1828 / 286 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

1 8 11“ IZger zu Fuß, hierauf folgte das Bataillon der Garde⸗Sa⸗ peure, und demnachst das Ismailowsche Garde Regiment. Se. Majestaͤt der Kaiser besichtigten selbst die Belage⸗ rungs⸗Arbeiten und uͤberzeugten Sich von den großen Schwie⸗ rigkeiten, mit welchen wir von Anfang an und besonders in den letzten Tagen, wo die Belagerungs⸗Arbeiten mit beispiel⸗ loser Kuͤhnheit vollbracht wurden, zu kaͤmpfen gehabt haben. Nachdem Se. Majestaͤt die Unterminirungen verlassen hatten, traten Sie in die Bresche und besichtigten alle Theile der Stadt, welche attaquirt worden waren. . Nach den nicht uͤbereinstimmenden Aussagen der Ge⸗ fangenen betrug die Besatzung der Festung Varna mit den bewafsfneten Einwohnern zu Anfange der Belagerung 22,000 Mann. Heute befinden sich in derselben nur 6000 Mann. UMAebrigens kennen wir noch nicht mit Gewißheit weder die Zahl der Gefangenen noch der eroberten Siegeszeichen, noch der Kriegs⸗Munition, welche in unsere Haͤnde gefallen ist.

Von den Operationen vor Schumla vom 16. (28. Sept.)

3 bis 21. Sept. (3. Oct.)

s Den 16. (28. Sept.) des Morgens hat der Feind von

der Festung aus zu feuern begonnen, und ist in dieser Zeit

seine Cavallerie in großen Massen auf die Vorposten des linken Fluͤgels eingehrungen. Der General⸗Major Sysolew sieß mit der Reserve seines Kosaken⸗Regiments auf den

Feind, und war bemuͤht, denselben an unsere Redouten her⸗

anzulocken und somit in deren Feuer zu bringen. Gegen Mittag erhielt der Feind aus der Stadt eine Verstaͤrkung

von regulairer Infanterie und Cavallerie; durch das Feuer unserer Redouten zum Schumla gezwungen. b

Die folgenden Tage beschossen wir uns gegenseitig ohne bedeutenden Verlust fuͤr uns.

Am 29. Sept. (2. Oct.) detachirte der Feind ein Corps von 4000 Mann Infanterie und 5000 Mann Cavallerie mit 14 Kanonen nach der Straße von Silistria, um den Gene⸗ ral⸗Major Nabel, welcher mit einer Brigade Uhlanen gegen Schumla vorruͤckte, von unserem Lager abzuschneiden. Der General⸗Adjutant Orlow wurde demnach beauftragt, die Ab⸗ sicht des Feindes zu vereiteln, und setzte sich sofort mit der 1sten reitenden Jäͤger⸗Division, 4 Bataillons In⸗ fanterie und 16 Kanonen gegen das Dorf Kadikioi in Marsch, griff den Feind an, brachte sein Geschuͤtz zum Schweigen und zwang 2 zum Ruͤckzuge. ns ischen hatte der General⸗ Major Nabel, der von der feindlichen Cavallerie angegriffen ward, dieselbe abgeschnitten und sich mit der Diviston des Grafen Orlow vereinigt.

er wurde jedoch Ruͤckzuge nach

Nachrichten uͤber die Kriegsereignisse in der kleinen Wal⸗ 8 lachei am 22. Sept. (4. Oct.)

er Seraskier von Widdin, an der Spitze von 26000 Mann mit 30 Kanonen, verließ am 12. (24.) Sept. die Verschan⸗ zungen bei Kalafat. Im Voraus war er schon zum Pascha dieser Stadt bestimmt worden; eine Ernennung, die bis jetzt in den beiden Fuͤrstenthuͤmern kein Beispiel hat. Bis an das Dorf Boglesta vorgeruͤckt, begannen die Tuürken sich zu verschanzen; in einer Entfernung von 7 Werst stand Gen. Major. Geismar mit einer Abtheilung von 4200 Mann un⸗ ter den Waffen. Trotz dieser Ueberlegenheit der Streitkräͤfte beschloß Gen. Geismar, den Tuͤrken zuvorzukommen, und durch einen kräftigen Angriff sie an der Fortsetzung der Ver⸗ schanzungen zu hindern; demzufolge griff er sie den 14. (26.) Sept. gegen Mittag an. Ein hartna iger Kampf begann, und dauerte bis zum Anbruch der Nacht, ohne daß sich der eine oder andere Theil eines entscheidenden Vortheils zu erfreuen hatte. Das Neurussische und Kargopolsche Dragoner⸗Regi⸗ ment zeichneten sich an diesem Tage hauptsächlich aus, nicht minder das Tamskische Infanterie⸗Regiment, welches nicht ohne bedeutenden Verlust den Angriff des regulairen Tuͤrki⸗ schen Fußvolks zuruͤckschlug. 5

Nach dieser Schlacht sah General Geismar wohl ein, daß er am folgenden Tage abermals wuͤrde angegrissen wer⸗ den, und daß der um so Vieles üͤberlegene Feind ihn leicht umzingeln, oder wenigstens in die Flanke greifen koͤnne; er entschloß sich daher, ihn noch in derselben Nacht zum zwei⸗ ten Mal anzugreifen, und fuͤhrte dieses mit dem glaͤnzend⸗ sten Erfolge aus. Nach einem verzweifelten Widerstande wurden die Tuͤrkischen regulairen Truppen aufgerieben; die , Corps wichen in der groͤßten Verwirrung; von 8 entsetzt, flohen sie bis Kalefat, wo gegen 10, —2 ohne Wassen, welche sie weggeworfen Feüeng Der Verlust des Feindes beträgt ei⸗ nige Tausend an Gerödteten, und 600 Gefangene. 8

Landsitze zur Stadt zuruͤckgeke

Der General⸗Lieutenant Langeron meldet Folgendes:

u den

11u“ „, e. 11’““ E1 ersteren gehoͤrt der Pascha von Albanien. Das ganze feind⸗ liche Lager sfiel in des Siegers Haͤnde, außerdem 24 Fahnen, 7 Kanonen, eine bedeutende Anzahl Pferde, Wagen, und Kriegs⸗ und Mundvorrath aller Art. Wir verloren gegen 600 Mann an Getoͤdteten und Verwundeten.

Dieser glaͤnzende Sieg sichert von nun an der kleinen Wallachei Ruhe zu, und verhindert die Ausfuͤhrung des vom Seraskier geaͤußerten Vorhabens, diese Provinz zu veroͤden, und ihr die Verbindung mit dem zu ihrer Vertheidigung bestimmten Russischen Korps abzuschneiden. Diese ruhm⸗ wuͤrdige That des Gen. Geismar belohnte S. M. durch die Ernennung desselben zum General⸗Lieutenant. Rußland.

Odessa, 11. Okt. Aus Cherson haben wir folgende Details uͤber die Reise Ihrer Majestät der regierenden Kai⸗

serin durch das dortige Gouvernement erhalten: Am 21. September uͤbernachteten J. M. in der deutschen Colonie Worms, am 22. in der Militair⸗Colonie Constantinowka, und am dritten Tage in Olschanka. Ueberall wurde die Kaiserin von den Zurufungen des Volkes begruͤßt, welches in Massen nach der großen Straße gestroͤmt war, um die geliebte Fuͤrstin zu sehen. Am folgenden Tage reiste J. M. bei vollkommenem Wohlseyn nach Umane im Gouvernement Kiew ab, wo Hoͤchstdieselbe zwei Tage zubringen wird.

Briefe aus Nicolajew melden, daß der Gesundheitszu⸗ stand des Vice⸗Admirals Fuͤrsten Mentschikow hoͤchst befrie⸗ digend und seine Wunde in taͤglich fortschreitender Heilung begriffen ist. Gestern Abend ist ein zur Kaiserlichen Marine gehoͤriges und von Varna kommendes Dampfschiff nach Ni⸗ colajew abgesegelt.

Frankreich.

Paris, 17. Oet. Am 14ten Nachmittags arbeitete der Koͤnig hinter einander mit Hrn. v. Rayneval, dem Minister des Innern und dem See⸗Minister, dessen Reise nach Nan⸗ tes von den hiesigen oͤffentlichen Blaͤttern irrthuͤmlich gemel⸗ det worden war. Vorgestern, als am Namenstage der Dau⸗ phine, empsingen Ihre Koͤnigl. Hoheit die Gluͤckwüͤnsche der Koͤniglichen und der Orleans schen Familie. Nach der Messe fuͤhrten Se. Maj., im Beiseyn des Dauphins, den Vorsitz im Minister, Rathe, bei, welchem der kuͤrzlich von seinem

5 Finanz⸗Minister wieder zugegen war. Der Köoͤnig wird sich am näͤchsten Montag, den 20sten, auf suͤnf Tage nach Fontainebleau begeben.

Man wird sich erinnern, daß die letzte Bekanntmachung des Moniteurs uͤber die allmaͤhlige Ausfuͤhrung der Verord⸗ nung vom 16. Juni, von den beiden Oppositions Blättern aus dem Grunde zu Gunsten der Geistlichkeit aus⸗ gelegt worden war, weil es bloß darin hieß, daß der Koͤnig die geistlichen Schulen zu Albi, Autun, Belley, Montauban und Vannes autorisirt habe; von einer festgesetzten Zahl dieser Schulen aber darin eben so wenig als von einer Bestäätigung der Superioren derselden die Rede war. Der Constituttonnel forderte hierauf das amtliche Blatt auf, seine Bekanntmachungen küͤnftig ausfuͤhrlicher zu geben, um der Quotidienne und der Gazette de France jeglichen Vor⸗ wand zu henehmen, die Minister der Schwuͤche zu zeihen. (Man vergleiche hieruͤber Nr. 283, Bi und 285 der Staats⸗Zeitung.) Jetzt liest man in der amtlichen Ru⸗ brik des gestrigen Moniteurs die nachstehende Be⸗ kanntmachung: „Ministerium der geistlichen Angelegen⸗ heiten. Mittelst Verordnung vom 15. d. M. haben Se. Maj. 1) die Zahl der geistlichen Secundair Schulen in den Disce⸗ sen von Avignon, Auimper und Tarbes; 2) die Gemeinden, worin diese Schulen küͤnftig bestehen sollen, bestimmt. Durch eine zweite Verordnung von demselben Tage haben Se. Maj. die von den Erzbischöfen und Bischoͤfen jener Diöͤcesen ge⸗ troffene Wahl der Superioren und Direckoren der fünf dar⸗ in befindlichen geistlichen Secundair⸗ Schulen genehmigt. Dieselben Foͤrmlichkeiten sind auch hinsichtlich der Dieesen von Albi, Autun, Belley, Montau⸗ ban und Vannes, deren der Moniteur vom 13ten d. M. summarisch erwaͤhnt hat, erfüllt worden; Alles der Verordnung vom 16. Juni gemaͤß, deren Bestim⸗ mungen allmaͤhlig in Ausfuͤhrung gebracht werden.

azette de e entblödet sich nicht, den an

*2ö

Die G 2 den Erzbischof von Toulouse, Cardinal von Ckermont⸗Ton⸗ nerre, ergangenen (im Supplement zum gestrigen Blatte der Staats Zeitung erwähnten) Befehl, bis auf Weiteres den Hof zu meiden, mit folgenden Worten zu begleiten: „Wenn man einen Fuͤrsten der Kirche, einen Mann, dessen Ergebenheit fuͤr den König allgemein bekannt ist, von einer solchen Ungnade betrossen sieht, so fraͤgt man sich, ob die Ausdruͤcke, die den Vorwand dazu gegeben haben, irgend

½ I1 8

LH“ 2