.
82 *8
82
I
. .₰
& 2* “ 9 2 ie
82 ,
austehnen werden, und daß sie sehr gut wissen, daß politische Vorrechte der Geistlichkeit nichts mit der Katholischen Reli⸗ gion, als Religion, zu thun haben.“
Die Morning⸗Chroniecle sagt: „Pariser Blätter sind mit Recht daruͤber unwillig, daß die Franzoͤsische Re⸗ gierung genoͤthigt seyn sollte, sich an den Papst zu wenden, um durch seine Vermittelung die Einwilligung eines Bischofs in Bezichung auf die neulichen Gesetze uͤber das Unterrichts⸗ wesen zu erhalten. Sie sagen, gerade dieses sey den Ultra⸗ montanen erwuͤlsscht, daß die Macht des Papstes, sich in die innern Angelegenheiten des Koͤnigreichs zu mischen, wieder anerkannt werde. Es ist gegen die Wuͤrde einer Regierung, fuͤgen sie hinzu, zuzugeben, daß sie einer fremden Macht we⸗ gen Ausfuͤhrung ihrer Gesetze unterworfen sey. Hier koͤnnen wir bemerken, daß wir uͤber Frankreich in Beziehung auf unsere katholischen Unterthanen einen großen Vortheil haben. Da nunsere Nachbaren die katholische Religion zur Staats⸗ Religion gemacht haben, so sind sie gewissermaaßen der Gnade der Hierarchie unterworfen, und da diese eine anerkannte Macht ist, so kann sie den Staat, wenn sie dem Willen der Gesetzgebung entgegen ist, der Gefahr buͤrgerlicher Zwietracht aussetzen. Nur wenn die katholische Religion als Staats⸗ Religion angenommen ist, und wenn sie sich zu einer Stimme berechtigt glaubt, kann jener fremde Einfluß sehr folgereich seyn. Daß der Papst durch eine maͤchtige Regierung, wie die von Frank⸗ reich, leicht in Schranken gehalten werden kann, ist wohl zu glau⸗ ben; aber, wie nachgiebig die Kirche auch immer gegen große Mo⸗ narchen gewesen ist, so sollte doch ein Staat, der nach Freiheit strebt, wie der Franzoͤsische, sich durchgreifender Maaßregeln bedienen. In Englanod aber ist die katholische Hierarchieg nicht anerkannt; man braucht sie in Beziehung auf neue Einrichtungen nicht mehr zu befragen, als andere dissenti⸗ rende Religions⸗Partheien, und deshalb verlangen wir weder die guten Dienste des Papstes, noch koͤnnten etwanige schlimme Dienste uns beeintraͤchtigen. Daher scheint es uns, daß es unklug seyn wuͤrde, wenn die Regierung sich in die inneren
Angelegenheiten der Katholiken mischen wollte, außer mit der Absicht, einen (ihr jedenfalls unnuͤtzen) Einsiuß auf ihre katholischen Unterthanen, durch Vermittelung des Clerus, zu erhalten. Wenn wir suchen, einen Einfluß auf die Ernen⸗ nung der höheren Geistlichen zu erhalten, so setzen wir uns dem Nachtheil aus, unsere National⸗Wuͤrde zu compromitti⸗ ren, indem wir mit einem Fremden uͤber die Ausfuͤhrung von innern Maaßregeln verhandeln. Wenn wir dagegen bie Katholiken sich selbst uͤberlassen, so moͤgen sie den Papst be⸗ fragen, oder sonst eine geistliche Macht in der Welt, von wel⸗ cher sie geistliche Wohlthaten erhalten zu koͤnnen glauben, ohne daß es noͤthig ist, daß die Regierung sich deshalb be⸗ unruhigt. Wir muͤssen die Katholiken als Engländer, Ir⸗ läͤnder und Schotten betrachten, und nicht als Bekenner ih⸗ rer Religion.
Der Manchester Mercury ist der Meinung, daß das neuliche Ungluüͤck im Coventgarden⸗Theater nicht einer Gas⸗ Explosion zuzuschreiben, sondern durch das Oel entstanden sey, welches zum Reinigen des Oelgases gebraucht worden war. Dieses Oel faͤngt, seiner Angabe nach, eben so schnell Feuer wie Terpentinöl, sobald man es in die Nähe einer Flamme bringt.
Das physiclogische Comité der Asiatischen Gesellschaft ver⸗ sammelte sich am 21. Nov. unter dem Vorsitze des Sir E. Ryun zu Chouringhee. Die Aufmerksamkeit der Anwesenden nahmen besonders die Bemerkungen des Dr. Adams üͤber die Insecten⸗Art Mantis in Anspruch. Vorzuͤglich merk⸗ wuͤrdig sind die scharfen Gebiß⸗Werkzeuge dieser kleinen Thiere, mit welchen dieselben nicht nur andere, sondern auch ihre ei⸗ gene Gattung angreifen, so daß in China die Kämpfe der Mantis den Knaben eben so viel Vergnuͤgen machen sollen, wie die Hahnen⸗Gefechte in England.
Nach Berichten aus St. John hat Dom Pedro die Irlaͤndischen Colonisten, die wider ihren Willen zu Solda⸗ ten genommen worden waren, und in Verbindung mit den Deutschen Soldaten die bekannten Unruhen in Rio Janeiro erregten, nach Neu⸗Braunschweig einschiffen lassen. Privat⸗Briefen aus Rio de Janeiro vom 22. Septem⸗ ber zufolge, ging dort das Geruͤcht, als ob Herr Calmon wieder in's Ministerium treten wuͤrde.
Niederlande.
Zweite Kammer der Generalstaaten. Sitzung v l. Derbr. Fortsotung der Discussion uͤber den Antrag -r von Bruckere. Die Gallerieen waren wie an den
t einem zahlreichen Publikum angefuͤllt.
D 8 sti mi eer Justiz⸗Minister nahm seinen Sessel ein. — Herr An⸗
gillis
8 zog, n ini - . Eiend, zog, nach einigen allgemeinen Bemerkungen uͤber das
welches e b if ich eine Revolution herbeifuͤhre, den innern Zu⸗
Ser
in diesem Falle opfert die Nation, wie der unsterbliche Ver
stand des Koͤnigreichs in Betracht. Die Ausführung der Gesetze, sagte er, findet nirgends Hindernisse, und die Unter⸗
thanen unterwerfen sich gern den gesetzlichen Bestimmungen,
wenn dieselben auch noch so lästig sind, wie z. B. die haͤu⸗
sigen Haussuchungen, welche die fiskalischen Verordnungen
vorschreiben. — Zum eigentlichen Gegenstande der Discussion üͤbergehend, aͤußerte er: „Betrachtet man das Gesetz uͤber die Aufruhrverbrechen als ein Gegengewicht gegen die Preßfrei⸗ heit, so ist dies ein Grund mehr, um es aufzuheben. Die
—
Preßfreiheit ist fuͤr den repräseutativen Staat, was fuͤr den Menschen die Sprache ist, sie laͤßt keine Meinung ohne Ver⸗
theidiger, keinen Mißbrauch unenthuͤllt. Die Freiheit der Zeitun⸗
gen ist von der Preßfreiheit untrennbar, und darum, weil sie ge⸗ mißbraucht werden kann, braucht man noch nicht zu Ausnahmege⸗
setzen zu schreiten. Laßt euch durch die Zuͤgellosigkeit der Journale nicht in Schrecken setzen, duldet, wenn es seyn muß, dem Princip zu Liebe, kleine Unannehmlichkeiten; zer⸗ stört nicht, um des Mißbrauchs willen, eine erhabene Insti⸗ tution. Die menschlichen Einrichtungen koͤnnen nicht voll⸗ kommen seyn, da ja sogar die Natur⸗Gesetze ihre Maͤngel haben”“ — Der Redner bekämpfte dann die gegen den Bruckereschen Antrag vorgebrachten Gruͤnde und stimmte
fuͤr denselben. Hr. von Roisin unterstuͤtzte zwar den An⸗ trag, wuͤrde es aber lieber gesehen haben, wenn die Regie⸗ rung die Initiative ergriffen haͤtte, und tadelte die Zuͤgello⸗ sigkeit der Presse. — Herr von Muelenaere vertheldigte in einem ausführlichen Vortrage den Vorschlag des Herrn von Bruckere. „In einem constitutionnellen Staate,“ sagte er, „muß jeder das Recht haben, S eer und den Gang der Regierung zu 38 um seine Ansicht uͤber jeden poli⸗ tischen Gegenstand lant auszusprechen. In dieser Hinsicht kann es fuͤr Niemand ein Privilegium geben. Dies ist eine nothwendige Folge unserer Verfassung. Zerstoͤrt man diese Freiheit, so i unsere Constitution ein Trugbild. Die Regierenden duͤrfer nie aus den Augen verlieren, daß die Freiheit eines Vol⸗ vollkommen und reell seyn muß, wenn es sie lieben soll, ne
fasser des Geistes der Gesetze sagt, ihr Hab und Gut undk alle ihre Interessen fuͤr die Vertheidigung der Freiheit auf⸗ und traͤgt die druͤckendsten Auflagen.“ Der Redner aͤußerte sich darauf in den heftigsten Ausdruüͤcken gegen die Aufruhr⸗ Gesetze und vertheidigte den Antrag, durch dessen Verwer⸗ fung die Kammer, wie er meint, ihre Ehre betheiligen wuͤrde. — Van Sytzama widerlegte in Holländischer Sprache mehrere Behauptungen des vorigen Redners, und stimmts gegen den Antrag, den er unzeitig fände. — Van Gene ten sprach sich guͤnstig fuͤr denselben aus, aber nur dare weil er eine baldige Abschaffung der willkuͤhrlichen Auf⸗ Gesetze wuͤnsche. — Hr. van Rheenen bekannte sich ganz den Absichten des Hrn. van Muelenaere. — Van Liedel d Wel sprach sich gegen den Vorschlag aus, der durch das in Thron⸗Rede gegebene Versprechen des Königs überflüssig worden sey. — Herr Beclaerts van Blockland die Gruͤnde, mit denen Herr von Bruckere seinen Antr. unterstuͤtzt hatte, und suchte die meisten als unhaltbar dar zustellen. Besonders tadelte er die Heftigkeit und Un
nenheit der Zeitblaätter und auch die einiger Redner, wel die Besorgniß ausgesprochen hatten, Europa moͤchte die
derländer fuͤr ein aufruͤhrerisches Volk halten, weil es Ge⸗ setze wider den Aufruhr habe; es seyen ja (meinte er) Ge⸗ setze gegen den Diebstahl u. s. w. vorhanden, ohne daß man deßhalb dem Volke den Vorwurf dieser Verbrechen mache⸗ Der Redner tadelte endlich den, wie er sagte, uüͤbelklingenden Ausdruck eines Mitgliedes, die Minister wollten die Belgier protestantisiren. Seine Antwort auf diesen Vorwurf wolle er einzig aus dem Budgaet schöpfen, in welchem der katho⸗ lische Kultus mit einer Summe von 1,300,000 Fl. dotirt sey ; er stimme gegen die Proposition. — Die Herren Serruys und Geelhard della Faille stimmten fuͤr, — Le⸗ clercg, Lemker und de Melotte gegen den Antrag. — Herr Ppcke meinte, das Koͤnigliche Versprechen sey compli⸗ cirt, die vorliegende Proposition aber eine einfache, die er aus diesem Grunde unterstuͤtzte. Herr Fockema gab besonders den Grundsaͤtzen, welche Herr Fabri Longree neulich ausgesprochen, seine Zustimmung, mißbilligte dagegen mehrere Ausdruͤcke der vorigen Redner; er greife die Preß⸗ freiheit nicht an, finde aber den Preßunsug gefährlich. Er wolle die Maaßregeln der Regierung abwarten. Die Sitzung, welche um 11 ½ Uhr begonnen hatte, wurde 3 ¾ Uhr ge. schlossen. — In der Sitzung vom 2. Dechr. wurden noch 7 Redner füͤr und 3 gegen die Bruckeresche Proposition gehört. Nachdem die Liste der eingeschriebenen Redner 9er
“
22
A“
“