hat 2 Samuel Brown Esg. eine Maschine erfunden, mittelst deren sich große und schwer⸗

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EEb—“]; beladene Wagen waͤhrend einer Stunde 7 Meilen weit be⸗

wegen.

8 In einer Versammlung bei Lloyds wurde beschlossen

dem Fischer Thomas Harvey, welcher vor einiger Zeit so vie zur Rettung der Passagiere des auf dem Wege von London⸗ derry nach Quebec gescheiterten Fahrzeuges Despatsch beige⸗ tragen hat, 100 Pfd. zuzustellen. 1j

Das Mustk⸗Fest in York findet immer mehr Theilnahme. Madam Catalani zeichnete sich am zweiten Concert⸗Tage be⸗ sonders aus, und ward mit lauten Beifalls⸗Bezeugungen ausgerufen. 8

Einer der jetzt zu Plymouth befindlichen Portugiesischen Officlere beging neulich aus Unkunde der Englischen Sprache einen seltsamen Mißgriff. Er hatte einige seiner Cameraden zu Tische gebeten und befahl seiner Wirthin, fuͤr 20 Ham⸗ mel⸗Keulen zu sorgen. Die Wirthin machte ihm Vorstellun⸗ gen und aͤußerte, sie koͤnne unmoͤglich so viel Fleisch herbei⸗ schaffen. Da er indessen auf seinen Willen bestand, so ward die geforderte Quantitaͤt Hammelfleisch besorgt und ein Theil davon gekocht, ein Theil gebraten und ein Theil gebacken. Zur bestimmten Zeit erschienen die Gaͤste und man fing an aufzutragen. Als die fuͤnfte Keule hereingebracht ward, wunderte sich der Wirth und sagte, man habe schon genug Hammel⸗Keulen gegessen. Man antwortete ihm, es seyen noch 15 Keulen da, und er selbst habe es so gewollt. Jetzt klaärte sich die Sache auf. Er hatte nämlich statt 20 Ham⸗ mel⸗Keulen, 20 Schaafs⸗Fuͤße sagen wollen.

Niederlande. 8

Bruͤssel, 28. Sept. Der General⸗Commissair der Niederländischen Besitzungen in Ostindien, General van dem Bosch, ist am 25sten d. M. mit seiner Begleitung in dem Haag eingetroffen.

Ein HOesterreichischer Legations⸗Secretair reiste gestern mit Depeschen seines Hofes nach dem Haag hier durch.

Amsterdam und Saardam sind durch einen großen Ka⸗ nal verbunden, dessen Zweck es ist, große Schiffe von Am⸗ sterdam aus in die offene See zu befoͤrdern. Die Länge des Kanals betraͤgt 50 ½ Englische (ungefaͤhr 10 Deutsche) Meilen; die Breite der Oberflaͤche des Wassers 120 und die Tiefe 19 bis 20 Rheinlaͤndische Fuß. Der Kanal hat 18 Bruͤcken und doppelt so viel Schleusen, und ist so breit, daß sich 2 Fregatten ungehindert passiren koͤnnen. 18 Stunden braucht ein Schiff um aus dem Helder nach Amsterdam zu gelangen. Der Bau dieses Canals ward 1819 angefangen und 1825 beendigt, und kostete nach ungefährer Schaͤtzung 10 bis 12 Millionen Hollaͤndische Gulden. Wenn man die Groͤße desselben mit dem Cubikinhalte seines Bettes ver⸗ gleicht, so moͤgte er wohl der groͤßte in der Welt seyn, wenn er nicht vielleicht von einigen Chinesischen Kanaäͤlen uͤbertroffen wird.

Amsterdam, 27. Sept. Nachdem Staatspapiere waͤh⸗ rend eintgen Tagen allmaͤhlich im Preise zuruͤckgingen, fanden sich gestern wieder viele Kaͤufer ein und gingen daher erstere wieder merklich in die Hoͤtze,

In Colonial⸗Waaren bleibt es stille und ohne erheb⸗ liche Veraͤnderung.

Am Getreidemarkt war gestern in Weizen lebhafter Umsatz zu den juͤngsten Preisen. Roggen hob sich um Fl. 4 mit bedeutendem Handel. Gerste war vernach⸗ laͤssigt. Hafer war zu den vorigen Preisen nicht zu haben. Man legte folgende Preise an. 124. 128pfüͤnd. weißbunter

olnischer Weizen Fl. 295.315 128pfuͤnd. Koͤnigsberger 1. 228. 123pfüͤnd. Pommerscher Fl. 250. In Vorschluß galten 129pfuͤnd. weißbunter Polnischer Fl. 290 123pfd.

gemeiner Pommerscher Fl. 200 118.. 119. 120pfünd. Preuß. Roggen Fl. 166 168 170 119pfünd. Schwe⸗ discher Fl. 165. Ruͤboͤl war wieder etwas mehr ge⸗ sucht: pr. ord. oder 6 Wochen Fl. 40 pr. 1. October Fl. 48 pr. November Fl. 48 ¾ à ½, pr. December und Mai Fl. 48 ½⅞ à 4.

Deutschland. Aus dem Holsteinischen. Am 28sten Sept. fruͤh entschlief auf seinem Gute Enkendorff nach einem mehrtaͤgi⸗ gen Krankenlager der Graf Frledrich von Reventlow, Koͤniglich Daäͤnischer Geheimer Conferenz⸗Rath, und Groß⸗ kreuz des Dannebrog⸗Ordens, seit 1819 außerordentlicher Ge⸗ sandter und bevollmaͤchtigter Minister am Koͤnlgl. Hofe zu Berlin; mit Hinterlassung einer seinen Verlust tief betrau⸗ ernden Wittwe, einer gebornen Graͤfin von Schlippenbach Mit welcher unwandelbaren Treue und Ergebenheit er seinem 8 Monarchen, von dem er sich mehrfacher Beweise hoher 8 Gnade ruͤhmen durfte, gedient und welcher ausgezeichneten und ungetheilten Achtung er sich in allen seinen Le⸗ bens⸗Verhaͤltnissen zu erfreuen gehabt hat, ist gewiß 1pp*X***“

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