1828 / 337 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

EI1n 2 8 8₰ Ueber die diesjährige Sitzung der Niederlaͤndischeꝛn Kam 2 mern außert sich die Times folgendermaaßen: „Die zweite Kammer der General⸗Staaten der Niederlande hat zu allen Zeiten, seit Einfuͤhrung des . einen lobenswer⸗ then Geist der Freiheit und der 2 aterlandsliebe, in ihren Verhandlungen über die Gesetze, und in ihren Verbesserungs⸗ Vorschlaͤgen, an den Tag gelegt. Die vorgeschlagenen Maaß⸗ regeln des vortrefflichen Monarchen werden sehr genau un⸗ ecersucht, und auf noͤthig befundenen Abaͤnderungen besteht man mit ausdauerndem Ernst.“ Nach dieser Einleitung giebt die Times einen Auszug der letzten Debatten uͤber die Presse. .

Es ist eine parlamentarische Schrift erschienen, die ei⸗ nen Bericht uͤber die Arbeiten der, mit Untersuchung der Wohlthäͤtigkeits⸗ und Erzichungs⸗Anstalten in ganz England beauftragten Commissarien euthaͤlt. Ueber 15 Grafschaften in England und Wales sind noch keine Berichte eingelaufen, aber in den bereits untersuchten Grafschaften und Staͤdten, uͤber welche Bericht erstattet wird, brläuft sich die jaͤhrliche Einnahme zum Besten dieser Anstalten auf die ungeheure 1 von 480,000 bis 500,000 Pfd. . 8 4 Vor einigen Tagen fand in einer Kapelle in der Naͤhe der Westmenster⸗Abtei die jäͤhrliche Versammlung der in West⸗ minster einheimischen Missions⸗Gesellschaft statt; sie be⸗ stand groͤßtentheils aus sehr jungen und sehr alten Frauen⸗ 5 zimmern. Die Sitzung ward mit einem geistlichen Liede er⸗ zffnet. Hierauf sprach der Praͤsident groͤßtentheils von den Anstrengungen Wesley s und Whitfield's, die Heiden⸗Missio⸗ nen zu befoͤrdern, die zu nichts weiter als zu Reactionen in England geführt haͤtten, und ruͤhmte den Zweck der gegen⸗ waäͤrtigen Gesellschaft, sich auf Missionen im Inneren zu be⸗ schraänken. Nach ihm las ein Mitglied den Bericht der Ge⸗

i ufensten Umgebungen von Westminster besucht en 2900 religiöse Abhandlungen unter die verdor⸗ bensten Klassen von Leuten ausgetheilt worden waren. Die Ausgaben waren seit 1826: 19 Pfd. 15 Sh. 6 Pence, und die Einnahmen 16 Pfd. 5 Sh. 5 Pence gewesen, wonach die Gesellschaft dem Kassirer 3 Pfd. 10 Sh. 1 Pence schul⸗ dig geworden war. Der Redner sprach die Hoffnung aus, daß durch die heutige Einnahme das Defiecit gedeckt werden wuͤrde. Ein anderes Mitglied bemerkte, daß eigentlich ein jeder Hausvater ein inlaäͤndischer Missiongir werden muͤsse; dann wuͤrden sich die Missionen unterhalten koͤnnen, ohne sich aͤngstlich nach Huͤlfe zu ihrer heiligen Arbeit umsehen zu duͤrfen. Uebrigens sey es auffallend, daß die Gesellschaft so käͤrglichen Fonds besaͤße, da sie von dem Reichthum und Glanz des schoͤnsten Theiles von London umgeben waͤre, und ein Prachtgebaͤude (die Westminster⸗Abtcy) als Nachbarschaft hätte, in dem die Asche von Koͤnigen, Fuͤrsten und Helden laͤge. Aus den Verhandlungen geht uͤbrigens hervor, daß die Missio⸗ naire, je zwei und zwei, von Haus zu gehen, um ihre Ab⸗ handlungen und fromme Lehren zu verbreiten. Die Kapelle war nur zur Häͤlfte gefuͤllt. „Herr Cobbett,“ sagt

die Ferss, Eran⸗ esAnr in seinem interessanten Werk uͤber das Indische Ge⸗ Fae 2 wunderbaren Kraͤfte der Collectiv⸗Weisheit ganz in Erstaunen versunken zu seyn. „Die Collectiv⸗Weis⸗ heit,“ außert er, „ist ein Universal⸗Genius; gewoͤhnliche eute leben fuͤr besondere Zweige der Gelehrsamkeit, oder fuͤr besondere Geschäfte des Lebens, aber die Collectiv⸗Weisheit ist in jeder Sache gleich erfahren.“ So wie der Ruͤs⸗ sel dieses wunderbaren Thiers, des Elephanten, eine unglaub⸗ Aiche Kraft besitzt, und zugleich ein so zartes Gefuͤhl hat, daß 8 er die kleinsten Gegenstaͤnde zu zergliedern faͤhig ist, so kann . fene in einem Augenblick Millionen von National⸗Geldern herbeischaffen, Pallaäͤste und Kirchen aufrichten und ein Vier⸗ heil des Festlandes befestigen lassen, oder befehlen, daß Ker⸗ ker und Gefängnisse aufsteigen, um die Englaͤnder aufzuneh⸗ men, die der Staats⸗Secretair für verdaͤchtig halten will oder soll; und in dem naͤchsten Augenblick kann sie, so hur⸗ tig wie eine Biene von der Margnolia zu der Pimpernelle, zu den geringsten Gegenständen fliegen, und kann denen, die —— Gluͤck haben, unter ihrer Aufsicht zu leben, genau die Tiese eines Ladenfensters angeben; auch kann sie genau die w Passagiere bezeichnen, welche eine Landkutsche auf⸗

291 der* 3 e. wenn die, weiche gefahren seyn wollen, nicht wissen oder sich nicht darum kuͤmmern, ob sie in Gefahr sind ber nicht. Das W. erbarste aber ist, daß diesen besonde⸗ Zugang zur rsamkeit diejenigen in ihrer Collectiv⸗ . Fähigkeit besitzen, sich in ihrer besondern Faͤhigkeit von meisten ihrer Landsleute gluͤcklicherweise dadurch unter⸗ daß sie nicht nothig haben, irgend etwas zu verste⸗ 8 dessen Werth sie vollkommen aner⸗

3 Fähigkeit in der Bestenerung hat

Das

hen ein Privilegium, Ihre besondere

kennen.

1n . 11n“]

sellschaft seit ihrer Gruͤndung im Jahre 1826 vor, nach wel⸗

eine gleichzeitige Pruͤfung bestanden, welche fuͤr die Briti⸗

sche Gesetzgebung das ist, was dem T gh⸗ Beredsamkeit die Gesticulation war. bei der beim Molière in Prosa sprach, ohne davon *— der Cid hen, so haben unsere Collectiv⸗Weisen die verste⸗ herrlich eingerichtet, ohne die Grundsaͤtze derselben nang gantd Sie koͤnnen nicht einmal ihr Privat⸗Vermoͤgen —, enmen. von Hundert sind Neun und neunzig mit dem Zustans 7 2₰ Vermoͤgens unbekannt, und werden von Verwaltern 8 dern Leuten hintergangen. Dagegen aber besitzen sie din 8 zendsten Faͤhigkeiten, das Vermoͤgen des Staats zu verbesse * und dieses Lob gebuͤhrt ihnen, daß die Englander unter Leitung von allen Voͤlkern in der Welt am Besten sind. Ist doch fuͤr unsere Wohlfahrt nichts nothwendiger als dies. Ein Volk, was wenig Steuern bezahlt, moͤchte vielleicht schwer zu beherrschen seyn, denn nur die, welche stets thaͤtig seyn muͤssen, haben wenig Zeit und weniger Neigung. Unfug anzurichten. Deshalb haben denn auch tausend Ge⸗ setzgeber ohne Studium, aus reinem Instinkt als das Aller⸗ heiligste in der Gesetzgebung den Grundsatz gefunden, daß man sich den groͤßtmoͤglichen Betrag des Geldes beisteuern lassen muͤsse. Vor der glorreichen Revolution scheint ihr Genius irgeud wie gefesselt gewesen zu seyn; aber dieses gro⸗ ße Ereigniß, welches uns unsere protestantische Verfassung gegeben hat, gab den Gesetzgebern Muth und Freiheit zu handeln, und so wurden sier befähigt, die Verdienste je⸗ ner Verfassung auf das Befriedigendste zu bestaͤtigen. Ist es denn doch in jedem Falle besser, daß die Leute be⸗ steuert und zufriedengestellt sind, als daß sie ohne Besteue⸗ rung mißvergnuͤgt werden. So lange daher die Collectiv⸗ Weisen in der Besteuerung wie bieher fortfahren koͤnnen, brauchen sie sich durchaus keine Sorgen zu machen; sie koͤn⸗ nen ja die Zeit zwischen einer Besteuerungs⸗Bill und der andern mit den gewoͤhnlichen Bills der kleinen Gesetzgebung ausfuͤllen, mit solchen Bills, die die Strafen auf den Han⸗ del mit Rebhuhn⸗Eiern oder auf den Wilddiebstahl erhöͤhen;

oder sie koͤnnen eine Tonne fuͤr einen Wallsisch auswerfen,

in Gestalt einer Commission zur Untersuchung der Miß⸗ braͤuche des Gesetzes.“

Ein Brief in der Times spricht sich uͤber die Art und Weise aus, wie die Gutsherren die benachhbarten 40 Shil⸗ lings⸗Freisassen zu bewegen wuͤßten, immer fuͤr jene oder hes Freunde zu stimmen. Sie geben ihnen naͤmlich von ihrem Grund und Boden eine Pacht, weiche viel mehr werth ist, als ihr freies Eigenthum, fuͤr welches aber auch zugleich die Freisassen bei den Willen der Verpaͤchter unterworfen sind. Auf andere aber ahnliche Weise wird die Art der Bestechung auch in Irland getrieben. Die Times meint indeß, daß der bloße Instinct des eigenen Interesse die Irlaͤndischen Gutsbesitzer jetzt, wo die Freisassen sich aller jener Vortheile ungeachtet gegen sie . bewegen wuͤrde, die bisherigen Verhaͤltnisse zu udern. 1 „Wir leben,“ bemerkt der Examiner, „in einem Zeit⸗ alter politischer Widerspruͤche. Vor weniger als 12 Mona⸗ ten freuten wir uns uͤber die Zerstoͤrung der Tuͤrkischen Flotte. Das Wort „„widerwaͤrtig““ in des Koͤnigs Rede erregte Unwillen; die Darstellung der Tuͤrken als „„unserer alten Bundesgenossen““ empoͤrte Viele. Seitdem sind wir ganz zaͤrtlich gegen die Pforte geworden und hegen lebhafte Be⸗ sorgniß, daß eine so interessante ungläaͤubige Macht fuͤr Eu⸗ ropa verloren gehen sollte. Sonst war es eine gute, liberale Lehre, sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Na⸗ tionen zu mischen; jetzt sind die Minister sehr getadelt wor⸗ den, weil sie die Ordnung nicht in Portugal wieder herge⸗ stellt haben. Fruͤher betrachtete die Aufklaͤrung den Geist des Aberglaubens mit feindseligen Blicken; seit Kurzem ist der Liberalismus mit der Irländischen Geistlichkeit Hand in Hand gegangen. Ehedem waren politische Clubs, als Kin⸗ der des Satans und Jacobinismus, verdammt, doch jetzt haben wir Braunschweig⸗Clubs; sonst war ihnen der Herzog von Wellington das Ideal eines Kriegers und Politikers, jetzt muͤssen ihm oͤffentliche Versammlungen zu Aufsehern ge⸗ setzt werden. Ein Theil der Tory's hat seinen starken Un⸗

Parlaments⸗Wahlen dem

willen uͤber die Errichtung von Clubs ausgesprochen, welche

dem Premier; Minister Besehle ertheilen wollten. Man eifert gegen die Clubs, nicht weil üͤberall der Friede der Na⸗ tion am Herzen liegt, sondern weil man jeder Entwickelung der Volkskraft abhold ist. Die Braunschweiger spielen hie⸗ bei die traͤurigste Rolle. Herr O'Connell dagegen ist, wie Shakespeare’s Mercutio, ein Mann, welcher mehr in einer Minute sagen wird, als er in einem Monat verantworten

kann; das Drohen mit der Rebellion von seiner Seite ist Nichts als eine rhetorische eeee.] 1““