1828 / 331 p. 8 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Fuͤrsten der Wallachei. Die Pforte wuͤrde in einer Anzahl von Festungen Besatzungen unterhalten und diesen Festungen waͤre ein Bereich beizulegen, innerhalb dessen die Tuͤrkischen Truppen sich mit Lebensmitteln versehen koͤnnten, ohne Excur⸗ sionen in die benachbarten Gegenden machen zu duͤrfen. Alle naͤheren Bestimmungen über die Dauer der Regierung der Fuͤrsten, uͤber die Art ihrer Ernennung, uͤber die Grenzen und die innere Verwaltung ihrer Fuͤrstenthuͤmer, uͤber die Abga⸗ ben, zu deren Erhebung sie ermaͤchtigt waͤrem uͤber die Festun⸗ gen, welche Tuͤrkische Truppen einnehmen sollten, so wie uͤber ihre Staͤrke und die Befugnisse ihrer Befehlshaber, ferner die Organisation einer Municipal⸗Verfassung auf den Inseln u. s. w. wuͤrden in einer zweiten Unterhandlung zwi⸗ schen der Pforte, den verbuͤndeten Hoͤfen und einer Grie⸗ chischen Deputation, nach dem Beispiel der 1812 fuͤr Ser⸗ vien stipulirten, eroͤrtert werden. Endlich wuͤrden die letz⸗ ten Ergebnisse dieser Unterhandlung unter die Garantie al⸗ ler verbuͤndeten Hoͤfe oder auch nur derjenigen gestellt wer⸗

den, welche diese Verpflichtung eingehen wollten.“ (Schiuß naͤchstenb)

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Stralsund, 3. Dec. Die vorgestrige Jubelfeier der funfzigjaͤhrigen treuen und ehrenvollen Dienstfuͤhrung unseres hochverehrten Hrn. Generals und Commandanten, v. Kem⸗ phen, war allen Staͤnden eine willkommene Veranlassung, ihm Beweise der Achtung, der Liebe und Dankbarkeit zu * und Dadurch ihre aufrichtige Theilnahme an den Tag zu legen.

3 Die Vorfeier des Festes begann am 30. v. M. mit einem allegorischen Festspiel mit Choͤren, welches ein Prolog ein⸗ leitete, und dessen Bedeutung sinnig und treffend ein Epilog

auf den verehrten Mann anwendete, dem an folgenden Mor⸗ gen der wichtigste und froheste Tag seines Lebens gabrechen sollte. Vorgestern, als am wirklichen Fe⸗Tage, leitete ein frommes Dank⸗ Lied saͤmmtlicher in dein hiesigen Militair Er⸗ ziehungshause Unterricht genießender Soldatenkinder, vor dem Hause des Herrn Generals abgesungen, die Weihe des Ta⸗ ges auf eine seinem Herzen willkommene Weise ein, da Er seit 13 Jahren mit wahrhaft vaͤterlicher Fuͤrsorge die oberste Leitung dieser Anstalt geführt und noch kuͤrzlich fuͤr deren zweckmäͤßige Erweiterung thaͤtig gewirkt hat.

Das gesammte Officier⸗Corps begab sich hierauf in Be⸗ gleitung Sr. Durchlaucht des Herrn General⸗Gouverneurs Fürsten zu Putbus zu dem verehrten Jubel⸗Greise, Ihm die ehrerbietigsten Gluͤckwuͤnsche mit der lebhaftesten Theilnahme darbringend, wobei das allerhöchste Cabinets⸗Schreiben Sr. Majestaͤt des Königs uͤberreicht wurde, mittelst dessen dem Herrn General unter huldreicher Bezeugung der Zufrieden⸗ heit mit dessen treuer, ehrenvoller 50jahriger Dienstfuͤhrung der rothe Adler⸗Orden Zter Klasse verliehen und der Wunsch ausgesprochen ward, Ihn noch lange dem Dienste des Staats erhalten 5 sehen. 5

Ein General⸗Adjutant Sr. Koͤnigl. Hoheit unsers ge⸗ liebten Kronprinzen uͤberbrachte gleichzeitig ein eigenhaͤndiges Schreiben desselben aus Neapel, die gnäaͤdige herzlich wohl⸗ wollende Theilnahme an diesem schoöͤnen Feste so freundlich aussprechend, daß der Herr General dadurch eben so tief ge⸗ ruͤhrt als innig erfreut wurde!

Von wahrer Theilnahme und inniger Verehrung gelei⸗ tet, folgte das gesammte Regicrungs⸗Collegium dem Beispiel des Militairs und der Herr Prasident desselben sprach diese Gesinnung in Worten aus, die Ihm seine freundschaftliche Anhaͤnglichkeit eingegeben hatte, in welchem Sinne das gleichzeitig von Ihm uberreichte Gedicht verfaßt war.

Nicht minder brachte auch das gesammte Magistrats⸗ Cölleginm nebst den duͤrgerschaftlichen Repraͤsentanten, ihre aufrichtigen Gluͤckwünsche dar und druͤckten, bei Ueberreichung des Stralsundischen Buͤrgerbriefs, zugleich die Hoffnung aus, daß der Herr General nunmehr sich als ganz der Stadt an⸗ gehoͤrend betrachten und derselben noch lange erhalten wer⸗ den moͤge. Noch ward auch von Seiten der Buͤrgerschaft eine große silberne Terrine als Zeichen dankbarer Verchrung übergeben. Gleiche Gesinnungen und Wuͤnsche wurden auch von den Standen der Provinz, so wie von der Geistlichkeit

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in mit den Lehrern des Gymnasiums, ausge⸗ sprochen.

Nach 12 Uhr Mittags besuchte der Herr General mit unserm Herrn Regierungs⸗Präasidenten die Vorhallen des St. Johannis⸗Klosters, wo das Regierungs⸗Collegium, in der Absicht, seinem vaäͤterlichen Sinne entsprechend zu han⸗ deln, den vorher erwähnten Soldatenkindern ein Mahl hatte bereiten lassen. 3

Zu Mittag hatte sich im Saale der Brauer⸗Compagnie eine Gesellschaft von 96 Personen aus allen Staͤnden und von allen Behoͤrden zu einem frohen Mahle vereinigt, zu welchem das hiesige Officier⸗Corps, im Verein mit Seiner Durchlaucht dem Herrn Fuͤrsten zu Putbus, die Einladung hatte ergehen lassen.

Dem Jubel⸗Greise ward von demselben ein vorzuͤglich schoͤn und geschmackvoll gearbeiteter silberner Becher darge⸗ bracht, der das Sinnbild treuer, ehrerbietiger Anhaͤnglichkeit ausdruͤckte und durch den ersten Trunk daraus auf das lange dauernde Wablehe⸗ unsers gelichten Landesvaters seine wuͤrdigste und heiligste Weihe erhalten sollte.

Tief empfunden hallte das Lebehoch unter Geschuͤtzes⸗ Donner noch in dem Herzen aller Anwesenden, und diesem Toast, der jedes vaterlaͤndische Fest heiligt, folgten die aus⸗ gebrachten Gesundheiten auf das Wohl unseres hochverehrten Kronprinzen, des wuͤrdigen Jubel⸗Greises, unter Absingung eines Ihm von dem Officier⸗Corps gewidmeten Liedes, des tapfern, siegreichen Preußischen Heeres und aller in Ein⸗ tracht, Vertrauen und Frohsinn vereinigten Staͤnde.

Am Abend hatten Se. Durchlaucht der Herr Fuͤrst zu Putbus die Gewogenheit, in Ihrer Wohnung einen glanzen⸗ den Ball zu veranstalten, woran mehr als 300 der angese⸗ hensten Personen der Stadt Theil nahmen. 4

Berlin. Am Freitag den 5ten dieses Monats Abends starb nach einer kurzen Krankheit Herr Eberhard Sieg⸗ fried Henne, geb. 27. Juli 1759. Fruͤher als geschickter Kupferstecher bekannt, waͤhlte ihn die Koͤnigl. Akademie der Kuͤnste zum Inspector, welches Amt bei der großen Zahl der Schuͤler und der bedeutend angewachsenen Sammlung von Kunstsachen und Gegenstaͤnden des Unterrichts literari⸗ sche Bildung und Kunstsinn erfordert; diese Eigenschaften, vereint mit Herzensguͤte, Rechtschaffenheit und Thaͤtigkeit bis am letzten Tage seines Lebens erhalten sein Andenken den Seinigen und den hiesigen Kuͤnstlern in Ehren.

Koͤnigliche Akademie der Künste. G. Schadow. ¹ Köoͤnigliche Schauspiele.

Montag, 8. Dec. Im Schauspielhause: Das zuge⸗ mauerte Fenster, Lustspiel in 1 Aufzug, von Kotzebue. Hier⸗ auf: Christinens Liebe und Entsagung, Drama in 2 Abtheil. Und: Die Damenhuͤte im Theater, Local⸗Posse in 1 Aufzug.

In Potsdam: Je toller je besser, komisches Singspiel in 2 Abtheilungen; Musik von Mehul. Hierauf, zum Er⸗ stenmale: Die Familie der Unschuldigen, komisches Diver⸗ tissement in 1 Aufzug.

Konigsstaͤdtsches Theater. Montag, 8. Dec. Die Reise zur Hochzeit. Hierauf wird Herr rmonist aus St. Petersburg, Virtuos auf der Holz⸗Harmonika, mehrere Piecen auf diesem Instrumente vortragen. Zum Beschluß: Das Fest der Handwerker. (Hr. Beckmann wird als Stehauf wieder auftreten.)

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Aurswärtige Börsen. 2 Amsterdam, 2. Dec Ossterr. 55 Metalliq. 92 ½. Bank -Actien 1328. FI 193. Pamial-Oplig. 378 Russ. Engl. Anl. 87 ⅛. Hamb. Certisic- 86 ¼.

Loose au 100 Russ. Anleihe

Hamburg, 5. Dec. Oesterr. 5p Ct. Metalliq. 96 ½. Rasn Engl. Anl. 911. 42 4. 26 ½

Hamb. Cerüf. 86. 8 7

Anl.

Wien, 2. Dec

5pCt. Metall, 95 ½. Dank--Acten 1094 ½*

Gedruckt bei A. W. Hayn.

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