1828 / 275 p. 8 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

8 8 Jn“¹“; I“ der Insel Cuba abzusenden, fuͤr's erste aufgeben mußte.

ußerdem wurde zu gleicher Zeit die Regierung zu Bogota zurch innere Angelegenheiten von allen Operationen nach außen zuruͤckgehalten. Es liefen naͤmlich bei ihr von vielen Seiten Klagen wegen der Willkuͤhrlichkeiten ein, welche sich

dder in Venezuela commandirende General Paez erlaubte. Als sie ihm deshalb gebot, nach der Hauptstadt zu kommen und sich zu verantworten, weigerte er sich, diesem Befehle Folge zu leisten. Er hatte eine starke Parthei auf seiner Seite, welche es durchsetzte, daß ihn die Truppen der Staͤdte Valencia und Puerto⸗Cabello zu ihrem Oberhaupte procla⸗ mirten. Die Handlungen, welche er von dieser Periode an gegen die bestehende Regierung vornahm, gingen nicht so⸗ wohl aus ihm, als vielmehr aus den Planen einer im Ge⸗

heimen wirkenden Faction, deren thaͤtigstes Mitglied der“

kenntnißreiche, aber raͤnkesuͤchtige Dr. Pena war, hervor. In den von ihm berufenen Versammlungen von Abgeordne⸗ ten der Provinz Venezuela sprach sich das Verlangen nach einem Foöderativ⸗System ganz deutlich aus. Ein ahnlicher Wunsch ward auch in anderen Theilen der Republik, besonders in Guayaquil, rege, im ganzen Lande aber sehnte man sich nach der Ruͤckkehr Bolivar's, welcher sich noch immer in Peru aufhielt, da allgemein nur von ihm eine durchgreifende und befriedi⸗ —2 Wiederherstellung der Ordnung erwartet wurde. End⸗ ich erschien er und suchte die streitenden Partheien zu ver⸗ soͤhnen. Paez weigerte sich anfangs, der Regierung von Neuem Gehorsam zu leisten und erklaͤrte Venezuela fuͤr un⸗ abhaͤngig. Allein als bald darauf Puerto Cabello von ihm abfiel und Bolivar mit einem rasch gesammelten Hierhaufen gegen ihn anruͤckte, trat er mit diesem in Unterhandlungen und sprach seine Reue uͤber die Schritte ans, welche er zum Nachtheil der Ruhe seines Vaterlandes gethan hatte. Hier⸗ auf erfolgte die feierliche Versoͤhnung zwischen Paez und Bolivar und beide zogen vereint, unter dem lauten Jubel des Volks, in Carraccas ein. Fuͤr Paez und seine Anhaͤn⸗ ger decretirte Bolivar eine allgemeine Amnestie. Kaum war dieser Aufstand im Norden gedaͤmpft, als im Suͤden ein Neuer entstand. Die Truppen, welche Bolivar zur Be⸗ freiungg Peru's nach Lima, der Hauptstadt dieser Republik, geführt hatte, wuͤnschten nach Columbien zuruͤckzukehren, und

v.ir sich, da der Libertador sich weigerte, sie zuruͤckzuziehn,

in eine seinem Interesse abgeneigte Parthei an, welcher es idlich gelang, die von ihm fuͤr Peru festgesetzte Verfassung 8— stuͤrzen. Die columbischen Soldaten benutzten diese Ge⸗ segenheit, um, unter Bustamente’s Anfuͤhrung, nach Colum⸗ bien zuruͤckzumarschieren. Kaum hier angelangt, pflanzten sie in der Provinz Guayaquil die Fahne des Aufruhrs gegen die bestehende Regierung auf. Unter Peru's geheimen Cin⸗

os, aber die Siege der Generale Flores und Silva uber die sebellen stellten die Ordnung bald wieder her. (Fortsetzung folgt.)

8 b Vermischte Nachrichten. Beschreibung einer Tartarischen Hochzeit. EH. (Aus dem Russischen.) 8 Der Antrag zu einer beabsichtigten Verbindung wird . sehr zeitig gemacht und bisweilen mehrere Jahre vor der Hochzeit. Die Freiwerberin wendet sich anfanglich an die naͤchsten Bekannten des Maͤdchens um ihre Gesinnung zu erforschen. Ist diese dem Liebhaber günstig, so spricht die Freiwerberin mit ihrer Mutter, und alte Freunde der Eltern des Liebhabers übernehmen die Unterhandlung mit ihrem Vater. Diese Freunde werden Kuda's genannt. Wenn Vater des Madchens die Verehelichung seiner Tochter wonscht, so werden die Abgesandten mit Auszeichnung und mit einem großen Gastmahle empfangen; im entgegengesez⸗ en Falle aber ist der Empfang kalt, und sie müssen mit lee⸗ rem Magen abziehen. Hiebei ist es noͤthig zu bemerken, daß, wenn das Maͤdchen einen älteren Bruder hat, dieser waͤhrend der ganzen Dauer der Unterhandlungen eine sehr

wichtige Rolle spielt.

flusse rissen sich auch Quito und Popayan von der Republik

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11. Wenn er Nein sagt, wird gewoͤhnlich nichts aus der Hochzeit; heirathet sie aber dennoch ohne seine Zustimmung, so nimmt er weder an den Geschenken, noch an den Belustigungen Thell.

Die Freiwerberinnen machen es ab, wie viel Geld, Flachs, Gold⸗ und Silber⸗Faden, Tressen und Stoffe der Braͤutigam seiner Braut zu senden hat; auch verabreden sie die Qualitat und Quantitaͤt einer jeden Sache; ob der Guͤrtel von Gold oder Silber seyn soll; wie viel Armbaͤnder, Tschimbern, (ohngefaͤhr 4 Ellen große Tuͤcher die vom Kopf bis zu den Fuͤßen reichen) Marans oder Musselin⸗Schleier, mit Gold ausgenähte Spitzen, Feredge's (Oberkleider) Tuch, u. s. w. zu senden sind. Was die kupfernen Geschirre betrifft, so muß der Braͤutigam entweder die verabredete Zahl in Na⸗ tura schicken oder sie baar bezahlen. Es ist von mehreren Reisenden behauptet worden, daß die Tartaren ihre Toͤchter verkaufen: dies ist jedoch ganz unrichtig. Alle vor der Hoch⸗ zeit verabredeten⸗Geschenke sind einzig nur fuͤr den Haus⸗ halt der jungen Leute bestimmt. Sobald diese muͤndlichen Verhandlungen gluücklich beendigt sind, ist der Braͤutigam verbunden, seiner Braut auf einer großen kupfernen, ver⸗ ziunten Schuͤssel verschiedene trockene Fruͤchte zu senden, als: Feigen und Datteln, ferner Zucker, Gewuͤrznelken Mastix u. s. w. Ihre Eltern legen dagegen auf der Schuͤs⸗ sel einen großen Kuchen, der aus einem ganz besondern un sehr sorgfaͤltig zubereitete Blaͤtter⸗Teig, Baklawa genannt gemacht ist, und uͤber diesen ein Hemd, ein Paar lang. Hosen, ein ausgenaͤhtes Handtuch oder ein gewoͤhnliches Tuch, einen ausgenaͤhten Guͤrtel und einen Tabacksbeutel.

Von Zeit zu Zeit, so wie die Umstäaͤnde es erlauben, schickt der Braͤutigam außer den versprochenen Sachen, kleine Geschenke an seine Verlobte. Sobald alle diese Pflichten erfuͤllt sind, werden von seiner Seite auf's Neue die Frei werberinnen an den Vater der Braut abgefertigt, um zu erfahren, wann die Hochzeit Statt finden soll, worauf die⸗ ser den Tag der Feier festsetzt. Sobald selbiger sich nähert, schickt der Braͤutigam wieder hin, um zu fragen, ob die Braut bereit sey, oder ob etwa Hindernisse eingetreten waͤ⸗ ren? Heißt es nun, daß Alles von ihrer Seite in Ordnung ist, so muß er Ochsen, Schaafe, ein Fäßchen Honig, gebeu⸗ teltes Weizenmehl, seines Oel fuͤr die Tafel, Rosenwasser und Zucker zu Scherbet, so wie gemiethete Kameele und Pferde fuͤr die Gaͤste aus den benachbarten Doͤrfern hinsen⸗ den. Ist das geschehen, so begianen die Hochzeits⸗Feierlich⸗ keiten, sowohl im Hause des Brautvaters als des Vaters des Braͤutigams.

Koönigliche Schauspie

Montag, 13. Oet. Im Schauspielhause: Selbstbeherr⸗ schung, Schauspiel in 5 Abtheilungen, von A. W. Iffland. (Mad. Wolff wird als Baronin von Rosenstein hierin wie⸗

der auftreten.)

Koͤnigsstaͤdtsches Theater.

Montag, 13. Oct. Drei Tage aus dem Leben eines

Spielers.

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Auswärtige Börsen.

Amosterdam, 7. Oct. Oesterr. 58 Metalliq. 91 ⅛, Bank-Actien 1310.

373. Russ. Engl. Anleihe 867.

42₰ .2

Hamburg, 10. Oct. Russ. Engl. Anl. 89 ¾.

St. Petersburg, 3. Oet. Hamburg, 3 Mon. 9 ½2z. Silber Rubel 370. Kop-

Wien, 7. Oct. 5pCt. Metalliq. 949⁄. Bank Acten 1083 .

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hn, Mitredacteur Cottel.

Redacteur Jo

P.nek-ObHe. 1

Russ. Anl. Hamb. Certißc. 84½