1828 / 307 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

2* benheiten angehoͤren, womit fuͤr Europa, ja vielleicht fuͤr die ganze Welt eine neue Zeitrechnung begonnen hat, wird sich, vereint in einem weiten Grabe, wiederfinden. Wie viele gefeierte Namen, wie manchen Ruhm, manche Tugend bedeckt die Erde nicht schon in diesen Ringmauern. Von so vielen glaͤnzenden Thaten verbleibt uns nichts, als was un⸗ vergaͤnglich ist: das Andenken, welches sie der Geschichte vermachen. Der wuͤrdige Waffengefährte eines Massena, Davoust, Ney und Suchet findet heute neben ihnen die ewige Ruhe, gluͤcklicher mindestens als diejenigen, die, auf fremdem Boden entschlafen, dort der Erde zuruͤckgegeben worden sind. Der General Dessolles verdient einen Ruhe⸗ platz neben den Helden, deren Thaten er im Leben theilte, deren schoͤnem Beispiele er folgte. Als Chef des General⸗Stabes unserer vornehmsten Heere, leitete er geschickt die Bewegungen der⸗ selben; er selbst fuͤhrte oft sie an, und stets war er den ihm üͤbertragenen wichtigen Amts⸗Verrichtungen gewachsen. In den Rath des Monarchen berufen, wußte er Das zu ver⸗ binden, was ewig unzertrennlich seyn sollte, aber nur zu oft von einander getrennt wird, die Ergebenheit fuͤr das Ober⸗ haupt des Staats mit der einsichtigsten Vaterlandsliebe. Er ehrte das Ministerium durch seinen Eintritt, wie er durch seinen Austritt sich selbst ehrte; er gewann dadurch noch in der Achtung seiner Mitbuͤrger. Zu allen Zeiten, in allen Lagen seines Lebens zeigte er eine unerschuͤtterliche Festigkeit des Charakters, welche bei ihm durch die Heiterkeit seiner Seele und durch ein in hohem Grade wohlwollendes Herz gemildert wurde. Die Tugenden, die in ihm den Staats⸗ mann ehren ließen, machten ihn auch als Privatmann schaͤtzenswerth. Er hinterläßt einen, dem Lande und allen seinen Freunden theuren Namen.“ Nach Beendigung dieser Rede wurde noch eine, von dem General Desprez abgefaßte biographische Notiz uͤber den Verstorbenen, von einem seiner Kameraden vorgelesen, da der Verfasser zu bewegt war, um sich diesem Geschaͤfte selbst unterziehen zu koͤnnen.

Bei der gegenwartigen Anfertigung neuer Waͤhler⸗ und Geschwornen⸗Listen ergiebt sich, daß die Zahl der Waͤhler in saͤmmtlichen Departements im steten Abnehmen begriffen ist; im Departement der Eure z. B., wo es deren im Jahre 1820 noch 2285 gab, zaͤhlt man jetzt nur noch 1489, und 181, weniger als im vorigen Jahre. Doch hat der Ertrag der direrten Steuern seit 1827 sich nicht vermindert. Zwei

Dinge sind daher nur moͤglich: entweder sind im vokigen Jahre mehrere unbefugte Buüͤrger in die Wahllisten eingetra⸗ sen gewesen, oder andere, welche die Wahlfaͤhigkeit haben, lasfes sich in diesem Jahre in die Listen nicht eintragen. Im Departement der Aisne giebt es in diesem Jahre 87 Wah⸗ ler weniger als im vorigen.

Vorgestern wurden hierselbst die Sitzungen des Cassa⸗ tionshofes, des Koͤnigl. Gerichtshofes und des Rechnungs⸗ hofes unter den uͤblichen Feierlichkeiten eroͤffnet.

Auf der Bruͤcke Ludwig XVI ist vor einigen Tagen das achte Standbild, welches den Admiral Bailly de Suffren vorstellt und dem des Admirals Duguay⸗Trouin gegenuͤber⸗ steht, aufgerichtet worden. Die n üͤbrigen vier Statuen werden erst im naͤchsten Fruͤhjahr aufgestellt werden.

Die Herausgeber des Constitutionnel, und eines seit einiger Zeit hier erscheinenden kleinen Journals, des Fi⸗

aro, sind auf Antrag der Gensd'’armerie des Dept. des veyron, wegen Verlaͤumdungen, die sie sich angeblich gegen dieses Corps erlaubt haben, auf den 28sten d. M. vor das

Zuchtpoltzei⸗Gericht zu Rhodez geladen worden.

Großbritanien und Irland.

London, 4. Nov. Der Sunday Times zufolge

die Minister fest entschlossen, eine Bill zu Gunsten der öͤmisch⸗Katholischen einzureichen; auch soll bereits eine Ab⸗ schrift fertig seyn, die man den vorzuͤgli⸗ katholischen

Rednern mittheilen will, um ihre Meinung verschiedene wesentliche Punkte einzuziehen.

In einem Priv reiben aus Dublin vom 30. Oct. heißt es: Das Bestuͤrmen der Provinzial⸗Bank hat hier und im südlichen Irland viel sehen und Unruhe verursacht.

zuerst ward ihre Nebenbank in Werford uͤberlaufen, dann am die Reihe an die Nebenbanken in Waterford, Kilkenny,

Clonmel und endlich in Limerick. Es wurden große Geld⸗ summen nach diesen Plätzen gesendet, und alle Anforderungen prompt befriedigt, so daß in diesem Augenblick alle Besorg⸗ nisse vorüͤber sind ens ist es uͤbrigens, daß jetzt weit mehr Gold aus Irland - 4 82 5 früher der Fall war. U rland geht, als es einige Monate Beduͤrfniß des 2 8 dieser Umstand mit dem Gold⸗

daruͤber laͤßt sc ben Landes in Verbindung steht, oder nicht, Sendungen aber .8.,e sagen; wenn diese Gold⸗

Folgen davon erwarten. genso assen sich nur n

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Wenn za unsern politischen

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9 d. * EWE noch Handels⸗Verlegenheiten kommen, so muß sich natürlich unsere Lage noch mehr verschlimmern. In politischer Hin⸗ sicht nehmen die Besorgnisse jeder Art taͤglich zu. Eine in Leinster zu haltende aber aufgeschobene Versammlung fand in Mullingae in der Grafschaft Westmeath statt. Ausschusse der katholischen Association sitzen beständig in Dublin, und Pestern noch versammelte sich die ganze Association. Ihre

usgaben sind bedeutend; es sind indessen Veranstastun⸗ gen getroffen worden, um ihr ein bestimmtes Einkommen zu sichern. Auf der andern Seite sind die Braunschweig⸗Cluks sehr allgemein, und besitzen gleichfalls bedeutende Fonds. Ob⸗ gleich man der Behauptung widersprochen hat, so ist es nichtsdestoweniger gewiß, daß sie Waffen ankaufen lassen. Der große Club haͤlt seine Sitzungen hinter verschlossenen Thuͤren. Dagegen sind die Sitzungen der Ausschuͤsse der katholischen Association oͤffentlich, so daß ein Jeder wissen kann, was in dieser vorgeht. Herr Jerirs, der vorige Ma⸗ vor von Limerick, ist hierher gekommen, um eine Criminal⸗ Klage gegen zwei obrigkeitliche Personen von Clare, wegen eines beabsichtigten Friedensbruches, einzuleiten, indem diesel⸗ ben sich mit dem Braunschweig⸗Club in jener Stadt einge⸗ lassen hatten. In Derry findet eine bedeutende Reacti statt. Herr George Dawson und die zu de er sich bekennt, finden mehr Freunde in Derry, als die Braun⸗ schweiger zugeben wollen. Der Mayor dieser Stadt, und einer der Aelterleute, haben sich den dortigen Braunschwei⸗ eern oͤffentlich widersetzt, und die achtbarsten Einwohner schlossen sich ihnen an. Fuͤr einen Platz, wie Derry, ist dies eine Sache von Wichtigkeit. Man hat den Plan, dem Kö⸗ nige William IV. eine Statue zu errichten; es sind aber Gruͤnde vorhanden, die es vermuthen lassen, daß die Irlan⸗ dische Regierung in diesen Plan nicht eingehen werde.

Aus der gestern im Allgemeinen erwaͤhnten Rede des Herrn Shiel theilen wir vorbehaltenermaaßen noch Folgendes mit: „Wenn ich,“ sagt derselbe, „um mich blicke, wenn ich die Scene betrachte, welche dies politische Gastmahl darbie⸗ tet, wenn ich auf eine so große Versammlung echrenwerther Buͤrger von London sehe, zu welcher Personen aller Klassen und aller Stande in Eintracht zusammengetreten sind, wenn ich meine Augen von dem Schauspiele, welches dieser ganze Saal darbietet, wegwende, und meine Aufmerksamkeit auf einzelne Gegenstaͤnde richte, und ich Männer sehe, welche eine so ausgezeichnete Stellung in diesem Lande behaupten, und ich werde gewahr, daß nicht allein eifrige Politiker, son⸗ dern auch Personen, die in der Literatur ausgezeichnet sind, dieser Versammlung ihre Theilnahme gewuͤrdigt haben, und wenn ich vor Allem auf Sie, meine Herren, meine Auf⸗ merksamkeit richte, welche in den Augen Englands einen so hohen Platz einnehmen, und welche fuͤr die ersten und fuͤr das Haupt der so großen Verbindung der Dissenter dieses Landes angesehen werden: so bin wirklich nicht eitel genug, um zu glauben, daß ich, der jetzt mit klopfendem Hei⸗ zen und stammelnder Zunge (laltering accent) zu dieser ch⸗ renwerthen Versammlung spricht, daß ich es sey, auf den das schlagende Zusammentreffen ehrenwerther Um⸗ stände bezogen werden koͤnnte. le diese Ehrenbezeugun⸗ gen sind nicht mir ertheilt, sondern dem gr Principe der Freiheit. (Beifall.) Meine Gegenwart in Londen bietet Ihren Gefuͤhlen eine Gelegenheit sich auszusprechen dar, nicht sowohl in Bezug auf die Sache, als auf ihren Vertheidiger, und Sie haben diese zufällige Gelegenheit be⸗ nutzt, um den Irlandern die innige Ueberzeugung zu geben⸗ daß ihre Anspruͤche sich auf die großen Prinzipien welche die Bürger eines jeden Landes und die Bekenner ci⸗ nes jeden Glaubens in dem edlen Anerkenntniß einer großen und unbegränzten Tolervanz sich zu eigen machen sollten. Ist jetzt eine Zeit, in r man die Vollziehung dessen, was

die Gerechtigkeit sordert, aufschieben kann, darf man jetzt die Beruhigung eines Landes verzögern? Wiez waͤhrend Morea ist, und der Russische Adler

Frankreich im Besitz von von den Mauern Varnass seinen Flug nach Konstantm ee rich⸗ tet,ist es da wohl Zeit, die Leidenschaften Irlands bis zur Wuth zu reizen, und 7 Mill. empoͤrte Menschen noch 1 Lauter Beifall.) Doch, meine Freunde, denn ich habe das

echt, euch so zu nenmnen, mißverstehet mich nicht, ich ver⸗ wechsle euch nicht mit der Parthei, welche so hart mit mei⸗ nem Vaterlande verfährt, ich weiß sehr gut, daß ihr von eben derselben Mißbilligung erfuͤllt seyd, welche mich bei der Art, wie man mein Vaterland behandelt, ergretft, und ich weiß eben so gut, daß alle Einsicht, alle Wuͤrde, aller Edel⸗ muth Englands auf unserer Seite sind. Die Gefuͤhle, welche

sich in dieser mmlung aussprechen, sind in einem großen Theil der Bevölkerung dieses Landes verbreitet, und ihr seyd die Repraͤsentanten einer großen Vereinigung seiner Vürger,