1828 / 278 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Berlin, Donnerstag den 16ten detober. 18238

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1 Amtliche Nachrichten.

Kronik des Tages.

Der Koͤnigliche Hof legt Donnerstag den 16ten d., die Trauer fuͤr Ihro Majestaͤt die verwittwete Koͤnigin von Wuͤrtemberg auf 3 Wochen an. Berlin, den 14. Oct. 1828.

v. Buch, Ober⸗Ceremonten⸗Meister.

Die Damen erscheinen die erste Woche in schwarzen Kleidern, schwarzen Kopfzeugen, schwarzen Eventaillen und Handschuhen; in der zweiten Woche mit weißen Kopfzeugen, weißen Eventaillen und weißen Handschuhen; in der dritten

mit Kanten oder Blonden; 1 die Herren, welche keine Uniform tragen, in der ersten Woche

mit angelaufenen Degen und Schnallen; in den beiden letztern mit weißen Degen und Schnallen.

Zeitungs⸗Nachrichten.

Ausland. Frankreich.

Paris, 9. Oct. Folgendes ist der (im Supplemente zum gestrigen Blatte der Staats⸗Zeitung 7 interes⸗ fante Bericht des Handels⸗Ministers an den Koͤnig: „Sire, die Richtung welche seit dem Jahre 1814 unsere Handels⸗ Verbindungen mit den uͤbrigen Voͤlkern genommen haben, ist in der letzteren Zeit der Gegenstand lebhafter Controversen gewesen. Die oͤffentliche Meinung, einstimmig uͤber den raschen Schwung, welchen seit jeyer denkwuͤrdigen Epoche alle Zweige unsers industriellen Reichthums genommen haben, scheint uͤber die Frage sthellt, ob unser Zoll⸗System dieses Fortschreiten gefoͤrdert habe oder ihm vielmehr hinderlich ge⸗ wesen sey. Die Einen bauen alle ihre Hoffnungen fuͤr ei⸗ nen reichlicheren Absatz unserer Feld, und Manufaktur⸗Er⸗ zeugnisse auf die fremden Maͤrkte; sie legen mithin nur einen geringen Werth auf die Vortheile, die unsere Zoll⸗Tarifs denselben Erzeugnissen auf den innern Maͤrkten zusichern, und werden dadurch veranlaßt, sich gegen unsere Verbote und schuͤtzen⸗ den Tarifs auszusprechen, die sie als die einzige und hauptsaͤchlichste Ursache aͤhnlicher uns von andern Staaten aufgelegten Restrictio⸗ nen betrachten. Die Andern dagegegen uͤbertreiben die Opfer, welche die Consumenten zur Aufmunterung oder Sicherstellung der innern Production sich vernuͤnftiger Weise auflegen muͤs⸗ sen; uͤberdies behaupten sie, daß die Folgen der innern Con⸗ currenz stets hinreichen werden, um jene Opfer, sowohl in ihrer Dauer als in ihrer Groͤße zu beschraͤnken, und sonach beunruhigt sie der Absatz, den gewisse auslaͤndische Artikel, sey es nun wegen ihrer bessern Aualitaͤt, sey es (und zwar größtentheils) wegen ihres geringeren Preises, noch jetzt im Köoͤnigreiche finden. Noch Andere endlich, und diese nahern sich voͤllig den Grundsaͤtzen, worauf heutiges Tages —2 Handels⸗Tarifs beruhen, sind der Meinung, daß eine unveranderliche und absolute Theorie, sie sey welche sie wolle, so veränderliche und verschiedenartige Interessen, als die der gewerbetreibenden Klasse eines großen Staates, nicht füglich auf nuͤtzliche Weise befriedigen koͤnne. Sie glauben viserdin daß der National⸗ Fleiß, er moͤge nun auf den Aaerchan oder auf Fabriken verwendet werden, nicht ohne Schutz gegen die Concurrenz des Aus⸗ landes gelassen werden duͤrfe, und daß der erste und sicherste

Karkt fuͤr die Erzeugnisse desselben immer das Inland bleibe; aber sie sind ben e⸗ Meinung, daß der inlaͤndische Markt allein ihnen nicht genuͤge, und daß sie auch eines Absatzes nach dem Auslande beduͤrfen. Sie glauben daher, daß ein im Allgemeinen schůtzender Tarif unumgaͤnglich noͤthig sey, und daß man sich mithin hinsichtlich des, gewissen, bei uns einer großen Ausdehnung fahigen Erwerbzweigen gewaͤhrten

temporaͤren Schutzes liberal, ja vielleicht verschwenderisch zei⸗

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1n gen konnte und mußte; daß es aber nicht minder zum 2. . sten dieser Erwerbzweige selbst, als aus Billigkeit gegen an⸗

dere, die, gestuͤtzt auf ihre Vorzuͤglichkeit, von den Tarifs wenig oder gar nichts zu verlangen noch zu befuͤrchten ha⸗ ben, wie z. B. Wein, Branntwein, Seidenwaaren u. s. w., wichtig sey, die Grundlagen unseres auslaͤndischen und uͤber⸗ seeischen Handels moͤglichst auszudehnen. Sie fragen sich nun, ob, als eine Folge der unter der gegenwaͤrtigen Gesetz⸗

gebung gemachten Fortschritte, die den gedachten Erwerbzwei⸗

gen zu Theil gewordene Beguͤnstigung heutiges Tages nicht die 8 Graͤnze der wahren Beduͤrfnisse derselben uͤberschreite, un 2 sie wuͤnschen daher, daß man untersuche, ob man selchen * einiger von jenen Gewerbzweigen dem Geiste der sie beschuͤz⸗ 8 zenden Reglements nicht mehr entsprechen wuͤrde, wenn ma *

die Schranke, welche diese Reglements der Concurrenz de Auslandes entgegenstellen, erniedrigte und dadurch, zur Zu⸗ friedenheit der anderen Staaten so wie mehrerer unserer eige nen Producenten, unsere feste Absicht zu erkennen gaͤbe, nicht zu uͤbertreiben und allmälig der Freiheit des Handels Alle einzuraͤumen, was derselbe vernuͤnftiger Weise verlangen koͤnne. Dieser letztere Grundsatz, Sire, ist, meiner persoͤnlichen Ueber zeugung nach, derjenige, der dem Ackerbau, dem Gewerbfleiß und dem Handel Frankreichs, so wie diese sich seit den letz ten dreißig Jahren gestaltet haben, am meisten zusagte. U jedoch dieses System mit desto groͤßerem Erfolge in Anwen dung bringen zu koͤnnen, fuͤhle ich das Beduͤrfniß, daruͤber ein Urtheil in Anspruch zu nehmen, welches mich ermuthige, die Resultate desselben vor den Kammern allmäaͤlig zu entwickeln. An die Pruͤfung jenes Systems knuͤpfen sich uͤberdies meh⸗

rere besondere Fragen, deren Loͤsung von Ackerbau, Fabriken und Handel lebhaft gewuͤnscht wird und die ihrer Natur as 8 zu den Arbeiten der naͤchsten Sitzung der Kammern gehoͤren. Hierunter befinden sich: 1) die Feststellung der Woll⸗Einfuhr und der den wollenen Stoffen zu bewilligenden Ausfuhr., Praͤmie; 2) die Abschaͤtzung des resp. Nutzens oder Verluster, welcher fuͤr Alle, so in Eisen arbeiten, aus den Opfern er⸗, 3 waͤchst, die ihnen unsere Tarifs, zur Belebung unserer Häm⸗, mer, auflegen; 3) die Beibehaltung oder groͤßere Beschrän⸗ kung des fast ausschließlichen Vorzuges, der gegenwaͤrtig unu-.— serm Zucker aus den Colonien fuͤr den innern Verbrauch, und sogar durch das Raffiniren zum Absatze nach dem Aus,⸗, lande eingeraͤumt wird; 4) die Nuͤtlichkeit einer Ermaͤßigung unserer Korngesetze, sey es in ihrer Grund⸗Basis oder nur in ihrer gegenwaͤrtigen Anwendung; 5) die Moͤglichkeit einer Ausdehnung des Transitos auf verbotene Artikel oder wenigstens auf einige derselben. Noch ein anderer streitiger Punkt muß ebenfalls so schnell als moͤglich seine Erledigung erhalten, näm-⸗ lich der, welcher seit mehreren Jahren zwischen der Hauptstant und einigen andern Staͤdten der Provinz einerseits, und den

Hafen des Landes andererseits schwebt, indem jene ein En-. trepot von Colonial⸗Waaren als eine, fuͤr das allgemeine Handels⸗Interesse guͤnstige und zugleich ihnen selbst höchst 2 nuͤtzliche Einrichtung verlangen, diese dagegen gerade im Ge⸗ gentheil ein solches Entrepot als jenem Interesse widerstre. bend und ihre eigene Wohlfahrt zerstoͤrend zuruͤckweisen. —8 Die Entscheidung dieser Fragen, Sire, haͤtte eigentlich zu- nächst zu der natuͤrlichen Competenz des im Jahre 1824 ein⸗ gesetzten obersten Rathes fuͤr Handel und Colonien gehoͤrt. Allein dieser Rath, der sein Entstehen dem Beduürfnisse zu verdanken hatte, den Einfiuß, welchen verschiedene Ministe⸗ 8 rien auf Handel und Gewerbfleiß auszuuͤben befugt waren, zu centralisiren, ist von dem Augenblicke an uͤberfluͤssig 8. worden, wo diese Centralisation durch die Bildung eintes besondern Ministeriums fuͤr Handel und Manufacturen erreicht worden ist. Auch haben Ew. Maj. bereits selbst err kannt, daß die Geschaͤfte desselben mit der neuen Form, die Sie Ihrem Minister⸗Rathe gegeben haben, nicht mehr ver.. einbar sind, und uͤberdies wird es der Regierung nicht n Gelegenheit fehlen, die Gewandtheit der in jenem Rathe be⸗