1828 / 270 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

der Lord Lientenant in dem Soldaten untergehn. Die Oran⸗ gisten rufen ihn jetzt auf, das Volk zu bewaffnen; wir wol⸗ len ihnen zeigen, daß wir Irland auf andere Weise als durch Waffen regieren koͤnnen“ Hr. Shiel that den Vorschlag, das Volk an den erwaͤhnten Versammlungen abzumahnen, und Hrn. O Connell zu ersuchen, daß er dies Geschaͤft uͤber⸗ nehme. Dies sand genehmigt. Außerdem las Hr. Staun⸗ ton einen Brief von Herrn Lawles vor, in welchem dieser die Aufnahme beschreibt, welche ihm in einzelnen Staͤdten bereitet worden ist. Auf seinem Wege nach dem Kirchspiele Ballybay umgeben ihn uͤber 250,000 Menschen. Man wollte ihn fast mit Gewalt noͤthigen, durch die Stadt Ballybay zu gehn, obgleich er auf diese Weise einen weiten Umweg haͤtte machen muͤssen, und sich außerdem der Gefahr aussetzte, von den in der Stadt befindlichen Organisten insultirt zu werden. Er mußte sich daher aus seinem Wagen auf ein Pferd schwingen und so der aufgeregten und fuͤr ihn im hoͤchsten Grade enthusiasmirten Menge entgehn. Zu Bally⸗ bay sind Katholiken und Protestanten auf das Aeußerste wi⸗ der einander erbittert, und bewachen sich, wie zwei feindliche Armeen. Die Zunftmeister in Dublin haben in einer Ver⸗ sammlung beschlossen, den Koͤnig zu ersuchen „daß er dieje⸗ nigen Minister entlasse, welche das protestantische Ueberge⸗ wicht in Gefahr gesetzt und die Protestanten bei ihm ver⸗ laͤumdet haͤtten“’. Dagegen hat man in andern Zusammen⸗ kuͤnften Petitionen abgefaßt, in welchen die Nothwendigkeit der Emancipation aus der erregten Gemuͤthsstimmung der Katholiken und der Wuth der gegen einander erbitterten 8 vee. dargethan wird. Während die Protestanten I stiften, bewaffnen sich die Katholischen Landleute. Die letztern sind in jedem Augenblicke zu einem ernstlichen Kampfe bereit. Hrn. Shiel's Angaben, daß sie vollkommen wie Regimenter organisirt, und mit Uniformen versehen, zusammenkommen, ist keinesweges uͤbertrieben. Ein Mann, welcher geaͤußert hatte, er mache sich nichts aus Herrn OConnell, wurde neulich gezwungen, Abbitte zu 2 „weil er nicht mit der gebuͤhrenden Ehrfurcht von

errn O'Connell gesprochen habe.“ Alle diese Nachrichten haben zu London viel Unruhen erregt.

Der Courier spricht sich daruͤber in folgenden Worten aus: Wenn wir einen bedeutenden Theil unseres Blattes den Nachrichten aus Irland widmen, so geschieht dies, weil die⸗

selben ein Interesse annehmen, welches sie in langer Zeit enicht gehabt haben, und weil wir darauf gefaßt sind, viel⸗ leicht noch vor Beendigung der Woche Meldungen von der hdoͤchsten Wichtigkeit zu erhalten. Die Irlaͤndischen Aufwieg⸗ ler sind endlich zu jenem kritischen Punkte ihrer Arbeiten ge⸗ lanagt, auf welchem, wie wir immer vorausgesagt haben, ihre

Wuͤnsche ihren Befuͤrchtungen nachgeben muͤssen. Ihre trau⸗ rigen Aufsichten lassen sich aus Herrn Shiers Rede abneh⸗ men. Sechs Monate sind kaum vorbei, seit die Regierung und das Land zuerst die Volks⸗Aufwiegelung bemerkten. Es ist kaum ein halbes Jahr verflossen; seit Herr O'Connel sich mit seinem Parlaments⸗Auftrage, das Volk aufzuwiegeln bruͤstete, die gruͤne Medaille emporhob, und Freuden⸗Gesaͤnge

anstimmte. Aber wie steht die Sache jetzt? Mit welchem Aluge betrachten der beauftragte Aufwiegler und seine Anhaͤn⸗

. eer das Ungluͤck, welches hervorzurufen ihm nur zu sehr ge⸗ gläͤcke ist? Das Landvolk hat sich auf 89 Ruf versam⸗ mmelt, und zwar mit einem Geiste des Aufruhrs, der ihnen alle

EFhre macht. Diese ruͤhmliche Erscheinung hat ihre kuͤhnsten Hosffnungen uͤbertroffen. Aber wir muͤssen wiederholen: wie steht es jetzt mit den Aufwieglern, jetzt, wo sie Alles ge⸗ khan haben, was sie innerhalb der Schranken des Gesetzes

wagen konnten, ja wohin vielleicht noch mehr gethan haben, laalbs selbst sie, eigennuͤtzig und kaltherzig, wie sie sind, zu

8 verantworten wuͤnschen moͤgen? Sie haben einen Geist her⸗ aaufb

eschworen, der ihren eigenen Muth in Schrecken setzt,

sie hatten kein Ohr fuͤr kriegerische Musik, sie begehrten nicht die Stelle eines Anfuͤhrers, sie fanden keine Freude an mi⸗ litaͤrischer Organisation, das Jubelgeschrei des Poͤbels, der 83„— Befeh. eines Volkshaufens, das Gedraͤnge einer Versamm⸗ 8 waren die Elemente ihres Ehrgeizes. Sie vergaßen

89 daß die ungeuͤbte Unwissenheit eines faͤhigen Volkes ihren Ehrgeiz fuͤr et

8 was Besseres halten konnte, als er wirk⸗ hlich ist, und daß dasselbe auf dem dunklen Pfade, welchen . 4 man es entlang lockte, leicht ein Irrlicht fuͤr einen Lobarn Leuchtthurm halten konnte, und was ist nun die Fo . Das getäuschte Volk steht uͤber einem Abgrunde! Ein Schritt weiter ist sein Untergang; und die falschen Fuͤh⸗ rer, welche es um Huͤlfe anruft, und die sich der

Getauschten nicht zu entledigen wissen, rufen zu ihrer egenen Rettung: Dalt! ir wollen mitleidiger Weise

und achtet ihn. Aber auch er ist Soldat, und bald kann

3 44— 2 8b 85 1 8 offen, daß das wenige Gefuͤhl, welches ihre lasterhafte eigung zu einer ungluͤckseeligen Beruͤhmtheit ihnen zuruͤck⸗ gelassen haben mag, einigen Antheil in ihrem Wiederstreben, zugleich mit ihren Opfern begraben zu werden, gehabt habe. Jeder Mann, der seine fuͤnf Sinne beisammen 22 mag sich daruͤber wundern, fuͤr welchen andern Zweck, als fuͤr wirklichen Verrath, diese Versammlungen in Irland ermu⸗ thigt worden seyn koͤnnten. Wer Herrn Shiel's Rede ließt, der begreift das ganze Naͤthsel der katholischen Association; es bestand, um es mit einem Worte zu bezeichnen, in der Drohung. Jetzt aber sind die Aufwiegler bis an die Graͤnz⸗ linie zwischen Drohung und Gewalt gelangt. Nie hofften die Regierung und die Protestanten, bevor sie jene Granz⸗ linie erreichten, eingeschuͤchtert zu haben, und da sie sich ge⸗ täuscht haben, so besitzen sie die instinktmaͤßige Klugheit, ein⸗ zusehen, daß es besser sey, zuruͤckzuschreiten, als bei ihrer ge⸗ gegenwartigen zweideutigen Lage sich weiter vorwaͤrts zu wagen.

Wenn wir (sagt dasselbe Blatt) anonymen Berichten aus Irland trauen duͤrfen (von denen nach und nach viele, wie wir fuͤrchten, zu Privat⸗ und Parthei⸗Zwecken fabrizirt wer⸗ den) so hat sich die Verwirrung in diesem unglüͤcklichen Lande in einen Zustand organisirter Spaltung aufgeloͤset. Die Katholiken entdeckten zuerst die Macht der Einigkeit; und die Art und Weise wie sie sie anwandten, uͤberzeugte die Protestanten von der Nothwendigkeit einem Beispiele zu folgen, welches, so gefaͤhrlich und unpassend es auch war, dennoch, sobald die eine Parthei es aufstellte, nothwendiger⸗ weise von der andern befolgt werden mußte. Sobald als die Katholiken sich durch das ganze Land in Clubs vereinig⸗ ten um eingestandener weise Maaßregeln gegen die Protestan⸗ ten zu ergreifen, so ward es unmoöͤglich, daß diese ruhig blei⸗ ben konnten. Ueberdem war es natuͤrlich, daß das trotzige Drohen mit physischen Kraͤften von Seiten der katholischen Anfuͤhrer, Furcht und Verdacht in Hinsicht ihrer Pläne er⸗ zeugen mußte. Umsonst war es, daß sie mit den Werkzeu⸗ gen des Verraths und des Gemetzels in der Hand von Gnade gegen ihre Mithuͤrger und von Loyalitaͤt gegen ihren Koͤnig sprachen umsonst war es, daß sie den friedlichen und harm⸗ losen Zustand eines organisirten Landvolkes schilderten, wäh⸗ rend sie uns mit seiner Reizbarkeit und Macht drohten. Nicht das Anerbieten zweideutigen Schutzes ist es, oder das Versprechen bedingter Schonung, was die Irlaͤndischen Pro⸗ testanten von ihrer Sicherheit uͤberzeugen oder nachlaäßig in ihrer Vertheidigung machen kann. Der naͤchste und in der e der einzige Weg, der ihnen offen stand, war, der Ge⸗ fahr zuvor zu kommen, wenn sie sie nicht abwenden konn⸗ ten. Deswegen wurden die Brunswick⸗Clubs durch ganz Irland errichtet, und mit bereitwilliger Sympathie folgten die Protestanten in England. Diese Clubs sind ein Uebel, aber ein nothwendiges nothwendig, um einigermaßen das groͤßere Uehel zu neutralisiren, naͤmlich das Anschließen einer verbundenen Masse an die Geistlichkeit, um die aus⸗ uͤbende Autoritaͤt der Krone zu vernichten, und das Volk durch sogenannten religioͤsen oder politischen, der Verfassung aber widersprechenden Einfluß, seiner Unterthans⸗Pflicht un⸗ getreu zu machen. Gewiß ist es, daß die Anfuͤhrer der Ka⸗ tholiken uͤber diese Zeichen der protestantischen Thaͤtigkeit sehr mißvergnuͤgt sind, und viele unserer Collegen fuͤrchten, daß die Spannung der Partheien heftiger und gefaͤhrlicher werden wird. Wir sind nicht der Meinung. Man saat uns, die beste Politik gegen die Katholiken sey Vermittelung

dem Lehrsatze treten wir bei, aber nicht der Folgerung. Wir werden uns freuen, die Katholiken beruhigt zu sehen, laͤugnen aber, daß die Unterwerfung der Protestanten dazu beitragen, oder ihr Widerstand es verhindern wird. Wenn Vermittelung bei den Katholiken versucht werden soll, so muͤssen sie erst dazu vorbereitet seyn. Erst muͤssen sie von dem uͤbertriebenen Begriff ihrer Macht zuruͤckgebracht wer⸗ den; nur dann, wenn sie nicht mehr befehlen koͤnnen, wer⸗ den sie anfangen, der Vernunft Gehoͤr zu geben. Wahr⸗ scheinlich wird die passive Vereinigung der Protestanten die erwuͤnschte Wirkung haben.

Man sagr, daß gleich nach Beendigung des Cabinets⸗ Raths vom Sonnabend von der Regierung der Befehl nach Irland ergangen sey, Herrn Shdiel Uund Herrn O Connell zu öe

as erste Bataillon des Coldstream⸗Garde⸗Regiments soll am naͤchsten Mittwoch von London nach —— gehen.

Lord Hill, Befehlshaber der Truppen, hatte am Sonn⸗ abende eine Conferenz mit dem Herzoge von Wellington und

Herrn Peel.